Psalm 4

Aus Die Offene Bibel

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Lesefassung (Psalm 4)

1Für den Chorleiter. Mit Saitenspiel.
Ein Davidspsalm.

2 Du wahrer Gott: Erhör mich, wenn ich zu dir rufe!
Aus meiner Not errette mich,
Hilf mir, gewähr mein Bittgebet!


3 Wie lange wollt ihr Gott noch schmähn?
Wie lange wollt ihr Lügen lieben?
Wie lange noch zu Götzen flehn?
4 Begreifts: ⸂Gott⸃ handelt wundervoll an dem, der ihn verehrt
Wann immer ich ihn bat - stets hat er's mir gewährt.
5 Wenn ihr erregt seid sündigt nicht,
Und wenn ihr nachdenkt schweigt!
6 Allein dem wahren Gott bringt Opfer,
Vertraut auf ⸂unsern Gott⸃ allein!


7 Viele schrien: „Wer tut uns Gutes nun,
Da du, oh ⸂Gott⸃ , uns nicht mehr wohlgesonnen bist?“ -
8 Doch mich hast du erfüllt mit Freude,
Als Korn es gab und Wein im Überfluss.
9 Leg ich mich friedlich hin, dann schlaf ich sofort ein:
Bei dir, oh ⸂Gott⸃ , ist meine Ruhe sicher und geschützt.

Anmerkungen

Studienfassung (Psalm 4)

1Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden). Mit Saitenspiel (Flötenspiel)a
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Wenn (weil) ich rufe antworte mir (erhöre mich)b, oh du mein wahrer Gott (mein gerechter Gott, Gott meines Heils, Gott meiner Gerechtigkeit)!c
In der Enge (Not) schaff mir (hast geschaffen)d Weite (hilf mir in meiner Not)e
Erbarme dich meiner und höre (erhöre)f mein Flehen (Gebet)!


3 {Männer}g Wie lange [ist] mein Herrlicher (Gott, meine Ehre)h geschmäht (zum Schimpf)?i
[Wie lange] wollt ihr Nichtiges (Leeres, Abgötter)j lieben?
[Wie lange] wollt ihr Lügen (-gebilde, Götzen)j anflehen (suchen)? {Sela}k
4 Wisst, dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. scheidet (wirkt Wunder an, handelt wunderbar an)l den ihm Frommen (seinem Frommen);m
JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. wird hören (erhören),f wenn ich zu ihm rufe.
5 [Wenn ihr]n unruhig seid (seid unruhig!, Zittert!):o sündigt nicht!
[Wenn ihr] in euren Betten in euren Herzen sprechtp (Sprecht!): schweigt! {Sela}k
6 Opfert Opfer dem wahren [Gott] (Opfer der Gerechtigkeit, richtige Opfer)q
Und vertraut auf JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.!


7 [Während]r viele sagten: „Wer wird uns Gutes erfahren (sehen) lassen (Lass uns Gutes erfahren!s)
[Wo doch]t geflohen istu von überv uns das Licht deines Angesichtsw, oh JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.!“
8 Du hast gegeben (erfüllt, gib!) Freude in mein Herz
Zur Zeit (mehr als zur Zeit), als {ihr}x Korn und {ihr}x Wein zahlreich war (wurde).
9 In Frieden kann (werde) ich mich hinlegen und soforty einschlafen
denn du, oh JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., lässt mich ruhen (wohnen) allein (ungestört)z, [und] in Sicherheit (sicher).

Anmerkungen

aFür den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden) + Saitenspiel (Flötenspiel) - Wie bei den meisten Psalmen sind auch hier die Bedeutungen der Begriffe im Titel unklar; die Primärübersetzungen sind die, die sich am häufigsten in den dt. Üss. finden. (Zurück zu v.1)
bantworte mir (erhöre mich) - Die Rede vom „Antworten“ Gottes meint in den Psalmen häufig dessen Gebetserhörungen; so auch hier. (Zurück zu v.2)
cmein wahrer Gott (gerechter Gott, Gott meines Heils, Gott meiner Gerechtigkeit - der heb. Text lässt sich entweder als Genitiv des Effekts deuten, also etwa als „du Gott, der für mich Gerechtigkeit/Heil verursacht“, oder als attributiver Genitiv, also etwa „du mein gerechter/wahrer Gott“. Da Gott in V. 3 mit anderen Götzen kontrastiert wird, haben wir der Üs. „du wahrer Gott“ den Vorzug gegeben. (Zurück zu v.2)
dtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: schaff mir (hast geschaffen) - prekatives Qatal; so z.B. auch Gerstenberger 1988; Goldingay 2006bGoldingay, John: Psalm 4: Ambiguity and Resolution, in: TB 57/2, 2006. S. 161-172. online unter: http://goo.gl/gOK9lR; Houston/Waltke 2010Houston, James M. / Bruce K. Waltke: The Psalms as Christian Worship. A Historical Commentary. Grand Rapids, 2010.; IBHSWaltke, Bruce K./M. O´Connor: An Introduction to Biblical Hebrew Syntax. Winona Lake, 1990. §30.5.4d. (Zurück zu v.2)
eschaff mir Weite (hilf mir in meiner Not) - „Raum schaffen, weit machen, weiten“ ist hier sicher metaphorisch zu verstehen; vgl. z.B. Zorell 1928Zorell, Francisco S.J.: Psalterium Ex Hebraeo Latinum. Rom, 1928., S. 6: „Die Hebräer sahen Gefahr als „Enge“ und die Befreiung von der Gefahr als „Erweiterung“, „Zugeständnis von weiten Räumen“ an.“ Die einzige wirkliche weitere Belegstelle, die man hierfür heranziehen kann, ist Ps 25,17; aber die Parallele ist so nah und die Stoßrichtung der beiden Verse so klar, dass dies in der Tat die zu wählende Übersetzung sein sollte. So auch viele Üss. (Zurück zu v.2)
fhöre (erhöre) - Das „Hören“ Gottes meint in den Psalmen oft ebenso wie sein „Antworten“ Gebetserhörungen; zumal in Kombination mit dem Begriff tefillah („Flehen, Bitten, Gebet“) wie in V. 2; vgl. z.B. Schökel 1980Schökel, Luis Alonso: Treinta Salmos: Poesia y Oracion. Madrid, 2 1980., S. 41. (Zurück zu v.2 / zu v.4)
g{Männer} - Heb. bene ´isch („Söhne von Männern“). Häufig heißt es, dies meine entsprechend dem babylonischen mâr awilim und im Unterschied zum heb. bene ´adam („Söhne von Menschen“) höhergestellte Personen (daher z.B. Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949.: „Söhne der Vornehmen“; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965.: „O men of rank“), aber an der einzigen Stelle, an der bene ´isch vorkommt und evt. diese Konnotation haben kann ( Ps 49,3), stammt diese Konnotation aus dem Kontext. Da hier der Kontext nicht in diese Richtung weist – und ebensowenig in Ps 62,10; Klg 3,33 – besser allgemein „Leute!/Männer!“. Ein solcher eine Rede einleitende Vokativ ist im Deutschen aber unüblich, weshalb man es für die Lesefassung besser streichen sollte. (Zurück zu v.3)
hHerrlicher (Gott, meine Ehre) - W. auf den ersten Blick „meine Herrlichkeit“; kabod („Herrlichkeit“) wird hier wohl wie oft appellativisch für JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. verwendet, wohin z.B. die folgende Kontrastierung mit den „Lügen-gebilden und Nichtsen“ (=Götzen) in V. 3b weist. So z.B. Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 22; Goldingay 2006bGoldingay, John: Psalm 4: Ambiguity and Resolution, in: TB 57/2, 2006. S. 161-172. online unter: http://goo.gl/gOK9lR, S. 171; NIVNew International Version. (Zurück zu v.3)
igeschmäht (zum Schimpf) - W. „zum Schimpf“, Lamed des Zustands; vgl. z.B. KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 484. Die Bedeutung ist schlicht „Wie lange soll das noch so gehen, dass ihr meinen Gott schmäht?“. (Zurück zu v.3)
jNichtiges, Leeres und andere ähnliche Substantive werden in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. häufiger dysphemistisch für Götzen verwendet; so auch hier; vgl. ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 23f.; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003., S. 97. (zu v.3)
k{Sela} - Die Bedeutung von sela ist unklar; vgl. Lexikon/Lemma סֶלַה. In der Lesefassung sollte es daher besser gestrichen werden, da es sonst nur ein unverständlicher Fremdkörper im deutschen Text wäre. (Zurück zu v.3 / zu v.5)
lTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Der VersEin Teil in einem Kapitel. gibt, wie er steht, im Kontext des Psalms nicht sonderlich viel Sinn: „JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. hat sich einen Frommen ge-/unterschieden“. Viele Handschriften haben statt hiplah („er hat geschieden“) hipla´ („er hat Wunder vollbracht/wundervoll gehandelt“), was auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und Hier voraussetzen. Diese Lesart ist sicher vorzuziehen; so daher z.B. auch BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll., Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen., GRAILRevised Grail Psalter, eine speziell für das Stundengebet angefertigte liturgische Psalmenübersetzung. Philologisch exzellent und in gut singbarem Sprachrhythmus formuliert., HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen., LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs. 84. Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 23 denkt sogar, dass es sich bloß um eine alternative Schreibung handelt. (Zurück zu v.4)
mden ihm Frommen (seinem Frommen) - Heb. lo („sein“/„den ihm“) lässt sich sowohl possessiv deuten (sein Frommer“) als auch „direktional“ als Angabe, wem die Frömmigkeit des Frommen gilt („der ihm Fromme“). Wg. dem Kontrast mit Götzenanbetern ist Letzteres vorzuziehen. (Zurück zu v.4)
nDie Syntax und Semantik dieses Verses ist schwierig. Auf den ersten Blick scheint er zu bedeuten: „Zittert und sündigt nicht! / Sprecht mit euren Herzen in euren Betten und schweigt!“. – Weil die Imperative so schlecht zueinander passen, werden die einzelnen Glieder gerne um-interpretiert; z.B. „zittert“ als „zürnt“ (z.B. Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894.; Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.; Zorell 1928Zorell, Francisco S.J.: Psalterium Ex Hebraeo Latinum. Rom, 1928.), was schlecht zum Kontext passt; „zittert“ als „seid voll Ehrfurcht“ (z.B. Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM; Kirkpatrick 1897Kirkpatrick, A. F.: The Book of Psalms. With Introduction and Notes. Book I: Psalms I-XLI. Cambridge, 1897.; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003.), was wohl nicht Bestandteil der Wortbedeutung ist; oder „schweigt“ als „heult“ (nach דמם II, z.B. Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965.; Kselman 1987bKselman, John S.: A Note on Psalm 4,5, in: Bib 68, 1987. S. 103-105.).

Der Schlüssel zum richtigen Verständnis scheint zu sein, dass die beiden ersten Glieder der zwei Imperativketten („Seid erregt“ + „denkt nach“; s. nächste beide FNn) einen Gegensatz bilden und die beiden zweiten Glieder („sündigt nicht“ + „schweigt“) ähnliches thematisieren. Interpretiert man den jeweils ersten Imperativ der beiden Imperativketten als Pseudo-ImperativEin Imperativ fungiert nicht als Imperativ, sondern als Vordersatz eines Konditionalsatzgefüges - vgl. z.B. Williams §190. Das gibt es auch im Deutschen: „Zeig mir noch einmal den Mittelfinger, dann setzt es was!“ = „Wenn du mir noch einmal den Mittelfinger zeigst, setzt es was!“; ein deutliches Beispiel ist Jes 21,12., lässt sich die Sinnstruktur des Verses als hyperbatischer (=> HyperbatonStilmittel: Gezieltes Abweichen von gewöhnlicher Wort- oder Satzteilfolge. S. z.B. Gen 2,5: „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde und keine Feldfrucht auf dem Feld, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde und es war kein Mensch da, der den Acker bestellte“ = „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde. Auch keine Feldfrucht wuchs auf dem Feld, denn es war kein Mensch da, der den Acker bestellte.“) MerismusRhetorische Figur: Ein Oberbegriff wird durch zwei Unterbegriffe umschrieben. Besonders häufig: Ausdruck einer Gesamtheit durch zwei gegensätzliche Begriffe. Bsp.: Ex 10,9: „Mose sprach: Wir wollen ziehen mit Jung und Alt, mit Söhnen und Töchtern, mit Schafen und Rindern; denn wir haben ein Fest JHWHs.“ deuten; der VersEin Teil in einem Kapitel. bedeutete dann etwa „Ob ihr erregt seid oder nachdenkt: Sündigt nicht und schweigt!“. V. 5 schließt sich damit eng an an V. 3a.

Als Pseudo-Imperative deuten schon R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw.: „Wenn ihr euch keine Ruhe gönnet, dann sündiget doch nicht! Zerbrecht ihr euch den Kopf auf eurem Lager, dann schweiget wenigstens!“; NIRVNew International Reader's Version: „When you are angry, do not sin. When you are in bed, look deep down inside you and be silent.“; NIVNew International Version: „In your anger do not sin; when you are on your beds, search your hearts and be silent.“ (Zurück zu v.5)
ounruhig seid (seid unruhig!, Zittert!) - „Zittern“ steht häufig metonymisch für den Ausdruck eines starken Gefühls; um welches Gefühl es sich handelt, muss dabei aus dem Kontext erschlossen werden (vgl. ThWATBotterweck, G. Johannes/Helmer Ringgren: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament. Stuttgart u.a, 1970ff.. VII, S. 328). Indiz für die hierige Bedeutung ist der Gegensatz des Wortes zu „Geht in euch!“ (W.: „Sprecht mit euren Herzen“) in der folgenden Zeile. Daher wohl am Besten „seid unruhig!“. Vgl. auch die letzte Fußnote. (Zurück zu v.5)
p[Wenn ihr] in euren Betten in euren Herzen sprecht - Im Herzen sprechen = häufiger Ausdruck für „reflektieren“ (vgl. z.B. Kselman 1987bKselman, John S.: A Note on Psalm 4,5, in: Bib 68, 1987. S. 103-105., S. 104). Mit dem „Reflektieren im Bett“ zitiert der Psalmist ein häufiges Motiv: Die Nachruhe wird in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. noch öfter dargestellt als die charakteristische Zeit für das Nachdenken über Gott; s. z.B. Ijob 35,10; Ps 42,9; 77,7; 119,55.62; Jes 26,9 u.ö. (vgl. auch Booij 2008Booij, Th.: Psalm 149,5: „They shout with joy on their couches“, in: Bib 89/1, 2008. S. 104-108. online unter: http://goo.gl/hdC511, S. 107). (Zurück zu v.5)
qOpfer dem wahren [Gott] (Opfer der Gerechtigkeit, richtige Opfer) - Meist übersetzt als „Opfer der Gerechtigkeit“ oder „rechte Opfer“. Darüber, was das eigentlich sein soll, besteht keine Einigkeit in der Exegese. Besser daher: tsedeq ist zu verstehen als Appellativ für JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., wie er ja schon in V. 2 als der tsedeq Gott bezeichnet wurde und die Entsprechungen von tsedeq im Arabischen, Phönizischen und Ugaritischen häufiger verwendet werden (vgl. KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 943). W. dann „Opfer des Wahren“; das des Wahren ist dann als Genitiv des Zwecks zu verstehen (vgl. z.B. A-CArnold, Bill T./John H. Choi: A Guide to Biblical Hebrew Syntax. Cambridge, 2003. §2.2.8): „Opfer für den Wahren“. Vgl. die parallelen Formulierungen „Opfer der Götter“=„Opfer für die Götter“ (z.B. Num 25,2; Ps 51,19) und „Opfer JHWHs“=„Opfer für JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.(z.B. Zef 1,8). (Zurück zu v.6)
r[Während] - Die Funktion von V. 7 ist wohl, einen Gegensatz mit V. 8f zu bilden: Auf der einen Seite stehen jene, die ihr Vertrauen in Gott verloren haben und daher auch kein Heil erfahren; auf der anderen der Psalmist, der in V. 9 seinem Vertrauen in Gott Ausdruck verleiht und dem folgerichtig Gott in V. 8 auch Heil zuteil werden lässt. In der LF sollte das besser durch ein „Während“ o.Ä. ausdrücklich gemacht werden. (Zurück zu v.7)
sLass uns Gutes erfahren! - Theoretisch möglich: Deutung der rhetorischen Frage als Wunschsatz; so z.B. Goldingay 2006bGoldingay, John: Psalm 4: Ambiguity and Resolution, in: TB 57/2, 2006. S. 161-172. online unter: http://goo.gl/gOK9lR, S. 167; Warren-Rothlin 2007Warren-Rothlin, Andy: Politeness Strategies in Biblical Hebrew and West African Languages, in: JoT 3/1. 2007 S. 55-71. online unter: http://goo.gl/M4RDCJ, S. 66; DavDavidson, A.B.: Hebrew Syntax. Edinburgh, 2 1896. §135; HKLKönig, Eduard: Historisch-Kritisches Lehrgebäude der Hebräischen Sprache. Frankfurt a.M, 1891-1897. III §354g (Zurück zu v.7)
t[wo doch] - V. 7b soll offenbar das Motiv hinter dem mangelnden Vertrauen der „Vielen“ in Gott in 7a nennen; übersetze daher „da...“, „wo doch...“ o.Ä. (Zurück zu v.7)
uTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: נְסָה muss emendiert werden. Meist wird es emendiert zu נְשָה („erhebe!“, so z.B. Craigie, Houston/Waltke, einige Üss.); vorzuziehen ist aber נָסָה („geflohen ist“, so Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 26; Driver 1951Driver, G.R.: Hebrew Notes, in: VT 1/4, 1951. S. 241-250., S. 247; Schökel 1980Schökel, Luis Alonso: Treinta Salmos: Poesia y Oracion. Madrid, 2 1980., S. 38) (Zurück zu v.7)
vtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: von über - Zu dieser Bed. von `al vgl. z.B. Driver 1951Driver, G.R.: Hebrew Notes, in: VT 1/4, 1951. S. 241-250., S. 247. (Zurück zu v.7)
wDas „Licht des Angesichts“ JHWHs ist eine häufige Metapher im AT. Sie geht wohl darauf zurück, dass man sich JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. ursprünglich (auch) als einen Sonnengott vorstellte (vgl. DDD, S. 917f.; Gierlich 1940Gierlich, Augustinus M., O.P.: Der Lichtgedanke in den Psalmen. Eine Terminologisch-exegetische Studie. Freiburg i. Br., 1940., S. 141; Taylor 1993Taylor, J. Glen: Yahweh and the Sun. Biblical and Archaeological Evidence for Sun Worship in Ancient Israel. Sheffield, 1993., S. 233ff.). Wenn dieses „lichte Angesicht“ Gottes auf jmdn. „herableuchtet“, bezeichnet dies den wohlwollenden Blick JHWHs, aus dem gute Wirkungen für den Angeblickten entspringen (vgl. z.B. Gierlich 1940Gierlich, Augustinus M., O.P.: Der Lichtgedanke in den Psalmen. Eine Terminologisch-exegetische Studie. Freiburg i. Br., 1940., S. 141f.).
Der Sinn des Verses ist damit: „Viele sagen: 'Wer tut uns Gutes - jetzt, wo du uns nicht mehr wohlgesonnen bist, oh JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.!?“ (Zurück zu v.7)
xtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: {ihr} - Vermeintliche Personalpronomen verstanden als enklitische Mems (vgl. z.B. IBHSWaltke, Bruce K./M. O´Connor: An Introduction to Biblical Hebrew Syntax. Winona Lake, 1990. §9.8). (zu v.8)
ysofort - Vgl. CDCHClines, David J.A.: The Concise Dictionary of Classical Hebrew. Sheffield., S. 151: יַחְדָּו: „(almost) contemporaneous activity, modifying two verbs [...] I both lie down and sleep Ps 4,9.“ (Zurück zu v.9)
zDrei Interpretationen sind möglich:
  1. „Du allein, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., lässt mich in Sicherheit wohnen“
  2. „Du allein bist JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. und lässt mich in Sicherheit wohnen“
  3. „Du, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., lässt mich allein und in Sicherheit wohnen“.
Die Kombination von „allein, abseits“ und „wohnen“ dient fast immer zum Ausdruck des Motivs des „abseits-Wohnens“, was - wie ja auch hier durch die Parallelität zu „sicher“ deutlich wird - häufig auch die Konnotation des sicheren Wohnens annimmt (vgl. z.B. Num 23,9; Dtn 33,28), daher ist Variante 3 vorzuziehen. (Zurück zu v.9)
Andere Fassungen von Psalm 4
Ansichten