1 Samuel 1

Aus Die Offene Bibel

Wechseln zu: Navigation, Suche

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (1 Samuel 1)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28

Anmerkungen

Studienfassung (1 Samuel 1)

1 Es war ein {gewisser} Mann (Danach (war=) lebte ein {gewisser} Mann)a aus (Ramatajim=) Rama, ein Zufiter (aus Ramatajim-Zofim)b aus dem Efraim-Gebirge.
{Und} Sein Name war Elkana (=Gott hat geschaffen) ben (, Sohn des) Jerachmeel (=Gott hat begnadet; Jerocham = Gnade wurde zuteil)c ben (, Sohn des) Elihu (=Gott ist er) ben Tohu (=Jungtier?; Toh=Jungtier?)d ben (, Sohn des) Zuf (=Honig; Zif),e des Efraimiters (Efratiters?).f 2 Er hatte zwei Frauen. Der Name einer der Frau[en] (der Name der ersten/der einen Frau)g war Hanna (=Erbarmen), der Name der anderen Frau Peninnah (=Koralle). Peninna bekam (hatte) Kinder, Hanna aber [hatte] keine Kinder.h 3 Und dieser Mann (der Mann) zog Jahr für Jahr von seiner Stadt aus hinauf, um (sich niederzuwerfen vor=) anzubeten den und Opfer zu spenden dem JHWH Zebaot in Schilo (=Orakel?).i
Dort [dienten] zwei Söhne von Eli (=Hoheit) – Hopni (=Kaulquappe) und Pinhos (=Dunkelhäutiger)j – als Priester JHWHs. 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28

Anmerkungen

aTextkritik: Es war ein Mann (Danach lebte ein Mann) - 1 Sam beginnt im MT wie viele biblische Erzählungen – z.B. Ri 13,2; 17,1; 19,1; ... – mit wajehi `iš („Danach lebte ein Mann“). Mit diesem danach knüpft es an das zuvor Erzählte an; ähnlich wie Jos 1,1; Ri 1,1; Rut 1,1 zuvor und 2 Sam 1,1; 2 Kön 1,1 und ähnlich 1 Kön 1,1 danach. Niccacci 1995b hat daher klug angenommen, dass die Formulierung dieser Einleitungssätze nicht ursprünglich ist, sondern aus der Zeit der Endredaktion der hebräischen Bibel stammt, in der diese historischen Erzählungen zu einer Sammlung zusammengefügt wurden.
Im Falle unseres Verses könnten sich hiervon sogar noch Spuren finden: Einige LXX-Handschriften setzen stattdessen nämlich `iš hajah voraus: „Es war ein Mann“. Dies wird wohl der ursprüngliche Wortlaut gewesen sein (so auch McCarter): Der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären, die MT-Formulierung dagegen gut mit Niccaccis Redaktions-Annahme.
Das hat weiterhin Auswirkungen auf die Interpretation dreier weiterer Stellen: Die selbe Eröffnungsformel, die hier auch die LXX-MSS voraussetzen, findet sich sonst nur noch am Beginn des Ijobbuches Ijob 1,1, der Nathan-Parabel 2 Sam 12,1 und der Baum-Parabel 2 Kön 14,9; und weil es gerade diese drei Erzählungen sind, die so eröffnet werden, nimmt man dort fast stets an, `iš hajah sei eine Art typische Märchenformel wie das dt. „Es war einmal“. Begann ursprünglich auch 1 Sam mit dieser Formel, wäre das falsch: Dann wäre dies keine „Märchen“-Formel, sondern schlicht die Eröffnung einer selbständigen Erzählung. (Zurück zu v.1)
bRamatajim - Langform des ON „Rama“, der sonst verwendet wird – auch in 1 Sam, s. 1 Sam 1,19 (!); 2,11; 8,4; 25,1; 28,3. Wohl Stilmittel: Irreguläre Assonanz mit „Efraim“. Tg normalisiert auch hier zu diesem üblichen Namen.
Zufiter (dazu auch unten) - d.h. ein Nachfahre Zufs (s. 1b), nach dem das gleichnamige Gebiet benannt wurde, und gleichzeitig Bewohner dieser Gegend; s. 1 Sam 9,5.
Textkritik: Das ähnlich assonante Zofim des MT nämlich ist wohl nicht ursprünglich, sd. wurde aus einem ursprünglichen zufi, das noch LXX voraussetzt, wegen den beiden es umrahmenden -im-Worten und wegen dem folgenden m- erst später zu zofim verschrieben (so auch Wellhausen, Ginsburg, Haupt, Driver; auch McCarter; auch ). Ramatajim-Zofim, wie z.B. LUT, SLT, ZÜR übersetzen, ließe sich auch gar nicht erklären: Ramatajim ist grammatisch Dual des fem. ramah („Hügel“), zofim müsste dazu dann maskulines Partizipialattribut sein: „zufitisch-Doppelhügel“ (vgl. ähnlich Ri 15,17: „Kinn-Hügel“).
Tg, Syr und b.Meg 14a dagegen leiten zofim ab von zafah („sehen“) und machen aus Ramatajim-Zofim den „Hügel“ oder das „Rama“ „der (200) Seher“. (Zurück zu v.1)
cTextkritik: LXX und VL setzen statt MT's Jerocham den verwandten Namen Jerachmeel voraus. Falsch Auld und McCarter: Jerachmeel ist nicht Langform des Kurzform-Namens Jerocham, wonach dann die Variante Jerachmeel leicht erklärlich wäre (Kurzform- und Langform-Namen waren austauschbar, weshalb z.B. der Prophet Micha aus Mi 1,1 in Jer 26,18 stattdessen Michajahu genannt werden kann. Zu weiteren Bspp. s. zu Am 7,10). Aber Jerocham ist eine Passiv-Bildung („Er wurde begnadigt“), Jerachmeel dagegen aktiv („Gott hat begnadet“). Jerocham und Jerachmeel sind also echte Varianten. Elkanas Vater heißt auch in 1 Chr 6,12.19 Jerocham; wahrscheinlicher ist daher hier in MT und dann auch in VUL, Tg, Syr an diese Stelle angeglichen worden. (Zurück zu v.1)
dTextkritik: LXX wie in 1 Chr 6,19 Toah, urspr. toḥ. Ursprünglich in 1 Sam ist sicher die Form des MT. Zum Namen vgl. DAHPN. (Zurück zu v.1)
eTextkritik: LXX setzt wie in 1 Chr 6,20 K voraus: Zif. Auld hält das für ursprünglich; aber wahrscheinlicher ist auch Zif in 1 Chr 6,20 nur verschrieben aus Zuf (weshalb dort auch Q Zuf lesen lassen will) und dann hier Zif in der Vorlage von LXX eine falsche Angleichung an diesen falschen Wortlaut von 1 Chr. (Zurück zu v.1)
fEfraimiter (Efratiter?) - Heb. `eprati, was sowohl Bewohner des Gebiets Efrata um Bethlehem, südwestlich von Jerusalem („Efratiter“, so Rut 1,2; 1 Sam 17,12), oder Bewohner des Stammesgebiets Efraim nördlich davon („Efraimiter“) bezeichnen könnte (wie auch Ri 12,5; 1 Kön 11,26). Nach dem Kontext zu urteilen ist hier klar Letzteres gemeint (so auch McCarter; , GN, LUT); nicht wenige übersetzen aber merkwürdigerweise dennoch „Efratiter“ (z.B. Tsumura; B-R, SLT, ZÜR). (Zurück zu v.1)
gtFN: der Name einer der Frau[en] (der Name der ersten/der einen Frau) - Angezielt ist wahrscheinlich die Bed. der Primärübersetzung. `aḥat kann (1) „die erste“ (vs. „die zweite“), (2) „die eine“ (vs. „die andere“) oder (3) wie ein unbest. Artikel „eine, irgendeine“ bedeuten. Bei (1) „die erste ... die zweite“ hätten i.d.R. beide Wörter einen Artikel (s. 1 Sam 14,4; Gen 2,11-13; 4,19; Ex 28,17f.; Ez 10,14), bei (2) „die eine ... die andere“ hätte keines einen Artikel (s. z.B. 1 Sam 10,3; 13,17f.; 2 Sam 12,1 u.ö.). Hier dagegen hat `aḥat keinen Artikel, šenit („die zweite / die andere“) aber schon. Das ist äußerst ungewöhnlich; 20 MSS schreiben daher auch das erste Wort mit Artikel. So, wie der Text vorliegt, kann man kaum anders deuten denn so, dass `aḥat ... wehaššenit nicht „die erste und die zweite“ oder „die eine und die andere“ bedeutet, sondern dass `achat als unbest. Artikel fungiert und dann haššenit deswegen Artikel haben und „die andere“ bedeuten kann, weil von der ersten der beiden Frauen bereits die Rede war. Daher „eine der Frauen ... die andere Frau“. (Zurück zu v.2)
hMan beachte den Chiasmus: (A) Hanna – Peninna, (B) Peninna – Hanna. Gemeinsam mit der seltsamen Formulierung `aḥat ... wehaššenit (s. vorige FN) drückt dies aus: Hier steht noch nicht Hanna allein im Fokus, sondern beide Frauen gleichermaßen. (Zurück zu v.2)
iSchilo - Ort in Efraim, also recht nahe an Elkanas Heimat gelegen. Sitz eines sehr wichtigen Heiligtums. Exegeten haben aus Ri 21,19 abgeleitet, dass in Schilo bes. ein jährliches Fest gefeiert worden sei, das außerhalb der Reihe der drei großen Erntefeste Israels gestanden habe, und dann angenommen, dieses Fest sei es gewesen, zu der Elkana jährlich pilgerte. Aber da dieses Fest nach Ri 21,20f. bes. in die Weingärten verortet wird, wird es sich dabei doch ebenfalls um eines der Erntefeste gehandelt haben. Zu welchem Anlass – sofern es denn einen bestimmten Anlass gab – Elkana jährlich nach Schilo pilgerte, sagt unser Text dann nicht. S. zum Ort näher Silo (WiBiLex). (Zurück zu v.3)
jHopni + Pinhos - keine heb. Namen, sd. ägyptische. Darüber hinaus beinahe Anagramme: ḥɔpny + pynḥɔs; ein üblicher Zug hebräischer Erzählkunst (s. zu Am 7,10 für weitere Bspp.). Aus diesem Grund halte ich (S.W.) hier Hopni besser als 's „Hofni“ und verfälsche außerdem Pinhas zu Pinhos.
Die Namen der beiden passen zu ihrer folgenden negativen Darstellung, s. 1 Sam 2,12ff.: sie sind Repräsentanten des Unglaubens. (Zurück zu v.3)