Syntax ungeprüft


Lesefassung (Exodus 19)
(kommt später)Studienfassung (Exodus 19)
Anmerkungen
| a | Genauer: Auch darüber hinaus sind Tristrams Argumente ohnehin nicht sehr stark. Ob auch in den alten arabischen Zeugnissen mit nisr wirklich stets der Gänsegeier gemeint ist, lässt sich gar nicht beurteilen; meist wird es ebenso wie arab. nasr als „Adler“ verstanden. Verwandt ist akk. našru, ein nur einmal in einem Glossar belegtes Synonym für erû („Adler“). Der assyrische Gott Nisroch, von dem 2 Kön 19,37 = Jes 37,38 sprechen, wird seit Layard 1850, S. 260 häufig mit dem rechts abgebildeten adlerköpfigen Götterwesen und als nišr-ok mit heb. našr, arab. nasr / nisr und akk. našru in Verbindung gebracht und dann als „Adler-Gott“ erklärt. Eingewandt wird ebenso häufig, dass im Akkadischen nišr- gar nicht dass ein assyrischer Göttername Nisroch nur in der Bibel belegt sei (vgl. zur Diskussion z.B. DDD, S. 630-632). Aber ersteres ist seit der Veröffentlichung des Glossars mit našru nicht mehr richtig, letzteres jedenfalls kein starkes Gegenargument, da es für viele kleine Götter und viele Beinamen auch bekannter Götter im Akkadischen nur je einen Beleg gibt. Ist Layards Identifikation richtig, spricht also auch dies dafür, dass semitisches našr mindestens auch den Adler meinen kann. Dass Mi 1,16 auf die Glatzköpfigkeit des nescher abziele, ist auch überhaupt nicht klar. Gerade die Kahlheit am Kopf kann ein nescher ja nicht „vergrößern“. Den Schlüssel zu diesem Vers dürfte Ps 103,5 enthalten: Dieser Vers spricht davon, dass ein nescher „seine Jugend erneut“. Auch das passt am besten zum Adler; vgl. Physiologus 6 (2.-4. Jhd.): „Wenn der Adler alt wird, so werden seine Flügel schwer und seine Augen verdunkeln sich. Dann sucht er eine klare Quelle und fliegt von hier empor zur Sonne, wo er die Flügel und Augen ausbrennt. Darauf lässt er sich herab in die Quelle, taucht dreimal darin unter und wird so verjüngt.“ (Üs.: Lauchert. Auf diesen Mythos wird gewiss auch im Etana-Epos angespielt, als der federlose Adler Tag für Tag zum Sonnengott Schamasch betet und dieser ihm daraufhin Etana schickt, mit dessen Hilfe ihm neues Gefieder wächst). Alte Ausleger haben daher Ps 103,5 entweder direkt mit diesem Mythos erklärt oder mit der Mauser, mit der Adler ebenfalls ihr Gefieder erneuten und sich so „verjüngten“ (vgl. z.B. Maximus von Turin [4. Jhd.], Sermo 55; Saadja; Raschi; weitere bei Bochart II S. 168f.). Auf beide Weisen würde der Adler seine „Kahlheit“ sogar maximal „vergrößern“, anders als der Geier. Ich (S.W.) bin daher unsicher, ob es überhaupt an einer Stelle sinnvoll ist, von der üblichen Üs. „Adler“ abzugehen. (Zurück zu v.4) |



