Benutzer:Sebastian Walter/Hebräische Syntax: Unterschied zwischen den Versionen

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Bei einem großen Teil der Verben funktionieren beide Positionen. Aber es gibt auch viele Stellen, bei denen sie eben nicht funktionieren. Z.B. kann allein die Form Qatal für alle Tempora von Plusquamperfekt bis zu Futur II verwendet werden.<br />
Für zutreffender und v.a. eleganter halte ich stattdessen die modale Position, deren erster großer Vertreter Zuber 1985 war. Zuber beobachtet, dass in vielen Sprachen <u>Modus</u> und <u>Futur</u> durch die selben Formen vertreten werden. Davon ausgehend bestimmt er als die grundlegende Dichotomie des hebräischen Verbsystems die von ''recto'' und ''obliquo''. „Recto“ ist sein Sammelbegriff für Qatal und Wayyiqtol; „obliquo“ der für Yiqtol und Weqatal. Die erste erfüllt nach Zuber die Funktion des Indikativs, die zweite die des „Futur“, wobei „Futur“ bei ihm sowohl für „Futur“ als auch für modale Funktionen steht.
Aus diesem Grund sind v.a. im letzten Jahrhundert sehr viele weitere Theorien entstanden. Die diskurslinguistische Position lässt sich nicht leicht auf kurzem Raum zusammenfassen und es ist dies auch nicht notwendig für unsere Zwecke, weshalb ich darauf verzichten will. Aber als ein Beispiel für eine modale Position sei Zuber 1985 genannt. Zuber beobachtet, dass in vielen Sprachen <u>Modus</u> und <u>Futur</u> durch die selben Formen vertreten werden. Davon ausgehend bestimmt er als die grundlegende Dichotomie des hebräischen Verbsystems die von ''recto'' und ''obliquo''. „Recto“ ist sein Sammelbegriff für Qatal und Wayyiqtol; „obliquo“ der für Yiqtol und Weqatal. Die erste erfüllt nach Zuber die Funktion des Indikativs, die zweite die des „Futur“, wobei „Futur“ bei ihm sowohl für „Futur“ als auch für modale Funktionen steht.
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Der große Vorteil von Zubers Theorie ist, dass sie (a) sehr einfach ist, dabei aber (b) dennoch ohne Zusatzannahmen mit einem größeren Teil der Verben zurecht kommt als die beiden oben skizzierten Positionen. Ähnlich z.B. noch Joosten 1997 und Joosten 1999, der heute für Qatal und Wayyiqtol allerdings eine etwas andere Ansicht vertritt.
Der große Vorteil von Zubers Theorie ist, dass sie (a) sehr einfach ist, dabei aber (b) dennoch ohne Zusatzannahmen mit einem größeren Teil der Verben zurecht kommt als die beiden oben skizzierten Positionen. Ähnlich z.B. noch Cohen 2013; Joosten 1992; Joosten 1997 und Joosten 1999, der heute allerdings eine andere Ansicht vertritt.


Dennoch kann auch diese Theorie nicht zufriedenstellen. Erstens zeigen Statistiken deutlich, dass die einfachen Formen Qatal und Yiqtol und die ihnen „entsprechenden“ Waw-Formen Wayyiqtol und Weqatal unterschiedlich verwendet werden; zweitens ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sich in einer Sprache zwei verschiedene grammatische Formen mit der selben Funktion herausbilden und dann über Jahre hinweg parallel bestehen bleiben. Galia Hatav hat deshalb weiter differenziert und zusätzlich den Aspekt der „Sequentialität“ eingeführt (ähnlich [https://www.academia.edu/2257122/Modality_Reference_and_Speech_Acts_in_the_Psalms_unpublished_PhD_diss._Cambridge_ Warren 1998]; Der Aspekt der „Sequentialität“ wird aber auch von anderen verwendet wird; z.B. von Goldfajn 1998, [https://www.academia.edu/1113953/The_Pragmatics_of_the_X_Verb_Structure_in_the_Hebrew_of_Genesis Hornkohl 2003], Endo 1996 oder [https://www.academia.edu/1765333/The_temporal_reference_of_verbs_in_direct_speech_in_classical_Hebrew Nielsen 2008]). Mit „Sequentialität“ bezeichnet sie den Aspekt der temporalen Kontinuität; in Golfajns Worten: <code>„Wayyiqtol und Weqatal scheinen zu sagen „und danach“, wobei dieses „da“ das zuletzt erzählte Geschehen bezeichnet.“</code> <small>(Goldfajn 1998, S. 143; meine Übersetzung. Ähnlich auch van der Merwe 1999, S. 110)</small>.<br />
Galia Hatav hat dies weiter differenziert und zusätzlich den Aspekt der „Sequentialität“ eingeführt (ähnlich [https://www.academia.edu/2257122/Modality_Reference_and_Speech_Acts_in_the_Psalms_unpublished_PhD_diss._Cambridge_ Warren 1998]; der Aspekt der „Sequentialität“ wird aber auch von anderen verwendet wird; z.B. von Goldfajn 1998, [https://www.academia.edu/1113953/The_Pragmatics_of_the_X_Verb_Structure_in_the_Hebrew_of_Genesis Hornkohl 2003], Endo 1996 oder [https://www.academia.edu/1765333/The_temporal_reference_of_verbs_in_direct_speech_in_classical_Hebrew Nielsen 2008]). Mit „Sequentialität“ bezeichnet sie den Aspekt der temporalen Kontinuität. In der Linguistik ist Sequentialität eine geläufige Beschreibungskategorie; in der Slavistik z.B. läuft sie unter dem Begriff der „Handlungskette“. Man bezeichnet damit sprachliche Formen, die der <code>„Versprachlichung des Nacheinanders von Ereignissen in zeitlicher [oder logischer] Folge“</code> <small>(Gzella 2004, S. 347)</small> dienen.<br />
Für eine Grafik s. unten.<br />
Für eine Grafik s. unten.<br />
Mit der Einführung der Sequentialität ist Wichtiges gewonnen. Z.B. werden ''Qatal'' und ''Yiqtol'' im Hebräischen nicht nur für selbstständige Sätze verwendet, sondern können auch sog. „''Hintergrund''-Funktionen“ übernehmen (s. unter 1.4.2.1). Mit der Kategorie der „Nicht-Sequentialität“ lassen sich diese Verwendungsweisen erklären:
Mit der Einführung der Sequentialität ist Wichtiges gewonnen. Z.B. werden ''Qatal'' und ''Yiqtol'' im Hebräischen nicht nur für selbstständige Sätze verwendet, sondern können auch sog. „''Hintergrund''-Funktionen“ übernehmen (s. unter 1.4.2.1). Mit der Kategorie der „Nicht-Sequentialität“ lassen sich diese Verwendungsweisen erklären:
: <code>„Weil sie nicht unter der Einschränkung der Sequentialität stehen, können Hintergrundsätze an jedem Punkt der Zeitachse oder gar jenseits der Zeitachse lokalisiert sein. [...] Strenggenommen werden ausschließlich Vordergrundsätze „erzählt“. Hintergrundsätze erzählen nicht, sondern unterstützen, reichern an oder kommentieren die Erzählung.“</code><small>([https://www.academia.edu/3546094/The_Verbless_Clause_and_Its_Textual_Function van Wolde 1999], S. 324; meine Übersetzung.)</small>
: <code>„Weil sie nicht unter der Einschränkung der Sequentialität stehen, können Hintergrundsätze an jedem Punkt der Zeitachse oder gar jenseits der Zeitachse lokalisiert sein. [...] Strenggenommen werden ausschließlich Vordergrundsätze „erzählt“. Hintergrundsätze erzählen nicht, sondern unterstützen, reichern an oder kommentieren die Erzählung.“</code><small>([https://www.academia.edu/3546094/The_Verbless_Clause_and_Its_Textual_Function van Wolde 1999], S. 324; meine Übersetzung.)</small>
Dies sollte genügen, um zur Darstellung des Systems selbst zu kommen.


=====Das finite Verb=====
=====Das finite Verb=====
(1) Die Verbformen ''Qatal'', ''Yiqtol'', ''Wayyiqtol'' und ''Weqatal'' lassen sich voneinander abgrenzen mithilfe der Kategorien „Modalität“ und „Sequentialität“: Weqatal ist charakterisierbar als ''+modal / +sequentiell''; Yiqtol als ''+modal / -sequentiell''; Wayyiqtol als ''-modal / +sequentiell'' und Qatal als ''-modal / -sequentiell''.<br /><center>[[File:Hatav.png]]</center>  
(1) Die Verbformen ''Qatal'', ''Yiqtol'', ''Wayyiqtol'' und ''Weqatal'' lassen sich voneinander abgrenzen mithilfe der Kategorien „Modalität“ und „Sequentialität“: Weqatal ist charakterisierbar als ''+modal / +sequentiell''; Yiqtol als ''+modal / -sequentiell''; Wayyiqtol als ''-modal / +sequentiell'' und Qatal als ''-modal / -sequentiell''.<br /><center>[[File:Hatav.png]]</center><br />
: (1.1) '''Modalität''' lässt sich Dietrich 1992 bestimmen als die „geltungsmäßige ''Offenheit'' eines Sachverhalts“: <code>Ein Satz ist modalisiert, wenn die Proposition, die er ausdrückt, nicht als faktisch gekennzeichnet ist.</code> <small>(Dietrich 1992, S. 24)</small>.<br />
'''Modalität''' lässt sich mit Dietrich 1992 bestimmen als die „geltungsmäßige ''Offenheit'' eines Sachverhalts“: <code>Ein Satz ist modalisiert, wenn die Proposition, die er ausdrückt, nicht als faktisch gekennzeichnet ist.</code> <small>(Dietrich 1992, S. 24)</small>.
:: (1.1.1) Wie in vielen Sprachen werden auch im Hebräischen neben den modalen Funktionen im „eigentlichen Sinne“ (s.u.) auch <u>Futur</u><ref>Zum Zhg. Modalität - Futur vgl. Palmer 2001, S. 5: „<code>Realis/irrealis systems do not usually occur together with tense systems. In general past and present are marked as realis, future as irrealis.</code>. Sogar für uns geläufigere Sprachen wie das Deutsche, Englische und Spanische wird dies diskutiert; vgl. z.B. [http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/9091/pdf/DissUnsicherePublikation.pdf Lang 2013]; [http://www.redalyc.org/articulo.oa?id=321827597008 Vega 2005].).</ref> und <u>habituelle Geschehnisse</u><ref>Zum Zhg. Modalität - Habitualität vgl. z.B. Fleischmann 1995, S. 537ff.; Palmer 2001, S. 179; für das Hebräische vgl. bes. Joosten 1992</ref> durch die modal markierten Verbformen markiert.  
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:: (1.1.2) Neben den modalen Formen - wiederum: wie viele andere Sprachen auch - hat sich im Hebräischen das System der '''Direktiva''' (Kohortativ, Imperativ, Jussiv) entwickelt. Sieht man von den semantisch-syntaktischen Beschränkungen dieser Formen ab (z.B. ist Kohortativ auf die 1. Person, Imperativ auf die 2. Person, Jussiv fast völlig auf die 3. Person beschränkt; Weqatal, Kohortativ und Imperativ können nicht negiert werden etc.), decken sich im Bereich der „modalen Funktionen im eigentlichen Sinne“ die Funktionen des direktiven Systems völlig mit dem des modalen Systems (für Beispiele [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Benutzer:Sebastian_Walter/Hebr%C3%A4ische_Syntax#Beispiele_Modalit.C3.A4t s.u.]):
: (1.1) Im Hebräischen haben sich zwei Systeme zum Ausdruck von Modalfunktionen herausgebildet: Das ''Modalsystem'' (bestehend aus Yiqtol und Weqatal) und das ''System der Direktiva'' (bestehend aus Kohortativ, Imperativ und Jussiv).<br />Sieht man von den semantisch-syntaktischen Beschränkungen der einzelnen Formen ab (z.B. ist Kohortativ auf die 1. Person, Imperativ auf die 2. Person, Jussiv fast völlig auf die 3. Person beschränkt; Weqatal, Kohortativ und Imperativ können nicht negiert werden etc.), deckt sich im Bereich der Modalfunktionen das Modalsystem völlig mit dem direktiven System (für Beispiele [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Benutzer:Sebastian_Walter/Hebr%C3%A4ische_Syntax#Beispiele_Modalit.C3.A4t s.u.]):
: (1.2) Die '''nicht-modalen'''“<ref>„nicht-modal“ ist strenggenommen falsch, da auch der Indikativ zum Modussystem einer Sprache gehört. Der Begriff wurde nur aus taxonomischen Gründen gewählt.</ref> Formen dagegen kennzeichnen ein Geschehen oder einen Sachverhalt sozusagen „modal ungefärbt“ als <u>faktisch</u>.
:(1.2) Wie in vielen Sprachen werden auch im Hebräischen neben den modalen Funktionen „im eigtl. Sinne“ auch <u>Futur</u><ref>Zum Zhg. Modalität - Futur vgl. Palmer 2001, S. 5: <code>Realis/irrealis systems do not usually occur together with tense systems. In general past and present are marked as realis, future as irrealis.</code>. Vgl. auch Comrie 1985, S. 49. Sogar für uns geläufigere Sprachen wie das Deutsche, Englische und Spanische wird dies diskutiert; vgl. z.B. [http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/9091/pdf/DissUnsicherePublikation.pdf Lang 2013]; [http://www.redalyc.org/articulo.oa?id=321827597008 Vega 2005].).</ref> und <u>habituelle Geschehnisse</u><ref>Zum Zhg. Modalität - Habitualität vgl. z.B. Fleischmann 1995, S. 537ff.; Palmer 2001, S. 179; für das Hebräische vgl. bes. Joosten 1992.</ref> durch die modalen Formen markiert.
: (1.3) Die Kategorie der '''Sequentialität''' ist in der Linguistik schon länger bekannt; in der Slavistik z.B. läuft sie unter dem Begriff der „Handlungskette“. Man bezeichnet mit diesem Begriff sprachliche Formen, die der <code>„Versprachlichung des Nacheinanders von Ereignissen in zeitlicher [oder logischer] Folge“</code> <small>(Gzella 2004, S. 347)</small> dienen.
: (1.3) <u>Anmerkungen</u>:
: (1.4) Die primäre Funktion der '''nicht-sequentiellen''' Formen ist die Bezeichnung von Geschehnissen und Sachverhalten, die ''nicht'' innerhalb einer zeitlich-logischen Handlungskette stehen. Sie können aber auch innerhalb von Handlungsketten verwendet werden; auch dann aber haben sie eine andere Funktion als die sequentiellen Formen (s. 1.4.1f).  
::(1.3.1) An einigen Stellen scheinen '''Yiqtol''' und '''Weqatal''' Vergangenheits- und Gegenwartsbedeutung zu haben. Besonders häufig ist das in den Konstruktionen [{{hebr}}בְּ)טֶרֶם){{hebr ende}} - Yiqtol] und [{{hebr}}עַד{{hebr ende}} - Yiqtol]. Tatsächlich müssen diese Fälle aber als <u>prospektiv</u> erklärt werden (Joosten 1999, S.  18f.; [https://www.academia.edu/235752/Prospective_weqatal_in_Biblical_Hebrew_Dubious_Cases_or_Unidentified_Category Notarius 2008])<ref>Für einige - z.B. Goldfajn 1998, bes. S. 134f. oder Bartelmus 1982, bes. S. 54ff. - ist diese Prospektivität sogar die fundamentale Temporalsemantik von Yiqtol.</ref>. Z.B.: [[Josua 3#s1 | Jos 3,1]] {{hebr}}וַיָּלִנוּ שָׁם טֶרֶם יַעֲבֹרוּ{{hebr ende}}≠''Sie nächtigten dort [=am Fluss], bevor sie [ihn] überquerten'', sd. ''Sie nächtigten dort, bevor sie ihn überqueren <u>sollten</u>.''<ref>für weitere Bspp s. z.B. [http://archive.org/stream/introductoryhebr00daviuoft#page/68/mode/1up Dav §45]</ref> Im Deutschen klingt eine solche Übersetzung meist unnatürlich, weshalb auch bei prospektivem Yiqtol mit Gegenwart/Vergangenheit übersetzt werden sollte.
:: (1.4.1) Qatal und Yiqtol können innerhalb einer Handlungskette einen Sachverhalt oder ein Geschehen aus der Handlungskette „<u>herausheben</u>; etwa, um so den Höhepunkt einer Handlung zu markieren.  
::(1.3.2) Auch in der Konstruktion '''[{{hebr}}אָז{{hebr ende}} - Yiqtol]''' hat Yiqtol Vergangenheitsbedeutung. Über den Grund dafür kann man nur spekulieren. Joosten 1999, S. 25 z.B. fordert eine diachrone Erklärung, die er aber selbst nicht liefert.<ref>[http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/1094258 HKL III §140] hält es für eine frühere Variante von Wayyiqtol, was zwar eine gute Funktionsbeschreibung, aber keine ''Erklärung'' ist. Einige - z.B. Goldfajn 1998, S. 131 - erklären [{{hebr}}אָז{{hebr ende}} - Yiqtol] nach dem selben Muster wie [{{hebr}}בְּ)טֶרֶם){{hebr ende}} - Yiqtol] und [{{hebr}}עַד{{hebr ende}} - Yiqtol], aber an vielen Stellen passt das nicht.</ref>
:: (1.4.2) Für einen zweite Funktionsgruppe werden die nicht-sequentiellen Formen verwendet, da sie ob ihrer Nicht-Sequentialität für diese Funktionen „frei geworden sind“; Buth 1995 fasst diese Funktionen treffend zusammen unter dem Titel „Diskontinuitäts-strategien“. Sie werden zusätzlich häufig durch die Wortstellung X - Verb markiert; es kann aber auch zu Ausnahmen kommen.
::(1.3.3) Interessant ist der Gebrauch des '''Yiqtol in <u>Fragen</u>'''. An den meisten Stellen hat der interrogative Kontext ''keinen'' Einfluss auf die Semantik der Verben. In einigen Fragen an die 2. Person kann jedoch offenbar Yiqtol wie Qatal verwendet werden; vgl. z.B. [[Genesis 42#s7 | Gen 42,7]] {{hebr}}מֵאַיִן בָּאתֶם{{hebr ende}} ''Woher QAT:kommt ihr?'' vs. [[Richter 19#s17 | Ri 19,17]] {{hebr}}מֵאַיִן תָּבוֹא{{hebr ende}} ''Woher YIQ:kommst du?''.<ref>Für weitere Bspp s. z.B. [http://archive.org/stream/introductoryhebr00daviuoft#page/68/mode/1up Dav §45.R1]</ref> Einige Hebraisten (z.B. Bartelmus 1982, S. 61-63) wollen auch dies durch die Prospektivität der Yiqtol-Form erklären, aber dann wären stattdessen die Qatal-Fragen nicht mehr erklärbar. Man wird sich wohl mit dem Hinweis begnügen müssen, dass das selbe Phänomen sich in mehreren Sprachen findet.<ref>z.B. Namia, vgl. [http://www-01.sil.org/pacific/png/pubs/928474531098/Namia_Tense_Aspect_Mood.pdf Feldpausch 2007, S. 9]).</ref>
::: (1.4.2.1) Mit Yiqtol und Qatal können sogenannte „<u>Hintergrundsätze</u>“ gebildet werden:
:: (1.3.4) Erwähnenswert für '''Kohortativ''' ist, dass er häufiger für die ''Kombination'' der modalen Färbungen teleologische Modalität und Abilitiv verwendet wird: ''damit ich X kann''; vgl. z.B. [[Gen 19#s5 | Gen 19,5]]; [[Genesis 23#s4 | Gen 23,4]]; [[Exodus 4#s18 | Ex 4,18]]; [[Exodus 5#s3 | Ex 5,3]]; [[Jesaja 5#s19 | Jes 5,19]] u.ö.
:::: (1.4.2.1.1) Die nicht-sequentiellen Formen können außerhalb der Handlungskette liegende Sachverhalte und Geschehnisse ausdrücken; seien diese nun (a) <u>vorzeitig</u> oder (b) <u>gleichzeitig</u> (-> ''„Nachdem X geschehen war...“'' / ''„Als/Während X geschah...“''). Yiqtol kann zusätzlich (c) <u>nachzeitige</u> Hintergrundsätze bilden (-> ''„Bevor X geschah“'')
:: (1.3.5) Bei den '''Imperativen''' ist noch hinzuweisen (a) auf den <u>Pseudo-Imperativ</u>, der aber nur ein gewöhnlicher Subtyp des Konditionalsatzes (s. dort) ist, (b) auf den <u>Konsequenz-Imperativ</u>, der sich aber durchweg durch die oben gelisteten Modalfunktionen (meist: Kommissiv) erklären lässt und (c) auf den sogenannten <u>Vorbereitungs-Imperativ</u> (zu diesem vgl. bes. Jenni 2005, S. 242ff.). Bei Letzterem handelt es sich um „desemantisierte Imperative“ (ebd., S. 242) v.a. von den Wurzeln  {{hebr}}הלך{{hebr ende}}, {{hebr}}קום{{hebr ende}}, {{hebr}}ראה{{hebr ende}} und {{hebr}}יבה{{hebr ende}}. Zwar könne diese auch vollsemantisch als „normale“ Imperative fungieren, häufig erfüllen sie aber stattdessen Sonderfunktionen: {{hebr}}ראה{{hebr ende}} fungiert exakt wie {{hebr}}הלך{{hebr ende}}, {{hebr}}קום{{hebr ende}}; {{hebr}}הִנֵּה{{hebr ende}}, und {{hebr}}יבה{{hebr ende}} dienen oft bloß zur Einleitung von Aufforderungen. In der Übersetzung sollten diese Imperative ausgespart werden.
:::: (1.4.2.1.2) Sie können (a) <u>Bedingungen</u>, (b) <u>Gründe</u> und (c) <u>Zwecke</u> ausdrücken. Wegen ihrer Eigenschaften als nicht-modal resp. modal werden für (b) i.d.R. Qatal, für (c) dagegen Yiqtol verwendet, obwohl es auch hier vereinzelte Ausnahmen gibt. (->''„Wenn X... [dann]...“''; ''„Weil X... [deshalb]...“''; ''„Y ... um zu X“'')
:: (1.3.6) '''Irrealität''' und '''epistemische Modalität''' sind im Hebräischen nicht an bestimmte Verbformen gebunden; ob ein Verb - gleich, welcher Form - in der Bibel als real, epistemisch modal oder irreal gedeutet werden muss, muss aus dem Kontext erschlossen werden (vgl. Lauber 2008-2011).
::: (1.4.2.2) Auch Diskontinuitäten in der Informationsstruktur eines Textes werden mit den nicht-sequentiellen Formen markiert. Diese informationsstrukturspezifischen Diskontinuitäten sind (a) die ''Neueinführung'' von Subjekten, Objekten, Themen usw. bzw. der ''Fokuswechsel'' zu bereits eingeführten, aber im Hintergrund stehenden S., O., Th. etc. (-> <u>Fokusierung</u>) oder (b) die ''Gegenüberstellung'' von einem Subjekt/Objekt/Thema/usw. mit einem anderen Subjekt/Objekt/Thema/usw. (-> <u>Kontrastierung</u>).
(2) Die „'''nicht-modalen'''“<ref>„nicht-modal“ ist strenggenommen falsch, da auch der Indikativ zum Modussystem einer Sprache gehört. Der Begriff wurde nur aus taxonomischen Gründen gewählt.</ref> Formen dagegen kennzeichnen ein Geschehen oder einen Sachverhalt sozusagen „modal ungefärbt“ als <u>faktisch</u>.<br />
:: (1.4.3) Erwähnenswert ist für Qatal noch die Verwendung als <u>performatives Qatal</u>: ''Sprechakte'' werden im Hebräischen entweder ausgedrückt durch Qatal oder durch Qatal und vorangestelltes (bedeutungsloses) {{hebr}}הִנֵּה{{hebr ende}}.  
(3) Die '''sequentiellen''' Formen markieren <u>temporale oder logische Kontinuität</u>; in Golfajns Worten: <code>„Wayyiqtol und Weqatal scheinen zu sagen „und danach“, wobei dieses „da“ das zuletzt erzählte Geschehen bezeichnet.“</code> <small>(Goldfajn 1998, S. 143; meine Übersetzung. Ähnlich auch van der Merwe 1999, S. 110)</small>.<br />
:: (1.4.4) Etwas rätselhaft ist mir bisher noch die Verwendung von Qatal als <u>prekatives Qatal</u>. Da diese Verwendungsweise aber ausschließlich in Poesie vorzufinden zu sein scheint und auch nur im Parallelismus mit Yiqtol oder Volitiven (vgl. z.B. Buttenwieser 1938, S. 18-25; IBHS §30.5.4c-d), denke ich, dass diese Verwendung sich als T-Shift erklären ließe.
(4) Die primäre Funktion der '''nicht-sequentiellen''' Formen ist die Bezeichnung von Geschehnissen und Sachverhalten, die ''nicht'' innerhalb einer zeitlich-logischen Handlungskette stehen. Sie können aber auch innerhalb von Handlungsketten verwendet werden; auch dann aber haben sie eine andere Funktion als die sequentiellen Formen:
: (4.1) Qatal und Yiqtol können innerhalb einer Handlungskette einen Sachverhalt oder ein Geschehen aus der Handlungskette „<u>herausheben</u>“; etwa, um so den Höhepunkt einer Handlung zu markieren.
: (4.2) Mit den nicht-sequentiellen Formen werden Diskontinuitäten der Informationsstruktur markiert, genauer (a) die ''Neueinführung'' von Subjekten, Objekten, Themen usw. bzw. (b) der ''Fokuswechsel'' zu bereits eingeführten, aber im Hintergrund stehenden S., O., Th. etc. (-> <u>Fokusierung</u>) oder (c) die ''Gegenüberstellung'' von einem Subjekt/Objekt/Thema/usw. mit einem anderen Subjekt/Objekt/Thema/usw. (-> <u>Kontrastierung</u>). Diese Diskontinuitäten werden außerdem häufig zusätzlich durch die Wortstellung X-Verb markiert, aber dies ist kein Muss.
: (4.3) Auch für <u>Nebensätze</u> werden meist die nicht-sequentiellen Formen verwendet. Da im Hebräischen die meisten Nebensatzarten nicht durch besondere Subjunktionen o.Ä. markiert sein müssen (s. dort), sollte man daher bei jeder nicht-sequentiellen Form zunächst einmal überlegen, ob sich der betreffende Satz nicht besser als Nebensatz übersetzen ließe. Auch Nebensätze werden häufig zusätzlich durch die Wortstellung X-Verb markiert, aber auch hier ist dies nicht notwendig der Fall.
: (4.4) Etwas rätselhaft ist mir bisher noch die Verwendung von Qatal als <u>prekatives Qatal</u>. Da diese Verwendungsweise aber ausschließlich in Poesie vorzufinden zu sein scheint und auch nur im Parallelismus mit Yiqtol oder Volitiven (vgl. z.B. Buttenwieser 1938, S. 18-25; IBHS §30.5.4c-d), denke ich, dass diese Verwendung sich als T-Shift erklären ließe.
(5) In der sprachgeschichtlichen Entwicklung vom klassischen Bibelhebräisch über das spätbiblische Hebräisch zum Mischnahebräischen traten auch Entwicklungen im Verbsystem des Hebräischen auf. Die Wichtigsten:
: (5.1) Die sequentiellen Formen Wayyiqtol und Weqatal werden nicht mehr verwendet; die Funktionen von Wayyiqtol und Qatal fallen zusammen in Qatal und die von Weqatal und Yiqtol in Yiqtol. Gleichzeitig nimmt die Verwendung von sequentiellen Infinitiven (s.u.) als Ersatz für die finiten sequentiellen Formen zu.
: (5.2) Die im Großen und Ganzen schon im klassischen Bibelhebräisch überflüssigen direktiven Formen Kohortativ und Jussiv werden nicht mehr verwendet. Zum Ausdruck von Futur und Modalität dient nun nur noch Yiqtol.
: (5.3) Der Indikativ differenziert sich aus in ein Tempussystem:
:: (5.3.1) Qatal wird zu einer echten Tempusform: Außer in einigen idiomatischen Ausdrücken dient Qatal nicht mehr zum Ausdruck von Gegenwart, sondern nur noch von Vergangenheit.
:: (5.3.2) Stattdessen wird nun das Partizip sehr häufig zum Ausdruck von Gegenwart verwendet. Dabei wird es noch nicht gleich zum Vollverb; gleichzeitig nämlich nimmt die Verwendung der zusammengesetzten Konstruktion {{hebr}}היה{{hebr ende}} + Partizip stark zu und auch im MH findet sich noch die Verwendung des Partizips zum Ausdruck von Zukunft oder Modalität.


=====Kopulasätze und Verblose Sätze=====
=====Kopulasätze und Verblose Sätze=====
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*: {{hebr}}הוּא{{hebr ende}} vs. vlS:
*: {{hebr}}הוּא{{hebr ende}} vs. vlS:
*:: [[Genesis 2#s14 | Gen 2,14]] {{hebr}}וְשֵׁם הַנָּהָר הַשְּׁלִישִׁי חִדֶּקֶל... וְהַנָּהָר הָרְבִיעִי הוּא פְרָת{{hebr ende}} ''Und der Name des dritten Flusses <u>Øist</u> Tigris ... Und der vierte Fluss <u>ist={{hebr}}הוּא{{hebr ende}}</u> der Euphrat''
*:: [[Genesis 2#s14 | Gen 2,14]] {{hebr}}וְשֵׁם הַנָּהָר הַשְּׁלִישִׁי חִדֶּקֶל... וְהַנָּהָר הָרְבִיעִי הוּא פְרָת{{hebr ende}} ''Und der Name des dritten Flusses <u>Øist</u> Tigris ... Und der vierte Fluss <u>ist={{hebr}}הוּא{{hebr ende}}</u> der Euphrat''
** (2.1) Intersprachlich muss man zwei Arten von verblosen Sätzen unterscheiden: (a) Jene, in denen die Funktion des verbalen Kerns auch von anderen Wortarten als dem Verb übernommen werden kann und die daher im wahrsten Sinne des Wortes als „verblos“ bezeichnet werden können (vgl. hierzu [http://books.google.de/books?id=72I2AegupkYC&lpg=PR1&hl=de&pg=PA46#v=onepage&q&f=false Melʹčuk 2009], S. 46-48; Tesnière 1959, S. 155f) und (b) jene, in denen das Kopulaverb nur phonologisch nicht realisiert sein muss (=in denen es ellidiert werden kann), dabei aber dennoch von der Syntax impliziert wird ([http://privatewww.essex.ac.uk/~louisa/newpapers/nordlinger-sadler-final.pdf Nordlinger/Sadler 2006]).<br />Weil das ''Neuhebräische'' verblose Sätze nur in Fällen bildet, in denen die Kopula im Präsens stehen würde, sonst aber eine flektierte Kopula fordert (vgl. z.B. [http://www.stanford.edu/group/cslipublications/cslipublications/LFG/9/lfg04falk.pdf Falk 2004], ebenso auch schon das QH), zählen Nordlinger/Sadler das Hebräische zur ersten Gruppe. Von einigen Linguisten wird auch das Bibelhebräische derart aufgefasst (gut z.B. [http://books.google.de/books?id=wN5tj_01aaAC&lpg=PP1&hl=de&pg=PA69#v=onepage&q&f=false Ehlich 2007], S. 69ff.; auch schon BrSynt §30c), aber tatsächlich kann der bibelhebräische verblose Satz in jeder Zeit- und Modalitätssphäre stehen, kann weiterhin die für die nicht-sequentiellen Verbformen typischen Hintergrundsätze bilden (vgl. hierzu schon [http://www.jstor.org/stable/pdfplus/528093.pdf?acceptTC=true Carrier 1900, S. 56]; [http://www.menadoc.bibliothek.uni-halle.de/dmg/periodical/pageview/60060 Schwally 1914]); und selbst das Subjekt, das sonst in der Flektionsendung des Kopulaverbs „enthalten“ wäre, kann zusammen mit der Kopula ellidiert worden sein (s. z.B. oben Gen 10,9; vgl. auch BrSynt §29a). Daher sollte man ihn durchaus zu Gruppe b zählen: verblose Sätze sind aufzufassen als Sätze, in denen die Kopulae {{hebr}}היה{{hebr ende}} oder {{hebr}}יֵש{{hebr ende}} ausgespart wurden (so z.B. auch Sinclair 1999, S. 60f.). Die ''Form'' von {{hebr}}היה{{hebr ende}} muss aus dem Kontext erschlossen werden.
** (2.1) Intersprachlich muss man zwei Arten von verblosen Sätzen unterscheiden: (a) Jene, in denen die Funktion des verbalen Kerns auch von anderen Wortarten als dem Verb übernommen werden kann und die daher im wahrsten Sinne des Wortes als „verblos“ bezeichnet werden können (vgl. hierzu [http://books.google.de/books?id=72I2AegupkYC&lpg=PR1&hl=de&pg=PA46#v=onepage&q&f=false Melʹčuk 2009], S. 46-48; Tesnière 1959, S. 155f) und (b) jene, in denen das Kopulaverb nur phonologisch nicht realisiert sein muss (=in denen es ellidiert werden kann), dabei aber dennoch von der Syntax impliziert wird ([http://privatewww.essex.ac.uk/~louisa/newpapers/nordlinger-sadler-final.pdf Nordlinger/Sadler 2006]).<br />Von einigen Linguisten wird auch das Bibelhebräische zur ersten Gruppe gezählt (gut z.B. [http://books.google.de/books?id=wN5tj_01aaAC&lpg=PP1&hl=de&pg=PA69#v=onepage&q&f=false Ehlich 2007], S. 69ff.; auch schon BrSynt §30c), aber da der bibelhebräische verblose Satz in jeder Zeit- und Modalitätssphäre stehen kann, die für die nicht-sequentiellen Verbformen typischen Nebensätze bilden kann (vgl. hierzu schon [http://www.jstor.org/stable/pdfplus/528093.pdf?acceptTC=true Carrier 1900, S. 56]; [http://www.menadoc.bibliothek.uni-halle.de/dmg/periodical/pageview/60060 Schwally 1914]) und selbst das Subjekt, das sonst in der Flektionsendung des Kopulaverbs „enthalten“ wäre, zusammen mit der Kopula ellidiert worden sein kann (s. z.B. oben Gen 10,9; vgl. auch BrSynt §29a), sollte man ihn durchaus zu Gruppe b zählen: verblose Sätze sind aufzufassen als Sätze, in denen die Kopulae {{hebr}}היה{{hebr ende}} oder {{hebr}}יֵש{{hebr ende}} ausgespart wurden (so z.B. auch Sinclair 1999, S. 60f.). Die ''Form'' von {{hebr}}היה{{hebr ende}} muss aus dem Kontext erschlossen werden.
* (3) Traditionell grenzt man in der Hebraistik voneinander ab den <u>identifikatorischen</u> und den <u>klassifizierenden Kopulasatz / verblosen Satz</u>. Diese Unterscheidung ist aber problematisch, da sie eine Minderheitenmeinung darstellt (s. z.B. [http://linguistics.berkeley.edu/~mikkelsen/papers/chapter_68.pdf Mikkelsen 2011, S. 1813]); Kopulasätze und verblose Sätze werden meist (wesentlich) feiner differenziert (vgl. z.B. [http://www.coli.uni-saarland.de/~tania/ta-pub/avg-usz-fdsl4.pdf Avgustinova/Uszkoreit 2003]; Higgins 1979 u.a.). Am sinnvollsten scheint mir die Differenzierung in (a) <u>prädikative</u>, (b) <u>existentielle</u>, (c) <u>lokative</u> und (d) <u>possessive</u> Ks / vlS.<br />(a) lässt sich noch weiter differenzieren nach der Semantik von Subjekt und prädikativem Komplement: Sind beides ''individuelle Terme'' (d.h. Begriffe, die im jeweiligen Kontext nur genau einen Referenten haben können), handelt es sich um (a1) einen <u>identifikatorischen</u> Ks / vlS, ist der eine ein ''individueller'', der andere ein ''genereller Term'' (d.h. ein Begriff, der sich auf mehrere Referenten beziehen kann), handelt es sich um (a2) einen <u>askriptiven</u> Ks / vlS; handelt es sich bei beiden um ''generelle Terme'', handelt es sich um einen (a3) <u>klassifizierenden</u> Ks / vlS.<br />(a2) lässt sich außerdem nach Wortart des prädikativen Komplements weiter differenzieren in (a2α) Präd=Nomen: <u>subsumtiv</u>; (a2β) Präd=Adjektiv: <u>attributiv</u>. All diese Typen finden sich auch im Hebräischen:
* (3) Traditionell grenzt man in der Hebraistik voneinander ab den <u>identifikatorischen</u> und den <u>klassifizierenden Kopulasatz / verblosen Satz</u>. Diese Unterscheidung ist aber problematisch, da sie eine Minderheitenmeinung darstellt (s. z.B. [http://linguistics.berkeley.edu/~mikkelsen/papers/chapter_68.pdf Mikkelsen 2011, S. 1813]); Kopulasätze und verblose Sätze werden meist (wesentlich) feiner differenziert (vgl. z.B. [http://www.coli.uni-saarland.de/~tania/ta-pub/avg-usz-fdsl4.pdf Avgustinova/Uszkoreit 2003]; Higgins 1979 u.a.). Am sinnvollsten scheint mir die Differenzierung in (a) <u>prädikative</u>, (b) <u>existentielle</u>, (c) <u>lokative</u> und (d) <u>possessive</u> Ks / vlS (vgl. ähnlich [https://www.academia.edu/1240983/Predicate_Nominals_and_Related_Constructions_in_Neo-Mandaic Häberl 2012, S. 91].<br />(a) lässt sich noch weiter differenzieren nach der Semantik von Subjekt und prädikativem Komplement: Sind beides ''individuelle Terme'' (d.h. Begriffe, die im jeweiligen Kontext nur genau einen Referenten haben können), handelt es sich um (a1) einen <u>identifikatorischen</u> Ks / vlS, ist der eine ein ''individueller'', der andere ein ''genereller Term'' (d.h. ein Begriff, der sich auf mehrere Referenten beziehen kann), handelt es sich um (a2) einen <u>askriptiven</u> Ks / vlS; handelt es sich bei beiden um ''generelle Terme'', handelt es sich um einen (a3) <u>klassifizierenden</u> Ks / vlS.<br />(a2) lässt sich außerdem nach Wortart des prädikativen Komplements weiter differenzieren in (a2α) Präd=Nomen: <u>subsumtiv</u>; (a2β) Präd=Adjektiv: <u>attributiv</u>. All diese Typen finden sich auch im Hebräischen:
*: (a) ''prädikativ''
*: (a) ''prädikativ''
*:: (a1) '''identifikatorisch''':  
*:: (a1) '''identifikatorisch''':  
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=====FEHLT NOCH! Infinitiv Construct=====
=====FEHLT NOCH! Infinitiv Construct=====


=====FEHLT NOCH! Infinitiv Absolut=====
=====Infinitivus absolutus=====
 
Der '''Infinitivus absolutus''' ist ein <u>Verbaladverb</u>, das sowohl als Adverb als auch als Verb verwendet werden kann. Er begegnet v.a. in vier Konstruktionen:
* (1) <u>Tautologischer Infinitiv</u>: INF:X - FIN:X / FIN:X - INF:X: Die mit Abstand häufigste Konstruktion mit Infinitivus absolutus ist der sogenannte „tautologische Infinitiv“: Einem finiten Verb wird ein Infinitivus absolutus der selben Wurzel unverbunden voran- oder nachgestellt<ref>Viele Hebraisten unterscheiden zwischen INF:X - FIN:X und FIN:X - INF:X, aber vgl. IBHS §35.3.1d; Riekert 1982, S. 77</ref>. Jenni §10.3.1.1 hat die Funktion des tautologischen Infinitivs gut beschrieben: <code>[Seine Funktion] besteht in einer Verstärkung des Modus der Aussage (nicht der Wortbedeutung als solcher) und kann nur aus dem Kontext erschlossen werden; statt einer wörtlichen Nachahmung sind bei der Übersetzung adverbiale oder modale Umschreibungen zu wählen, so für die Behauptung „gewiß/unbedingt/sicher/dringend“ usw., bei der Frage „etwa/gar/vielleicht“ usw., bei der hypothetischen Aussage „allenfalls/wirklich/nun/jedoch/aber“ usw., bei Erlaubnis oder Gebot Wendungen mit „dürfen/können/müssen“ usw.</code> Wichtig ist, das diese verstärkende Funktion nicht Teil der Semantik des ''Infinitivs selbst'' ist, sondern durch die besagte ''paronomastische Konstruktion als ganze'' „erzeugt“ wird (vgl. z.B. Muraoka 1985, S. 84-86; so schon Chomsky/Kimchi §80). Vgl.: [[Richter 1#s28 | Ri 1,28]] {{hebr}}הוֹרֵישׁ לֹא הוֹרִישׁוֹ{{hebr ende}} ''Er vertrieb sie nicht <u>völlig</u>.'' vs. [[Jeremia 6#s29 | Jer 6,29]] {{hebr}}לַשָּׁוְא צָרַף צָרוֹף{{hebr ende}} ''<u>Völlig</u> vergeblich schmolz man es.''
* (2) <u>Sequentieller Infinitiv</u>: FIN:X - (...) ({{hebr}}וְ{{hebr ende}}) INF:Y - Der Infinitivus absolutus kann, wenn er einem finiten Verb einer anderen Wurzel nachgestellt wird, auch als Vollverb fungieren. Er führt dabei stets den Modus des vorangehenden Vollverbs fort und kann so als Ersatz für die sequentiellen Formen dienen. Als diese im LBH schwinden, nimmt auch die Häufigkeit dieser Konstruktion zu (vgl. Rendsburg 2002, S. 38; Rubinstein 1952, S. 365). Vgl.: [[Jeremia 22#s19 | Jer 22,19]] {{hebr}}קְבוּרַת חֲמוֹר יִקָּבֵר סָחוֹב וְהַשְׁלֵךְ מֵהָלְאָה לְשַׁעֲרֵי יְרוּשָׁלִָם{{hebr ende}} ''Mit dem Begräbnis eines Esels wird er begraben werden (Yiqtol); <u>er wird fortgeschleppt werden</u> und weit entfernt von den Toren Jerusalems <u>fortgeworfen werden.</u>''
* (3) <u>adverbialer Infinitiv</u>: Einige adverbiale Infinitive werden so häufig verwendet, dass sie sich zu <u>eigenständigen Adverbien</u> entwickelt haben. Besonders häufig sind {{hebr}}הָלוֹך{{hebr ende}} ''fortwährend, andauernd''; {{hebr}}הֵיטֵב{{hebr ende}} ''gut''; {{hebr}}מַהֵר{{hebr ende}} ''schnell''; {{hebr}}הַרְבֵּה{{hebr ende}} ''viel'' und {{hebr}}הַשְכֵם{{hebr ende}} ''unermüdlich'' (vgl. GKC §113k).
* (4) <u>pleonastischer Infinitiv</u> FIN:X - INF:X/Y {{hebr}}וְ{{hebr ende}} INF:Y/X: Folgt auf ein finites Verb der Wurzel X ein Inf.abs. der Wurzel Y (s. 2 + 3), kann diese Konstruktion erweitert werden um einen weiteren Inf.abs. der Wurzel X, ohne dass dies Einfluss auf die Semantik haben würde. Vgl. [[1 Könige 20#s37 | 1Kön 20,37]] {{hebr}}וַיַּכֵּהוּ הָאִישׁ הַכֵּה וּפָצֹעַ{{hebr ende}} ''Der Mann WAY:schlagen:3-m-s ihn <s>INF:schlagen</s> {{hebr}}ו{{hebr ende}} INF:verwunden'' = ''Der Mann schlug ihn und verwundete ihn.''; [[Jeremia 25#s4 | Jer 25,4]] {{hebr}}וְשָׁלַח יְהוָה אֲלֵיכֶם אֶת-כָּל-עֲבָדָיו הַנְּבִאִים הַשְׁכֵּם וְשָׁלֹחַ{{hebr ende}} ''WAY:senden:3-m-s JHWH euch all seine Diener (nämlich die Propheten) INF:unermüdlich (s.o.) {{hebr}}ו{{hebr ende}} <s>INF:senden</s>.'' = ''JHWH sandte euch unermüdlich all seine Diener (nämlich die Propheten).'' Die Logik der Konstruktion erschließt sich mir noch nicht ganz, aber die Beispiele sind recht eindeutig.<ref>vgl. noch [[Genesis 8#s3 |Gen 8,3]]; [[Genesis 8#s5 |Gen 8,5]] (statt {{hebr}}הָיוּ הָלוֹךְ {{hebr ende}} lies {{hebr}}הָיוּ הֹלְכִים הָלוֹךְ{{hebr ende}}; vgl. Ehrlich 1908, S. 36); [[Genesis 8#s7 |Gen 8,7]]; [[Genesis 12#s9 |Gen 12,9]]; [[Josua 6#s9 |Jos 6,9]]; [[Josua 6#s13 |Jos 6,13]] (Qere); [[Richter 14#s9 |Ri 14,9]]; [[1 Samuel 6#s12 |1Sam 6,12]]; [[2 Samuel 5#s10 |2Sam 5,10]]; [[2 Samuel 15#s30 |2Sam 15,30]]; [[2 Könige 2#s11 |2Kön 2,11]]; [[Jesaja 3#s16 |Jes 3,16]]; [[Jesaja 19#s22 |Jes 19,22]]; [[Jeremia 7#s13 |Jer 7,13]]; [[Jeremia 7#s25 |Jer 7,25]]; [[Jeremia 11#s7 |Jer 11,7]]; [[Jeremia 12#s7 |Jer 12,7]]; [[Jeremia 25#4 |Jer 25,4]]; [[Jeremia 26#s5 |Jer 26,5]]; [[Jeremia 29#s19 |Jer 29,19]]; [[Jeremia 32#s33 |Jer 32,33]] (statt {{hebr}}וְלַמֵּד אֹתָם{{hebr ende}} ließ {{hebr}}וָאֲלַמֵּד אֹתָם{{hebr ende}}; vgl. BHS mir LXX, Syr, Vul); [[Jeremia 35#s14 |Jer 35,14]]f.; [[Jeremia 44#s4 |Jer 44,4]]; [[Joel 2#s26 | Jl 2,26]]; [[1 Chroniken 11#s9 |1Chr 11,9]]; [[2 Chroniken 36#s15 |2Chr 36,15]]</ref>
* (5) Soll ein von einer Präposition regierter Infinitivus Constructus durch einen weiteren Infinitiv fortgeführt werden, verwendet der Hebräer dazu den Infinitivus Absolutus ohne Präposition. Vgl. z.B. [[Exodus 32#s6 | Ex 32,6]]; [[Jeremia 7#s18 | Jer 7,18]] u.ö.
* (6) In nachbiblischer Zeit sind Infinitivus Absolutus und Infinitivus Constructus zu einer Form verschmolzen (vgl. z.B. Bekkum 1983, S. 255; [http://www.linguistics.ucla.edu/images/stories/Fox.1984.pdf Fox 1984, S. 4]; Macuch 1982, S. 151). Das ist schon im biblischen Hebräisch merklich (vgl. z.B. Segal 1927, S. 166), deshalb kann in späteren Büchern bisweilen Inf. abs. ebenso verwendet werden wie Inf. cs.; also z.B. (a) <u>nominal</u> oder (b) regiert von Präpositionen.
 
=====Das Partizip=====
 
* (1) Das hebräische Partizip ist ein „Wortklassenzwitter“: Es ist ein von einem Verb abgeleitetes Adjektiv (- ein sogenanntes „<u>Verbaladjektiv</u>“ -), das (a) fungiert wie ein Adjektiv (s. dort), (b) flektiert wird wie ein Nomen (s. dort) und (c) trotz Wortartwechsel seine verbale Valenz behalten hat.<ref>zum Part. i.A. vgl. z.B. [https://www.academia.edu/5671425/Passive_participles_across_languages Haspelmath 1994], S. 152</ref>
* (2) Beim hebräischen Partizip muss unterschieden werden zwischen (1) ''Partizip Aktiv'' und (2) ''Partizip Passiv'':
** (2.1) Das '''Partizip Aktiv''' entspricht dem deutschen Partizip I und fungiert als <u>adjektivische Verlaufsform</u> des durch das entsprechende Verb bezeichneten Geschehens/Handlung (s. im Dt.: ''lieben'' -> ''liebend'').
** (2.2) Das '''Partizip Passiv''' entspricht (1) dem deutschen Partizip II oder (2) dem Gerundiv (auch: „participium necessitatis“):
*** (2.2.1) Es bezeichnet also das <u>Resultat</u> des durch das entsprechende Verb bezeichneten Geschehens/Handlung (s. im Dt.: ''lieben'' -> ''geliebt'')
*** (2.2.2) oder es modifiziert die Verlaufsform als <u>agensorientiert modal</u> (d.h. es „reichert sie an“ um die Modalität des ''Müssens'' oder ''Dürfens'') (s. im Dt.: ''lieben'' -> ''zu liebend'').
* (3) Wie jedes hebräische Adjektiv kann auch das hebräische Partizip verwendet werden (a) als <u>Substantiv</u> und (b1) als <u>attributives Adjektiv</u> und (b2) als <u>prädikatives Adjektiv</u><ref>Zu dieser letzten Verwendungsweise zählt auch jene, die von einigen Hebraisten aufgefasst wird als „verbales Partizip“. Im biblischen Hebräisch wird das Partizip ''i.d.R. nicht'' verbal verwendet, sondern nominal: wo ein Partizip scheinbar den Slot eines Verbs zu füllen scheint, handelt es sich im Wirklichkeit um einen verblosen Satz, in dem das Partizip als prädikatives Adjektiv fungiert und der dementsprechend auch die gewöhnliche Semantik eines verblosen Satzes hat (s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Benutzer:Sebastian_Walter/Hebr%C3%A4ische_Syntax#Kopulas.C3.A4tze_und_Verblose_S.C3.A4tze dort]; vgl. zuletzt wieder [http://ancienthebrewgrammar.files.wordpress.com/2010/05/cook-2008-jnsl-partciple.pdf Cook 2008]).<br />Allerdings findet im Bereich des Partizips in den semitischen Sprachen ein Sprachwandel statt: Sowohl im Neo-Aramäischen als auch im nachbiblischen Hebräisch übernimmt das Partizip nach und nach die Funktion des <u>Präsens</u> (vgl. z.B. Lipinski §42.18.23; [https://www.academia.edu/4505655/Die_verbalen_Funktionen_des_Partizips_im_Genesis_Apocryphon Egger 2010]), und Spuren dieses sprachgeschichtlichen Wandels scheinen in Einzelfällen auch schon in den späteren Texten der Bibel merklich zu sein.</ref>. In dieser letzten Verwendungsweise wird es besonders häufig in verblosen Sätzen verwendet; auch „Partizipialsätze“ haben daher die [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Benutzer:Sebastian_Walter/Hebr%C3%A4ische_Syntax#Kopulas.C3.A4tze_und_Verblose_S.C3.A4tze dort gelisteten Funktionen].
* (4) Negiert wird das Partizip stets durch {{hebr}}אֵין{{hebr ende}}.


===FEHLT NOCH! Das Nomen im Hebräischen===
===FEHLT NOCH! Das Nomen im Hebräischen===
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=====FEHLT NOCH! Artikel=====
=====FEHLT NOCH! Artikel=====
=====Das Partizip=====
* (1) Das hebräische Partizip ist ein sogenanntes „<u>Verbaladjektiv</u>“: Es ist ein <code>durch Wortbildung aus Verben entstandenes Adjektiv</code><ref>Aus diesem Grund ist das Partizip auch besser (wie hier) nicht bei den infiniten Verbformen, sondern bei den Nomina zu listen: Die Partizipialbildung ist eine sogenannte „Transposition“, ein ''Wortartwechsel''.</ref><small>([http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/termwb.ansicht?v_app=g&v_id=296 grammis 2.0])</small>, das als solches eine „Zwitterstellung“ zwischen den Wortklassen innehat: Es wird gebildet wie ein Nomen (und kann also z.B. im Status Constructus und Absolutus stehen, nach Genus und Numerus flektiert werden und die für Nomen typische Suffixe regieren), fungiert als Adjektiv (s.u.) und kann dennoch auch in seiner Partizipialform Regens der Verbkomplemente und -supplemente des entsprechenden Verbs sein (vgl. z.B. [http://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/116#GHGpar-116-f GKC §116f]).
* (2) Beim hebräischen Partizip muss unterschieden werden zwischen (1) ''Partizip Aktiv'' und (2) ''Partizip Passiv'':
** (2.1) Das '''Partizip Aktiv''' entspricht dem deutschen Partizip I und fungiert als <u>adjektivische Verlaufsform</u> des durch das entsprechende Verb bezeichneten Geschehens/Handlung (s. im Dt.: ''lieben'' -> ''liebend'').
** (2.2) Das '''Partizip Passiv''' entspricht (1) dem deutschen Partizip II oder (2) dem Gerundiv (auch: „participium necessitatis“):
*** (2.2.1) Es bezeichnet also das <u>Resultat</u> des durch das entsprechende Verb bezeichneten Geschehens/Handlung (s. im Dt.: ''lieben'' -> ''geliebt'')
*** (2.2.2) oder es modifiziert die Verlaufsform als <u>agensorientiert modal</u> (d.h. es „reichert sie an“ um die Modalität des ''Müssens'' oder ''Dürfens'') (s. im Dt.: ''lieben'' -> ''zu liebend'').
* (3) Wie jedes hebräische Adjektiv kann auch das hebräische Partizip verwendet werden (a) als <u>Substantiv</u> und (b1) als <u>attributives Adjektiv</u> und (b2) als <u>prädikatives Adjektiv</u>.
** (3.1) NB: Zu dieser letzten Verwendungsweise zählt auch jene, die von einigen Hebraisten aufgefasst wird als „verbales Partizip“. Im biblischen Hebräisch wird das Partizip i.d.R. ''nicht'' verbal verwendet, sondern nominal: wo ein Partizip scheinbar den Slot eines Verbs zu füllen scheint, handelt es sich im Wirklichkeit um einen verblosen Satz, in dem das Partizip als prädikatives Adjektiv fungiert und der dementsprechend auch die gewöhnliche Semantik eines verblosen Satzes hat (s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Benutzer:Sebastian_Walter/Hebr%C3%A4ische_Syntax#Kopulas.C3.A4tze_und_Verblose_S.C3.A4tze dort]; vgl. zuletzt wieder [http://ancienthebrewgrammar.files.wordpress.com/2010/05/cook-2008-jnsl-partciple.pdf Cook 2008]).<br />Allerdings findet im Bereich des Partizips in den semitischen Sprachen ein Sprachwandel statt: Sowohl im Neo-Aramäischen als auch im nachbiblischen Hebräisch übernimmt das Partizip nach und nach die Funktion des <u>Präsens</u> (vgl. z.B. Lipinski §42.18.23; [https://www.academia.edu/4505655/Die_verbalen_Funktionen_des_Partizips_im_Genesis_Apocryphon Egger 2010]), und Spuren dieses sprachgeschichtlichen Wandels scheinen in Einzelfällen auch schon in den späteren Texten der Bibel merklich zu sein.
* (4) Negiert wird das Partizip stets durch {{hebr}}אֵין{{hebr ende}}.


====FEHLT NOCH! Attribuierung====
====FEHLT NOCH! Attribuierung====
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:::''handeln</u> mit dir verlässlich und treu.''
:::''handeln</u> mit dir verlässlich und treu.''
:: Koh: [[Psalm 54#s8 | Ps 54,8]] {{hebr}}בִּנְדָבָה אֶזְבְּחָה-לָּךְ אוֹדֶה שִּׁמְךָ יְהוָה{{hebr ende}} ''Freiweillig <u>werde ich dir opfern</u>, ich werde preisen (Yiq) deinen Namen, JHWH.''
:: Koh: [[Psalm 54#s8 | Ps 54,8]] {{hebr}}בִּנְדָבָה אֶזְבְּחָה-לָּךְ אוֹדֶה שִּׁמְךָ יְהוָה{{hebr ende}} ''Freiweillig <u>werde ich dir opfern</u>, ich werde preisen (Yiq) deinen Namen, JHWH.''
:: Imp: [[Psalm 110#s2 | Ps 110,2]] Imp: {{hebr}}מַטֵּה-עֻזְּךָ יִשְׁלַח יְהוָה מִצִּיּוֹן רְדֵה בְּקֶרֶב אֹיְבֶיךָ{{hebr ende}} ''Das Szepter deiner Macht wird senden (Yiq) JHWH aus Zion; ''<u>du sollst  
:: Imp: [[Psalm 110#s2 | Ps 110,2]] Imp: {{hebr}}מַטֵּה-עֻזְּךָ יִשְׁלַח יְהוָה מִצִּיּוֹן רְדֵה בְּקֶרֶב אֹיְבֶיךָ{{hebr ende}} ''Das Szepter deiner Macht wird senden (Yiq) JHWH aus Zion;  
:::''herrschen</u> inmitten deiner Feinde!''
:::''<u>du sollst herrschen</u> inmitten deiner Feinde!''
:: Jus: [[1 Samuel 7#s3 | 1Sam 7,3]] {{hebr}}יַצֵּל אֶתְכֶם מִיַּד פְּלִשְׁתִּים{{hebr ende}} ''<u>Er wird retten</u> euch aus der Hand der Philister.''
:: Jus: [[1 Samuel 7#s3 | 1Sam 7,3]] {{hebr}}יַצֵּל אֶתְכֶם מִיַּד פְּלִשְׁתִּים{{hebr ende}} ''<u>Er wird retten</u> euch aus der Hand der Philister.''
: '''Permissiv'''  
: '''Permissiv'''  
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:: Yiq: [[Sprichwörter 3#s24 | Spr 3,24]] {{hebr}} אִם-תִּשְׁכַּב לֹא-תִפְחָד{{hebr ende}} ''Wenn du dich niederlegen willst, dann <u>musst du dich nicht zu fürchten</u>.''
:: Yiq: [[Sprichwörter 3#s24 | Spr 3,24]] {{hebr}} אִם-תִּשְׁכַּב לֹא-תִפְחָד{{hebr ende}} ''Wenn du dich niederlegen willst, dann <u>musst du dich nicht zu fürchten</u>.''
:: Jus: [[Josua 7#s3 | Jos 7,3]] {{hebr}}אֵלָיו אַל-יַעַל כָּל-הָעָם{{hebr ende}} ''<u>Es braucht nicht hinaufzuziehen</u> das ganze Volk [, denn es sind nur wenige].''
:: Jus: [[Josua 7#s3 | Jos 7,3]] {{hebr}}אֵלָיו אַל-יַעַל כָּל-הָעָם{{hebr ende}} ''<u>Es braucht nicht hinaufzuziehen</u> das ganze Volk [, denn es sind nur wenige].''
: '''Volitiv'''
:: Yiq: [[Genesis 24#s58 | Gen 24,58]] {{hebr}}וַיֹּאמְרוּ אֵלֶיהָ הֲתֵלְכִי עִם-הָאִישׁ הַזֶּה וַתֹּאמֶר אֵלֵךְ{{hebr ende}} ''Sie fragten sie: „<u>Willst du gehen</u> mit diesem Mann?“ - und sie antwortete: „<u>Ich will gehen</u>“''
:: Weq: [[Genesis 29#s15 | Gen 29,15]] {{hebr}}הֲכִי-אָחִי אַתָּה וַעֲבַדְתַּנִי חִנָּם{{hebr ende}} ''<u>Willst du mir dienen</u> umsonst, [nur], weil du mein Bruder bist?“''
:: Koh: [[2 Samuel 18#s22 | 2Sam 18,22]] {{hebr}}אָרֻצָה-נָּא גַם-אָנִי אַחֲרֵי הַכּוּשִׁי{{hebr ende}} ''Auch ich <u>möchte laufen</u> hinter dem Kuschiten.'' 
:: Jus: [[Deuternomium 18#s16 | Dtn 18,16]] {{hebr}}לֹא אֹסֵף לִשְׁמֹעַ אֶת-קוֹל יְהוָה אֱלֹהָי{{hebr ende}} ''<u>Ich will nicht fortfahren</u> zu hören die Stimme des Gottes JHWH!''
: '''Abilitiv'''  
: '''Abilitiv'''  
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Aktuelle Version vom 16. September 2019, 07:56 Uhr


Achtung Baustelle!
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Der Satz im biblischen Hebräisch
Vorbemerkung:

Ich will auf dieser Seite nicht wirklich eine eigene Syntax verfassen. Sie dient v.a. meinen persönlichen Zwecken: Obwohl ich in vielen Bereichen der Syntax recht sichere Vorstellungen habe, merke ich, dass ich beim Übersetzen manchmal inkonsequent bin. Diese Inkonsequenz will ich mit dieser Seite verhüten; sie ist aber noch L-A-N-G-E nicht fertig.

Entgegen meinem eigentlichen Usus werde ich hier nicht viel zitieren. Damit würde ich mich und den Leser belügen; denn obwohl ich recht viel zur Syntax und Verbsystem des Hebräischen gelesen habe, habe ich meine aktuelle Sicht bloß mehr oder weniger eklektizistisch aus verschiedenen Systemen zusammengeklaubt. Vermutlich werde ich aber noch Zitate (und Beispiele!) nachliefern, wenn diese Seite hier ein wenig weiter vorangeschritten ist.

--Sebastian Walter 22:51, 11. Dez. 2013 (CET)

Einleitendes und Terminologisches[Bearbeiten]

Über den „Satz im Biblischen Hebräisch“ soll es also gehen. Schon stoßen wir auf das erste Problem: Über die Definition von Größen wie „clauses“ und „Sätzen“ ist die Diskussion noch nicht zum Abschluss gekommen und wird es vermutlich auch nie. 1931 hat Ries in seinem Buch „Was ist ein Satz“ 141 Definitionen von „Satz“ zusammengestellt; schon 1935 hat Seidel diese Liste um weitere 83 Definitionen ergänzt. Summa Summarum sind das 224 Definitionen von „Satz“, und zwischen 1935 und heute ist eine Vielzahl an weiteren Definitionen hinzugekommen.
Da eine Definition von „Satz“ also offenbar nicht möglich ist, wollen wir uns mit Folgendem begnügen:

  • (1) Eine „Proposition“ ist ein sprachlich zu realisierender Sachverhalt.
  • (2) Unter „Satz“ kann man ungefähr eine sprachliche Realisierung einer Proposition, die mindestens aus einem verbalen Kern und dessen Verbkomplementen (s.u) besteht, verstehen. Man kann dabei weiter differenzieren:
    • (2.1) Ein einfacher Satz ist eine selbständige sprachliche Realisierung einer Proposition mit mindestens verbalem Kern und dessen Verbkomplementen, aber ohne Nebensätze.
    • (2.2) Ein Nebensatz ist eine unselbständige sprachliche Realisierung einer Proposition mit mindestens verbalem Kern und dessen Verbkomplementen, die syntaktisch von einem anderen Satz abhängig ist.
    • (2.3) Ein zusammengesetzter Satz ist eine selbständige sprachliche Realisierung einer Proposition mit mindestens verbalem Kern, dessen Verbkomplementen und mindestens einem Nebensatz.
  • (3) Zentrum der sprachlichen Realisierung einer Proposition in einem selbständigen Satz ist das Verb. Aus diesem Grund spricht man in der Linguistik vom Verb als dem verbalen Kern eines Satzes.
  • (4) Jedes Verb fordert, wenn es als verbaler Kern eines Satzes verwendet wird, „eine festgelegte Anzahl von Ausdrücken, [...] um mit ihnen zusammen einen Kernsachverhalt auszudrücken“(Kubczak 2011). Z.B. ein „Satz“ *liebte dich ist defektiv: Das Verb „lieben“ fordert unter anderem ein Subjekt; etwa Ich liebte dich. Man bezeichnet diese vom verbalen Kern geforderten Ausdrücke als seine (Verb-)Komplemente.
  • (5) Neben den Komplementen gibt es eine weitere Gruppe von Ausdrücken, die nicht vom verbalen Kern gefordert sind, aber dennoch bestimmte Funktionen im Satz haben; etwa die, zu spezifizieren, zu kommentieren oder zu situieren. Man bezeichnet diese Gruppe als Supplemente. Nicht nur der gesamte Satz kann durch solche Supplemente modifiziert werden (->Satzsupplemente) - wie z.B. in Damals liebte ich dich -, sondern auch einzelne Satzteile; z.B. das Verb - wie z.B. in Ich liebte dich sehr - oder die Komplemente - wie z.B. in Ich liebte dich, die du damals so schöne Haare hattest.

Der verbale Kern[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Die Stämme des hebräischen Verbs[Bearbeiten]

Finite Verben[Bearbeiten]

Vorbereitendes[Bearbeiten]

Das Verbsystem im Hebräischen ist äußerst umstritten. Heftig diskutiert werden v.a. die Formen Qatal, Yiqtol, Weqatal und Wayyiqtol. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Positionen mit je unterschiedlich ausgeprägten Subsystemen einzelner Vertreter dieser Positionen ausgeprägt:

  • die temporale Position
  • die aspektuelle Position
  • die modale Position
  • die diskurslinguistische Position
  • „Misch-Positionen“

Vielleicht kann man mittlerweile außerdem noch die Grammatikalisierungs-Position als eigene Richtung klassifizieren.

McFall 1982 hat ein ganzes Buch zur Geschichte der Beforschung des hebräischen Verbsystems verfasst. Ein Gefühl für den Unterschied zwischen den ersten drei Positionen vermittelt gut Ljungberg 1995; einen kurzen, aber guten geschichtlichen Abriss findet man in Hatav 1997, S. 10-24; eine kurze Übersicht über ältere Theorien findet sich in IBHS §29.2-5 und eine längere Übersicht - auch über neuere Theorien - in Moomo 2004.

Bis ins 20. Jh. herrschten fast ausschließlich temporale und aspektuelle Theorien vor. Ganz grob gesagt besagt die eine - die temporale -, dass Qatal und Wayyiqtol Vergangenheit ausdrücken, Yiqtol und Weqatal Präsens und Zukunft; die andere besagt, dass Qatal und Wayyiqtol eine Geschehen als „abgeschlossen“ darstellen und Yiqtol und Weqatal als „unabgeschlossen“ (natürlich gibt es vereinzelt Unterschiede und Akzentsetzungen bei diversen Vertretern).

Für zutreffender und v.a. eleganter halte ich stattdessen die modale Position, deren erster großer Vertreter Zuber 1985 war. Zuber beobachtet, dass in vielen Sprachen Modus und Futur durch die selben Formen vertreten werden. Davon ausgehend bestimmt er als die grundlegende Dichotomie des hebräischen Verbsystems die von recto und obliquo. „Recto“ ist sein Sammelbegriff für Qatal und Wayyiqtol; „obliquo“ der für Yiqtol und Weqatal. Die erste erfüllt nach Zuber die Funktion des Indikativs, die zweite die des „Futur“, wobei „Futur“ bei ihm sowohl für „Futur“ als auch für modale Funktionen steht.

Der große Vorteil von Zubers Theorie ist, dass sie (a) sehr einfach ist, dabei aber (b) dennoch ohne Zusatzannahmen mit einem größeren Teil der Verben zurecht kommt als die beiden oben skizzierten Positionen. Ähnlich z.B. noch Cohen 2013; Joosten 1992; Joosten 1997 und Joosten 1999, der heute allerdings eine andere Ansicht vertritt.

Galia Hatav hat dies weiter differenziert und zusätzlich den Aspekt der „Sequentialität“ eingeführt (ähnlich Warren 1998; der Aspekt der „Sequentialität“ wird aber auch von anderen verwendet wird; z.B. von Goldfajn 1998, Hornkohl 2003, Endo 1996 oder Nielsen 2008). Mit „Sequentialität“ bezeichnet sie den Aspekt der temporalen Kontinuität. In der Linguistik ist Sequentialität eine geläufige Beschreibungskategorie; in der Slavistik z.B. läuft sie unter dem Begriff der „Handlungskette“. Man bezeichnet damit sprachliche Formen, die der „Versprachlichung des Nacheinanders von Ereignissen in zeitlicher [oder logischer] Folge“ (Gzella 2004, S. 347) dienen.
Für eine Grafik s. unten.
Mit der Einführung der Sequentialität ist Wichtiges gewonnen. Z.B. werden Qatal und Yiqtol im Hebräischen nicht nur für selbstständige Sätze verwendet, sondern können auch sog. „Hintergrund-Funktionen“ übernehmen (s. unter 1.4.2.1). Mit der Kategorie der „Nicht-Sequentialität“ lassen sich diese Verwendungsweisen erklären:

„Weil sie nicht unter der Einschränkung der Sequentialität stehen, können Hintergrundsätze an jedem Punkt der Zeitachse oder gar jenseits der Zeitachse lokalisiert sein. [...] Strenggenommen werden ausschließlich Vordergrundsätze „erzählt“. Hintergrundsätze erzählen nicht, sondern unterstützen, reichern an oder kommentieren die Erzählung.“(van Wolde 1999, S. 324; meine Übersetzung.)
Das finite Verb[Bearbeiten]

(1) Die Verbformen Qatal, Yiqtol, Wayyiqtol und Weqatal lassen sich voneinander abgrenzen mithilfe der Kategorien „Modalität“ und „Sequentialität“: Weqatal ist charakterisierbar als +modal / +sequentiell; Yiqtol als +modal / -sequentiell; Wayyiqtol als -modal / +sequentiell und Qatal als -modal / -sequentiell.


Modalität lässt sich mit Dietrich 1992 bestimmen als die „geltungsmäßige Offenheit eines Sachverhalts“: Ein Satz ist modalisiert, wenn die Proposition, die er ausdrückt, nicht als faktisch gekennzeichnet ist. (Dietrich 1992, S. 24).

Yiqtol Weqatal Kohortativ Imperativ Jussiv
Kohortativ
X
X
X
Imperativ
X
X
X
X
Kommissiv
X
X
X
X
X
Permissiv
X
X
X
X
Prohibitiv
X
X
Jussiv
X
X
X
Optativ
X
X
X
Obligativ
X
X
Volitiv
X
X
X
X
Abilitiv
X
X
X
X
teleologische Mod.
X
X
X
X
X
Futur
X
X
habituelle Gesch.
X
X
(1.1) Im Hebräischen haben sich zwei Systeme zum Ausdruck von Modalfunktionen herausgebildet: Das Modalsystem (bestehend aus Yiqtol und Weqatal) und das System der Direktiva (bestehend aus Kohortativ, Imperativ und Jussiv).
Sieht man von den semantisch-syntaktischen Beschränkungen der einzelnen Formen ab (z.B. ist Kohortativ auf die 1. Person, Imperativ auf die 2. Person, Jussiv fast völlig auf die 3. Person beschränkt; Weqatal, Kohortativ und Imperativ können nicht negiert werden etc.), deckt sich im Bereich der Modalfunktionen das Modalsystem völlig mit dem direktiven System (für Beispiele s.u.):
(1.2) Wie in vielen Sprachen werden auch im Hebräischen neben den modalen Funktionen „im eigtl. Sinne“ auch Futura und habituelle Geschehnisseb durch die modalen Formen markiert.
(1.3) Anmerkungen:
(1.3.1) An einigen Stellen scheinen Yiqtol und Weqatal Vergangenheits- und Gegenwartsbedeutung zu haben. Besonders häufig ist das in den Konstruktionen [בְּ)טֶרֶם) - Yiqtol] und [עַד - Yiqtol]. Tatsächlich müssen diese Fälle aber als prospektiv erklärt werden (Joosten 1999, S.  18f.; Notarius 2008)c. Z.B.: Jos 3,1 וַיָּלִנוּ שָׁם טֶרֶם יַעֲבֹרוּSie nächtigten dort [=am Fluss], bevor sie [ihn] überquerten, sd. Sie nächtigten dort, bevor sie ihn überqueren sollten.d Im Deutschen klingt eine solche Übersetzung meist unnatürlich, weshalb auch bei prospektivem Yiqtol mit Gegenwart/Vergangenheit übersetzt werden sollte.
(1.3.2) Auch in der Konstruktion [אָז - Yiqtol] hat Yiqtol Vergangenheitsbedeutung. Über den Grund dafür kann man nur spekulieren. Joosten 1999, S. 25 z.B. fordert eine diachrone Erklärung, die er aber selbst nicht liefert.e
(1.3.3) Interessant ist der Gebrauch des Yiqtol in Fragen. An den meisten Stellen hat der interrogative Kontext keinen Einfluss auf die Semantik der Verben. In einigen Fragen an die 2. Person kann jedoch offenbar Yiqtol wie Qatal verwendet werden; vgl. z.B. Gen 42,7 מֵאַיִן בָּאתֶם Woher QAT:kommt ihr? vs. Ri 19,17 מֵאַיִן תָּבוֹא Woher YIQ:kommst du?.f Einige Hebraisten (z.B. Bartelmus 1982, S. 61-63) wollen auch dies durch die Prospektivität der Yiqtol-Form erklären, aber dann wären stattdessen die Qatal-Fragen nicht mehr erklärbar. Man wird sich wohl mit dem Hinweis begnügen müssen, dass das selbe Phänomen sich in mehreren Sprachen findet.g
(1.3.4) Erwähnenswert für Kohortativ ist, dass er häufiger für die Kombination der modalen Färbungen teleologische Modalität und Abilitiv verwendet wird: damit ich X kann; vgl. z.B. Gen 19,5; Gen 23,4; Ex 4,18; Ex 5,3; Jes 5,19 u.ö.
(1.3.5) Bei den Imperativen ist noch hinzuweisen (a) auf den Pseudo-Imperativ, der aber nur ein gewöhnlicher Subtyp des Konditionalsatzes (s. dort) ist, (b) auf den Konsequenz-Imperativ, der sich aber durchweg durch die oben gelisteten Modalfunktionen (meist: Kommissiv) erklären lässt und (c) auf den sogenannten Vorbereitungs-Imperativ (zu diesem vgl. bes. Jenni 2005, S. 242ff.). Bei Letzterem handelt es sich um „desemantisierte Imperative“ (ebd., S. 242) v.a. von den Wurzeln הלך, קום, ראה und יבה. Zwar könne diese auch vollsemantisch als „normale“ Imperative fungieren, häufig erfüllen sie aber stattdessen Sonderfunktionen: ראה fungiert exakt wie הלך, קום; הִנֵּה, und יבה dienen oft bloß zur Einleitung von Aufforderungen. In der Übersetzung sollten diese Imperative ausgespart werden.
(1.3.6) Irrealität und epistemische Modalität sind im Hebräischen nicht an bestimmte Verbformen gebunden; ob ein Verb - gleich, welcher Form - in der Bibel als real, epistemisch modal oder irreal gedeutet werden muss, muss aus dem Kontext erschlossen werden (vgl. Lauber 2008-2011).

(2) Die „nicht-modalenh Formen dagegen kennzeichnen ein Geschehen oder einen Sachverhalt sozusagen „modal ungefärbt“ als faktisch.
(3) Die sequentiellen Formen markieren temporale oder logische Kontinuität; in Golfajns Worten: „Wayyiqtol und Weqatal scheinen zu sagen „und danach“, wobei dieses „da“ das zuletzt erzählte Geschehen bezeichnet.“ (Goldfajn 1998, S. 143; meine Übersetzung. Ähnlich auch van der Merwe 1999, S. 110).
(4) Die primäre Funktion der nicht-sequentiellen Formen ist die Bezeichnung von Geschehnissen und Sachverhalten, die nicht innerhalb einer zeitlich-logischen Handlungskette stehen. Sie können aber auch innerhalb von Handlungsketten verwendet werden; auch dann aber haben sie eine andere Funktion als die sequentiellen Formen:

(4.1) Qatal und Yiqtol können innerhalb einer Handlungskette einen Sachverhalt oder ein Geschehen aus der Handlungskette „herausheben“; etwa, um so den Höhepunkt einer Handlung zu markieren.
(4.2) Mit den nicht-sequentiellen Formen werden Diskontinuitäten der Informationsstruktur markiert, genauer (a) die Neueinführung von Subjekten, Objekten, Themen usw. bzw. (b) der Fokuswechsel zu bereits eingeführten, aber im Hintergrund stehenden S., O., Th. etc. (-> Fokusierung) oder (c) die Gegenüberstellung von einem Subjekt/Objekt/Thema/usw. mit einem anderen Subjekt/Objekt/Thema/usw. (-> Kontrastierung). Diese Diskontinuitäten werden außerdem häufig zusätzlich durch die Wortstellung X-Verb markiert, aber dies ist kein Muss.
(4.3) Auch für Nebensätze werden meist die nicht-sequentiellen Formen verwendet. Da im Hebräischen die meisten Nebensatzarten nicht durch besondere Subjunktionen o.Ä. markiert sein müssen (s. dort), sollte man daher bei jeder nicht-sequentiellen Form zunächst einmal überlegen, ob sich der betreffende Satz nicht besser als Nebensatz übersetzen ließe. Auch Nebensätze werden häufig zusätzlich durch die Wortstellung X-Verb markiert, aber auch hier ist dies nicht notwendig der Fall.
(4.4) Etwas rätselhaft ist mir bisher noch die Verwendung von Qatal als prekatives Qatal. Da diese Verwendungsweise aber ausschließlich in Poesie vorzufinden zu sein scheint und auch nur im Parallelismus mit Yiqtol oder Volitiven (vgl. z.B. Buttenwieser 1938, S. 18-25; IBHS §30.5.4c-d), denke ich, dass diese Verwendung sich als T-Shift erklären ließe.

(5) In der sprachgeschichtlichen Entwicklung vom klassischen Bibelhebräisch über das spätbiblische Hebräisch zum Mischnahebräischen traten auch Entwicklungen im Verbsystem des Hebräischen auf. Die Wichtigsten:

(5.1) Die sequentiellen Formen Wayyiqtol und Weqatal werden nicht mehr verwendet; die Funktionen von Wayyiqtol und Qatal fallen zusammen in Qatal und die von Weqatal und Yiqtol in Yiqtol. Gleichzeitig nimmt die Verwendung von sequentiellen Infinitiven (s.u.) als Ersatz für die finiten sequentiellen Formen zu.
(5.2) Die im Großen und Ganzen schon im klassischen Bibelhebräisch überflüssigen direktiven Formen Kohortativ und Jussiv werden nicht mehr verwendet. Zum Ausdruck von Futur und Modalität dient nun nur noch Yiqtol.
(5.3) Der Indikativ differenziert sich aus in ein Tempussystem:
(5.3.1) Qatal wird zu einer echten Tempusform: Außer in einigen idiomatischen Ausdrücken dient Qatal nicht mehr zum Ausdruck von Gegenwart, sondern nur noch von Vergangenheit.
(5.3.2) Stattdessen wird nun das Partizip sehr häufig zum Ausdruck von Gegenwart verwendet. Dabei wird es noch nicht gleich zum Vollverb; gleichzeitig nämlich nimmt die Verwendung der zusammengesetzten Konstruktion היה + Partizip stark zu und auch im MH findet sich noch die Verwendung des Partizips zum Ausdruck von Zukunft oder Modalität.
Kopulasätze und Verblose Sätze[Bearbeiten]
  • (1) Als Kopulasätze bezeichnet man Sätze, in denen Subjekt und Komplemente nicht von einem „bedeutsamen“ Verb verbunden werden, sondern von einem semantisch inhaltslosen „marker“i - der Kopula (von lat. copula Band, Verbindung). Im Bibelhebräischen dienen als Kopulae (a) das Verb היה sein (das aber auch als Vollverb fungieren kann, vgl. Lexikon/Lemma היה); (b) יֵש (vorhanden) sein und (c) אֵין / אַיִן nicht (vorhanden) sein; außerdem können (d) auch die Pronomina הִיא / הוּא im verblosen Satz auch als sog. Pro-Kopulae dienen (vgl. zuletzt wieder Holmstedt/Jones 2013; so in vielen Sprachen, vgl. z.B. Nicholas 1996) und müssen im Deutschen dann ebenfalls mit einer Form des Wortes "sein" übersetzt werden.
    • (1.1) Bei Folgendem bin ich mir noch nicht ganz sicher: Einer Unterscheidung von Langacker 1990, bes. S. 80f. folgend bestimmt Berthele 2007, S. 236 Kopulasätze als wesentlich nicht-sequentiell. Daraus würde folgen, dass (a) וַיְהִי und וְהָיָה nie als Kopulaverben verwendet werden und dass (b) - s. unter (2.1) - im verblosen Satz היה ausschließlich im Qatal und Yiqtol ellidiert worden sein kann. Das muss ich aber noch untersuchen.
  • (2) Das Bibelhebräische ist - wie viele andere Sprachen (vgl. Stassen 2013) - in der Lage, vollständige Kopulasätze auch ohne Kopula zu bilden. Traditionell wird diese Konstruktion bezeichnet als „Nominalsatz“, weil sie meist in der Form von zwei aufeinanderfolgenden Nomina auftritt; aber da auch andere Wortarten als Subjekt und Komplement von „Nominalsätzen“ fungieren können (vgl. Mey §90.2+3), ist die Bezeichnung „verbloser Satz“ sinnvoller.
    Vgl.:
    יֵש vs. אַיִן vs. vlS:
    Ri 4,20 הֲיֵשׁ-פֹּה אִישׁ Ist=יֵש hier ein Mann?
    2Kön 3,11a הַאֵין פֹּה נָבִיא לַיהוָה Ist nicht=אַיִן hier ein Prophet Gottes?
    2Kön 3,11b פֹּה אֱלִישָׁע Hier Øist Elischa.
    היה vs. vlS:
    Gen 10,9: הוּא-הָיָה גִבֹּר-צַיִד ... עַל-כֵּן יֵאָמַר כְּנִמְרֹד גִּבּוֹר צַיִד Er war=היה ein gewaltiger Jäger ... Darum sagt man: 'Ø(Jemand) ist ein so gewaltiger Jäger wie Nimrod!'.
    הוּא vs. vlS:
    Gen 2,14 וְשֵׁם הַנָּהָר הַשְּׁלִישִׁי חִדֶּקֶל... וְהַנָּהָר הָרְבִיעִי הוּא פְרָת Und der Name des dritten Flusses Øist Tigris ... Und der vierte Fluss ist=הוּא der Euphrat
    • (2.1) Intersprachlich muss man zwei Arten von verblosen Sätzen unterscheiden: (a) Jene, in denen die Funktion des verbalen Kerns auch von anderen Wortarten als dem Verb übernommen werden kann und die daher im wahrsten Sinne des Wortes als „verblos“ bezeichnet werden können (vgl. hierzu Melʹčuk 2009, S. 46-48; Tesnière 1959, S. 155f) und (b) jene, in denen das Kopulaverb nur phonologisch nicht realisiert sein muss (=in denen es ellidiert werden kann), dabei aber dennoch von der Syntax impliziert wird (Nordlinger/Sadler 2006).
      Von einigen Linguisten wird auch das Bibelhebräische zur ersten Gruppe gezählt (gut z.B. Ehlich 2007, S. 69ff.; auch schon BrSynt §30c), aber da der bibelhebräische verblose Satz in jeder Zeit- und Modalitätssphäre stehen kann, die für die nicht-sequentiellen Verbformen typischen Nebensätze bilden kann (vgl. hierzu schon Carrier 1900, S. 56; Schwally 1914) und selbst das Subjekt, das sonst in der Flektionsendung des Kopulaverbs „enthalten“ wäre, zusammen mit der Kopula ellidiert worden sein kann (s. z.B. oben Gen 10,9; vgl. auch BrSynt §29a), sollte man ihn durchaus zu Gruppe b zählen: verblose Sätze sind aufzufassen als Sätze, in denen die Kopulae היה oder יֵש ausgespart wurden (so z.B. auch Sinclair 1999, S. 60f.). Die Form von היה muss aus dem Kontext erschlossen werden.
  • (3) Traditionell grenzt man in der Hebraistik voneinander ab den identifikatorischen und den klassifizierenden Kopulasatz / verblosen Satz. Diese Unterscheidung ist aber problematisch, da sie eine Minderheitenmeinung darstellt (s. z.B. Mikkelsen 2011, S. 1813); Kopulasätze und verblose Sätze werden meist (wesentlich) feiner differenziert (vgl. z.B. Avgustinova/Uszkoreit 2003; Higgins 1979 u.a.). Am sinnvollsten scheint mir die Differenzierung in (a) prädikative, (b) existentielle, (c) lokative und (d) possessive Ks / vlS (vgl. ähnlich Häberl 2012, S. 91.
    (a) lässt sich noch weiter differenzieren nach der Semantik von Subjekt und prädikativem Komplement: Sind beides individuelle Terme (d.h. Begriffe, die im jeweiligen Kontext nur genau einen Referenten haben können), handelt es sich um (a1) einen identifikatorischen Ks / vlS, ist der eine ein individueller, der andere ein genereller Term (d.h. ein Begriff, der sich auf mehrere Referenten beziehen kann), handelt es sich um (a2) einen askriptiven Ks / vlS; handelt es sich bei beiden um generelle Terme, handelt es sich um einen (a3) klassifizierenden Ks / vlS.
    (a2) lässt sich außerdem nach Wortart des prädikativen Komplements weiter differenzieren in (a2α) Präd=Nomen: subsumtiv; (a2β) Präd=Adjektiv: attributiv. All diese Typen finden sich auch im Hebräischen:
    (a) prädikativ
    (a1) identifikatorisch:
    Gen 14,3 כָּל-אֵלֶּה חָבְרוּ אֶל-עֵמֶק הַשִּׂדִּים הוּא יָם הַמֶּלַח All diese vereinten sich im Tal Siddim - das Øist das Salzmeer.
    Gen 24,65 הוּא אֲדֹנִי Das Øist mein Herr.
    (a2) askriptiv
    (a2α) subsumtiv
    Gen 27,11 עֵשָׂו אָחִי אִישׁ שָׂעִר וְאָנֹכִי אִישׁ חָלָק Mein Bruder Esau Øist ein behaarter Mann, ich dagegen Øbin ein glatter Mann.
    (a2β) attributiv:
    2Kön 2,19 מוֹשַׁב הָעִיר טוֹב כַּאֲשֶׁר אֲדֹנִי רֹאֶה וְהַמַּיִם רָעִים Die Situation der Stadt Øist gut, wie mein Herr ja sieht - aber das Wasser Øist schlecht.
    Ps 25,8 טוֹב-וְיָשָׁר יְהוָה Gut und aufrecht Øist JHWH.
    (a3) klassfizierend:
    Ex 16,36 וְהָעֹמֶר עֲשִׂרִית הָאֵיפָה הוּא Ein Omer הוּא=ist das Zehntel eines Efa.
    Dtn 21,23 קִלְלַת אֱלֹהִים תָּלוּי Ein Fluch Gottes Øist ein Gehängter
    (b) existentiell:
    Ex 13,6 בַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי חַג לַיהוָה Am siebten Tag Øsoll sein ein Fest für den Herrn.
    1Kön 18,41 עֲלֵה אֱכֹל וּשְׁתֵה כִּי-קוֹל הֲמוֹן הַגָּשֶׁם Steh auf, iss und trink - denn Øes wird sein der Lärm von heftigem Regen.
    Gen 2,12 שָׁם הַבְּדֹלַח וְאֶבֶן הַשֹּׁהַם Dort Øgibt es Bdelliumharz und Onyxe.
    (c) lokativ: Ps 11,4 יְהוָה בְּהֵיכַל קָדְשׁוֹ יְהוָה בַּשָּׁמַיִם כִּסְאוֹ JHWH Øist in seinem heiligen Tempel; im Himmel Øist JHWHs Thron [Casus pendens].
    (d) possessiv:
    Gen 18,14 לְשָׂרָה בֵן Der Sara Øwird sein ein Sohn.
    Gen 24,29 לְרִבְקָה אָח Der Rebekah Øwar ein Bruder.
  • (4) Häufig sucht man in der Hebraistik nach formalen Unterscheidungskriterien zwischen den Typen von Kopulasätzen und verblosen Sätzen; z.B. kann es heißen, im identifikatorischen Ks / vlS sei die Wortfolge Subjekt - Prädikat; im klassfizierenden Ks / vlS dagegen Prädikat - Subjekt (z.B. A-C §5.1.1) oder im identifikatorischen Ks / vlS seien beide Glieder definit, im klassifizierenden Ks / vlS dagegen nur das Subjekt (z.B. BHRG §34.3) u.ä.
    Auf ein funktionierendes formales Unterscheidungskriterium bin ich bisher noch nicht gestoßen: Die Wortfolge ist bei allen Typen meist (Topik)-(Fokus)-(Präpositionalphrase)-Sub-(präd. Komp.) (vgl. Buth 1999; BrSynt §27; Revell 1989), aber selbst innerhalb der einzelnen Klassen ist sie nicht immer vorhersagbar; vgl. z.B. für die subsumtive Klasse Gen 49,9.13.22.27; für die attributive oben 2Kön 2,19 vs. Ps 25,8; für die lokative Ijob 6,30 vs. Ps 7,4; für den klassifizierenden Spr 11,30 vs. Spr 13,12 usw. Und wegen der semantischen Eigenschaften der Glieder des prädikativen vlS sind zwar tatsächlich in der Regel im identifikatorischen beide Glieder, im askriptiven nur ein Glied und im klassifizierenden keines der Glieder determiniert, aber es gibt dennoch zu viele Ausnahmen, als dass man dies zur Regel erheben könnte.
    • (4.1) In diesem Zusammenhang sei hingewiesen auf einen Strukturunterschied des Deutschen und des Hebräischen: Auch im Deutschen ist die Wortstellung meist Subjekt - Objekt; im Unterschied zum Hebräischen ist es aber weniger frei in der Voranstellung von Topik, Kontrast, Fokus oder (direktem) Objekt. Das hat Folgen für die Übersetzung: Z.B. kann es in Dtn 21,23 (s.o.) im Hebräischen heißen Ein Fluch Gottes Øist ein Gehängter, aber im Deutschen muss übersetzt werden ein Gehängter ist ein Fluch Gottes. Oder in Ps 25,8 (s.o.) kann es im Hebräischen heißen Gut und aufrecht Øist JHWH., aber im Deutschen muss übersetzt werden JHWH ist gut und aufrecht, usw.

FEHLT NOCH! Infinite Verben[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Infinitiv Construct[Bearbeiten]
Infinitivus absolutus[Bearbeiten]

Der Infinitivus absolutus ist ein Verbaladverb, das sowohl als Adverb als auch als Verb verwendet werden kann. Er begegnet v.a. in vier Konstruktionen:

  • (1) Tautologischer Infinitiv: INF:X - FIN:X / FIN:X - INF:X: Die mit Abstand häufigste Konstruktion mit Infinitivus absolutus ist der sogenannte „tautologische Infinitiv“: Einem finiten Verb wird ein Infinitivus absolutus der selben Wurzel unverbunden voran- oder nachgestelltj. Jenni §10.3.1.1 hat die Funktion des tautologischen Infinitivs gut beschrieben: [Seine Funktion] besteht in einer Verstärkung des Modus der Aussage (nicht der Wortbedeutung als solcher) und kann nur aus dem Kontext erschlossen werden; statt einer wörtlichen Nachahmung sind bei der Übersetzung adverbiale oder modale Umschreibungen zu wählen, so für die Behauptung „gewiß/unbedingt/sicher/dringend“ usw., bei der Frage „etwa/gar/vielleicht“ usw., bei der hypothetischen Aussage „allenfalls/wirklich/nun/jedoch/aber“ usw., bei Erlaubnis oder Gebot Wendungen mit „dürfen/können/müssen“ usw. Wichtig ist, das diese verstärkende Funktion nicht Teil der Semantik des Infinitivs selbst ist, sondern durch die besagte paronomastische Konstruktion als ganze „erzeugt“ wird (vgl. z.B. Muraoka 1985, S. 84-86; so schon Chomsky/Kimchi §80). Vgl.: Ri 1,28 הוֹרֵישׁ לֹא הוֹרִישׁוֹ Er vertrieb sie nicht völlig. vs. Jer 6,29 לַשָּׁוְא צָרַף צָרוֹף Völlig vergeblich schmolz man es.
  • (2) Sequentieller Infinitiv: FIN:X - (...) (וְ) INF:Y - Der Infinitivus absolutus kann, wenn er einem finiten Verb einer anderen Wurzel nachgestellt wird, auch als Vollverb fungieren. Er führt dabei stets den Modus des vorangehenden Vollverbs fort und kann so als Ersatz für die sequentiellen Formen dienen. Als diese im LBH schwinden, nimmt auch die Häufigkeit dieser Konstruktion zu (vgl. Rendsburg 2002, S. 38; Rubinstein 1952, S. 365). Vgl.: Jer 22,19 קְבוּרַת חֲמוֹר יִקָּבֵר סָחוֹב וְהַשְׁלֵךְ מֵהָלְאָה לְשַׁעֲרֵי יְרוּשָׁלִָם Mit dem Begräbnis eines Esels wird er begraben werden (Yiqtol); er wird fortgeschleppt werden und weit entfernt von den Toren Jerusalems fortgeworfen werden.
  • (3) adverbialer Infinitiv: Einige adverbiale Infinitive werden so häufig verwendet, dass sie sich zu eigenständigen Adverbien entwickelt haben. Besonders häufig sind הָלוֹך fortwährend, andauernd; הֵיטֵב gut; מַהֵר schnell; הַרְבֵּה viel und הַשְכֵם unermüdlich (vgl. GKC §113k).
  • (4) pleonastischer Infinitiv FIN:X - INF:X/Y וְ INF:Y/X: Folgt auf ein finites Verb der Wurzel X ein Inf.abs. der Wurzel Y (s. 2 + 3), kann diese Konstruktion erweitert werden um einen weiteren Inf.abs. der Wurzel X, ohne dass dies Einfluss auf die Semantik haben würde. Vgl. 1Kön 20,37 וַיַּכֵּהוּ הָאִישׁ הַכֵּה וּפָצֹעַ Der Mann WAY:schlagen:3-m-s ihn INF:schlagen ו INF:verwunden = Der Mann schlug ihn und verwundete ihn.; Jer 25,4 וְשָׁלַח יְהוָה אֲלֵיכֶם אֶת-כָּל-עֲבָדָיו הַנְּבִאִים הַשְׁכֵּם וְשָׁלֹחַ WAY:senden:3-m-s JHWH euch all seine Diener (nämlich die Propheten) INF:unermüdlich (s.o.) ו INF:senden. = JHWH sandte euch unermüdlich all seine Diener (nämlich die Propheten). Die Logik der Konstruktion erschließt sich mir noch nicht ganz, aber die Beispiele sind recht eindeutig.k
  • (5) Soll ein von einer Präposition regierter Infinitivus Constructus durch einen weiteren Infinitiv fortgeführt werden, verwendet der Hebräer dazu den Infinitivus Absolutus ohne Präposition. Vgl. z.B. Ex 32,6; Jer 7,18 u.ö.
  • (6) In nachbiblischer Zeit sind Infinitivus Absolutus und Infinitivus Constructus zu einer Form verschmolzen (vgl. z.B. Bekkum 1983, S. 255; Fox 1984, S. 4; Macuch 1982, S. 151). Das ist schon im biblischen Hebräisch merklich (vgl. z.B. Segal 1927, S. 166), deshalb kann in späteren Büchern bisweilen Inf. abs. ebenso verwendet werden wie Inf. cs.; also z.B. (a) nominal oder (b) regiert von Präpositionen.
Das Partizip[Bearbeiten]
  • (1) Das hebräische Partizip ist ein „Wortklassenzwitter“: Es ist ein von einem Verb abgeleitetes Adjektiv (- ein sogenanntes „Verbaladjektiv“ -), das (a) fungiert wie ein Adjektiv (s. dort), (b) flektiert wird wie ein Nomen (s. dort) und (c) trotz Wortartwechsel seine verbale Valenz behalten hat.l
  • (2) Beim hebräischen Partizip muss unterschieden werden zwischen (1) Partizip Aktiv und (2) Partizip Passiv:
    • (2.1) Das Partizip Aktiv entspricht dem deutschen Partizip I und fungiert als adjektivische Verlaufsform des durch das entsprechende Verb bezeichneten Geschehens/Handlung (s. im Dt.: lieben -> liebend).
    • (2.2) Das Partizip Passiv entspricht (1) dem deutschen Partizip II oder (2) dem Gerundiv (auch: „participium necessitatis“):
      • (2.2.1) Es bezeichnet also das Resultat des durch das entsprechende Verb bezeichneten Geschehens/Handlung (s. im Dt.: lieben -> geliebt)
      • (2.2.2) oder es modifiziert die Verlaufsform als agensorientiert modal (d.h. es „reichert sie an“ um die Modalität des Müssens oder Dürfens) (s. im Dt.: lieben -> zu liebend).
  • (3) Wie jedes hebräische Adjektiv kann auch das hebräische Partizip verwendet werden (a) als Substantiv und (b1) als attributives Adjektiv und (b2) als prädikatives Adjektivm. In dieser letzten Verwendungsweise wird es besonders häufig in verblosen Sätzen verwendet; auch „Partizipialsätze“ haben daher die dort gelisteten Funktionen.
  • (4) Negiert wird das Partizip stets durch אֵין.

FEHLT NOCH! Das Nomen im Hebräischen[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Substantive und Adjektive[Bearbeiten]

  • Nominativ
  • Genitiv
  • Akkusativ
FEHLT NOCH! Artikel[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Attribuierung[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Apposition[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Supplemente im Hebräischen[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Satzsupplemente[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Verbgruppenadverbiale[Bearbeiten]

FEHLT NOCH! Nebensätze im Hebräischen[Bearbeiten]

Anhänge[Bearbeiten]

Beispiele Modalität[Bearbeiten]

deontische Modalität

Kohortativ
Yiq: Gen 1,26 נַעֲשֶׂה אָדָם בְּצַלְמֵנוּ כִּדְמוּתֵנוּ Lasst uns machen den Menschen als uns ähnliches Bildnis!
Weq: 1Sam 14,8 הִנֵּה אֲנַחְנוּ עֹבְרִים אֶל-הָאֲנָשִׁים וְנִגְלִינוּ אֲלֵיהֶם Wir gehen auf diese Männer zu; lass uns uns offenbaren ihnen!
Koh: Hld 7,12 לְכָה דוֹדִי נֵצֵא הַשָּׂדֶה נָלִינָה בַּכְּפָרִים Komm, mein Geliebter, lass uns gehen (Yiq) aufs Land; lass uns wohnen im Dorf!
Imperativ
Yiq: 1Sam 2,16 לו (לֹא) כִּי עַתָּה תִתֵּן Nein! Gib sofort!
Weq: Gen 6,14 עֲשֵׂה לְךָ תֵּבַת עֲצֵי-גֹפֶר קִנִּים תַּעֲשֶׂה אֶת-הַתֵּבָה וְכָפַרְתָּ אֹתָהּ מִבַּיִת וּמִחוּץ בַּכֹּפֶר Mach (Imp) dir einen Kasten
aus Fichtenholz! Räume mache (Yiq) im Kasten! Verpiche ihn außen und innen mit Erdpech!
Imp: Gen 1,22 פְּרוּ וּרְבוּ Seid fruchtbar und vermehrt euch!
Jus: 1Sam 10,8 שִׁבְעַת יָמִים תּוֹחֵל Warte sieben Tage!
Kommissiv
Yiq: Gen 12,2 וְאֶעֶשְׂךָ לְגוֹי גָּדוֹל וַאֲבָרֶכְךָ וַאֲגַדְּלָה שְׁמֶךָ [Wenn du in das Land ziehst, das ich dir zeigen werde], werde ich dich
machen zu einem großen Volk und dich segnen und groß machen (Koh) deinen Namen.
Weq: Jos 2,14 Weq: בְּתֵת-יְהוָה לָנוּ אֶת-הָאָרֶץ וְעָשִׂינוּ עִמָּךְ חֶסֶד וֶאֱמֶת Sobald JHWH uns das Land gegeben haben wird werden wir
handeln mit dir verlässlich und treu.
Koh: Ps 54,8 בִּנְדָבָה אֶזְבְּחָה-לָּךְ אוֹדֶה שִּׁמְךָ יְהוָה Freiweillig werde ich dir opfern, ich werde preisen (Yiq) deinen Namen, JHWH.
Imp: Ps 110,2 Imp: מַטֵּה-עֻזְּךָ יִשְׁלַח יְהוָה מִצִּיּוֹן רְדֵה בְּקֶרֶב אֹיְבֶיךָ Das Szepter deiner Macht wird senden (Yiq) JHWH aus Zion;
du sollst herrschen inmitten deiner Feinde!
Jus: 1Sam 7,3 יַצֵּל אֶתְכֶם מִיַּד פְּלִשְׁתִּים Er wird retten euch aus der Hand der Philister.
Permissiv
Yiq: Gen 3,2 מִפְּרִי עֵץ-הַגָּן נֹאכֵל Die Baumfrüchte des Gartens dürfen wir essen.
Weq: Dtn 12,15 רַק בְּכָל-אַוַּת נַפְשְׁךָ תִּזְבַּח וְאָכַלְתָּ בָשָׂר Nach Herzenslust darfst du schlachten (Yiq) und Fleisch essen.
Imp: Gen 14,21 תֶּן-לִי הַנֶּפֶשׁ וְהָרְכֻשׁ קַח-לָךְ Die Menschen musst du mir geben, aber die Sachen darfst du behalten.
Jus: Ri 7,3 מִי-יָרֵא וְחָרֵד יָשֹׁב וְיִצְפֹּר Wer sich ängstigt und fürchtet darf umkehren und zurückgehen (Yiq)!
Prohibitiv
לׁא Yiq: Ex 23,1 לֹא תִשָּׂא שֵׁמַע שָׁוְא אַל-תָּשֶׁת יָדְךָ עִם-רָשָׁע Nicht setze in Umlauf Lügenreden, nicht reiche (אַל Jus) deine Hand
dem Schuldigen!
אַל Jus: Gen 37,22 אַל-תִּשְׁפְּכוּ-דָם Nicht vergießt Blut!
Jussiv
Yiq: Ex 21,34 בַּעַל הַבּוֹר יְשַׁלֵּם כֶּסֶף יָשִׁיב לִבְעָלָיו Der Besitzer des Brunnens soll zahlen, Geld soll geben der Eigner!
Weq: 1Kön 1,34 וּמָשַׁח אֹתוֹ שָׁם צָדוֹק הַכֹּהֵן וְנָתָן הַנָּבִיא לְמֶלֶךְ עַל-יִשְׂרָאֵל Dort sollen ihn salben zum König der Priester Sadok und der
Prophet Nathan!
Jus: Dtn 20,5 יֵלֵךְ וְיָשֹׁב לְבֵיתוֹ Er soll gehen und zurückkehren zu seinem Haus!
Optativ
Yiq: Gen 9,27 יַפְתְּ אֱלֹהִים לְיֶפֶת וְיִשְׁכֹּן בְּאָהֳלֵי-שֵׁם וִיהִי כְנַעַן עֶבֶד לָמוֹ Weiten Raum schaffe (Jus) Gott dem Jafet, er wohne in den Zelten
Schems und Kanaan sei (Jus) sein Sklave!
Weq: Gen 3,22 פֶּן-יִשְׁלַח יָדוֹ וְלָקַח גַּם מֵעֵץ הַחַיִּים וְאָכַל וָחַי לְעֹלָם Dass er nur nicht ausstrecke (Yiq) seine Hand und nehme von dem
Baum des Lebens und esse und ewig lebe!
Jus: 1Sam 10,24 יְחִי הַמֶּלֶךְ Es lebe der König!

dynamische Modalität

Obligativ
Yiq: Spr 3,24 אִם-תִּשְׁכַּב לֹא-תִפְחָד Wenn du dich niederlegen willst, dann musst du dich nicht zu fürchten.
Jus: Jos 7,3 אֵלָיו אַל-יַעַל כָּל-הָעָם Es braucht nicht hinaufzuziehen das ganze Volk [, denn es sind nur wenige].
Volitiv
Yiq: Gen 24,58 וַיֹּאמְרוּ אֵלֶיהָ הֲתֵלְכִי עִם-הָאִישׁ הַזֶּה וַתֹּאמֶר אֵלֵךְ Sie fragten sie: „Willst du gehen mit diesem Mann?“ - und sie antwortete: „Ich will gehen
Weq: Gen 29,15 הֲכִי-אָחִי אַתָּה וַעֲבַדְתַּנִי חִנָּם Willst du mir dienen umsonst, [nur], weil du mein Bruder bist?“
Koh: 2Sam 18,22 אָרֻצָה-נָּא גַם-אָנִי אַחֲרֵי הַכּוּשִׁי Auch ich möchte laufen hinter dem Kuschiten.
Jus: Dtn 18,16 לֹא אֹסֵף לִשְׁמֹעַ אֶת-קוֹל יְהוָה אֱלֹהָי Ich will nicht fortfahren zu hören die Stimme des Gottes JHWH!
Abilitiv
Yiq: Jes 47,12 אוּלַי תּוּכְלִי הוֹעִיל אוּלַי תַּעֲרוֹצִי Vielleicht kannst du Nutzen haben, vieleicht kannst du [es] abschrecken.
Weq: Ri 6,16 כִּי אֶהְיֶה עִמָּךְ וְהִכִּיתָ אֶת-מִדְיָן כְּאִישׁ אֶחָד Weil ich mit sein will, wirst du schlagen können ganz Midian wie einen einzigen Mann.
Imp: Ex 4,19 לֵךְ שֻׁב מִצְרָיִם כִּי-מֵתוּ כָּל-הָאֲנָשִׁים הַמְבַקְשִׁים אֶת-נַפְשֶׁךָ Auf! Du kannst zurückkehren nach Ägypten, denn es sind gestorben
alle nach deinem Leben trachtenden Männer!
Jus: Jer 9,11 מִי-הָאִישׁ הֶחָכָם וְיָבֵן אֶת-זֹאת Welcher Mensch ist so weise, dass er verstehen könnte dies?

teleologische Modalität

ו Yiq: Gen 1,6 יְהִי רָקִיעַ בְּתוֹךְ הַמָּיִם וִיהִי מַבְדִּיל בֵּין מַיִם לָמָיִם Es sei ein Schalenförmiges inmitten der Wasser, damit es sei scheidend die
Wasser von den Wassern!
Weq: 1Sam 15,30 וְשׁוּב עִמִּי וְהִשְׁתַּחֲוֵיתִי לַיהוָה אֱלֹהֶיךָ Kehre mit mir zurück, damit ich anbeten kann deinen Gott JHWH!
ו Koh: Ex 4,18 אֵלְכָה נָּא וְאָשׁוּבָה אֶל-אַחַי אֲשֶׁר-בְּמִצְרַיִם וְאֶרְאֶה הַעוֹדָם חַיִּים Ich will gehen und zurückkehren zu meinen Brüdern, die in
Ägypten sind, damit ich sehen kann, ob sie noch lebend sind!
ו Imp: Gen 12,2 וְאֶעֶשְׂךָ לְגוֹי גָּדוֹל וַאֲבָרֶכְךָ וַאֲגַדְּלָה שְׁמֶךָ וֶהְיֵה בְּרָכָה Ich werde dich machen zu einem großen Volk und dich segnen und
groß machen deinen Namen, damit du seist ein Segen.
ו Jus: Ex 8,4 הַעְתִּירוּ אֶל-יְהוָה וְיָסֵר הַצְפַרְדְּעִים מִמֶּנִּי Betet zu JHWH, damit er fortnehme die Frösche von mir!

Tempus

Futur
Yiq: Jes 11,7: וּפָרָה וָדֹב תִּרְעֶינָה יַחְדָּו יִרְבְּצוּ יַלְדֵיהֶן וְאַרְיֵה כַּבָּקָר יֹאכַל-תֶּבֶן Kuh und Bär werden Freunde sein, beieinander werden rasten
ihre Jungen und der Löwe wird essen Stroh gleich dem Rind.
Weq: Gen 12,12 כִּי-יִרְאוּ אֹתָךְ הַמִּצְרִים וְאָמְרוּ Wenn die Ägypter dich sehen werden (Yiq), werden sie sagen...
habituelle Geschehnisse
Yiq + Weq: Ex 18,26 וְשָׁפְטוּ אֶת-הָעָם בְּכָל-עֵת אֶת-הַדָּבָר הַקָּשֶׁה יְבִיאוּן אֶל-מֹשֶׁה וְכָל-הַדָּבָר הַקָּטֹן יִשְׁפּוּטוּ הֵם Jederzeit sprachen sie
Recht (Weq) dem Volk: Während sie schwierigen Fälle vorbrachten (Yiq) dem Mose, richteten sie (Weq) in den leichteren Fällen selbst.


aZum Zhg. Modalität - Futur vgl. Palmer 2001, S. 5: „Realis/irrealis systems do not usually occur together with tense systems. In general past and present are marked as realis, future as irrealis.. Vgl. auch Comrie 1985, S. 49. Sogar für uns geläufigere Sprachen wie das Deutsche, Englische und Spanische wird dies diskutiert; vgl. z.B. Lang 2013; Vega 2005.). (Zurück zu )
bZum Zhg. Modalität - Habitualität vgl. z.B. Fleischmann 1995, S. 537ff.; Palmer 2001, S. 179; für das Hebräische vgl. bes. Joosten 1992. (Zurück zu )
cFür einige - z.B. Goldfajn 1998, bes. S. 134f. oder Bartelmus 1982, bes. S. 54ff. - ist diese Prospektivität sogar die fundamentale Temporalsemantik von Yiqtol. (Zurück zu )
dfür weitere Bspp s. z.B. Dav §45 (Zurück zu )
eHKL III §140 hält es für eine frühere Variante von Wayyiqtol, was zwar eine gute Funktionsbeschreibung, aber keine Erklärung ist. Einige - z.B. Goldfajn 1998, S. 131 - erklären [אָז - Yiqtol] nach dem selben Muster wie [בְּ)טֶרֶם) - Yiqtol] und [עַד - Yiqtol], aber an vielen Stellen passt das nicht. (Zurück zu )
fFür weitere Bspp s. z.B. Dav §45.R1 (Zurück zu )
gz.B. Namia, vgl. Feldpausch 2007, S. 9). (Zurück zu )
h„nicht-modal“ ist strenggenommen falsch, da auch der Indikativ zum Modussystem einer Sprache gehört. Der Begriff wurde nur aus taxonomischen Gründen gewählt. (Zurück zu )
izu „marker“ vgl. Pollard/Sag 1994, S. 45: [...] A marker is a word that is 'functional' or 'grammatical' as opposed to substantive, in the sense that its semantic content is purely logical in nature (perhaps even vacuous). (Zurück zu )
jViele Hebraisten unterscheiden zwischen INF:X - FIN:X und FIN:X - INF:X, aber vgl. IBHS §35.3.1d; Riekert 1982, S. 77 (Zurück zu )
kvgl. noch Gen 8,3; Gen 8,5 (statt הָיוּ הָלוֹךְ lies הָיוּ הֹלְכִים הָלוֹךְ; vgl. Ehrlich 1908, S. 36); Gen 8,7; Gen 12,9; Jos 6,9; Jos 6,13 (Qere); Ri 14,9; 1Sam 6,12; 2Sam 5,10; 2Sam 15,30; 2Kön 2,11; Jes 3,16; Jes 19,22; Jer 7,13; Jer 7,25; Jer 11,7; Jer 12,7; Jer 25,4; Jer 26,5; Jer 29,19; Jer 32,33 (statt וְלַמֵּד אֹתָם ließ וָאֲלַמֵּד אֹתָם; vgl. BHS mir LXX, Syr, Vul); Jer 35,14f.; Jer 44,4; Jl 2,26; 1Chr 11,9; 2Chr 36,15 (Zurück zu )
lzum Part. i.A. vgl. z.B. Haspelmath 1994, S. 152 (Zurück zu )
mZu dieser letzten Verwendungsweise zählt auch jene, die von einigen Hebraisten aufgefasst wird als „verbales Partizip“. Im biblischen Hebräisch wird das Partizip i.d.R. nicht verbal verwendet, sondern nominal: wo ein Partizip scheinbar den Slot eines Verbs zu füllen scheint, handelt es sich im Wirklichkeit um einen verblosen Satz, in dem das Partizip als prädikatives Adjektiv fungiert und der dementsprechend auch die gewöhnliche Semantik eines verblosen Satzes hat (s. dort; vgl. zuletzt wieder Cook 2008).
Allerdings findet im Bereich des Partizips in den semitischen Sprachen ein Sprachwandel statt: Sowohl im Neo-Aramäischen als auch im nachbiblischen Hebräisch übernimmt das Partizip nach und nach die Funktion des Präsens (vgl. z.B. Lipinski §42.18.23; Egger 2010), und Spuren dieses sprachgeschichtlichen Wandels scheinen in Einzelfällen auch schon in den späteren Texten der Bibel merklich zu sein. (Zurück zu )