Amos 9: Unterschied zwischen den Versionen

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_Würde ich von dort das Schwert entsenden und es würde sie töten
_Würde ich von dort das Schwert entsenden und es würde sie töten
Und ich würde mein Auge auf sie richten –  
Und ich würde mein Auge auf sie richten –  
_Zum Bösen, nicht zum Guten.“<ref>''nicht zum Guten'' - was man nach „ich werde meine Augen auf sie richten“ eigentlich erwarten würde, s. [[Genesis 44#s21 |Gen 44,21]]; [[Jeremia 24#s6 |Jer 24,6]]; [[Jeremia 39#s12 |39,12]]).</ref></poem>
_Zum Bösen, nicht zum Guten.“<ref>''nicht zum Guten'' - was man nach „ich werde meine Augen auf sie richten“ eigentlich erwarten würde, s. [[Genesis 44#s21 |Gen 44,21]]; [[Jeremia 24#s6 |Jer 24,6]]; [[Jeremia 39#s12 |39,12]].</ref></poem>





Version vom 20. Oktober 2021, 14:52 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Amos 9)

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Anmerkungen

Studienfassung (Amos 9)

1 Ich sah den Herrn auf dem (am) Altara stehen.
{Und} Er sprach: „Schlage (Ich werde schlagen?; {Er sprach} und er schlug?)b auf den Türrahmen (?, das Kapitell?, den [heiligen] Baum?),c dass die Schwellend (Becken?, Schalen?c) erschüttert werden
Schneide sie ab (ich werde abschneiden?, so dass endet?)e mit Gift (auf den Kopf aller; am Kopf=oberen Ende – sie alle; im Beben)!f – sie alle,
{Und} Den Rest werde ich mit dem Schwert töten:
Kein Flüchtling von ihnen wird flüchten können (wird flüchten)
Und kein Fliehender von ihnen wird fliehen können (wird fliehen)
2 Wenn sie sich zum Scheolg durchgrüben, würde meine Hand sie von dort holen;
Wenn sie zum Himmel aufstiegen, würde ich sie von dort hinunterbringen;h
3 Wenn sie sich auf dem Gipfel des Karmel verbärgen, würde ich von dort aufstöbern und sie [herab]holen;
Wenn sie sich versteckten vor meinen Augen auf dem Grund des Meeres,
Würde ich von dort die Schlange entsenden und sie würde sie beißen –i
4 Wenn sie in die Gefangenschaft zögen vor den Augen ihrer Feinde,
Würde ich von dort das Schwert entsenden und es würde sie töten
Und ich würde mein Auge auf sie richten –
Zum Bösen, nicht zum Guten.“j


5 Und der Herr, JHWH der Heerscharen (Zebaot), schlägt auf das Land und es schwankt und alle, die auf ihm sitzen, werden jammern, dass es hinaufgeht wie der Fluss und zurückgeht wie der Strom Ägyptens. 6 Er baut im Himmel seine Stufe und sein Band (Firmament?)k auf der Erde gründet er. Er ruft die Wasser des Meeres und er gießt sie aus auf dem Angesicht der Erde, JHWH ist sein Name. 7 Seid ihr nicht wie die Söhne der Kuschiter für mich, ihr Söhne Israels, spricht JHWH. Habe nicht ich Israel herausgefährt aus dem Land Ägypten und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir. 8 Siehe, die Augen des Herrn JHWH sind auf dem sündigen Königreich, und ich vernichte es (rotte es aus) vom Angesicht der Erde. Nur, dass ich nicht völlig (vollständig) vernichte (ausrotte) das Haus Jakobs, spricht JHWH. 9 Denn siehe, ich will befehlen und will schütteln in alle Völker das Haus Israels, wie man schüttelt mit einem Sieb und nicht fällt ein Stein auf die (zur) Erde. 10 Mit dem Schwert werden getötet alle Sünder meines Volkes, die sagen: Du führst nicht herbei und lässt nicht zu uns kommen das Böse (Unheil). 11 An diesem Tag will ich [wieder] aufstellen die Hütte Davids, die umgefallene (verfallene, eingestürzte). Und ich (ver)mauere ihre Risse und ihr Niedergerissenes (Abgebrochenes, ihre Trümmer) stelle ich auf und erbaue sie wieder wie in den Tagen der der Vorzeit. 12 Damit sie in Besitz nehmen das Übrige (den Rest) von Edom und alle (Fremd)völker, über die ausgerufen (genannt) ist mein Namen, spricht der JHWH, der dies tut. 13 Siehe, Tage kommen, spricht JHWH, da nähert sich (tritt heran) der Pflüger dem Schnitter und der Weintraubentreter an den Samensäerl und sie werden herabtriefen lassen Most von den Bergen und alle Hügel zwerfließen. 14 Ich wende das Geschick meines Volkes Israel. Sie werden aufbauen ihre verwüsteten Städte und sie bewohnen und sie pflanzen Weinberge und trinken ihrenm (deren) Wein und sie machen Gärten und essen ihre Früchte. 15 Und ich pflanze sie in auf ihr Land (ihren Erdboden, ihre Erde). Und sie sollen nicht mehr vertrieben (herausgerissen) werden von iherem Land (ihrem Erdboden, ihrer Erde) die ich ihnen gegeben habe, spricht (sagt) JHWH, dein Gott. </poem>

Anmerkungen


aZum Altar vgl. am besten Sweeney: Der Altar im Alten Israel ist kein „sauberer“ Tisch wie im westlichen Kirchen. Hat er das Format des Altars im Jerusalemer Tempel, ist er begehbar; v.a. aber ist er ein Schlachtopfer-Altar und daher in der Regel blutbespritzt und von Eingeweide besudelt. JHWH auf einem israelitischen Altar stehen zu sehen, ist ein drohendes Bild, kein heiliges. B-R übersetzt daher sinnvoll mit „Schlachtstatt“. Übrigens stand in Jerusalem der Altar nicht im Tempel, sondern im Vorhof, und auf tempellosen Kulthöhen stand er natürlich ebenso im Freien. Schon dies ist ein sehr großer Unterschied zwischen diesen Vv. und der Stelle Jes 6,1-4, die gern mit unseren Vv. verglichen wird.
Welcher Tempel gemeint ist, wird nicht präzisiert. Die meisten denken an Bethel. Es ist auch gar nicht wichtig; wichtig ist, was die Handlung symbolisiert, s. die Anmerkungen. Dennoch denke ich (S.W.), man sollte hier besser an den Jerusalemer Tempel denken (so auch Tg, Rosenmüller, Keil): Dass JHWH aus einem Tempel seine Stimme erschallen lässt und u.a. gegen den Karmel droht, ist zu nah an Am 1,2, als dass man das für Zufall halten dürfte. (Zurück zu v.1)
bSchlage (ich werde schlagen?; {Er sprach} und er schlug?) - Weil nicht klar wird, wer da schlagen soll, wird der Text oft korrigiert von hak („schlage!“) zu `ak, `hakkeh oder hakkeh `akkeh („ich werde schlagen“) (z.B. Rudolph, Jeremias, Soggin; noch BHK, BHS, Reimer 1992, S. 204) oder noch häufiger zu wajjak („und er schlug“, z.B. Maag, Wolff, Hammershaimb). Dafür gibt es in der Textgeschichte keinen Anhalt. Belässt man den Text, wird überlegt, wer da schlagen soll: Der Prophet (die meisten) oder ein Engel wie die, von denen in Jes 6,1-4 die Rede ist (so z.B. noch Cripps, Anderson / Freedman, Gese 1981, S. 83; auch GN)? Auch dies wird hier nicht gesagt; wieder: Entscheidend ist, was die Handlungen bedeuten; nicht, wer sie wo ausführt. S. die Anmerkungen. (Zurück zu v.1)
cTürrahmen (?, Kapitell?, [heiliger] Baum?) + Schwellen (Becken? Schalen?) - Das erste Wort ist völlig unklar. Das ist umso ärgerlicher, als bis zu drei verschiedene Wortspiele in diesem Wort stecken könnten: (1) Sicher ist ein Wortspiel, dass das heb. kaptor gleich lautet wie Kaptor in V. 7. (2) In kptr steckt kpt, aram. für „binden“, und tr, heb. für „Kette, Schnur, Band“ (zum letzterem Wort s. zu Hld 1,10. Vielleicht ist das Wort kaptor sogar aus diesen beiden Worten zusammengesetzt, s. zu Ex 25,31). Ähnlich kommt in V. 6 die `agudah (das „Band“) von heb. `gd („binden“); mit kaptor könnte also auf diese `agudah angespielt sein. (3) Hat Koch Recht (s.u.) und kaptor ist der heilige Baum, wären die sippim entweder gar nicht die Türschwellen, sondern nur die kultischen Wasserbecken einer Kultstätte, oder auf diese würde mindestens angespielt. Aber da nicht klar ist, worauf hier geschlagen werden soll, ist all dies ungewiss. Für die mit großem Abstand häufigste Übersetzung mit „Säulenkapitell“ spricht jedenfalls sehr wenig; der best guess ist „Türrahmen“.
Genauer: Auch die alten Versionen sind keine Hilfe, da sie sehr divers übersetzen. LXX („Sühnort“) hat nicht kptr gelesen, sondern kprt. Tg („Leuchter“) denkt offenbar an Ex 25,31-36, wo auch an der Menora kaptorim angebracht sind. Syr deutet entweder ebenso, oder als „Apfel“ oder als „Apfelbaum“ (syr. ḥazor kann alle drei Bedd. haben. Zu Tg und Syr s. zu Ex 25,31, wo mehrere alte Versionen kaptor mit „Apfel“ übersetzen, und LevR 12,4, wo erklärt wird, einen Obstbaum könne man auch mit dem selben Wort wie seine Frucht bezeichnen). Sym + Theod („Becher“) raten wohl von kap („Schale“) auf die Bed. von kaptor; vielleicht auch unter Einfluss des folgenden Wortes, da sap („Türschwelle“) auch „Becken“ bedeuten kann, und vielleicht ebenfalls unter Einfluss von Ex 25,31-36, da an der Menora neben kaptorim auch „Kelche“ angebracht sind. Aq („Bauwerk“) hat wahrscheinlich ratend in Orientierung an den folgenden „Türschwellen“ den allgemeinst-möglichen architektonischen Begriff gewählt. VUL („Türangeln“) dürfte ebenso wie die beiden ibn Ezras, Kimchi und Abravanel („Türöffnung“, „Türsturz“ und 2x „Türrahmen“) und ähnlich wie Aq von der „Türschwelle“ auf die Bed. geraten haben. Raschi und ben Qara denken an etwas auf „der Spitze des Daches“ und auch Eliezer von Beaugency kommentiert: „alles, was aus dem Gebäude hervorsteht, nennt man kaptor(denken sie an den kaleh-oreb, die „Raben-Scheuche“ auf dem Tempeldach? S. m.Mid iv 6. Dann hätten sie Zef 2,14 als bittere Ironie aufgefasst: Die Vögel nisten auf der Rabenscheuche. S. gleich.). Auch hier war aber vermutlich der Denkansatz der, dass der Türschwelle als dem tiefsten Punkt eines Gebäudes die Dachspitze als der höchste Punkt entgegengesetzt werden sollte. Ähnlich heute noch Gese 1981, S. 83 ohne Anhänger: „Daß kaptôr das Säulenkapitäl meint, ist in Anbetracht des anderen Wortgebrauchs in all den Fällen, in denen es zweifellos gemeint ist (kotärät [...]; ro`š [...]; ṣäpät [...]) wenig wahrscheinlich; Zeph. ii 14 kann man nur entnehmen, daß es sich um etwas Hochgelegenes handelt, während es sonst den knaufartigen Zierrat bei der Menora bezeichnet. In Am. 1 ist nur von einem kaptôr die Rede, und offensichtlich handelt es sich um die Spitze des Tempels, sozusagen um das Akroterion, den oberen Teil der Tempelfassade.“ In der selben Bed. wie hier wird kaptor nur noch in Zef 2,14 verwendet; dort ebenfalls parallel mit sap („Türschwelle“): „Pelikane und Eulen (?, s. dort) werden auf den kaptorim nächtigen; Laute singen durchs Fenster, Trümmer liegen auf dem / im sap, denn sein(e) Zedern(holz) wurde(n) bloßgelegt.“
Von hier aus lässt sich auf zwei unterschiedliche Bedd. raten:
(1) Wichtigstes Indiz ist, dass es an beiden Stellen zusammen mit sap („Türschwelle“) und in Zef 2,14 außerdem zusammen mit den „Fenstern“ genannt wird. Von da aus könnte man wie VUL, ibn Ezra, Kimchi und Abravanel auf einen Bestandteil der Türe raten. Da nach Zef 2,14 Vögel darauf nisten, werden es senkrechte Bestandteile sein, also wohl die zwei / drei Türpfosten. Man könnte tatsächlich versucht sein, auf diesem Umweg dann doch an die Säulen vor dem Jerusalemer Tempeltor zu denken, aber erstens wird nirgends gesagt, dass von einem Tempel die Rede ist, geschweige denn dem Jerusalemer Tempel, und zweitens ist auch dann nicht klar, was mit dem kaptor gemeint ist.
(2) Koch 1976b, S. 57 setzt erstens an der syr. Übersetzung an, die er zu „Obstbaum“ verengt und gleichzeitig verallgemeinert, zweitens an akk. kaptaru, das er zu „Baum“ verallgemeinert, und drittens daran, dass in Zef 2,14 außerdem noch von „Zedern(holz)“ die Rede ist, und schließt von da aus darauf, „daß sich [in Am 9] neben dem Altar ein natürlicher oder künstlicher Baum befindet[, der mit kaptor bezeichnet wird].“ Hinzunehmen könnte man mehrere alte Üss. von Ex 25,33 und Lev 12,4 (s.o.), die ebenfalls nahelegen, dass kaptor mindestens auch einen Apfel(baum) bezeichnen könnte (zu Apfelbäumen im Alten Israel vgl. Walter 2018, S. 63). Warum auf einen solchen Baum angespielt werden sollte, ließe sich leicht erklären: Denkt man bei dem Altar, auf dem JHWH steht, nicht an den in einem Tempel wie den Jerusalems, sondern den auf einer Kulthöhe wie wohl Bethel und Beerscheba, wäre damit der heilige Baum (die Aschera) gemeint, der auf solchen Kulthöhen regelmäßig neben dem Altar stand (s. bes. Dtn 16,21; Jer 17,2; auch die „Wahrsage-Eiche“ neben den „(Kult-)Höhen“ in Ri 9,37 und die Eiche neben Abrahams Altar in Gen 12,6f.. Sicher gemeint sind solche Bäume auch in Jer 2,20; auch hier neben „Kulthöhe“. Auch in Samaria befand sich übrigens eine solche Aschera, s. 2 Kön 13,6). Wenn das richtig ist, kann man auch bei den sippim sogar noch besser an Becken denken; denn offenbar gab es auf Kulthöhen d.ö. auch Wasserbecken. Vgl. zunächst natürlich Gen 26,25 von Isaaks Quelle in Beerscheba und Ex 40,30 vom Wasserbecken des Stiftszelts; dann auch 1 Sam 7,5f.. Bei Ausgrabungen wurden an mehreren Orten, die möglicherweise als Kultstätten dienten, solche Wasserbecken gefunden; so in Ta´anach, in Tell el-Far´ah und in Ḥorvat Qitmit (s. Fried 2002, S. 453f.458). Das passte auch in Zef 2,14 ganz gut; die Trümmer wären dann „in das Becken“ gestürzt. Im Tempel Jerusalems wurden später beide Kultobjekte variiert zur baumartigen Menora und zum „Bronze-Meer“. Ist das richtig, würde das auch erklären, warum kaptor Singular und sippim Plural ist: In Zef 2,14 ist es umgekehrt. Aber zu kaptaru s. zu Ex 25,31, und die beiden Indizien, dass erstens kaptor im Heb. und Syr. sehr wahrscheinlich auch den Apfel-Baum bezeichnen kann und dass zweitens in Zef 2,14 auch von Zedern(-Holz) die Rede ist, lassen sich jedenfalls nicht beide gleichzeitig für diese Deutung anführen.
(3) Wie die heute so übliche Übersetzung „Säulenkapitell“ zustande gekommen ist, sieht man gut bei einem Blick in die älteren Kommentare; ebenso verbreitet ist dort nämlich noch die Üs. „Zierrate“. Daraus, dass auch die Menora schmückende kaptorim trug, wird abgeleitet, dass hier also etwas anderes geschlagen werden soll, dass ebenfalls Verzierungen hat, und dann aus 1 Kön 7,15-22; Jer 52,21-23 abgeleitet, dass dies die Säulen eines Tempels sein müssten, da diese an der Spitze ihrer Kapitelle u.a. mit künstlichen „Granatäpfeln“ (rimmonim) verziert waren (1 Kön 7,18), wohinein dann zusätzlich auch noch die Vorstellung gespielt haben wird, dass man an ein ähnliches Szenario zu denken habe wie in Ri 16,29f., so dass und „schlag auf die [Säulenkapitell-]Verzierungen...“ implizierte: „...so dass die tragenden Säulen den Tempel nicht mehr tragen und dieser danach in sich zusammenstürzt“. Aber richtig Jeremias 2013, S. 124: „Zumeist hat man sich diese Verbindung im Gefolge J. Wellhausens mit typisch westlicher Logik [?] dahingehend ausgemalt, dass der zerberstende Tempel mit seiner einstürzenden Decke die zusammengeströmte Menge erschlüge. Dazu aber will schwerlich passen, dass der angebliche Zusammenbruch des Tempels nirgends geschildert, stattdessen aber auffällig das Beben der Türschwellen hervorgehoben wird; dass sich ohnehin nur die Priester im Gebäude befinden müssten, die Menge aber in dessen Vorhöfen, wenn man nach Maßstäben des Jerusalemer Tempels urteilen wollte; vor allem aber, daß im folgenden (V. 1b-4) sehr andersartige Vorstellungen vom Tod der Menschen vorgefunden werden, unter denen die doppelte, das Ganze rahmende Aussage vom Tod durch das Schwert (V. 1a.4a) auffällig hervortritt.“. Wenn man aber richtig nicht mehr an dieses Szenario denkt, gibt es überhaupt kein Indiz mehr für Säulenkapitelle, da von kaptorim auf Säulen nirgends die Rede ist. (zu v.1)
dSchwellen - Meist bestehen Türschwellen in der alten Levante aus nur einem massiven Steinblock, der in die Erde eingelassen wird, aber noch deutlich über das Boden-Niveau hinausragt (u.a. wohl, um so zu verhindert, dass Laub etc. in ein Gebäude geweht wird, da tagsüber Türen im Alten Israel häufig durchgehend offen standen). Die Türschwellen sind daher der stabilste Punkt eines Gebäudes überhaupt. Als Schwellenort, der Außen mit Innen verband, waren sie außerdem bedeutsam; in Mesopotamien etwa wurden daher darunter häufiger Figürchen vergraben, denen man sehr wahrscheinlich schützende Wirkung zuschrieb (zu diesem und weiteren „Schwellen-Phänomenen“ vgl. anfanghaft z.B. Schwelle (RdA)). Nicht von ungefähr lässt sich Gott daher auch nicht im Stiftszelt, sondern im Eingang desselben nieder (s. Ex 29,42; Num 16,19; 20,6; dazu gut z.B. Tür / Türpfosten (AT) (WiBiLex)). Dieser Ort der Verbindung von Welt und heiligem Bereich soll nun also erschüttert werden. (Zurück zu v.1)
eAbschneiden - semitisches Idiom für „Töten“ i.A. (s. zu Ijob 4,21); gut daher ZÜR: „Schneide ihnen allen den Lebensfaden ab!“. „Zertrümmern“ (so viele Üss., die wieder an die Säulenkapitelle denken) heißt das Wort nicht.
tFN: Die Form ist abnorm: beṣa`am. Am nähsten ist der Imperativ, der aber beṣa`em lautete (wie Num 11,28: kela`em). Überraschend selten wird die Vokalisierung hiernach korrigiert (z.B. von Weiser, Amsler, Horst 1960, S. 196). HKL I S. 296f.; GKC §61g; BL §51a' versuchen jeweils unterschiedliche Erklärungen, die am Phänomen der Nesiga ansetzen: Bei Imp wäre erwartbar *beṣa`ém beró`š. Wenn wie hier zwei benachbarte Vollsilben (-`ém + ro`š) betont würden, geschieht es bisweilen, dass beim voranstehenden Wort die Betonung von der letzten auf die voranletzte Silbe rückt („Nesiga“). Das ist nach den Akzenten auch geschehen; betont ist nicht *-`em / -`am, sondern -ṣa-. Warum nach einer Enttonung von -`em dieses zu -`am werden sollte, lässt sich damit aber auch nicht erklären; dieser Ansatz ist wenig hilfreich. Hinzu kommt ohnehin die Schwierigkeit, dass bei beṣa`am die Paschta-Phrase endet; in diesem Kontext wäre Nesiga gar nicht zu erwarten. So zwar richtig Margolis 1902-3, aber das ist ja auch nicht hilfreich: Offensichtlich liegt hier Nesiga ja trotzdem vor, warum auch immer. Der alternative Erklärungsansatz von Margolis 1902-3 führt auch nicht weiter; nach diesem Ansatz wäre stattdessen stets -am statt -em zu erwarten und dann stattdessen Num 11,28 unerklärlich. Vielleicht soll nur das Wort mit seinen nun beiden as lautlich an `aḥaritam („ihren Rest“), dem ersten Wort der folgenden Zeile, angenähert werden, so dass außerdem gerade -am („sie (alle)) und -am („ihren (Rest)) gleich lautete? Zu ähnlichen Lautspielereien s. zu Am 5,25.
Für eine Textverderbnis gibt es keine Indizien in der Textgeschichte. VUL und Syr vokalisieren zwar ubiṣa`am („ihren unredlichen Gewinn“; so auch Koch 1976b, S. 57: „ihr unheilsträchtiger Gewinn [komme] auf das Haupt von ihnen allen“), was aber die selben Konsonanten voraussetzt und auch nicht weiterhilft bei der Frage, warum MT so merkwürdig vokalisiert hat. Verbreitet ist noch die Textkorrektur zu beṣa`am zu `abaṣea´` („ich werde {sie} abschneiden“; so z.B. Maag, Wolff, Soggin, Reimer 1992, S. 204), so dass wieder Gott Subjekt und die Säulenkapitelle Objekt sein können (aber dazu s.o.) oder zu ubaṣu`im („so dass endet“, so z.B. Rudolph, Jeremias), was eine weitere Textänderung erforderlich macht (s. nächste FN). (Zurück zu v.1)
fGift nach Horst 1960, S. 196; Cathcart 1994. S. Vv. 3.4: Dem Gift entspricht die Schlange, dem Schwert das Schwert. Auch von der Satzstruktur her sollte man erwarten, dass ro`š (hier: „Gift“) eine ähnliche syntaktische Funktion hat wie ḥereb („Schwert“): „(A) Schneide sie ab (B) be-ro`š (C) sie alle; (C') Ihren Rest (B') ba-ḥereb (A') werde ich abschlachten.“ Garretts Einwand, mit „Gift“ könne man nicht „abschneiden“, greift nicht; „abschneiden“ ist wie gesagt ein Idiom. Umgekehrt wird man gegen seine Üs. einwenden müssen, dass man Anfang der Eisenzeit selbst mit einem Schwert doch wohl keine steinernen oder metallenen Kapitelle „abschneiden“ konnte.
Die meisten denken stattdessen wieder an Säulenkapitelle, die „am oberen Ende“ abgeschnitten oder „auf den Kopf aller“ hinunter-geschnitten werden sollen, um diese „alle“ zu töten, dazu s. aber o. Die zweite Alternative basiert auf einer weiteren Text-„Korrektur“: „so dass endet alles im Beben“ ändert nicht nur die Vokale von beṣa`am in baṣu`im, sondern außerdem Konsonanten und Vokale von ro`š („Kopf“) in ra´aš („Beben“ so z.B. BHK, BHS, Rudolph, Soggin, Jeremias). Eine Verschreibung von ` zu ´ kann aber erst nach der Abfassungszeit der LXX geschehen sein, da beide Gutturale vorher in der Aussprache noch deutlich unterschieden wurden; LXX stützt aber MT. (Zurück zu v.1)
gScheol - Das israelitische Pendant der Unterwelt / des Totenreichs. Zur Abfassungszeit des Amosbuches war diese Aussage noch nicht selbstverständlich; die Vorstellung, dass Gott auch Kompetenzen in Sachen Unterwelt hatte, begann sich erst im 8. Jhd. zu entwickeln; s. näher Jenseitsvorstellungen (AT) (WiBiLex). (Zurück zu v.2)
hSpannende Zeile: Offenbar ist die Vorstellung vorausgesetzt, dass Gott zwar sehr wohl im Himmel agieren kann, dass er aber primär auf Erden wohnt, so dass ein Fluchtversuch in den Himmel nicht ganz sinnlos wäre. Auch das passt zeitlich; von JHWH als Himmelsgott ist in Texten vor dem 8. Jhd. noch kaum / noch gar nicht (?) die Rede. (Zurück zu v.2)
iDreizeiler statt den vorangehenden Zweizeilern, um Spannung aufzubauen: Nun kommt das Entscheidende. (Zurück zu v.3)
jnicht zum Guten - was man nach „ich werde meine Augen auf sie richten“ eigentlich erwarten würde, s. Gen 44,21; Jer 24,6; 39,12. (Zurück zu v.4)
kBand (Firmament?) - schwieriges Wort. Heb. `agudah, von `agad („binden“), sonst für ein fesselndes „Band“ (Jes 58,6); ein „Bündel“ Ysop (Ex 12,22) oder einen militärischen „Verbund“ von Männern (2 Sam 2,25). Schon für die Alten war es schwierig. Tg nimmt es in der letztgenannten Bed. („Versammlung“), was hier sehr fern liegt. Aq und VUL übersetzen streng wörtlich „Bündel(chen)“; wohl, weil ihnen der Sinn des Wortes in diesem Kontext unklar war. LXX und Syr irren sich auch noch im Wort („sein Versprechen“, nicht von `agad, sondern von nagad).
Die meisten Exegeten schließen aus dem Kontext – nämlich aus der Tatsache, dass das Wort parallel mit den „Stufen im Himmel“ ist und die `agudah „gegründet“ wird – darauf, dass das Wort hier für das „Firmament“ steht, das nach dem Weltbild z.B. von Gen 1,6-8 die Wasser oberhalb der Erde davon zurückhält, diese zu überfluten (wohl daher Mays und Stuart: „reservoir“, also „Wasser-Speicher“). Wie aber dieses Firmament mit dem heb. Wort `agudah zusammenhängen soll, wäre dann unklar.
Besser daher Koch 1974, S. 526f.; Hartenstein 2001, S. 161-164; Messner / Lang 2001; Kessler: In sumerischen und akkadischen Texten ist oft die Rede von einem „Band der Länder“ / „Band der Erde“ / „Band von Himmel und Erde“ / „Band des Himmels“ (vgl. dazu bes. Burrows 1935; z.B. auch Röllig 1975; Janowski 2001; mehrere Textstellen zusammengetragen hat z.B. auch Bodi 1991, S. 226-229). Bezeichnet werden damit Hauptstädte (z.B. Babylon: „Band des Himmels, Band der Länder“, Aschmol 1924-849 apud Bodi, S. 228), Tempel (z.B. der in Lagasch, der in Larsa und der in Nippur, jeweils: „Band des Himmels und der Erde“) und Götter (Enlil, Ninib und wohl auch Utu, die es insofern sind, als sie dieses „Band von Himmel und Erde“ in ihren Händen halten und bewahren). Die Vorstellung dahinter ist jeweils die, dass ein(e Stadt mit ihrem) hoch aufragenden Tempel axis mundi ist, „Weltenachse“, also gleichzeitig der höchste Punkt der Welt und Mittelpunkt der Welt, so dass er in den Himmel hineinragt und derart beide Ebenen, die sich an dieser Achse überlagern, „stabilisiert“, und dass die Völker in allen umliegenden Gegenden um ihn versammelt und auf ihn bezogen sind. In der Bibel wird deutlich nur noch in Gen 11 mit exakt dieser Idee gespielt, wo die Menschen in V. 4 „eine Stadt und einen Turm mit der Spitze bis in den Himmel [=> Band von Himmel und Erde] bauen wollen, damit sie nicht zerstreut werden über die ganze Erde [=> Band der Länder].“ Ähnlich deutlich dann offenbar erst wieder in Bahir, ed. Margaliot 102: „Es gibt eine einzige Säule, die von der Erde in den Himmel reicht; ihr Name ist zaddiq. Sie ist benannt nach den zaddiqim [=nach den Gerechten]. ... Sie trägt die ganze Welt, wie es heißt: ‚Zaddiq‘ ist das Fundament der Welt (Spr 10,25).(apud Green 1977, S. 333). Klar verwandt ist aber die biblische, rabbinische und muslimische Vorstellung der beiden irdischen Wohnstätten Gottes – Bethel oder Jerusalem – als umbilicus mundi, als „Nabel der Welt“. Zu Bethel vgl. die rabbinischen Erzählungen, nach denen Jakobs Mazzebe in Bethel aus Gen 28,22 dieser „Nabel“ ist (PRE 35, Midrasch Tehillim 91,5, bes. Jalkut Genesis 120: „Jakob nahm [nach seinem Traum von der Himmelsleiter] den Stein, den er als Kopfunterlage genommen hatte. Was tat Gott? Mit seinem rechten Fuße versenkte er den Stein in die Tiefe des Tehom und machte ihn zur Stütze der Welt, wie wenn man eine Stütze zu einem Bogengewölbe machen würde; deshalb wird er schetijjah [=Grund(-Stein), Fundament(-Stein)] genannt. Dort ist der Nabel der Welt und von dort aus wurde die ganze Erde ausgebreitet und auf ihm wurde der Tempel gegründet.(Üs. nach Feuchtwang 1911, S. 32)); zu Jerusalem oder genauer dem Stein, auf dem im Jerusalemer Tempel die Bundeslade geruht hatte, bereits Ez 38,12; z.B. auch b.Jom 54b; Midrasch Tanchuma Buber, Kedoshim 10; weitere Stellen bei Vilnay 1973, S. 5-16. Zu Gottes „Gründung“ von Jerusalem s. Ps 78,69; 87,1f.; Jes 14,32; 28,16.
Ist wirklich an diese Vorstellung gedacht, ist vielleicht nicht unbedeutend, dass der Tempel in Sippar nicht „Band von Himmel und Erde“ hieß, sondern „Stufenhaus des lauteren Himmels“, wie ähnlich der in Kazallu „Haus, das Leiter hinauf zum Berg ist“ hieß – die „Leiter / Treppe im Himmel“ und das „Band auf der Erde“ könnten danach gar das selbe Bauwerk meinen. (Zurück zu v.6)
lwörtl. der Treter der Weintrauben an den Sähenden des Samens (Zurück zu v.13)
mhier ist eindeutig der Wein der Weinberge gemeint (Zurück zu v.14)