Psalm 5: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Offene Bibel

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Sebastian Walter (Diskussion | Beiträge)
Runtergesetzt; die FNn sind völlig unverständlich. Bin gerade dabei, sie zu überarbeiten; morgen abend bin ich wohl fertig und setze wieder hoch.
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überarbeitet bis V. 8
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{{Studienfassung}}
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<poem>{{S|1}} Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).<ref>''Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden)'' - Genaue Bedeutung unklar; die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt.</ref>. Zu<!--<ref>Die Präposition {{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. {{hebr}}עַל{{hebr ende}}; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ''ad loc.'' z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar {{hebr}}עַל{{hebr ende}} stehen.</ref>--> Flötenspiel (nach „das Erbe“)<ref>''Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“)'' - Bed. unklar. Heute wird der Begriff i.d.R. so verstanden, dass es sich sich um eine Angabe zur musikalischen Begleitung des Psalms handle („zum Flötenspiel“; vgl. z.B. Ges18, S. 800f.). Früher dagegen war die Deutung verbreitet, den Ausdruck als Angabe einer gebräuchlichen Melodie zu sehen, nach der der Psalm zu singen sei („nach ‚das Erbe‘“; so fast alle alten Üss. (LXX, VUL, Aq, Sym); auch König 1927; Schmidt 1934; LUT1912; auch zwei alte Handschriften ändern den Text nach {{hebr}}הנחלות{{hebr ende}} und deuten damit ebenso). Mit der Entscheidung für „zum Flötenspiel“ folgen wir der Mehrheitsmeinung.</ref>.
<poem>{{S|1}} Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).<ref>''Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden)'' - Genaue Bedeutung unklar; die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt.</ref> Zu<!--<ref>Die Präposition {{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. {{hebr}}עַל{{hebr ende}}; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ''ad loc.'' z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar {{hebr}}עַל{{hebr ende}} stehen.</ref>--> Flötenspiel (nach „das Erbe“).<ref>''Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“)'' - Bed. unklar. Heute wird der Begriff i.d.R. so verstanden, dass es sich sich um eine Angabe zur musikalischen Begleitung des Psalms handle („zum Flötenspiel“; vgl. z.B. Ges18, S. 800f.). Früher dagegen war die Deutung verbreitet, den Ausdruck als Angabe einer gebräuchlichen Melodie zu sehen, nach der der Psalm zu singen sei („nach ‚das Erbe‘“; so fast alle alten Üss. (LXX, VUL, Aq, Sym); auch König 1927; Schmidt 1934; LUT1912; auch zwei alte Handschriften ändern den Text nach {{hebr}}הנחלות{{hebr ende}} und deuten damit ebenso). Mit der Entscheidung für „zum Flötenspiel“ folgen wir der Mehrheitsmeinung.</ref>
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.</poem>
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.</poem>




<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich)<ref name="Hören">''höre (erhöre mich)'' + ''achte auf (erhöre)'' + ''lausche auf (erhöre)'' - Drei Verben, die hier wie oft als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden. Gleichzeitig verdichten sie eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“.</ref>, JHWH!
<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich),<ref name="Hören">''höre (erhöre mich)'' + ''achte auf (erhöre)'' + ''lausche auf (erhöre)'' - Drei Verben, die hier wie oft als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden. Gleichzeitig verdichten sie eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“.</ref> JHWH!
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)<ref>''Flehen (Grübeln, Murmeln)'' - Heb. ''hagigi''; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_d Fußnote c]) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => ''hagigi'' => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also ''hagigi'' irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. Vv. 2.3a sind dann ein ''Trikolon mit Klimax'': Eine dreifach geäußerte Bitte, die immer stärker vorgebracht wird.</ref>!
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)!<ref>''Flehen (Grübeln, Murmeln)'' - Heb. ''hagigi''; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_d Fußnote c]) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => ''hagigi'' => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also ''hagigi'' irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. Vv. 2.3a sind dann ein ''Trikolon mit Klimax'': Eine dreifach geäußerte Bitte, die immer stärker vorgebracht wird.</ref>
_ {{S|3}} Lausche auf (Erhöre)<ref name="Hören" /> mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
_ {{S|3}} Lausche auf (Erhöre)<ref name="Hören" /> mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
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# U.U. kann ''`arak'' nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT1912, LUT, van Ess)
# U.U. kann ''`arak'' nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT1912, LUT, van Ess)
# Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)
# Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)
# Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, den Text zu korrigieren nach {{hebr}}עמד לך{{hebr ende}} „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“.</ref> und [auf dich]<ref>''[auf dich]'' - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck („''zu dir'' beten“).</ref> warten.</poem>
# Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, den Text zu korrigieren nach {{hebr}}עמד לך{{hebr ende}} „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“.</ref> und [auf dich]<ref>'''tFN''': ''[auf dich]'' - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck („''zu dir'' beten“).</ref> warten.</poem>




<poem>{{S|5}} {Denn}<ref name="Strophen-kî">emphatisches {{hebr}}כִּי{{hebr ende}}; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. Alternativ s. nächste FN.</ref> (Weil)<ref name="Alternative 2">Die Standardübersetzung wurde als die primäre angegeben; alternativ möglich - und wohl auch schöner - ist die Deutung des {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} als kataphorisches {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} und von 6b als Kausalsatz; entweder wg. Brachylogie des {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} oder wg. Qatal (-> unmarkierter Nebensatz), also:
<poem>{{S|5}} {Denn}<ref name="Strophen-kî">'''tFN''': ''{<s>denn</s>}'' - Emphatisches ''ki''; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von ''ki'' ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f.</ref> (Weil) Du [bist] kein Gott, dem Böse (Böses)<ref name="Böse">''Böse (Böses)'' + ''Schlechte (Schlechtes)'' - Rein sprachlich sind beide Üss. möglich; spätestens V. 6 wird aber klar, dass hier von ''Menschen'' die Rede ist; daher ist durchaus der Primärübersetzung der Vorzug zu geben.</ref> gefallen (der Böses will);
_ es dürfen (werden) nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes);<ref name="Böse" />
_ {{S|6}} es dürfen (werden) nicht standhalten Frevler (Angeber, Törichte, Preisende)<ref>''Frevler (Angeber, Törichte)'' - Meist übersetzt als „Angeber, Lärmer“. Da das Wort aber hier im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als ''moralische'' Kategorie verwendet wird. Zur Üs. mit „Frevler“ vgl. ZLH, S. 193; vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.<br />
'''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} zusammenspielt mit den {{hebr}}דּׁבְרֵי כָזָב{{hebr ende}} in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach ZLH, S. 351; syntaktisch gedeutet als ''Genitivus directionis'', vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für ''Götzenanbeter'' sein. Vgl. dann noch den Vorschlag von Dahood 1965, S. 32 zu V. 7b, „Gewaltverbrecher und Betrüger“ sei zu deuten als „Männer von Götzen und Idolen“. Folgte man Dahood, könnte man dann die ganze Stelle deuten:<br />
„''Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht standhalten, / Du hasst alle Unholde.'' // ''Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH.''“</ref> vor deinen Augen.<ref name="Janus">''es dürfen (werden) nicht standhalten Frevler vor deinen Augen'' - raffiniert gedichtete Zeile. ''jatsab'' kann bedeuten: (1) „stehen“; (2) „stehen-''bleiben''“ i.S.v. „verweilen“; (3) „''be''-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“) und ''leneged `eneka'' (W. „vor deinen Augen“) kann sowohl (1) schlicht „vor dir“ meinen als auch (2) „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).<br />
Grundeinheit der heb. Poesie ist der sog. „Parallelismus“, eine Art „Gedanken-reim“: Eine Zeile geht in irgendeiner Weise parallel mit einer weitere Zeile. Ein Sonderfall hiervon ist das Stilmittel des „Janusparallelismus“: Durch die Mehrdeutigkeit eines Wortes oder einer syntaktischen Konstruktion geht eine Zeile mit mindestens ''zwei'' Zeilen parallel; je nachdem, wie das Wort oder die Konstruktion gedeutet wird. V. 6a geht sogar mit drei Zeilen parallel; vielleicht könnte man dies entsprechend als „Cerberus-Parallelismus“ bezeichnen:
* 5a + 6b: „Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht ''bleiben'' ''vor dir.''“
* 6a + 6b: „Sie ''bestehen'' nicht ''vor deinem Urteil'' / Du hasst sie.“
* 6a + 7a: „Sie dürfen ''nach deinem Urteil'' nicht ''bestehen (=am Leben bleiben)'' / Du wirst vernichten Lügner.“</ref>
Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde)<ref>''Tuer von Unheil (Unholde)'' - Häufiger Ausdruck für die Feinde eines Psalmisten. Das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, sind meist ''Wort''-Sünden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7.</ref>:<ref>''Vv. 6f'': Oder:<br />''Weil du kein Gott bist, dem Böse gefallen, / dürfen nicht wohnen bei dir Schlechte;''<br />
''es dürfen nicht standhalten Frevler vor deinen Augen, / weil du alle Unholde hasst''.</ref>
_ {{S|7}} Du wirst vernichten Sprechende von Lügen (Lügner)
_ Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,)<ref>''verabscheut (verabscheust du,)'' - Ein sog. „P-Shift“: In der heb. Lyrik kann aus poetischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zu einer anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied macht - wie z.B. hier von der zweiten („''du'' wirst vernichten“) zur dritten („''er'' verabscheut“). Schon VUL übersetzt daher auch hier richtig mit 2. Pers.: „verabscheust du, JHWH“. Auch für die LF wäre das zu empfehlen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind.</ref> JHWH.</poem>


''Weil du kein Gott bist, dem Böse gefallen, / dürfen nicht wohnen bei dir Schlechte;''<br />
''es dürfen nicht standhalten Frevler vor deinen Augen, / weil du alle Unholde hasst''.</ref> Du [bist] kein Gott (ein Nicht-Gott?<ref>so unnötigerweise Dahood 1965, S. 30: „A no-god delights in evil, / but you - no evil man can be your guest.“ Im ersten Moment könnte es übrigens sogar so scheinen, als würde diese Interpretation von der Punktation gefordert, denn „Böse“ und „du“ ist im hebräischen Text durch ein ''Paseq'' getrennt. Aber ''Paseq'' wird auch verwendet, um z.B. gegensätzliche Worte voneinander abzuheben (vgl. z.B. GKC §15.f.3b), so dass auch er nicht als Indiz für diese Interpretation des Verses gedeutet werden kann. Wegen dem Parallelismus ist daher entschieden die Standard-deutung vorzuziehen.</ref>), dem Böse (Böses)<ref name="Böse">Spätestens V. 6 wird klar, dass hier von ''Menschen'' die Rede ist; daher ist durchaus so zu übersetzen. Dennoch werden meist beide oder mindestens das erste Substantiv als Abstrakta gedeutet („Böses“ + „Schlechtes“).</ref> gefallen (der Böses will);
_ es dürfen (werden)<ref name="permissives Yiqtol">permissives Yiqtol</ref> nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes)<ref name="Böse" />;
_ {{S|6}} es dürfen (werden)<ref name="permissives Yiqtol" /> nicht standhalten<ref name="Janus">Dieser Sticho ist raffiniert gedichtet. {{hebr}}יצב{{hebr ende}} wird meist übersetzt mit (1) „stehen“; es kann aber auch meinen sowohl (2) das „Stehen-''bleiben''“ i.S.v. „verweilen“ als auch (3) das „''Be''-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“).<br />
Weiterhin {{hebr}}לְנֶגֶד עֵינֶיךָ{{hebr ende}} ''vor deinen Augen'' kann sowohl schlicht „vor dir“ meinen als auch „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).<br />
Auf diese Weise ist der Sticho parallel sowohl zu 5b („Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht bleiben vor dir“) als auch zu 6b („Sie bestehen nicht vor deinem Urteil / du hasst sie“); man nennt dies „Janus-parallelismus“.<br />
Weil wie gesagt {{hebr}}יצב{{hebr ende}} auch verwendet werden kann i.S.v. „am Leben bleiben“, ist er außerdem parallel zu V. 7a („Sie dürfen nach deinem Urteil nicht bestehen bleiben, ... / Du wirst vernichten Lügner“). Vielleicht könnte man dies entsprechend bezeichnen als Cerberus-parallismus.</ref> Frevler<ref>{{hebr}}הוללים{{hebr ende}} ließe sich entweder ableiten von {{hebr}}הלל{{hebr ende}} I ''lärmen, (sich) rühmen, preisen'' oder von {{hebr}}הלל{{hebr ende}} III ''töricht sein'', was nach ZLH, S. 193 auch bedeuten kann: „freveln“. Möglich wären also die Übersetzungen:
# „Die, die sich selbst preisen“
# „Angeber, Lärmer“ (dies: Mehrheitsübersetzung),
# „Törichte, Verblendete“
# „Frevler“.<br />
Da {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} aber im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als ''moralische'' Kategorie verwendet wird; man wird sich daher Zorell anschließen müssen. Vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.<br />
'''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} zusammenspielt mit den {{hebr}}דּׁבְרֵי כָזָב{{hebr ende}} in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach Kön, S. 174; ZLH, S. 351; konstruiert als ''Genitivus directionis''; vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für ''Götzenanbeter'' sein. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil Dahood 1965, S. 32 vorgeschlagen hat, dass man „Gewaltverbrecher und Betrüger“ in 7b auch deuten könnte als „Männer von Götzen und Idolen“; er ist damit allerdings, wenn ich richtig sehe, auf recht wenig Zustimmung gestoßen. Folgte man aber Dahood, könnte man die Stelle deuten:<br />


''Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht standhalten, / Du hasst alle Unholde.''<br />
<poem>{{S|8}} Ich dagegen darf in der Menge deiner Gnade<ref name="in deiner">''in deiner'' - V. 8ab.9a haben je eine mit {{hebr}}בְּ{{hebr ende}} („in“) eingeleitete und mit {{hebr}}ךָ{{hebr ende}} („deine“) zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, 9a: „In deiner Wahrhaftigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (=> grammatischer Parallelismus), in keiner der Zeilen ist aber eine wörtl. Übertragung gut möglich:
''Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH.''</ref> vor deinen Augen<ref name="Janus" />.
* Das {{hebr}}בְּ{{hebr ende}} in „''in'' der Menge deiner Gnade“ ist ein sog. „Beth rationis impellentis“, mit dem angegeben wird, dass etwas ''dank'' etwas geschieht; hier also, dass Gottes Güte ihn zu besagter „Erlaubnis“ veranlasst; sinngemäßer also „''dank'' der Menge deiner Gnade“
([Weil])<ref name="Alternative 2" /> Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde<ref>Für die Alternative „Unholde“ sollte man sich u.U. noch eine andere Übersetzung überlegen. Die Logik hinter dieser Übersetzung war: (1) „Tuer von Unheil“ ist ein Standardbegriff für die Feinde des Beters in individuellen Klagepsalmen (vgl. ThWAT I, S. 157-9) - sie sind ihm „nicht hold“ -, (2) das „Unheil“, das sie begehen, wird stets als etwas bestimmt, das dem Willen JHWHs widerspricht (gut ThWQ I, S. 95: „Unheiliges“) und (3) diese „Tuer von Unheil“ werden öfters mit derart nahezu mythischem Vokabular beschrieben, dass es seit Mowinckel zu einer Auslegungstradition gekommen ist, die diese „Tuer von Unheil“ regelmäßig als ''Zauberer'' und ''Dämonen'' identifiziert (aber dagegen vgl. THAT I, S. 82f.). Diese drei Aspekte schienen mir am Besten zusammenzulaufen im Begriff „Unhold“, für die LF ist er aber wohl etwas zu altbacken.<br />Wichtig ist außerdem noch, dass als das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, meist ''Wort''-Sünden geschildert werden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7.</ref>):
* „In deiner Furcht“ meint „in Ehrfurcht vor dir“
_ {{S|7}} Du wirst vernichten<ref>Wortspiel im Hebräischen: {{hebr}}אבד{{hebr ende}} Piel heißt nicht nur ''zerstören'', sondern auch ''in die Irre gehen lassen'', was semantisch zusammenspielt mit dem obigen Nicht-Wohnen/nicht-Bleiben-dürfen der Frevler.</ref> Sprechende von Lügen (Lügner)
* „In deiner Wahrhaftigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. [[Psalm 21#s14 | Ps 21,14]]; [[Psalm 25#s5 |25,5]]; [[Psalm 68#s11 |68,11]] u.ö.); sinngemäßer also „''bei'' deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“.</ref> (in deiner großen Gnade/Treue/Liebe) in dein Haus kommen;
_ Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,)<ref>'''Textkritik''': Craigie 1983, Gunkel 1968 und Schmidt 1934 wollen nach VUL „verabscheut (JHWH)“ emendieren zu {{hebr}}תתעב{{hebr ende}} „verabscheust du, (JHWH). Unnötig: P-Shift. Auch dann sollte man aber in der Lesefassung besser mit „verabscheust du, JHWH“ übersetzen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind.</ref> JHWH.</poem>
_ ich darf [dich] in (zu)<ref>'''tFN''': ''in (zu)'' - ''´él'' hat hier wie noch häufiger nicht direktionale, sd. lokative Bed. Hier sogar recht deutlich, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998 ;TAF; van Ess: „''in'' deinem Tempel“.</ref> deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in deiner Furcht.<ref name="in deiner" />
{{S|9}} JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze)<ref>''führe (begleite mich schützend, schütze)'' - ''nachah'' („führen“) hier in der Bed. „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“; vgl. ThWAT V, S. 335.</ref> mich in deiner<ref name="in deiner" /> Wahrhaftigkeit (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)<ref>''Wahrhaftigkeit (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)'' - Meist übersetzt mit „Gerechtigkeit“. Hier wurde stattdessen „Wahrhaftigkeit“ als primäre Übersetzung gewählt, weil in V. 10 als Grund für die Bitte in V. 9 die ''Lügenhaftigkeit'' der Feinde des Beters angeführt werden, die ja den ganzen Psalm hindurch als Lügner und Betrüger dargestellt werden. Die Rolle JHWHs ist hier der der lügnerischen Feinde des Beters entgegengesetzt.</ref> um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)<ref>''um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)'' - Schwierige Stelle. Meist übersetzt mit „um meiner Feinde Willen“. Die Phrase hat enge Parallelen in [[Psalm 27#s11 | Ps 27,11]] („Lehre mich, JHWH, deinen Weg / und leite mich auf deinem Pfad um meiner Feinde willen.“ (OfBi)) und [[Psalm 69#s19 | Ps 69,19]] („Sei mir nah, erlöse mich, / um meiner Feinde willen befreie mich.“ (ZÜR)); vgl. außerdem noch [[Psalm 8#s3 | Ps 8,3]]. An allen drei Stellen ist jemand in Bedrängnis und JHWH handelt gut an ihm, ohne dass dieses Heilshandeln eigentlich den Feinden zum Nachteil gereichen würde. Dennoch aber ist stets angegeben: „um der Feinde willen“.
# Entweder bezeichnet daher hier ''lema`an'' (meist: „um ... willen“) jeweils nicht diejenigen, um derentwillen etwas geschieht, sondern das, was ''Motivation'' für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „''wegen'' meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (Ps 5,9 + Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19).
# Alternativ könnte man sich evt. wirklich Buttenwiesers Lösungsvorschlag anschließen: B. analysiert ''lema`an'' als {{hebr}}לְ{{hebr ende}} plus {{hebr}}מען{{hebr ende}}, einem vom Verb {{hebr}}ענה{{hebr ende}} („antworten, Zeugnis geben, widerlegen“) abgeleiteten Infinitiv: „zur Widerlegung meiner Feinde“; vgl. Buttenwieser 1938, S. 180. Wenn diese Analyse wirklich gangbar wäre, machte sie Sinn, denn sowohl in Ps 5,9 als auch Ps 27,11 ist die Bedrängnis, aus der JHWH den Beter retten soll, die durch Lügner und Betrüger - und die sollen widerlegt werden, indem JHWH dem Beter den rechten Weg weist.</ref>
_ ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).<ref>''ebne vor mir deinen Weg'' - Mögliche Deutungen:


 
# „dein Weg“ = der von JHWH gewiesene Weg; seine „Lebensweisung“ an die JHWH-Gläubigen; er bezeichnet die ''gerechte'' Lebensweise. Hier wird diese JHWHs Willen entsprechende Lebensweise kontrastiert mit der der Lügner und Betrüger, wie z.B. auch in [[Sprichwörter 4#s26 | Spr 4,26]]. Dass Gott dem Beter den Weg „ebnen“ soll, ist die Bitte darum, dass er ihm das JHWHs-Weisung-Folgen erleichtern möge. (so die meisten)
<poem>{{S|8}} {Doch ich}<ref>Heb. {{hebr}}וַאֲנִי{{hebr ende}}. Dies dient hier nicht dem Ausdruck von Emphase („Und ich, ich darf...“; so die meisten - was ohnehin kein gutes Deutsch ist), sondern soll die Betrüger in der vorherigen Strophe mit dem „Ich“ in dieser Strophe kontrastieren. Übersetze: „Ich dagegen darf...“</ref> Ich dagegen darf<ref name="permissives Yiqtol" /> dank deiner großen<ref>wörtl. scheinbar „In ({{hebr}}בְּ{{hebr ende}}) der Menge deiner Gnade“ -  doch ist dies hier ein „Beth rationis impellentis“:  Gottes Güte veranlasst ihn zu besagter „Erlaubnis“; daher „dank der Menge deiner Gnade“. Zu „deine große Gnade“ statt „Menge deiner Gnade“ vgl. z.B. CDCH, S. 411.</ref> Gnade (Treue, Liebe)<ref name="in deiner">V. 8ab.9a haben je eine mit {{hebr}}בְּ{{hebr ende}} eingeleitete und mit {{hebr}}ךָ{{hebr ende}} zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (-> grammatischer Parallelismus), aber es lässt sich dieser Parallelismus wohl leider nicht ins Deutsche übertragen: „in deiner Furcht“ heißt natürlich „ehrfürchtig“ und „in deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. [[Psalm 21#s14 | Ps 21,14]]; [[Psalm 25#s5 | Ps 25,5]]; [[Psalm 68#s11 | Ps 68,11]] u.ö.): „Bei deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“.</ref> in dein Haus kommen (Wenn ich (dagegen) wegen deiner großen Gnade in dein Haus komme(n will))<ref name="Protasis-Apodosis">Die Mehrheitsdeutung der Syntax wurde als Primärübersetzung angegeben. Alternativ ließe sich 8a auch als Protasis von 9ab lesen:<br />
# „den Weg zu dir“ (Genitivus directionis), nämlich zu deinem Tempel.</ref><ref>''Vv. 8f'': Oder:<br />
„''Wenn ich dagegen dank deiner großen Gnade in dein Haus kommen will,'' (X-Qatal -> unmarkierter Nebensatz) / ''Um dich in deinem heiligen Tempel ehrfürchtig anzubeten,'' (Yiqtol -> unmarkierter Nebensatz; vgl. auch [http://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/120#GHGpar-120-c GKC §120c])<br />
„''Wenn ich dagegen dank deiner großen Gnade in dein Haus kommen will,'' (X-Qatal => unmarkierter Nebensatz) / ''Um dich in deinem heiligen Tempel ehrfürchtig anzubeten,'' (Yiqtol => unmarkierter Nebensatz) // ''Dann, gerechter JHWH, führe mich wegen meiner Feinde; / Ebne mir den Weg zu dir.''“; so gelesen würde der Beter also um Schutz auf seinem Wallfahrtsweg zum Tempel bitten.</ref></poem>
''Dann, gerechter JHWH, führe mich wegen meiner Feinde; / Ebne mir den Weg zu dir.''“</ref>;
_ ich darf<ref name="permissives Yiqtol" /> (um [dich] anzubeten)<ref name="Protasis-Apodosis" /> [dich]<ref>aus dem Kontext zu ergänzen (->Brachylogie)</ref> in (zu)<ref>{{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann auch lokative Bedeutung haben und hat es hier auch sehr sicher, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998;&nbsp;TAF; van Ess: „''in'' deinem Tempel“</ref> deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in Ehrfurcht<ref name="in deiner" />.
{{S|9}} ([Dann])<ref name="Protasis-Apodosis" /> JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze)<ref>Zu {{hebr}}נחה{{hebr ende}} als „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ vgl. ThWAT V, S. 335</ref> mich in deiner Wahrhaftigkeit<ref>„Wahrhaftigkeit“ wurde deshalb als primäre Übersetzung gewählt, weil in V. 10 als Grund für die Bitte in V. 9 die Lügenhaftigkeit der Feinde des Beters angeführt werden, die ja den ganzen Psalm hindurch als Lügner und Betrüger dargestellt werden. Die Rolle JHWHs ist hier der der lügnerischen Feinde des Beters entgegengesetzt; „Wahrhaftigkeit“ scheint mir hier daher besser passend als „Gerechtigkeit“. Vielleicht noch schöner ist „Wohlwollen“, das aber nicht in vielen Lexika verzeichnet wird.</ref> (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)<ref name="in deiner" /> um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)<ref>Meist „um meiner Feinde Willen“. Die Phrase hat enge Parallelen in [[Psalm 27#s11 | Ps 27,11]] („Lehre mich, JHWH, deinen Weg / und leite mich auf deinem Pfad um meiner Feinde willen.“ (OfBi)) und [[Psalm 69#s19 | Ps 69,19]] („Sei mir nah, erlöse mich, / um meiner Feinde willen befreie mich.“ (ZÜR)); vgl. außerdem noch [[Psalm 8#s3 | Ps 8,3]]. An allen drei Stellen ist jemand in Bedrängnis und JHWH handelt gut an ihm, ohne dass dieses Heilshandeln eigentlich den Feinden zum Nachteil gereichen würde. Dennoch aber ist stets angegeben: „um der Feinde willen“.
# Entweder bezeichnet daher hier {{hebr}}למען{{hebr ende}} jeweils nicht diejenigen, um derentwillen etwas geschieht, sondern das, was ''Motivation'' für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „wegen meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (Ps 5,9 + Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Besonders in Kombination mit der Syntaxdeutung in [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_y FN y] scheint mir das sinnvoll: Der Psalmist will sich auf den Weg zu JHWHs Tempel machen, doch da er sich vor den Feinden fürchtet, die ihm unterwegs lauern (könnten), bittet er dazu um Gottes Beistand. Noch besser, wenn in [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_h FN h] Deutung 3 und in [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_ae FN ae] Deutung 2 der Vorzug gegeben und der Psalm als Vorbereitungsgebet für eine morgige Wallfahrt gelesen wird.
# Alternativ könnte man sich evt. wirklich Buttenwiesers Lösungsvorschlag anschließen: B. analysiert {{hebr}}למען{{hebr ende}} als {{hebr}}לְ{{hebr ende}} plus {{hebr}}מען{{hebr ende}}, einem vom Verb {{hebr}}ענה{{hebr ende}} „antworten, Zeugnis geben, widerlegen“ abgeleiteten Infinitiv ({{hebr}}למען{{hebr ende}} selbst wird gern in Zhg gebracht mit {{hebr}}ענה{{hebr ende}}; vgl. z.B. Ges18, S. 713; [http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/1094779 HKL III, §396d]; [http://www.jstor.org/stable/pdfplus/3259182.pdf?acceptTC=true&acceptTC=true&jpdConfirm=true Mitchell 1915, S. 142f.]; ZLH, S. 458): „zur Widerlegung meiner Feinde“; vgl. Buttenwieser 1938, S. 180. Wenn diese Analyse wirklich gangbar wäre, machte sie Sinn, denn sowohl in Ps 5,9 als auch Ps 27,11 ist die Bedrängnis, aus der JHWH den Beter retten soll, die durch Lügner und Betrüger - und die sollen widerlegt werden, indem JHWH dem Beter den rechten Weg weist. Allerdings ist mir nicht völlig klar, wie {{hebr}}מען{{hebr ende}} ein Infinitiv von {{hebr}}ענה{{hebr ende}} sein soll, daher ist doch Deutung 1 der Vorzug zu geben.</ref>
_ ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).<ref>Mögliche Deutungen:
 
# „dein Weg“ i.S.v. der von JHWH gewiesene Weg; seine „Lebensweisung“ an die JHWH-Gläubigen; er bezeichnet die ''gerechte'' Lebensweise. Hier wird diese JHWHs Wille entsprechende Lebensweise kontrastiert mit der der Lügner und Betrüger, wie z.B. auch in [[Sprichwörter 4#s26 | Spr 4,26]]. Dass Gott dem Beter den Weg „ebnen“ soll ist die Bitte darum, dass er ihm das JHWHs-Weisung-Folgen erleichtern möge. (so die meisten)
# „den Weg zu dir“ (Genitivus directionis); vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_ad FN ad].</ref></poem>




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_ Ein (ihr<ref name="Alternativ" />) offenes Grab (Tod)<ref>Im Hebräischen Lautspiel: {{hebr}}קֶרֶב{{hebr ende}} ''qereb'' „Inneres“ (10b) - {{hebr}}קֶבֶר{{hebr ende}} ''qeber'' „Grab“.<br />
_ Ein (ihr<ref name="Alternativ" />) offenes Grab (Tod)<ref>Im Hebräischen Lautspiel: {{hebr}}קֶרֶב{{hebr ende}} ''qereb'' „Inneres“ (10b) - {{hebr}}קֶבֶר{{hebr ende}} ''qeber'' „Grab“.<br />
Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den personifizierten Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350.</ref> [ist (sei)<ref name="Alternativ" />] ihre Kehle,
Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den personifizierten Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350.</ref> [ist (sei)<ref name="Alternativ" />] ihre Kehle,
_ ([weil]<ref name="Alternativ" />) ihre Zunge glätten sie (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler)<ref>Stehender Ausdruck für „Sie sind Heuchler“; vgl. noch [[Psalm 55#s22 | Ps 55,22]]; auch [[Römer 3#s13 | Röm 3,13]]</ref>.
_ ([weil]<ref name="Alternativ" />) ihre Zunge glätten sie (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler).<ref>Stehender Ausdruck für „Sie sind Heuchler“; vgl. noch [[Psalm 55#s22 | Ps 55,22]]; auch [[Römer 3#s13 | Röm 3,13]]</ref>
{{S|11}} Lass sie büßen (bestrafe sie)<ref>In der Bibel ist dies die einzige Stelle, in der {{hebr}}אשם{{hebr ende}} im ''Hifil'' steht; die Bedeutung ist daher nicht ganz klar. „Büßen lassen“ ist die Mehrheitsmeinung.</ref>, Gott!
{{S|11}} Lass sie büßen (bestrafe sie),<ref>In der Bibel ist dies die einzige Stelle, in der {{hebr}}אשם{{hebr ende}} im ''Hifil'' steht; die Bedeutung ist daher nicht ganz klar. „Büßen lassen“ ist die Mehrheitsmeinung.</ref> Gott!
_ Lass sie untergehen (sie sollen untergehen)<ref>Meist: „fallen“. Zu „Untergehen“ vgl. CDCH, S. 278; Ges18, S. 831 u.ö.</ref> wegen<ref>''min'' causae. Einige übersetzen merkwürdigerweise „Lass sie aus ihren Plänen fallen“, was immer das heißen mag.</ref> ihrer Pläne (Ränke)!
_ Lass sie untergehen (sie sollen untergehen)<ref>Meist: „fallen“. Zu „Untergehen“ vgl. CDCH, S. 278; Ges18, S. 831 u.ö.</ref> wegen<ref>''min'' causae. Einige übersetzen merkwürdigerweise „Lass sie aus ihren Plänen fallen“, was immer das heißen mag.</ref> ihrer Pläne (Ränke)!
_ Wegen der Menge ihrer (ihren vielen/großen)<ref>zu „Menge von X“ als „großes X/viele X“ vgl. [[Psalm 5#note w |FN w]]</ref> Sündenschuld (Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
_ Wegen der Menge ihrer (ihren vielen/großen)<ref>zu „Menge von X“ als „großes X/viele X“ vgl. [[Psalm 5#note w |FN w]]</ref> Sündenschuld (Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
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<poem>{{S|12}} Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
<poem>{{S|12}} Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
_ Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}<ref name="beschützen">'''Textkritik''': Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn.  Kittel 1914, S. 18 will daher „wie mit einem Schild“ streichen, aber Briggs 1906, S. 45; Budde 1915, S. 178; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. und Schmidt 1934, S. 9f. haben den besseren Vorschlag gemacht, das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben; auch BHS hält dies für „wahrscheinlich“. Dem wird man sich besser anschließen müssen.<br />
_ Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}!<ref name="beschützen">'''Textkritik''': Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn.  Kittel 1914, S. 18 will daher „wie mit einem Schild“ streichen, aber Briggs 1906, S. 45; Budde 1915, S. 178; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. und Schmidt 1934, S. 9f. haben den besseren Vorschlag gemacht, das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben; auch BHS hält dies für „wahrscheinlich“. Dem wird man sich besser anschließen müssen.<br />
{{hebr}}עָלֵימוֹ{{hebr ende}} „(du schützt) ''sie''“ kann man weiterhin emendieren zu {{hebr}}עָלָיו{{hebr ende}} „(du schützt) ''ihn''“; allerdings ist das wohl nicht einmal nötig, da „der Gerechte“ hier generalisierender Singular ist.</ref>!
{{hebr}}עָלֵימוֹ{{hebr ende}} „(du schützt) ''sie''“ kann man weiterhin emendieren zu {{hebr}}עָלָיו{{hebr ende}} „(du schützt) ''ihn''“; allerdings ist das wohl nicht einmal nötig, da „der Gerechte“ hier generalisierender Singular ist.</ref>
_ Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)<ref>Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die ''Verehrer'' Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40.</ref>!
_ Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)!<ref>Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die ''Verehrer'' Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40.</ref>
{{S|13}} Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird)<ref name="du bist es">Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen:
{{S|13}} Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird),<ref name="du bist es">Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen:
# Das Pronomen soll die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren (vgl. BHRG §36.1.1.3i). Gut daher B-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“
# Das Pronomen soll die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren (vgl. BHRG §36.1.1.3i). Gut daher B-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“
# Das Pronomen dient lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2): Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.<br />
# Das Pronomen dient lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2): Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.<br />
Die beiden folgenden Stichen führen den Satz fort.</ref> den Gerechten (die Gerechten)<ref>Generalisierender Singular. Mit den „Gerechten“ werden häufig die JHWH-Gläubigen bezeichnet, also besser „Fromme“. Hier aber stehen sie im Kontrast zu den Frevlern, Lügnern und Betrügern, deshalb sollte man wohl besser die Übersetzung „Gerechte“ beibehalten.</ref>, JHWH;
Die beiden folgenden Stichen führen den Satz fort.</ref> den Gerechten (die Gerechten)<ref>Generalisierender Singular. Mit den „Gerechten“ werden häufig die JHWH-Gläubigen bezeichnet, also besser „Fromme“. Hier aber stehen sie im Kontrast zu den Frevlern, Lügnern und Betrügern, deshalb sollte man wohl besser die Übersetzung „Gerechte“ beibehalten.</ref> JHWH;
_ [du bist es, der]<ref name="du bist es" /> [sie schützen wirst (decken wirst)]<ref name="beschützen" /> wie mit einem Schild;
_ [du bist es, der]<ref name="du bist es" /> [sie schützen wirst (decken wirst)]<ref name="beschützen" /> wie mit einem Schild;
_ [du bist es, der]<ref name="du bist es" /> mit Huld sie krönen wird (begünstigen wird)<ref>Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185: „Quite often in both the NT and OT, crowns are symbols of God's blessings on his people.“). Vgl. [[Psalm 8#s6 | Ps 8,6]]; [[Psalm 65#s12 | Ps 65,12]]; [[Psalm 103#s4 | Ps 103,4]].</ref>.</poem>
_ [du bist es, der]<ref name="du bist es" /> mit Huld sie krönen wird (begünstigen wird).<ref>Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185: „Quite often in both the NT and OT, crowns are symbols of God's blessings on his people.“). Vgl. [[Psalm 8#s6 | Ps 8,6]]; [[Psalm 65#s12 | Ps 65,12]]; [[Psalm 103#s4 | Ps 103,4]].</ref></poem>





Version vom 17. November 2015, 15:46 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung kann erstellt werden – Wer möchte, ist zum Einstellen einer ersten Übertragung in die Lesefassung eingeladen, die später als Grundlage für Verbesserungen dient (Weitere Bibelstellen zum Übertragen). Auf der Diskussionsseite ist Platz für Rückfragen und konstruktive Anmerkungen.

Lesefassung (Psalm 5)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 5)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“).b
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Meine Worte höre (erhöre mich),c JHWH!
achte auf (erhöre)c mein Flehen (Grübeln, Murmeln)!d
3 Lausche auf (Erhöre)c mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
4 JHWH: [Schon] am Morgen (jeden Morgen, Morgen) wirst (sollst, höre!) du meine Stimme hören,
[Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)e und [auf dich]f warten.


5 {Denn}g (Weil) Du [bist] kein Gott, dem Böse (Böses)h gefallen (der Böses will);
es dürfen (werden) nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes);h
6 es dürfen (werden) nicht standhalten Frevler (Angeber, Törichte, Preisende)i vor deinen Augen.j
Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde)k:l
7 Du wirst vernichten Sprechende von Lügen (Lügner)
Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,)m JHWH.


8 Ich dagegen darf in der Menge deiner Gnaden (in deiner großen Gnade/Treue/Liebe) in dein Haus kommen;
ich darf [dich] in (zu)o deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in deiner Furcht.n
9 JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze)p mich in deinern Wahrhaftigkeit (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)q um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)r
ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).st


10 {Denn}g (Weil)u Es [ist] in seinem (ihrem)v Reden (Mund)w nichts Aufrichtiges
ihr Inneres [ist (sei)u] ([ihr])u Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse).x
Ein (ihru) offenes Grab (Tod)y [ist (sei)u] ihre Kehle,
([weil]u) ihre Zunge glätten sie (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler).z
11 Lass sie büßen (bestrafe sie),aa Gott!
Lass sie untergehen (sie sollen untergehen)ab wegenac ihrer Pläne (Ränke)!
Wegen der Menge ihrer (ihren vielen/großen)ad Sündenschuld (Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
Sie haben dir ja nicht gehorcht (haben gegen dich rebelliert, gehorchen dir nicht).


12 Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}!ae
Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)!af
13 Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird),ag den Gerechten (die Gerechten)ah JHWH;
[du bist es, der]ag [sie schützen wirst (decken wirst)]ae wie mit einem Schild;
[du bist es, der]ag mit Huld sie krönen wird (begünstigen wird).ai


Anmerkungen

aChorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden) - Genaue Bedeutung unklar; die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt. (Zurück zu v.1)
bZu Flötenspiel (nach „das Erbe“) - Bed. unklar. Heute wird der Begriff i.d.R. so verstanden, dass es sich sich um eine Angabe zur musikalischen Begleitung des Psalms handle („zum Flötenspiel“; vgl. z.B. Ges18, S. 800f.). Früher dagegen war die Deutung verbreitet, den Ausdruck als Angabe einer gebräuchlichen Melodie zu sehen, nach der der Psalm zu singen sei („nach ‚das Erbe‘“; so fast alle alten Üss. (LXX, VUL, Aq, Sym); auch König 1927; Schmidt 1934; LUT1912; auch zwei alte Handschriften ändern den Text nach הנחלות und deuten damit ebenso). Mit der Entscheidung für „zum Flötenspiel“ folgen wir der Mehrheitsmeinung. (Zurück zu v.1)
chöre (erhöre mich) + achte auf (erhöre) + lausche auf (erhöre) - Drei Verben, die hier wie oft als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden. Gleichzeitig verdichten sie eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“. (zu v.2 / zu v.3)
dFlehen (Grübeln, Murmeln) - Heb. hagigi; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. Fußnote c) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => hagigi => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also hagigi irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. Vv. 2.3a sind dann ein Trikolon mit Klimax: Eine dreifach geäußerte Bitte, die immer stärker vorgebracht wird. (Zurück zu v.2)
ezu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich) - Heb. `arak (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
  1. `arak ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
  2. U.U. kann `arak nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT1912, LUT, van Ess)
  3. Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)
  4. Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, den Text zu korrigieren nach עמד לך „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“. (Zurück zu v.4)
ftFN: [auf dich] - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck (zu dir beten“). (Zurück zu v.4)
gtFN: {denn} - Emphatisches ki; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von ki ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. (Zurück zu v.5 / zu v.10)
hBöse (Böses) + Schlechte (Schlechtes) - Rein sprachlich sind beide Üss. möglich; spätestens V. 6 wird aber klar, dass hier von Menschen die Rede ist; daher ist durchaus der Primärübersetzung der Vorzug zu geben. (zu v.5)
iFrevler (Angeber, Törichte) - Meist übersetzt als „Angeber, Lärmer“. Da das Wort aber hier im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als moralische Kategorie verwendet wird. Zur Üs. mit „Frevler“ vgl. ZLH, S. 193; vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.

Anm. d. Üs. (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass הוללים zusammenspielt mit den דּׁבְרֵי כָזָב in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach ZLH, S. 351; syntaktisch gedeutet als Genitivus directionis, vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die הוללים wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für Götzenanbeter sein. Vgl. dann noch den Vorschlag von Dahood 1965, S. 32 zu V. 7b, „Gewaltverbrecher und Betrüger“ sei zu deuten als „Männer von Götzen und Idolen“. Folgte man Dahood, könnte man dann die ganze Stelle deuten:

Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht standhalten, / Du hasst alle Unholde. // Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH. (Zurück zu v.6)
jes dürfen (werden) nicht standhalten Frevler vor deinen Augen - raffiniert gedichtete Zeile. jatsab kann bedeuten: (1) „stehen“; (2) „stehen-bleiben“ i.S.v. „verweilen“; (3)be-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“) und leneged `eneka (W. „vor deinen Augen“) kann sowohl (1) schlicht „vor dir“ meinen als auch (2) „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).

Grundeinheit der heb. Poesie ist der sog. „Parallelismus“, eine Art „Gedanken-reim“: Eine Zeile geht in irgendeiner Weise parallel mit einer weitere Zeile. Ein Sonderfall hiervon ist das Stilmittel des „Janusparallelismus“: Durch die Mehrdeutigkeit eines Wortes oder einer syntaktischen Konstruktion geht eine Zeile mit mindestens zwei Zeilen parallel; je nachdem, wie das Wort oder die Konstruktion gedeutet wird. V. 6a geht sogar mit drei Zeilen parallel; vielleicht könnte man dies entsprechend als „Cerberus-Parallelismus“ bezeichnen:

  • 5a + 6b: „Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht bleiben vor dir.
  • 6a + 6b: „Sie bestehen nicht vor deinem Urteil / Du hasst sie.“
  • 6a + 7a: „Sie dürfen nach deinem Urteil nicht bestehen (=am Leben bleiben) / Du wirst vernichten Lügner.“ (Zurück zu v.6)
kTuer von Unheil (Unholde) - Häufiger Ausdruck für die Feinde eines Psalmisten. Das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, sind meist Wort-Sünden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7. (Zurück zu v.6)
lVv. 6f: Oder:
Weil du kein Gott bist, dem Böse gefallen, / dürfen nicht wohnen bei dir Schlechte;
es dürfen nicht standhalten Frevler vor deinen Augen, / weil du alle Unholde hasst. (Zurück zu v.6)
mverabscheut (verabscheust du,) - Ein sog. „P-Shift“: In der heb. Lyrik kann aus poetischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zu einer anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied macht - wie z.B. hier von der zweiten (du wirst vernichten“) zur dritten (er verabscheut“). Schon VUL übersetzt daher auch hier richtig mit 2. Pers.: „verabscheust du, JHWH“. Auch für die LF wäre das zu empfehlen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind. (Zurück zu v.7)
nin deiner - V. 8ab.9a haben je eine mit בְּ („in“) eingeleitete und mit ךָ („deine“) zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, 9a: „In deiner Wahrhaftigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (=> grammatischer Parallelismus), in keiner der Zeilen ist aber eine wörtl. Übertragung gut möglich:
  • Das בְּ in „in der Menge deiner Gnade“ ist ein sog. „Beth rationis impellentis“, mit dem angegeben wird, dass etwas dank etwas geschieht; hier also, dass Gottes Güte ihn zu besagter „Erlaubnis“ veranlasst; sinngemäßer also „dank der Menge deiner Gnade“
  • „In deiner Furcht“ meint „in Ehrfurcht vor dir“
  • „In deiner Wahrhaftigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. Ps 21,14; 25,5; 68,11 u.ö.); sinngemäßer also „bei deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“. (zu v.8 / zu v.9)
otFN: in (zu) - ´él hat hier wie noch häufiger nicht direktionale, sd. lokative Bed. Hier sogar recht deutlich, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998 ;TAF; van Ess: „in deinem Tempel“. (Zurück zu v.8)
pführe (begleite mich schützend, schütze) - nachah („führen“) hier in der Bed. „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“; vgl. ThWAT V, S. 335. (Zurück zu v.9)
qWahrhaftigkeit (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter) - Meist übersetzt mit „Gerechtigkeit“. Hier wurde stattdessen „Wahrhaftigkeit“ als primäre Übersetzung gewählt, weil in V. 10 als Grund für die Bitte in V. 9 die Lügenhaftigkeit der Feinde des Beters angeführt werden, die ja den ganzen Psalm hindurch als Lügner und Betrüger dargestellt werden. Die Rolle JHWHs ist hier der der lügnerischen Feinde des Beters entgegengesetzt. (Zurück zu v.9)
rum meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?) - Schwierige Stelle. Meist übersetzt mit „um meiner Feinde Willen“. Die Phrase hat enge Parallelen in Ps 27,11 („Lehre mich, JHWH, deinen Weg / und leite mich auf deinem Pfad um meiner Feinde willen.“ (OfBi)) und Ps 69,19 („Sei mir nah, erlöse mich, / um meiner Feinde willen befreie mich.“ (ZÜR)); vgl. außerdem noch Ps 8,3. An allen drei Stellen ist jemand in Bedrängnis und JHWH handelt gut an ihm, ohne dass dieses Heilshandeln eigentlich den Feinden zum Nachteil gereichen würde. Dennoch aber ist stets angegeben: „um der Feinde willen“.
  1. Entweder bezeichnet daher hier lema`an (meist: „um ... willen“) jeweils nicht diejenigen, um derentwillen etwas geschieht, sondern das, was Motivation für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „wegen meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (Ps 5,9 + Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19).
  2. Alternativ könnte man sich evt. wirklich Buttenwiesers Lösungsvorschlag anschließen: B. analysiert lema`an als לְ plus מען, einem vom Verb ענה („antworten, Zeugnis geben, widerlegen“) abgeleiteten Infinitiv: „zur Widerlegung meiner Feinde“; vgl. Buttenwieser 1938, S. 180. Wenn diese Analyse wirklich gangbar wäre, machte sie Sinn, denn sowohl in Ps 5,9 als auch Ps 27,11 ist die Bedrängnis, aus der JHWH den Beter retten soll, die durch Lügner und Betrüger - und die sollen widerlegt werden, indem JHWH dem Beter den rechten Weg weist. (Zurück zu v.9)
sebne vor mir deinen Weg - Mögliche Deutungen:
  1. „dein Weg“ = der von JHWH gewiesene Weg; seine „Lebensweisung“ an die JHWH-Gläubigen; er bezeichnet die gerechte Lebensweise. Hier wird diese JHWHs Willen entsprechende Lebensweise kontrastiert mit der der Lügner und Betrüger, wie z.B. auch in Spr 4,26. Dass Gott dem Beter den Weg „ebnen“ soll, ist die Bitte darum, dass er ihm das JHWHs-Weisung-Folgen erleichtern möge. (so die meisten)
  2. „den Weg zu dir“ (Genitivus directionis), nämlich zu deinem Tempel. (Zurück zu v.9)
tVv. 8f: Oder:
Wenn ich dagegen dank deiner großen Gnade in dein Haus kommen will, (X-Qatal => unmarkierter Nebensatz) / Um dich in deinem heiligen Tempel ehrfürchtig anzubeten, (Yiqtol => unmarkierter Nebensatz) // Dann, gerechter JHWH, führe mich wegen meiner Feinde; / Ebne mir den Weg zu dir.“; so gelesen würde der Beter also um Schutz auf seinem Wallfahrtsweg zum Tempel bitten. (Zurück zu v.9)
uDieser Vers ließe sich auf zwei Weisen lesen. Die stets Vertretene ist als Primärübersetzung angegeben; sie lautet etwa:

Es ist in ihrem Reden nichts Aufrichtiges, / ihr Inneres ist Verderben, / ein offenes Grab ist ihre Kehle / ihre Zunge glätten sie.

Alternativ ließe sich (a) Das כִּי in 10a kataphorisch und V. 10a als Protasis mit 10b als Apodosis lesen,(b) 10d als Protasis der Apodosis 10c