Matthäus 6: Unterschied zwischen den Versionen

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Übrigens ist das katholische „Vater unser“ zwar nicht grammatikalisch falsch (so Luz 1985, S. 333), aber veraltet und irritierend, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen und ist daher keine ernsthafte Alternative für die LF.</ref>,
 
Übrigens ist das katholische „Vater unser“ zwar nicht grammatikalisch falsch (so Luz 1985, S. 333), aber veraltet und irritierend, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen und ist daher keine ernsthafte Alternative für die LF.</ref>,
 
Möge (Mögest)<ref name="Möge">''Möge'' - In V. 9c.10a.10b verwendet Matthäus den Imperativ Aorist, der im Griechischen standardmäßig für Gebete verwendet wird und keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat (Grosvenor/Zerwick u.a.) - wieder greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“</ref> dein Name (du)<ref name="Name">''Name (du)'', ''geheiligt'' - Der „Name“ Gottes fungiert in der Bibel fast stets als Wechselbegriff für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. „Möge dein Name geheiligt werden“ meint also „Mögest ''du'' geheiligt werden“ (Arichea 1980; Cullmann 1997; Grosvenor/Zerwick; Hagner 1993; Lambrecht 1984).</ref> geheiligt <ref>''geheiligt'' - Die Bitte darum, dass Gott „geheiligt“ werde, wird heute von der Mehrheit der Exegeten so verstanden: ''Gott'' ist es, der entgegen der „Entheiligung seines Namens“ durch die Menschen in den Lauf der Welt eingreifen und „seinen Namen heiligen“ soll (vgl. [[Jesaja 29#s23 |Jes 29,23]]; [[Jesaja 48#s11 |48,11]]; [[Jesaja 52#s5 |52,5f]]; [[Ezechiel 36#s23 |Ez 36,23-27]]; [[Psalm 79#s9 |Ps 79,9]]; [[Johannes 12#s28 |Joh 12,28]]; so z.B. Gnilka 1986, S. 218f; Jeremias 1971, S. 192; Schweizer 1981, S. 94). Das ist wohl nicht so. Wenn Gottes Name Objekt einer „Heiligung“ ist, sind i.d.R. ''Menschen'' das Subjekt dieser Heiligung (ThWNT I, S. 99 - dahin weist ja auch die Rede vom „Namen Gottes“ als dem „Gott im Menschenmund“) und die Heiligung beinhaltet, Gott als den Herrn anzuerkennen (Arichea 1980, S. 220f) und demzufolge „Gottes Willen gehorchen, indem sie die Gebote der Tora befolgen, aber auch darüber hinaus sich eines vor der Welt untadeligen Wandels befleißigen.“ (ThWNT I, S. 99). „Möge dein Name geheiligt werden“ meint also: „Mögest du als Herr und Gott anerkannt werden“.</ref> werden.  
 
Möge (Mögest)<ref name="Möge">''Möge'' - In V. 9c.10a.10b verwendet Matthäus den Imperativ Aorist, der im Griechischen standardmäßig für Gebete verwendet wird und keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat (Grosvenor/Zerwick u.a.) - wieder greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“</ref> dein Name (du)<ref name="Name">''Name (du)'', ''geheiligt'' - Der „Name“ Gottes fungiert in der Bibel fast stets als Wechselbegriff für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. „Möge dein Name geheiligt werden“ meint also „Mögest ''du'' geheiligt werden“ (Arichea 1980; Cullmann 1997; Grosvenor/Zerwick; Hagner 1993; Lambrecht 1984).</ref> geheiligt <ref>''geheiligt'' - Die Bitte darum, dass Gott „geheiligt“ werde, wird heute von der Mehrheit der Exegeten so verstanden: ''Gott'' ist es, der entgegen der „Entheiligung seines Namens“ durch die Menschen in den Lauf der Welt eingreifen und „seinen Namen heiligen“ soll (vgl. [[Jesaja 29#s23 |Jes 29,23]]; [[Jesaja 48#s11 |48,11]]; [[Jesaja 52#s5 |52,5f]]; [[Ezechiel 36#s23 |Ez 36,23-27]]; [[Psalm 79#s9 |Ps 79,9]]; [[Johannes 12#s28 |Joh 12,28]]; so z.B. Gnilka 1986, S. 218f; Jeremias 1971, S. 192; Schweizer 1981, S. 94). Das ist wohl nicht so. Wenn Gottes Name Objekt einer „Heiligung“ ist, sind i.d.R. ''Menschen'' das Subjekt dieser Heiligung (ThWNT I, S. 99 - dahin weist ja auch die Rede vom „Namen Gottes“ als dem „Gott im Menschenmund“) und die Heiligung beinhaltet, Gott als den Herrn anzuerkennen (Arichea 1980, S. 220f) und demzufolge „Gottes Willen gehorchen, indem sie die Gebote der Tora befolgen, aber auch darüber hinaus sich eines vor der Welt untadeligen Wandels befleißigen.“ (ThWNT I, S. 99). „Möge dein Name geheiligt werden“ meint also: „Mögest du als Herr und Gott anerkannt werden“.</ref> werden.  
{{S|10}} Möge<ref name="Möge" /> dein Königtum (Königsherrschaft, Königreich)<ref>''Königtum (Königsherrschaft, Königreich) - traditionell „Reich“, aber die Wendung „Reich Gottes“ hat seltenst räumliche Bedeutung, sondern meint das ''Faktum'' der Herrschaft Gottes; das dynamische Königtum Gottes im Vollzug (Jeremias 1971, S. 101; ''ad loc.'' Lambrecht 1984, S. 130 u.v.a.). Arichea 1980, S. 227 schlägt als kommunikative Üss. daher vor: (1) „Mögest du über uns herrschen“, (2) „Mögest du unser König sein“, (3) „Mögest du über alle Menschen herrschen“. V. 10a meint damit genau das selbe wie 9c.</ref> kommen<ref>''kommen'' - In der Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass Jesus das Königtum Gottes als mit seinem Auftreten bereits angebrochen, aber noch nicht vollends realisiert verstand (in der Theologie spricht man hier von der „Spannung von schon-jetzt und noch-nicht“). So muss wohl das „kommen“ erklärt werden: Der Beter soll um die völlige Realisierung der bereits angebrochenen Herrschaft Gottes bitten.</ref>.  
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{{S|10}} Möge<ref name="Möge" /> dein Königtum (Königsherrschaft, Königreich)<ref>''Königtum (Königsherrschaft, Königreich)'' - traditionell „Reich“, aber die Wendung „Reich Gottes“ hat seltenst räumliche Bedeutung, sondern meint das ''Faktum'' der Herrschaft Gottes; das dynamische Königtum Gottes im Vollzug (Jeremias 1971, S. 101; ''ad loc.'' Lambrecht 1984, S. 130 u.v.a.). Arichea 1980, S. 227 schlägt als kommunikative Üss. daher vor: (1) „Mögest du über uns herrschen“, (2) „Mögest du unser König sein“, (3) „Mögest du über alle Menschen herrschen“. V. 10a meint damit genau das selbe wie 9c.</ref> kommen<ref>''kommen'' - In der Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass Jesus das Königtum Gottes als mit seinem Auftreten bereits angebrochen, aber noch nicht vollends realisiert verstand (in der Theologie spricht man hier von der „Spannung von schon-jetzt und noch-nicht“). So muss wohl das „kommen“ erklärt werden: Der Beter soll um die völlige Realisierung der bereits angebrochenen Herrschaft Gottes bitten.</ref>.  
 
Möge<ref name="Möge" /> dein Wille geschehen<ref>der Nachsatz „wie im Himmel so auf Erden“ - das aller Wahrscheinlichkeit nach meint: „So, wie X im Himmel ist, soll es auch auf der Erde sein“ - legt das Schwergewicht auf die Erde; wieder ist der Mensch als der Handelnde im Blick. Grimm 1992, S. 64 schlägt daher als Übersetzung vor „dein Wille werde vollbracht“, Arichea 1980, S. 221 sogar „Mögen die Menschen auf der Erde deinem Willen gehorchen, wie ihm auch im Himmel gehorcht wird“ oder „Mögen deine Befehle auf der Erde so befolgt werden, wie sie auch im Himmel befolgt werden“. Wenn sich dafür eine schön klingende Übersetzung findet, ist das sehr sinnvoll, aber vielleicht nicht notwendig.</ref> - wie im Himmel so auch auf der Erde.
 
Möge<ref name="Möge" /> dein Wille geschehen<ref>der Nachsatz „wie im Himmel so auf Erden“ - das aller Wahrscheinlichkeit nach meint: „So, wie X im Himmel ist, soll es auch auf der Erde sein“ - legt das Schwergewicht auf die Erde; wieder ist der Mensch als der Handelnde im Blick. Grimm 1992, S. 64 schlägt daher als Übersetzung vor „dein Wille werde vollbracht“, Arichea 1980, S. 221 sogar „Mögen die Menschen auf der Erde deinem Willen gehorchen, wie ihm auch im Himmel gehorcht wird“ oder „Mögen deine Befehle auf der Erde so befolgt werden, wie sie auch im Himmel befolgt werden“. Wenn sich dafür eine schön klingende Übersetzung findet, ist das sehr sinnvoll, aber vielleicht nicht notwendig.</ref> - wie im Himmel so auch auf der Erde.
 
{{S|11}}Gib uns heute unser tägliches Brot für diesen Tag
 
{{S|11}}Gib uns heute unser tägliches Brot für diesen Tag

Version vom 8. Juni 2014, 02:45 Uhr

Syntax ungeprüft

SF ungeprüft.png
Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Anmerkungen

Studienfassung (Matthäus 6)

1Achtet gut darauf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden, sonst werdet ihr keinen Lohn beim Vater eurer haben, dem in den Himmeln. 2Wenn du spenden möchtest aus Barmherzigkeit, dann rede nicht darüber, was (wie viel) du gespendet hast, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, damit sie von den Menschen verherrlicht werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn. 3Du aber, wenn du schon Gaben aus Barmherzigkeit spendest, so lass deine Linke [Hand] nicht wissen, was deine Rechte [Hand] tut, 4damit deine Spenden anonym bleiben, dann wird dein Vater, der verborgen zusieht, dir vergeben (vergelten). 5Und auch beim Beten, seid nicht wie die Heuchler, denn sie beten gerne so, dass es jeder sieht, ob stehend in den Synagogen und an Ecken der Hauptstraßen (der breiten Straßen), um von allen gesehen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten. 6Du hingegen, wenn du betest, geh nach Hause und schließe hinter dir die Tür zu, bete zu deinem Vater, der Verborgen ist, dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergeben (vergelten, deine Gebete erhören) 7 Wenn ihr betet, dann betet nicht immer mit den gleichen Worten (monoton), so wie es die Leute tun aus den Nationen, die denken, dass ihre Gebete erhört werden aufgrund der vielen Worte. 8Tut nicht das Gleiche, bevor ihr anfangt zu beten, denn euer Vater weiß, welche Dinge benötigt werden von jedem Einzelnen. 9 Ihra sollt daher (also) folgendermaßen beten:

(Du) Unser Vater, der in den Himmeln (im Himmel)b,
Möge (Mögest)c dein Name (du)d geheiligt e werden.
10 Mögec dein Königtum (Königsherrschaft, Königreich)f kommeng.
Mögec dein Wille geschehenh - wie im Himmel so auch auf der Erde.
11Gib uns heute unser tägliches Brot für diesen Tag
12und vergib uns unsere Schuld (Schulden), wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben.
13Und bringe uns nicht in Versuchung, sondern befreie (erlöse) uns von dem Bösen (der böse ist).

14Denn wenn ihr den anderen Menschen vergebt, wird auch der himmlische Vater euch vergeben. 15Wenn nicht, dann vergibt euer Vater euch auch nicht. 16Macht keine trüben Gesichter wie die Heuchler, wenn ihr fastet, denn deren Gesichter sind verstellt um den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten. 17Du aber, öle deinen Kopf ein und wasche dein Gesicht, wenn du fastest, 18damit du bei den Menschen nicht den falschen Eindruck erweckst, dass du ein Fastender bist, sondern zu deinem verborgenen Vater, der dir im Verborgenen zusieht und dir vergibt (vergeltet). 19Hört auf, euch Schätze auf der Erde zu anzusammeln (aufzuhäufen), die von Motte und Rost vernichtet (verzehrt) und wo Diebe einbrechen und stehlen. 20Häuft euch vielmehr Schätze im Himmel auf, wo weder Motte noch Rost [sie] verzehren und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21Wo dein Schatz (Lagerhaus, Speicher) isti, da (dort) wirdj dein Herz sein. 22Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn in Wirklichkeit das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist diese Finsternis! 24Niemand kann ein Sklave von zwei Herren sein; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Materialismus (Reichtums, Kapitalismus, Mammon) sein. 25Deswegen (Darum) sage ich euch: Seid nicht besorgt (beunruhigt) um euer Leben (eure Seele), was ihr essen oder was ihr trinken solltk, oder um euren Körper, über das, was ihr anziehen sollt. Bedeutet das Leben (die Seele) nicht mehr als das Essen (die Speise) und der Körper mehr als die Kleidung? 26Seht (Schaut, Beobachtet) [euch] die Vögel des Himmels an, denn sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie [etwas] ([Vorräte]) in Vorratshäuser (Scheunen); aber euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert (wertvoller) als sie? 27Wer von euch kann dadurch, dass er sich sorgt (mit seinem Sorgen), an sein Lebensalter eine Elle anfügenl? 28Und über die Kleidung (Auch was Die Kleidung betrifft), was sorgt (beunruhigt) ihr euch (warum macht ihr euch Sorgen)? Beobachtet (Lernt von den) die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: weder mühen (quälen) sie sich noch spinnen sie; 29{doch} ich sage euch, dass nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit (Pracht) wie eine von diesen bekleidet war. 30Wenn {nun (aber)} Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, [wird er] euch nicht viel mehr [kleiden], ihr Kleingläubigen? 31Also (Deswegen) sorgt euch nicht, indem (und) ihr sagt: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen? 32Denn nach allen diesen Dingen streben (suchen, trachten) die Völker (Nationen, Heiden). Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all diese Dinge braucht (nötig habt). 33 Sucht {aber} zuerst das Reich Gottes (die Gottesherrschaft)m und seine Gerechtigkeit, und all dies (andere) wird euch hinzugefügt werden.n34 Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag (morgen, den nächsten Tag), denn der morgige Tag (morgen, der nächste Tag) wird für sich selbst sorgen (bringt seine eigenen Sorgen mit): [Jeder] Tag hat genug eigenes Schlechtes (Übel).o

Anmerkungen

aIhr - ὑμεῖς ihr steht hier betont am Ende des Satzes und grenzt so die Jünger von den „plappernden Heuchlern“ ab (Hagner 1993, S. 147): Im Gegensatz zu diesen sollen die Jünger so beten. (Zurück zu v.9)
bUnser, Vater, der in den Himmeln (im Himmel) - Man geht gemeinhin davon aus, das sowohl hinter dem lk Πάτερ (Lk 11,2) als auch hinter dem hierigen mt Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς das aramäische und für Jesus typische אַבָּא ´Abba steht: „Papa/Vater“. Das würde bedeuten: Matthäus hat hier Πάτερ angereichert sowohl (1) um ἡμῶν unser als auch (2) um ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς im Himmel (eigentlich „in den Himmeln“, aber „die Himmel“ statt „der Himmel“ ist ein idiomatischer Plural; ursprünglich stand dahinter die Vorstellung von mehreren übereinander geschichteten Himmelssphären. In der LF sollte durchaus mit Einzahl übersetzt werden). Die Intention dahinter war wohl, das schlichte „Papa/Vater“ beizubehalten und gleichzeitig „liturgietauglich“ zu machen: „Unser Papa/Vater“ findet sich häufiger in jüdischen Gebeten (s. z.B. das „Unser Vater, unser König) und war wohl charakteristisch für Gemeindegebete (Grimm 1992, S. 26; Gundry 1994, S. 105; Lambrecht 1984, S. 128f). Ähnliches gilt für „Vater im Himmel“, das sich ebenfalls häufiger in jüdischen Gebeten fand: „Wo immer die Rabbinen von Gott als dem Vater sprachen, führten sie den Zusatz „himmlisch“ ein, weil ihnen die vertraulich-intime Anrede „Vater“ gegenüber Gott zu respektlos erschien.“ (Schnackenburg 1984, S. 111; so fast alle Exegeten).
Übrigens ist das katholische „Vater unser“ zwar nicht grammatikalisch falsch (so Luz 1985, S. 333), aber veraltet und irritierend, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen und ist daher keine ernsthafte Alternative für die LF. (Zurück zu v.9)
cMöge - In V. 9c.10a.10b verwendet Matthäus den Imperativ Aorist, der im Griechischen standardmäßig für Gebete verwendet wird und keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat (Grosvenor/Zerwick u.a.) - wieder greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“ (Zurück zu v.9 / zu v.10)
dName (du), geheiligt - Der „Name“ Gottes fungiert in der Bibel fast stets als Wechselbegriff für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. „Möge dein Name geheiligt werden“ meint also „Mögest du geheiligt werden“ (Arichea 1980; Cullmann 1997; Grosvenor/Zerwick; Hagner 1993; Lambrecht 1984). (Zurück zu v.9)
egeheiligt - Die Bitte darum, dass Gott „geheiligt“ werde, wird heute von der Mehrheit der Exegeten so verstanden: Gott ist es, der entgegen der „Entheiligung seines Namens“ durch die Menschen in den Lauf der Welt eingreifen und „seinen Namen heiligen“ soll (vgl. Jes 29,23; 48,11; 52,5f; Ez 36,23-27; Ps 79,9; Joh 12,28; so z.B. Gnilka 1986, S. 218f; Jeremias 1971, S. 192; Schweizer 1981, S. 94). Das ist wohl nicht so. Wenn Gottes Name Objekt einer „Heiligung“ ist, sind i.d.R. Menschen das Subjekt dieser Heiligung (ThWNT I, S. 99 - dahin weist ja auch die Rede vom „Namen Gottes“ als dem „Gott im Menschenmund“) und die Heiligung beinhaltet, Gott als den Herrn anzuerkennen (Arichea 1980, S. 220f) und demzufolge „Gottes Willen gehorchen, indem sie die Gebote der Tora befolgen, aber auch darüber hinaus sich eines vor der Welt untadeligen Wandels befleißigen.“ (ThWNT I, S. 99). „Möge dein Name geheiligt werden“ meint also: „Mögest du als Herr und Gott anerkannt werden“. (Zurück zu v.9)
fKönigtum (Königsherrschaft, Königreich) - traditionell „Reich“, aber die Wendung „Reich Gottes“ hat seltenst räumliche Bedeutung, sondern meint das Faktum der Herrschaft Gottes; das dynamische Königtum Gottes im Vollzug (Jeremias 1971, S. 101; ad loc. Lambrecht 1984, S. 130 u.v.a.). Arichea 1980, S. 227 schlägt als kommunikative Üss. daher vor: (1) „Mögest du über uns herrschen“, (2) „Mögest du unser König sein“, (3) „Mögest du über alle Menschen herrschen“. V. 10a meint damit genau das selbe wie 9c. (Zurück zu v.10)
gkommen - In der Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass Jesus das Königtum Gottes als mit seinem Auftreten bereits angebrochen, aber noch nicht vollends realisiert verstand (in der Theologie spricht man hier von der „Spannung von schon-jetzt und noch-nicht“). So muss wohl das „kommen“ erklärt werden: Der Beter soll um die völlige Realisierung der bereits angebrochenen Herrschaft Gottes bitten. (Zurück zu v.10)
hder Nachsatz „wie im Himmel so auf Erden“ - das aller Wahrscheinlichkeit nach meint: „So, wie X im Himmel ist, soll es auch auf der Erde sein“ - legt das Schwergewicht auf die Erde; wieder ist der Mensch als der Handelnde im Blick. Grimm 1992, S. 64 schlägt daher als Übersetzung vor „dein Wille werde vollbracht“, Arichea 1980, S. 221 sogar „Mögen die Menschen auf der Erde deinem Willen gehorchen, wie ihm auch im Himmel gehorcht wird“ oder „Mögen deine Befehle auf der Erde so befolgt werden, wie sie auch im Himmel befolgt werden“. Wenn sich dafür eine schön klingende Übersetzung findet, ist das sehr sinnvoll, aber vielleicht nicht notwendig. (Zurück zu v.10)
iἐστιν: 3.Sg. Präsenz akt. (Zurück zu v.21)
jἔσται: 3.Sg. Futur med. (Zurück zu v.21)
kIn manchen Handschriften fehlt das Trinken (ἢ τί πίητε), das SBLGNT lässt es weg, NA27 setzt es in Klammern. (Zurück zu v.25)
lD.h. „sein Leben auch nur ein bisschen verlängern“. (Zurück zu v.27)
mHier sind sich die Quellen uneinig: Einige Quellen lesen hier βασιλείαν τοῦ θεοῦ (die gewählte Übersetzung), andere lassen τοῦ θεοῦ weg, wieder andere lesen βασιλείαν των ουρανων (also „Himmelreich“). (Zurück zu v.33)
nFrei übersetzt: „dafür werden euch alle anderen Dinge gegeben werden“ (Zurück zu v.33)
oDer Versuch, einer wörtlicheren Wiedergabe: „Das dem [einzelnen] Tag zugehörige Schlechte ist genug.“ (Zurück zu v.34)