Syntax ungeprüft


Anmerkungen
Studienfassung (Obadja)
1 Die Prophezeiung〈a〉 Obadjas (Knecht JHWHs, JHWH-Verehrer)
So hat der Herr JHWH über (zu) Edom gesprochen,
〈b〉
„Erhebt euch (Auf!), lasst uns erheben〈e〉 gegen es〈f〉 zur Schlacht!“
2〈g〉
„{Siehe,}〈h〉 Klein (unbedeutend) habe ich dich gemacht〈i〉 unter den Nationen (durch die Nationen)〈j〉.
- Du [bist] sehr verachtet.
3 Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit) hat dich getäuscht〈k〉,
- [Der] in Felsenklüften〈l〉 (in den Klüften von Sela)〈m〉 wohnt〈n〉 (der du wohnst)〈o〉
- [Der] seinen Wohnsitz [in]〈p〉 der Höhe [hat] (der du hast)〈o〉,
[Der] in seinem Herzen spricht〈q〉〈o〉:
- ‚Wer kann mich zur Erde herabstürzen?‘ -
4 [Selbst], wenn du hoch machtest〈r〉 wie der Adler (ein Adler)〈s〉 -
- ja, [selbst], wenn zwischen die Sterne gesetzt wäre (wenn du gesetzt hättest)〈t〉 dein Nest -
[selbst] von dort würde ich dich herabstürzen!“
- Spruch JHWHs.
5〈u〉 Wenn Diebe über dich gekommen wären,
- Wenn Räuber des Nachts [über dich gekommen wären]〈v〉 -
- [Ach!,] wie bist bist zu zerstört (zum Schweigen gebracht)〈w〉!〈x〉 (Inwiefern wärest du [dann] zerstört?) -
- Hätten sie nicht [nur]〈y〉 genug für sich selbst gestohlen?
Wenn Winzer über dich gekommen wären -
- hätten sie nicht eine Nachlese übrig gelassen?〈z〉
6 [Ach!,] wie sind (ist)〈aa〉 Esau〈ab〉 durchsucht worden!〈x〉 (Inwiefern ist Esau durchsucht worden?)
- [Ach!, wie] wurden [selbst] seine Verstecke (versteckten Schätze)〈ac〉 geplündert〈ad〉!〈x〉 (Inwiefern sind seine Verstecke geplündert worden?)
7 Bis zur Grenze haben dich getrieben〈ae〉
- alle Männer deines Bundes (alle deine Bundesgenossen).
Es haben dich betrogen - [ja,] überwältigt haben dich
- Männer deines Friedens (Verbündete von dir).
Die, die dein Brot aßen〈af〉,
Nicht mehr (nicht) [wird sein] Verstand (Einsicht) in ihm〈ai〉:
8 „{Wahrlich,} An jenem Tag“ -
- Spruch JHWHs -〈aj〉
„werde ich die Weisen aus Ẹdom vernichten
- und den Verstand (die Einsicht) vom Berg Esau〈ak〉.
9Und deine starken Männer sollen erschrecken, o Teman, darum, dass ein jeder weggetilgt werden wird von der Berggegend von Esau durch Tötung. 10Wegen der Gewalttat an deinem Bruder Jakob wird Schande dich bedecken, und du wirst weggetilgt werden müssen auf unabsehbare Zeit. 11An dem Tag, an dem du abseits standest, an dem Tag, an dem Fremde seine Streitmacht in Gefangenschaft führten und an dem sogar Ausländer sein Tor betraten und sie über Jerusalem Lose warfen, warst auch du wie einer von ihnen. 12Und du hättest nicht nach dem spähen sollen, was am Tag deines Bruders zu sehen war, am Tag seines Missgeschicks; und du hättest dich nicht freuen sollen über die Söhne Judas an dem Tag, an dem sie umkamen; und du hättest nicht ein großes Maul führen sollen am Tag ihrer Bedrängnis. 13Du hättest nicht in das Tor meines Volkes kommen sollen am Tag seines Unheils. Du, ja du, hättest nicht nach seinem Unglück spähen sollen am Tag seines Unheils; und du hättest nicht die Hand ausstrecken sollen nach seinem Vermögen am Tag seines Unheils. 14Und du hättest nicht am Scheideweg stehen sollen, um seine Entronnenen wegzutilgen; und du hättest seine Überlebenden nicht ausliefern sollen am Tag der Bedrängnis. 15Denn der Tag JHWHs gegen alle Nationen ist nahe. So, wie du getan hast, wird dir getan werden. Die Art deiner Behandlung wird auf dein eigenes Haupt zurückkommen. 16Denn so, wie ihr auf meinem heiligen Berg getrunken habt, werden alle Nationen fortan beständig trinken. Und sie werden gewiss trinken und hinunterschlucken und so werden, als ob sie nie gewesen wären. 17Und auf dem Berg Zion, da werden bestimmt die Entronnenen sein, und er soll etwas Heiliges werden; und das Haus Jakob soll die Dinge in Besitz nehmen, die sie besitzen sollen. 18Und das Haus Jakob soll ein Feuer werden und das Haus Josef eine Flamme und das Haus Esau zu Stoppeln; und sie sollen sie in Brand setzen und sie verzehren. Und es wird für das Haus Esau kein Überlebender da sein; denn JHWH selbst hat es gesagt. 19Und sie sollen den Nẹgeb in Besitz nehmen, auch die Berggegend von Esau und die Schefela, ja von den Philistern. Und sie sollen das Feld von Efram und das Feld von Samaria in Besitz nehmen; und Benjamin soll Besitz ergreifen von Gilead. 20Und was die von dieser Vormauer ins Exil Weggeführten betrifft, den Söhnen Israels wird gehören, was die Kanaaniter bis nach Sarepta hin [besaßen]. Und die ins Exil Weggeführten Jerusalems, die in Sefarad waren, werden die Städte des Negeb in Besitz nehmen. 21Und gewiss werden Retter auf den Berg Zion hinaufziehen, um die Berggegend von Esau zu richten; und das Königtum soll JHWHs werden.
Anmerkungen
| a | Die Prophezeiung Obadjas - W.: „Vision Obadjas“; wie in 2 Chr 32,32; Jes 1,1 und Nah 1,1 ist „Vision von X“ hier die Überschrift eines ganzen Prophetenbuchs. (Zurück zu v.1) |
| b | Schwieriger Vers. Schwierigkeit (1) ist, dass das Hebräische keine Anführungszeichen kennt. Diese und die nächsten beiden Zeilen können daher jeweils als Redeeinleitung gedeutet werden, auf die dann die Wiedergabe der wörtlichen Rede folgt - oder auch nicht. Mit dem Maximum an Redeebenen ergäbe dies also: [Prophetie Obadjas:] „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen: [Wiedergabe des Gesprochenen JHWHs:] ‚Eine Botschaft haben wir von JHWH gehört: [Wiedergabe des von JHWH Gehörten:] ‚Ein Bote wurde zu den Nationen gesandt (mit der Botschaft:) [Wiedergabe der Botschaft des Boten:] ‚Erhebt euch...‘‘‘“ Welche der Sätze als wörtliche Rede analysiert werden und welche nicht, ist völlig uneinheitlich in der Exegese. Schwierigkeit (2) ist, dass hier untypischerweise nach der einleitenden Botenformel „So spricht JHWH über/zu Edom“ offenbar keine wörtliche Rede folgt, da sonst ja JHWH selbst berichten würde, eine Botschaft von JHWH übermittelt bekommen zu haben. In der Regel wird daher diese Botenformel entweder als eine zweite Überschrift verstanden (so die meisten) - was aber genau so untypisch wäre und ja nichts daran ändern würde, dass man nach einer solchen Überschrift eine wörtliche Rede JHWHs erwarten sollte, die eben nicht direkt folgt - oder textkritisch (-> Textkritik) ans Ende von V. 1 verschoben (so z.B. Nötscher 1958; Theis 1937; Wolff 1977; EÜ). |
| c | Figura etymologica: Das Wort für Nachricht (meist: „Gerücht“) kommt vom selben Wortstamm wie „haben wir gehört“; es wirkt also wie: „Ein Gehörtes haben wir gehört“ (vgl. B-R: „ein Vernehmen vernahmen wir von IHM her“). (Zurück zu v.1) |
| d | Der Bote ist wohl ein Engel, dessen Botschaft das göttliche Gericht einleitet; s. Mal 3,1; Dan 4,10.14.20; vgl. z.B. Rudolph 1971, S. 302; Sellin 1922, S. 231. (Zurück zu v.1) |
| e | Erhebt euch, lasst uns erheben - Oder: (1) Das einleitende „erhebt euch“ wird im Hebräischen auch häufig verwendet als bloßer „Vorbereitungsimperativ“; in etwa vergleichbar einem deutschen „Los!“, „Auf gehts!“; also „Los, lasst uns erheben!“; eine Selbstermunterungsformel. (2) Außerdem gibt es im Hebräischen einen sogenannten „Pseudo-imperativ“: In einer Imperativkette dient der erste als Bedingung, der zweite als Folge, also „Wenn ihr euch erhebt, werden auch wir uns erheben“. Die meisten Üss. übersetzen nach Deutung (1), aber wahrscheinlicher ist hier Deutung (2) zu wählen: Das Buch Obadja zerfällt recht deutlich in zwei Teile, deren erster einen bereits erfolgten Sieg fremder Nationen über Edom berichtet und deren zweiter einen noch ausstehenden Sieg Judas/Israels über Edom und schließlich sämtliche Völker prophezeit; diese Doppelstruktur wäre in diesem ersten Vers dann bereits vorweggenommen. Vgl. auch die Üs. von Dick 2005: „Arise so we can rise against her in battle!“ Dass nach unserer Deutung JHWH sich selbst in ein größeres Heer inkludiert, ist nicht problematisch; das Bild vom an der Seite von Menschen streitenden JHWH findet sich häufig in der Bibel; ein schönes Bsp. ist etwa Ps 144; s. auch Ps 5,13; Ps 149,7-9 u.ö. (Zurück zu v.1) |
| f | Es meint Edom (so fast alle Exegeten): Edom ist zwar sonst im Obadjabuch maskulin, „es“ dagegen feminin, doch außerhalb des Obadjabuches findet sich Edom noch häufiger als Femininum und ein variabler Genus bei Nationenbezeichnungen findet sich auch häufiger in der Bibel. (Zurück zu v.1) |
| g | Ab V. 2 gibt Obadja JHWHs Rede wider Edom wieder; in der LF muss man das wahrscheinlich durch eine neue Redeeinführung verdeutlichen. (Zurück zu v.2) |
| h | Siehe ist eine sogenannter „Diskurspartikel“, deren wörtliche Übersetzung sich seltenst empfiehlt. Ihre Funktion ist es, das folgende Vergangene als besonders relevant für die aktuelle Rede zu kennzeichnen (vgl. z.B. Nic §67); hier also wohl genauer: JHWH hat Edom schon jetzt unwahrscheinlich klein und unbedeutend gemacht (Vv. 2-7), doch selbst dies ist kein Vergleich zu dem, was am „Tag JHWHs“ (dazu s.u.) mit Edom geschehen wird (Vv. 8f.15). (Zurück zu v.2) |
| i | habe ich dich gemacht - viele deuten als „prophetisches Perfekt“ (d.h.: Die Verbform Qatal, die sonst für Vergangenheit und Gegenwart verwendet wird, stünde hier für Futur): „werde ich dich machen“. Das ist nicht sehr wahrscheinlich; erstens wegen der Partikel hinneh („Siehe“; s.o.), zweitens, weil ab V. 8 die Verbformen Yiqtol und Weqatal verwendet werden, wo man noch eher ein prophetisches Perfekt erwarten würde. Möglich ist aber auch dies. (Zurück zu v.2) |
| j | unter den Nationen (durch die Nationen) - Wortspiel im Hebräischen: Die Präposition b („unter“) dient meist der Verortung, „unter den Nationen“ ist dann eine Art Superlativ: „Ich habe dich gering unter den Völkern gemacht“ = „Ich habe dich zum geringsten aller Völker gemacht“; vgl. Jenson 2008, S. 13; so auch CJB: „I am making you the least of all nations“; GN: „Ich mache dich zum letzten der Völker“; GW: „Edom, I will make you the smallest of nations“. Als sogenanntes Beth instrumenti kann die Präposition aber auch das „Mittel“ angeben, mithife dessen man etwas macht, also „durch die Nationen habe ich dich gering gemacht“; und von diesem - dass fremde Nationen Edom „gering gemacht“ haben - berichten dann ja Vv. 5-7. (Zurück zu v.2) |
| k | Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit) hat dich getäuscht - Nicht wörtlich zu übersetzen: Das „Herz“ ist in der hebräischen Anthropologie wesentlich häufiger Sitz des Verstandes als der Emotionen (vgl. z.B. Krüger 2009, S. 104); die dt. Entsprechung ist daher meist eher „Geist, Verstand“ als „Herz“. Und das mit „täuschen“ übersetzte Wort nascha´ „steht meist für die Täuschung durch scheinbar vernünftige, überzeugendes Rede oder Argumentation (z.B. Jes 36,14 [|| 2 Kön 18,29]; Jer 4,10; 2 Chr 32,15) und wird daher oft assoziiert mit fehlerhafter Weisheit (Gen 3,13; Jes 19,13 (vgl. Vv. 11-14)).“ (Ben Zvi 1996, S. 55). Treffender als die wörtliche Übersetzung „Die Vermessenheit deines Herzens hat dich getäuscht“ wäre daher etwas wie „Ob der Vermessenheit deines Geistes hat du dich verrechnet“ - was besonders an Edom gerichtet ein harter Vorwurf war, denn die Weisheit Edoms war sprichwörtlich; s. Ijob 2,11; Jer 49,7. (Zurück zu v.3) |
| l | Mit den Felsenklüften sind sicher (oft: künstlich erweiterte und ausgehauene) Gebirgshöhlen gemeint, in denen man damals gerade im bergigen Gegenden häufig lebte. (Zurück zu v.3) |
| m | Felsenklüften (Klüften von Sela) - das hebräische sela kann als Klassennomen ein „Gebirge“ bezeichnen, ist aber gleichzeitig ein edomitischer Ortsname: „Sela“. Früher wurde dieses Sela oft mit der Stadt Petra gleichgesetzt; heute geht man eher davon aus, dass es sich um die edomitische Festung es-Sela nahe Bosora gehandelt haben muss (vgl. z.B. Dick 2005, S. 8; für einige Bilder s. hier). Welches von beidem gemeint ist, ist nicht zu entscheiden; als Ortsname würde es aber auch deshalb Sinn machen, weil Sela eine wichtige Rolle bei der Eroberung Edoms durch Nabonidus spielte, auf die wohl auch das Obadjabuch anspielt (s. Anmerkungen). (Zurück zu v.3) |
| n | Die Edomiter lebten am und im Gebirge Seir. Die Sicherheit eines Aufenthaltsorts im Gebirge ist ein häufiges Bild in der Bibel; hier täuscht es aber: Edom mag noch so „gebirgig“ wohnen; sicher vor JHWHs Vergeltung ist es deshalb noch lange nicht. (Zurück zu v.3) |
| o | W. Die Vermessenheit deines Herzens hat dich betrogen, [er ist] wohnend in Felsenklüften, [in] der Höhe [ist] sein Wohnsitz, [er ist] sprechend:.... Drei asyndetische inkongruente Relativsätze: Im Hebräischen muss die Relativpartikel ascher („der“) nicht gesetzt werden, daher „[der] wohnend ist“ statt „er ist wohnend“ etc.; und solche asyndetische Relativsätze sind im Hebräischen häufiger inkongruent (vgl. Joosten 1993; ad loc. Ehrlich 1912b, S. 258), daher „der du wohnend bist“ statt „der wohnend ist“ etc. (zu v.3) |
| p | [in] - Brachylogie aus Sticho b oder accusativus loci. (Zurück zu v.3) |
| q | in seinem Herzen spricht - vom Sinn her wieder eher: „der du dir ausgerechnet hast:...“; vgl. FN k (Zurück zu v.3) |
| r | wenn du hoch machtest - Oder: „Wenn du so hoch/erhaben wärest wie ein Adler“ oder „dich so hoch/erhaben machtest wie ein Adler“, d.h. „Wenn du so hoch flögest wie ein Adler“ (so z.B. Bewer 1911; Brown 1996; Dicou 1994; Eiselen 1911; Lescow 1999; Stuart 1987). Doch sehr viel wahrscheinlicher ist „dein Nest“ das Objekt des Verbs „hoch machen“ (vgl. Num 24,21) und zwischen beide Satzglieder ist - den Vergleich noch übersteigernd - das „ja, selbst, wenn zwischen die Sterne gesetzt wäre“ als Ausdruck der Hybris Edoms eingeschoben. (Zurück zu v.4) |
| s | der Adler (ein Adler) In Vergleichen sind im Hebräischen Substantive häufig auch dort determiniert, wo in einem entsprechenden deutschen Vergleich ein Substantiv indeterminiert wäre (d.h.: wo das Deutsche „ein Adler“ statt „der Adler“ setzen würde); übersetze daher: „ein Adler“. Der Adler ist in der Bibel öfters eine Metapher für eine zerstörerische Macht (s. noch Ijob 9,26; Jer 4,13; 48,40; 49,22); der Vergleich meint also: „Und wenn du noch so mächtig und gesichert wärest: Ich würde dich dennoch überwältigen.“ (Zurück zu v.4) |
| t | Textkritik: MT hat „wenn gesetzt wäre“; LXX und VUL legen aber stark nahe, dass im ursprünglichen Text stand: „wenn du gesetzt hättest“ (s. BHS; so z.B. auch Bewer 1911; Nötscher 1958; Stuart 1987 u.a.). Mur XII dagegen stützt MT und der Text bereitet auch keine Probleme, so dass man ihn beibehalten kann. (Zurück zu v.4) |
| u | Dass mit V. 5 ein neuer Abschnitt in der Strophe Vv. 2-7 beginnt, wird ganz deutlich durch den Stilwechsel: (1) sind Vv. 5-7 im Gegensatz zu Vv. 2-4 und Vv. 8-11 durch nichts als Rede JHWHs ausgezeichnet, (2) wechseln Vv. 5-7 vom Urteil JHWHs über Edom zu in den Stil einer sarkastischen Stadtklage (s. zu „Ach!, wie bist zu zerstört!“ (V. 5); „Ach!, wie ist Esau durchsucht worden!“ und „Ach!, wie wurden selbst seine Verstecke geplündert!“ (V. 6)); (3) weist in diese Richtung das „Spruch JHWHs“ am Ende von V. 4, das hier - wie oft - das Ende eines Abschnitts markiert (so z.B. auch Ben Zvi 1996, S. 46; Clark 1991, S. 328; Dick 2005, S. 9). (Zurück zu v.5) |
| v | [Über dich gekommen wären] - Brachylogie aus Sticho 1. (Zurück zu v.5) |
| w | zerstört (zum Schweigen gebracht) - Wortspiel im Hebräischen: Natürlich heißt hier damah primär „zerstören“, doch kann es auch „zum Schweigen bringen“ bedeuten, und vor dem Hintergrund des „sich verrechnenden Großredens“ in V. 3 nimmt es hier so einen Doppelsinn an: Nicht nur Edom selbst, sondern auch seiner Großmäuligkeit hat Gott ein Ende gemacht: Edom wurde „zerstört/zum Schweigen gebracht“ (vgl. gut Ben Zvi 1996, S. 80). (Zurück zu v.5) |
| x | Die drei mit ´ek („[Ach!,] wie...“) eingeleiteten Stichos sind typische Bestandteile der Textsorte „Stadtklage“ (zur Gattung vgl. z.B. Koenen 2013, zum ´ek-Ruf in Stadtklagen z.B. Hardmeier 2007, Abs. 2.2.1), mit der der Untergang einer Stadt betrauert wird. Gerichtet an den alten Erzfeind Edom hat das natürlich etwas zutiefst sarkastisches: „Eine Runde Mitleid für Edom!“ (Zurück zu v.5 / zu v.6) |
| y | [nur] - Fokuspartikel wie „nur“ werden im Hebräischen sehr oft nicht gesetzt; im Deutschen muss man sie sich jeweils hinzudenken; vgl. ad loc. gut Ehrlich 1912b, S. 257. (Zurück zu v.5) |
| z | Hätten sie nicht eine Nachlese übrig gelassen? - Anspielung auf den altorientalischen Brauch, bei der Ernte Reste für die Bedürftigen übrig zu lassen, die diese nach der Ernte einsammeln konnten (s. z.B. Lev 19,9; Dtn 24,19.21). Die Ernte ist in der Bibel noch öfter ein Bild für die völlige Zerstörung, s. noch Jes 17,4-6; 24,12f; Jer 6,9 und die Parallelstelle zu unserem Vers, Jer 49,9: Selbst bei einer Ernte bleiben wegen des besagten Brauchs Reste übrig - doch Edom ist diese Gnade nicht gewährt; das macht V. 6 klar: Selbst die Schätze Edoms (die im Kriegsfall üblicherweise versteckt wurden), werden aufgestörbert (vgl. gut Jenson 2008, S. 15f). (Zurück zu v.5) |
| aa | Textkritik: W. „Wie sind Esau zerstört worden“; „Esau“ wird hier als Kollektivum mit einem Pluralverb konstruiert (vgl. Mey §94.5a; ad loc. Wolff 1977, S. 17), was ins Dt. mit Sg. übertragen werden muss. Eine Emendation ist unnötig und auch der Sg. der LXX muss nicht bedeuten, dass in einer früheren Textversion Sg. gestanden war. (Zurück zu v.6) |
| ab | Esau - Nach einer alten Überlieferung ist der Stammvater der Judäer Jakob, der Stammvater der Edomiter dessen Bruder Esau (s. bes. Gen 25,19-30); „Esau“ steht hier also für Edom. (Zurück zu v.6) |
| ac | Verstecke (versteckten Schätze) - Bedeutung unsicher (-> Hapax legomenon). Aber das hebräische mazpon kommt vom Verb zapan („verbergen, verstecken“) und auch LXX und VUL legen entweder die Bedeutung „Verstecke“ oder „versteckte [Dinge]“ - also Schätze - nahe. (Zurück zu v.6) |
| ad | geplündert - meist: „durchstöbert“, „durchsucht“ o.Ä. Das seltene heb. Verb ba`ah ist aber wohl nicht einfach ein Synonym zum „durchsuchen“ im vorigen Sticho: In Ex 24,4 bezeichnet es das vollständige Abweiden eines Berges durch Vieh und meint also wohl hier die gewaltsame, vollständige Leerung Edoms. Gut daher GNB, GW: „looted“; NIV: „pillaged“ (beides: „geplündert“). Im Hebräischen bildet der Sticho so einen entfernten Parallelismus mit der Rede von den Winzern in V. 5.: Edom ist „abgeerntet und abgegrast“. (Zurück zu v.6) |
| ae | Bis zur Grenze haben sie dich getrieben - Bedeutung unsicher. Am wahrscheinlichsten ist gemeint, (1) dass Edoms Verbündete sie aus ihrem eigenen Land vertrieben haben (so z.B. Bewer 1911) oder es ist (2) gemeint, dass Edom Unterhändler mit der Bitte um Hilfe zu seinen Verbündeten geschickt hat, die aber abgewiesen und zurück über die Grenze geschickt wurden (so z.B. Niehaus 2009; Sellin 1922). (1) ist wahrscheinlicher, da es historisch in der Tat so geschehen ist: Entweder sind mit den ehemaligen Bundesgenossen die Babylonier gemeint, die wenige Jahre nach der Eroberung Judas (587 v. Chr.) auch über Edom herfielen (552 v. Chr.; so z.B. Bartlett 1989, S. 159), oder die (Vorfahren der) Nabatäer, die sich dem Einflussbereich Babylons entzogen, indem sie nach der Eroberung Edoms durch die Babylonier in Edom einwanderten/einfielen und so wiederum die Edomiter nach und nach in die Gegend der Wüste Negev abdrängten (so z.B. Jeremias 2007, S. 58.66). (Zurück zu v.7) |
| af | Die, die dein Brot aßen ist ebenso wie das „Männer deines Bundes“ und das „Männer deines Friedens“ ein Ausdruck für Verbündete; s. Ps 41,10. Der Ausdruck geht wohl darauf zurück, dass im Alten Israel Bündnisse bei einem gemeinsamen Mahl (wofür in der Bibel sehr häufig synekdochisch nur „Brot“ steht) geschlossen wurden. (Zurück zu v.7) |
| ag | W. werden eine Falle unter dich legen; der Wechsel von der Verbform Qatal zur Verbform Yiqtol ist mir unbegreiflich (S.W.); von den meisten Üss. wird er auch ignoriert. Stünde nur dieses Distichon, sollte man es wohl als T-Shift erklären, aber in dieser Dreierreihe von Disticha wäre das wohl gewollt (?). (Zurück zu v.7) |
| ah | Sehr schwieriger Vers. Bis inklusive der vorletzten Zeile lautet er wörtlich etwa: „Es trieben dich bis zur Grenze alle Männer deines Bundes betrogen dich überwältigten dich Männer deines Friedens dein Brot legten eine Falle unter dich.“ Schwierigkeit (1) ist, dass die Phrasen „alle Männer deines Bundes“ und „Männer deines Friedens“ je sowohl zum vorangehenden als auch zum folgenden Verb gezogen werden könnten, also entweder „Es trieben dich bis zur Grenze alle Männer deines Bundes, / sie betrogen dich.“ oder „Sie trieben dich bis zur Grenze; / alle Männer deines Bundes betrogen dich.“ und entweder „Es überwältigten dich Männer deines Friedens, / sie legten eine Falle unter dich.“ oder „Sie überwältigten dich, / Männer deines Friedens legten eine Falle unter dich.“
Von diesen drei Lösungen ist für die LF sicher die dritte zu wählen; dies löst dann auch zumindest ein stückweit Schwierigkeit (1), da dann wenigstens die Zuordnung der Phrase „die Männer deines Friedens“ klar ist. Wegen des Parallelismus und weil sonst im ersten Sticho das Subjekt offengelassen wäre, sollte man dann entsprechend auch das „alle Männer deines Bundes“ zum vorangehenden Verb ziehen. Dann ist wiederum unklar, wozu das Verb „sie überwältigten dich“ gehört, was sich aber über die Poetik des Verses lösen lässt: Im ganzen Vers stehen sehr viele Wörter, die auf das Suffix -ka enden; der Vers lässt sich daher so strukturieren, dass die Stichos sich reimen und das in jedem Sticho entweder das Subjekt oder das Verb eines Satzes steht (vgl. Dicou 1994, S. 21):
hischi´uka jakalu läka („Es haben dich betrogen - überwältigt haben dich“)
[lochame] lachmäka („Die, die dein Brot aßen“)
|
| ai | in ihm - d.i. in Edom; der Sticho gehört bereits zu V. 8, wie durch die parallele Formulierung in Dtn 32,28, den Wechsel von der 2. zur 3. Person und das verknüpfende Stichwort „Verstand“ klar wird (so z.B. schon Schegg 1862, S. 384; ähnlich Wolff 1977, S. 33). Die Weisheit Edoms war sprichwörtlich; s. Ijob 2,11; Jer 49,7; dass „in Edom kein Verstand mehr sein wird“ meint also letztendlich: Edom wird völlig zernichtet. (Zurück zu v.7) |
| aj | { |
| ak | Berg Esau: Das Gebirge Seir; s. FNn n.ab. (Zurück zu v.8) |