Psalm 5: Unterschied zwischen den Versionen

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Vv. 1-4 etwas verständlicher gemacht und ausgedünnt.
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<poem>{{S|1}} Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).<ref>Genaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt.</ref>. Zu<ref>Die Präposition {{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. {{hebr}}עַל{{hebr ende}}; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ''ad loc.'' z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar {{hebr}}עַל{{hebr ende}} stehen.</ref> Flötenspiel (nach „das Erbe“)<ref>ungeklärter Begriff.
<poem>{{S|1}} Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).<ref>''Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden)'' - Genaue Bedeutung unklar; die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt.</ref>. Zu<!--<ref>Die Präposition {{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. {{hebr}}עַל{{hebr ende}}; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ''ad loc.'' z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar {{hebr}}עַל{{hebr ende}} stehen.</ref>--> Flötenspiel (nach „das Erbe“)<ref>''Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“)'' - Bed. unklar. Heute wird der Begriff i.d.R. so verstanden, dass es sich sich um eine Angabe zur musikalischen Begleitung des Psalms handle („zum Flötenspiel“; vgl. z.B. Ges18, S. 800f.). Früher dagegen war die Deutung verbreitet, den Ausdruck als Angabe einer gebräuchlichen Melodie zu sehen, nach der der Psalm zu singen sei („nach ‚das Erbe‘“; so fast alle alten Üss. (LXX, VUL, Aq, Sym); auch König 1927; Schmidt 1934; LUT1912; auch zwei alte Handschriften ändern den Text nach {{hebr}}הנחלות{{hebr ende}} und deuten damit ebenso). Mit der Entscheidung für „zum Flötenspiel“ folgen wir der Mehrheitsmeinung.</ref>.
# „Flöten(spiel)“ ist in der neueren Exegese m.o.w. Konvention, aber es mangelt nicht an alternativen Vorschlägen (eine gute Auflistung findet sich in Ges18, S. 800f. Ergänze noch den Vorschlag einer Ableitung vom akk. ''nahâlu'' „aushöhlen“ von [http://www.jstor.org/stable/pdfplus/528414.pdf Geers 1918], S. 131.). Die alten Versionen deuten durchweg anders:
# Tg denkt an „zum Tanz“;
# LXX, VUL, Aq und Sym denken an „Erbschaften“ und zwei MSS haben sogar {{hebr}}הנחלות{{hebr ende}} stehen; so z.B. auch YLT, LUT1912; König 1927; Schmidt 1934.
 
„Nach 'das Erbe'“ scheint uns daher eigentlich sogar wahrscheinlicher, aber da auch dies nicht viel mehr als ein ''educated guess'' und zusätzlich eine wissenschaftliche Minderheitenmeinung wäre, muss man wohl bei den „Flöten“ bleiben.</ref>.
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.</poem>
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.</poem>




<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich)<ref name="Hören">Die verwendeten Verben sind interessant. I.d.R. werden diese und ähnliche Ausdrücke als ''term. tech.'' für Gebetserhörungen verwendet und dies ist auch hier ihr Sinn. Hier spielt aber ein Weiteres mit hinein: Die drei Verben verdichten eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“, V. 2b „achte auf“ (der Kontext schließt eine Übersetzung mit „verstehe“ oder „nimm wahr“ aus), V. 3a „lausche (aufmerksam)“</ref>, JHWH!
<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich)<ref name="Hören">''höre (erhöre mich)'' + ''achte auf (erhöre)'' + ''lausche auf (erhöre)'' - Drei Verben, die hier wie oft als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden. Gleichzeitig verdichten sie eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“.</ref>, JHWH!
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)<ref>Die Bedeutung dieses ''dis legomenon'' ist nicht ganz klar; vorgeschlagen wurden „Grübeln, Sinnen“, „Murmeln“, „Seufzen“, „Stöhnen“ und „flehendes Klagen“.<br />
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)<ref>''Flehen (Grübeln, Murmeln)'' - Heb. ''hagigi''; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_d Fußnote c]) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => ''hagigi'' => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also ''hagigi'' irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. Vv. 2.3a sind dann ein ''Trikolon mit Klimax'': Eine dreifach geäußerte Bitte, die immer stärker vorgebracht wird.</ref>!
Der hierige Parallelismus legt stark nahe, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet und bei der Fügung {{hebr}}בינ הֲגִיגִי{{hebr ende}} um einen Ausdruck für die Erhörung dieses Gebetes handelt (so auch schon LXX, VUL; vgl. auch Kraus 1961, S. 38): Es scheint, dass hier ein doppeltes Trikolon verdichtet ist und eine Steigerung der Gebets-„intensität“ („Stimme“ - „Flehen“ - „Geschrei“) parallel läuft mir der Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf den Betenden („Höre“ - „Achte auf“ - „Lausche aufmerksam“; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_d Fußnote d]).</ref>!
_ {{S|3}} Lausche auf (Erhöre)<ref name="Hören" /> mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
_ {{S|3}} Lausche<ref name="Hören" /> auf mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
Mein König und mein Gott: {Oh}<ref>emphatisches {{hebr}}כִּי{{hebr ende}}; im Deutschen sollte es besser ausgespart werden. In der neueren Exegese wird es allerdings meist als kausales {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} interpretiert: „erhöre mich, mein König und mein Gott, weil ich zu dir rufe“</ref> zu dir werde ich (will ich) rufen.
_ {{S|4}} JHWH: [Schon] am Morgen (jeden Morgen, Morgen) wirst (sollst, höre!) du meine Stimme hören,
_ {{S|4}} JHWH<ref>'''Textkritik''': Viele Exegeten wollen nach LXX und VUL dieses JHWH ''metri causa'' ans Ende von V. 3 verschieben (vgl. Budde 1915, S. 178; Dahood 1965, S. 28; Duhm 1899, S. 17f.; Irwin 1932, S. 10; Schmidt 1934, S. 9). Das ist aber unnötig.</ref>: (Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)<ref name="Morgen">adverbialer Akkusativ der Zeit; vgl. ''ad loc.'' A-C 2.3.2b; Dav §68. Mögliche Deutungen:
_ [Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)<ref>''zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)'' - Heb. ''`arak'' (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
# ''[Schon] am Morgen'' = von frühester Morgenstunde an (so auch einige andere Üss).
# ''`arak'' ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
# mit iterativ gedeutetem Yiqtol: ''jeden Morgen'' (so z.B. Kissane 1953). Das macht Sinn: Der „Morgen“ wird in der Bibel häufig dargestellt als die spezifische „Zeit Gottes“ (Ryken 1998, S. 566): Er ist die Zeit, in der ein Beter betete, Opfer brachte u.Ä. und entsprechend auch die Zeit, in der Gott heilsam wirksam wurde (vgl. ebd., S. 567; ''ad loc.'' z.B. auch Prinsloo 1998, S. 632).
# U.U. kann ''`arak'' nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT1912, LUT, van Ess)
# ''Morgen'' =am nächsten Tag (vgl. Ges18, S. 168): Bes. i. Zhg. mit [[Psalm 5#note_ad | Fußnote ad]] machte das Sinn; Ps 5 ließe sich dann als ein Vorbereitungsgebet für die Wallfahrt am morgigen Tag lesen.</ref> wirst (sollst, höre!<ref>Die imperativische Übersetzung wird empfohlen von Auffret 1995, Craigie 1983 und Dahood 1965. Aber da V. 4b deutlich parallel ist zu 4c, sollte man wohl doch in beiden Versen gleich - und das heißt: mit Futur - übersetzen.</ref>) du meine Stimme hören,
# Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)
_ (Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)<ref name="Morgen" /> werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)<ref>Schwieriges Verb.
# Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, den Text zu korrigieren nach {{hebr}}עמד לך{{hebr ende}} „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“.</ref> und [auf dich]<ref>''[auf dich]'' - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck („''zu dir'' beten“).</ref> warten.</poem>
 
# Meist heißt es, hier sei das Objekt ausgespart und müsse ergänzt werden - was die meisten Bibelübersetzungen auch tun: „Ich will [X] bereiten“.
# Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, zu emendieren nach {{hebr}}עמד לך{{hebr ende}} „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“.  
# Vermutlich ist nichts von beidem nötig: {{hebr}}ערך{{hebr ende}} heißt nicht nur „[X] bereiten“. Recht wahrscheinlich kann es z.B. auch reflexiv verwendet werden für „sich bereitmachen“ (vgl. CDCH, S. 344; ''ad loc.'' auch Terrien 2003, S. 104. So interpretieren außerdem wohl auch schon LUT1912, LUT, TAF, van Ess).  
# Seeligmann hat außerdem vorgeschlagen, dass {{hebr}}ערך{{hebr ende}} durchaus auch „beten“ meinen könne (vgl. Seeligmann 1967, S. 278; vgl. auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Schon wegen des Parallelismus ist dies die entschieden vorzuziehende Übersetzungsvariante.</ref> und [auf dich]<ref>zu ergänzen aus dem vorherigen Sticho (-> Brachylogie)</ref> warten.</poem>





Version vom 11. November 2015, 20:18 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Zuverlässige Studienfassung – Die Übersetzung ist vollständig, erfüllt die Übersetzungskriterien und wurde mit einigen Standards der Qualitätssicherung abgesichert. Verbesserungen sind noch zu erwarten.
Status: Lesefassung kann erstellt werden – Wer möchte, ist zum Einstellen einer ersten Übertragung in die Lesefassung eingeladen, die später als Grundlage für Verbesserungen dient (Weitere Bibelstellen zum Übertragen). Auf der Diskussionsseite ist Platz für Rückfragen und konstruktive Anmerkungen.

Lesefassung (Psalm 5)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 5)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a. Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“)b.
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Meine Worte höre (erhöre mich)c, JHWH!
achte auf (erhöre)c mein Flehen (Grübeln, Murmeln)d!
3 Lausche auf (Erhöre)c mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
4 JHWH: [Schon] am Morgen (jeden Morgen, Morgen) wirst (sollst, höre!) du meine Stimme hören,
[Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)e und [auf dich]f warten.


5 {Denn}g (Weil)h Du [bist] kein Gott (ein Nicht-Gott?i), dem Böse (Böses)j gefallen (der Böses will);
es dürfen (werden)k nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes)j;
6 es dürfen (werden)k nicht standhaltenl Frevlerm vor deinen Augenl.
([Weil])h Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholden):
7 Du wirst vernichteno Sprechende von Lügen (Lügner)
Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,)p JHWH.


8 {Doch ich}q Ich dagegen darfk dank deiner großenr Gnade (Treue, Liebe)s in dein Haus kommen (Wenn ich (dagegen) wegen deiner großen Gnade in dein Haus komme(n will))t;
ich darfk (um [dich] anzubeten)t [dich]u in (zu)v deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in Ehrfurchts.
9 ([Dann])t JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze)w mich in deiner Wahrhaftigkeitx (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)s um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)y
ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).z


10 {Denn}g (Weil)aa Es [ist] in seinem (ihrem)ab Reden (Mund)ac nichts Aufrichtiges
ihr Inneres [ist (sei)aa] ([ihr])aa Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse).ad
Ein (ihraa) offenes Grab (Tod)ae [ist (sei)aa] ihre Kehle,
([weil]aa) ihre Zunge glätten sie (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler)af.
11 Lass sie büßen (bestrafe sie)ag, Gott!
Lass sie untergehen (sie sollen untergehen)ah wegenai ihrer Pläne (Ränke)!
Wegen der Menge ihrer (ihren vielen/großen)aj Sündenschuld (Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
Sie haben dir ja nicht gehorcht (haben gegen dich rebelliert, gehorchen dir nicht).


12 Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}ak!
Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)al!
13 Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird)am den Gerechten (die Gerechten)an, JHWH;
[du bist es, der]am [sie schützen wirst (decken wirst)]ak wie mit einem Schild;
[du bist es, der]am mit Huld sie krönen wird (begünstigen wird)ao.


Anmerkungen

aChorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden) - Genaue Bedeutung unklar; die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt. (Zurück zu v.1)
bZu Flötenspiel (nach „das Erbe“) - Bed. unklar. Heute wird der Begriff i.d.R. so verstanden, dass es sich sich um eine Angabe zur musikalischen Begleitung des Psalms handle („zum Flötenspiel“; vgl. z.B. Ges18, S. 800f.). Früher dagegen war die Deutung verbreitet, den Ausdruck als Angabe einer gebräuchlichen Melodie zu sehen, nach der der Psalm zu singen sei („nach ‚das Erbe‘“; so fast alle alten Üss. (LXX, VUL, Aq, Sym); auch König 1927; Schmidt 1934; LUT1912; auch zwei alte Handschriften ändern den Text nach הנחלות und deuten damit ebenso). Mit der Entscheidung für „zum Flötenspiel“ folgen wir der Mehrheitsmeinung. (Zurück zu v.1)
chöre (erhöre mich) + achte auf (erhöre) + lausche auf (erhöre) - Drei Verben, die hier wie oft als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden. Gleichzeitig verdichten sie eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“. (zu v.2 / zu v.3)
dFlehen (Grübeln, Murmeln) - Heb. hagigi; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. Fußnote c) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => hagigi => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also hagigi irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. Vv. 2.3a sind dann ein Trikolon mit Klimax: Eine dreifach geäußerte Bitte, die immer stärker vorgebracht wird. (Zurück zu v.2)
ezu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich) - Heb. `arak (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
  1. `arak ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
  2. U.U. kann `arak nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT1912, LUT, van Ess)
  3. Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)
  4. Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, den Text zu korrigieren nach עמד לך „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“. (Zurück zu v.4)
f[auf dich] - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck (zu dir beten“). (Zurück zu v.4)
gemphatisches כִּי; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von כִּי ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. Alternativ s. nächste FN. (Zurück zu v.5 / zu v.10)
hDie Standardübersetzung wurde als die primäre angegeben; alternativ möglich - und wohl auch schöner - ist die Deutung des כִּי als kataphorisches כִּי und von 6b als Kausalsatz; entweder wg. Brachylogie des כִּי oder wg. Qatal (-> unmarkierter Nebensatz), also:

Weil du kein Gott bist, dem Böse gefallen, / dürfen nicht wohnen bei dir Schlechte;

es dürfen nicht standhalten Frevler vor deinen Augen, / weil du alle Unholde hasst. (Zurück zu v.5 / zu v.6)
iso unnötigerweise Dahood 1965, S. 30: „A no-god delights in evil, / but you - no evil man can be your guest.“ Im ersten Moment könnte es übrigens sogar so scheinen, als würde diese Interpretation von der Punktation gefordert, denn „Böse“ und „du“ ist im hebräischen Text durch ein Paseq getrennt. Aber Paseq wird auch verwendet, um z.B. gegensätzliche Worte voneinander abzuheben (vgl. z.B. GKC §15.f.3b), so dass auch er nicht als Indiz für diese Interpretation des Verses gedeutet werden kann. Wegen dem Parallelismus ist daher entschieden die Standard-deutung vorzuziehen. (Zurück zu v.5)
jSpätestens V. 6 wird klar, dass hier von Menschen die Rede ist; daher ist durchaus so zu übersetzen. Dennoch werden meist beide oder mindestens das erste Substantiv als Abstrakta gedeutet („Böses“ + „Schlechtes“). (zu v.5)
kpermissives Yiqtol (Zurück zu v.5 / zu v.6 / zu v.8)
lDieser Sticho ist raffiniert gedichtet. יצב wird meist übersetzt mit (1) „stehen“; es kann aber auch meinen sowohl (2) das „Stehen-bleiben“ i.S.v. „verweilen“ als auch (3) das „Be-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“).

Weiterhin לְנֶגֶד עֵינֶיךָ vor deinen Augen kann sowohl schlicht „vor dir“ meinen als auch „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).
Auf diese Weise ist der Sticho parallel sowohl zu 5b („Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht bleiben vor dir“) als auch zu 6b („Sie bestehen nicht vor deinem Urteil / du hasst sie“); man nennt dies „Janus-parallelismus“.

Weil wie gesagt יצב auch verwendet werden kann i.S.v. „am Leben bleiben“, ist er außerdem parallel zu V. 7a („Sie dürfen nach deinem Urteil nicht bestehen bleiben, ... / Du wirst vernichten Lügner“). Vielleicht könnte man dies entsprechend bezeichnen als Cerberus-parallismus. (zu v.6)
mהוללים ließe sich entweder ableiten von הלל I lärmen, (sich) rühmen, preisen oder von הלל III töricht sein, was nach ZLH, S. 193 auch bedeuten kann: „freveln“. Möglich wären also die Übersetzungen:
  1. „Die, die sich selbst preisen“
  2. „Angeber, Lärmer“ (dies: Mehrheitsübersetzung),
  3. „Törichte, Verblendete“
  4. „Frevler“.

Da הוללים aber im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als moralische Kategorie verwendet wird; man wird sich daher Zorell anschließen müssen. Vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.
Anm. d. Üs. (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass הוללים zusammenspielt mit den דּׁבְרֵי כָזָב in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach Kön, S. 174; ZLH, S. 351; konstruiert als Genitivus directionis; vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die הוללים wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für Götzenanbeter sein. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil Dahood 1965, S. 32 vorgeschlagen hat, dass man „Gewaltverbrecher und Betrüger“ in 7b auch deuten könnte als „Männer von Götzen und Idolen“; er ist damit allerdings, wenn ich richtig sehe, auf recht wenig Zustimmung gestoßen. Folgte man aber Dahood, könnte man die Stelle deuten:

Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht standhalten, / Du hasst alle Unholde.

Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH. (Zurück zu v.6)
nFür die Alternative „Unholde“ sollte man sich u.U. noch eine andere Übersetzung überlegen. Die Logik hinter dieser Übersetzung war: (1) „Tuer von Unheil“ ist ein Standardbegriff für die Feinde des Beters in individuellen Klagepsalmen (vgl. ThWAT I, S. 157-9) - sie sind ihm „nicht hold“ -, (2) das „Unheil“, das sie begehen, wird stets als etwas bestimmt, das dem Willen JHWHs widerspricht (gut ThWQ I, S. 95: „Unheiliges“) und (3) diese „Tuer von Unheil“ werden öfters mit derart nahezu mythischem Vokabular beschrieben, dass es seit Mowinckel zu einer Auslegungstradition gekommen ist, die diese „Tuer von Unheil“ regelmäßig als Zauberer und Dämonen identifiziert (aber dagegen vgl. THAT I, S. 82f.). Diese drei Aspekte schienen mir am Besten zusammenzulaufen im Begriff „Unhold“, für die LF ist er aber wohl etwas zu altbacken.
Wichtig ist außerdem noch, dass als das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, meist Wort-Sünden geschildert werden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7. (Zurück zu v.6)
oWortspiel im Hebräischen: אבד Piel heißt nicht nur zerstören, sondern auch in die Irre gehen lassen, was semantisch zusammenspielt mit dem obigen Nicht-Wohnen/nicht-Bleiben-dürfen der Frevler. (Zurück zu v.7)
pTextkritik: Craigie 1983, Gunkel 1968 und Schmidt 1934 wollen nach VUL „verabscheut (JHWH)“ emendieren zu תתעב „verabscheust du, (JHWH)“. Unnötig: P-Shift. Auch dann sollte man aber in der Lesefassung besser mit „verabscheust du, JHWH“ übersetzen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind. (Zurück zu v.7)
qHeb. וַאֲנִי. Dies dient hier nicht dem Ausdruck von Emphase („Und ich, ich darf...“; so die meisten - was ohnehin kein gutes Deutsch ist), sondern soll die Betrüger in der vorherigen Strophe mit dem „Ich“ in dieser Strophe kontrastieren. Übersetze: „Ich dagegen darf...“ (Zurück zu v.8)
rwörtl. scheinbar „In (בְּ) der Menge deiner Gnade“ - doch ist dies hier ein „Beth rationis impellentis“: Gottes Güte veranlasst ihn zu besagter „Erlaubnis“; daher „dank der Menge deiner Gnade“. Zu „deine große Gnade“ statt „Menge deiner Gnade“ vgl. z.B. CDCH, S. 411. (Zurück zu v.8)
sV. 8ab.9a haben je eine mit בְּ eingeleitete und mit ךָ zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (-> grammatischer Parallelismus), aber es lässt sich dieser Parallelismus wohl leider nicht ins Deutsche übertragen: „in deiner Furcht“ heißt natürlich „ehrfürchtig“ und „in deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. Ps 21,14; Ps 25,5; Ps 68,11 u.ö.): „Bei deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“. (zu v.8 / zu v.9)
tDie Mehrheitsdeutung der Syntax wurde als Primärübersetzung angegeben. Alternativ ließe sich 8a auch als Protasis von 9ab lesen:

Wenn ich dagegen dank deiner großen Gnade in dein Haus kommen will, (X-Qatal -> unmarkierter Nebensatz) / Um dich in deinem heiligen Tempel ehrfürchtig anzubeten, (Yiqtol -> unmarkierter Nebensatz; vgl. auch GKC §120c)

Dann, gerechter JHWH, führe mich wegen meiner Feinde; / Ebne mir den Weg zu dir. (zu v.8 / zu v.9)
uaus dem Kontext zu ergänzen (->Brachylogie) (Zurück zu v.8)
vאֶל kann auch lokative Bedeutung haben und hat es hier auch sehr sicher, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998TAF; van Ess: „in deinem Tempel“ (Zurück zu v.8)
wZu נחה als „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ vgl. ThWAT V, S. 335 (Zurück zu v.9)
x„Wahrhaftigkeit“ wurde deshalb als primäre Übersetzung gewählt, weil in V. 10 als Grund für die Bitte in V. 9 die Lügenhaftigkeit der Feinde des Beters angeführt werden, die ja den ganzen Psalm hindurch als Lügner und Betrüger dargestellt werden. Die Rolle JHWHs ist hier der der lügnerischen Feinde des Beters entgegengesetzt; „Wahrhaftigkeit“ scheint mir hier daher besser passend als „Gerechtigkeit“. Vielleicht noch schöner ist „Wohlwollen“, das aber nicht in vielen Lexika verzeichnet wird. (Zurück zu v.9)
yMeist „um meiner Feinde Willen“. Die Phrase hat enge Parallelen in Ps 27,11 („Lehre mich, JHWH, deinen Weg / und leite mich auf deinem Pfad um meiner Feinde willen.“ (OfBi)) und Ps 69,19 („Sei mir nah, erlöse mich, / um meiner Feinde willen befreie mich.“ (ZÜR)); vgl. außerdem noch Ps 8,3. An allen drei Stellen ist jemand in Bedrängnis und JHWH handelt gut an ihm, ohne dass dieses Heilshandeln eigentlich den Feinden zum Nachteil gereichen würde. Dennoch aber ist stets angegeben: „um der Feinde willen“.
  1. Entweder bezeichnet daher hier למען jeweils nicht diejenigen, um derentwillen etwas geschieht, sondern das, was Motivation für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „wegen meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (Ps 5,9 + Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Besonders in Kombination mit der Syntaxdeutung in FN y scheint mir das sinnvoll: Der Psalmist will sich auf den Weg zu JHWHs Tempel machen, doch da er sich vor den Feinden fürchtet, die ihm unterwegs lauern (könnten), bittet er dazu um Gottes Beistand. Noch besser, wenn in FN h Deutung 3 und in FN ae Deutung 2 der Vorzug gegeben und der Psalm als Vorbereitungsgebet für eine morgige Wallfahrt gelesen wird.
  2. Alternativ könnte man sich evt. wirklich Buttenwiesers Lösungsvorschlag anschließen: B. analysiert למען als לְ plus מען, einem vom Verb ענה „antworten, Zeugnis geben, widerlegen“ abgeleiteten Infinitiv (למען selbst wird gern in Zhg gebracht mit ענה; vgl. z.B. Ges18, S. 713; HKL III, §396d; Mitchell 1915, S. 142f.; ZLH, S. 458): „zur Widerlegung meiner Feinde“; vgl. Buttenwieser 1938, S. 180. Wenn diese Analyse wirklich gangbar wäre, machte sie Sinn, denn sowohl in Ps 5,9 als auch Ps 27,11 ist die Bedrängnis, aus der JHWH den Beter retten soll, die durch Lügner und Betrüger - und die sollen widerlegt werden, indem JHWH dem Beter den rechten Weg weist. Allerdings ist mir nicht völlig klar, wie מען ein Infinitiv von ענה sein soll, daher ist doch Deutung 1 der Vorzug zu geben. (Zurück zu v.9)
zMögliche Deutungen:
  1. „dein Weg“ i.S.v. der von JHWH gewiesene Weg; seine „Lebensweisung“ an die JHWH-Gläubigen; er bezeichnet die gerechte Lebensweise. Hier wird diese JHWHs Wille entsprechende Lebensweise kontrastiert mit der der Lügner und Betrüger, wie z.B. auch in Spr 4,26. Dass Gott dem Beter den Weg „ebnen“ soll ist die Bitte darum, dass er ihm das JHWHs-Weisung-Folgen erleichtern möge. (so die meisten)
  2. „den Weg zu dir“ (Genitivus directionis); vgl. FN ad. (Zurück zu v.9)
aaDieser Vers ließe sich auf zwei Weisen lesen. Die stets Vertretene ist als Primärübersetzung angegeben; sie lautet etwa:

Es ist in ihrem Reden nichts Aufrichtiges, / ihr Inneres ist Verderben, / ein offenes Grab ist ihre Kehle / ihre Zunge glätten sie.

Alternativ ließe sich (a) Das כִּי in 10a kataphorisch und V. 10a als Protasis mit 10b als Apodosis lesen,(b) 10d als Protasis der Apodosis 10c