Amos 9: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|1}} Ich sah den Herrn auf dem (am) Altar<ref>Zum ''Altar'' vgl. am besten Sweeney: Der Altar im Alten Israel ist kein „sauberer“ Tisch wie im westlichen Kirchen. Hat er das Format des Altars im Jerusalemer Tempel, ist er begehbar; v.a. aber ist er ein ''Schlachtopfer''-Altar und daher in der Regel blutbespritzt und von Eingeweide besudelt. JHWH auf einem israelitischen Altar stehen zu sehen, ist ein drohendes Bild, kein heiliges.</ref> stehen.
{{S|1}} Ich sah den Herrn auf dem (am) Altar<ref>Zum ''Altar'' vgl. am besten Sweeney: Der Altar im Alten Israel ist kein „sauberer“ Tisch wie im westlichen Kirchen. Hat er das Format des Altars im Jerusalemer Tempel, ist er begehbar; v.a. aber ist er ein ''Schlachtopfer''-Altar und daher in der Regel blutbespritzt und von Eingeweide besudelt. JHWH auf einem israelitischen Altar stehen zu sehen, ist ein drohendes Bild, kein heiliges. B-R übersetzt daher sinnvoll mit „Schlachtstatt“. Übrigens stand in Jerusalem der Altar nicht im Tempel, sondern im Vorhof, und auf tempellosen Kulthöhen stand er natürlich ebenso im Freien. Schon dies ist ein sehr großer Unterschied zwischen diesen Vv. und der Stelle [[Jesaja 6#s1 |Jes 6,1-4]], die gern verglichen wird.<br />Welcher Tempel gemeint ist, wird nicht präzisiert. Die meisten denken an Bethel. Es ist aber auch gar nicht wichtig; wichtig ist, was die Handlung symbolisiert, s. die Anmerkdungen.</ref> stehen.
{Und} Er sprach: „Schlage auf den Türrahmen (?, das Kapitell?, den [heiligen] Baum?),<ref name="Kapitell">''Türrahmen (?, Kapitell?, [heiliger] Baum?)'' + ''Schwellen (Becken? Schalen?)'' - Das erste Wort ist unklar. Das ist umso ärgerlicher, als bis zu drei verschiedene Wortspiele in diesem Wort stecken könnten: (1) Sicher ist ein Wortspiel, dass das heb. ''kaptor'' gleich lautet wie ''Kaptor'' in V. 7. (2) In ''kptr'' steckt ''kpt'', aram. für „binden“. Ähnlich kommt in V. 6 die ''`agudah'' (das „Band“) von heb. ''`gd'' („binden“); mit ''kaptor'' könnte also auf diese ''`agudah'' angespielt sein. (3) Hat Koch Recht (s.u.) und ''kaptor'' ist der heilige Baum, wären die ''sippim'' entweder gar nicht die Türschwellen, sondern nur die kultischen Wasserbecken einer Kultstätte, oder auf diese würde mindestens angespielt. Aber da nicht klar ist, worauf hier geschlagen werden soll, ist all dies ungewiss. Für die mit großem Abstand häufigste Übersetzung mit „Säulenkapitell“ spricht jedenfalls nichts; der best guess ist „Türrahmen“.<br />'''Genauer''': Auch die alten Versionen sind keine Hilfe, da sie sehr divers übersetzen. LXX („Sühnort“) hat nicht ''kptr'' gelesen, sondern ''kprt''. Sym + Theod („Becher“) raten wohl von ''kap'' („Schale“) auf die Bed. von ''kaptor''; vielleicht auch unter Einfluss des folgenden Wortes, da ''sap'' („Türschwelle“) auch „Becken“ bedeuten kann. Aq („Bauwerk“) hat wahrscheinlich ähnlich ratend in Orientierung an den folgenden „Türschwellen“ den allgemeinst-möglichen architektonischen Begriff gewählt. Tg („Leuchter“) denkt offenbar an [[Exodus 25#s31 |Ex 25,31-36]], wo auf der Menora pflanzenförmige Verzierungen angebracht sind, die ebenfalls ''kaptor'' („Apfel“) heißen; Syr deutet entweder ebenso, als „Apfel“ oder als „Apfelbaum“ (syr. ''ḥazor'' kann alle drei Bedd. haben. Zu Tg und Syr vgl. Tg[[Exodus 25#s33 |Ex 25,33]], wo ''kaptor'' mit „Apfel“ übersetzt wird, und LevR 12,4, wo erklärt wird, einen Obstbaum könne man auch mit dem selben Wort wie seine Frucht bezeichnen). VUL („Türangeln“) dürfte ebenso wie die beiden ibn Ezras, Kimchi und Abravanel („Türöffnung“, „Türsturz“ und 2x „Türrahmen“) von der „Türschwelle“ auf die Bed. geraten haben. Raschi und ben Qara denken an etwas auf „der Spitze des Daches“ und auch Eliezer von Beaugency kommentiert: „alles, was aus dem Gebäude hervorsteht, nennt man ''kaptor''“. Auch hier war aber vermutlich der Denkansatz, dass der Türschwelle als dem tiefsten Punkt eines Gebäudes die Dachspitze als der höchste Punkt entgegengesetzt werden sollte. Als Etymon oder Kognat bietet sich nur akk. ''kaptaru'' an, auf das auch Koch hinweist (s. gleich) und für das CAD VIII, S. 191 die Bed. „Ulme“ angibt, aber wahrscheinlich ist dieses nur einmal belegte Wort neben dem Wort ''kullaru'', das ebenfalls einen Baum bezeichnet, nur ein Baum „aus ''Kaptaru''“ (= akk. für ''Kaptor''), da auch ''kullaru'' m.W. unbestritten ein Baum „vom Berg ''Kullar''“ ist. In der selben Bed. wie hier wird ''kaptor'' nur noch in [[Zefanja 2#s14 |Zef 2,14]] verwendet; dort ebenfalls parallel mit ''sap'' („Türschwelle“): „Pelikane und Eulen (?, s. dort) werden auf den ''kaptorim'' nächtigen; Laute singen durchs Fenster, Trümmer liegen auf dem / im ''sap'', denn sein(e) Zedern(holz) wurde(n) bloßgelegt.“<br />Von hier aus lässt sich auf zwei unterschiedliche Bedd. raten:<br />(1) Wichtigstes Indiz ist, dass es an beiden Stellen zusammen mit ''sap'' („Türschwelle“) und in Zef 2,14 außerdem zusammen mit den „Fenstern“ genannt wird. Von da aus könnte man wie VUL, ibn Ezra, Kimchi und Abravanel auf einen Bestandteil der Türe raten. Da nach Zef 2,14 Vögel darauf nisten, werden es senkrechte Bestandteile sein, also entweder die zwei / drei Türpfosten, oder, wenn man sich einen Tempel wie den Jerusalemer Tempel vorstellen darf (was unsicher ist), die Säulen vor dieser Tür.<br />(2) Koch 1976b, S. 57 setzt erstens an der syr. Übersetzung an, die er zu „Obstbaum“ vereindeutigt, zweitens an akk. ''kaptaru'', das er zu „Baum“ verallgemeinert, und drittens daran, dass in Zef 2,14 außerdem noch von „Zedern(holz)“ die Rede ist, und schließt von da aus darauf, „daß sich [in Am 9] neben dem Altar ein natürlicher oder künstlicher Baum befindet[, der mit ''kaptor'' bezeichnet wird].“ Hinzunehmen könnte man TgEx 25,33 und Lev 12,4 (s.o.), die ebenfalls nahelegen, dass ''kaptor'' mindestens ''auch'' einen Apfelbaum bezeichnen könnte (zu Apfelbäumen im Alten Israel vgl. [https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/17497/file/Walter_Sebastian_Magisterarbeit.pdf Walter 2018, S. 63]). Warum auf einen solchen Baum angespielt werden sollte, ließe sich leicht erklären: Denkt man bei dem Altar, auf dem JHWH steht, nicht an den in einem Tempel wie den Jerusalems, sondern den auf einer Kulthöhe wie wohl Bethel und Beerscheba, wäre damit der heilige Baum (die ''Aschera'') gemeint, der auf solchen Kulthöhen regelmäßig neben dem Altar stand (s. bes. [[Deuteronomium 16#s21 |Dtn 16,21]]; [[Jeremia 17#s2 |Jer 17,2]]; auch die „Wahrsage-Eiche“ neben den „(Kult-)Höhen“ in [[Richter 9#s37 |Ri 9,37]] und die Eiche neben Abrahams Altar in [[Genesis 12#s6 |Gen 12,6f.]]. Sicher gemeint sind solche Bäume auch in [[Jeremia 2#s20 |Jer 2,20]]; auch hier neben  „Kulthöhe“. Auch in Samaria befand sich übrigens eine solche ''Aschera'', s. [[2 Könige 13#s6 |2 Kön 13,6]]). Wenn das richtig ist, kann man auch bei den ''sippim'' sogar noch besser an Becken denken; denn offenbar gab es auf Kulthöhen d.ö. auch Wasserbecken. Vgl. zunächst natürlich [[Genesis 26#s25 |Gen 26,25]] von Isaaks Quelle in Beerscheba und [[Exodus 40#s30 |Ex 40,30]] vom Wasserbecken des Stiftszelts; dann auch [[1 Samuel 7#s5 |1 Sam 7,5f.]]. Bei Ausgrabungen wurden an mehreren Orten, die möglicherweise als Kultstätten dienten, solche Wasserbecken gefunden; so in Ta´anach, in Tell el-Far´ah und in Ḥorvat Qitmit (s. Fried 2002, S. 453f.458). Das passte auch in Zef 2,14 ganz gut; die Trümmer wären dann „in das Becken“ gestürzt. Im Tempel Jerusalems wurden später beide Kultobjekte variiert zur baumartigen Menora und zum „Bronze-Meer“. Ist das richtig, würde das auch erklären, warum ''kaptor'' singular und ''sippim'' Plural ist: In Zef 2,14 ist es umgekehrt. Aber zu ''kaptaru'' s.o., und die beiden Indizien, dass erstens ''kaptor'' im Heb. und Syr. vermutlich auch den ''Apfel''-Baum bezeichnen kann und dass zweitens in Zef 2,14 auch von ''Zedern''(-Holz) die Rede ist, lassen sich jedenfalls nicht beide gleichzeitig für diese Deutung anführen.<br />(3) Wie die heute so übliche Übersetzung „Säulenkapitell“ zustande gekommen ist, sieht man gut bei einem Blick in die älteren Kommentare; ebenso verbreitet ist dort nämlich noch die Üs. „Zierrate“. Daraus, dass auch die Menora schmückende ''kaptorim'' trug, wird abgeleitet, dass hier also etwas anderes geschlagen werden soll, dass ebenfalls Verzierungen hat, und dann aus [[1 Könige 7#s13 |1 Kön 17,13-22]]; [[Jeremia 52#s21 |Jer 52,21-23]] abgeleitet, dass dies die Säulen eines Tempels sein müssten, da diese an der Spitze ihrer Kapitelle noch mit künstlichen „Granatäpfeln“ (''rimmonim'') verziert waren (1 Kön 7,18), wohinein dann zusätzlich auch noch die Vorstellung gespielt haben wird, dass man an ein ähnliches Szenario zu denken habe wie in [[Richter 16#s29 |Ri 16,29f.]], so dass und „schlag auf die [Säulenkapitell-]Verzierungen...“ dann implizierte: „...so dass die tragenden Säulen den Tempel nicht mehr tragen und dieser danach in sich zusammenstürzt“. Aber richtig Jeremias 2013, S. 124: „Zumeist hat man sich diese Verbindung im Gefolge J. Wellhausens mit typisch westlicher Logik [?] dahingehend ausgemalt, dass der zerberstende Tempel mit seiner einstürzenden Decke die zusammengeströmte Menge erschlüge. Dazu aber will schwerlich passen, dass der angebliche Zusammenbruch des Tempels nirgends geschildert, stattdessen aber auffällig das Beben der Türschwellen hervorgehoben wird; dass sich ohnehin nur die Priester im Gebäude befinden müssten, die Menge aber in dessen Vorhöfen, wenn man nach Maßstäben des Jerusalemer Tempels urteilen wollte; vor allem aber, daß im folgenden (V. 1b-4) sehr andersartige Vorstellungen vom Tod der Menschen vorgefunden werden, unter denen die doppelte, das Ganze rahmende Aussage vom Tod durch das Schwert (V. 1a.4a) auffällig hervortritt.“. Wenn man aber richtig nicht mehr an dieses Szenario denkt, gibt es überhaupt kein Indiz mehr für Säulenkapitelle, da erstens doch ''kaptor'' jedenfalls sicher nicht allgemein „Verzierung“ ''bedeutet'' und ohnehin in einem Tempel noch mehr Gegenstände verziert wären als nur Leuchter und Säulen.</ref> dass die Schwellen<ref>''Schwellen'' - Meist bestehen Türschwellen in der alten Levante nur einem sehr großen Steinblock, der in die Erde eingelassen wird, aber noch deutlich über das Boden-Niveau hinausragt (u.a. wohl, um so zu verhindert, dass Laub etc. in ein Gebäude geweht wird, da tagsüber Türen im Alten Israel häufig durchgehend offen standen). Die Türschwellen sind daher der stabilste Punkt eines Gebäudes überhaupt. Als Schwellenort, der Außen mit Innen verband, waren sie außerdem bedeutsam; in Mesopotamien etwa wurden daher darunter häufiger Figürchen vergraben, denen man sehr wahrscheinlich schützende Wirkung zuschrieb (zu diesem und weiteren „Schwellen-Phänomenen“ vgl. z.B. Amos: [https://www.academia.edu/3860402/Schwelle_Reallexikon_der_Assyriologie_ Schwelle] im RdA). Nicht von ungefähr lässt sich Gott daher auch nicht ''im'' Stiftszelt, sondern im ''Eingang'' desselben nieder (s. [[Exodus 29#s42 |Ex 29,42]]; [[Numeri 16#s19 |Num 16,19]]; [[Numeri 20#s6 |20,6]]; dazu gut z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/36286/ Tür / Türpfosten (AT) (WiBiLex)]. Dieser Ort der Verbindung von Welt und heiligem Bereich soll nun also erschüttert werden.</ref> (Becken?, Schalen?<ref name="Kapitell" />) erschüttert werden  
{Und} Er sprach: „Schlage (Ich werde schlagen?; {Er sprach} und er schlug?)<ref>''Schlage (ich werde schlagen?; {<s>Er sprach</s>} und er schlug?)'' - Weil nicht klar wird, wer da schlagen soll, wird der Text oft korrigiert von ''hak'' („schlage!“) zu ''`ak'', ''`hakkeh'' oder ''hakkeh `akkeh'' („ich werde schlagen“) (z.B. Rudolph, Jeremias, Soggin; noch BHK, BHS, Reimer 1992, S. 204) oder noch häufiger zu ''wajjak'' („und er schlug“, z.B. Maag, Wolff, Hammershaimb). Dafür gibt es in der Textgeschichte keinen Anhalt. Belässt man den Text, wird überlegt, wer da schlagen soll: Der Prophet (die meisten) oder ein Engel wie die, von denen in Jes 6,1-4 die Rede ist (so z.B. noch Cripps, Anderson / Freedman, Gese 1989, S. 83; auch GN)? Auch dies wird hier nicht gesagt; wieder: Entscheidend ist, was die Handlungen bedeuten; nicht, wer sie wo ausführt. S. die Anmerkungen.</ref> auf den Türrahmen (?, das Kapitell?, den [heiligen] Baum?),<ref name="Kapitell">''Türrahmen (?, Kapitell?, [heiliger] Baum?)'' + ''Schwellen (Becken? Schalen?)'' - Das erste Wort ist unklar. Das ist umso ärgerlicher, als bis zu drei verschiedene Wortspiele in diesem Wort stecken könnten: (1) Sicher ist ein Wortspiel, dass das heb. ''kaptor'' gleich lautet wie ''Kaptor'' in V. 7. (2) In ''kptr'' steckt ''kpt'', aram. für „binden“. Ähnlich kommt in V. 6 die ''`agudah'' (das „Band“) von heb. ''`gd'' („binden“); mit ''kaptor'' könnte also auf diese ''`agudah'' angespielt sein. (3) Hat Koch Recht (s.u.) und ''kaptor'' ist der heilige Baum, wären die ''sippim'' entweder gar nicht die Türschwellen, sondern nur die kultischen Wasserbecken einer Kultstätte, oder auf diese würde mindestens angespielt. Aber da nicht klar ist, worauf hier geschlagen werden soll, ist all dies ungewiss. Für die mit großem Abstand häufigste Übersetzung mit „Säulenkapitell“ spricht jedenfalls nichts; der best guess ist „Türrahmen“.<br />'''Genauer''': Auch die alten Versionen sind keine Hilfe, da sie sehr divers übersetzen. LXX („Sühnort“) hat nicht ''kptr'' gelesen, sondern ''kprt''. Sym + Theod („Becher“) raten wohl von ''kap'' („Schale“) auf die Bed. von ''kaptor''; vielleicht auch unter Einfluss des folgenden Wortes, da ''sap'' („Türschwelle“) auch „Becken“ bedeuten kann. Aq („Bauwerk“) hat wahrscheinlich ähnlich ratend in Orientierung an den folgenden „Türschwellen“ den allgemeinst-möglichen architektonischen Begriff gewählt. Tg („Leuchter“) denkt offenbar an [[Exodus 25#s31 |Ex 25,31-36]], wo auf der Menora pflanzenförmige Verzierungen angebracht sind, die ebenfalls ''kaptor'' („Apfel“) heißen; Syr deutet entweder ebenso, als „Apfel“ oder als „Apfelbaum“ (syr. ''ḥazor'' kann alle drei Bedd. haben. Zu Tg und Syr vgl. Tg[[Exodus 25#s33 |Ex 25,33]], wo ''kaptor'' mit „Apfel“ übersetzt wird, und LevR 12,4, wo erklärt wird, einen Obstbaum könne man auch mit dem selben Wort wie seine Frucht bezeichnen). VUL („Türangeln“) dürfte ebenso wie die beiden ibn Ezras, Kimchi und Abravanel („Türöffnung“, „Türsturz“ und 2x „Türrahmen“) von der „Türschwelle“ auf die Bed. geraten haben. Raschi und ben Qara denken an etwas auf „der Spitze des Daches“ und auch Eliezer von Beaugency kommentiert: „alles, was aus dem Gebäude hervorsteht, nennt man ''kaptor''“. Auch hier war aber vermutlich der Denkansatz, dass der Türschwelle als dem tiefsten Punkt eines Gebäudes die Dachspitze als der höchste Punkt entgegengesetzt werden sollte. Als Etymon oder Kognat bietet sich nur akk. ''kaptaru'' an, auf das auch Koch hinweist (s. gleich) und für das CAD VIII, S. 191 die Bed. „Ulme“ angibt, aber wahrscheinlich ist dieses nur einmal belegte Wort neben dem Wort ''kullaru'', das ebenfalls einen Baum bezeichnet, nur ein Baum „aus ''Kaptaru''“ (= akk. für ''Kaptor''), da auch ''kullaru'' m.W. unbestritten ein Baum „vom Berg ''Kullar''“ ist. In der selben Bed. wie hier wird ''kaptor'' nur noch in [[Zefanja 2#s14 |Zef 2,14]] verwendet; dort ebenfalls parallel mit ''sap'' („Türschwelle“): „Pelikane und Eulen (?, s. dort) werden auf den ''kaptorim'' nächtigen; Laute singen durchs Fenster, Trümmer liegen auf dem / im ''sap'', denn sein(e) Zedern(holz) wurde(n) bloßgelegt.“<br />Von hier aus lässt sich auf zwei unterschiedliche Bedd. raten:<br />(1) Wichtigstes Indiz ist, dass es an beiden Stellen zusammen mit ''sap'' („Türschwelle“) und in Zef 2,14 außerdem zusammen mit den „Fenstern“ genannt wird. Von da aus könnte man wie VUL, ibn Ezra, Kimchi und Abravanel auf einen Bestandteil der Türe raten. Da nach Zef 2,14 Vögel darauf nisten, werden es senkrechte Bestandteile sein, also entweder die zwei / drei Türpfosten, oder, wenn man sich einen Tempel wie den Jerusalemer Tempel vorstellen darf (was unsicher ist), die Säulen vor dieser Tür.<br />(2) Koch 1976b, S. 57 setzt erstens an der syr. Übersetzung an, die er zu „Obstbaum“ vereindeutigt, zweitens an akk. ''kaptaru'', das er zu „Baum“ verallgemeinert, und drittens daran, dass in Zef 2,14 außerdem noch von „Zedern(holz)“ die Rede ist, und schließt von da aus darauf, „daß sich [in Am 9] neben dem Altar ein natürlicher oder künstlicher Baum befindet[, der mit ''kaptor'' bezeichnet wird].“ Hinzunehmen könnte man TgEx 25,33 und Lev 12,4 (s.o.), die ebenfalls nahelegen, dass ''kaptor'' mindestens ''auch'' einen Apfelbaum bezeichnen könnte (zu Apfelbäumen im Alten Israel vgl. [https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/17497/file/Walter_Sebastian_Magisterarbeit.pdf Walter 2018, S. 63]). Warum auf einen solchen Baum angespielt werden sollte, ließe sich leicht erklären: Denkt man bei dem Altar, auf dem JHWH steht, nicht an den in einem Tempel wie den Jerusalems, sondern den auf einer Kulthöhe wie wohl Bethel und Beerscheba, wäre damit der heilige Baum (die ''Aschera'') gemeint, der auf solchen Kulthöhen regelmäßig neben dem Altar stand (s. bes. [[Deuteronomium 16#s21 |Dtn 16,21]]; [[Jeremia 17#s2 |Jer 17,2]]; auch die „Wahrsage-Eiche“ neben den „(Kult-)Höhen“ in [[Richter 9#s37 |Ri 9,37]] und die Eiche neben Abrahams Altar in [[Genesis 12#s6 |Gen 12,6f.]]. Sicher gemeint sind solche Bäume auch in [[Jeremia 2#s20 |Jer 2,20]]; auch hier neben  „Kulthöhe“. Auch in Samaria befand sich übrigens eine solche ''Aschera'', s. [[2 Könige 13#s6 |2 Kön 13,6]]). Wenn das richtig ist, kann man auch bei den ''sippim'' sogar noch besser an Becken denken; denn offenbar gab es auf Kulthöhen d.ö. auch Wasserbecken. Vgl. zunächst natürlich [[Genesis 26#s25 |Gen 26,25]] von Isaaks Quelle in Beerscheba und [[Exodus 40#s30 |Ex 40,30]] vom Wasserbecken des Stiftszelts; dann auch [[1 Samuel 7#s5 |1 Sam 7,5f.]]. Bei Ausgrabungen wurden an mehreren Orten, die möglicherweise als Kultstätten dienten, solche Wasserbecken gefunden; so in Ta´anach, in Tell el-Far´ah und in Ḥorvat Qitmit (s. Fried 2002, S. 453f.458). Das passte auch in Zef 2,14 ganz gut; die Trümmer wären dann „in das Becken“ gestürzt. Im Tempel Jerusalems wurden später beide Kultobjekte variiert zur baumartigen Menora und zum „Bronze-Meer“. Ist das richtig, würde das auch erklären, warum ''kaptor'' singular und ''sippim'' Plural ist: In Zef 2,14 ist es umgekehrt. Aber zu ''kaptaru'' s.o., und die beiden Indizien, dass erstens ''kaptor'' im Heb. und Syr. vermutlich auch den ''Apfel''-Baum bezeichnen kann und dass zweitens in Zef 2,14 auch von ''Zedern''(-Holz) die Rede ist, lassen sich jedenfalls nicht beide gleichzeitig für diese Deutung anführen.<br />(3) Wie die heute so übliche Übersetzung „Säulenkapitell“ zustande gekommen ist, sieht man gut bei einem Blick in die älteren Kommentare; ebenso verbreitet ist dort nämlich noch die Üs. „Zierrate“. Daraus, dass auch die Menora schmückende ''kaptorim'' trug, wird abgeleitet, dass hier also etwas anderes geschlagen werden soll, dass ebenfalls Verzierungen hat, und dann aus [[1 Könige 7#s13 |1 Kön 17,13-22]]; [[Jeremia 52#s21 |Jer 52,21-23]] abgeleitet, dass dies die Säulen eines Tempels sein müssten, da diese an der Spitze ihrer Kapitelle noch mit künstlichen „Granatäpfeln“ (''rimmonim'') verziert waren (1 Kön 7,18), wohinein dann zusätzlich auch noch die Vorstellung gespielt haben wird, dass man an ein ähnliches Szenario zu denken habe wie in [[Richter 16#s29 |Ri 16,29f.]], so dass und „schlag auf die [Säulenkapitell-]Verzierungen...“ dann implizierte: „...so dass die tragenden Säulen den Tempel nicht mehr tragen und dieser danach in sich zusammenstürzt“. Aber richtig Jeremias 2013, S. 124: „Zumeist hat man sich diese Verbindung im Gefolge J. Wellhausens mit typisch westlicher Logik [?] dahingehend ausgemalt, dass der zerberstende Tempel mit seiner einstürzenden Decke die zusammengeströmte Menge erschlüge. Dazu aber will schwerlich passen, dass der angebliche Zusammenbruch des Tempels nirgends geschildert, stattdessen aber auffällig das Beben der Türschwellen hervorgehoben wird; dass sich ohnehin nur die Priester im Gebäude befinden müssten, die Menge aber in dessen Vorhöfen, wenn man nach Maßstäben des Jerusalemer Tempels urteilen wollte; vor allem aber, daß im folgenden (V. 1b-4) sehr andersartige Vorstellungen vom Tod der Menschen vorgefunden werden, unter denen die doppelte, das Ganze rahmende Aussage vom Tod durch das Schwert (V. 1a.4a) auffällig hervortritt.“. Wenn man aber richtig nicht mehr an dieses Szenario denkt, gibt es überhaupt kein Indiz mehr für Säulenkapitelle, da erstens doch ''kaptor'' jedenfalls sicher nicht allgemein „Verzierung“ ''bedeutet'' und ohnehin in einem Tempel noch mehr Gegenstände verziert wären als nur Leuchter und Säulen.</ref> dass die Schwellen<ref>''Schwellen'' - Meist bestehen Türschwellen in der alten Levante nur einem sehr großen Steinblock, der in die Erde eingelassen wird, aber noch deutlich über das Boden-Niveau hinausragt (u.a. wohl, um so zu verhindert, dass Laub etc. in ein Gebäude geweht wird, da tagsüber Türen im Alten Israel häufig durchgehend offen standen). Die Türschwellen sind daher der stabilste Punkt eines Gebäudes überhaupt. Als Schwellenort, der Außen mit Innen verband, waren sie außerdem bedeutsam; in Mesopotamien etwa wurden daher darunter häufiger Figürchen vergraben, denen man sehr wahrscheinlich schützende Wirkung zuschrieb (zu diesem und weiteren „Schwellen-Phänomenen“ vgl. z.B. Amos: [https://www.academia.edu/3860402/Schwelle_Reallexikon_der_Assyriologie_ Schwelle] im RdA). Nicht von ungefähr lässt sich Gott daher auch nicht ''im'' Stiftszelt, sondern im ''Eingang'' desselben nieder (s. [[Exodus 29#s42 |Ex 29,42]]; [[Numeri 16#s19 |Num 16,19]]; [[Numeri 20#s6 |20,6]]; dazu gut z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/36286/ Tür / Türpfosten (AT) (WiBiLex)]. Dieser Ort der Verbindung von Welt und heiligem Bereich soll nun also erschüttert werden.</ref> (Becken?, Schalen?<ref name="Kapitell" />) erschüttert werden  


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Version vom 19. Oktober 2021, 08:16 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Amos 9)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Anmerkungen

Studienfassung (Amos 9)

1 Ich sah den Herrn auf dem (am) Altara stehen.
{Und} Er sprach: „Schlage (Ich werde schlagen?; {Er sprach} und er schlug?)b auf den Türrahmen (?, das Kapitell?, den [heiligen] Baum?),c dass die Schwellend (Becken?, Schalen?c) erschüttert werden
...
Und zerbrich sie ihnen allen auf dem Kopf.
Und die Übriggebliebenen werde ich mit dem Schwert töten;
Kein Flüchtling flieht vor ihnen
Und kein Entkommener rettet sich vor ihnen.
2 Wenn sie in den Scheole einbrechen, wird meine Hand sie von dort nehmen; und wenn sie zum Himmel hinaufgehen, werde ich sie von dort hinunternehmen.
3 Und wenn sie sich auf dem Gipfel des Karmel verbergen, werde ich von dort suchen und sie nehmen; und wenn sie sich verstecken vor meinen Augen auf dem Grund des Meeres, werde ich von dort der Schlange befehlen und sie wird sie beißen.
4 Und wenn sie in die Gefangenschaft gehen vor den Augen ihrer Feinde, werde ich von dort dem Schwert befehlen und es wird sie töten; und ich werde meine Augen auf sie legen - zum Bösen und nicht zum Guten.“
5 Und der Herr, JHWH der Heerscharen (Zebaot), schlägt auf das Land und es schwankt und alle, die auf ihm sitzen, werden jammern, dass es hinaufgeht wie der Fluss und zurückgeht wie der Strom Ägyptens.
6 Er baut im Himmel seine Stufe und sein Band (Firmament?)f auf der Erde gründet er. Er ruft die Wasser des Meeres und er gießt sie aus auf dem Angesicht der Erde, JHWH ist sein Name.
7 Seid ihr nicht wie die Söhne der Kuschiter für mich, ihr Söhne Israels, spricht JHWH. Habe nicht ich Israel herausgefährt aus dem Land Ägypten und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir.
8 Siehe, die Augen des Herrn JHWH sind auf dem sündigen Königreich, und ich vernichte es (rotte es aus) vom Angesicht der Erde. Nur, dass ich nicht völlig (vollständig) vernichte (ausrotte) das Haus Jakobs, spricht JHWH.
9 Denn siehe, ich will befehlen und will schütteln in alle Völker das Haus Israels, wie man schüttelt mit einem Sieb und nicht fällt ein Stein auf die (zur) Erde.
10 Mit dem Schwert werden getötet alle Sünder meines Volkes, die sagen: Du führst nicht herbei und lässt nicht zu uns kommen das Böse (Unheil).
11 An diesem Tag will ich [wieder] aufstellen die Hütte Davids, die umgefallene (verfallene, eingestürzte). Und ich (ver)mauere ihre Risse und ihr Niedergerissenes (Abgebrochenes, ihre Trümmer) stelle ich auf und erbaue sie wieder wie in den Tagen der der Vorzeit.
12 Damit sie in Besitz nehmen das Übrige (den Rest) von Edom und alle (Fremd)völker, über die ausgerufen (genannt) ist mein Namen, spricht der JHWH, der dies tut.
13 Siehe, Tage kommen, spricht JHWH, da nähert sich (tritt heran) der Pflüger dem Schnitter und der Weintraubentreter an den Samensäerg und sie werden herabtriefen lassen Most von den Bergen und alle Hügel zwerfließen.
14 Ich wende das Geschick meines Volkes Israel. Sie werden aufbauen ihre verwüsteten Städte und sie bewohnen und sie pflanzen Weinberge und trinken ihrenh (deren) Wein und sie machen Gärten und essen ihre Früchte.
15 Und ich pflanze sie in auf ihr Land (ihren Erdboden, ihre Erde). Und sie sollen nicht mehr vertrieben (herausgerissen) werden von iherem Land (ihrem Erdboden, ihrer Erde) die ich ihnen gegeben habe, spricht (sagt) JHWH, dein Gott.

Anmerkungen


aZum Altar vgl. am besten Sweeney: Der Altar im Alten Israel ist kein „sauberer“ Tisch wie im westlichen Kirchen. Hat er das Format des Altars im Jerusalemer Tempel, ist er begehbar; v.a. aber ist er ein Schlachtopfer-Altar und daher in der Regel blutbespritzt und von Eingeweide besudelt. JHWH auf einem israelitischen Altar stehen zu sehen, ist ein drohendes Bild, kein heiliges. B-R übersetzt daher sinnvoll mit „Schlachtstatt“. Übrigens stand in Jerusalem der Altar nicht im Tempel, sondern im Vorhof, und auf tempellosen Kulthöhen stand er natürlich ebenso im Freien. Schon dies ist ein sehr großer Unterschied zwischen diesen Vv. und der Stelle Jes 6,1-4, die gern verglichen wird.
Welcher Tempel gemeint ist, wird nicht präzisiert. Die meisten denken an Bethel. Es ist aber auch gar nicht wichtig; wichtig ist, was die Handlung symbolisiert, s. die Anmerkdungen. (Zurück zu v.1)
bSchlage (ich werde schlagen?; {Er sprach} und er schlug?) - Weil nicht klar wird, wer da schlagen soll, wird der Text oft korrigiert von hak („schlage!“) zu `ak, `hakkeh oder hakkeh `akkeh („ich werde schlagen“) (z.B. Rudolph, Jeremias, Soggin; noch BHK, BHS, Reimer 1992, S. 204) oder noch häufiger zu wajjak („und er schlug“, z.B. Maag, Wolff, Hammershaimb). Dafür gibt es in der Textgeschichte keinen Anhalt. Belässt man den Text, wird überlegt, wer da schlagen soll: Der Prophet (die meisten) oder ein Engel wie die, von denen in Jes 6,1-4 die Rede ist (so z.B. noch Cripps, Anderson / Freedman, Gese 1989, S. 83; auch GN)? Auch dies wird hier nicht gesagt; wieder: Entscheidend ist, was die Handlungen bedeuten; nicht, wer sie wo ausführt. S. die Anmerkungen. (Zurück zu v.1)
cTürrahmen (?, Kapitell?, [heiliger] Baum?) + Schwellen (Becken? Schalen?) - Das erste Wort ist unklar. Das ist umso ärgerlicher, als bis zu drei verschiedene Wortspiele in diesem Wort stecken könnten: (1) Sicher ist ein Wortspiel, dass das heb. kaptor gleich lautet wie Kaptor in V. 7. (2) In kptr steckt kpt, aram. für „binden“. Ähnlich kommt in V. 6 die `agudah (das „Band“) von heb. `gd („binden“); mit kaptor könnte also auf diese `agudah angespielt sein. (3) Hat Koch Recht (s.u.) und kaptor ist der heilige Baum, wären die sippim entweder gar nicht die Türschwellen, sondern nur die kultischen Wasserbecken einer Kultstätte, oder auf diese würde mindestens angespielt. Aber da nicht klar ist, worauf hier geschlagen werden soll, ist all dies ungewiss. Für die mit großem Abstand häufigste Übersetzung mit „Säulenkapitell“ spricht jedenfalls nichts; der best guess ist „Türrahmen“.
Genauer: Auch die alten Versionen sind keine Hilfe, da sie sehr divers übersetzen. LXX („Sühnort“) hat nicht kptr gelesen, sondern kprt. Sym + Theod („Becher“) raten wohl von kap („Schale“) auf die Bed. von kaptor; vielleicht auch unter Einfluss des folgenden Wortes, da sap („Türschwelle“) auch „Becken“ bedeuten kann. Aq („Bauwerk“) hat wahrscheinlich ähnlich ratend in Orientierung an den folgenden „Türschwellen“ den allgemeinst-möglichen architektonischen Begriff gewählt. Tg („Leuchter“) denkt offenbar an Ex 25,31-36, wo auf der Menora pflanzenförmige Verzierungen angebracht sind, die ebenfalls kaptor („Apfel“) heißen; Syr deutet entweder ebenso, als „Apfel“ oder als „Apfelbaum“ (syr. ḥazor kann alle drei Bedd. haben. Zu Tg und Syr vgl. TgEx 25,33, wo kaptor mit „Apfel“ übersetzt wird, und LevR 12,4, wo erklärt wird, einen Obstbaum könne man auch mit dem selben Wort wie seine Frucht bezeichnen). VUL („Türangeln“) dürfte ebenso wie die beiden ibn Ezras, Kimchi und Abravanel („Türöffnung“, „Türsturz“ und 2x „Türrahmen“) von der „Türschwelle“ auf die Bed. geraten haben. Raschi und ben Qara denken an etwas auf „der Spitze des Daches“ und auch Eliezer von Beaugency kommentiert: „alles, was aus dem Gebäude hervorsteht, nennt man kaptor“. Auch hier war aber vermutlich der Denkansatz, dass der Türschwelle als dem tiefsten Punkt eines Gebäudes die Dachspitze als der höchste Punkt entgegengesetzt werden sollte. Als Etymon oder Kognat bietet sich nur akk. kaptaru an, auf das auch Koch hinweist (s. gleich) und für das CAD VIII, S. 191 die Bed. „Ulme“ angibt, aber wahrscheinlich ist dieses nur einmal belegte Wort neben dem Wort kullaru, das ebenfalls einen Baum bezeichnet, nur ein Baum „aus Kaptaru(= akk. für Kaptor), da auch kullaru m.W. unbestritten ein Baum „vom Berg Kullar“ ist. In der selben Bed. wie hier wird kaptor nur noch in Zef 2,14 verwendet; dort ebenfalls parallel mit sap („Türschwelle“): „Pelikane und Eulen (?, s. dort) werden auf den kaptorim nächtigen; Laute singen durchs Fenster, Trümmer liegen auf dem / im sap, denn sein(e) Zedern(holz) wurde(n) bloßgelegt.“
Von hier aus lässt sich auf zwei unterschiedliche Bedd. raten:
(1) Wichtigstes Indiz ist, dass es an beiden Stellen zusammen mit sap („Türschwelle“) und in Zef 2,14 außerdem zusammen mit den „Fenstern“ genannt wird. Von da aus könnte man wie VUL, ibn Ezra, Kimchi und Abravanel auf einen Bestandteil der Türe raten. Da nach Zef 2,14 Vögel darauf nisten, werden es senkrechte Bestandteile sein, also entweder die zwei / drei Türpfosten, oder, wenn man sich einen Tempel wie den Jerusalemer Tempel vorstellen darf (was unsicher ist), die Säulen vor dieser Tür.
(2) Koch 1976b, S. 57 setzt erstens an der syr. Übersetzung an, die er zu „Obstbaum“ vereindeutigt, zweitens an akk. kaptaru, das er zu „Baum“ verallgemeinert, und drittens daran, dass in Zef 2,14 außerdem noch von „Zedern(holz)“ die Rede ist, und schließt von da aus darauf, „daß sich [in Am 9] neben dem Altar ein natürlicher oder künstlicher Baum befindet[, der mit kaptor bezeichnet wird].“ Hinzunehmen könnte man TgEx 25,33 und Lev 12,4 (s.o.), die ebenfalls nahelegen, dass kaptor mindestens auch einen Apfelbaum bezeichnen könnte (zu Apfelbäumen im Alten Israel vgl. Walter 2018, S. 63). Warum auf einen solchen Baum angespielt werden sollte, ließe sich leicht erklären: Denkt man bei dem Altar, auf dem JHWH steht, nicht an den in einem Tempel wie den Jerusalems, sondern den auf einer Kulthöhe wie wohl Bethel und Beerscheba, wäre damit der heilige Baum (die Aschera) gemeint, der auf solchen Kulthöhen regelmäßig neben dem Altar stand (s. bes. Dtn 16,21; Jer 17,2; auch die „Wahrsage-Eiche“ neben den „(Kult-)Höhen“ in Ri 9,37 und die Eiche neben Abrahams Altar in Gen 12,6f.. Sicher gemeint sind solche Bäume auch in Jer 2,20; auch hier neben „Kulthöhe“. Auch in Samaria befand sich übrigens eine solche Aschera, s. 2 Kön 13,6). Wenn das richtig ist, kann man auch bei den sippim sogar noch besser an Becken denken; denn offenbar gab es auf Kulthöhen d.ö. auch Wasserbecken. Vgl. zunächst natürlich Gen 26,25 von Isaaks Quelle in Beerscheba und Ex 40,30 vom Wasserbecken des Stiftszelts; dann auch 1 Sam 7,5f.. Bei Ausgrabungen wurden an mehreren Orten, die möglicherweise als Kultstätten dienten, solche Wasserbecken gefunden; so in Ta´anach, in Tell el-Far´ah und in Ḥorvat Qitmit (s. Fried 2002, S. 453f.458). Das passte auch in Zef 2,14 ganz gut; die Trümmer wären dann „in das Becken“ gestürzt. Im Tempel Jerusalems wurden später beide Kultobjekte variiert zur baumartigen Menora und zum „Bronze-Meer“. Ist das richtig, würde das auch erklären, warum kaptor singular und sippim Plural ist: In Zef 2,14 ist es umgekehrt. Aber zu kaptaru s.o., und die beiden Indizien, dass erstens kaptor im Heb. und Syr. vermutlich auch den Apfel-Baum bezeichnen kann und dass zweitens in Zef 2,14 auch von Zedern(-Holz) die Rede ist, lassen sich jedenfalls nicht beide gleichzeitig für diese Deutung anführen.
(3) Wie die heute so übliche Übersetzung „Säulenkapitell“ zustande gekommen ist, sieht man gut bei einem Blick in die älteren Kommentare; ebenso verbreitet ist dort nämlich noch die Üs. „Zierrate“. Daraus, dass auch die Menora schmückende kaptorim trug, wird abgeleitet, dass hier also etwas anderes geschlagen werden soll, dass ebenfalls Verzierungen hat, und dann aus 1 Kön 17,13-22; Jer 52,21-23 abgeleitet, dass dies die Säulen eines Tempels sein müssten, da diese an der Spitze ihrer Kapitelle noch mit künstlichen „Granatäpfeln“ (rimmonim) verziert waren (1 Kön 7,18), wohinein dann zusätzlich auch noch die Vorstellung gespielt haben wird, dass man an ein ähnliches Szenario zu denken habe wie in Ri 16,29f., so dass und „schlag auf die [Säulenkapitell-]Verzierungen...“ dann implizierte: „...so dass die tragenden Säulen den Tempel nicht mehr tragen und dieser danach in sich zusammenstürzt“. Aber richtig Jeremias 2013, S. 124: „Zumeist hat man sich diese Verbindung im Gefolge J. Wellhausens mit typisch westlicher Logik [?] dahingehend ausgemalt, dass der zerberstende Tempel mit seiner einstürzenden Decke die zusammengeströmte Menge erschlüge. Dazu aber will schwerlich passen, dass der angebliche Zusammenbruch des Tempels nirgends geschildert, stattdessen aber auffällig das Beben der Türschwellen hervorgehoben wird; dass sich ohnehin nur die Priester im Gebäude befinden müssten, die Menge aber in dessen Vorhöfen, wenn man nach Maßstäben des Jerusalemer Tempels urteilen wollte; vor allem aber, daß im folgenden (V. 1b-4) sehr andersartige Vorstellungen vom Tod der Menschen vorgefunden werden, unter denen die doppelte, das Ganze rahmende Aussage vom Tod durch das Schwert (V. 1a.4a) auffällig hervortritt.“. Wenn man aber richtig nicht mehr an dieses Szenario denkt, gibt es überhaupt kein Indiz mehr für Säulenkapitelle, da erstens doch kaptor jedenfalls sicher nicht allgemein „Verzierung“ bedeutet und ohnehin in einem Tempel noch mehr Gegenstände verziert wären als nur Leuchter und Säulen. (zu v.1)
dSchwellen - Meist bestehen Türschwellen in der alten Levante nur einem sehr großen Steinblock, der in die Erde eingelassen wird, aber noch deutlich über das Boden-Niveau hinausragt (u.a. wohl, um so zu verhindert, dass Laub etc. in ein Gebäude geweht wird, da tagsüber Türen im Alten Israel häufig durchgehend offen standen). Die Türschwellen sind daher der stabilste Punkt eines Gebäudes überhaupt. Als Schwellenort, der Außen mit Innen verband, waren sie außerdem bedeutsam; in Mesopotamien etwa wurden daher darunter häufiger Figürchen vergraben, denen man sehr wahrscheinlich schützende Wirkung zuschrieb (zu diesem und weiteren „Schwellen-Phänomenen“ vgl. z.B. Amos: Schwelle im RdA). Nicht von ungefähr lässt sich Gott daher auch nicht im Stiftszelt, sondern im Eingang desselben nieder (s. Ex 29,42; Num 16,19; 20,6; dazu gut z.B. Tür / Türpfosten (AT) (WiBiLex). Dieser Ort der Verbindung von Welt und heiligem Bereich soll nun also erschüttert werden. (Zurück zu v.1)
ehebr. für Unterwelt/Totenreich. siehe: Scheol (Zurück zu v.2)
fBand (Firmament?) - schwieriges Wort. Heb. `agudah, von `agad („binden“), sonst für ein fesselndes „Band“ (Jes 58,6); ein „Bündel“ Ysop (Ex 12,22) oder einen militärischen „Verbund“ von Männern (2 Sam 2,25). Schon für die Alten war es schwierig. Tg nimmt es in der letztgenannten Bed. („Versammlung“), was hier sehr fern liegt. Aq und VUL übersetzen streng wörtlich „Bündel(chen)“; wohl, weil ihnen der Sinn des Wortes in diesem Kontext unklar war. LXX und Syr irren sich auch noch im Wort („sein Versprechen“, nicht von `agad, sondern von nagad).
Die meisten Exegeten schließen aus dem Kontext – nämlich aus der Tatsache, dass das Wort parallel mit den „Stufen im Himmel“ ist und die `agudah „gegründet“ wird – darauf, dass das Wort hier für das „Firmament“ steht, das nach dem Weltbild z.B. von Gen 1,6-8 die Wasser oberhalb der Erde davon zurückhält, diese zu überfluten (wohl daher Mays und Stuart: „reservoir“, also „Wasser-Speicher“). Wie aber dieses Firmament mit dem heb. Wort `agudah zusammenhängen soll, wäre dann unklar.
Besser daher Koch 1974, S. 526f.; Hartenstein 2001, S. 161-164; Messner / Lang 2001; Kessler: In sumerischen und akkadischen Texten ist oft die Rede von einem „Band der Länder“ / „Band der Erde“ / „Band von Himmel und Erde“ / „Band des Himmels“ (vgl. dazu bes. Burrows 1935; z.B. auch Röllig 1975; Janowski 2001; mehrere Textstellen zusammengetragen hat z.B. auch Bodi 1991, S. 226-229). Bezeichnet werden damit Hauptstädte (z.B. Babylon: „Band des Himmels, Band der Länder“, Aschmol 1924-849 apud Bodi, S. 228), Tempel (z.B. der in Lagasch, der in Larsa und der in Nippur, jeweils: „Band des Himmels und der Erde“) und Götter (Enlil, Ninib und wohl auch Utu, die es insofern sind, als sie dieses „Band von Himmel und Erde“ in ihren Händen halten und bewahren). Die Vorstellung dahinter ist jeweils die, dass ein(e Stadt mit ihrem) hoch aufragenden Tempel axis mundi ist, „Weltenachse“, also gleichzeitig der höchste Punkt der Welt und Mittelpunkt der Welt, so dass er in den Himmel hineinragt und derart beide Ebenen, die sich an dieser Achse überlagern, „stabilisiert“, und dass die Völker in allen umliegenden Gegenden um ihn versammelt und auf ihn bezogen sind. In der Bibel wird deutlich nur noch in Gen 11 mit exakt dieser Idee gespielt, wo die Menschen in V. 4 „eine Stadt und einen Turm mit der Spitze bis in den Himmel [=> Band von Himmel und Erde] bauen wollen, damit sie nicht zerstreut werden über die ganze Erde [=> Band der Länder].“ Ähnlich deutlich dann offenbar erst wieder in Bahir, ed. Margaliot 102: „Es gibt eine einzige Säule, die von der Erde in den Himmel reicht; ihr Name ist zaddiq. Sie ist benannt nach den zaddiqim [=nach den Gerechten]. ... Sie trägt die ganze Welt, wie es heißt: ‚Zaddiq‘ ist das Fundament der Welt (Spr 10,25).(apud Green 1977, S. 333). Klar verwandt ist aber die biblische, rabbinische und muslimische Vorstellung der beiden irdischen Wohnstätten Gottes – Bethel oder Jerusalem – als umbilicus mundi, als „Nabel der Welt“. Zu Bethel vgl. die rabbinischen Erzählungen, nach denen Jakobs Mazzebe in Bethel aus Gen 28,22 dieser „Nabel“ ist (PRE 35, Midrasch Tehillim 91,5, bes. Jalkut Genesis 120: „Jakob nahm [nach seinem Traum von der Himmelsleiter] den Stein, den er als Kopfunterlage genommen hatte. Was tat Gott? Mit seinem rechten Fuße versenkte er den Stein in die Tiefe des Tehom und machte ihn zur Stütze der Welt, wie wenn man eine Stütze zu einem Bogengewölbe machen würde; deshalb wird er schetijjah [=Grund(-Stein), Fundament(-Stein)] genannt. Dort ist der Nabel der Welt und von dort aus wurde die ganze Erde ausgebreitet und auf ihm wurde der Tempel gegründet.(Üs. nach Feuchtwang 1911, S. 32)); zu Jerusalem oder genauer dem Stein, auf dem im Jerusalemer Tempel die Bundeslade geruht hatte, bereits Ez 38,12; z.B. auch b.Jom 54b; Midrasch Tanchuma Buber, Kedoshim 10; weitere Stellen bei Vilnay 1973, S. 5-16. Zu Gottes „Gründung“ von Jerusalem s. Ps 78,69; 87,1f.; Jes 14,32; 28,16.
Ist wirklich an diese Vorstellung gedacht, ist vielleicht nicht unbedeutend, dass der Tempel in Sippar nicht „Band von Himmel und Erde“ hieß, sondern „Stufenhaus des lauteren Himmels“, wie ähnlich der in Kazallu „Haus, das Leiter hinauf zum Berg ist“ hieß – die „Leiter / Treppe im Himmel“ und das „Band auf der Erde“ könnten danach gar das selbe Bauwerk meinen. (Zurück zu v.6)
gwörtl. der Treter der Weintrauben an den Sähenden des Samens (Zurück zu v.13)
hhier ist eindeutig der Wein der Weinberge gemeint (Zurück zu v.14)