Ijob 7

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Ijob 7)

(kommt später)

Studienfassung (Ijob 7)

1 Ist nicht Frondienst (Kriegsdienst)a dem Menschen auf Erden [beschieden],
Und [sind nicht] wie die Tage eines Tagelöhnersa seine Tage?
2 Wie ein Knecht lechzt er nach Schatten
Und wie ein Tagelöhner wartet er auf seinen Lohn.
3 (So=) Wie diesen wurden mir zugeteilt Monate (Monde) der Nichtigkeit (des Bösen)
Und Nächte der Mühsal wies man (er) mir zu.
4 Wenn ich mich hinlege, spreche ich: ‚Wann kann (werde, darf) ich [endlich wieder] aufstehen!?‘,
Doch (und) der Abend wird sich dehnen b und ich werde gesättigt sein vom Umherwerfen bis zur Morgendämmerung.c
5 Bekleidet ist mein Leibd[mit] Gewürm und Erdklumpen,
Meine Haut wimmelt (verharrscht? spaltet sich?) und löst sich auf (eitert?).e
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Anmerkungen

Die Lohnknecht-metapher in der Bibel ist eine komplexe Metapher: In Rut 2,12; 2 Chr 15,7 (vgl. auch Sir 2,7f.; 11,18-22; 36,21; Spr 11,17f.; auch Gen 15,1f.; 30,18; 127,3; Jes 40,10) dient sie dazu, auszudrücken, dass sich Aufwand und Mühen lohnen, weil Gott diese Mühen zurückzahlen wird (vgl. Novick 2011, S. 708f.). Umso schlimmer für Ijob, denn er ist ein Lohnknecht, der vergeblich auf seinen Lohn wartet.

aFrondienst (Kriegsdienst) + Tagelöhner - șaba´ in 1a ist häufig und sehr deutlich das „Heer“ und von hier aus auch der „Kriegsdienst“, in diesem Kontext aber eher wie in Jes 40,2; Sir 7,15 allgemeiner die „schwere Arbeit“, das „harte Brot.“
Weil das Wort meist nach seiner häufigeren Bed. als „Kriegsdienst“ übersetzt wird und 1a und 1b so dann zwei unterschiedliche Metaphern verwenden würden (was aber auch leicht möglich wäre), machen viele Üss. den ßakir in 1b spezieller zum „Soldaten“ (da so traditionell, aber ohne guten Grund, auch die ßakirim in Jer 46,21 übersetzt werden), was gut zu diesem „Kriegsdienst“ in 1a passte. Das ist sicher abzulehnen; bes. in Anbetracht der Tatsache, dass die Lohnknechtmetapher sich noch öfter im AT findet, s. Ijob 14,6; Jes 16,14 und vgl. Novick 2011, bes. S. 716-9. (zu v.1)
bTextkritik: Doch er wird sich dehnen - Heb. wmdd. MT lässt sich nur durch Syr stützen: LXX las wmtj („wann“) wie in 4a; außerdem statt mataj ´aqum („Wann kann ich aufstehen“) mataj jom ´aqum, daher: „Ich spreche: ‚Wann wird es Tag?‘ Und wenn ich aufstehe: ‚Wann wird es Abend?‘“. VUL (et ... expecto) las vielleicht w´mdd („ich messe = ich warte“); Tg wohl w´ndd („ich werfe mich umher“) von der selben Wurzel wie nddim („Umherwerfen“); die beiden Verben in der 1. Pers. lassen sich aber recht gut als Assimilationen an die 1. Pers. von ´aqum („ich werde aufstehen“) erklären.
Manche Üss. korrigieren stattdessen den Text zu wmdj („sooft (es Abend [wird])“, z.B. , HER05, PAT nach BHS). ZÜR 31 (nicht mehr 07) folgt LXX. LUT paraphrasiert wahrscheinlich: „Ich sprach: Wann werde ich aufstehen? Bin ich aufgestanden, so wird mir's lang bis zum Abend.“ (Zurück zu v.4)
cAufteilung von V. 4 in Zeilen gegen die Akzentuierung der Masoreten. Folgte man diesen, müsste man in drei Zeilen aufteilen und deuten: „Wenn ich mich hinlege, spreche ich: / ‚Wann kann ich aufstehen? [Ach,] dass sich doch der Abend dehnte! o. [Wie] sich [doch] der Abend dehnt!‘ / Doch ich bin gesättigt...“ So aber kein Exeget und keine Üs.
4b ist dann außerordentlich lang; die Länge des Abends und der Nacht schlägt sich in der Kolometrie nieder. (Zurück zu v.4)
dBekleidet ist mein Leib - Vielleicht ein Klangspiel: labasch beßari. Zumindest in manchen Dialekten klangen sch und ß fast gleich. (Zurück zu v.5)
ewimmelt aufgrund der Würmer und löst sich auf, weil sie verwest wie in Ijob 13,28: Ijob ist ein wandelnder Leichnam (so wohl richtig Greenstein 2018, S. 43f.). Beide Wörter sind aber umstritten:
Von raga` („wimmeln“) gibt es offenbar zwei homonyme Wurzeln: raga` I „rasten, ruhig sein, Ruhe haben“ (z.B. in Dtn 28,65; Jes 34,14) und raga` II „sich bewegen“, sonst noch verwendet für das Meer, das Gott „aufwühlt, sich bewegen lässt“ (Ijob 26,12; Jes 51,15; Jer 31,35), für Kleinvieh, das Gott „fortlaufen lässt“ (Jer 49,19; 50,44) und in den Talmudim für „krabbelnde“ Säuglinge (j.Kid iv 65; j.B.B. iii 13). Die meisten Üss. leiten das Wort allerdings ab von raga´ I, was dann bed. soll „Meine Haut wird ruhig = hört auf zu fließen = hört auf zu bluten = verharrscht, verkrustet“ (z.B. Kaiser 2006, LUT 17, NeÜ, SLT 2000, TUR, van Ess, ZÜR; ähnlich TAF: „sie vernarbt“). Syr übersetzt mit qefad („vor Furcht schrumpfen, eine Gänsehaut bekommen“), VUL das zweite (!) Verb mit contractus est („sie hat sich zusammengezogen“), woraus offenbar andere dt. Üss. das merkwürdige „meine Haut schrumpft“ ableiten (, MEN, PAT, SLT 51; vgl. ELB; Junker 1959, S. 332: „meine Haut zieht sich zusammen“), wenn der Üs. nicht das veraltete „verschrumpfen“ = „vernarben“ zugrunde liegt. In der jüd. Trad. wird das Substantiv rage`a („Ruheort“) in Ps 35,20 aufgefasst als „Spalten [der Erde]“ und hieraus für raga` die Bed. „etw. spalten“ abgeleitet (so z.B. Ibn Ezra, Berachja, auch Dhorme; Jastrow u.a.): „Meine Haut bricht auf.“
ma´as, sonst oft „verachten, verschmähen“ und daher auf den ersten Blick hier „wird verachtet, ist verachtenswert“, ist hier eher eine NF von masas oder das Wort ist statt als wajjimma´es als wajjimma´s mit ´ als Vokalbuchstabe zu vokalisieren und dann ebenfalls abzuleiten von masas (meist „schmelzen“ wie in Ps 97,5; Mi 1,4; auch metaph. von ängstlichen Herz, z.B. Ps 22,15; Jes 13,7; gelegentlich auch allgemeiner „vergehen“ wie vom „verbrennenden“ Seil in Ri 15,14, vom „vergehenden“=schwächlichen Vieh in 1 Sam 15,9, vom „dahinsiechenden“ Kranken in Jes 10,18; auch Ps 112,10 (|| ´abad, „vergehen, verderben“)), daher die meisten Üss. „meine Haut fließt = nässt = eitert“. (Zurück zu v.5)