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{{S|46}}Und Maria<ref>Textkritik: Drei altlateinische Handschriften (ms. a (4. Jh.), b (5. Jh.) und 1* (7./8. Jh. - hier allerdings nachträglich wieder korrigiert zu „Maria“)) haben statt „Maria“ „Elisabeth“; zudem sprechen auch zwei Mss. von Irenäus´ „Adv. Haer.“ 4,7,1 von Elisabeth als der Sängerin des Magnifikats (aber auch hier haben die restlichen Mss. „Maria“; außerdem heißt es selbst in diesen Mss. an anderer Stelle, dass Maria die Sängerin wäre). | {{S|46}}Und Maria<ref>'''Textkritik''': Drei altlateinische Handschriften (ms. a (4. Jh.), b (5. Jh.) und 1* (7./8. Jh. - hier allerdings nachträglich wieder korrigiert zu „Maria“)) haben statt „Maria“ „Elisabeth“; zudem sprechen auch zwei Mss. von Irenäus´ „Adv. Haer.“ 4,7,1 von Elisabeth als der Sängerin des Magnifikats (aber auch hier haben die restlichen Mss. „Maria“; außerdem heißt es selbst in diesen Mss. an anderer Stelle, dass Maria die Sängerin wäre). Auch eine Origines-Übersetzung des Hieronymus ist überliefert, die erkennen lässt, dass wohl auch Origines diese Elisabeth-Variante kannte.<br /> | ||
Diese textkritische Evidenz ist sehr gering; dennoch wird seit Loisy 1907 und Harnack 1900 immer wieder darüber diskutiert. Drei Positionen haben sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert (vgl. die Übersicht in Metzger 109):<br /> | |||
# Der ursprüngliche Text hat „Maria“ und in einigen Handschriften wurde dies nachträglich in „Elisabeth“ geändert (In der neueren Forschung die fast ausschließlich vertretene) | |||
# Der ursprüngliche Text hat „Elisabeth“ und wurde nachträglich zu „Maria“ geändert (diese Position wird fast gar nicht vertreten) | |||
# Explizit wird im ursprünglichen Text überhaupt keine Sprecherin des Magnifikats identifiziert; ursprünglich habe dort einfach καῖ εἰπεν („und sie sprach“) gestanden. Sowohl „Maria“ als auch „Elisabeth“ sind nachträgliche Hinzufügungen (so z.B. ausführlichst Benko 1967) - die Position hat aber die entscheidende dass keine einzige Handschrift überliefert ist, in der diese Textversion überliefert wäre. | |||
Für eine Textänderung wie in (2) oder (3) reicht die Evidenz nicht ansatzweise aus; natürlich ist Variante (1) beizubehalten.</ref> sprach:{{par|1_Samuel|2|1}} | |||
„Meine Seele (Ich)<ref name="Ich">Sehr gebräuchlicher Semitismus; „Seele“ und „Geist“ dient nur als Wechselbegriff für „ich“ (vgl. Wolff 1973, S. 25f; ''ad. loc.'' auch Bovon 1989, S. 87; Culy et. al. 2010, S. 42; Noland 1989) - eine hebräische Stileigentümlichkeit, die es im Deutschen nicht gibt und die daher in der LF als „ich preise“ übertragen werden muss. Sehr ähnliche Stellen finden sich in der Bibel z.B. in [[Psalm 34#s3 |Ps 34,3]]; [[Psalm 35#s9 |35,9]]; [[Psalm 103#s1 |103,1f.22]]; [[Psalm 104#s1 |104,1.35]]; [[Psalm 146#s2 |146,2]]; [[Tobit 13#s15 |Tob 13,15]].</ref> preist (macht groß<ref>So eine häufig gewählte und auch durchaus zulässige Übersetzung von μεγαλύνειν (vgl. BA 1007; BAG 497; Gemoll 518; LSJ; Muraoka 445; Pape 108; Thayer). Sie macht aber in unserem Zusammenhang nicht viel Sinn, denn sicher will der Autor nicht sagen, dass Gottes „Groß-Sein“ der Seele Mariens geschuldet wäre. <!-- Auch das ist ein Semitismus, mit der Bedeutung „erhöhen“ oder „bekannt machen“ (siehe [[Psalm 138#s2|Ps 138,2c]]. --~~~~--></ref>, dankt)<ref name="Dank">Vv. 46f. verdichten einen weiteren Semitismus: „X preist Y, denn Z“ ist im Hebräischen eine formelhafte Wendung für „X dankt Y für Z“ (vgl. Lande 1949, S. 106f). Hier lässt sich sich besonders leicht ins Deutsche übertragen: Da ἠγαλλίασεν im synonymen Parallelismus zu μεγαλύνει steht, kann eines der beiden Glieder ohne semantische Einbußen problemlos durch „danken“ ersetzt werden. Übersetze: „Ich preise den Herrn / und danke ihm dafür, dass...“.</ref> den Herrn {{par|Psalmen|34|2|4}} {{par|Psalmen|69|31}} {{par|Apostelgeschichte|10|46}} {{par|Apostelgeschichte|19|17}}<br /> | |||
: {{S|47}}und mein Geist (Ich)<ref name="Ich" /> jubelt (begann, zu jubeln)<ref>ἠγαλλίασεν steht im Gegensatz zu μεγαλύνει (Präsens) im Aorist, weshalb z.B. NET hier ingressiv übersetzen will mit „has begun to rejoice“; ebenso Bovon 1989; Nolland 1989. Vermutlich ist aber auch dies als stilistischer Semitismus zu verstehen, nämlich als (bedeutungsloser) T-Shift (so die Mehrheit, z.B. Grosvenor/Zerwick 1993, S. 173; Gunkel 1921, S. 46; NSS, S. 356; Schürmann 1969, S. 73; Weiss 1901, S. 285).</ref> (dankt<ref name="Dank" />) über Gott, meinen Retter, {{par|Jesaja|61|10}} {{par|Habakuk|3|18}} {{par|Psalmen|35|9}}<br /> | |||
{{S|48}}denn (dafür, dass)<ref name="Dank" /> auf die Armut (Niedrigkeit, Demut)<ref>Meist: „Niedrigkeit“. Die zweite Alternative, „Demut“, ist recht unwahrscheinlich, denn hierfür stehen in LXX und NT eigene Begriffe bereit. Ταπείνωσις ist hier relativ sicher sozial bzw. wirtschaftlich als „Armut“ zu verstehen (Bovon 1989, S. 88; Clines 2011, S. 5; Krüger 2005, S. 2; Plummer 1903, S. 32), da es gut zusammenstimmt mit dem folgenden δούλη und auch dadurch nahegelegt wird, dass in V. 52 ταπεινούς kontrastiert wird mit δυνάστας; zudem ist der Gegensatz von Reichen und Armen ein häufigeres lukanisches Theologumenon (vgl. z.B. Lk 4,18f). Schnackenburg 1965, S. 346f. glaubt außerdem, zusätzlich Parallelen von hier zum Motiv der Armenfrömmigkeit in Qumran ziehen zu können. „Niedrigkeit“ ist eine unnötige Verallgemeinerung.<br /> | |||
Einige denken aufgrund der Parallelen des Verses zu [[1Samuel 1,11 |1Sam 1,11]]; [[Psalm 113 |Ps 113]] und 4Esra 9,45 daran, dass es sich hier um einen stehenden Ausdruck für Unfruchtbarkeit handeln würde (z.B. Zorell 1928, S. 288f.; ähnlich Klein 2006, S. 108f). Aus dem Mund Mariens macht das aber keinen Sinn und es spricht auch nichts gegen und einiges für die Lesart „Armut“, weshalb diese auf jeden Fall vorzuziehen ist (vgl. auch Bossuet / Weiß 1917, S. 404; Schürmann 1969, S. 73f.).<br /> | |||
Vgl. außerdem die nächste Fußnote.</ref> seiner Sklavin (Magd)<ref>Meist: „Magd“; δούλη bedeutet aber „Sklavin“ und nur in Einzelfällen wird es allgemein für soziale Rangunterschiede verwendet (aber auch hierfür wäre „Magd“ eine eher unpassende Übersetzung).<br /> | |||
Sowohl die Rede von der „Armut“ als auch vom „Sklave-seins“ Mariens ist hier aber merkwürdig funktionslos, abgesehen davon, dass es in Kombination mit der Rede von Gott als Mariens „Herrn“ eine klare Hierarchie verdichtet. Das ist wohl auch der Schlüssel zum richtigen Verständnis der beiden Ausdrücke: Wie auch in [[1Samuel 1#s11 |1Sam 1,11]] ist die Rede von der „Sklavin Gottes“ wohl nicht wörtlich, sondern als Höflichkeitsstrategie zu verstehen (vgl. z.B. Warren-Rothlin 2007, S. 61f; Dahood 1970, S. 374 zu [[Psalm 19#s14 |Ps 19,14]]; [[Psalm 27#s9 |27,9]]; [[Psalm 31#s17 |31,17]]; [[Psalm 69#s18 |69,18]]; [[Psalm 86#s2 |86,2]]; [[Psalm 119#s135 |119,135]]). Man bezeichnet das als „soziale Deixis“: Aus Höflichkeitsgründen wird ein Rangunterschied vom niedriger Gestellten besonders betont (wie man z.B. auch im Deutschen den Papst nicht mit „Lieber Papst“, sondern mit „Heiliger Vater“ anschreiben würde). Das selbe gilt vermutlich auch für V. 54a. Eine wörtliche Übersetzung würde dies aber verschleiern, so dass man in der Lesefassung vielleicht besser auf andere Übersetzungsweisen zurückgreifen sollte, z.B. schlicht auf die Streichung von „seiner Sklavin in ihrer Armut“ in V. 48a (denn das hierarchische Gefüge wird ja schon durch den Ausdruck „Herr“ in V. 47 deutlich genug).</ref> hat er geschaut (sich angenommen)<ref>Biblizismus: Die Rede von Gottes auf-etwas-Blicken steht im AT metaphorisch für für gnädige Akte Gottes wie etwa Gebetserhörungen (vgl. z.B. TLOT 1263f.). Das Verb ἐπέβλεψεν einfach wörtlich zu übersetzen, würde diese eigentliche Bedeutung des Verses verdunkeln. Besser wäre eine Paraphrase wie „Er hat sich seiner Sklavin in ihrer Armut angenommen“; zu „seiner Sklavin in ihrer Armut“ s. aber noch die vorige FN.</ref> {{par|Genesis|29|32}} {{par|1_Samuel|1|11}} {{par|Psalmen|31|8}} {{par|Psalmen|138|6}} - <br /> | |||
: {siehe}<ref>ἰδοὺ i.d.R. (wie auch hier) nicht mehr als bloße Fokuspartikel.</ref> von nun an halten für glücklich (werden mich für glücklich halten)<ref>Allzu viele Übersetzungen und Kommentare denken, dass diese Aussage bedeute, Maria sähe hier bereits ihre Verehrung durch künftige Generationen voraus und übersetzen etwa „preisen mich selig“ (vgl. z.B. Bovon 1989, S. 88; Klein 20006, S. 113; Schürmann 1969, S. 74; Storr u.ö.). Aber μακαρίζειν bedeutet wahrscheinlich auch hier (wie auch sonst öfters) einfach, dass sie für glücklich ''gehalten'' wird oder aufgrund dieses für-glücklich-gehalten-Werdens als glücklich ''bezeichnet'' wird - vielleicht ein Semitismus: Die hebräische Entsprechung von μακαρίζειν ist {{hebr}}אָשַר{{hebr ende}} II, was von [http://www.sdbh.org/vocabula/entry.php?entry=AZ1sY&language=en SDBH] folgendermaßen näher bestimmt wird: „[to] communicate to someone else that you consider him/her or someone else fortunate and blessed by God“ ([http://www.sdbh.org/vocabula/entry.php?entry=AZ1sY&language=en SDBH]). Diesem wohl falschen Verständnis der Stelle soll mit obiger Übersetzung vorgebeugt werden.<br />Wegen ἀπὸ τοῦ νῦν (v. 48) ist die in der Klammer angegebene futurische Wiedergabe die hier einzig Sinnvolle.</ref> mich alle Geschlechter (jeder)! {{par|Genesis|30|13}} {{par|Maleachi|3|12}} {{par|Psalmen|72|17}} {{par|Lukas|11|27}}- (:)<ref name="Strophe">V 48a steht mit V 54a, V 49b mit V 50a und V 49a mit V 51a im Parallelismus. Solche Parallelismen markieren in der biblischen Poesie häufig Strophenübergänge (vgl. z.B. van der Lugt 2006, S. 53) und sind damit ein starkes Indiz dafür, dass man an diesen Stellen das Magnifikat in Strophen aufzuteilen ist: Die Parallelismen würden dann den letzten Vers der ersten Strophe(V 48), den ersten und letzten Vers der der zweiten Strophe (V 49.50), den ersten Vers der dritten Strophe (V 51) und den ersten Vers der vierten Strophe (V 54) markieren. Das ὅτι ''denn'' in V. 49 ist dann mit Gunkel 1921, S. 47 dentsprechend dem hebräischen {{hebr}}כִי{{hebr ende}} als „allergeläufigste Uebergang, mit dem im Hymnus das Hauptstück dem Anfange hinzutritt.“, aufzufassen und im Deutschen auszusparen; etwa: „... von nun an wird jeder mich für glücklich halten: / <s>Denn</s> Der Mächtige hat Großes an mir getan!...“.</ref> | |||
: | {{S|49}}{denn (dafür, dass)<ref name="Dank" />}<ref name="Strophe" /> der Mächtige hat Großes an mir getan - {{par|Deuteronomium|10|21}} {{par|Psalmen|126|2|3}} | ||
: ... von | : {und (dessen)}<ref>Einige Exegeten halten dies für ein relatives καὶ (vgl. BDR §442) und übersetzen mit „der Mächtige ..., dessen Name heilig ist.“ (so z.B. NSS 1997, S. 357; Schürmann 1969, S. 74; vgl. auch GN; KAM; LUT84; ähnlich NeÜ); andere fassen es koordinierend auf und schließen es mit einem „und“ an den vorherigen Satz an. Letzteres ist wahrscheinlicher (vgl. z.B. Culy et. al. 2010, S. 44); da aber καὶ im Griechischen, anders als im Deutschen, auch einen mit dem vorigen Satz (relativ) unkoordinierten Satz einleiten kann, ist es stiltreuer, das „und“ in der deutschen Übersetzung ganz zu streichen.</ref> heilig ist sein Name (er)<ref>Biblizismus: Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“</ref>! - {{par|Psalmen|111|9}} | ||
{{S|50}}{und}<ref>S. zu ''<s>und</s>'' in V. 49.</ref> seine Huld (Gnade, Erbarmen, Barmherzigkeit)<ref>Meist: „Erbarmen“ oder „Barmherzigkeit“. ἔλεος ist in der LXX aber häufig die Übertragung von {{hebr}}חֵסֵד{{hebr ende}}, und daraus, dass es hier als etwas dargestellt wird, demgemäß sich Gott (1) schon Abraham gegenüber verhalten hat (V. 54f), das (2) jenen gilt, die ihn „fürchten“ (V. 50) und das (3) ebenso wie {{hebr}}חֵסֵד{{hebr ende}} etwas ist, das meist von Höhergestellten niedriger Gestellten entgegengebracht wird, wird klar, dass wir auch hier an dies {{hebr}}חֵסֵד{{hebr ende}} denken müssen (vgl. Clines 2011, S. 2f). {{hebr}}חֵסֵד{{hebr ende}} bezeichnet aber nicht etwa (wie es oft falsch heißt) die „weiche Seite“ Gottes, sondern steht für Gottes ''Bündnistreue'' und wird bes. in Situationen verwendet, in denen davon die Rede ist, dass ein niedriger Gestellter der Hilfe Gottes bedarf und Gott ihm diese Hilfe - getreu seinem Bund - auch gnädig gewährt (vgl. z.B. Waltke 2010, S. 443). Die treffendste Übertragung ist daher ohne Zweifel „Huld, Gnade“.</ref> [ist (währt)<ref name="PP">Verbloser Satz, der als PP fungiert und gelesen werden könnte als PP temporis, PP commodi oder PP relationis (vgl. Culy et. a. 2010, S. 44). Weil der Ausdruck γενεὰς καὶ γενεὰς aber wohl idiomatisch ist für „alle Generationen“ (ebd.; vgl. auch das [http://www.summascriptura.com/html/T12P_RG.html Testament des Levi 18,8]), liegt eine andere Lesart als die temporale recht fern. Eine freie, „deutschere“ und funktional äquivalentere Übertragung wäre wohl „Seine Huld währt auf ewig.“</ref>, wird sein (wird währen)<ref>Wegen εἰς γενεὰς καὶ γενεὰς (V. 50) ist die futurische Wiedergabe die hier einzig Sinnvolle.</ref>] in Generationen und Generationen (alle Generationen, ewig)<ref name="PP" /><br /> | |||
: für jene, die ihn fürchten.<ref>W.: „den ihn Fürchtenden“; Ptz. mit der Funktion des dativus commodi (daher: „für“) (vgl. Culy et. al. 2010, S. 44; NSS 1997, S. 357).</ref> {{par|Deuteronomium|5|10}} {{par|Deuteronomium|7|9}} {{par|Psalmen|103|11}} {{par|Psalmen|103|13}} {{par|Psalmen|103|17}} {{par|Psalmen_des_Salomo|10|4}} | |||
{{S|51}}[So hat er begonnen, zu tun, Nun wird er tun]<ref>VV. 51-54 stehen sechs Aoriste, über deren Semantik man sich in der Forschung den Kopf zerbricht. Theoretisch könnten sie sich beziehen (1) auf Vergangenes - etwa vergangene Heilstaten Gottes („historischer Aorist“), (2) auf Gottes übliche und überzeitliche Weise des Handelns („gnomischer Aorist“), (3) auf Gottes zukünftiges Handeln („futurischer Aorist“) oder (4) auf Sachverhalte, die zum Zeitpunkt des Betens bereits angebrochen sind, deren Vollendung aber noch aussteht („ingressiver Aorist“) (vgl. auch Grosvenor / Zerwick 1993, S. 173; NSS 1997, S. 357). Jede dieser vier Deutungen ist in der Forschung schon mehrfach vertreten worden (z.B.: (1) Bossuet / Weiß 1917, S. 404; Zahn 1913, S. 106; (2) NET; (3) Schürmann 1969, S. 75; (4) Meyer 1860, S. 248; ähnlich Schneider 1977, S. 56)<br /> | |||
{{S|51}}[So hat er begonnen, zu tun, Nun wird er tun]<ref>VV. 51-54 stehen sechs Aoriste, über deren Semantik man sich in der Forschung den Kopf zerbricht. Theoretisch könnten sie sich beziehen (1) auf Vergangenes - etwa vergangene Heilstaten Gottes („historischer Aorist“), (2) auf Gottes übliche und überzeitliche Weise des Handelns („gnomischer Aorist“), (3) auf Gottes zukünftiges Handeln („futurischer Aorist“) oder (4) auf Sachverhalte, die zum Zeitpunkt des Betens bereits angebrochen sind, deren Vollendung aber noch aussteht („ingressiver Aorist“) (vgl. auch Grosvenor / Zerwick 1993, S. 173; | |||
Da VV 51-54 aber immer noch zum selben Dankgebet gehört, zu denen auch die vorherigen Verse gehören, scheint mir sehr wahrscheinlich, dass die Tat, mit der Gott sich seines „Knechtes Israel“ angenommen hat (V. 54) die selbe ist, mit denen er sich auch seiner „Sklavin“ Maria angenommen hat (V. 48) (- ein recht eindeutiger Parallelismus, wenn man erst den Sinn der Verse richtig erkennt) - nämlich die Tatsache, dass er Maria trotz ihrer „Armut“ (V. 48) zur Mutter des Messias gemacht hat (vgl. auch Nolland 1989: „ἐποίησεν [...] picks up toe verb of v 48, which makes it unlikely that we have here a move into either the future or the general. What we have is a fresh description from a new angle of the event of v 49a.“). Jede Deutung neben der ingressiven würde diesen Zusammenhang zerstören und das Magnificat in zwei nur lose zusammenhängende Hälften reißen (- und dass die Zäsur zwischen den beiden Gedichtteilen (zw. V. 51 und 52, vgl. Bovon 1989, S. 83; NET; Schmithals 1980, S. 31; Schneider 1977, S. 57; Schürmann 1969, S. 70f.) so stark nicht ist, zeigen allein schon die zahlreichen lexikalischen Verbindungen zwischen den Teilen (z.B. Ταπείνωσις (V. 48) - ταπείνούς (V. 52) - πείνῶντας (V. 53); ἐποίησεν (V. 49) - ἐποίησεν (V. 51); ἔλεος (V. 50) - ἐλέους (V. 54); zudem die beiden Parallelismen zw. V 48a und V 54a einerseits und V 49a und V 51a andererseits)). Wenn nun Prinzip der Bibelinterpretation sein soll „Interpretiere einen Text stets als die bestmögliche Version seiner selbst“ (nach Patrick / Scult 1990, S. 84), wird die ingressive Lesart deshalb auch die sein, für die man sich entscheiden muss.<br /> | Da VV 51-54 aber immer noch zum selben Dankgebet gehört, zu denen auch die vorherigen Verse gehören, scheint mir sehr wahrscheinlich, dass die Tat, mit der Gott sich seines „Knechtes Israel“ angenommen hat (V. 54) die selbe ist, mit denen er sich auch seiner „Sklavin“ Maria angenommen hat (V. 48) (- ein recht eindeutiger Parallelismus, wenn man erst den Sinn der Verse richtig erkennt) - nämlich die Tatsache, dass er Maria trotz ihrer „Armut“ (V. 48) zur Mutter des Messias gemacht hat (vgl. auch Nolland 1989: „ἐποίησεν [...] picks up toe verb of v 48, which makes it unlikely that we have here a move into either the future or the general. What we have is a fresh description from a new angle of the event of v 49a.“). Jede Deutung neben der ingressiven würde diesen Zusammenhang zerstören und das Magnificat in zwei nur lose zusammenhängende Hälften reißen (- und dass die Zäsur zwischen den beiden Gedichtteilen (zw. V. 51 und 52, vgl. Bovon 1989, S. 83; NET; Schmithals 1980, S. 31; Schneider 1977, S. 57; Schürmann 1969, S. 70f.) so stark nicht ist, zeigen allein schon die zahlreichen lexikalischen Verbindungen zwischen den Teilen (z.B. Ταπείνωσις (V. 48) - ταπείνούς (V. 52) - πείνῶντας (V. 53); ἐποίησεν (V. 49) - ἐποίησεν (V. 51); ἔλεος (V. 50) - ἐλέους (V. 54); zudem die beiden Parallelismen zw. V 48a und V 54a einerseits und V 49a und V 51a andererseits)). Wenn nun Prinzip der Bibelinterpretation sein soll „Interpretiere einen Text stets als die bestmögliche Version seiner selbst“ (nach Patrick / Scult 1990, S. 84), wird die ingressive Lesart deshalb auch die sein, für die man sich entscheiden muss.<br /> | ||
Der obige Übersetzungsvorschlag versucht, durch die Hinzufügung des „so“ den Bezug des Folgenden auf das zuvor Geschilderte ausdrücklich zu machen und durch die des „er hatte begonnen“ den ingressiven Charakter des Folgenden zum Ausdruck zu bringen. Eine andere (allerdings weniger genaue, da nicht wirklich ingressive) Möglichkeit, die wahrscheinlich leichter zu einer gefälligen Lesefassung führt, wäre die Einleitung mit „Nun“ und der futurischen Wiedergabe des Folgenden.</ref> Machttaten (Gewalt, (seine) Herrschaft) hat er getan (ausgeübt)<ref name="Semitismus">weder (1) Ἐποίησεν κράτος („Machttaten hat er getan“) noch (2) ἐν βραχίονι αὐτοῦ („mit seinem Arm“) ist natürliches Griechisch. Beide Male handelt es sich wieder um Semitismen; vermutlich um Zitate aus dem Psalter (vgl. zu (1) Ps 60,14; Ps 108,14; Ps 118,15f.; zu (2) Ps 89,11; beide Male auch Culy et. al. 2010, S. 45; Plummer 1903, S. 33.<br /> | Der obige Übersetzungsvorschlag versucht, durch die Hinzufügung des „so“ den Bezug des Folgenden auf das zuvor Geschilderte ausdrücklich zu machen und durch die des „er hatte begonnen“ den ingressiven Charakter des Folgenden zum Ausdruck zu bringen. Eine andere (allerdings weniger genaue, da nicht wirklich ingressive) Möglichkeit, die wahrscheinlich leichter zu einer gefälligen Lesefassung führt, wäre die Einleitung mit „Nun“ und der futurischen Wiedergabe des Folgenden.</ref> Machttaten (Gewalt, (seine) Herrschaft) hat er getan (ausgeübt)<ref name="Semitismus">weder (1) Ἐποίησεν κράτος („Machttaten hat er getan“) noch (2) ἐν βραχίονι αὐτοῦ („mit seinem Arm“) ist natürliches Griechisch. Beide Male handelt es sich wieder um Semitismen; vermutlich um Zitate aus dem Psalter (vgl. zu (1) Ps 60,14; Ps 108,14; Ps 118,15f.; zu (2) Ps 89,11; beide Male auch Culy et. al. 2010, S. 45; Plummer 1903, S. 33.<br /> | ||
Der „Arm“ wird aber im Hebräischen häufiger verwendet als Symbol für Macht und Stärke (vgl. z.B. Clines 2011, S. 1f.; Wolff 1973, S. 108; ad loc. auch Culy et. al. 2010, S. 45; | Der „Arm“ wird aber im Hebräischen häufiger verwendet als Symbol für Macht und Stärke (vgl. z.B. Clines 2011, S. 1f.; Wolff 1973, S. 108; ad loc. auch Culy et. al. 2010, S. 45; NSS 1997, S. 357), so dass wir hier beinahe etwas wie eine „metaphorische figura etymologica“ vor uns haben: „Er hat Mächtiges mit seiner Macht gewirkt.“<br /> | ||
Auf diese Weise ist der Teilvers gleich doppelt stilistisch markiert. Gleichzeitig ist aber weder der Arm als Metapher der Stärke und Macht im Deutschen außerhalb der Bibel wirklich geläufig, noch scheint die Konstruktion der figura etymologica gutes Deutsch zu sein. Man wird daher diese stilistische Markierung wohl mit kommunikativeren Äquivalenten übersetzen müssen (z.B. einem Binnenreim wie „Gewaltiges hat er mit seiner Macht vollbracht“).</ref> mit seinem Arm (Macht)<ref name="Semitismus" />:<ref>Doppelpunkt sehr gut mit EÜ, Schneider 1977, S. 54 und dem unrevidierten NTL (leider nicht mehr im revidierten): Was folgt, sind einzelne Ausfaltungen des Sammelbegriffs „Machttaten“ in V. 51a.</ref> {{par|Jesaja|51|9|}} {{par|Psalmen|44|4|}} {{par|Psalmen|60|14|}} {{par|Psalmen|89|11|}} {{par|Psalmen|118|14|16}} {{par|Psalmen_des_Salomo|13|2|}}<br /> | Auf diese Weise ist der Teilvers gleich doppelt stilistisch markiert. Gleichzeitig ist aber weder der Arm als Metapher der Stärke und Macht im Deutschen außerhalb der Bibel wirklich geläufig, noch scheint die Konstruktion der figura etymologica gutes Deutsch zu sein. Man wird daher diese stilistische Markierung wohl mit kommunikativeren Äquivalenten übersetzen müssen (z.B. einem Binnenreim wie „Gewaltiges hat er mit seiner Macht vollbracht“).</ref> mit seinem Arm (Macht)<ref name="Semitismus" />:<ref>Doppelpunkt sehr gut mit EÜ, Schneider 1977, S. 54 und dem unrevidierten NTL (leider nicht mehr im revidierten): Was folgt, sind einzelne Ausfaltungen des Sammelbegriffs „Machttaten“ in V. 51a.</ref> {{par|Jesaja|51|9|}} {{par|Psalmen|44|4|}} {{par|Psalmen|60|14|}} {{par|Psalmen|89|11|}} {{par|Psalmen|118|14|16}} {{par|Psalmen_des_Salomo|13|2|}}<br /> | ||
: er zerstreute (machte zunichte)<ref>„zerstreuen“ ist im AT ein Ausdruck, der vor Allem verwendet wird, wenn davon die Rede ist, dass eine Armee vernichtend geschlagen wird (vgl. die Parallelstellen).<br /> | : er zerstreute (machte zunichte)<ref>„zerstreuen“ ist im AT ein Ausdruck, der vor Allem verwendet wird, wenn davon die Rede ist, dass eine Armee vernichtend geschlagen wird (vgl. die Parallelstellen).<br /> | ||
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{{S|54}}Er hat sich Israel, seines Sklaven (Knaben, Knechtes<ref>u.U. ist die Übersetzung durch „Knecht“ hier sogar eher zu empfehlen als die durch „Sklave“. Zwar ist rein intratextuell aufgrund des Parallelismus zur obigen Rede von der „Sklavin“ Maria auch hier „Sklave“ die sinnvollste Übersetzung, aber wenn man die Perspektive ein wenig weitet, stößt man auf ein häufiges Motiv, nämlich dem von Israel als der „Knecht Jahwes“ (vgl. die Parallelstellen). vgl. aber auch Fußnote g.</ref>) angenommen:<ref name="V 54">V 54b hat den Exegeten einiges Kopfzerbrechen bereitet. Er besteht aus einem Infinitiv und einem Akkusativ und lautete wörtlich übersetzt etwa „sich erinnern/denken an Huld“ (zu „Huld“ s.o.). Die Hauptschwierigkeit ist wohl, wie dieser Teilvers mit dem vorigen zusammenhängt. Bis vor einiger Zeit hat die Mehrzahl der Exegeten vermutet, dass es sich um einen finalen oder kausalen Infinitiv handle und V 54 dann etwas bedeute wie „Er hat sich Israels angenommen, um sich an seine Huld zu erinnern“ oder „Er hat sich Israels angenommen, weil er an seine Huld gedacht hat.“ Beide Lesarten verbildlichten dann aber einen merkwürdig „vergesslichen“ Gott und sind damit recht problematisch. Heute scheinen daher die meisten Exegeten zu denken, es handle sich um einen irgendwie unbestimmten, insgesamt recht beliebig deutbaren Infinitiv (vgl. z.B. | {{S|54}}Er hat sich Israel, seines Sklaven (Knaben, Knechtes<ref>u.U. ist die Übersetzung durch „Knecht“ hier sogar eher zu empfehlen als die durch „Sklave“. Zwar ist rein intratextuell aufgrund des Parallelismus zur obigen Rede von der „Sklavin“ Maria auch hier „Sklave“ die sinnvollste Übersetzung, aber wenn man die Perspektive ein wenig weitet, stößt man auf ein häufiges Motiv, nämlich dem von Israel als der „Knecht Jahwes“ (vgl. die Parallelstellen). vgl. aber auch Fußnote g.</ref>) angenommen:<ref name="V 54">V 54b hat den Exegeten einiges Kopfzerbrechen bereitet. Er besteht aus einem Infinitiv und einem Akkusativ und lautete wörtlich übersetzt etwa „sich erinnern/denken an Huld“ (zu „Huld“ s.o.). Die Hauptschwierigkeit ist wohl, wie dieser Teilvers mit dem vorigen zusammenhängt. Bis vor einiger Zeit hat die Mehrzahl der Exegeten vermutet, dass es sich um einen finalen oder kausalen Infinitiv handle und V 54 dann etwas bedeute wie „Er hat sich Israels angenommen, um sich an seine Huld zu erinnern“ oder „Er hat sich Israels angenommen, weil er an seine Huld gedacht hat.“ Beide Lesarten verbildlichten dann aber einen merkwürdig „vergesslichen“ Gott und sind damit recht problematisch. Heute scheinen daher die meisten Exegeten zu denken, es handle sich um einen irgendwie unbestimmten, insgesamt recht beliebig deutbaren Infinitiv (vgl. z.B. NSS 1997, S. 358: „Inf. m. freierem Gebrauch (entsprechend einem hebr. Inf. m. „mod.“ Bdtg. [... :] ''indem/wobei/weil er an (seine) Barmherzigkeit denkt''.“, was auch nicht wirklich befriedigt.<br /> | ||
Ich glaube, das Problem der Deutung von V 54 liegt an einem falschen Verständnis des Verbs. μνησθῆναι heißt zwar wirklich „sich erinnern, denken“, aber der Schlüssel zum richtigen Verständnis scheint der zu sein, zu sehen, dass μνησθῆναι in der LXX häufig als Übersetzung von {{hebr}}זָכַר{{hebr ende}} verwendet wird. Und dies {{hebr}}זָכַר{{hebr ende}} hat, wenn Gott das Subjekt ist, häufig eine Sonderbedeutung, nämlich „sich gnädig zuwenden.“ - vgl. z.B. TWAT I:513f.: „[... Es] greift das AT mit der Rede vom Gedenken Gottes an seine Verehrer auf eine bereits in seiner Umwelt vorgeprägte religiöse Begrifflichkeit zurück. Solches Gedenken der Gottheit meint ihre helfende und notwendende Zuwendung zum Menschen [...], wie sie etwa ''von der Kinderlosen in der Gabe des Kindes'' (Gen 30,22; 1Sam 1,11; 1Sam 1,19 [...]), aber auch in anderen Bedrängnissituationen und allgemein im zuteil werdenden göttlichen Segen (Ps 115,12) erfahren wird“ [meine Kursivierung].<br /> | Ich glaube, das Problem der Deutung von V 54 liegt an einem falschen Verständnis des Verbs. μνησθῆναι heißt zwar wirklich „sich erinnern, denken“, aber der Schlüssel zum richtigen Verständnis scheint der zu sein, zu sehen, dass μνησθῆναι in der LXX häufig als Übersetzung von {{hebr}}זָכַר{{hebr ende}} verwendet wird. Und dies {{hebr}}זָכַר{{hebr ende}} hat, wenn Gott das Subjekt ist, häufig eine Sonderbedeutung, nämlich „sich gnädig zuwenden.“ - vgl. z.B. TWAT I:513f.: „[... Es] greift das AT mit der Rede vom Gedenken Gottes an seine Verehrer auf eine bereits in seiner Umwelt vorgeprägte religiöse Begrifflichkeit zurück. Solches Gedenken der Gottheit meint ihre helfende und notwendende Zuwendung zum Menschen [...], wie sie etwa ''von der Kinderlosen in der Gabe des Kindes'' (Gen 30,22; 1Sam 1,11; 1Sam 1,19 [...]), aber auch in anderen Bedrängnissituationen und allgemein im zuteil werdenden göttlichen Segen (Ps 115,12) erfahren wird“ [meine Kursivierung].<br /> | ||
Einiges spricht dafür, hier auch μνησθῆναι so zu verstehen. Erstens käme, so verstanden, im Verb in etwa die selbe Idee zum Ausdruck, die auch im Substantiv (ἔλεος - s.o.) zum Ausdruck kommt. Zweitens steht der Teilvers hier parallel zur Rede von Gottes sich-Israels-erbarmen, was auch sehr gut zusammenpasst. Drittens sagten wir ja bereits oben, dass V 54a parallel steht zu V 48a und das in beiden Teilversen vermutlich auf die selbe Heilstat Bezug genommen hat, nämlich auf die, dass Gott Maria mit dem Messias „geschwängert“ hat - und (wie im TWAT-Zitat erkennbar ist) dies ist auch ein geläufiger Kontext, in der diese spezielle Sonderbedeutung von {{hebr}}זָכַר{{hebr ende}}(/μνησθῆναι) öfter zum Tragen kommt.<br /> | Einiges spricht dafür, hier auch μνησθῆναι so zu verstehen. Erstens käme, so verstanden, im Verb in etwa die selbe Idee zum Ausdruck, die auch im Substantiv (ἔλεος - s.o.) zum Ausdruck kommt. Zweitens steht der Teilvers hier parallel zur Rede von Gottes sich-Israels-erbarmen, was auch sehr gut zusammenpasst. Drittens sagten wir ja bereits oben, dass V 54a parallel steht zu V 48a und das in beiden Teilversen vermutlich auf die selbe Heilstat Bezug genommen hat, nämlich auf die, dass Gott Maria mit dem Messias „geschwängert“ hat - und (wie im TWAT-Zitat erkennbar ist) dies ist auch ein geläufiger Kontext, in der diese spezielle Sonderbedeutung von {{hebr}}זָכַר{{hebr ende}}(/μνησθῆναι) öfter zum Tragen kommt.<br /> | ||
Wenn erst erkannt ist, dass V 54b vom selben spricht wie V 54a, ist der Rest relativ einfach: Der Infinitiv wäre dann als epexegetischer Infinitiv zu deuten (vgl. auch Culy et. al. 2010, S. 46) - daher der Doppelpunkt -, und das Akkusativ-nomen wäre dann wohl zu deuten als accusativus respectus - daher die Alternative „was angeht“ oder, wesentlich besser, als adverbialer Akkusativ, daher die Alternativen „huldvoll, mit Huld“.</ref> {{par|Jesaja|41|8|}} {{par|Jesaja|42|1|}} {{par|Jesaja|44|21|}} {{par|Jesaja|49|3|}} {{par|Lukas|1|69|}} | Wenn erst erkannt ist, dass V 54b vom selben spricht wie V 54a, ist der Rest relativ einfach: Der Infinitiv wäre dann als epexegetischer Infinitiv zu deuten (vgl. auch Culy et. al. 2010, S. 46) - daher der Doppelpunkt -, und das Akkusativ-nomen wäre dann wohl zu deuten als accusativus respectus - daher die Alternative „was angeht“ oder, wesentlich besser, als adverbialer Akkusativ, daher die Alternativen „huldvoll, mit Huld“.</ref> {{par|Jesaja|41|8|}} {{par|Jesaja|42|1|}} {{par|Jesaja|44|21|}} {{par|Jesaja|49|3|}} {{par|Lukas|1|69|}} | ||
: er hat sich (gnädig) zugewandt (hat gedacht an)<ref name="V 54" /> mit [seiner] Huld (huldvoll, was seine Huld angeht)<ref name="V 54" /> {{par|Genesis|30|22|}} {{par|1_Samuel|1|11}}{{par|1_Samuel|1|19}} {{par|2_Samuel|22|51}} {{par|Psalmen|89|3|}} {{par|Psalmen_des_Salomon|16|5|}} -<ref name="V 55">Ein weiterer grammatischer Zweifelsfall: Es ist fraglich, wie V 54b, 55a und 55b sich zueinander verhalten. Vorgeschlagen wurde, (1) dass V 55a Parenthese ist und V 55b nicht mehr, sondern dativus commodi zu 54b („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Vätern verheißen hat - zugunsten von Abraham und seinen Nachkommen.“) - dies ist heute die Mehrheitsmeinung -, (2) dass V 55a eine Art „Nachsatz“ ist, V 55b zu diesem Nachsatz gehört und „verheißen hat“ näher bestimmt („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Väter zugunsten von Abraham und seinen Nachfahren auf ewig verheißen hat“) oder (3) dass V 55b inkongruente Apposition zu V 55a ist („Gott hat sich erbarmt - wie er unseren Vätern (Abraham und seinen Nachkommen auf ewig) verheißen hat“ (vgl. z.B. die Übersicht bei | : er hat sich (gnädig) zugewandt (hat gedacht an)<ref name="V 54" /> mit [seiner] Huld (huldvoll, was seine Huld angeht)<ref name="V 54" /> {{par|Genesis|30|22|}} {{par|1_Samuel|1|11}}{{par|1_Samuel|1|19}} {{par|2_Samuel|22|51}} {{par|Psalmen|89|3|}} {{par|Psalmen_des_Salomon|16|5|}} -<ref name="V 55">Ein weiterer grammatischer Zweifelsfall: Es ist fraglich, wie V 54b, 55a und 55b sich zueinander verhalten. Vorgeschlagen wurde, (1) dass V 55a Parenthese ist und V 55b nicht mehr, sondern dativus commodi zu 54b („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Vätern verheißen hat - zugunsten von Abraham und seinen Nachkommen.“) - dies ist heute die Mehrheitsmeinung -, (2) dass V 55a eine Art „Nachsatz“ ist, V 55b zu diesem Nachsatz gehört und „verheißen hat“ näher bestimmt („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Väter zugunsten von Abraham und seinen Nachfahren auf ewig verheißen hat“) oder (3) dass V 55b inkongruente Apposition zu V 55a ist („Gott hat sich erbarmt - wie er unseren Vätern (Abraham und seinen Nachkommen auf ewig) verheißen hat“ (vgl. z.B. die Übersicht bei NSS 1997, S. 358).<br /> | ||
Möglichkeit (3) ist eher unwahrscheinlich, da inkongruente Appositionen auch im Griechischen recht selten sind und „Abraham und alle seine Nachommen“ sich nicht recht mit „unsere Vorfahren“ decken will (so z.B. auch Zahn 1913, S. 107; ähnlich auch Weiss 1901, S. 287). Für (1) spricht, dass anders als bei (2) (und (3)) ein Objekt von Gottes Erbarmen identifiziert würde (nämlich Abraham), während (2) den Übersetzer zwingen würde, ein solches zu ergänzen ([ihm], d.i. „Israel, seinem Knecht“).<br /> | Möglichkeit (3) ist eher unwahrscheinlich, da inkongruente Appositionen auch im Griechischen recht selten sind und „Abraham und alle seine Nachommen“ sich nicht recht mit „unsere Vorfahren“ decken will (so z.B. auch Zahn 1913, S. 107; ähnlich auch Weiss 1901, S. 287). Für (1) spricht, dass anders als bei (2) (und (3)) ein Objekt von Gottes Erbarmen identifiziert würde (nämlich Abraham), während (2) den Übersetzer zwingen würde, ein solches zu ergänzen ([ihm], d.i. „Israel, seinem Knecht“).<br /> | ||
Nach dieser Lesart wären V 54b und 55b einfach eine Näherbestimmung von 54a (was gut mit der Deutung des Infinitivs als epexegitischem Infinitiv zusammenpasst) und 55a wirklich eine Parenthese (daher die Ergänzung des „ja auch“), in der Bekanntes anklingt: In der Tat ist ja den Vorvätern der Israeliten immer wieder verheißen worden, dass Gott sich Abraham und seinen Nachfahren gegenüber gemäß seiner Bundestreue verhalten werde.</ref> {{par|Psalmen_des_Salomo|16|3|}} | Nach dieser Lesart wären V 54b und 55b einfach eine Näherbestimmung von 54a (was gut mit der Deutung des Infinitivs als epexegitischem Infinitiv zusammenpasst) und 55a wirklich eine Parenthese (daher die Ergänzung des „ja auch“), in der Bekanntes anklingt: In der Tat ist ja den Vorvätern der Israeliten immer wieder verheißen worden, dass Gott sich Abraham und seinen Nachfahren gegenüber gemäß seiner Bundestreue verhalten werde.</ref> {{par|Psalmen_des_Salomo|16|3|}} | ||
Version vom 12. August 2014, 11:49 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (Lukas 1)
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45
46Und Maria sprach:
„Ich preise den Herrn,
- 47ich danke Gott, meinem Retter
48dafür, dass er sich meiner angenommen hat -
- von nun an wird jeder mich für glücklich halten!:
49Der Mächtige hat Großes an mir getan.
- Heilig ist er!
50Seine Huld wird ewig währen
- für jene, die ihn fürchten.
51Nun wird er Gewaltiges mit seiner Macht wirken:
- Er wird Hochmütige vernichten;
52er wird Machthaber von ihren Thronen herabstürzen
- und Arme erhöhen;
53Hungernde wird er mit Gutem bereichern
- und Reiche mit leeren Händen fortschicken.
54Er hat sich Israels angenommen:
- er hat sich gnädig mit seiner Huld zugewandt
55Abraham und seiner ganzen Nachkommenschaft -
- gerade so, wie er es unseren Vorfahren verheißen hat.
56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80
Anmerkungen
Studienfassung (Lukas 1)
1 Seit viele es unternommen haben, aufzuschreiben eine Erzählung der Dinge, die unter uns völlig geglaubt werden, 2 so, wie es uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren, 3 scheint es auch mir, der ich von Anfang an allem sorgfältig nachgegangen bin, der Reihe nach dir aufzuschreiben, vortrefflichster Theophilus, 4 damit du erkennst, in den Dingen, in denen du unterrichtet worden bist, die Sicherheit der Worte. 5 Es war in den Zeiten des Herodes, König von Judäa, irgendein Priester mit Namen Zacharias, aus der Klasse (Wochendienst) des Abijah, und seine Frau war aus den Töchtern des Aaron und der Name dieser war Elisabeth. 6 Es waren aber beide gerecht vor Gott, wobei beide in allen Befehlen und Satzungen des Herrn untadelig (fehlerlos) wandelten. 7 Aber es war ihnen kein Kind, weil die Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren alt in ihren Tagen. 8 Es war aber, als er seinen Priesterdienst leistete, in der Ordnung seiner Klasse (seines Wochendienstes), vor Gott, 9 gemäß des Brauches der Priesterschaft, erhielt er das Los, den Weihrauch im Tempel des Herrn darzubringen, 10 und die ganze Menge des Volkes war außerhalb, betend, zur Stunde des Weihrauches. 11 Es erschien ihm aber ein Engel des Herrn, stehend auf der Rechten des Altars des Weihrauches. 12 Und er geriet in Unruhe, als Zacharias ihn sah und es fiel Furcht auf ihn. 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 Dieser wird groß sein und er wird Sohn des Allerhöchsten genannt werden und der Herr, Gott, wird ihm geben den Thron Davids, seines Vaters. 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46Und Maria〈a〉 sprach:℘
„Meine Seele (Ich)〈b〉 preist (macht groß〈c〉, dankt)〈d〉 den Herrn ℘ ℘ ℘ ℘
48denn (dafür, dass)〈d〉 auf die Armut (Niedrigkeit, Demut)〈f〉 seiner Sklavin (Magd)〈g〉 hat er geschaut (sich angenommen)〈h〉 ℘ ℘ ℘ ℘ -
- {siehe}〈i〉 von nun an halten für glücklich (werden mich für glücklich halten)〈j〉 mich alle Geschlechter (jeder)! ℘ ℘ ℘ ℘- (:)〈k〉
49{denn (dafür, dass)〈d〉}〈k〉 der Mächtige hat Großes an mir getan - ℘ ℘
50{und}〈n〉 seine Huld (Gnade, Erbarmen, Barmherzigkeit)〈o〉 [ist (währt)〈p〉, wird sein (wird währen)〈q〉] in Generationen und Generationen (alle Generationen, ewig)〈p〉
51[So hat er begonnen, zu tun, Nun wird er tun]〈s〉 Machttaten (Gewalt, (seine) Herrschaft) hat er getan (ausgeübt)〈t〉 mit seinem Arm (Macht)〈t〉:〈u〉 ℘ ℘ ℘ ℘ ℘ ℘
- er zerstreute (machte zunichte)〈v〉 Hochmütige (Stolze)〈w〉 an der Gesinnung aus ihren Herzen (ihres Herzens〈x〉, ihres Gemüts〈y〉) (Hochmütige)〈z〉 ℘ ℘ ℘ ℘ ℘ ℘ ℘ ℘ ℘ ℘;
52er stürzte Machthaber (Mächtige)〈aa〉 von [ihren] Thronen [herab]〈ab〉 ℘〈ac〉
53Hungernde〈ad〉 bereichert (füllt, sättigt)〈ae〉 er mit Gutem (Gütern) ℘ ℘
54Er hat sich Israel, seines Sklaven (Knaben, Knechtes〈ag〉) angenommen:〈ah〉 ℘ ℘ ℘ ℘ ℘
- er hat sich (gnädig) zugewandt (hat gedacht an)〈ah〉 mit [seiner] Huld (huldvoll, was seine Huld angeht)〈ah〉 ℘ ℘℘ ℘ ℘ ℘ -〈ai〉 ℘
55wie er es (ja auch)〈ai〉 unseren Vätern (Vorfahren) gesagt hat (verheißen hat)〈aj〉 ℘ -
- (für) Abraham und seinem Samen (seine Nachkommen) auf ewig (allen seinen Nachkommen, seiner ganzen Nachkommenschaft). ℘ ℘ ℘℘
56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80
Anmerkungen
| a | Textkritik: Drei altlateinische Handschriften (ms. a (4. Jh.), b (5. Jh.) und 1* (7./8. Jh. - hier allerdings nachträglich wieder korrigiert zu „Maria“)) haben statt „Maria“ „Elisabeth“; zudem sprechen auch zwei Mss. von Irenäus´ „Adv. Haer.“ 4,7,1 von Elisabeth als der Sängerin des Magnifikats (aber auch hier haben die restlichen Mss. „Maria“; außerdem heißt es selbst in diesen Mss. an anderer Stelle, dass Maria die Sängerin wäre). Auch eine Origines-Übersetzung des Hieronymus ist überliefert, die erkennen lässt, dass wohl auch Origines diese Elisabeth-Variante kannte. Diese textkritische Evidenz ist sehr gering; dennoch wird seit Loisy 1907 und Harnack 1900 immer wieder darüber diskutiert. Drei Positionen haben sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert (vgl. die Übersicht in Metzger 109):
|
| b | Sehr gebräuchlicher Semitismus; „Seele“ und „Geist“ dient nur als Wechselbegriff für „ich“ (vgl. Wolff 1973, S. 25f; ad. loc. auch Bovon 1989, S. 87; Culy et. al. 2010, S. 42; Noland 1989) - eine hebräische Stileigentümlichkeit, die es im Deutschen nicht gibt und die daher in der LF als „ich preise“ übertragen werden muss. Sehr ähnliche Stellen finden sich in der Bibel z.B. in Ps 34,3; 35,9; 103,1f.22; 104,1.35; 146,2; Tob 13,15. (Zurück zu v.46 / zu v.47) |
| c | So eine häufig gewählte und auch durchaus zulässige Übersetzung von μεγαλύνειν (vgl. BA 1007; BAG 497; Gemoll 518; LSJ; Muraoka 445; Pape 108; Thayer). Sie macht aber in unserem Zusammenhang nicht viel Sinn, denn sicher will der Autor nicht sagen, dass Gottes „Groß-Sein“ der Seele Mariens geschuldet wäre. (Zurück zu v.46) |
| d | Vv. 46f. verdichten einen weiteren Semitismus: „X preist Y, denn Z“ ist im Hebräischen eine formelhafte Wendung für „X dankt Y für Z“ (vgl. Lande 1949, S. 106f). Hier lässt sich sich besonders leicht ins Deutsche übertragen: Da ἠγαλλίασεν im synonymen Parallelismus zu μεγαλύνει steht, kann eines der beiden Glieder ohne semantische Einbußen problemlos durch „danken“ ersetzt werden. Übersetze: „Ich preise den Herrn / und danke ihm dafür, dass...“. (Zurück zu v.46 / zu v.47 / zu v.48 / zu v.49) |
| e | ἠγαλλίασεν steht im Gegensatz zu μεγαλύνει (Präsens) im Aorist, weshalb z.B. NET hier ingressiv übersetzen will mit „has begun to rejoice“; ebenso Bovon 1989; Nolland 1989. Vermutlich ist aber auch dies als stilistischer Semitismus zu verstehen, nämlich als (bedeutungsloser) T-Shift (so die Mehrheit, z.B. Grosvenor/Zerwick 1993, S. 173; Gunkel 1921, S. 46; NSS, S. 356; Schürmann 1969, S. 73; Weiss 1901, S. 285). (Zurück zu v.47) |
| f | Meist: „Niedrigkeit“. Die zweite Alternative, „Demut“, ist recht unwahrscheinlich, denn hierfür stehen in LXX und NT eigene Begriffe bereit. Ταπείνωσις ist hier relativ sicher sozial bzw. wirtschaftlich als „Armut“ zu verstehen (Bovon 1989, S. 88; Clines 2011, S. 5; Krüger 2005, S. 2; Plummer 1903, S. 32), da es gut zusammenstimmt mit dem folgenden δούλη und auch dadurch nahegelegt wird, dass in V. 52 ταπεινούς kontrastiert wird mit δυνάστας; zudem ist der Gegensatz von Reichen und Armen ein häufigeres lukanisches Theologumenon (vgl. z.B. Lk 4,18f). Schnackenburg 1965, S. 346f. glaubt außerdem, zusätzlich Parallelen von hier zum Motiv der Armenfrömmigkeit in Qumran ziehen zu können. „Niedrigkeit“ ist eine unnötige Verallgemeinerung. Einige denken aufgrund der Parallelen des Verses zu 1Sam 1,11; Ps 113 und 4Esra 9,45 daran, dass es sich hier um einen stehenden Ausdruck für Unfruchtbarkeit handeln würde (z.B. Zorell 1928, S. 288f.; ähnlich Klein 2006, S. 108f). Aus dem Mund Mariens macht das aber keinen Sinn und es spricht auch nichts gegen und einiges für die Lesart „Armut“, weshalb diese auf jeden Fall vorzuziehen ist (vgl. auch Bossuet / Weiß 1917, S. 404; Schürmann 1969, S. 73f.). |
| g | Meist: „Magd“; δούλη bedeutet aber „Sklavin“ und nur in Einzelfällen wird es allgemein für soziale Rangunterschiede verwendet (aber auch hierfür wäre „Magd“ eine eher unpassende Übersetzung). Sowohl die Rede von der „Armut“ als auch vom „Sklave-seins“ Mariens ist hier aber merkwürdig funktionslos, abgesehen davon, dass es in Kombination mit der Rede von Gott als Mariens „Herrn“ eine klare Hierarchie verdichtet. Das ist wohl auch der Schlüssel zum richtigen Verständnis der beiden Ausdrücke: Wie auch in 1Sam 1,11 ist die Rede von der „Sklavin Gottes“ wohl nicht wörtlich, sondern als Höflichkeitsstrategie zu verstehen (vgl. z.B. Warren-Rothlin 2007, S. 61f; Dahood 1970, S. 374 zu Ps 19,14; 27,9; 31,17; 69,18; 86,2; 119,135). Man bezeichnet das als „soziale Deixis“: Aus Höflichkeitsgründen wird ein Rangunterschied vom niedriger Gestellten besonders betont (wie man z.B. auch im Deutschen den Papst nicht mit „Lieber Papst“, sondern mit „Heiliger Vater“ anschreiben würde). Das selbe gilt vermutlich auch für V. 54a. Eine wörtliche Übersetzung würde dies aber verschleiern, so dass man in der Lesefassung vielleicht besser auf andere Übersetzungsweisen zurückgreifen sollte, z.B. schlicht auf die Streichung von „seiner Sklavin in ihrer Armut“ in V. 48a (denn das hierarchische Gefüge wird ja schon durch den Ausdruck „Herr“ in V. 47 deutlich genug). (Zurück zu v.48) |
| h | Biblizismus: Die Rede von Gottes auf-etwas-Blicken steht im AT metaphorisch für für gnädige Akte Gottes wie etwa Gebetserhörungen (vgl. z.B. TLOT 1263f.). Das Verb ἐπέβλεψεν einfach wörtlich zu übersetzen, würde diese eigentliche Bedeutung des Verses verdunkeln. Besser wäre eine Paraphrase wie „Er hat sich seiner Sklavin in ihrer Armut angenommen“; zu „seiner Sklavin in ihrer Armut“ s. aber noch die vorige FN. (Zurück zu v.48) |
| i | ἰδοὺ i.d.R. (wie auch hier) nicht mehr als bloße Fokuspartikel. (Zurück zu v.48) |
| j | Allzu viele Übersetzungen und Kommentare denken, dass diese Aussage bedeute, Maria sähe hier bereits ihre Verehrung durch künftige Generationen voraus und übersetzen etwa „preisen mich selig“ (vgl. z.B. Bovon 1989, S. 88; Klein 20006, S. 113; Schürmann 1969, S. 74; Storr u.ö.). Aber μακαρίζειν bedeutet wahrscheinlich auch hier (wie auch sonst öfters) einfach, dass sie für glücklich gehalten wird oder aufgrund dieses für-glücklich-gehalten-Werdens als glücklich bezeichnet wird - vielleicht ein Semitismus: Die hebräische Entsprechung von μακαρίζειν ist אָשַר II, was von SDBH folgendermaßen näher bestimmt wird: „[to] communicate to someone else that you consider him/her or someone else fortunate and blessed by God“ (SDBH). Diesem wohl falschen Verständnis der Stelle soll mit obiger Übersetzung vorgebeugt werden. Wegen ἀπὸ τοῦ νῦν (v. 48) ist die in der Klammer angegebene futurische Wiedergabe die hier einzig Sinnvolle. (Zurück zu v.48) |
| k | V 48a steht mit V 54a, V 49b mit V 50a und V 49a mit V 51a im Parallelismus. Solche Parallelismen markieren in der biblischen Poesie häufig Strophenübergänge (vgl. z.B. van der Lugt 2006, S. 53) und sind damit ein starkes Indiz dafür, dass man an diesen Stellen das Magnifikat in Strophen aufzuteilen ist: Die Parallelismen würden dann den letzten Vers der ersten Strophe(V 48), den ersten und letzten Vers der der zweiten Strophe (V 49.50), den ersten Vers der dritten Strophe (V 51) und den ersten Vers der vierten Strophe (V 54) markieren. Das ὅτι denn in V. 49 ist dann mit Gunkel 1921, S. 47 dentsprechend dem hebräischen כִי als „allergeläufigste Uebergang, mit dem im Hymnus das Hauptstück dem Anfange hinzutritt.“, aufzufassen und im Deutschen auszusparen; etwa: „... von nun an wird jeder mich für glücklich halten: / |
| l | Einige Exegeten halten dies für ein relatives καὶ (vgl. BDR §442) und übersetzen mit „der Mächtige ..., dessen Name heilig ist.“ (so z.B. NSS 1997, S. 357; Schürmann 1969, S. 74; vgl. auch GN; KAM; LUT84; ähnlich NeÜ); andere fassen es koordinierend auf und schließen es mit einem „und“ an den vorherigen Satz an. Letzteres ist wahrscheinlicher (vgl. z.B. Culy et. al. 2010, S. 44); da aber καὶ im Griechischen, anders als im Deutschen, auch einen mit dem vorigen Satz (relativ) unkoordinierten Satz einleiten kann, ist es stiltreuer, das „und“ in der deutschen Übersetzung ganz zu streichen. (Zurück zu v.49) |
| m | Biblizismus: Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“ (Zurück zu v.49) |
| n | S. zu |
| o | Meist: „Erbarmen“ oder „Barmherzigkeit“. ἔλεος ist in der LXX aber häufig die Übertragung von חֵסֵד, und daraus, dass es hier als etwas dargestellt wird, demgemäß sich Gott (1) schon Abraham gegenüber verhalten hat (V. 54f), das (2) jenen gilt, die ihn „fürchten“ (V. 50) und das (3) ebenso wie חֵסֵד etwas ist, das meist von Höhergestellten niedriger Gestellten entgegengebracht wird, wird klar, dass wir auch hier an dies חֵסֵד denken müssen (vgl. Clines 2011, S. 2f). חֵסֵד bezeichnet aber nicht etwa (wie es oft falsch heißt) die „weiche Seite“ Gottes, sondern steht für Gottes Bündnistreue und wird bes. in Situationen verwendet, in denen davon die Rede ist, dass ein niedriger Gestellter der Hilfe Gottes bedarf und Gott ihm diese Hilfe - getreu seinem Bund - auch gnädig gewährt (vgl. z.B. Waltke 2010, S. 443). Die treffendste Übertragung ist daher ohne Zweifel „Huld, Gnade“. (Zurück zu v.50) |
| p | Verbloser Satz, der als PP fungiert und gelesen werden könnte als PP temporis, PP commodi oder PP relationis (vgl. Culy et. a. 2010, S. 44). Weil der Ausdruck γενεὰς καὶ γενεὰς aber wohl idiomatisch ist für „alle Generationen“ (ebd.; vgl. auch das Testament des Levi 18,8), liegt eine andere Lesart als die temporale recht fern. Eine freie, „deutschere“ und funktional äquivalentere Übertragung wäre wohl „Seine Huld währt auf ewig.“ (zu v.50) |
| q | Wegen εἰς γενεὰς καὶ γενεὰς (V. 50) ist die futurische Wiedergabe die hier einzig Sinnvolle. (Zurück zu v.50) |
| r | W.: „den ihn Fürchtenden“; Ptz. mit der Funktion des dativus commodi (daher: „für“) (vgl. Culy et. al. 2010, S. 44; NSS 1997, S. 357). (Zurück zu v.50) |
| s | VV. 51-54 stehen sechs Aoriste, über deren Semantik man sich in der Forschung den Kopf zerbricht. Theoretisch könnten sie sich beziehen (1) auf Vergangenes - etwa vergangene Heilstaten Gottes („historischer Aorist“), (2) auf Gottes übliche und überzeitliche Weise des Handelns („gnomischer Aorist“), (3) auf Gottes zukünftiges Handeln („futurischer Aorist“) oder (4) auf Sachverhalte, die zum Zeitpunkt des Betens bereits angebrochen sind, deren Vollendung aber noch aussteht („ingressiver Aorist“) (vgl. auch Grosvenor / Zerwick 1993, S. 173; NSS 1997, S. 357). Jede dieser vier Deutungen ist in der Forschung schon mehrfach vertreten worden (z.B.: (1) Bossuet / Weiß 1917, S. 404; Zahn 1913, S. 106; (2) NET; (3) Schürmann 1969, S. 75; (4) Meyer 1860, S. 248; ähnlich Schneider 1977, S. 56) Da VV 51-54 aber immer noch zum selben Dankgebet gehört, zu denen auch die vorherigen Verse gehören, scheint mir sehr wahrscheinlich, dass die Tat, mit der Gott sich seines „Knechtes Israel“ angenommen hat (V. 54) die selbe ist, mit denen er sich auch seiner „Sklavin“ Maria angenommen hat (V. 48) (- ein recht eindeutiger Parallelismus, wenn man erst den Sinn der Verse richtig erkennt) - nämlich die Tatsache, dass er Maria trotz ihrer „Armut“ (V. 48) zur Mutter des Messias gemacht hat (vgl. auch Nolland 1989: „ἐποίησεν [...] picks up toe verb of v 48, which makes it unlikely that we have here a move into either the future or the general. What we have is a fresh description from a new angle of the event of v 49a.“). Jede Deutung neben der ingressiven würde diesen Zusammenhang zerstören und das Magnificat in zwei nur lose zusammenhängende Hälften reißen (- und dass die Zäsur zwischen den beiden Gedichtteilen (zw. V. 51 und 52, vgl. Bovon 1989, S. 83; NET; Schmithals 1980, S. 31; Schneider 1977, S. 57; Schürmann 1969, S. 70f.) so stark nicht ist, zeigen allein schon die zahlreichen lexikalischen Verbindungen zwischen den Teilen (z.B. Ταπείνωσις (V. 48) - ταπείνούς (V. 52) - πείνῶντας (V. 53); ἐποίησεν (V. 49) - ἐποίησεν (V. 51); ἔλεος (V. 50) - ἐλέους (V. 54); zudem die beiden Parallelismen zw. V 48a und V 54a einerseits und V 49a und V 51a andererseits)). Wenn nun Prinzip der Bibelinterpretation sein soll „Interpretiere einen Text stets als die bestmögliche Version seiner selbst“ (nach Patrick / Scult 1990, S. 84), wird die ingressive Lesart deshalb auch die sein, für die man sich entscheiden muss. |
| t | weder (1) Ἐποίησεν κράτος („Machttaten hat er getan“) noch (2) ἐν βραχίονι αὐτοῦ („mit seinem Arm“) ist natürliches Griechisch. Beide Male handelt es sich wieder um Semitismen; vermutlich um Zitate aus dem Psalter (vgl. zu (1) Ps 60,14; Ps 108,14; Ps 118,15f.; zu (2) Ps 89,11; beide Male auch Culy et. al. 2010, S. 45; Plummer 1903, S. 33. Der „Arm“ wird aber im Hebräischen häufiger verwendet als Symbol für Macht und Stärke (vgl. z.B. Clines 2011, S. 1f.; Wolff 1973, S. 108; ad loc. auch Culy et. al. 2010, S. 45; NSS 1997, S. 357), so dass wir hier beinahe etwas wie eine „metaphorische figura etymologica“ vor uns haben: „Er hat Mächtiges mit seiner Macht gewirkt.“ |
| u | Doppelpunkt sehr gut mit EÜ, Schneider 1977, S. 54 und dem unrevidierten NTL (leider nicht mehr im revidierten): Was folgt, sind einzelne Ausfaltungen des Sammelbegriffs „Machttaten“ in V. 51a. (Zurück zu v.51) |
| v | „zerstreuen“ ist im AT ein Ausdruck, der vor Allem verwendet wird, wenn davon die Rede ist, dass eine Armee vernichtend geschlagen wird (vgl. die Parallelstellen). Was es sicher nicht bedeutet, ist etwas wie „er fegt die Überheblichen hinweg“ (BB, GN) oder gar „er zersprengt die im Herzen hochmütig Gesinnten“ (Bossuet / Weiß, Stier) (Zurück zu v.51) |
| w | zur „Hochmut“ im alten Judentum vgl. das in Billerbeck / Strack 1924, S. 101ff. zusammengetragene Material (Zurück zu v.51) |
| x | collectiver genetivus auctoris im Deutschen i.d.R. im Sg. (Zurück zu v.51) |
| y | Das Herz ist in der hebräischen Vorstellung Sitz v.a. der Stimmungen und Gestimmtheiten (vgl. Wolff 1973, S. 74f.) und entspricht damit am ehesten unserem Wort „Gemüt“ - eine wörtliche Übertragung wäre hier irreführend. (Zurück zu v.51) |
| z | Ohnehin ist beim ganzen Teilvers von einer wörtlichen Übertragung abzuraten: [ὑπερηφάνους - [Dat. rel.: διανοίᾳ - [Gen. sub. (/ auct.?).: καρδίας - [Gen. poss.: αὐτῶν]]]], also wörtl. etwa „hochmütig an der Stimmung ihres Gemüts (/ aus ihrem Gemüt?)“ besagt nicht mehr als „hochmütig gestimmt“ oder einfach „hochmütig“. Im Griechischen mag eine solche Konstruktion normal klingen, im Deutschen wirkt diese Häufung hochgradig redundant, so dass eine wörtliche Übertragung bestenfalls eine stilistische Verfälschung des Urtexts bedeutete. (Zurück zu v.51) |
| aa | da Gott die δυνάστας von ihren Thronen stürzt, ist „Machthaber“ hier die kontextuell wesentlich passendere Übertragung. (Zurück zu v.52) |
| ab | diese Hinzufügung stellt den Gegensatz der Abwärtsbewegung 52a und der Aufwärtsbewegung 52b besser heraus; ich würde sie auch für die Lesefassung empfehlen. (Zurück zu v.52) |
| ac | auch diese Stelle soll wegen ihrer eingeschränkten Zugänglichkeit direkt zitiert werden: „Dieser Menschensohn, den du sahest, |
| ad | die Wortstellung VV 52-53 sollte beibehalten werden, da sie eine chiastische Doppelstruktur hat: V 52: V - S / V - S; V 53: S - V / S - V (Zurück zu v.53) |
| ae | wörtl. „füllt“; häufig freier übertragen mit „sättigen“, was zwar dem Kontext gut gerecht wird, aber erst dann Sinn machen würde, wenn auch 53b etwas wie „hungrig“ stehen würde (ansonsten verdunkelte diese freiere Übersetzung bis zu einem gewissen Grade den Gegensatz 53a - 53b). V. 53 ist interessant für ein stilgerechtes Übersetzen: ἐνέπλησεν („füllen“) (53a) bildet einen Gegensatz mit κενούς („leer, mit leeren Händen“ (BA 870)) (53b) und ist etymologisch verwandt mit πλουτοῦντας („reich seiende, Reiche“), außerdem ist eines der Wortbildungsmorpheme (ἐν- („ein-, hinein-“)) das Gegensätzliche zu ἐξ- in ἐξαπέστειλεν („fortsenden“) (53b). Eine rein an diesen Wortspielen orientierte Übertragung würde ungefähr so gehen wie „in Hungernde füllt er Gutes hinein / und Befüllte schickt er ungefüllt hinaus“, was natürlich keine gute Übersetzung ist und auch dem Wortsinn gar nicht gerecht wird. Ich bin bisher zu noch keiner Lösung gekommen, wie dieser Vers gleichzeitig kommunikativ und inhaltlich und stilistisch äquivalent übertragen werden könnte. (Zurück zu v.53) |
| af | BA 870 (Zurück zu v.53) |
| ag | u.U. ist die Übersetzung durch „Knecht“ hier sogar eher zu empfehlen als die durch „Sklave“. Zwar ist rein intratextuell aufgrund des Parallelismus zur obigen Rede von der „Sklavin“ Maria auch hier „Sklave“ die sinnvollste Übersetzung, aber wenn man die Perspektive ein wenig weitet, stößt man auf ein häufiges Motiv, nämlich dem von Israel als der „Knecht Jahwes“ (vgl. die Parallelstellen). vgl. aber auch Fußnote g. (Zurück zu v.54) |
| ah | V 54b hat den Exegeten einiges Kopfzerbrechen bereitet. Er besteht aus einem Infinitiv und einem Akkusativ und lautete wörtlich übersetzt etwa „sich erinnern/denken an Huld“ (zu „Huld“ s.o.). Die Hauptschwierigkeit ist wohl, wie dieser Teilvers mit dem vorigen zusammenhängt. Bis vor einiger Zeit hat die Mehrzahl der Exegeten vermutet, dass es sich um einen finalen oder kausalen Infinitiv handle und V 54 dann etwas bedeute wie „Er hat sich Israels angenommen, um sich an seine Huld zu erinnern“ oder „Er hat sich Israels angenommen, weil er an seine Huld gedacht hat.“ Beide Lesarten verbildlichten dann aber einen merkwürdig „vergesslichen“ Gott und sind damit recht problematisch. Heute scheinen daher die meisten Exegeten zu denken, es handle sich um einen irgendwie unbestimmten, insgesamt recht beliebig deutbaren Infinitiv (vgl. z.B. NSS 1997, S. 358: „Inf. m. freierem Gebrauch (entsprechend einem hebr. Inf. m. „mod.“ Bdtg. [... :] indem/wobei/weil er an (seine) Barmherzigkeit denkt.“, was auch nicht wirklich befriedigt. Ich glaube, das Problem der Deutung von V 54 liegt an einem falschen Verständnis des Verbs. μνησθῆναι heißt zwar wirklich „sich erinnern, denken“, aber der Schlüssel zum richtigen Verständnis scheint der zu sein, zu sehen, dass μνησθῆναι in der LXX häufig als Übersetzung von זָכַר verwendet wird. Und dies זָכַר hat, wenn Gott das Subjekt ist, häufig eine Sonderbedeutung, nämlich „sich gnädig zuwenden.“ - vgl. z.B. TWAT I:513f.: „[... Es] greift das AT mit der Rede vom Gedenken Gottes an seine Verehrer auf eine bereits in seiner Umwelt vorgeprägte religiöse Begrifflichkeit zurück. Solches Gedenken der Gottheit meint ihre helfende und notwendende Zuwendung zum Menschen [...], wie sie etwa von der Kinderlosen in der Gabe des Kindes (Gen 30,22; 1Sam 1,11; 1Sam 1,19 [...]), aber auch in anderen Bedrängnissituationen und allgemein im zuteil werdenden göttlichen Segen (Ps 115,12) erfahren wird“ [meine Kursivierung]. |
| ai | Ein weiterer grammatischer Zweifelsfall: Es ist fraglich, wie V 54b, 55a und 55b sich zueinander verhalten. Vorgeschlagen wurde, (1) dass V 55a Parenthese ist und V 55b nicht mehr, sondern dativus commodi zu 54b („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Vätern verheißen hat - zugunsten von Abraham und seinen Nachkommen.“) - dies ist heute die Mehrheitsmeinung -, (2) dass V 55a eine Art „Nachsatz“ ist, V 55b zu diesem Nachsatz gehört und „verheißen hat“ näher bestimmt („Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Väter zugunsten von Abraham und seinen Nachfahren auf ewig verheißen hat“) oder (3) dass V 55b inkongruente Apposition zu V 55a ist („Gott hat sich erbarmt - wie er unseren Vätern (Abraham und seinen Nachkommen auf ewig) verheißen hat“ (vgl. z.B. die Übersicht bei NSS 1997, S. 358). Möglichkeit (3) ist eher unwahrscheinlich, da inkongruente Appositionen auch im Griechischen recht selten sind und „Abraham und alle seine Nachommen“ sich nicht recht mit „unsere Vorfahren“ decken will (so z.B. auch Zahn 1913, S. 107; ähnlich auch Weiss 1901, S. 287). Für (1) spricht, dass anders als bei (2) (und (3)) ein Objekt von Gottes Erbarmen identifiziert würde (nämlich Abraham), während (2) den Übersetzer zwingen würde, ein solches zu ergänzen ([ihm], d.i. „Israel, seinem Knecht“). |
| aj | wörtl.: „gesagt hat“; aber Grosvenor / Zerwick 1993, S. 174: „here promise (as Hebr. lacks a corresproning vb).“ Im Deutschen ist die „theologischere“ Variante von „versprechen“ „verheißen“, weshalb dies kontextuell angemessener wäre (so ja auch gut bereits EÜ, Greber, Kammermayer, MEN, NL, Schneider 1977, SLT2000, Storr) (Zurück zu v.55) |
