Lukas 1

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Syntax ungeprüft
Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Lukas 1)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45

46Und Maria sprach:


„Ich preise den Herrn,

47ich danke Gott, meinem Retter

48dafür, dass er sich meiner angenommen hat -

von nun an wird jeder mich für glücklich halten!:


49Der Mächtige hat Großes an mir getan.

Heilig ist er!

50Seine Huld wird ewig währen

für jene, die ihn fürchten.


51Nun wird er Gewaltiges mit seiner Macht wirken:

Er wird Hochmütige vernichten;

52er wird Machthaber von ihren Thronen herabstürzen

und Arme erhöhen;

53Hungernde wird er mit Gutem bereichern

und Reiche mit leeren Händen fortschicken.


54Er hat sich Israels angenommen:

er hat sich gnädig mit seiner Huld zugewandt

55Abraham und seiner ganzen Nachkommenschaft -

gerade so, wie er es unseren Vorfahren verheißen hat.

56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80

Anmerkungen

Studienfassung (Lukas 1)

1 Seit viele es unternommen haben, aufzuschreiben eine Erzählung der Dinge, die unter uns völlig geglaubt werden, 2 so, wie es uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren, 3 scheint es auch mir, der ich von Anfang an allem sorgfältig nachgegangen bin, der Reihe nach dir aufzuschreiben, vortrefflichster Theophilus, 4 damit du erkennst, in den Dingen, in denen du unterrichtet worden bist, die Sicherheit der Worte. 5 Es war in den Zeiten des Herodes, König von Judäa, irgendein Priester mit Namen Zacharias, aus der Klasse (Wochendienst) des Abijah, und seine Frau war aus den Töchtern des Aaron und der Name dieser war Elisabeth. 6 Es waren aber beide gerecht vor Gott, wobei beide in allen Befehlen und Satzungen des Herrn untadelig (fehlerlos) wandelten. 7 Aber es war ihnen kein Kind, weil die Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren alt in ihren Tagen. 8 Es war aber, als er seinen Priesterdienst leistete, in der Ordnung seiner Klasse (seines Wochendienstes), vor Gott, 9 gemäß des Brauches der Priesterschaft, erhielt er das Los, den Weihrauch im Tempel des Herrn darzubringen, 10 und die ganze Menge des Volkes war außerhalb, betend, zur Stunde des Weihrauches. 11 Es erschien ihm aber ein Engel des Herrn, stehend auf der Rechten des Altars des Weihrauches. 12 Und er geriet in Unruhe, als Zacharias ihn sah und es fiel Furcht auf ihn. 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 Dieser wird groß sein und er wird Sohn des Allerhöchsten genannt werden und der Herr, Gott, wird ihm geben den Thron Davids, seines Vaters. 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46Und Mariaa sprach:

„Meine Seele (Ichb) preist (macht großc, danktd) den Herrn

47und mein Geist (Ichb) jubelte (danktd) über Gott, meinen Retter,

48denn (dafür, dassd) auf die Armut (Niedrigkeitf, Demut) seiner Sklavin (Magdg) hat er geschaut (sich angenommenh) i -

{siehe}j von nun ank halten für glücklichl (werden mich für glücklich haltenm) mich alle Geschlechter (jeder)! - (:)n


49[denn (dafür, dassd)]n der Mächtige hat Großes an mir getan -

{und (dessen)}o heilig ist sein Name (er)p!"

50{und}q seine Huldr (Gnade, Erbarmen, Barmherzigkeit) [ist (währt)s, wird sein (wird währen)m] in Generationen und Generationen (alle Generationen, ewig)s t

für jene, die ihn fürchten.u


51[So hat er begonnen, zu tun, Nun wird er tun]v Machttaten (Gewalt, (seine) Herrschaft) hat er getan (ausgeübt)w mit seinem Arm (Macht)w:x

er zerstreute (machte zunichte)y Hochmütige (Stolze)z an der Gesinnung aus ihren Herzen (ihres Herzensaa, ihres Gemütsab) (Hochmütige)ac ;

52er stürzte Machthaber (Mächtige)ad von [ihren] Thronen [herab]ae af

und erhöhte Arme;

53Hungerndeag bereichert (füllt, sättigt)ah er mit Gutem (Gütern)

und Reiche schickt er leer (mit leeren Händen)ai fort.


54Er hat sich Israel, seines Sklaven (Knaben, Knechtesaj) angenommen:ak

er hat sich (gnädig) zugewandt (hat gedacht an)ak mit [seiner] Huld (huldvoll, was seine Huld angeht)ak -al

55wie er es (ja auch)al unseren Vätern (Vorfahren) gesagt hat (verheißen hat)am -

(für) Abraham und seinem Samen (seine Nachkommen) auf ewig (allen seinen Nachkommen, seiner ganzen Nachkommenschaft).

56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80

Anmerkungen

aTextkritik: Drei altlateinische Handschriften (ms. a (4. Jh.), b (5. Jh.) und 1* (7./8. Jh. - hier allerdings nachträglich wieder korrigiert zu „Maria“)) haben statt „Maria“ „Elisabeth“; zudem sprechen auch zwei Mss. von Irenäus´ „Adv. Haer.“ 4,7,1 von Elisabeth als der Sängerin des Magnifikats (aber auch hier haben die restlichen Mss. „Maria“; außerdem heißt es selbst in diesen Mss. an anderer Stelle, dass Maria die Sängerin wäre). Und schließlich ist eine Origines-Übersetzung des Hieronymus überliefert, die ebenfalls erkennen lässt, dass wohl auch Origines diese Elisabeth-Variante kannte.

Vor der gewaltigen Überzahl an „Marien-Handschriften“ und -Zeugnissen ist diese Evidenz verschwindend gering, so im Normalfall eigentlich niemand diese Variante ernsthaft als die ursprüngliche in Erwägung gezogen haben würde. Dennoch hat erstmals 1897 Alfred Loisy eine ähnliche Position vertreten (vgl. Loisy 1907, S. 265.295), und spätestens, seit Harnack 1900 sich dieser Position angeschlossen hat, ist diese textkritische Frage zu einem der Punkte avanciert, zu dem mittlerweile beinahe jede Diskussion des Magnifikats noch einmal mit immer wieder den selben Argumenten Stellung bezieht (eine gute und ausgewogene Diskussion dieser Argumente finden sich v.a. bei Nolland 1989). Drei Positionen haben sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert (vgl. die Übersicht in Metzger 109):

  • Der ursprüngliche Text hat „Maria“ und in einigen Handschriften wurde dies nachträglich in „Elisabeth“ geändert (In der neueren Forschung die fast ausschließlich vertretene)
  • Der ursprüngliche Text hat „Elisabeth“ und wurde nachträglich zu „Maria“ geändert (diese Position wird fast gar nicht vertreten)
  • Explizit wird im ursprünglichen Text überhaupt keine Sprecherin des Magnifikats identifiziert; ursprünglich habe dort einfach καῖ εἰπεν („und sie sprach“) gestanden. Sowohl „Maria“ als auch „Elisabeth“ sind nachträgliche Hinzufügungen (so z.B. ausführlichst Benko 1967).
Nach der ersten Position ist die dritte die meistvertretene; sie hat aber die entscheidende Schwäche, dass keine einzige Handschrift überliefert ist, in der diese Textversion überliefert wäre - so dass man hier gar nicht von einer textkritischen Entscheidung zwischen zwei möglichen Optionen sprechen kann, sondern korrekterweise nur von einer reinen Emendierung sprechen müsste. Und da für eine solche Emendierung die Indizien nicht ansatzweise ausreichen, haben natürlich auch wir uns der Mehrheitsmeinung der Forschung angeschlossen und uns für die Beibehaltung von „Maria“ entschieden. (Zurück zu v.46)
bSehr gebräuchlicher Semitismus; die Seele als Subjekt der Lobpreisung steht z.B. auch in Ps 34,3; Ps 35,9; Ps 103,1; Ps 103,2; Ps 103,22; Ps 104,1; Ps 104,35; Ps 146,2; Tob 13,15. Er besagt aber nichts mehr, als dass die „Inhaberin“ dieser Seele die Taten vollzieht, die an besagten Stellen von der Seele ausgesagt werden. Vgl. ad. loc. auch Bovon 1989, S. 87; Culy et. al. 2010, S. 42; Noland 1989. Zur Seele als synekdochisches Synonym für „Ich“ auch Wolff 1973, S. 25f.
Für die Lesefassung sollte die vorgeschlagene Alternative „Ich“ gewählt werden, da „preisende Seelen“ und „jubelnde Geister“ im Deutschen einfach nicht idiomatisch sind. (Zurück zu v.46 / zu v.47)
cSo eine häufig gewählte und auch durchaus zulässige Übersetzung von μεγαλύνειν (vgl. BA 1007; BAG 497; Gemoll 518; LSJ; Muraoka 445; Pape 108; Thayer). Es ist aber in unserem Zusammenhang ganz sinnlos, denn sicher will der Autor nicht sagen, dass es Mariens Seele wäre, die den Herrn hier „groß macht“. (Zurück zu v.46)
dVV. 46f. verdichten einen weiteren Semitismus, nämlich eine formelhafte Wendung für ein Gott-Danken mit den Bestandteilen (1) [Lob Gottes] und (2) [Grund des Lobes] (vgl. Lande 1949, S. 106f). „Ich preise denn Herrn, denn er hat x getan“ ist im Deutschen aber nicht gut als Dankesformel erkennbar, so dass man hier zu einem funktionalen Äquivalent greifen sollte - z.B. dem hier Vorgeschlagenen: Da ἠγαλλίασεν im synonymen Parallelismus zu μεγαλύνει steht, kann eines der beiden Glieder ohne semantische Einbußen problemlos durch „danken“ ersetzt werden, und statt mit „denn“ schließt V. 48 sich sehr viel sinngemäßer mit einem „dafür, dass“ an V. 47 an. (Zurück zu v.46 / zu v.47 / zu v.48 / zu v.49)
eἠγαλλίασεν steht im Gegensatz zu μεγαλύνει (Präsens) im Aorist, weshalb z.B. NET hier ingressiv übersetzen will mit „has begun to rejoice“; auch Bovon 1989 und Nolland 1989 deuten als ingressiv. Die Mehrheit der Exegeten geht aber davon aus, dass es sich hier einfach um die Wiedergabe eines Tempuswechsels in der hebräischen Vorlage handle (so z.B. Grosvenor / Zerwick 1993, S. 173; Gunkel 1921, S. 46; Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 356; Schürmann 1969, S. 73; Weiss 1901, S. 285) - eine ganz gewöhnliche und recht verbreitete Stilfigur ohne semantische Bedeutung (vgl. Buth 1984, S. 67; Buth 1986; de Hoop 2009, S. 459; ähnlich Cross / Freedman 1997, S. 20) in der hebräischen Poesie (früher: „Ennalage“; heute besser in Abwandlung eines Begriffes von Glanz 2013 als „PNGT [Person Number Gender Time]-Shift“ zu bezeichnen). (Zurück zu v.47)
fSo die gängige Übersetzung. Die zweite Alternative, „Demut“, ist recht unwahrscheinlich, denn hierfür stehen in LXX und NT eigene Begriffe bereit. Ταπείνωσις ist hier relativ sicher sozial bzw. wirtschaftlich als „Armut“ zu verstehen (Bovon 1989, S. 88; Clines 2011, S. 5; Krüger 2005, S. 2; Plummer 1903, S. 32), was gut zusammenstimmt mit dem folgenden δούλη und auch dadurch nahegelegt wird, dass in V. 52 ταπεινούς kontrastiert wird mit δυνάστας; zudem ist der Gegensatz von Reichen und Armen ein häufigeres lukanisches Theologumenon (vgl. z.B. Lk 4,18f). Schnackenburg 1965, S. 346f. glaubt außerdem, zusätzlich Parallelen von hier zum Motiv der Armenfrömmigkeit in Qumran ziehen zu können. „Niedrigkeit“ ist eine unnötige Verallgemeinerung.

Einige denken hier aufgrund der Parallelen des Verses zu 1Sam 1,11; Ps 113 und 4Esra 9,45 daran, dass es sich hier um einen stehenden Ausdruck für Unfruchtbarkeit handeln würde (vgl. Zorell 1928, S. 288f.; ähnlich Klein 2006, S. 108f). Aus dem Mund Mariens macht das aber keinen Sinn und es spricht auch nichts gegen und einiges für die Lesart „Armut“, weshalb diese auf jeden Fall vorzuziehen ist (vgl. auch Bossuet / Weiß 1917, S. 404; Schürmann 1969, S. 73f.).

vgl. aber auch die nächste Fußnote. (Zurück zu v.48)
gso die Mehrzahl der Übersetzungen; δούλη bedeutet aber „Sklavin“ und nur in Einzelfällen wird es allgemein für soziale Rangunterschiede verwendet (aber auch hierfür wäre „Magd“ eine eher unpassende Übersetzung).
Sowohl die Rede von der „Armut“ als auch vom „Sklave-seins“ Mariens ist hier aber merkwürdig funktionslos, abgesehen davon, dass es in Kombination mit der Rede von Gott als Mariens „Herrn“ eine klare Hierarchie verdichtet. Ich denke, dies ist der Schlüssel zum richtigen Verständnis der beiden Ausdrücke: Wie auch in 1Sam 1,11 ist die Rede von der „Sklavin Gottes“ wohl nicht wörtlich zu verstehen, sondern eine Höflichkeitsstrategie (vgl. z.B. Warren-Rothlin 2007, S. 61f) - der Ausdruck derartigen Hierarchien kann ja in fast allen - auch zeitgenössischen - Einzelsprach-pragmatiken als Höflichkeitsstrategie dienen („soziale Deixis“, vgl. z.B. Bublitz 2001, S. 220f.). Das selbe gilt vermutlich auch für V. 54a. Eine wörtliche Übersetzung würde dies aber verschleiern, so dass man in der Lesefassung vielleicht besser auf andere Übersetzungsweisen zurückgreifen sollte, z.B. schlicht auf die Streichung von „seiner Sklavin in ihrer Armut“ in V. 48a (denn das hierarchische Gefüge wird ja schon durch den Ausdruck „Herr“ in V. 47 deutlich genug). (Zurück zu v.48)
hDie Rede von Gottes auf-etwas-Blicken ist im AT bildlich für für gnädige Akte Gottes wie etwa Gebetserhörungen (vgl. z.B. TLOT 1263f.). Das Verb ἐπέβλεψεν einfach wörtlich zu übersetzen, würde diese eigentliche Bedeutung des Verses verdunkeln. Besser wäre eine Paraphrase wie „Er hat sich seiner Sklavin in ihrer Armut angenommen“ (zu „in ihrer Armut“ vgl. Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 357). (Zurück zu v.48)
iweil diese Parallele so deutlich und gleichzeitig nicht völlig leicht zugänglich ist, will ich sie der Einfachheit halber zitieren:

„Nach dreißig Jahren hörte Gott auf deine Magd,
sah meine Schmach
und achtete auf meine Not

und gab mir einen Sohn [...].“ (Übersetzung nach Rießler 1928) (Zurück zu v.48)
jἰδοὺ i.d.R. (wie auch hier) nicht mehr als bloßer Fokuspartikel. (Zurück zu v.48)
kLuk. Idiom; vgl. Lk 5,10; Lk 12,52; Lk 22,18; Lk 22,69; Apg 18,6 (Zurück zu v.48)
lAllzu viele Übersetzungen und Kommentare denken, dass diese Aussage bedeute, Maria sähe hier bereits ihre Verehrung durch künftige Generationen voraus (vgl. z.B. Bovon 1989, S. 88; Klein 20006, S. 113; Schürmann 1969, S. 74; Storr u.ö.). Aber μακαρίζειν bedeutet wahrscheinlich auch hier (wie sonst öfters) einfach, dass sie für glücklich gehalten wird oder aufgrund dieses für-glücklich-gehalten-Werdens „als glücklich bezeichnet“ wird. Die hebräische Entsprechung von μακαρίζειν ist אָשַר II, was von SDBH folgendermaßen näher bestimmt wird: „[to] communicate to someone else that you consider him/her or someone else fortunate and blessed by God“ (SDBH). Diesem wohl falschen Verständnis der Stelle soll mit obiger Übersetzung vorgebeugt werden. (Zurück zu v.48)
mwegen ἀπὸ τοῦ νῦν (v. 48) bzw. εἰς γενεὰς καὶ γενεὰς (V. 50) ist die futurische Wiedergabe die hier einzig Sinnvolle (Zurück zu v.48 / zu v.50)
nV 48a steht mit V 54a, V 49b mit V 50a und V 49a mit V 51a im Parallelismus. Wenn van der Lugt und andere (v.a. niederländische) Exegeten Recht damit haben sollten, dass Strophenübergänge innerhalb eines Gedichtes häufig von solchen „externen Parallelismen“ markiert werden (vgl. z.B. van der Lugt 2006, S. 53), wäre dies ein starkes Indiz dafür, dass man an diesen Stellen das Magnifikat in Strophen aufzuteilen hätte: Die Parallelismen würden dann den letzten Vers der ersten Strophe(V 48), den ersten und letzten Vers der der zweiten Strophe (V 49.50), den ersten Vers der dritten Strophe (V 51) und den ersten Vers der vierten Strophe (V 54) markieren. Und in der Tat ist die Aufteilung des Magnifikats gerade zw. V 50 und 51 (dies die Mehrheitsmeinung) und häufig auch zw. V 53 und 54 vorgeschlagen worden (so z.B. Abbott 1878, S. 14; Godet 1899, S. 71f.; Klein 2006, S. 107; Krüger 2005; Meyer 1860, S. 247; Niccacci 1999, S. 66; Plummer 1903, S. 31; Zorell 1928, S. 288). Dass zw. den VV 50 und 51 und zw. den VV 53 und 54 eine Zäsur zu setzen ist, scheint auch mir sehr wahrscheinlich; wo ich mir aber eher unsicher bin, ist eine Zäsur zw. V. 48 und 49. Denn es mag richtig sein, wenn Gunkel das ὅτι in V 49 kommentiert mit „Dies „denn“ (ὅτι, hebräisch כִי) ist der allergeläufigste Uebergang, mit dem im Hymnus das Hauptstück dem Anfange hinzutritt.“ (Gunkel 1921, S. 47), aber es ist ὅτι nichtsdestotrotz im Griechischen ein starker Stifter syntaktischer Kohäsion. Zudem ist auffällig, dass bis auf die Parenthese V 48b von V 47a bis V 50a jeder Vers mit einem ähnlichen Kohäsionsstifter (nämlich entweder wieder ὅτι oder καὶ) eingeleitet wird. Wem dennoch das van-der-Lugt´sche Strophen-indiz, die Aufteilungen von Godet, Klein, Meyer, Niccacci, Plummer und Zorell und der Hinweis Gunkel´s richtiger zu sein scheint, dem sei die Übersetzungsalternative angeboten, statt V 49a mit einem „denn (dafür, dass)“ einzuleiten, stattdessen V 48b mit einem Doppelpunkt enden zu lassen und V 49a asyndetisch anzuschließen:
... von nun an wird jeder mich für glücklich halten:


Der Mächtige hat Großes an mir getan!
...“ (Zurück zu v.48 / zu v.49)
oEinige Exegeten halten dies für ein relatives καὶ (vgl. BDR §442) und übersetzen mit „der Mächtige ..., dessen Name heilig ist.“ (vgl. z.B. Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 357; Schürmann 1969, S. 74; vgl. auch GN; Kammermayer; LUT84; ähnlich NeÜ); andere fassen es koordinierend auf und schließen es mit einem „und“ an den vorherigen Satz an. Nestle-Aland setzt aber bewusst einen Punkt vor V. 49b, denn „given the semantics of this clause [...], it seems less likely that it is part of a large causal construction [...](Culy et. al. 2010, S. 44). Da καὶ im Griechischen, anders als im Deutschen, auch einen mit dem vorigen Satz (relativ) unkoordinierten Satz einleiten kann, ist es besser, das „und“ in der deutschen Übersetzung ganz zu streichen. (Zurück zu v.49)
pWie z.B. auch „Seele“ (s.o.), wird im Hebräischen auch „Name“ gern synekdochisch für den Träger des Namens verwendet. (Zurück zu v.49)
qs. z. „{und}“ Vers 49 (Zurück zu v.50)
rtrad. übersetzt mit „Erbarmen“ oder „Barmherzigkeit“. ἔλεος ist in der LXX aber häufig die Übertragung von חֵסֵד, und daraus, dass es hier als etwas dargestellt wird, demgemäß sich Gott (1) schon Abraham gegenüber verhalten hat (V. 54f), das (2) jenen gilt, die ihn „fürchten“ (V. 50) und das (3) ebenso wie חֵסֵד etwas ist, das meist von Höhergestellten niedriger Gestellten entgegengebracht wird, wird klar, dass wir auch hier an dies חֵסֵד denken müssen (vgl. Clines 2011, S. 2f). חֵסֵד bezeichnet aber nicht (wie es auch im AT häufig falsch übersetzt wird) etwa die „weiche Seite“ Gottes, sondern steht für Gottes Bündnistreue und wird bes. in Situationen verwendet, in denen davon die Rede ist, dass ein niedriger Gestellter der Hilfe Gottes bedarf und Gott ihm diese Hilfe - getreu seinem Bund - auch gnädig gewährt (vgl. z.B. Waltke 2010, S. 443; Krinetzki 1972, S. 55 will es sogar mit „Stärke, Kraft“ wiedergeben). Die treffendste Übertragung ist daher ohne Zweifel „Huld, Gnade“. (Zurück zu v.50)
sverbloser Satz, der als PP fungiert und gelesen werden könnte als PP temporis, PP commodi oder PP relationis (vgl. Culy et. a. 2010, S. 44). Weil der Ausdruck γενεὰς καὶ γενεὰς aber wohl idiomatisch ist für „alle Generationen“ (vgl. ebd.), liegt eine andere Lesart als die temporale recht fern. Eine freie, „deutschere“ und funktional äquivalentere Übertragung wäre wohl „Seine Huld währt auf ewig.“ (zu v.50)
tzur Formulierung „Generationen und Generationen“ vgl. auch das Testament des Levi 18,8. (Zurück zu v.50)
uwörtl. „den ihn Fürchtenden“; Ptz. mit der Funktion des dativus commodi (daher: „für“) (vgl. Culy et. al. 2010, S. 44; Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 357). (Zurück zu v.50)
vVV. 51-54 stehen sechs Aoriste, über deren Semantik man sich in der Forschung den Kopf zerbricht. Theoretisch könnten sie sich beziehen (1) auf Vergangenes - etwa vergangene Heilstaten Gottes („historischer Aorist“), (2) auf Gottes übliche und überzeitliche Weise des Handelns („gnomischer Aorist“), (3) auf Gottes zukünftiges Handeln („futurischer Aorist“) oder (4) auf Sachverhalte, die zum Zeitpunkt des Betens bereits angebrochen sind, deren Vollendung aber noch aussteht („ingressiver Aorist“) (vgl. auch Grosvenor / Zerwick 1993, S. 173; Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 357). Jede dieser vier Deutungen ist in der Forschung schon mehrfach vertreten worden (z.B.: (1) Bossuet / Weiß 1917, S. 404; Zahn 1913, S. 106; (2) NET; (3) Schürmann 1969, S. 75; (4) Meyer 1860, S. 248; ähnlich Schneider 1977, S. 56)

Da VV 51-54 aber immer noch zum selben Dankgebet gehört, zu denen auch die vorherigen Verse gehören, scheint mir sehr wahrscheinlich, dass die Tat, mit der Gott sich seines „Knechtes Israel“ angenommen hat (V. 54) die selbe ist, mit denen er sich auch seiner „Sklavin“ Maria angenommen hat (V. 48) (- ein recht eindeutiger Parallelismus, wenn man erst den Sinn der Verse richtig erkennt) - nämlich die Tatsache, dass er Maria trotz ihrer „Armut“ (V. 48) zur Mutter des Messias gemacht hat (vgl. auch Nolland 1989: „ἐποίησεν [...] picks up toe verb of v 48, which makes it unlikely that we have here a move into either the future or the general. What we have is a fresh description from a new angle of the event of v 49a.“). Jede Deutung neben der ingressiven würde diesen Zusammenhang zerstören und das Magnificat in zwei nur lose zusammenhängende Hälften reißen (- und dass die Zäsur zwischen den beiden Gedichtteilen (zw. V. 51 und 52, vgl. Bovon 1989, S. 83; NET; Schmithals 1980, S. 31; Schneider 1977, S. 57; Schürmann 1969, S. 70f.) so stark nicht ist, zeigen allein schon die zahlreichen lexikalischen Verbindungen zwischen den Teilen (z.B. Ταπείνωσις (V. 48) - ταπείνούς (V. 52) - πείνῶντας (V. 53); ἐποίησεν (V. 49) - ἐποίησεν (V. 51); ἔλεος (V. 50) - ἐλέους (V. 54); zudem die beiden Parallelismen zw. V 48a und V 54a einerseits und V 49a und V 51a andererseits)). Wenn nun Prinzip der Bibelinterpretation sein soll „Interpretiere einen Text stets als die bestmögliche Version seiner selbst“ (nach Patrick / Scult 1990, S. 84), wird die ingressive Lesart deshalb auch die sein, für die man sich entscheiden muss.

Der obige Übersetzungsvorschlag versucht, durch die Hinzufügung des „so“ den Bezug des Folgenden auf das zuvor Geschilderte ausdrücklich zu machen und durch die des „er hatte begonnen“ den ingressiven Charakter des Folgenden zum Ausdruck zu bringen. Eine andere (allerdings weniger genaue, da nicht wirklich ingressive) Möglichkeit, die wahrscheinlich leichter zu einer gefälligen Lesefassung führt, wäre die Einleitung mit „Nun“ und der futurischen Wiedergabe des Folgenden. (Zurück zu v.51)
wweder (1) Ἐποίησεν κράτος („Machttaten hat er getan“) noch (2) ἐν βραχίονι αὐτοῦ („mit seinem Arm“) ist natürliches Griechisch. Beide Male handelt es sich wieder um Semitismen; vermutlich um Zitate aus dem Psalter (vgl. zu (1) Ps 60,14; Ps 108,14; Ps 118,15f.; zu (2) Ps 89,11; beide Male auch Culy et. al. 2010, S. 45; Plummer 1903, S. 33.

Der „Arm“ wird aber im Hebräischen häufiger verwendet als Symbol für Macht und Stärke (vgl. z.B. Clines 2011, S. 1f.; Wolff 1973, S. 108; ad loc. auch Culy et. al. 2010, S. 45; Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 357), so dass wir hier beinahe etwas wie eine „metaphorische figura etymologica“ vor uns haben: „Er hat Mächtiges mit seiner Macht gewirkt.“

Auf diese Weise ist der Teilvers gleich doppelt stilistisch markiert ist. Gleichzeitig ist aber weder der Arm als Metapher der Stärke und Macht im Deutschen außerhalb der Bibel wirklich geläufig, noch scheint die Konstruktion der figura etymologica gutes Deutsch zu sein. Man wird daher diese stilistische Markierung wohl mit kommunikativeren Äquivalenten übersetzen müssen (z.B. einem Binnenreim wie „Gewaltiges hat er mit seiner Macht vollbracht“). (zu v.51)
xDoppelpunkt sehr gut mit , Schneider 1977, S. 54 und dem unrevidierten NTL (leider nicht mehr im revidierten): Was folgt, sind einzelne Ausfaltungen des Sammelbegriffs „Machttaten“ in V. 51a. (Zurück zu v.51)
y„zerstreuen“ ist im AT ein Ausdruck, der vor Allem verwendet wird, wenn davon die Rede ist, dass eine Armee vernichtend geschlagen wird (vgl. die Parallelstellen).
Was es sicher nicht bedeutet, ist etwas wie „er fegt die Überheblichen hinweg“ (BB, GN) oder gar „er zersprengt die im Herzen hochmütig Gesinnten“ (Bossuet / Weiß, Stier) (Zurück zu v.51)
zzur „Hochmut“ im alten Judentum vgl. das in Billerbeck / Strack 1924, S. 101ff. zusammengetragene Material (Zurück zu v.51)
aacollectiver genetivus auctoris im Deutschen i.d.R. im Sg. (Zurück zu v.51)
abDas Herz ist in der hebräischen Vorstellung Sitz v.a. der Stimmungen und Gestimmtheiten (vgl. Wolff 1973, S. 74f.) und entspricht damit am ehesten unserem Wort „Gemüt“ - eine wörtliche Übertragung wäre hier irreführend. (Zurück zu v.51)
acOhnehin ist beim ganzen Teilvers von einer wörtlichen Übertragung abzuraten: [ὑπερηφάνους - [Dat. rel.: διανοίᾳ - [Gen. auct.: καρδίας - [Gen. poss.: αὐτῶν]]]], also wörtl. etwa „hochmütig an der Stimmung aus ihrem Gemüt“ besagt nicht mehr als „hochmütig gestimmt“ oder einfach „hochmütig“. Im Griechischen mag eine solche Konstruktion normal klingen, im Deutschen wirkt diese Häufung hochgradig redundant, so dass eine wörtliche Übertragung bestenfalls eine stilistische Verfälschung des Urtexts bedeutete. (Zurück zu v.51)
adda Gott die δυνάστας von ihren Thronen stürzt, ist „Machthaber“ hier die kontextuell wesentlich passendere Übertragung. (Zurück zu v.52)
aediese Hinzufügung stellt den Gegensatz der Abwärtsbewegung 52a und der Aufwärtsbewegung 52b besser heraus; ich würde sie auch für die Lesefassung empfehlen. (Zurück zu v.52)
afauch diese Stelle soll wegen ihrer eingeschränkten Zugänglichkeit direkt zitiert werden:

„Dieser Menschensohn, den du sahest,
macht die Könige und Machthaber von ihren Lagern
und die Starken von ihren Thronen aufstehen;
er löst die Zügel der Starken und zermalmt der Sünder Zähne.
Er verstößt die Könige von ihren Thronen
und aus ihren Reichen,
weil sie Ihn nicht erheben noch preisen
noch dankbar anerkennen,

woher ihnen das Königtum verliehen ward.“ (Übersetzung nach Rießler 1928, S. 382) (Zurück zu v.52)
agdie Wortstellung VV 52-53 sollte beibehalten werden, da sie eine chiastische Doppelstruktur hat: V 52: V - S / V - S; V 53: S - V / S - V (Zurück zu v.53)
ahwörtl. „füllt“; häufig freier übertragen mit „sättigen“, was zwar dem Kontext gut gerecht wird, aber erst dann Sinn machen würde, wenn auch 53b etwas wie „hungrig“ stehen würde (ansonsten verdunkelte diese freiere Übersetzung bis zu einem gewissen Grade den Gegensatz 53a - 53b).
V. 53 ist interessant für ein stilgerechtes Übersetzen: ἐνέπλησεν („füllen“) (53a) bildet einen Gegensatz mit κενούς („leer, mit leeren Händen“ (BA 870)) (53b) und ist etymologisch verwandt mit πλουτοῦντας („reich seiende, Reiche“), außerdem ist eines der Wortbildungsmorpheme (ἐν- („ein-, hinein-“)) das Gegensätzliche zu ἐξ- in ἐξαπέστειλεν („fortsenden“) (53b). Eine rein an diesen Wortspielen orientierte Übertragung würde ungefähr so gehen wie „in Hungernde füllt er Gutes hinein / und Befüllte schickt er ungefüllt hinaus“, was natürlich Blödsinn ist und auch dem Wortsinn gar nicht gerecht wird. Ich bin bisher zu noch keiner Lösung gekommen, wie dieser Vers gleichzeitig kommunikativ und inhaltlich und stilistisch äquivalent übertragen werden könnte. (Zurück zu v.53)
aiBA 870 (Zurück zu v.53)
aju.U. ist die Übersetzung durch „Knecht“ hier sogar eher zu empfehlen als die durch „Sklave“. Zwar ist rein intratextuell aufgrund des Parallelismus zur obigen Rede von der „Sklavin“ Maria auch hier „Sklave“ die sinnvollste Übersetzung, aber wenn man die Perspektive ein wenig weitet, stößt man auf ein häufiges Motiv, nämlich dem von Israel als der „Knecht Jahwes“ (vgl. die Parallelstellen). vgl. aber auch Fußnote g. (Zurück zu v.54)
akV 54b hat den Exegeten einiges Kopfzerbrechen bereitet. Er besteht aus einem Infinitiv und einem Akkusativ und lautete wörtlich übersetzt etwa „sich erinnern/denken an Huld“ (zu „Huld“ s.o.). Die Hauptschwierigkeit ist wohl, wie dieser Teilvers mit dem vorigen zusammenhängt. Bis vor einiger Zeit hat die Mehrzahl der Exegeten vermutet, dass es sich um einen finalen oder kausalen Infinitiv handle und V 54 dann etwas bedeute wie „Er hat sich Israels angenommen, um sich an seine Huld zu erinnern“ oder „Er hat sich Israels angenommen, weil er an seine Huld gedacht hat.“ Beide Lesarten verbildlichten dann aber einen merkwürdig „vergesslichen“ Gott und sind damit recht problematisch. Heute scheinen daher die meisten Exegeten zu denken, es handle sich um einen irgendwie unbestimmten, insgesamt recht beliebig deutbaren Infinitiv (vgl. z.B. Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 358: „Inf. m. freierem Gebrauch (entsprechend einem hebr. Inf. m. „mod.“ Bdtg. [... :] indem/wobei/weil er an (seine) Barmherzigkeit denkt.“, was auch nicht wirklich befriedigt.

Ich glaube, das Problem der Deutung von V 54 liegt an einem falschen Verständnis des Verbs. μνησθῆναι heißt zwar wirklich „sich erinnern, denken“, aber der Schlüssel zum richtigen Verständnis scheint der zu sein, zu sehen, dass μνησθῆναι in der LXX häufig als Übersetzung von זָכַר verwendet wird. Und dies זָכַר hat, wenn Gott das Subjekt ist, häufig eine Sonderbedeutung, nämlich „sich gnädig zuwenden.“ - vgl. z.B. TWAT I:513f.: „[... Es] greift das AT mit der Rede vom Gedenken Gottes an seine Verehrer auf eine bereits in seiner Umwelt vorgeprägte religiöse Begrifflichkeit zurück. Solches Gedenken der Gottheit meint ihre helfende und notwendende Zuwendung zum Menschen [...], wie sie etwa von der Kinderlosen in der Gabe des Kindes (Gen 30,22; 1Sam 1,11; 1Sam 1,19 [...]), aber auch in anderen Bedrängnissituationen und allgemein im zuteil werdenden göttlichen Segen (Ps 115,12) erfahren wird“ [meine Kursivierung].
Einiges spricht dafür, hier auch μνησθῆναι so zu verstehen. Erstens käme, so verstanden, im Verb in etwa die selbe Idee zum Ausdruck, die auch im Substantiv (ἔλεος - s.o.) zum Ausdruck kommt. Zweitens steht der Teilvers hier parallel zur Rede von Gottes sich-Israels-erbarmen, was auch sehr gut zusammenpasst. Drittens sagten wir ja bereits oben, dass V 54a parallel steht zu V 48a und das in beiden Teilversen vermutlich auf die selbe Heilstat Bezug genommen hat, nämlich auf die, dass Gott Maria mit dem Messias „geschwängert“ hat - und (wie im TWAT-Zitat erkennbar ist) dies ist auch ein geläufiger Kontext, in der diese spezielle Sonderbedeutung von זָכַר(/μνησθῆναι) öfter zum Tragen kommt.

Wenn erst erkannt ist, dass V 54b vom selben spricht wie V 54a, ist der Rest relativ einfach: Der Infinitiv wäre dann als epexegetischer Infinitiv zu deuten (vgl. auch Culy et. al. 2010, S. 46) - daher der Doppelpunkt, und das Akkusativ-nomen wäre dann wohl zu deuten als accusativus respectus - daher die Alternative „was angeht“ oder, wesentlich besser, als adverbialer Akkusativ, daher die Alternativen „huldvoll, mit Huld“. (zu v.54)
alEin weiterer grammatischer Zweifelsfall: Es ist fraglich, wie V 54b, 55a und 55b sich zueinander verhalten. Vorgeschlagen wurde, (1) dass V 55a Parenthese ist und V 55b nicht mehr, sondern dativus commodi zu 54b („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Vätern verheißen hat - zugunsten von Abraham und seinen Nachkommen.“) - dies ist heute die Mehrheitsmeinung -, (2) dass V 55a eine Art „Nachsatz“ ist, V 55b zu diesem Nachsatz gehört und „verheißen hat“ näher bestimmt („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Väter zugunsten von Abraham und seinen Nachfahren auf ewig verheißen hat“) oder (3) dass V 55b inkongruente Apposition zu V 55a ist („Gott hat sich erbarmt - wie er unseren Vätern (Abraham und seinen Nachkommen auf ewig) verheißen hat“ (vgl. z.B. die Übersicht bei Haubeck / von Siebenthal 1997, S. 358).

Möglichkeit (3) ist eher unwahrscheinlich, da inkongruente Appositionen auch im Griechischen recht selten sind und „Abraham und alle seine Nachommen“ sich nicht recht mit „unsere Vorfahren“ decken will (so z.B. auch Zahn 1913, S. 107; ähnlich auch Weiss 1901, S. 287). Für (1) spricht, dass anders als bei (2) (und (3)) ein Objekt von Gottes Erbarmen identifiziert würde (nämlich Abraham), während (2) den Übersetzer zwingen würde, ein solches zu ergänzen ([ihm], d.i. „Israel, seinem Knecht“).

Nach dieser Lesart wären V 54b und 55b einfach eine Näherbestimmung von 54a (was gut mit der Deutung des Infinitivs als epexegitischem Infinitiv zusammenpasst) und 55a wirklich eine Parenthese (daher die Ergänzung des „ja auch“), in der Bekanntes anklingt: In der Tat ist ja den Vorvätern der Israeliten immer wieder verheißen worden, dass Gott sich Abraham und seinen Nachfahren gegenüber gemäß seiner Bundestreue verhalten werde. (Zurück zu v.54 / zu v.55)
amwörtl.: „gesagt hat“; aber Grosvenor / Zerwick 1993, S. 174: „here promise (as Hebr. lacks a corresproning vb).“ Im Deutschen ist die „theologischere“ Variante von „versprechen“ „verheißen“, weshalb dies kontextuell angemessener wäre (so ja auch gut bereits , Greber, Kammermayer, MEN, NL, Schneider 1977, SLT2000, Storr) (Zurück zu v.55)