Amos 6

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Amos 6)

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Anmerkungen

Studienfassung (Amos 6)

1 Wehe den Sorglosen in Zion
Und den Sicheren auf dem Berg von Samaria,
Den Vornehmen des Erstlings der Völker,
Zu denen das Haus Israel kommt.
2 Geht hinüber nach Kalne und seht,
Und geht von dort in die große [Stadt] Hamath,
Und steigt hinab nach Gat,a [die Stadt] der Philister!
Sind sie besser als diese Königreiche,
Oder ist ihr Gebiet größer als euer Gebiet?
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10 Da hebt einen sein Onkel und sein Ohm
Um hinauszuschaffen die Gebeine aus dem Haus,
Und der sagt zu dem im Winkel des Hauses: „Noch wer?“,
Und der sagt: „Nö“,
Und der sagt: „Pst!“,
Um nicht zu erwähnen den Namen (zu gedenken des Namens) JHWHs.
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12 Rennen Pferde denn auf Felsen, oder pflügt man mit Rindern? Ihr aber verwandelt das Recht in Gift und die Furcht der Gerechtigkeit in Wermut.
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Anmerkungen

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Datei:Am 6, Vrs 3.png
Palistin und andere in Am 6 genannte Orte.
Die Grenzverläufe von Palistin und seiner späteren vier Teil-Staaten Unqi mit der Hauptstadt Kalne, Arpad mit der Hauptstadt Arpad, Hamath mit der Hauptstadt Hamath und Luhuti mit der Hauptstadt Hazrak – die letzten beiden wurden Anfang des 8. Jhd.s von König Zakkur zu einem Doppelkönigreich vereint –, ist ganz unsicher und dienen hier wieder nur der groben Veranschaulichung.
Erst seit Kurzem ist klar, dass ganz unklar ist, worauf V. 2 anspielt. Kalne, Hamath und Gat werden hier sicher nicht zufällig zusammengestellt, denn neue Forschungen haben ergeben, dass die Staaten Unqi und Hamath-Luhuti und außerdem Arpad des 10.-8. Jhd.s v. Chr. im 11-10. Jhd. noch ein gemeinsames Königreich bildeten, das sowohl als Walistin als auch als Palistin bezeichnet werden konnte (vgl. v.a. Hawkins 2009). Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Königreich Palistin irgendwie zusammenhängt mit den Philistern (im Heb. ursprünglich wohl pališt-im), die u.a. in Gat siedelten (für zwei Vorschläge vgl. z.B. Singer 2012; Emanuel 2015), und entsprechend werden diese Philister hier in V. 2c ja mit der ungewöhnlichen Formulierung „Gat der Philister“ eigens genannt. Wie genau diese „Nord-Philister“ mit den Philistern im Südwesten Judas zusammenhängen, ist heute leider nicht mehr bekannt, und auch sonst liegt der größte Teil der Geschichte Palistins vom 11. bis zum frühen 9. Jahrhundert weitgehend im Dunklen. Wahrscheinlich ist zumindest, dass mit der Nennung der nördlichen Städte Kalne und Hamath einerseits und der südlichen Stadt Gat andererseits in dieser an Samaria und Jerusalem gerichteten Doppelwarnung unterstrichen werden soll, dass ihnen ein umfassendes Unheil „vom Eingang Hamats bis zum Fluss der Wüste Araba“ (V. 14) bevorsteht.
Was sicher ist, ist dies: Unqi mit der Hauptstadt Kalne wurde 738 v. Chr. von den Assyrern erobert, ebenso Luhuti mit der Hauptstadt Hazrak als das Nordreich Hamaths. Die Stadt Hamath im Süden dieses Doppel-Königreichs fiel jedoch erst zeitgleich mit Samaria um 720 v. Chr.; von einer früheren Eroberung ist bisher nirgends etwas überliefert (der bisher wichtigste anderslautende Vorschlag ist der von Na'aman 2002, S. 211f., alle drei Städte seien im späten 9. Jhd. von den Aramäern eingenommen worden. Für Gat stimmt das sicher, bei Kalne ist das gut möglich – aber bei Hamath muss man dafür erstens die Zakkur-Stele mehrfach sehr spekulativ auslegen und zweitens 2 Sam 8,9f. ignorieren). Gat wurde von den Assyrern gar erst um 711 v. Chr. und damit 9 Jahre nach Samaria eingenommen. Schwerlich kann Amos also auch die Bürger Samarias aus V. 1 mit Hinweis auf diese Schicksale von Hamath und Gat gewarnt haben. Viele Amos-Kommentatoren behelfen sich mit redaktionskritischen Annahmen: Entweder V. 2 oder Vv. 1-2 oder das ganze Kapitel Am 6,1-14 sei später als der Rest des Amosbuches entstanden und eigentlich an die Judäer gerichtet. Aber auch das hilft ja nicht weiter; auch dann würden hier anachronistisch zumindest auch Bürger Samarias durch Hinweis auf das Geschick von Hamath und Gat gewarnt. Es scheint also, als sei hier etwas im Blick, was sich mindestens vor 738 v. Chr. zugetragen hat; wahrscheinlich sogar spätestens 750 v. Chr., da irgendwann zwischen 760 und 750 v. Chr. Gat unter judäische Herrschaft kam. Was genau, lässt sich heute nicht mehr erkennen. Vielleicht werden künftige Ausgrabungen weitere Erkenntnisse zutage fördern.
Weitere Orte aus Am 6:
(1) Lebo Hamath ist sicher das heutige Laboue, wo eine der Quellen des Orontes entspringt. Dieser Ort liegt in einem Gebiet, das ursprünglich zum fast gänzlich unbekannten Königreich Zoba zwischen der nördlichen Grenze Israels bei Dan und der südlichen Grenze Hamaths gehörte und wohl von mit Aram verbündeten Aramäern besiedelt wurde (s. 2 Sam 10,6.8). Irgendwann scheint es von Hamath eingenommen worden zu sein; das legt jedenfalls zum Einen 2 Chr 8,3f. nahe, wonach Salomo „Hamath-Zoba“ erobern und sodann „in Hamath“, also in Zoba, Städte bauen konnte, und zum Anderen 2 Kön 14,25.28 wonach Jerobeam II. Israel bis „Lebo Hamath“ (=Laboue) wiederhergestellt und damit „Hamath“ an Israel zurückgebracht hat. 2 Sam 8,3 berichtet dann wahrscheinlich von einem Intermezzo zwischen diesen beiden Phasen: Hier wird erzählt, dass David den einstigen König Zobas geschlagen hatte, als dieser versuchten, „seine Macht am Fluss wiederherzustellen“, es also wieder von Hamath zurückzuerobern. Auch noch Anfang des 6. Jhd.s scheint Zoba zum Gebiet von Hamath gehört zu haben, s. 2 Kön 23,33; 25,21. Der Name wird nicht erst entstanden sein, als Lebo Hamath bereits zu Hamath gehörte (so z.B. Na'aman 1999, S. 429; Hasegawa 2012, S. 130): Ist der hebräische Name in der Bibel korrekt, ist Lebo Hamath w. der „Zugang zu Hamath“ und damit doch gerade passender als Name für einen Grenz-Ort, der zu einem anderen und aus israelitischer Perspektive Hamath vor-gelagerten Reich gehörte.
(2) Karnajim (dazu s. näher Karnajim (WiBiLex)) und Lo-Dabar (zu beiden Städten s. auch noch mal u.) liegen im Norden Gileads östlich des Jordan. Irgendwann scheint Israel diese Region an die Aramäer verloren zu haben (s. Am 1,3; nach 1 Kön 22,3 hatten diese sogar Gebiete eingenommen, die wesentlich weiter südlich lagen. S. auch noch mal 2 Kön 10,32f.).
(3) Der Fluss Araba ist unklar. Heute wird damit das Wadi zwischen Rotem und Totem Meer bezeichnet (s. Araba (WiBiLex); rechts: „Fluss Araba“), gemeint sein könnte demnach dessen nördliches Ende, das ungefähr auf der Höhe von Beerscheba liegt, was ebenfalls häufiger als Südgrenze des vereinigten Israel angegeben wird („von Dan [im Norden] bis Beerscheba [im Süden]“: Ri 20,1; 1 Sam 3,20; 2 Sam 3,10; 17,11; 24,2.15; 1 Kön 4,25). Besser vergleichbare Grenzbestimmungen legen zunächst Anderes nahe: Vergleichbar ist zum Einen die Grenzbestimmung „bis zum Meer der Araba“, die sonst eine Grenze östlich des Jordan am nördlichen Ende des Toten Meeres bezeichnet (Dtn 3,17; 4,49; Jos 12,3; wahrscheinlich auch 2 Kön 14,25, vgl. V. 28: „Jerobeam hat [das aramäische] Damaskus, das Juda gehört hatte, an Israel zurückgebracht“ meint wahrscheinlich die von Aram besetzten Gebiete Gileads östlich des Jordan). Halpern 2001, S. 187 u.a. denken daher an den Arnon (rechts: „Fluss Araba 2“). Man müsste sich dann vorstellen, dass Israel (nicht Juda) wirklich ganz Gilead zurückerobert hätte und so der Arnon die südliche Grenze des Nordreiches markierte. Das könnte man sich gut vorstellen, aber „Fluss der Araba“ ist keine sehr naheliegende Bezeichnung für den Arnon. Vergleichbar ist zum Anderen die Grenzbestimmung „von Lebo Hamath bis zum Fluss Ägyptens“ (1 Kön 8,65; 2 Chr 7,8; Ez 47,19), womit aber nicht das Wadi Araba, sondern das Wadi el-Arisch südwestlich von Gaza gemeint ist (rechts: „Fluss Araba 3“). Aber das setzte voraus, dass Israel ganz Philistäa inklusive Gaza erobert hätte, was jedenfalls in der Bibel nicht berichtet wird. Insgesamt spricht daher doch etwas mehr für Deutung (1) als Deutung (2), und Deutung (3) liegt hier sehr fern.
Diese Grenzverhältnisse sind es dann, die Am 6 voraussetzt: Die Israeliten haben Karnajim und Lo-Dabar im Osten erobert und Israel + Juda reichen daher nun gemeinsam von Lebo Hamath im Norden bis zum Fluss Araba im Süden. (Zurück zu v.2)