Syntax ungeprüft


Lesefassung (Kohelet 12)
(kommt später)Studienfassung (Kohelet 12)
1 Und ({Und})〈a〉 sei eingedenk deines Schöpfers〈b〉 in den Tagen deiner Jugend,〈c〉
Bevor kommen werden die argen (bösen) Tage〈d〉
Und [bevor] nahen werden die Jahre, über die (an denen) du sagst:
„Für mich [liegt] nicht in ihnen Freudiges!“,〈e〉
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Anmerkungen
| a | Und ({ |
| b | Mitgehört werden kann wohl wirklich auch: Sei eingedenk deines Schöpfers [und damit auch der Tatsache, dass du Geschöpf und damit sterblich bist] (so z.B. Cohen, Fox, Murphy). Zunächst und zuvorderst ist V. 1 aber eine sehr viel ausführlichere Variante von Pred 11,9e: „(Jüngling, mach, was dir gefällt,) aber denke dabei daran, dass Gott dich für alles bestrafen wird [was du Falsches tust].“ Und dann hier: „[Mach, was dir gefällt, Jüngling,] aber denke dabei an Gott [der dich für Missetaten bestrafen wird]“. „Schöpfer“ (wie ähnlich in Ijob 32,22; Ijob 36,3; Jes 43,1) sieht aus wie Plural, ist aber entweder nur Pluralis majestatis für Sg. (z.B. Murphy), späte Orthographie (z.B. Fox), Wortbildung eines III-Alef-Wortes nach dem Muster eines Verbum tertiae infirmae (z.B. Gordis, Seow) oder ähnlich wie in Pred 11,9; 12,7 abnormale Wortbildung zur Herstellung eines Reims (vgl. bore`eka „dein Schöpfer“ – beḥuroteka „deine Jugend“; weitere Bspp. bei Am 5,25). Auch alle Versionen übersetzen mit Sg. Wohl wegen der ungewöhnlichen Form haben die Alten dennoch intensiver über dieses Wort nachgedacht. Zum Beispiel: „Akabja ben Mahalalel sagte: ‚Sei dreier Dinge eingedenk, und du wirst nicht der Macht der Sünde unterliegen: Woher du kamst, wohin du gehst, und vor wem du dich in Zukunft verantworten werden musst. [...]‘ (m.Ab iii 1). Das hat er aus diesem Vers abgeleitet: ‚Sei eingedenk deines bore`eka [Schöpfers], vor dem du dich verantworten werden musst, sei eingedenk deines boreka [Grabes], einem Ort von Erde, Maden und Würmern, und sei eingedenk deiner be`ereka [Quelle], die aus ihrem Ort entspringt, das heißt, dem stinkenden Tröpflein weißen Samens.‘“ (Raschi nach j.Sot xi 2). Auch Raschi las den Vers also schon in dieser doppelten Bedeutung: (1) „Denke bei deinem Handeln stets an Gott, denn er wird dir dein Tun vergelten“ und (2) „Denke daran, dass du nur ein Geschöpf bist, (entstanden aus ‚stinkendem Samen‘ und bestimmt für den Ort von Erde, Maden und Würmern).“ (Zurück zu v.1) |
| c | in den Tagen deiner Jugend deshalb, weil hier noch der mit Pred 11,9 begonnene Unterabschnitt fortgesetzt wird, in dem die Jugendzeit mit den „vielen Tagen“ des Langlebigen in Pred 11,8 kontrastiert wird. Fast alle alten und neueren Kommentatoren nehmen allerdings dieses Wort mit dem Rest des Verses zum Schlüssel für den ganzen Abschnitt und denken, dass in Pred 12,1-7 davon die Rede sei, wie schlimm ein hohes Alter ist. Das kann kaum richtig sein; Pred 11,8 macht klar, dass man (natürlich) auch mit einem langen Leben dieses ganze Leben hindurch Freude haben kann. Richtig die Zohar (I 204a): „Was sind die ‚argen Tage‘? Wenn du glaubst, das seien die Tage des Alters, liegst du daneben. Ein Mensch kann auch in hohem Alter freudige Jahre genießen, umgeben von Kindern und Enkelkindern. Was sind die argen Tage also dann? Es sind die Tage, an denen man sündigt.“ (nach Broch 1982, S. 253). Erwähnenswert noch: Maimonides hat auf diesem Vers einen zentralen Aspekt seiner Ethik aufruhen lassen, nämlich seine Theorie der wahren Umkehr: Speziell vom Jugendlichen sei hier deshalb die Rede, weil man zwei Modi der Umkehr unterscheiden muss. Erstens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine Missetat begangen hat und noch imstande wäre, sie ein weiteres Mal zu begehen, es aber wegen einer „Umkehr“ (teschubah) nicht tut, und zweitens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine früher begangene Untat zwar bereut, sie aber hauptsächlich deshalb nicht mehr begeht, weil man wegen fortgeschrittenen Alters oder verstrichener Gelegenheit ohnehin nicht mehr die Chance dazu hat. Nur, wer auf die erste Weise „umkehrt“, ist ein echter ba`al teschubah („Meister der Umkehr“); vgl. Hilkot Teschubah 2,1. (Zurück zu v.1) |
| d | die argen Tage im Gegensatz zur „Zeit des Lichts“ in Pred 11,7f.. Dort war das Licht „gut, angenehm“. Nun dagegen werden die „argen, bösen“ Tage geschildert. Besser nicht: „böse Tage“; ra´a (Zurück zu v.1) |
| e | Für mich liegt nicht in ihnen Freudiges - Fast stets übersetzt als „Sie gefallen mir nicht“ oder „Ich habe keinen Gefallen an ihnen“. Im Heb. wird dies aber ganz objektiv geschildert: Es liegt wirklich nichts Freudiges für den Sprechenden in ihnen. Besser in der LF daher vielleicht: „Ich finde an ihnen gar keinen Gefallen.“ (Zurück zu v.1) |