Hohelied 3

Aus Die Offene Bibel

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Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Hohelied 3)

(kommt später)

Studienfassung (Hohelied 3)

1 [Frau:]a „Auf meinem Lager in den Nächten (in der Nacht)b suchte ich (sehnte ich mich nach dem),c
Den meine Seele liebt (den ich liebe);d
Ich suchte ihn und (aber) fand ihn nicht.
2 [Da sagte ich mir:] ‚Ich will aufstehene und umhergehen in der Stadt,
Auf den Straßen und auf den Plätzen!
Ich will suchen, den meine Seele liebt (den ich liebe)!‘d
Ich suchte ihn und (aber) fand ihn nicht.
3 Es fanden (ergriffen)f mich die Wächter,
Die in der Stadt umhergingen (Umhergehenden)g
[Ich fragte sie:] ‚Den meine Seele liebt (den ich liebe),d habt ihr [ihn] gesehen?‘
4 [Nur] Weniges [war's], dass ich an ihnen vorbeigegangen war,h
Bis dass ich fand (ergriff), den meine Seele liebt (den ich liebe).d
Ich packte ihn und wollte ihn nicht mehr los lassen,
Bis dass ich ihn gebracht hätte ins Haus meiner Mutteri
Und in die Kammer meiner Gebärerin.
5 Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems,
Bei den Gazellen oder bei den Hirschkühen des Feldes:j
Entfacht nicht und facht nicht ank die Liebe (Stört nicht den Geschlechtsverkehr?l),
Bis es ihr gefällt (solange sie begehrt)!“


m


6 [Jerusalemerinnen:] ([Frau]):n „Wero [ist] diese, die hinaufzieht von (aus) der Wüste
Wie eine Säule (wie Säulen)p aus Rauch,
Duftender nach Myrrhe und Weihrauch (Rauch aus dem Räucherwerk von Myrrhe und Weihrauch)q
Als alle Pulver des Händlers (Duftend nach Myrrhe und Weihrauch, nach allen Pulvern des Händlers)!?r


s


7 ([Jerusalemerinnen] ([Frau:]))a Seht, das Bett (die Liegesänfte?)t Salomosu
Sechzig Helden (Krieger, Männer) um sie
Von den Helden (Krieger, Männer) Israels:v
8 Sie alle sind schwerterfahren (halten ein Schwert),w
Geübt im Kampf.x
Jeder [hat] sein Schwert an seiner Hüfte
Gegen (wegen) nächtliche Schrecken.y

()z

9 Eine Bettstatt (?, Sänfte)aa ließ sich machen (hat sich gemacht)ab der König Salomo
Aus Holz vom Libanon.ac
10 Ihre Säulen ließ er machen (hat er gemacht)ab silbern (aus Silber),
Ihre Kopfstützead golden (aus Gold),
Ihre Decke (Kissen, Sitz?)ae purpurn,af
Ihr Inneres [ist] ([war]) ausgelegt mit Leder (Liebe).ag


{Von den} Töchter{n} Jerusalems,ah 11 kommet heraus
Und sehet, Töchter Zionsai
Auf König Salomo,
Auf seine Krone,aj mit der ihn seine Mutter gekrönt hat
Am Tag seiner Hochzeit,
Am Tag der Freude seines Herzens!

Anmerkungen

Für Vv. 6-11 gehören zu den umstritteneren Abschnitten des Hoheliedes. Entscheidend hängt die Deutung daran, wie die Verse in Lieder aufzuteilen sind. Vor weiteren Ausführungen muss daher diese Frage geklärt sein.

Exkurs: Hintergründe für die Entscheidung:
Entscheidend für die Frage nach der Strukturierung des Abschnitts ist die Frage, was das mit mittah (V. 7) und ´appirjon (V. 9) bezeichnete Objekt ist / die damit bezeichneten Objekte sind. Das Wort ´appirjon findet sich in der Bibel einzig hier; seine Bedeutung ist also nicht ganz klar. Im späteren Hebräisch und Aramäisch findet es sich aber häufiger mit der Bedeutung „Sänfte“; bes. „Hochzeitssänfte“.ak Ob es bereits zur Zeit der Abfassung von Hld diese Bedeutung hatte, ist aber unsicher. Fox 1985, S. 125f. und Delitzsch 1875 deuten daher in Orientierung an der Bedeutung verwandter aramäischer Wörter stattdessen mit „Bett“ (ähnlich FREE, van Ess („Prachtbett“); TUR („Ruhebett“)); eine ganze Reihe von Exegeten orientiert sich allein an der Beschreibung des Objektes und deutet das Wort als „Palast“ oder „Pavillon“.al Das Wort mittah bezeichnet klar etwas, worauf man liegt (nicht etwas, worauf man sitzt). In der Regel ist es ein Bett; in 2 Sam 3,31 heißt es einmal auch „Bahre“ . Nach V. 10 hat das Objekt außerdem „Säulen“.

  1. Eine römische Liegesänfte. (c) Baumeister, A. (Hg.): Denkmäler des klassischen Altertums zur Erläuterung des Lebens der Griechen und Römer in Religion, Kunst und Sitte. III. Band (Rechenbrett - Zwölfgötter). München / Leipzig, 1889. S. 1538.
    Eine römische Liegesänfte. (c) Baumeister, A. (Hg.): Denkmäler des klassischen Altertums zur Erläuterung des Lebens der Griechen und Römer in Religion, Kunst und Sitte. III. Band (Rechenbrett - Zwölfgötter). München / Leipzig, 1889. S. 1538.
    Wenn man V. 6 und die folgenden Verse als ein Lied ansieht, scheinen die beiden Begriffe außerdem etwas Bewegliches zu bezeichnen (es „kommt herauf“ von der Wüste, V. 6). Man hätte also bei mittah und ´appirjon an etwas zu denken wie die rechts abgebildete Liegesänfte, auf die z.B. auch Keel 1992 hingewiesen hat. Die Schwierigkeit dieser Deutung ist aber: Bei dieser Sänfte handelt es sich um eine sog. Lectica, und solche überdachten Liegesänften sind bisher einzig für das Imperium Romanum belegt, nicht aber für den Alten Orient oder Griechenland und auch nicht für die Zeit, in der Hld vermutlich abgefasst wurde. An einen solchen Sänftentypus zu denken, ist also recht gewagt.
    Die Alternativen sind diese:
  2. Man sieht V. 6 und das Folgende nicht als zum selben Lied gehörig an (was näher liegt, s. FN s). Deutet man das unsichere ´appirjon als „Sänfte“ oder „Palast/Pavillon“, handeln Vv. 7f. und 9f. von unterschiedlichen Objekten und man müsste den Abschnitt in mindestens die drei Lieder V. 6, Vv. 7-8 und Vv. 9-10/11 aufteilen.
  3. Deutet man ´appirjon dagegen als „Bett“, müsste man aufteilen in die zwei Lieder V. 6 und Vv. 7-10/11.

Wir glauben, dass die Beschreibung des ´appirjon in V. 10 sich am Besten erklären lässt, wenn man es als „Ehebett“ deutet (s. gleich) und teilen daher auf nach Option (3).

aDas Hohelied besteht zu einem großen Teil aus Dialogen. Das Verständnis des Textes wird sehr dadurch erschwert, dass im hebräischen Text nie angegeben ist, wer welche Textteile spricht. Schon in der LXX und VUL haben daher Schreiber sog. „Rubriken“ eingefügt, also mit roter Tinte geschriebene Angaben darüber, welchem Sprecher welche Äußerung zuzuschreiben ist (vgl. dazu Treat 1996, bes. S. 399ff.). Zur Förderung der Verständlichkeit der Üs. folgen wir diesem Beispiel; nur dort, wo in der Exegese größere Uneinigkeit über die Zuordnung einer Äußerung zu einem Sprecher herrscht, folgt darauf noch eine Extrafußnote zur Begründung dieser Zuordnung. (Zurück zu v.1 / zu v.7)
bin den Nächten (in der Nacht) - W. „in den Nächten“; entweder also mehrere Nächte hintereinander oder es handelt es sich um einen sog. „pluralis compositionis“ mit Sg.-Bed. (vgl. JM §136b); dann ist nach der Alternativübersetzung zu übersetzen. Auf die Textbedeutung hat das keine Auswirkung. Viele Üss. wählen „(des) Nachts“ und lassen so beide Deutungsmöglichkeiten offen; das ist wohl die sinnvollste Übersetzungsentscheidung. (Zurück zu v.1)
csuchte ich (sehnte ich mich nach dem) - baqasch heißt meist suchen; kann aber in Einzelfällen auch die Bedeutung „sich sehnen“ annehmen (vgl. z.St. Fox 1985, S. 118; Peetz 2015, S. 152 u.ö.). Sicher ist dies in unserem Vers gemeint und wird daher z.B. von Bloch/Bloch 1995 und Falk 1982 als Übersetzung gewählt; andererseits verschleierte aber diese Übersetzungsentscheidung hier, wie oft in Vv. 1-4 das Wort „suchen“ verwendet wird. Man sollte daher besser mit den meisten Üss. bei „suchen“ bleiben. (Zurück zu v.1)
dden meine Seele liebt (den ich liebe) - „Seele“ hier wie meist nur als Wechselbegriff für „ich“; zu übersetzen ist daher nach der Alternativübersetzung. (Zurück zu v.1 / zu v.2 / zu v.3 / zu v.4)
etFN: Ich will aufstehen - Nicht: „Ich will bitte aufstehen“ (so z.B. Noegel/Rendsburg 2009). na´ („bitte“) ist zwar meistens eine sog. Höflichkeitspartikel, aber zu offenbar bedeutungslosem na´ in Selbstaufforderungen s. noch Gen 18,21; Ex 3,3; 2 Sam 14,15; 1 Chr 22,5.
Das „Ich will doch aufstehen“ der meisten Üss. ist recht sicher falsch und darauf zurückzuführen, dass man früher häufig dachte, na´ solle größeren „Nachdruck“ auf eine Bitte legen; dagegen vgl. aber Wilt 1996, S. 239-241. (Zurück zu v.2)
ffanden (ergriffen) - möglicherweise eine Antanaklasis, also die mehrfache Verwendung des selben Wortes („finden/ergreifen“) in unterschiedlichen Bedeutungen (vgl. ähnlich Ceresko 1982, S. 564). S. die Anmerkungen. (Zurück zu v.3)
gdie Wächter, die umhergingen - Ebenso bezeichnet in Hld 5,7, wo sie zusätzlich an die Stadtmauer verortet werden. Barbiero 2011, S. 133 und Peetz 2015, S. 155f. denken daher gut an die griechischen Peripoloi („die Umhergehenden“; zu diesen vgl. z.B. Friend 2009, S. 40-45) - eine Art mobilen Grenzschutz, der die zu bewachenden Grenzen abschritt (im Unterschied zu den stationären Wachposten). (Zurück zu v.3)
htFN: Zur etwas komplizierten Konstruktion vgl. HKL III §387d. Fast stets vereinfacht zu „Kaum war ich an ihnen vorbei, als...“, was sicher die beste Üs. ist. (Zurück zu v.4)
iHaus meiner Mutter wird meist damit kommentiert, dass dieses Gebäude (?) dann verwendet würde, wenn mit der Ehe zusammenhängende Dinge erörtert werden sollten (z.B. Assis 2009, S. 99; Sparks 2008, S. 280). Verwiesen wird dazu auf Gen 24,28; Rut 1,8, unseren Vers und Hld 8,1f.. In Gen 24,28 ist aber von einer Heirat noch gar nicht die Rede. Zu Rut 1,8 s. FN x: Das „Haus der Mutter“ ist dort wohl nur der Gegensatz zum Haus der (weiblichen) Witwe Noomi. Und in Hld 8,1f. bedauert die Liebende sogar, dass ihr Geliebter nicht ihr Bruder ist, dann nämlich könnte sie ihn ins Haus ihrer Mutter bringen - an einen Heiratskontext wird hier also gerade nicht zu denken sein, sondern an Intimität. Das ist dann wahrscheinlich auch hier der Sinn des Ausdrucks: Die weibliche Liebende bringt sich in Kontinuität zu dem Geschlechtsverkehr, der zu ihrer Empfängnis führte, und daher eben mit ihrer Mutter statt ihrem Vater: Sie würde gerne Ähnliches tun (ähnlich Assis 2009, S. 100). (Zurück zu v.4)
jBei den Gazellen oder bei den Hirschkühen des Feldes - dazu vgl. bes. gut Steinmann 2013. Geschworen wurde im Alten Israel stets bei höheren „Mächten“ wie Gott, Pharao, Hohepriester etc. Zu diesen gehören Gazelle und Hirschkuh nicht. Auch das „des Feldes“ ist auffällig; in der Bibel ist dies ein Idiom für „wilde Hirschkühe“; Hirschkühe wurden aber nicht gezähmt, so dass diese nähere Ausführung überflüssig scheint. tseba´oth („Gazellen“) und ´ajelot haßadeh („Hirschkühe des Feldes“) (צבאות ... אילות השדה) wird hier also wahrscheinlich deshalb verwendet, weil es lautlich und im Schriftbild an die beiden Gottesbezeichnungen [JHWH] tseba´ot („JHWH der Mächte“) und ´el schaddaj (Bed. unsicher; vielleicht „Gott vom Berge“ und „Gott der Wildnis“; vgl. DDD, S. 749f) (צבאות ... אל שדי) erinnert; „ein erstes Zeichen der Tendenz, die in der talmudischen Zeit wichtig wurde, für Namen und Titel Gottes in Schwüren verschiedene, manchmal [gar] bedeutungslose Worte wie [...] ‚beim Fischnetz‘ oder [...] ‚beim Leben der Sommerfrucht‘ einzusetzen.“ (Fox 1985, S. 110). „Gazelle“ und „Hirschkuh“ passen sogar noch recht gut zum Kontext, weil sie auch an anderen Stellen der Bibel mit Liebe in Zusammenhang gebracht werden (s. Spr 5,18f.; Hld 4,5; 7,3; vgl. Steinmann 2013, S. 30). (Zurück zu v.5)
kEntfacht nicht und facht nicht an die Liebe - W.: „Wenn ihr entfacht und wenn ihr anfacht die Liebe...!“; unabgeschlossee Drohformel als häufige Formel für Verbote. Das selbe Verb wird in zwei verschiedenen Konjugationen verwendet: Figura etymologica, die den Ausdruck noch stärker macht. (Zurück zu v.5)
lStört nicht den Geschlechsverkehr - so einige neuere Exegeten (z.B. Falk 1982, S. 116; Fox 1985, S. 109); aber das Verb kann nicht „stören“ oder „unterbrechen“ bedeuten. (Zurück zu v.5)
mDas Hohelied besteht aus mehreren, voneinander mehr oder weniger unabhängigen Einzelliedern. Wo jeweils ein neues Lied beginnt, ist im hebräischen Text nicht erkennbar; wir haben daher zur Steigerung der Verständlichkeit jeweils dort ein Sternchen eingefügt, wo unserer Meinung ein neues Lied beginnt. (Zurück zu v.5)
nWer diese Verse spricht, ist umstritten. In Hld 8,5 wird V. 6 wiederholt; dort ist klar, dass die Antwort ist: „Die auf ihren Geliebten gestützte Frau“; der Sprecher kann dort also weder die Frau noch der Mann sein. Vermutlich ist daher auch unser Vers zu den sehr wenigen zu rechnen, die weder von der Frau noch vom Mann gesprochen werden. Die einzigen anderen identifizierbaren Sprechenden im Hld sind die Jerusalemerinnen und die Brüder der Frau; am sinnvollsten ist der Vers daher auch nach dieser Deutung den Jerusalemerinnen zuzuordnen. (Zurück zu v.6)
otFN: Wer - Nicht: „was“; das Fragewort mi fragt stets nach Personen. Die mittah (das „Bett“) in V. 7 ist also nicht die Antwort auf die Frage in V. 6 (vgl. v.a. Dirksen 1989; Schult 1972, S. 5; z.B. auch Peetz 2015, S. 164.166. GKC §137a und JM §144b greifen hier nicht; bei den von ihnen genannten Stellen wären Personen klar auf eine andere Weise „mit im Blick“ als an unserer Stelle). (Zurück zu v.6)
pTextkritik: Säule (Säulen) - Plural in MT und 4QCanta, Singular aber in 4QCantb (vgl. Puech 2016, S. 40.42); LXX, Syr, Sym, VUL und einigen Handschriften. Schon von der Zahl der Zeugen ist die Sg.-Variante wahrscheinlicher die ursprüngliche und auch vom Sinn des Bildes – gefragt ist nach einer weiblichen Person – macht der Singular mehr Sinn. Die Plurallesart könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Schreiber die Rauch-/Staubwolke auf die mindestens 60 Personen in den nächsten Versen zurückgeführt haben. (Zurück zu v.6)
qTextkritik: Duftender nach (aus dem Räucherwerk von) - Die Primärübersetzung ist die von MT, LXX und Syr, die Alternativübersetzung die von Aq, VUL und Tg. Der ursprünglich vokallose Text ließ beide Lesarten zu. Welche Variante ursprünglich gemeint war, ist schwer zu entscheiden. Etwas wahrscheinlicher ist die Alternativdeutung, da sich das betreffende Wort in diesem Stamm erst im rabbinischen Hebräisch findet; da die überwältigende Mehrheit der Üss. aber nach der Primärüs. übersetzt, folgen auch wir dem. (Zurück zu v.6)
rtFN: Duftender nach Myrrhe und Weihrauch als alle Pulver des Händlers (Duftend nach Myrrhe und Weihrauch, nach allen Pulvern des Händlers) - Unsere Üs. folgt Bloch/Bloch 1995. Nach der Alternative übersetzen fast alle anderen Üss. und Kommentare, doch das ist nicht wahrscheinlich: In der letzten Zeile steht die Partikel min. Die könnte zwar auch „von, nach“ bedeuten und angeben, woher der Wohlgeruch der Heraufkommenden rührt; da sie aber in der dritten Zeile fehlt, haben Zeile 3 und 4 wahrscheinlich einen unterschiedlichen Status und min ist hier eine Vergleichspartikel. Folgt man in der vorigen Zeile der alternativen Deutung (s. vorige FN), erübrigt sich das, da dann auch in der vorigen Zeile ein min steht, und man kann nach der Alternative übersetzen. (Zurück zu v.6)
sDas Hohelied besteht aus mehreren, voneinander mehr oder weniger unabhängigen Einzelliedern. Wo jeweils ein neues Lied beginnt, ist im hebräischen Text nicht erkennbar und gelegentlich umstritten, z.B. hier. Für Vv. 6-11 sind zwei unterschiedliche Deutungen möglich (s. die Anmerkungen); nach der ersten, wesentlich häufiger vertretenen macht es mehr Sinn, die beiden Teile zusammenzunehmen, nach der zweiten, beide als mehrere Lieder aufzufassen. Wir folgen der zweiten Deutung.
Dafür spricht: Erstens wird Hld 3,6 fast wörtlich wiederholt in Hld 8,5; ein sehr ähnlicher Vers findet sich in Hld 6,10. Beide Male sind die Verse klar nicht mit dem Folgenden verbunden, und schon das ist ein Argument dafür, dass das wahrscheinlicher auch hier nicht so ist. Zweitens ist die Verbindung von Vv. 6.7-11 wegen dem „Wer“ in V. 6 ohnehin nur schwer möglich; s. FN o. Als unterschiedliche Einheiten sehen V. 6 und das Folgende daher auch Assis 2009; Bloch/Bloch 1995; Fox 1985; Schult 1972; Zakovitch 2004. (Zurück zu v.6)
tBett (Liegesänfte?) - Heb. mittah; zu diesem Wort s. den Exkurs in den Anmerkungen. (Zurück zu v.7)
utFN: Salomos - W. „sein Bett, das dem Salomo [ist]“; eine in der Bibel sehr umständliche Formulierung, die aber im späteren Hebräisch zur gewöhnlichen Konstruktion zum Ausdruck von Besitzangaben wurde. Üs. daher wie angegeben. Die Konstruktion hat zur Folge, dass auf diese Weise mittah („Bett“) am Satzanfang steht wie in V. 9 ´appirjon („Bettstatt“). (Zurück zu v.7)
vHelden von den Helden Israels - d.h. wahrscheinlich: Selbst im Vergleich mit den Helden Israels, zu denen sie gehören, sind diese 60 heldenhaft: „mit sechzig umgebenden Helden, den Tapfersten Israels“ (van Ess). (Zurück zu v.7)
wschwerterfahren (halten ein Schwert) - W. „halten ein Schwert“. Wegen Zeile 3 (sie „haben ihr Schwert an der Hüfte“) ist „halten“ (´achaz) hier besser entspr. dem akkadischen ahazu als „erfahren, lernen“ zu deuten (vgl. Zeile 2; vgl. im Dt.: „greifen“ => „begreifen“; „fassen“ => „erfassen“; so schon Perles 1922, S. 52f.; z.B. auch Exum 2005, S. 139; Fox 1985, S. 124; Zakovitch 2004, S. 175). (Zurück zu v.8)
xLautspiel in den ersten beiden Zeilen: Assonanz auf m, l und ch (vgl. gut Noegel/Rendsburg 2009, S. 83): kulám ´achuzé chéreb / milummilchamáh. (Zurück zu v.8)
ynächtliche Schrecken - W. „Schrecken in den Nächten“. Gemeint sind vermutlich Dämonen (vgl. bes. Krauss 1936; DDD, S. 854; ausführlich auch Gerhards 2010, S. 234f.). So schon Tg: „Unholde und Schattengeister“; Midrasch: „Geister“. Die Nacht ist in der jüdischen Mythologie die Zeit der Dämonen, denen man besonders dann ausgeliefert ist, wenn man allein ist. Zum Beispiel soll man nachts nicht allein in seinem Haus bleiben, da man sonst „von der Lilith gepackt wird“ (b.Shab 151b; Lilith ist eine Art Sukkubus). Andererseits soll man nachts auch nicht allein sein Haus verlassen, da zu dieser Zeit Igrath, die Tochter der Dämonenkönigin, mit 180.000 dunklen Engeln auf Erden wandelt (b.Pes 112b). Besonders interessant in unserem (Hochzeits-)Kontext (s. die Anmerkungen) ist Tob 3,17; 6,14f., wonach der Dämon Aschmodai alle Ehemänner Saras im Brautgemach umgebracht hat. In der altorientalischen Mythologie lassen sich Dämonen natürlich mit Schwertern bekämpfen; selbst Götter bekriegen einander mit dem Schwert (z.B. will Balu das ganze Haus Naharus mit dem Schwert zerstören; vgl. CTA 2 iv 5). (Zurück zu v.8)
zDas Hohelied besteht aus mehreren, voneinander mehr oder weniger unabhängigen Einzelliedern. Wo jeweils ein neues Lied beginnt, ist im hebräischen Text nicht erkennbar und gelegentlich umstritten, z.B. hier: Eine neues Lied lassen zwischen V. 8 und V. 9 beginnen z.B. Gerleman 1965; Keel 1992; Krinetzki 1964; Schult 1972. S. dazu den Exkurs in den Anmerkungen. (Zurück zu v.8)
aaSänfte - Heb. ´appirjon; zu diesem Wort s. den Exkurs in den Anmerkungen. (Zurück zu v.9)
abließ machen (hat gemacht) - ein Aktivverb (wie häufig) nicht für den eigentlich Handelnden, sondern für den Auftraggeber. Von Salomo so z.B. auch 1 Kön 6,31.33; 7,6f.; 10,18. (Zurück zu v.9 / zu v.10)
acHolz vom Libanon - Der Libanon war bekannt für sein Holz, bes. für seine Zedern. Gemeint ist also hier besonders kostbares Holz. (Zurück zu v.9)
adKopfstütze - Heb. repidah. Das Wort findet sich nur hier in der Bibel und ist also etwas unsicher; abzuleiten ist es aber sicher vom Verb rapad („stützen, abstützen“). Sind mittah und ´appirjon eine Liegesänfte oder ein Bett, ist also sehr wahrscheinlich die Kopfstütze gemeint, die man auch auf der Grafik in den Anmerkungen gut erkennen kann. So schon VUL (reclinatorium; zu diesem Wort vgl. Isidors „Etymologien“: „Das, was das Kissen stützt oder das Haupt“; Isid. Orig. 19, 26, 3). Syr denkt wohl an das auf der Kopfstütze („Decke, Kissen“); LXX offenbar an eine Sitzsänfte (oder liest rjpdh statt rpjdh) und übersetzt anaklinton („Rückenlehne“). (Zurück zu v.10)
aeTextkritik: Decke (Kissen, Sitz?) - Heb. merkab (geschrieben mrkb). Nach den Lexika heißt das angeblich „Sitz“, und weil es purpurn ist, übersetzen die meisten „Kissen“ oder „Polster“. Wahrscheinlich heißt das Wort aber gar nicht „Sitz“. Das Femininum von merkab (merkabah) findet sich häufig in der Bibel und hat die Bedeutung „Wagen“. Das Maskulinum merkab findet sich außer an unserer Stelle nur noch in 1 Kön 5,6, wo Salomo davon 4000 Stück für seine Pferde hat und wo es dafür eine eigene Halle gibt, und Lev 15,9, wo es etwas ist, worauf man „fährt“ oder „reitet“ (rakab). Bei der ersten Stelle übersetzen daher fast alle Üss. mit „Wagen“ – auch an der Parallelstelle 2 Chr 9,25 steht merkabah („Wagen“) statt merkab –, bei der zweiten immerhin ELB, FREE, TAF; der Rest übersetzt mit „Sattel“ oder „Reitzeug“. Bei diesen Übersetzungsverhältnissen das Wort zuerst als „Sitz“ zu deuten und dann auch noch wegen dem Kontext auf „Kissen“ bezogen sein lassen, ist gewaltsam. Besser sollte man daher merkab / merkabah als eines jener Worte ansehen, die mit der selben Bedeutung sowohl als Maskulinum als auch als Femininum vorkommen können, und überall als „Wagen“ deuten (V. 10 in Lev 15 bezieht sich dann nicht allein auf V. 9, sondern auf das Lager in Vv. 4f., das „Sitzgerät“ in V. 6 und den „Wagen“ in V. 9: „alles, was unter einem ist“). An unserer Stelle lies dann besser nach Syr und Tg („Vorhang“) mkbrw statt mrkbw, s. 2 Kön 8,15, wo Hasael seinen König ermordet, indem er ein mkbr in Wasser taucht und auf das Gesicht des Königs drückt. Der Lesefehler wird geschehen sein unter dem Einfluss der nachbiblischen Bedeutung von ´appirjon (s. die Anmerkungen) und der Tatsache, dass im Alten Griechenland anders als im Alten Israel Hochzeitsprozessionen nicht in einer Sänfte, sondern auf einem Pferdewagen stattfanden. (Zurück zu v.10)
afpurpurn - Purpur war in der Antike noch wertvoller als Gold, da es mühsamst aus der Purpurschnecke gewonnen werden musste (vgl. Barbiero 2011, S. 154f.). (Zurück zu v.10)
agausgelegt mit Leder (Liebe) - Schwierige und vieldiskutierte Stelle, deren Text man häufig zu korrigieren versucht hat. ratsuf („ausgelegt“) findet sich in der Bibel einzig hier; seine Bed. ist also unsicher. Verwandte Worte sind das bibelhebräische retsef („Stein“) und ritspah („gepflasterter Boden“); im Mittelhebräischen und Aramäischen heißt das Wort eng aneinanderreihen, pflastern. Etwas Ähnliches wird es also wohl auch hier bedeuten. Objekt des Verbs ist ´ahabah, was sonst in der Bibel stets „Liebe“ heißt; im Hld mehrmals speziell die geschlechtliche Liebe – was schwerlich zu diesem Verb passt.
Ein interessanter Vorschlag ist der von Keel 1992, S. 122-126 und Loretz 2004, S. 810 FN 36, „sein Inneres ist ausgelegt mit Liebe“ als Metapher zu verstehen für „im Innern der Sänfte sind pornographische Darstellungen abgebildet“, wie das ähnlich in b.San 39b überliefert ist („Ahab war leidenschaftslos, darum malte Jezebel Bilder zweier Huren an seinen Wagen, dass er darauf blicken und erhitzt werden möge“). Sinnvoller aber: Auf viel Zustimmung ist der Vorschlag von Driver 1950b, S. 135 gestoßen, ´ahabah hier abzuleiten vom arabischen ´ihab („Leder“). Das macht Sinn, vgl. b.Ket 65a; j.Ned 1,2 und b.Ned 56a: Man unterschied bei Betten zwischen mittah und dargesch. Bei ersterer war die Liegefläche mit verknoteten Stricken gefertigt („was der Ehefrau Schmerzen bereiten würde“), bei letzterem mit Leder. Ein Lederbett war einem König angemessener, vgl. b.San 47a. (Zurück zu v.10)
ahTextkritik: {Von den} Töchter{n} Jerusalems - W. „von den Töchtern Jerusalems“ (=den Jerusalemer Frauen). Was die Jerusalemerinnen mit dem Auslegen von Salomos ´appirjon zu tun haben sollen, konnte bisher noch niemand zufriedenstellend erklären. Ausnahmen sind Barbiero 2002 und Barbiero 2011 und Zakovitch 2004: Der eine will „sein Inneres ist auslegt mit Liebe von den Töchtern Jerusalems“ verstehen als „In der Sänfte ist die Geliebte Salomos, und diese liebt Salomo stellvertretend für alle Jerusalemerinnen; mit ihrer Liebe ist also auch die Liebe aller Jerusalemerinnen in der Sänfte anwesend“; der andere als „Die Sänfte ist gepflastert mit Gespielinnen Salomos“. Das erste ist sehr weit hergeholt, das zweite wäre sicher eine zu starke Metapher. Viele ziehen daher das m von mbnwt als bedeutungsloses „enklitisches Mem“ zum vorigen Wort und die beiden Wörter „Töchter Jerusalems“ zum nächsten Vers (da die Aufteilung in Verse erst wesentlich später als die Niederschrift des Urtexts erfolgte). So z.B. Exum 2003, S. 306 FN 8; Elliott 1989, S. 87; Fox 1985, S. 21; Pope 1977, S. 446; NEB. Dem folgen auch wir. (Zurück zu v.10)
aiTöchter Zions - „Zion“ = poetischer Name für Jerusalem; „Töchter Zions“ = daher ebenfalls „Jerusalemerinnen“. (Zurück zu v.11)
ajKrone - Zum Brauch der Krönung des Brautpaares zu ihrer Hochzeit s. noch Jes 61,10; Ez 16,8.12; 3 Makk 4,8; m.Sot ix 14; b.Sot 49a. Davon, dass diese Krönung die Aufgabe der Mutter wäre, ist allerdings außerhalb des Hld nichts überliefert. (Zurück zu v.11)
akZ.B. m.Sotah ix 14 / b.Sotah 49a / t.Sotah 15,9; b.Sotah 12a / ExR 1,17; j. Sotah 17c; ExR 20,11; so deuten auch LXX, VUL und der Midrasch. (Zurück zu )
alZ.B. Bloch/Bloch 1909, S. 163; Gerleman 1965, S. 140-2; Horine 2001, S. 112-4; Joüon 1909, S. 183-7; so deuten auch Syr und Tg. (Zurück zu )