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{{S|9}} Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)<ref>''zur Höhle (zu einer Höhle)'' - Die „Höhle“ hat auch in [[Genesis 19#s30 |Gen 19,30]]; [[1 Könige 13#s11 |1 Kön 13,11]]; [[1 Könige 18#s4 |18,4.13]] unerwartet Artikel; dies muss also nichts bedeuten (richtig Simon 1997, S. 322; Cogan 2001). Dennoch wird der:die Leser:in hier, in dieser Szene, die so oft und so deutlich auf Mose anspielt (s. die Anmerkungen), und auf dem Horeb, wo Mose in einer Felsspalte seine Gottesbegegnung hatte (s. [[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]), sicher auch an exakt diese Felsspalte/Höhle denken dürfen (so gut z.B. Cohn 1982, S. 342; Dharamraj 2006, S. 55f.; Thiel 2007).</ref> und übernachtete dort. Und da!, das Wort JHWHs [erging] an ihn und fragte ihn ({ihn}<ref>'''Textkritik''': Die kürzere Variante in LXX (ohne LXX<sup>H</sup>) und wenigen Mss. Assim-V. 13.</ref>): „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“<ref>Wortspiel: „Was ist mit dir“ ist im masoretischen Text zwar ''mah-leka'', lautete ursprünglich aber ''mah-lak'' und klingt daher sehr ähnlich wie der ''malak'', der „Bote“ (s.o.). Die Frage ist die standardmäßige Eröffnung z.B. einer Königsaudienz, mit der Empfangene eingeladen wurde, sein Begehr zu nennen (gut Seybold 1973, S. 8; z.B. auch Cogan 2001; Dharamraj 2006, S. 58; vgl. [[2 Samuel 14#s5 |2 Sam 12,5]]; [[1 Könige 1#s16 |1 Kön 1,16]]; [[2 Könige 6#s28 |2 Kön 6,28]]; [[Esther 5#s3 |Est 5,3]]). Dennoch sollte man nicht zu frei als etwas wie „Was ist dein Begehr?“ o.Ä. übersetzen; sicher sollte der:die Leser:in mindestens ''mit''-hören: „Was willst du ''hier''? [Du sollst doch in Israel sein!]“ (richtig z.B. Hauser 1990, S. 71; Nordheim 1992, S. 138; Fetherolf 2017, S. 203).</ref> | {{S|9}} Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)<ref>''zur Höhle (zu einer Höhle)'' - Die „Höhle“ hat auch in [[Genesis 19#s30 |Gen 19,30]]; [[1 Könige 13#s11 |1 Kön 13,11]]; [[1 Könige 18#s4 |18,4.13]] unerwartet Artikel; dies muss also nichts bedeuten (richtig Simon 1997, S. 322; Cogan 2001). Dennoch wird der:die Leser:in hier, in dieser Szene, die so oft und so deutlich auf Mose anspielt (s. die Anmerkungen), und auf dem Horeb, wo Mose in einer Felsspalte seine Gottesbegegnung hatte (s. [[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]), sicher auch an exakt diese Felsspalte/Höhle denken dürfen (so gut z.B. Cohn 1982, S. 342; Dharamraj 2006, S. 55f.; Thiel 2007).</ref> und übernachtete dort. Und da!, das Wort JHWHs [erging] an ihn und fragte ihn ({ihn}<ref>'''Textkritik''': Die kürzere Variante in LXX (ohne LXX<sup>H</sup>) und wenigen Mss. Assim-V. 13.</ref>): „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“<ref>Wortspiel: „Was ist mit dir“ ist im masoretischen Text zwar ''mah-leka'', lautete ursprünglich aber ''mah-lak'' und klingt daher sehr ähnlich wie der ''malak'', der „Bote“ (s.o.). Die Frage ist die standardmäßige Eröffnung z.B. einer Königsaudienz, mit der Empfangene eingeladen wurde, sein Begehr zu nennen (gut Seybold 1973, S. 8; z.B. auch Cogan 2001; Dharamraj 2006, S. 58; vgl. [[2 Samuel 14#s5 |2 Sam 12,5]]; [[1 Könige 1#s16 |1 Kön 1,16]]; [[2 Könige 6#s28 |2 Kön 6,28]]; [[Esther 5#s3 |Est 5,3]]). Dennoch sollte man nicht zu frei als etwas wie „Was ist dein Begehr?“ o.Ä. übersetzen; sicher sollte der:die Leser:in mindestens ''mit''-hören: „Was willst du ''hier''? [Du sollst doch in Israel sein!]“ (richtig z.B. Hauser 1990, S. 71; von Nordheim 1992, S. 138; Fetherolf 2017, S. 203).</ref> | ||
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Version vom 23. Mai 2022, 20:24 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (1 Könige 19)
(kommt später)Studienfassung (1 Könige 19)
1 Dann erzählte Ahab der Isebel([, seiner Frau],)〈a〉 alles, was Elija getan hatte, und wie (alles darüber, wie)〈b〉 er getötet hatte alle ({alle})〈c〉 die Propheten mit dem Schwert. 2 Da sandte Isebel einen Boten ([eine Botschaft])〈d〉 zu Elija wie folgt: „Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:〈e〉 Dies möge Gott (mögen die Götter?)〈f〉 mir ([mir])〈g〉 antun und darüber hinaus jenes,〈h〉 wenn nicht morgen um diese Zeit dein Leben gleich dem Leben eines der ihren ist!“ 3 Da fürchtete sich (Da sah)〈i〉 Elija und erhob sich und lief um sein Leben und kam〈j〉 nach Beerscheba, das zu[m Königreich]〈k〉 Juda [gehörte]. ℘ ℘ ℘ Dort ließ er seinen [Dienst-]Knaben zurück. ℘
4 Nachdem er einen [ganzen] Tag lang〈l〉 in die Wüste gelaufen war, {kam er und}〈j〉 setzte er sich unter einen einsamen〈m〉 Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, ℘ ℘ [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!〈n〉 Nimm mein Leben ([von mir]),〈o〉 ℘ ℘ denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“〈p〉 5 Dann legte er sich hin und schlief unter dem einsamen Ginsterbusch (dort?).〈q〉 Doch da!, einer (ein Bote)〈r〉 stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“ 6 Und er schaute [sich um], und da!, zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)〈s〉 [standen] ein auf einem Glühstein [gebackenes]〈t〉 Brot und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])〈u〉 aß er und trank er und (kehrte um und legte sich=) legte sich wieder hin.〈v〉 7 Und es kam zurück der Bote (Engel)〈w〉 JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weit〈x〉 für dich der Weg!“ 8 Da stand er auf ({stand er auf}〈y〉) und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.〈z〉
9 Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)〈aa〉 und übernachtete dort. Und da!, das Wort JHWHs [erging] an ihn und fragte ihn ({ihn}〈ab〉): „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“〈ac〉
Anmerkungen
Die Todesdrohung in V. 2 ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie ihm keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in Am 7), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: ...
| a | Textkritik: Alle Vrs. wie in der Primärüs.; nur LXXB präzisiert: „Isebel, seiner Frau“. LXXB und LXXL präzisieren in diesem Kapitel ausgesprochen häufig die handelnden Subjekte (meist durch Benennung, wo der ursprüngliche Text nur „[Er] VERB“ hat). Das ist jeweils so sicher sekundär, dass es i.F. gar nicht erwähnt werden wird. (Zurück zu v.1) |
| b | Textkritik: MT wie im vorangehenden Teilsatz: we`et-kol-`ašer; dort: „alles, was“, hier zur Not: „alles darüber, wie“. LXX, VUL, Syr und 1 MS dagegen setzen wa`ašer („und was“) oder weka`ašer („und wie“) voraus. MT ist sicher Angleichung an den vorangehenden Teilsatz; so auch Stade/Schwally, BHK; auch Cogan 2001; DeVries 2004; Sweeney 2007; Thiel 2007. (Zurück zu v.1) |
| c | Textkritik: „alle“ nach MT, VUL, Tg, Syr, wenigen LXX-Mss und VL. Gestützt wird das zusätzlich dadurch, dass Syr und Tg dies dann auch noch präzisieren: „alle Propheten des Baal“ (Syr; auch LXX-Mss) / „alle falschen Propheten“ (Tg). In LXX und 7 MSS dagegen fehlt dieses „alle“. Stade/Schwally, BHK, BHS und z.B. DeVries 2004 halten die kürzere Variante für ursprünglich, aber richtig wohl Pruin 2006, S. 253, Thiel 2007, S. 218: Über die starke Bezeugung hinaus ist MT auch noch die lectio difficilior, weil Elija in 1 Kön 18 ja gar nicht alle Propheten getötet hat. (Zurück zu v.1) |
| d | Textkritik: MT, Aq, Sym, VUL, Tg, Syr, einigen LXX-Mss und wenigen VL-Mss: „einen Boten“. Laut LXXH stand dieses Nomen aber nicht in Origines' Vorlage; auch LXXB, L bezeugen es nicht. Im Heb. wäre es auch in der Tat verzichtbar. Stade/Schwally, DeVries 2004 und Hugo 2010, S. 19 halten daher den kürzeren Text für ursprünglich. Aber angesichts der so starken Bezeugung sollte man die kürzere Variante besser so erklären, dass ein Schreiber der LXX-Vorlagen nicht damit einverstanden war, dass Isebel hier derart mit JHWH parallelisiert wird – auch dieser nämlich wird in V. 7 einen Boten schicken. (Zurück zu v.2) |
| e | Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt: ... - D.h. „Du magst zwar ein nicht unbedeutender Prophet sein, aber ich bin, verdammt noch mal, die Königin!“ (so z.B. Cogan 2001; Hugo 2010, S 25). Wahrscheinlich falsch die alternative Deutung von Gray 1970, DeVries 2004: „Du bist zwar ‚JHWH ist Gott!‘, aber ich bin ‚Wo ist Baal!‘“ – Isebel würde dann also mit der Bedeutung ihrer beider Namen spielen, um zu signalisieren, dass der Wettstreit zwischen JHWH und Baal aus 1 Kön 18 noch lange nicht zu Ende gekämpft ist und nun persönlich wird: Sie als die Baals-Repräsentantin würde veranlassen, dass es Elija als JHWH-Repräsentanten an den Kragen ginge. Aber Isebel ist kaum zu erklären als „Wo ist Baal“ – das ´Ajin von ba´al fehlt ja in -bel –, sondern als `i + zebl, „Wo ist der Fürst?“ Mit diesem „Fürst“ wird auch ein Gott gemeint sein, aber das angebliche Wortspiel an dieser Stelle funktioniert dann nicht mehr. Denkbar wäre dann aber ein anderes Wortspiel: Vgl. Ps 42,4.11 („Meine Feinde verhöhnen mich: ‚Wo ist dein Gott!?‘“), dann: „Du bist vielleicht ‚JHWH ist Gott‘, aber ich bin (und sage dir): ‚Wo ist er denn, dein Fürst!?‘“ Textkritik: Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt: - Nur bezeugt durch LXXB, L und VL. Eine spätere Ergänzung wäre aber kaum erklärlich, einen Ausfall könnte man sich dagegen als Parablepsis erklären: Offenbar irrten die Augen eines Schreibers vom ersten le`mor („wie folgt“) direkt zum zweiten („woraus folgt“) ab (Eissfeldt 1967, S. 66; z.B. auch DeVries 2004; Thiel 2007; Schenker 2004, S. 134; Hugo 2010, S. 18). (Zurück zu v.2) |
| f | Textkritik: Gott (Götter?) - Der Gott Israels und wohl auch andere Götter wird und werden im Heb. mit dem Plural-Wort „Götter“ bezeichnet. Manche LXX-Varianten übersetzen das „Götter“ an unserer Stelle mit Pl., andere mit Sg., und manche haben daraus ableiten wollen, dass ursprünglich hier nicht `elohim („Götter“), sondern `el („Gott“ = Baal) gestanden habe. Aber es ist ja nicht mal gewiss, wie die Vorlage dieser Sg.-LXX zu rekonstruieren ist, und die anderen Vrs. setzen sicher Pl. voraus. Am Sinn ändert es ohnehin nichts: In den meisten Verwendungen dieser Formel (s. übernächste FN) ist explizit von JHWH die Rede; entsprechend darf man erwarten, dass die Baals-Anhängerin Isebel hier nur von ihrem einen Gott Baal spricht. (Zurück zu v.2) |
| g | Textkritik: mir steht in einigen MT-Mss nicht und lag auch Origines nicht vor. Alle anderen Vrs. bezeugen es und es gehört auch fest zur Formel; die Minus-Variante ist sicher ein reiner Schreibfehler. (Zurück zu v.2) |
| h | Dies möge Gott mir antun und darüber hinaus jenes, wenn nicht - sehr gebräuchliche Schwurformel (s. Rut 1,17; 1 Sam 3,17; 14,44; 20,13; 25,22; 2 Sam 3,9.35; 19,14; 1 Kön 2,23; 6,31; 20,10; 6,31). Gemeint ist etwa: „Ich schwöre: Ich werde Folgendes tun! Tue ich es nicht, soll mir ein schlimmes Unheil widerfahren!“ Das Unheil, das man mit dieser Schwurformel auf sich selbst herabruft, ist so entsetzlich, dass es stets nur mit „dies und darüber hinaus jenes“ umschrieben wird. Stark PAT: „Ich schwöre, und die Götter mögen mich strafen, wenn ich dich morgen ...“ (Zurück zu v.2) |
| i | Textkritik: er fürchtete sich (er sah) - Beide Wörter haben im Heb. die selben Konsonanten. Als „er sah“ vokalisieren MT und Tg, sicher besser als „er sah“ aber LXX, JosAnt §348; VUL, Syr und auch wenige Mss und ein Tg-Ms. Fast alle halten denn auch richtig dies für die ursprünglich angezielte Bed. CTAT III, S. 372 u.v.a. erklären MT und Tg damit, dass ein Schreiber nicht vom eisernen Elija hätte sagen wollen, er habe sich gefürchtet – aber was hiernach folgt, stellt ihn ja in noch wesentlich schlechteres Licht als dieses Verb. (Zurück zu v.3) |
| j | er lief um sein Leben und kam (V. 3) + Nachdem er gelaufen war, kam er (V. 4) - Häufige Doppelverbformel, mit der unterstrichen wird, dass eine längere Reise unternommen wird (s. zu Rut 2,3). V. 4a sollte daher im Dt. besser umformuliert werden. Besser als der Vorschlag der SF oben wäre einer, der in der LF deutlicher machte, wie parallel Vv. 4.5 formuliert sind: „[VERB] und [VERB] unter einem einsamen Ginsterbusch“. (Zurück zu v.3 / zu v.4) |
| k | zum Königreich hat zwar auch eine leichte textkritische Stütze; so und so sollte man es aber im Dt. ergänzen, denn dies ist gemeint: Elija entzieht sich mit seiner Flucht nach Beerscheba am südlichsten Rand Judas dem Einflussbereich der zürnenden Königin. Textkritik: LXXB, L nämlich präzisieren ähnlich: „im Lande Juda“. Vielleicht ist dies aber sogar nur inner-griechische Korruption des Artikels tän zum Nomen gän („Land“); auch davon unabhängig würde man es sicher als sekundär beurteilen. (Zurück zu v.3) |
| l | einen [ganzen] Tag lang - W. „den Weg eines Tages“. (Zurück zu v.4) |
| m | einen einsamen - w. „unter einen“ mit Numerale statt unbest. Artikel; zur Bed. „einsam“ vgl. richtig Gray 1970. (Zurück zu v.4) |
| n | Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH) - Ein unerhörter Ausruf. Man sieht das schon daran, dass die Vrs. zu unterschiedlichen Strategien griffen, um ihn abzuschwächen. Textkritik: Nämlich: (1) LXXL streicht das „JHWH“, was die mit MT übereinstimmenden VL und das LXX-Ms c2 als sekundär erweisen; (2) die anderen LXX-Mss verschieben das Wort nach „nimm mein Leben von mir“, (3) die Vorlagen von VUL und Syr ergänzen ein li (w. „[Genug] für mich“, also „Ich kann nicht mehr!“), (4) Tg kombiniert mehrere Strategien, indem er erstens ebenfalls das li ergänzt und zweitens die ganze Wortfolge „jetzt, JWHW“ nach hinten schiebt. tFN: Der trennende Akzent zwischen „genug“ und „jetzt“ spricht nicht gegen diese Auflösung; er rührt daher, dass „JHWH“ als Vokativ mit dem vorangehenden Wort verbunden werden und daher ein trennender Akzent andernsorts und daher eben hier stehen muss. (Zurück zu v.4) |
| o | Textkritik: von mir nach LXX und 1 Ms; assim-Jon 4,3. (Zurück zu v.4) |
| p | ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?) - entweder also: (1) „offensichtlich bin ich nichts Besonderes“, die Verzweiflung hat ihm den Glauben genommen, Instrument für Gottes wunderbares Handeln zu sein (z.B. Cogan 2001). (2) „Ich bin nicht besser dran als meine Vorfahren“: wie sie gestorben sind, bin nun auch ich dem Tode nahe! (so z.B. Hauser 1990, S. 63). (3) „Ich bin nicht besser als meine Vorgänger“, ich habe nicht mehr erreicht als die Propheten vor mir! (so Jeremias 1996, S. 487; Dharamraj 2006, S. 53; Thiel 2007), was allerdings nur funktioniert, wenn man wirklich aus 2 Kön 2,12 ableiten kann, dass ein Prophet seine Vorgänger als seine „Väter“ bezeichnen konnte, und das ist sehr unsicher. Mindestens zwischen (1) und (2) wird man sich gar nicht entscheiden müssen, sondern wird hier beides hören dürfen. (Zurück zu v.4) |
| q | Textkritik: unter dem einsamen Ginsterbusch (dort?) - MT, LXXH, εβρ, VUL, Tg, Syr: „er schlief unter dem einsamen Ginsterbusch.“ LXXB dagegen: „er schlief dort unter dem Busch“, LXXL „er schlief unter dem Busch dort“. Ganz merkwürdig leitet die Mehrzahl der Exegeten hieraus ab, dass entweder sowohl „unter einem einsamen Ginsterbusch“ als auch „dort“ sekundär seien oder sogar, dass „dort“ ursprünglich und „unter einem (einsamen) Ginsterbusch“ sekundäre Angleichung an V. 4 sei. So z.B. Stade/Schwally, BHK, BHS, Trebolle Barrera 1989; auch Würthwein 1984, Cogan 2001, Thiel 2007. Weit wahrscheinlicher stand in einer Handschrift šam am Rand, sollte die ungewöhnliche Wiederholung des „einsamen Ginsterbuschs“ ersetzen und ist daher an unterschiedlichen Orten in die Vorlagen von LXXB und LXXL geraten. Dass LXX den „Ginsterbusch“ hier mit einem anderen Nomen als in V. 4 übersetzt und „ein“ streicht, wird aus den selben stilistischen Gründen geschehen sein. (Zurück zu v.5) |
| r | Textkritik: „Ein Bote“ nach MT, Aq, Sym, Tg, Syr; ähnlich VUL wie in V. 7: „ein Bote JHWHs“. LXX dagegen einheitlich: tis, „jemand“. Trotz dieser starken Bezeugung ist wahrscheinlich die LXX-Variante ursprünglich und die MT-Variante unvollständige Assimilation an V. 7; so richtig Trebolle Barrera 1989, S. 144; Hugo 2010, S. 19; z.B. auch DeVries 2004. (Zurück zu v.5) |
| s | zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?) - Zur Alternative: Im Heb. steht die Nahrung auf Elijas mero`š, einer Wortbildung aus ro`š („Kopf“) und dem Lokal-Präfix m-. Vgl. z.B. zabal „wohnen“ > mizbal „Wohnort“, satar „verstecken“ > mistar „Versteck“ und v.a. šakab „liegen“ > miškab „Liegeort“ = „Bett“; entsprechend dann hier ro`š „Kopf“ > mero`š „Kopf-Ort“ = Kissen? So jedenfalls Syr: `essad „Kopfstütze, Kissen“. Gemeint sein könnte etwas wie der Stein des Jakob, vgl. Gen 28,11 mit dem selben Wort, was nicht heißen muss: „er nahm einen Stein und legte ihn nieder an seinem Kopf-Ort“, sondern auch bedeuten könnte: „... und legte ihn nieder als sein Kissen“. In vielen Kulturen nimmt man beim Nächtigen im Freien auch heute noch einen Stein oder ein Stück Holz als Kopfstütze; einerseits, weil selbst dies bequemer ist, als den Kopf direkt auf den Boden zu legen (wie jeder Camper bestätigen können wird), andererseits aber wohl auch, damit bspw. Skorpione nicht so leicht an den Kopf des:der Schlafenden gelangen können. Vgl. noch 1 Sam 19,13: „Michal nahm den Teraphim, legte ihn ins Bett und das Geflecht aus Ziegenhaar auf sein [=des Bettes] mero`š und deckte ihn/es mit einer Decke zu.“ (auch V. 16) – deutet man als „Kissen“, muss man nicht annehmen, dass ein Teraphim einen „Kopf“ hat. In 1 Sam 26,7.11f.26 dagegen wäre schon wie üblich „zu seinem Haupte“ zu übersetzen. Ich (S.W.) halte diese Deutung an allen drei Stellen für besser; so übersetzt hier aber niemand, daher besser auch nicht OfBi. (Zurück zu v.6) |
| t | auf einem Glühstein gebacken - VUL legt nahe, wie dies zu verstehen ist: subcinericius panis, ein „Unter-Aschen-Brot“. Der „Glühstein“ war also offenbar nicht das Pendant einer Pfanne, sondern das Pendant eines Grills, in dem / auf dem Kohle und Asche lagen. Brot buk man dann (wie ebenfalls noch heute in vielen Kulturen), indem man den Teig auf den Stein gab und glühende Kohle darüber häufte, damit er von beiden Seiten erhitzt wird. Erwähnt wird er dann nicht, weil „Glühstein-Brot“ besseres Brot war, sondern weil durch die Formulierung der „Glühstein“ (heiß) und das „Wasser“ (kalt) eine Art Merismus bildeten: „ein Brot des Glühsteins und eine Krug des Wassers“. Gleichzeitig ist die Formulierung chiastisch: (A) Nahrung – (B) Instrument – (B') Instrument – (A') Nahrung. S. noch übernächste FN: V. 6 ist offensichtlich gehobene, kunstvoll formulierte Prosa. (Zurück zu v.6) |
| u | Textkritik: er stand auf nur nach LXX (außer LXXH), VL; assim-V. 5. (Zurück zu v.6) |
| v | er trank und kehrte um und legte sich - „kehrte um und legte sich“ i.S.v. „er legte sich wieder“ ist eine ganz gewöhnliche Konstr. im Heb.; hier aber auffällig, da das Ende des Verses so stark assonant ist: wajješt wajjašab wajjiškab. (Zurück zu v.6) |
| w | Bote (Engel) - W. „Bote“. „Boten Gottes“ übersetzt man in dt. Üss. meist (und auch hier stets) mit „Engel“, denn solche sind dann fast stets gemeint. Folgt man mit der SF hier in V. 2 den Vrs., die auch Isebel einen „Boten“ schicken lassen, sollte man durchaus auch hier so übersetzen, dass diese Parallelität erkennbar wird; hält man dagegen das „Bote“ dort für sekundär, ist es hier gleich und man sollte besser mit „Engel“ übersetzen. (Zurück zu v.7) |
| x | zu weit - w. „genug“, das selbe Wort, das Elija Gott in V. 4 entgegengeschleudert hat. Wenn möglich, sollte das in der LF erkennbar sein. Vielleicht: „Sonst ist's nicht genug für deinen weiten Weg“? Oder wie B-R: „Erheb dich, iß, genug noch hast du des Wegs.“ (Zurück zu v.7) |
| y | Textkritik: ohne „stand er auf“ nur LXXH, assim-V. 6. (Zurück zu v.8) |
| z | Textkritik: LXXB, L, H: „Berg Horeb“. Dagegen MT, LXXA, VL, εβρ, Tg, VUL, Syr: „Gottesberg Horeb“, assim-Ex 3,1. So auch Stade/Schwally; Hugo 2010. Umgekehrt ist ein spätererer Ausfall kaum erklärlich (eine Kombination aus App. + Constr. ist mitnichten „schwierig“ – so Thiel 2007 –, sondern ganz gewöhnlich und sehr häufig im Heb.). (Zurück zu v.8) |
| aa | zur Höhle (zu einer Höhle) - Die „Höhle“ hat auch in Gen 19,30; 1 Kön 13,11; 18,4.13 unerwartet Artikel; dies muss also nichts bedeuten (richtig Simon 1997, S. 322; Cogan 2001). Dennoch wird der:die Leser:in hier, in dieser Szene, die so oft und so deutlich auf Mose anspielt (s. die Anmerkungen), und auf dem Horeb, wo Mose in einer Felsspalte seine Gottesbegegnung hatte (s. Ex 33,22), sicher auch an exakt diese Felsspalte/Höhle denken dürfen (so gut z.B. Cohn 1982, S. 342; Dharamraj 2006, S. 55f.; Thiel 2007). (Zurück zu v.9) |
| ab | Textkritik: Die kürzere Variante in LXX (ohne LXXH) und wenigen Mss. Assim-V. 13. (Zurück zu v.9) |
| ac | Wortspiel: „Was ist mit dir“ ist im masoretischen Text zwar mah-leka, lautete ursprünglich aber mah-lak und klingt daher sehr ähnlich wie der malak, der „Bote“ (s.o.). Die Frage ist die standardmäßige Eröffnung z.B. einer Königsaudienz, mit der Empfangene eingeladen wurde, sein Begehr zu nennen (gut Seybold 1973, S. 8; z.B. auch Cogan 2001; Dharamraj 2006, S. 58; vgl. 2 Sam 12,5; 1 Kön 1,16; 2 Kön 6,28; Est 5,3). Dennoch sollte man nicht zu frei als etwas wie „Was ist dein Begehr?“ o.Ä. übersetzen; sicher sollte der:die Leser:in mindestens mit-hören: „Was willst du hier? [Du sollst doch in Israel sein!]“ (richtig z.B. Hauser 1990, S. 71; von Nordheim 1992, S. 138; Fetherolf 2017, S. 203). (Zurück zu v.9) |

