Amos 2

Aus Die Offene Bibel

Wechseln zu: Navigation, Suche

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Amos 2)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

Anmerkungen

Studienfassung (Amos 2)

1 So spricht JHWH: Wegen drei Vergehen von Moab und wegen vier werde ich es nicht rückgängig machen, weil sie verbrannten (die Knochen des Königs=) den König von Edom zu Kalk (Knochen als Menschenopfer für einen Dämonen?).a 2 Und ich werde Feuer schicken nach Moab und es wird die Paläste von Kerijot fressen und Moab stirbt im Getümmel, im Kriegslärm beim Ruf des Schofar b. 3 Und ich werde die Richterc aus ihrer Mitte vernichten und alle ihre Obersten mit ihm töten, spricht JHWH. 4 So spricht JHWH: Wegen drei Vergehen von Juda und wegen vier werde es nicht rückgängig machen, weil sie die Thora JHWHs verworfen haben und seine Ordnungen nicht hielten und ihre Lügen verführten sie, denen ihre Väter hinterher gelaufen sind. 5 Und ich werde Feuer schicken nach Juda und es wird die Paläste von Jerusalem fressen. 6 So spricht JHWH: Wegen drei Vergehen von Israel und wegen vier werde ich es nicht rückgängig machen, weil sie den Gerechten für Silber verkauft habend und den Armen für den Ertrag eines Paar Schuhe. 7 Sie treten den Kopf der Schwachen nieder auf den Staub der Erde und den Weg der Armen beugen sie und ein Mann und sein Vater gehen zu dem[selben] Mädchen um meinen heiligen Namen zu entweihen. 8 Und auf gepfändeten Kleidern strecken sie sich neben jeden Altar aus und trinken Wein von Strafgeldern im Haus ihres Gottes. 9 Und ich habe den Amoriter vor ihnen vernichtet, dessen Höhe [war] wie die Höhe der Zedern und dessen Stärke (Aussehen) [war] wie [die] der Eichen, und ich habe seine Frucht zerstört von oben und seine Wurzel von unten. 10 Und ich habe euch aus dem Land Ägypten heraufgeführt und habe euch in der Wüste vierzig Jahre geleitet um das Land des Amoriters in Besitz zu nehmen. 11 Und ich habe von euren Söhnen Propheten erweckt e und von euren jungen Männern Nasiräer f. Ja, war es nicht so, Söhne Israels? Ausspruch JHWHs. 12 Ihr habt die Nasiräer Wein trinken lassen und den Propheten habt ihr befohlen {folgendermaßen}: Ihr sollt nicht weissageng. 13 Siehe, ich mache es schwankend unter euch, wie der Wagen schwankt, der voll mit Heu ist. 14 Und es geht zu Grunde die Zuflucht für den Schnellen und den Starken festigt nicht seine Kraft und der Mächtige (Held) rettet nicht sein Leben (Seele). 15 Und der den Bogen Ergreifende wird nicht standhalten und der Schnellfüßigeh rettet [sich] nicht und der auf dem Pferd Reitende rettet nicht sein Leben (Seele).i 16 Und sein starkes Herz unter den Mächtigsten (Helden) wird nackt fliehen an jenem Tag, Ausspruch JHWHs.

Anmerkungen

a
BM 124801a: Assyrer zwingen besiegte Elamiter, die Knochen ihrer Vorfahren zu mahlen.
sie verbrannten (die Knochen des Königs=) den König von Edom zu Kalk (Knochen als Menschenopfer für einen Dämonen?) - umstrittene Stelle. Der historische Hintergrund dieser Untat ist nicht überliefert. Auch deshalb ist nicht sehr klar, Was genau hier angeprangert wird:
(1) ´atsmot („Knochen“) legt zunächst nahe, dass hier an eine „sekundäre Kremation“ zu denken ist: Die Moabiter hätten die sterblichen Überreste des Königs von Edom entweiht, indem sie sie aus ihrem Grab entnahmen und dann verbrannten. Angeprangert würde hier also Leichenschändung. Olyan 2015, S. 138 vergleicht dies sinnvoll mit der rechts abgebildeten assyrischen Praxis, unterlegene Gegner dazu zu zwingen, die Knochen ihrer Vorfahren zu mahlen. Diese Interpretation hat die meisten Anhänger, vgl. z.B. ausführlich Bar 2012. Sekundäre Kremation an sich allerdings war mitnichten eine Untat; in 1 Sam 31,11-13 z.B. wird das Selbe mit den Gebeinen Sauls und seines Sohns getan und ist dort die Vorbereitung für ein ordentliches Begräbnis. Ohnehin war Kremation im Alten Orient üblicher, als man nach dem Zeugnis der Bibel glauben würde; zu einem Überblick über archäologische Funde feuerbestatteter Leichname s. z.B. Bloch-Smith 1992, S. 52-55. Geht man davon aus, dass die Gebeine des edomitischen Königs aus seinem Grab genommen worden wären, um dann verbrannt zu werden, wäre die eigentliche Untat nicht die Kremation, sondern die Grabschändung und v.a. die Totenschändung durch diese Grabschändung, da Nicht-Bestattung klar etwas Schlimmes war (s. v.a. Jer 8,1f.; Bar 2,24f.). Gerade von dieser ist hier aber nicht die Rede, sondern nur vom Verbrennen.
(2) Näher liegt daher die Annahme, dass ´atsmot hier wie häufiger nicht für „Knochen“ steht, sondern pars pro toto für den (lebendigen) Leib des Königs und damit für den König selbst (s. bes. Klg 4,7; z.B. auch Ijob 7,15; Spr 3,8; 14,30; 15,30; 16,24; Ps 6,3; 35,9f. und vgl. z.B. Dalglish 1962, S. 142f.; Gordis 1978, s. 81), der hier also lebendig verbrannt worden wäre. Verbrennen bei lebendigem Leib ist in der Bibel noch häufiger eine Strafe für Übeltäter und damit klar ein schändlicher Tod; s. Gen 38,24; Lev 20,14; 21,9. Offenbar hat Moab dieses Kriegsverbrechen am König von Edom begangen, obwohl dies sonst nirgends überliefert ist.
(3) Eine dritte, ziemlich fernliegende Möglichkeit: Lebendig verbrannt wurden außerdem Menschenopfer, und zwar sowohl in Israel (Gen 22,2; Ri 11,30-39; Ez 16,20; 23,27; Mi 6,7) als auch bei anderen Völkern (Dtn 12,30f.; Ps 106,35-37) wie z.B. den Moabitern (2 Kön 3,27). Hinzu kommt: Etwas schwierig ist außerdem die Rede vom „Kalk“. Knochen nämlich zerfallen allein durch Verbrennen noch nicht zu Knochenasche, was hier vielleicht metaphorisch als „Kalk“ bezeichnet werden könnte. Selbst in modernen Krematorien bleiben nach dem Verbrennen bei bis zu 1200 °C noch größere Knochenreste übrig, die danach erst noch in einer Knochenmühle zermahlen werden müssen. Auch Knochenasche aus Tierknochen wird auf diese Weise gewonnen. Noch mehr gilt dies natürlich beim Verbrennen eines Körpers auf dem offenen Feuer eines Altars oder eines Scheiterhaufens. Die Interpretation von Tg (ähnlich bei Raschi und Kimchi) – „er verbrannte die Knochen des Königs von Edom und benutzte (sie=) die Überreste als (Kalk=) Putz für sein Haus“ –, der sich auch einige neuere Exegeten angeschlossen haben, ist daher nicht ganz einfach. Aus diesem Grund und wegen der zuletzt zitierten Stelle 2 Kön 3,27 haben einige Exegeten angenommen, die Konsonanten lßyd seien hier nicht wie in MT und den alten Üss. als laßid „zu Kalk“ zu vokalisieren, sondern als lesched „für einen Dämon“ – gemeint wäre dann der moabitische Gott Kemosch. Üblicherweise wird dies kombiniert mit einer zweiten Um-vokalisierung, nämlich wird mlk `dm nicht vokalisiert als melek-`edom „König von Edom“, sondern als molk-`adam „Menschenopfer“, wobei vorausgesetzt wird, molk sei entsprechend einem Vorschlag von Eißfeldt (1935, S. 51-55) ein Ausdruck für „Opfer“ – insgesamt also: „weil sie verbrannten Knochen des Königs von Edom [als Menschenopfer] zu Kalk [für einen Dämen](so z.B. Tur-Sinai 1948, S. 64; Albright 1990, S. 240; Christensen 1974, S. 432; erwogen auch von Gradwohl 1963, S. 87). Dass molk tatsächlich auch im Hebräischen ein Ausdruck für „Opfer“ ist, liegt aber ziemlich fern; vgl. gut Seidl 2007, S. 442f. Möglich wäre daher allenfalls die Umpunktierung nur von laßid zu lesched, „weil sie verbrannten die Knochen des Königs von Edom für einen Dämonen“. Doch diese Umpunktierung lässt sich durch keine der alten Üss. stützen; saßid dagegen findet eine leichte Stütze in Jes 33,12 (obwohl das Wort für „Kalk“ offenbar LXX und Tg nicht (so) vorlag, 1QJesa, VUL und Syr aber schon): „Die Völker werden zu Kalk-Bränden werden“, also wieder: „zu Kalk verbrennen“. (Zurück zu v.1)
bD.h. Widderhorn. (Zurück zu v.2)
cDas Verbum „schafat“, von dem das Substantiv gebildet ist, kann auch „herrschen“ bedeuten. Somit ist mit „Richter“ eine Herrscherrolle subsistiert. (Zurück zu v.3)
dWörtlich: „…wegen ihres Verkaufens für Silber den Gerechten“. (Zurück zu v.6)
eBei der Verbindung von „qum“ und „nabim“ handelt es sich um eine deuteronomistische Formulierung, vgl. Dtn 13,2; 18,15 und 18,18. (Zurück zu v.11)
fD.h. Gottgeweihte. (Zurück zu v.11)
gOder: „Keinesfalls dürft ihr weissagen“. (Zurück zu v.12)
hOder: „der schnell auf seinen Füßen [ist]“. (Zurück zu v.15)
iEs könnte hier ein Wagengespann gemeint sein. (Zurück zu v.15)