Exodus 19: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|4}} Adler (Bartgeier?, Gänsegeier?)<ref>[[Datei:Nisroch.jpg|mini|Der Gott Nisroch. Assyrisches Relief, 9. Jhd. v. Chr. (c) [https://tammuz.tumblr.com/post/82690473352/relief-depicting-the-eagle-headed-assyrian-god Babylon Chronicles]]]<div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Ganymed.jpg|mini|Entführung Ganymeds. Gemälde im palmyrenischen „Grab der drei Brüder“ (2. Jhd. n. Chr.). (c) [https://www.wmf.org/project/tomb-three-brothers wmf.org]]]</div><div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Faustina.png|mini|Faustina die Jüngere reitet auf Adler. Römische Münze, spätes 2. Jhd. (c) [https://www.britishmuseum.org/collection/object/C_R-14738 BM, R. 14738]]]</div>Heb. ''nescher''; trad. „''Adler''“. Spätestens, seit Tristram 1883, S. 172 erklärt hat, gemeint sein müsse der Gänsegeier, weil in [[Micha 1#s16 |Mi 1,16]] („Mache dich kahl und schere dich wegen der Kinder deiner Wonne; mach deine Kahlheit größer wie der ''nescher'', denn sie wurden von dir hinweg exiliert!“) von der Kahlköpfigkeit dieses Vogels die Rede sei und weil das Arabische ''nissr'' klar den Gänsegeier meine, wird in Lexika (anders als in Kommentaren) immer häufiger stattdessen „Geier“ vorgeschlagen (z.B. z.B. Kronholm in ThWAT V, Sp. 680-689; [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12504/ Adler (WiBiLex)]; auführlich auch [https://www.academia.edu/30454867/Die_G%C3%B6ttin_und_der_Geier Schroer 1996] und nach ihr [https://bonndoc.ulb.uni-bonn.de/xmlui/bitstream/handle/20.500.11811/8944/bup_bbb_182.pdf?sequence=1&isAllowed=y Wüste 2018], S. 160-163; letztlich zeigt Schroer aber nur, dass im Orient übrigens häufig auch Geier abgebildet wurden). Hier daher auch Dohmen 2004: „Dann habe ich euch auf Geiersflügeln getragen.“ (dagegen z.B. Houtman 1996; Dozeman 2009; Albertz 2015: „Adler“). Plinius berichtet in NatHist X 3, dass von alten Naturkundlern bisweilen z.B. auch der Lämmergeier zur Gattung der „Adler“ gerechnet wurde; wahrscheinlich lassen sich die beiden Vögel terminologisch also nicht so klar scheiden, wie Exegeten dies gerne hätten. Ob daher jeweils besser mit „Adler“ oder „Geier“ zu übersetzen ist, hängt vom jeweiligen Kontext ab. Und der spricht hier und im parallelen Vers [[Deuteronoium 32#s11 |Dtn 32,11]] sehr stark für „Adler“: Dass Menschen von Adlern getragen worden seien, ist ein verbreitetes Motiv in der Mythologie. Der sumerische König Etana etwa wird im gleichnamigen Epos (24. Jhd. v. Chr.?) von einem Adler zum Himmel getragen. Auf der [https://www.penn.museum/sites/expedition/the-hasanlu-gold-bowl/ Goldschale von Hasanlu] (10./9. Jhd. v. Chr.) reitet eine Frau auf einem Adler (fig. 6, unten ganz links). Zeus entführt Ganymed in Gestalt eines Adlers zum Olymp, und weil dies als Allegorie für den Transport von Seelen in den Himmel verstanden wurde, mauserte sich der Adler zu einem der häufigsten Motive auf nabatäischen und palmyrenischen Gräbern (oben ein Bsp.). Auf römischen Darstellungen reiten Kaiser:innen v.a. des 2. Jhds. sogar häufig auf Adlern (s.o.).<br />
{{S|4}} Adler (Bartgeier?, Gänsegeier?)<ref>[[Datei:Nisroch.jpg|mini|Der Gott Nisroch. Assyrisches Relief, 9. Jhd. v. Chr. (c) [https://tammuz.tumblr.com/post/82690473352/relief-depicting-the-eagle-headed-assyrian-god Babylon Chronicles]]]<div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Ganymed.jpg|mini|Entführung Ganymeds. Gemälde im palmyrenischen „Grab der drei Brüder“ (2. Jhd. n. Chr.). (c) [https://www.wmf.org/project/tomb-three-brothers wmf.org]]]</div><div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Faustina.png|mini|Faustina die Jüngere reitet auf Adler. Römische Münze, spätes 2. Jhd. (c) [https://www.britishmuseum.org/collection/object/C_R-14738 BM, R. 14738]]]</div>Heb. ''nescher''; trad. „''Adler''“. Spätestens, seit Tristram 1883, S. 172 erklärt hat, gemeint sein müsse der Gänsegeier, weil in [[Micha 1#s16 |Mi 1,16]] („Mache dich kahl und schere dich wegen der Kinder deiner Wonne; mach deine Kahlheit größer wie der ''nescher'', denn sie wurden von dir hinweg exiliert!“) von der Kahlköpfigkeit dieses Vogels die Rede sei und weil das Arabische ''nissr'' klar den Gänsegeier meine, wird in Lexika (anders als in Kommentaren) immer häufiger stattdessen „Geier“ vorgeschlagen (z.B. z.B. Kronholm in ThWAT V, Sp. 680-689; [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12504/ Adler (WiBiLex)]; auführlich auch [https://www.academia.edu/30454867/Die_G%C3%B6ttin_und_der_Geier Schroer 1996] und nach ihr [https://bonndoc.ulb.uni-bonn.de/xmlui/bitstream/handle/20.500.11811/8944/bup_bbb_182.pdf?sequence=1&isAllowed=y Wüste 2018], S. 160-163; letztlich zeigt Schroer aber nur, dass im Orient übrigens häufig auch Geier abgebildet wurden). Hier daher auch Dohmen 2004: „Dann habe ich euch auf Geiersflügeln getragen.“ (dagegen z.B. Houtman 1996; Dozeman 2009; Albertz 2015: „Adler“). Plinius berichtet in NatHist X 3, dass von alten Naturkundlern bisweilen z.B. auch der Lämmergeier zur Gattung der „Adler“ gerechnet wurde; wahrscheinlich lassen sich die beiden Vögel terminologisch also nicht so klar scheiden, wie Exegeten dies gerne hätten. Ob daher jeweils besser mit „Adler“ oder „Geier“ zu übersetzen ist, hängt vom jeweiligen Kontext ab. Und der spricht hier und im parallelen Vers [[Deuteronoium 32#s11 |Dtn 32,11]] sehr stark für „Adler“: Dass Menschen von Adlern getragen worden seien, ist ein verbreitetes Motiv in der Mythologie. Der sumerische König Etana etwa wird im gleichnamigen Epos (24. Jhd. v. Chr.?) von einem Adler zum Himmel getragen. Auf der [https://www.penn.museum/sites/expedition/the-hasanlu-gold-bowl/ Goldschale von Hasanlu] (10./9. Jhd. v. Chr.) reitet eine Frau auf einem Adler (fig. 6, unten ganz links). Zeus entführt Ganymed in Gestalt eines Adlers zum Olymp, und weil dies als Allegorie für den Transport von Seelen in den Himmel verstanden wurde, mauserte sich der Adler zu einem der häufigsten Motive in nabatäischen und palmyrenischen Gräbern (oben ein Bsp.). Auf römischen Darstellungen reiten Kaiser:innen v.a. des 2. Jhds. sogar häufig auf Adlern (s.o.).<br />
'''Genauer''': Auch darüber hinaus sind Tristrams Argumente ohnehin nicht sehr stark. Ob auch in den alten arabischen Zeugnissen mit ''nissr'' wirklich stets der Gänsegeier gemeint ist, lässt sich gar nicht beurteilen. Arab. ''nasr'' versteht man jedenfalls üblicherweise als „Adler“, und auch der assyrische Gott Nisroch (s. oben) ist klar ein ''Adler''-Gott, kein Geier-Gott, und gerade nicht glatzköpfig. Dass Mi 1,16 auf die Glatzköpfigkeit des ''nescher'' abziele, ist auch überhaupt nicht klar. Gerade die Kahlheit am ''Kopf'' kann ein ''nescher'' ja nicht „vergrößern“. Den Schlüssel zu diesem Vers dürfte [[Psalm 103#s5 |Ps 103,5]] enthalten: Dieser Vers spricht davon, dass ein ''nescher'' „seine Jugend erneut“. Auch das passt am besten zum Adler; vgl. Physiologus 6 (2.-4. Jhd.): „''Wenn der Adler alt wird, so werden seine Flügel schwer und seine Augen verdunkeln sich. Dann sucht er eine klare Quelle und fliegt von hier empor zur Sonne, wo er die Flügel und Augen ausbrennt. Darauf lässt er sich herab in die Quelle, taucht dreimal darin unter und wird so verjüngt.''“ (Üs.: [http://manuscripts.org.uk/chd.dk/misc/lauchert.html Lauchert]). Alte Ausleger haben daher Ps 103,5 entweder direkt mit diesem Mythos erklärt oder mit der Mauser, mit der Adler ebenfalls ihr Gefieder erneuten und sich so „verjüngten“ (vgl. z.B. Maximus von Turin [4. Jhd.], Sermo 55; Saadja; Raschi; weitere bei [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10409820?page=88,89 Bochart II S. 168f.]). Auf beide Weisen würde der Adler seine „Kahlheit“ sogar maximal „vergrößern“, anders als der Geier. Ich (S.W.) bin daher unsicher, ob es überhaupt an einer Stelle sinnvoll ist, von der üblichen Üs. „Adler“ abzugehen.</ref>
'''Genauer''': Auch darüber hinaus sind Tristrams Argumente ohnehin nicht sehr stark. Ob auch in den alten arabischen Zeugnissen mit ''nissr'' wirklich stets der Gänsegeier gemeint ist, lässt sich gar nicht beurteilen. Arab. ''nasr'' versteht man jedenfalls üblicherweise als „Adler“, und auch der assyrische Gott Nisroch (s. oben) ist klar ein ''Adler''-Gott, kein Geier-Gott, und gerade nicht glatzköpfig. Dass Mi 1,16 auf die Glatzköpfigkeit des ''nescher'' abziele, ist auch überhaupt nicht klar. Gerade die Kahlheit am ''Kopf'' kann ein ''nescher'' ja nicht „vergrößern“. Den Schlüssel zu diesem Vers dürfte [[Psalm 103#s5 |Ps 103,5]] enthalten: Dieser Vers spricht davon, dass ein ''nescher'' „seine Jugend erneut“. Auch das passt am besten zum Adler; vgl. Physiologus 6 (2.-4. Jhd.): „''Wenn der Adler alt wird, so werden seine Flügel schwer und seine Augen verdunkeln sich. Dann sucht er eine klare Quelle und fliegt von hier empor zur Sonne, wo er die Flügel und Augen ausbrennt. Darauf lässt er sich herab in die Quelle, taucht dreimal darin unter und wird so verjüngt.''“ (Üs.: [http://manuscripts.org.uk/chd.dk/misc/lauchert.html Lauchert]). Alte Ausleger haben daher Ps 103,5 entweder direkt mit diesem Mythos erklärt oder mit der Mauser, mit der Adler ebenfalls ihr Gefieder erneuten und sich so „verjüngten“ (vgl. z.B. Maximus von Turin [4. Jhd.], Sermo 55; Saadja; Raschi; weitere bei [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10409820?page=88,89 Bochart II S. 168f.]). Auf beide Weisen würde der Adler seine „Kahlheit“ sogar maximal „vergrößern“, anders als der Geier. Ich (S.W.) bin daher unsicher, ob es überhaupt an einer Stelle sinnvoll ist, von der üblichen Üs. „Adler“ abzugehen.</ref>



Version vom 28. Juli 2023, 02:15 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Exodus 19)

(kommt später)

Studienfassung (Exodus 19)

1

2

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4 Adler (Bartgeier?, Gänsegeier?)a

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Anmerkungen

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Der Gott Nisroch. Assyrisches Relief, 9. Jhd. v. Chr. (c) Babylon Chronicles
Entführung Ganymeds. Gemälde im palmyrenischen „Grab der drei Brüder“ (2. Jhd. n. Chr.). (c) wmf.org
Faustina die Jüngere reitet auf Adler. Römische Münze, spätes 2. Jhd. (c) BM, R. 14738
Heb. nescher; trad. „Adler“. Spätestens, seit Tristram 1883, S. 172 erklärt hat, gemeint sein müsse der Gänsegeier, weil in Mi 1,16 („Mache dich kahl und schere dich wegen der Kinder deiner Wonne; mach deine Kahlheit größer wie der nescher, denn sie wurden von dir hinweg exiliert!“) von der Kahlköpfigkeit dieses Vogels die Rede sei und weil das Arabische nissr klar den Gänsegeier meine, wird in Lexika (anders als in Kommentaren) immer häufiger stattdessen „Geier“ vorgeschlagen (z.B. z.B. Kronholm in ThWAT V, Sp. 680-689; Adler (WiBiLex); auführlich auch Schroer 1996 und nach ihr Wüste 2018, S. 160-163; letztlich zeigt Schroer aber nur, dass im Orient übrigens häufig auch Geier abgebildet wurden). Hier daher auch Dohmen 2004: „Dann habe ich euch auf Geiersflügeln getragen.“ (dagegen z.B. Houtman 1996; Dozeman 2009; Albertz 2015: „Adler“). Plinius berichtet in NatHist X 3, dass von alten Naturkundlern bisweilen z.B. auch der Lämmergeier zur Gattung der „Adler“ gerechnet wurde; wahrscheinlich lassen sich die beiden Vögel terminologisch also nicht so klar scheiden, wie Exegeten dies gerne hätten. Ob daher jeweils besser mit „Adler“ oder „Geier“ zu übersetzen ist, hängt vom jeweiligen Kontext ab. Und der spricht hier und im parallelen Vers Dtn 32,11 sehr stark für „Adler“: Dass Menschen von Adlern getragen worden seien, ist ein verbreitetes Motiv in der Mythologie. Der sumerische König Etana etwa wird im gleichnamigen Epos (24. Jhd. v. Chr.?) von einem Adler zum Himmel getragen. Auf der Goldschale von Hasanlu (10./9. Jhd. v. Chr.) reitet eine Frau auf einem Adler (fig. 6, unten ganz links). Zeus entführt Ganymed in Gestalt eines Adlers zum Olymp, und weil dies als Allegorie für den Transport von Seelen in den Himmel verstanden wurde, mauserte sich der Adler zu einem der häufigsten Motive in nabatäischen und palmyrenischen Gräbern (oben ein Bsp.). Auf römischen Darstellungen reiten Kaiser:innen v.a. des 2. Jhds. sogar häufig auf Adlern (s.o.).
Genauer: Auch darüber hinaus sind Tristrams Argumente ohnehin nicht sehr stark. Ob auch in den alten arabischen Zeugnissen mit nissr wirklich stets der Gänsegeier gemeint ist, lässt sich gar nicht beurteilen. Arab. nasr versteht man jedenfalls üblicherweise als „Adler“, und auch der assyrische Gott Nisroch (s. oben) ist klar ein Adler-Gott, kein Geier-Gott, und gerade nicht glatzköpfig. Dass Mi 1,16 auf die Glatzköpfigkeit des nescher abziele, ist auch überhaupt nicht klar. Gerade die Kahlheit am Kopf kann ein nescher ja nicht „vergrößern“. Den Schlüssel zu diesem Vers dürfte Ps 103,5 enthalten: Dieser Vers spricht davon, dass ein nescher „seine Jugend erneut“. Auch das passt am besten zum Adler; vgl. Physiologus 6 (2.-4. Jhd.): „Wenn der Adler alt wird, so werden seine Flügel schwer und seine Augen verdunkeln sich. Dann sucht er eine klare Quelle und fliegt von hier empor zur Sonne, wo er die Flügel und Augen ausbrennt. Darauf lässt er sich herab in die Quelle, taucht dreimal darin unter und wird so verjüngt.(Üs.: Lauchert). Alte Ausleger haben daher Ps 103,5 entweder direkt mit diesem Mythos erklärt oder mit der Mauser, mit der Adler ebenfalls ihr Gefieder erneuten und sich so „verjüngten“ (vgl. z.B. Maximus von Turin [4. Jhd.], Sermo 55; Saadja; Raschi; weitere bei Bochart II S. 168f.). Auf beide Weisen würde der Adler seine „Kahlheit“ sogar maximal „vergrößern“, anders als der Geier. Ich (S.W.) bin daher unsicher, ob es überhaupt an einer Stelle sinnvoll ist, von der üblichen Üs. „Adler“ abzugehen. (Zurück zu v.4)