Psalm 16

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 16)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 16)

1 miktama von (für, über, nach Art von ) David.

Schütze mich, Gott,
denn ich berge mich bei dir (vertraue dir)!


2 Ich sage (du sagst)b zu (über, was ... angeht) JHWH: „Mein ({Mein}) Herr [bist] du!
Mein Wohlergehen (Glück) [ist] nicht außer durch dich (nicht über dir?)!“,b
3 Zu den (über die, was ... angeht) Heiligen,c die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,d die (meine) Herrlichen:c
Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“e
4 Es vermehren ihre Schmerzenf (ihre Götzenbilder; es werden vermehrt die Schmerzen derer), die einem anderen (die anderen) nacheilen (?, umwerben?),g
Nicht werde ich libieren ihre Blutlibationen (ihre Libationen mit [meiner] Hand),h
Nicht werde ich heben ihre Namen auf meine Lippen!i


5 JHWH [ist] das Teil meiner Zuteilung und meines Bechers,
Zieher meines Lossteins (Erhalter meines Loses).j
6 Schnüre fielen mir auf Liebliches (liebliches [Land]),k
ja, mein Erbbesitz (der Erbbesitz)l dünkt mich schön!m


7 Ich will preisen JHWH, der mich berät,
ja, [selbst] in den Nächten belehren (züchtigen) mich meine Nieren.n
8


9
10 Denn du wirst meine Seele nicht dem Scheol überlassen, du wirst deinen Frommen nicht dem Sehen der Grube (des Grabes) hingebeno.
11 Du wirst mir kundtun (mich erkennen lassen) den Weg (Pfad) des Lebens; [eine] Fülle (Sättigung) der Freuden ist vor deinem Angesicht, Annehmlichkeiten (Freuden, Liebliches) in deiner Rechten allezeitp.

Anmerkungen

amiktam - Unbekanntes Wort, das vermutlich als Überschrift die Gattung von Ps 16 und Ps 56-60 angeben soll; daher meist mit dem Platzhalterbegriff „Lied“ übersetzt oder einfach transkribiert; für die LF ist wohl ersteres zu empfehlen.
Im Talmudhebräischen bedeutet das Wort „Dokument“, im Neuhebräischen „Epigramm“; LXX hält es für ein ebensolches, in Stein Gehauenes, und übersetzt mit steleographia („Inschrift“, so auch BB und viele Kommentare). In allen drei Fällen wird das Wort aber wohl eher mit miktab („Geschriebenes“) verbunden, das sich als Psalmüberschrift in Jes 38,9 findet (Pietersma 2010, S. 524f.), was man schön an Tg sieht: Dieser hält das Wort wohl für eine Mischbildung aus miktab und tam („aufrecht“) und übersetzt „aufrechte Inschrift“. Ähnlich verfahren auch Aq, Sym, VUL, Raschi und andernorts Tg, zerlegen das Wort in die Bestandteile mk und tm und übersetzen „vom demütigen und aufrechten David“. Dass das Wort unbekannt war, sieht man noch besser an Quinta und Sexta, die bloß transkribieren: machtham. Luther leitet das Wort ab von ketem („Gold“), daher die Üs. „gülden Kleinod“ in den Lutherbibeln. Das „Sühngedicht“ von B-R und Stier2 kommt von einer Ableitung von katam („bedecken“), das auch für das „Sühnen“ von Sünden stehen kann (so z.B. auch Sawyer 2011b, S. 294). (Zurück zu v.1)
bTextkritik: Vv. 2-4 gehören zu den umstrittensten Versen im Psalmenbuch überhaupt. Teilweise liegt das daran, dass sich hier eine Reihe textkritischer Probleme finden; zu diesen s. den Kommentar / Textkritik Vv. 2-4.
Zu Vv. 2-4: Weiterhin sehr erschwert wird das Verständnis dieser Verse durch viele (oben im Text angezeigte oder in den folgenden FNn angegebene) Ambiguitäten, die zusammengenommen dazu führen, dass der Text auf ganz verschiedene Weisen verstanden werden könnte. Hinzu kommt v.a. noch die Problematik, dass das Hebräische keine Anführungs- und Schlusszeichen kennt und daher auch V. 3 oder sogar noch V. 4 als wörtl. Rede vom „ich sage/du sagst“ in V. 2 abhängen könnten; außerdem die Tatsache, dass V. 3b auch als unmarkierter Relativsatz verstanden werden kann. Neben der obigen (z.B. auch von ALB und MEN) gewählten Auflösung hier nur noch die drei häufigsten Alternativauflösungen, die grammatisch auch möglich sind:
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen –: Mein ganzes Wohlgefallen richtet sich auf sie. (z.B. LUT17)
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: [V. 4]. (z.B. Ridderbos 1972, S. 157)
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“], zu den Heiligen (Götter), die im Land sind – [zu] diesen, (und) den Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: „[V. 4](z.B. Weber 2001, S. 96)
Ein letztes und wichtiges Beispiel für eine andere Auflösung, die den Sinn der Verse völlig verändern würde, ist die von Craigie 1983, Franken 1953, Tournay 2001 und der Jerusalemer Bibel (vgl. wichtig auch Mannati 1972), die amart in V. 2a als 2. Pers. verstehen, die „Heiligen“ als Ausdruck für Götter und 2b als gegensätzliche Aussage von 3b: „Ihr sagt zu Jahwe: ‚Mein Herr! / Du bist mein Glück, über dich geht nichts!‘; zu den ‚Heiligen‘, denen, die da auf Erden sind: / ‚Ihr Prächtigen mein! Bei euch ist mein ganzes Gefallen!‘“. Der Psalmist zitierte dann also vorwurfsvoll synkretistische Gegner, die neben JHWH auch noch irdische „Götter“ anbeten. Will man bei der textkritischen Entscheidung zu 2b nicht mitgehen, wäre diese völlig andere Deutung wohl die nächstwahrscheinlichere; will man die „Heiligen“ nicht als Götter verstehen, wieder eine andere mit sehr unterschiedlicher Bedeutung usw. – Vv. 2-4 sind und bleiben sehr unsicher. (zu v.2)
cHeilige + die Herrlichen - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. Ex 19,6; Dtn 33,3; Dan 7,21.25; Ps 34,10. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die Israeliten JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. würdige und mächtige Menschen bezeichnet (s. Ri 5,13: Die „Edlen des Volkes“