Genesis 2: Unterschied zwischen den Versionen

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Sebastian Walter (Diskussion | Beiträge)
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''aber eine Flut emporstieg vom Land,<br />
''aber eine Flut emporstieg vom Land,<br />
: ''um zu tränken das Angesicht des Ackerbodens.''</ref><br />
: ''um zu tränken das Angesicht des Ackerbodens.''</ref><br />
(Am Tag, [an dem] =) Als JHWH-Gott Erde (Land) und Himmel machte,<ref>Die Syntax von ''Gen 2,4'' ist umstritten. Geht man davon aus, dass mit Gen 2,4a (und nicht Gen 2,4b) das nächste Kapitel beginnt (s.o.), sind immer noch mehrere Auflösungen möglich. Prominentere Auflösungen in neueren Kommentaren sind folgende:<br />(1) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b = Nebensatz, Gen 2,5-6 = Parenthese, Gen 2,7 = Hauptsatz (z.B. Arneth 2007b, S. 24.129; Arnold 2008; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021; auch B-R, BigS, MEN, TEX)<br />(2) 2,4a = Überschrift; 2,4b = NS, 2,5 = HS (z.B. Soggin 1997; auch EÜ, HER05, H-R, NeÜ, NL, R-S, TUR u.a.)<br />(3) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b-6 = Nebensätze zum Hauptsatz Gen 2,7 (Bandstra 2008; auch ZÜR; ähnlich z.B. Steck 1970; Goldingay 2020)<br />(4) Gen 2,4a = HS, Gen 2,4b = NS; Gen 2,5a = NS, Gen 2,6b-6 = Parenthese, Gen 2,7=HS (Collins 2006; auch SLT).<br />Klar ist im Kontext von Gen 1-11, dass Gen 2,4 (Teil einer) Überschrift ist; s. [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]]; [[Genesis 11#s27 |11,27]]. Das ist aber noch nicht sehr hilfreich: Entweder ist diese Überschrift hier bei ihrem ersten Vorkommen um 2,4b erweitert, oder sie ist nur um 2,4aB („als sie geschaffen wurden“) erweitert und 2,4b beginnt den eigentlichen Text – zwischen (1) - (3) vs. (4) lässt sich auf dieser Basis noch nicht entscheiden.<br />Für (4) spricht zunächst, dass Gen 2,4a und Gen 2,4b offensichtlich bewusst chiastisch formuliert sind: „Dies sind die Nachkommen (a) von Himmel (b) und Erde, (c) als sie geschaffen wurden, (c') als Gott-JHWH machte (b') Erde (a') und Himmel.“ Dagegen und für (1) - (3) aber spricht, dass in 2,4a „Himmel und Erde“ im Heb. Artikel haben, in 2,4b aber nicht, was bei einem NS-HS-Gefüge so nicht zu erwarten wäre, und dass nach den anderen Überschriften in Gen 1-11 asyndetisch (d.h. ohne „und“) fortgefahren wird, Gen 2,5 dagegen mit „und“ beginnt (richtig Carr 2021). Für (2) spricht außerdem: Viele entscheiden sich hauptsächlich deshalb für (1), weil dann Gen 2,4-7 syntaktisch ihrer Deutung der Syntax von Gen 1,1-3 entsprechen würde. OfBi hat dort anders aufgelöst; orientieren wir uns an diesem häufigsten Argument, wäre in OfBi hier (2) vorzuziehen: Sowohl Gen 1,1-3 als auch Gen 2,4b-7 hätten dann die Abfolge [temporaler Nebensatz] - [X existiert noch nicht] - [Schöpfungstätigkeit Gottes]. Und für (3) spricht zusätzlich, dass Gen 2,4-7 dann einem häufigen Sprachmuster von Schöpfungserzählungen mit vielen Nebensätzen vor dem ersten Hauptsatz entsprechen würde. Vgl. z.B. Enuma Elisch I 1-9: ''Als in der Höhe dem Himmel noch kein Name gegeben war, und in der Tiefe der Unterwelt noch nicht mit Namen genannt wurde, ... als noch keine Götter gezeugt worden waren, (und) keiner mit Namen genannt war, als noch kein Schicksal zugeteilt war – da bildeten sich in die[sen beiden] die Götter.'' (nach COS 1.111). Für (2).<br />Insgesamt sprechen die meisten Argumente also für (2) oder (3); eine sichere Entscheidung ist hier aber nicht möglich. Wir haben uns daher am häufigsten Argument, das hier für (2) spricht, orientiert.</ref>
(Am Tag, [an dem] =) Als JHWH-Gott Erde (Land) und Himmel machte,<ref>'''tFN''': Die Syntax von ''Gen 2,4'' ist umstritten. Geht man davon aus, dass mit Gen 2,4a (und nicht Gen 2,4b) das nächste Kapitel beginnt (s.o.), sind immer noch mehrere Auflösungen möglich. Prominentere Auflösungen in neueren Kommentaren sind folgende:<br />(1) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b = Nebensatz, Gen 2,5-6 = Parenthese, Gen 2,7 = Hauptsatz (z.B. Arneth 2007b, S. 24.129; Arnold 2008; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021; auch B-R, BigS, MEN, TEX)<br />(2) 2,4a = Überschrift; 2,4b = NS, 2,5 = HS (z.B. Soggin 1997; auch EÜ, HER05, H-R, NeÜ, NL, R-S, TUR u.a.)<br />(3) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b-6 = Nebensätze zum Hauptsatz Gen 2,7 (Bandstra 2008; auch ZÜR; ähnlich z.B. Steck 1970; Goldingay 2020)<br />(4) Gen 2,4a = HS, Gen 2,4b = NS; Gen 2,5a = NS, Gen 2,6b-6 = Parenthese, Gen 2,7=HS (Collins 2006; auch SLT).<br />Klar ist im Kontext von Gen 1-11, dass Gen 2,4 (Teil einer) Überschrift ist; s. [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]]; [[Genesis 11#s27 |11,27]]. Das ist aber noch nicht sehr hilfreich: Entweder ist diese Überschrift hier bei ihrem ersten Vorkommen um 2,4b erweitert, oder sie ist nur um 2,4aB („als sie geschaffen wurden“) erweitert und 2,4b beginnt den eigentlichen Text – zwischen (1) - (3) vs. (4) lässt sich auf dieser Basis noch nicht entscheiden.<br />Für (4) spricht zunächst, dass Gen 2,4a und Gen 2,4b offensichtlich bewusst chiastisch formuliert sind: „Dies sind die Nachkommen (a) von Himmel (b) und Erde, (c) als sie geschaffen wurden, (c') als Gott-JHWH machte (b') Erde (a') und Himmel.“ Dagegen und für (1) - (3) aber spricht, dass in 2,4a „Himmel und Erde“ im Heb. Artikel haben, in 2,4b aber nicht, was bei einem NS-HS-Gefüge so nicht zu erwarten wäre, und dass nach den anderen Überschriften in Gen 1-11 asyndetisch (d.h. ohne „und“) fortgefahren wird, Gen 2,5 dagegen mit „und“ beginnt (richtig Carr 2021). Für (2) spricht außerdem: Viele entscheiden sich hauptsächlich deshalb für (1), weil dann Gen 2,4-7 syntaktisch ihrer Deutung der Syntax von Gen 1,1-3 entsprechen würde. OfBi hat dort anders aufgelöst; orientieren wir uns an diesem häufigsten Argument, wäre in OfBi hier (2) vorzuziehen: Sowohl Gen 1,1-3 als auch Gen 2,4b-7 hätten dann die Abfolge [temporaler Nebensatz] - [X existiert noch nicht] - [Schöpfungstätigkeit Gottes]. Und für (3) spricht zusätzlich, dass Gen 2,4-7 dann einem häufigen Sprachmuster von Schöpfungserzählungen mit vielen Nebensätzen vor dem ersten Hauptsatz entsprechen würde. Vgl. z.B. Enuma Elisch I 1-9: ''Als in der Höhe dem Himmel noch kein Name gegeben war, und in der Tiefe der Unterwelt noch nicht mit Namen genannt wurde, ... als noch keine Götter gezeugt worden waren, (und) keiner mit Namen genannt war, als noch kein Schicksal zugeteilt war – da bildeten sich in die[sen beiden] die Götter.'' (nach COS 1.111). Für (2).<br />Insgesamt sprechen die meisten Argumente also für (2) oder (3); eine sichere Entscheidung ist hier aber nicht möglich. Wir haben uns daher am häufigsten Argument, das hier für (2) spricht, orientiert.</ref>
{{S|5}} waren (alle Sträucher=) alles Unkraut des Feldes noch nicht auf dem Land<br />
{{S|5}} waren (alle Sträucher=) alles Unkraut des Feldes noch nicht auf dem Land<br />
und wuchsen (alle Kräuter=) alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht (sprossten noch nicht empor),<br />
und wuchsen (alle Kräuter=) alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht (sprossten noch nicht empor),<br />
weil JHWH Gott es nicht regnen ließ (noch nicht regnen lassen hatte) über (auf) der Erde<br />
weil JHWH Gott es nicht regnen ließ (noch nicht regnen lassen hatte) über (auf) der Erde<br />
und es keinen Menschen gab, um den Ackerboden zu bestellen (bearbeiten)<ref>''Mensch'' + ''Ackerboden''' - Hier wird mit der Verwandtschaft der Wörter Mensch (''`adam'') und Ackerboden (''`adamah'') gespielt: Der Mensch ist erstens ''aus'' Erde – ist ein „Erdenkloß“ (Luther) und daher „Sohn der Erde“ – und ''dient'' zweitens der Erde – ist also ein „Erdling“, ist ''wesensmäßig'' „Ackerknecht“.<br />Hyperbaton: Unkraut wuchs nicht (5a), weil es nicht regnete (5c), und Nutzpflanzen gab es nicht (5b), weil kein Mensch den Ackerboden bestellte (5d; gut Futato 1998, S. 5).</ref>
und es keinen Menschen gab, um den Ackerboden zu bestellen (bearbeiten)<ref>''Mensch'' + ''Ackerboden''' - Hier wird mit der Verwandtschaft der Wörter Mensch (''`adam'') und Ackerboden (''`adamah'') gespielt: Der Mensch ist erstens ''aus'' Erde – ist ein „Erdenkloß“ (Luther) und daher „Sohn der Erde“ – und ''dient'' zweitens der Erde – ist also ein „Erdling“, ist ''wesensmäßig'' „Ackerknecht“.<br />Hyperbaton: Unkraut wuchs nicht (5a), weil es nicht regnete (5c), und Nutzpflanzen gab es nicht (5b), weil kein Mensch den Ackerboden bestellte (5d; gut Futato 1998, S. 5).</ref>
{{S|6}} und Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)<ref>''Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)'' - Neben dem mangelnden Regen und dem mangelnden Menschen ein weiterer Grund, warum aktuell noch keine Pflanzen wachsen: Weil in regelmäßigen Abständen Sturzfluten die Erde überschwemmen (richtig Kidner 1966; Tsumura 1989 S. 119).<br />'''Genauer''': Heb. ''´ed'', unsicheres Wort: neben Gen 2,6 nur noch in [[Ijob 36#s27 |Ijob 36,27]]. (1) Die meisten leiten ab von einem akkadischen Kognat mit der Bed. ''Wasserflut, Sturzflut'', daher z.B. LUT: „ein Strom“, ZÜR: „ein Wasserschwall“. (2) Mankowski 2000 und Arnold 2008 leiten ab vom sumerischen ''adea'' („Grundwasser, Bewässerung“; die Ableitung von einem sumerischen ''id'' „Fluss“ dagegen hat sich als Fehler erwiesen, vgl. Speiser 1955, S. 9; Tsumura 1989, S. 104. Gegen Tsumuras weiteren sumerischen Alternativvorschlag vgl. Hasel / Hasel 2000, S. 325), daher z.B. BigS: „ein Quell“, NeÜ: „Grundwasser“. (3) Yahuda 1933, S. 157; Görg 1986, S. 23f. und Hasel / Hasel 2000 leiten ab von ägyptischen und arabischen Kognaten mit der Bed. „Nebel / Tau“ (dagegen vgl. aber die Einwände von Müller in Witte 1998, S. 84f. FN 30), daher z.B. NL: „Nebel“, SLT: „ein Dunst“. (4) Dahood 1981, S. 535f.; Kline 1996 und Futato 1998, S. 6-9 schließlich leiten ab von einem unsicheren eblaitischen ''ì-du'' („Wolke“. Hier sind die Einwände von Hasel / Hasel 2000, S. 330 nicht fair; richtig bleibt aber: Das Kognat ist und bleibt unsicher. Und der Text wäre unsinnig: Welchen Sinn sollen die Wolken haben, wenn es gleichzeitig heißt, dass es noch nicht regnet?). (5) Das „Feuchtigkeit“ in EÜ und PAT scheint komplett aus dem Kontext abgeleitet zu sein.<br />Vorzuziehen ist klar (1): Gen 2,5-6 sollen ja offensichtlich einen Grund angeben, warum ''keine'' Pflanzen auf der Erde wachsen; bei den Vorschlägen (2)-(4) dagegen hat man nach Kognaten gesucht, nach denen V. 6 besagt, dass die Erde trotz noch nicht vorhandenem Regen auf alternative Weisen bewässert wird.</ref> vom Land emporzusteigen pfelgte (indem er das Grundwasser heraufholte<ref>'''tFN''': ''indem er das Grundwasser heraufholte'' - so Bea 1933, S. 147ff.: Man analysiere ''ja´aleh'' nicht als Qal, sondern als das homonyme Hifil, und den Satz nicht als selbstständigen Satz, sondern als durch Wortstellung (Objekt - Verb) markierten modalen Nebensatz. Das macht viel Sinn, so m.W. (S.W.) aber sonst niemand.<br />Erwägenswert ist außerdem noch der Vorschlag von Bandstra 2008, S. 123, das „noch nicht“ aus 5ab tue double duty, und der ähnliche und bessere Vorschlag von Saadia (erwogen auch von David Kimchi), Calmet 1730, S. 16f. und Sachsse 1921, S. 279f., das „es gab kein“ aus 5c tue double duty: „Unkraut und Nutzpflanzen wuchsen noch nicht, weil es keinen Menschen gab, der den Ackerboden bestellte, und [noch nicht] Grundwasser aufzusteigen pflegte / und [weil] es [kein] Grundwasser [gab], [das] aufzusteigen pflegte...“. Dagegen aber richtig McClellan 1939, S. 110 (vgl. auch Houbigant 1777b, S. 4f.): Das „noch nicht“ ist zu weit entfernt, um double duty zu tun, und „kein“ kann nicht double duty tun, weil 6a im Heb. stattdessen „nicht“ (''lo`'') erforderte.</ref>)<br />
{{S|6}} und Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)<ref>''Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)'' - Neben dem mangelnden Regen und dem mangelnden Menschen ein weiterer Grund, warum aktuell noch keine Pflanzen wachsen: Weil in regelmäßigen Abständen Sturzfluten die Erde überschwemmen (richtig Kidner 1966; Tsumura 1989 S. 119).<br />'''Genauer''': Heb. ''´ed'', unsicheres Wort: neben Gen 2,6 nur noch in [[Ijob 36#s27 |Ijob 36,27]]. (1) Die meisten leiten ab von einem akkadischen Kognat mit der Bed. ''Wasserflut, Sturzflut'', daher z.B. LUT: „ein Strom“, ZÜR: „ein Wasserschwall“. (2) Mankowski 2000 und Arnold 2008 leiten ab vom sumerischen ''adea'' („Grundwasser, Bewässerung“; die Ableitung von einem sumerischen ''id'' „Fluss“ dagegen hat sich als Fehler erwiesen, vgl. Speiser 1955, S. 9; Tsumura 1989, S. 104. Gegen Tsumuras weiteren sumerischen Alternativvorschlag vgl. Hasel / Hasel 2000, S. 325), daher z.B. BigS: „ein Quell“, NeÜ: „Grundwasser“. (3) Yahuda 1933, S. 157; Görg 1986, S. 23f. und Hasel / Hasel 2000 leiten ab von ägyptischen und arabischen Kognaten mit der Bed. „Nebel / Tau“ (dagegen vgl. aber die Einwände von Müller in Witte 1998, S. 84f. FN 30), daher z.B. NL: „Nebel“, SLT: „ein Dunst“. (4) Dahood 1981, S. 535f.; Kline 1996 und Futato 1998, S. 6-9 schließlich leiten ab von einem unsicheren eblaitischen ''ì-du'' („Wolke“. Hier sind die Einwände von Hasel / Hasel 2000, S. 330 nicht fair; richtig bleibt aber: Das Kognat ist und bleibt unsicher. Und der Text wäre unsinnig: Welchen Sinn sollen die Wolken haben, wenn es gleichzeitig heißt, dass es noch nicht regnet?). (5) Das „Feuchtigkeit“ in EÜ und PAT scheint komplett aus dem Kontext abgeleitet zu sein.<br />Vorzuziehen ist klar (1): Gen 2,5-6 sollen ja offensichtlich einen Grund angeben, warum ''keine'' Pflanzen auf der Erde wachsen; bei den Vorschlägen (2)-(4) dagegen hat man nach Kognaten gesucht, nach denen V. 6 besagt, dass die Erde trotz noch nicht vorhandenem Regen auf alternative Weisen bewässert wird.</ref> vom Land emporzusteigen pflegte (indem er das Grundwasser heraufholte<ref>'''tFN''': ''indem er das Grundwasser heraufholte'' - so Bea 1933, S. 147ff.: Man analysiere ''ja´aleh'' nicht als Qal, sondern als das homonyme Hifil, und den Satz nicht als selbstständigen Satz, sondern als durch Wortstellung (Objekt - Verb) markierten modalen Nebensatz. Das macht viel Sinn, so m.W. (S.W.) aber sonst niemand.<br />Erwägenswert ist außerdem noch der Vorschlag von Bandstra 2008, S. 123, das „noch nicht“ aus 5ab tue double duty, und der ähnliche und bessere Vorschlag von Saadia (erwogen auch von David Kimchi), Calmet 1730, S. 16f. und Sachsse 1921, S. 279f., das „es gab kein“ aus 5c tue double duty: „Unkraut und Nutzpflanzen wuchsen noch nicht, weil es keinen Menschen gab, der den Ackerboden bestellte, und [noch nicht] Grundwasser aufzusteigen pflegte / und [weil] es [kein] Grundwasser [gab], [das] aufzusteigen pflegte...“. Dagegen aber richtig McClellan 1939, S. 110 (vgl. auch Houbigant 1777b, S. 4f.): Das „noch nicht“ ist zu weit entfernt, um double duty zu tun, und „kein“ kann nicht double duty tun, weil 6a im Heb. stattdessen „nicht“ (''lo`'') erforderte.</ref>)<br />
und das ganze Angesicht (die Oberfläche) des Ackerbodens zu [er]tränken pflegte (gaben zu trinken).
und das ganze Angesicht (die Oberfläche) des Ackerbodens zu [er]tränken pflegte (gaben zu trinken).
{{S|7}} Da bildete (gestaltete, formte) JHWH-Gott bildete den Menschen [aus] loser Erde (Staub, Stoff) vom Ackerboden und er blies (atmete) in seine Nase Hauch (Wind) des Lebens<ref name="Nachkommen" /> und der Mensch wurde [zu] einer lebendigen Seele (Person)(Lebewesen).
{{S|7}} Da bildete (gestaltete, formte) JHWH-Gott bildete den Menschen [aus] loser Erde (Staub, Stoff) vom Ackerboden und er blies (atmete) in seine Nase Hauch (Wind) des Lebens<ref name="Nachkommen" /> und der Mensch wurde [zu] einer lebendigen Seele (Person)(Lebewesen).

Version vom 9. April 2022, 21:13 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Genesis 2)

1 Die Welt und alles darauf war vollendet, 2 und so erklärte Gott am siebten Tag sein Werk als vollbracht. Am siebten Tag ruhte er sich aus von diesem Werk. 3 Und weil er an diesem Tag geruht hatte von dem Werk, an dem er gearbeitet hatte, erklärte er den siebten Tag für heilig.


4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25

Anmerkungen

Studienfassung (Genesis 2)

1 (So)a Vollendet war (wurde) die Welt (Himmel und Erde)b und ihr ganzes Heer (alles darauf und darin)c, 2 Darumd erklärte (erachtete) als vollendet (vollendete)eGott am sechsten (siebten) Tagf sein Werk (seine Arbeit), das er gemacht hatte, als vollendet; und er ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete nicht)g am siebten Tag von seinem ganzen Werk (seiner ganzen Arbeit), das er gemacht hatte. 3 Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig (heiligte ihn),h da er an ihm von seinem ganzen Werk (all seiner Arbeit), das er arbeitend (indem er es gemacht hatte)i geschaffen hatte, geruht hatte.j
k


4 Dies [sind] die Nachkommen (Erzeugnisse; [ist] die Geschichte?; [ist] das Buch der Nachkommen?)l von Himmel und Erde (des Landes), als sie geschaffenm wurden:n
(Am Tag, [an dem] =) Als JHWH-Gott Erde (Land) und Himmel machte,o 5 waren (alle Sträucher=) alles Unkraut des Feldes noch nicht auf dem Land
und wuchsen (alle Kräuter=) alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht (sprossten noch nicht empor),
weil JHWH Gott es nicht regnen ließ (noch nicht regnen lassen hatte) über (auf) der Erde
und es keinen Menschen gab, um den Ackerboden zu bestellen (bearbeiten)p 6 und Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)q vom Land emporzusteigen pflegte (indem er das Grundwasser heraufholter)
und das ganze Angesicht (die Oberfläche) des Ackerbodens zu [er]tränken pflegte (gaben zu trinken). 7 Da bildete (gestaltete, formte) JHWH-Gott bildete den Menschen [aus] loser Erde (Staub, Stoff) vom Ackerboden und er blies (atmete) in seine Nase Hauch (Wind) des Lebensl und der Mensch wurde [zu] einer lebendigen Seele (Person)(Lebewesen). 8 Und JHWH Gott pflanzte einen Garten in Eden im Osten (von Osten her) und er setzte den Menschen, den er gebildet (gestaltet, geformt) hatte, dort [hin]. 9 Und JHWH Gott ließ aus der Erde alle Bäume sprießen, schön anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten in den Garten und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. 10Nun war da ein Strom, der von Eden ausging, um den Garten zu bewässern, und von dort aus begann er sich zu teilen, und er wurde gleichsam zu vier Hauptflüssen. 11Der Name des ersten ist Pischon; es ist der, der das ganze Land Hawịla umfließt, wo es Gold gibt. 12Und das Gold jenes Landes ist gut. Dort gibt es auch das Bdelliumharz und den Onyxstein. 13Und der Name des zweiten Stromes ist Gihon; es ist der, der das ganze Land Kusch umfließt. 14Und der Name des dritten Stromes ist Hiddekel; es ist der, der östlich von Assyrien fließt. Und der vierte Strom ist der Eufrat. 15Und JHWH Gott nahm dann den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit (um zu) er ihn bewirtschaftete und pflegte. 16Und JHWH Gott gab den Menschen ein Gebot: Von jedem Baum darf man essen, bis man satt ist. 17Was aber den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse betrifft, Finger weg! Denn am selben Tag wird man noch sterben, wenn man davon isst. 18Und JHWH Gott sagte: Es ist für den Menschen nicht gut, dass er weiterhin allein sei. Ich werde ihm eine Hilfe (einen Helfer, einen Beistand)s machen als sein Gegenstück (die ihm ähnlich sei). 19Und JHWH Gott bildete aus dem Erdboden jedes wild lebende Tier des Feldes und jedes fliegende Geschöpf der Himmel, und er begann sie zu dem Menschen zu bringen, um zu sehen, wie er jedes nennen würde; und wie immer der Mensch sie, [nämlich] jede lebende Seele, nennen würde, das sei ihr Name. 20 So (und) gab (nannte, rief) der Mensch allen Tieren und den Vögeln [am] Himmel und allen Tieren (jedem Tier) des Feldes Namen. Aber (und) für Adam (Mensch)t fand sich (er) keine Hilfe (Helfer) als sein Gegenstücku. 21 Da (dann, deshalb, und) ließ (versetzte) JHWH Gott einen tiefen Schlaf über Adam fallen (kommen), so dass (und) er schlief. Dann (und) nahmv er eine {von} seiner Rippen (Seiten)w und verschloss [die Stelle] darunterx (unter ihr) [mit] Fleisch. 22 Dann (und) machte (erschuf, bildete, baute) JHWH Gott die Rippe (Seite), die er vom (aus dem) Menschen genommen hatte (nahm), zu einer Frau und brachte sie zu dem Menschen. 23 Da (und) sagte der Mensch: Dies (diese)y endlich (diesmal) [ist] Gebein (Bein, Knochen) von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Zu dieser wird „Frau“z gesagt (Sie wird „Frau“ genannt/gerufen) werden, weil diese vom Mann genommen wurde. 24 Darum verlässt (lässt zurück; wird verlassen)aa ein Mann seinen Vater und seine Mutter und (um) vereint sich (bleiben bei, festhalten an; wird sich vereinen) mit seiner Frau, und (so dass, dann) sie werden (werden sein) zu einem Fleisch. 25 {und} Sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, aber (und) sie schämtenab sich nicht vor einanderac.

Anmerkungen

aNach Zenger 1983, S. 67 (der hier Steck folgt) ist V. 1 nicht Einleitung von Gen 2,2-3, sondern rückblickende Unterschrift von Gen 1,1-31. Das ist aber sehr unwahrscheinlich, da V. 1 durch die wiederholte Verwendung des Wortes כלה „vollenden“ viel zu sehr mit den folgenden Versen zusammenhängt, als dass man es ohne schwerwiegende Indizien aus diesem Zusammenhang herausreißen dürfte. (Zurück zu v.1)
bDer Merismus „Himmel und Erde“ ist der im Hebräischen übliche Ausdruck für den Kosmos/das Universum; vgl. Fußnote c zu Gen 1,1. (Zurück zu v.1)
cDas „Heer des Himmels“ sind nach Jes 40,26 die Sterne; entsprechend wird das „Heer von Himmel und Erde“ alles bezeichnen, was sich im Himmel und auf der Erde befindet (vgl. Scharbert 1990, S. 47). Äquivalente Formeln existieren im Assyrischen und Babylonischen, die in etwa das selbe bezeichnen (so z.B. schon Delitzsch 1887, S. 69). (Zurück zu v.1)
dWaw kann auch eine Folgerung einleiten; vgl. Lexikon / Lemma וְ (Zurück zu v.2)
eerklärte als vollendet (vollendete, erachtete als vollendet) - Der folgende Text zeigt deutlich, dass Gott am siebten Tag eben nicht mehr an der Welt arbeitet; das Piel ist daher wohl am besten z.B. mit König und Heidel 1964, S. 127 als deklaratives – vielleicht auch ästimatives – Piel zu deuten. Aber s. noch nächste FN. (Zurück zu v.2)
fTextkritik: sechsten (siebten) - VUL und Tg stützen MT. Sam, LXX, Syr, die gr. Torah v. Ptolemäus Philadelphus, Jub 2,16 und BerR aber lesen „am sechsten Tag“. Meist wird davon ausgegangen, dass es sich hier um eine theologische Korrektur handle, damit nicht der Eindruck entstünde, Gott habe auch am Sabbat noch gearbeitet (so z.B. Westermann, Soggin, s. auch BHQ). Für ursprünglich halten diese sehr stark bezeugte Variante aber z.B. Ball und Hendel 1998, S. 122, und richtig Ball (1896, S. 73): „ויכל [„vollenden“] is not the same as ויכל מן [„aufhören“], but means finished, completed, as is clear from v. 1 [dazu s. aber vorige FN. Richtig dann aber:] Besides, there is an intentional antithesis between ביום הששי [„sechster Tag“] and ביום השביעי [„siebter Tag“]. Else why not וישבת בו [„und er ruhte an ihm“] in the second clause (cf. v. 3)?“ (Zurück zu v.2)
gruhte (hörte auf, feierte, arbeitete - Mit dem Verb שבת (schabat) wird häufig die konstitutive Tätigkeit bezeichnet, die man am Sabbat ausführt, beide Wörter klingen fast identisch, vielleicht hängen sie außerdem etymologisch zusammen. Zusammen mit der Nennung des „siebten Tages“ (יוֹם שְבִיעִי jom schbi´i) muss sich einem hebräischen Hörer ganz notwendig die Assoziation des Sabbats aufdrängen (so z.B. richtig Scharbert). Dennoch wollen neuerdings einige Exegeten merkwürdigerweise den Bezug der Verse 1-3 zum Sabbat in Abrede stellen. Das ist entschieden abzulehnen; hier einen engen Zusammenhang mit dem Sabbat zu verneinen ist, als würde man einem deutschen Text, in dem es heißt, jemand würde „am siebten Tag der Woche sonntagen“ den Bezug zum Sonntag absprechen. Dass gerade dem Gott JHWH, der nach dem Talmud (b.Ber 6a.7a) Sabbats sogar Tephilin trägt, der Sabbat verwehrt sein sollte, ist durchaus nicht einzusehen. Vgl. ebenso Cole 2003.
Jede der obigen Übersetzungsalternativen ist in der Forschung mehrfach vertreten worden; wir haben uns nur deshalb für „ruhen“ entschieden, da das Ruhen des Schöpfergottes nach Vollendung der Schöpfung ein verbreitetes Motiv in altorientalischen Schöpfungsmythen ist (vgl. z.B. Atwell 2000, S. 445). (Zurück zu v.2)
herklärte ihn für heilig (heiligte ihn) - Auch hier ist entweder die faktitive oder die deklarative Piel-Deutung möglich. Da hier aber offensichtlich eine Ätiologie (=Ursprungsmythos) des Sabbats vorliegt, der seinen Lesern erklären will, warum der Sabbat heilig ist, liegt vielleicht auch hier die deklarative Deutung näher. (Zurück zu v.3)
iarbeitend (indem er es gemacht hatte) - Auf den Ausdruck אֲשֶׁר-בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת (wörtl.: „[das Werk], das Gott geschaffen hatte, indem er es gemacht hatte“) wird selten eingegangen; die sehr unterschiedlichen Übersetzungen zeigen aber, wie schwierig er ist (Bspp.: Delitzsch: „das er schöpferisch ausgeführt hatte“, König: „das Gott geschaffen hatte, indem er (es) machte“, Soggin: „das Gott durch sein Wirken geschaffen hatte“. Zenger, BigS und Kirchentagsübersetzung sogar „das Gott geschaffen hat, um zu machen“, was immer das heißen soll). Viele Übersetzungen streichen daher entweder eines der Verben (z.B. Alter: „that He had done“) oder formulieren komplett um (z.B. : „nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte“).
So rätselhaft ist der Versteil aber wohl gar nicht: „denn an ihm hatte er geruht“ berichtet von Gottes Ruhen, „von seinem Werk, dass er geschaffen hatte, indem er es machte“ blickt dagegen zurück auf die diesem Ruhen entgegengesetzte erste Arbeitswoche Gottes. Das „indem er es gemacht hatte“ unterstreicht dabei nur noch zusätzlich diesen Gegensatz, indem sie einen weiteren „Arbeits“-Begriff darauf-häuft. Wir haben versucht, dies durch die Umformulierung „arbeitend geschaffen“ ausdrücklich zu machen. (Zurück zu v.3)
jDer Qatal ist hier wegen des rückblickenden Charakters der Textsorte „Ätiologie“ sehr sicher plusquamperfektisch zu übersetzen. (Zurück zu v.3)
kDie Aufteilung der Bibel in Kapitel wurde erst im 14. Jh. von der Vulgata übernommen und in den hebräischen Text eingefügt. Im Falle von Gen 1-2 ist man sich in der Exegese einig, dass hier die Kapitelaufteilung nicht die Struktur des hebräischen Textes trifft. Uneinigkeit allerdings besteht darin, ob der Text stattdessen richtiger zwischen Gen 2,3 und Gen 2,4, zwischen Gen 2,4a und Gen 2,4b oder zwischen Gen 2,4 und Gen 2,5 (diese letzte Variante haben wir bisher nur bei Collins 1999 und bei Delitzsch 1887 entdeckt) anzusetzen wäre.
Klares Indiz dabei ist der Einsatz von Gen 2,4 mit der sog. Toledot-Formel „Dies ist die Geschichte“, die sonst in der sog. „Priesterschrift“ noch weitere 10 Male vorkommt und bis auf Gen 36,9 stets als Überschrift fungiert. Wenn keine starken Argumente für eine andere Aufteilung vorgebracht werden - und derart schlagende Argumente haben wir bisher nirgends entdecken können - muss daher auch hier Kap. 1 mit Gen 2,3 enden und Gen 2,4 das nächste Kapitel einleiten; so z.B. auch Bandstra 2008; Junker 1953; König 1919; Lode 2002; NET; Wenham 1987. Dafür spricht außerdem, dass der MT nach Gen 2,3 den Sektionsmarker Petucha hat, nach Gen 2,4a und Gen 2,4b dagegen nicht. (Zurück zu v.3)
lNachkommen - die selbe Überschrift wie in Gen 6,9; 10,1; 11,10.27: toledot von X. Weil die meisten neueren Exegeten denken, in Gen 2-3 ginge es hauptsächlich um den Menschen, erwägenswert und sinnvoll Fischer 2018 und Carr 2021: Bei den anderen vier Stellen wird damit die Aufzählung der / Erzählung über die Nachkommen von X eingeleitet; entsprechend erscheint also hier der Mensch als „Nachkomme“ von Himmel und Erde. Wie der Mensch „Nachkomme“ der Erde sein soll, ist in 7a auch offensichtlich. Wie er gleichzeitig Nachkomme des Himmels sein soll, allerdings weniger. Möglich wäre dies: In Pred 12,7 zerfällt der Mensch wieder in seine Bestandteile: Es wird „zurückkehren der Lehm zur Erde, wie er gewesen ist / und der Atem/Hauch/Wind wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.“ Damit wird ein in hellenistischen Texten häufiges Motiv verdichtet; vgl. Sir 40,11: „Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe“; Epicharmus: „[Der Mensch] löste sich wieder auf: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben“; Euripides: „Woher jedes Teil kam, dahin kehrtes es zurück: Der Geist zum Äther, der Körper zur Erde“; Lukrez: „So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.(gr. Parallelen bei Ginsburg 1861, S. 468). Kann man schon hier erste Spuren der Vorstellung annehmen, der „Atem“/„Hauch“/„Wind“ sei dasjenige, was dem Menschen aus der Höhe zugeeignet wurde? Vgl. noch Ijob 34,14; Ps 104,29; 146,4; Pred 3,21.
Alternativ wie z.B. Ramban und Sforno: „Nachkommen von Himmel und Erde“ sind nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen, die ihr Dasein der Erde und dem Regen verdanken. Auch das ist nicht unproblematisch: der Regen erscheint zwar häufiger als Frucht des Himmels, Gen 2-3 gehen aber ja explizit noch von einer Sitiation aus, in der es noch nicht regnet (s. V. 5).
Textkritik: Die meisten alten Vrs. wie MT. LXX aber wie in Gen 5,1: „Dies ist das Buch der Nachkommen“. Auch Philo kannte diese Variante. Und auch TgN übersetzt hier wie dort: „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“. Zu TgN vgl. aber McNamara 1992, S. 56: TgN hat noch häufiger die Kurzform der Überschrift „Dies sind die Nachkommen“ mit der Langform „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“ übersetzt; textkritisch relevant ist das eher nicht; es wäre dann nur ein Zufall, dass TgN hier mit LXX zusammenstimmt. Ball 1896 hielt die Variante von LXX, TgN und Philo noch für ursprünglich, wahrscheinlicher richtig aber Hendel 1998 und BHQ: Assimilation an Gen 5,1, die nächste Stelle, in der diese Überschrift kommt. (Zurück zu v.4 / zu v.7)
m
Gen 2,4 in JTS L44a
tFN: geschaffen - Eines von je nach Handschrift etwa 100 Wörtern in der hebräischen Bibel, in denen ein Buchstabe abnorm geschrieben wird. In diesem Fall ist das He in behibbar`am („bei ihrem Geschaffen-werden“) kleiner als die anderen Buchstaben. In vielen der ältesten Handschriften ist das nicht so und auch hier sieht man deutlich, dass das kleiner geschriebene He eine (mit anderer Tinte geschriebene) nachträgliche Korrektur ist. Dennoch hat Ball 1896 auf dieser Basis erwogen, ob statt bhbr`m nicht vielleicht bbr`m ursprünglich („als er sie schuf“) sei; BHK und BHS hielten das sogar für wahrscheinlich. Die Bedeutung dieser kleiner geschriebenen Buchstaben ist aber nicht klar; alternativ denkt z.B. Eisenstein in EncJud XI 411f., mit ihnen solle darauf hingewiesen werden, dass der jeweilige Buchstabe Gegenstand einer Auslegung in Talmud, Midrasch etc. sei. So auch schon Rabbi Culi im Me'am Lo'ez. Hier gibt es in der Tat sogar gleich zwei solcher Auslegungen: Man lese nicht bhbr`m („bei ihrem Geschaffen-werden“), sondern bh br`m („er erschuf sie mit einem He“). Warum wurde die Welt mit einem He geschaffen?. (b.Men 29b). (1) Bei allen Buchstaben macht es Mühe, sie auszusprechen, nur das He macht keine Mühe. Entsprechend schuf der Heilige, gepriesen sei Er, die Welt ohne Mühe und Arbeit. (BerR xii 10). (2) Weil das He unten offen ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass alle Kreaturen in die Unterwelt hinabsteigen werden. Weil das He eine Spitze hat – [dies ist ein Zeichen dafür], dass, sobald sie hinabfahren, sie auch aufsteigen. Und weil das He an allen Seiten geöffnet ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass Gott allen, die bereuen, eine Tür öffnet. (j.Chag ii 1,15; ähnlich Raschi und Ramban).
Klar ist jedenfalls, dass die abnorme Schreibweise keinesfalls alleinige Basis dafür sein kann, den Text zu ändern. (Zurück zu v.4)
nGen 2,4-6 eignen alle typischen Merkmale biblischer Poesie. Sachsse 1921 und Polak 2002, S. 22 haben daher in der Tat 2,5-6 als Lyrik analysiert; Gray 1915, S. 220-222 und Walsh 1977, S. 162 sogar 2,4b-6. Die meisten tun das nicht, und das Gesamt von 2,4a-6 hat m.W. (S.W.) bisher noch niemand als Lyrik interpretiert. Das sollte daher auch OfBi besser nicht tun; um die poetische Struktur erkenntlich zu machen, habe ich die Verse immerhin in die poetischen Zeilen gegliedert. Poetisch analysiert wäre zu formatieren:
Dies sind die Nachkommen von Himmel und Erde, als sie geschaffen wurden
Am Tag, als JHWH-Gott Erde und Himmel machte:

Alle Sträucher der Steppe waren noch nicht auf dem Land

und alle Kräuter des Feldes wuchsen noch nicht,

weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde

und es keinen Menschen gab, um den Ackerboden zu bestellen,

aber eine Flut emporstieg vom Land,

um zu tränken das Angesicht des Ackerbodens. (Zurück zu v.4)
otFN: Die Syntax von Gen 2,4 ist umstritten. Geht man davon aus, dass mit Gen 2,4a (und nicht Gen 2,4b) das nächste Kapitel beginnt (s.o.), sind immer noch mehrere Auflösungen möglich. Prominentere Auflösungen in neueren Kommentaren sind folgende:
(1) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b = Nebensatz, Gen 2,5-6 = Parenthese, Gen 2,7 = Hauptsatz (z.B. Arneth 2007b, S. 24.129; Arnold 2008; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021; auch B-R, BigS, MEN, TEX)
(2) 2,4a = Überschrift; 2,4b = NS, 2,5 = HS (z.B. Soggin 1997; auch , HER05, H-R, NeÜ, NL, R-S, TUR u.a.)
(3) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b-6 = Nebensätze zum Hauptsatz Gen 2,7 (Bandstra 2008; auch ZÜR; ähnlich z.B. Steck 1970; Goldingay 2020)
(4) Gen 2,4a = HS, Gen 2,4b = NS; Gen 2,5a = NS, Gen 2,6b-6 = Parenthese, Gen 2,7=HS (Collins 2006; auch SLT).
Klar ist im Kontext von Gen 1-11, dass Gen 2,4 (Teil einer) Überschrift ist; s. Gen 6,9; 10,1; 11,10; 11,27. Das ist aber noch nicht sehr hilfreich: Entweder ist diese Überschrift hier bei ihrem ersten Vorkommen um 2,4b erweitert, oder sie ist nur um 2,4aB („als sie geschaffen wurden“) erweitert und 2,4b beginnt den eigentlichen Text – zwischen (1) - (3) vs. (4) lässt sich auf dieser Basis noch nicht entscheiden.
Für (4) spricht zunächst, dass Gen 2,4a und Gen 2,4b offensichtlich bewusst chiastisch formuliert sind: „Dies sind die Nachkommen (a) von Himmel (b) und Erde, (c) als sie geschaffen wurden, (c') als Gott-JHWH machte (b') Erde (a') und Himmel.“ Dagegen und für (1) - (3) aber spricht, dass in 2,4a „Himmel und Erde“ im Heb. Artikel haben, in 2,4b aber nicht, was bei einem NS-HS-Gefüge so nicht zu erwarten wäre, und dass nach den anderen Überschriften in Gen 1-11 asyndetisch (d.h. ohne „und“) fortgefahren wird, Gen 2,5 dagegen mit „und“ beginnt (richtig Carr 2021). Für (2) spricht außerdem: Viele entscheiden sich hauptsächlich deshalb für (1), weil dann Gen 2,4-7 syntaktisch ihrer Deutung der Syntax von Gen 1,1-3 entsprechen würde. OfBi hat dort anders aufgelöst; orientieren wir uns an diesem häufigsten Argument, wäre in OfBi hier (2) vorzuziehen: Sowohl Gen 1,1-3 als auch Gen 2,4b-7 hätten dann die Abfolge [temporaler Nebensatz] - [X existiert noch nicht] - [Schöpfungstätigkeit Gottes]. Und für (3) spricht zusätzlich, dass Gen 2,4-7 dann einem häufigen Sprachmuster von Schöpfungserzählungen mit vielen Nebensätzen vor dem ersten Hauptsatz entsprechen würde. Vgl. z.B. Enuma Elisch I 1-9: Als in der Höhe dem Himmel noch kein Name gegeben war, und in der Tiefe der Unterwelt noch nicht mit Namen genannt wurde, ... als noch keine Götter gezeugt worden waren, (und) keiner mit Namen genannt war, als noch kein Schicksal zugeteilt war – da bildeten sich in die[sen beiden] die Götter. (nach COS 1.111). Für (2).
Insgesamt sprechen die meisten Argumente also für (2) oder (3); eine sichere Entscheidung ist hier aber nicht möglich. Wir haben uns daher am häufigsten Argument, das hier für (2) spricht, orientiert. (Zurück zu v.4)
pMensch + Ackerboden' - Hier wird mit der Verwandtschaft der Wörter Mensch (`adam) und Ackerboden (`adamah) gespielt: Der Mensch ist erstens aus Erde – ist ein „Erdenkloß“ (Luther) und daher „Sohn der Erde“ – und dient zweitens der Erde – ist also ein „Erdling“, ist wesensmäßig „Ackerknecht“.
Hyperbaton: Unkraut wuchs nicht (5a), weil es nicht regnete (5c), und Nutzpflanzen gab es nicht (5b), weil kein Mensch den Ackerboden bestellte (5d; gut Futato 1998, S. 5). (Zurück zu v.5)
qSturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk) - Neben dem mangelnden Regen und dem mangelnden Menschen ein weiterer Grund, warum aktuell noch keine Pflanzen wachsen: Weil in regelmäßigen Abständen Sturzfluten die Erde überschwemmen (richtig Kidner 1966; Tsumura 1989 S. 119).
Genauer: Heb. ´ed, unsicheres Wort: neben Gen 2,6 nur noch in Ijob 36,27. (1) Die meisten leiten ab von einem akkadischen Kognat mit der Bed. Wasserflut, Sturzflut, daher z.B. LUT: „ein Strom“, ZÜR: „ein Wasserschwall“. (2) Mankowski 2000 und Arnold 2008 leiten ab vom sumerischen adea („Grundwasser, Bewässerung“; die Ableitung von einem sumerischen id „Fluss“ dagegen hat sich als Fehler erwiesen, vgl. Speiser 1955, S. 9; Tsumura 1989, S. 104. Gegen Tsumuras weiteren sumerischen Alternativvorschlag vgl. Hasel / Hasel 2000, S. 325), daher z.B. BigS: „ein Quell“, NeÜ: „Grundwasser“. (3) Yahuda 1933, S. 157; Görg 1986, S. 23f. und Hasel / Hasel 2000 leiten ab von ägyptischen und arabischen Kognaten mit der Bed. „Nebel / Tau“ (dagegen vgl. aber die Einwände von Müller in Witte 1998, S. 84f. FN 30), daher z.B. NL: „Nebel“, SLT: „ein Dunst“. (4) Dahood 1981, S. 535f.; Kline 1996 und Futato 1998, S. 6-9 schließlich leiten ab von einem unsicheren eblaitischen ì-du („Wolke“. Hier sind die Einwände von Hasel / Hasel 2000, S. 330 nicht fair; richtig bleibt aber: Das Kognat ist und bleibt unsicher. Und der Text wäre unsinnig: Welchen Sinn sollen die Wolken haben, wenn es gleichzeitig heißt, dass es noch nicht regnet?). (5) Das „Feuchtigkeit“ in und PAT scheint komplett aus dem Kontext abgeleitet zu sein.
Vorzuziehen ist klar (1): Gen 2,5-6 sollen ja offensichtlich einen Grund angeben, warum keine Pflanzen auf der Erde wachsen; bei den Vorschlägen (2)-(4) dagegen hat man nach Kognaten gesucht, nach denen V. 6 besagt, dass die Erde trotz noch nicht vorhandenem Regen auf alternative Weisen bewässert wird. (Zurück zu v.6)
rtFN: indem er das Grundwasser heraufholte - so Bea 1933, S. 147ff.: Man analysiere ja´aleh nicht als Qal, sondern als das homonyme Hifil, und den Satz nicht als selbstständigen Satz, sondern als durch Wortstellung (Objekt - Verb) markierten modalen Nebensatz. Das macht viel Sinn, so m.W. (S.W.) aber sonst niemand.
Erwägenswert ist außerdem noch der Vorschlag von Bandstra 2008, S. 123, das „noch nicht“ aus 5ab tue double duty, und der ähnliche und bessere Vorschlag von Saadia (erwogen auch von David Kimchi), Calmet 1730, S. 16f. und Sachsse 1921, S. 279f., das „es gab kein“ aus 5c tue double duty: „Unkraut und Nutzpflanzen wuchsen noch nicht, weil es keinen Menschen gab, der den Ackerboden bestellte, und [noch nicht] Grundwasser aufzusteigen pflegte / und [weil] es [kein] Grundwasser [gab], [das] aufzusteigen pflegte...“. Dagegen aber richtig McClellan 1939, S. 110 (vgl. auch Houbigant 1777b, S. 4f.): Das „noch nicht“ ist zu weit entfernt, um double duty zu tun, und „kein“ kann nicht double duty tun, weil 6a im Heb. stattdessen „nicht“ (lo`) erforderte. (Zurück zu v.6)
sDas Wort עֶ֫זֶר („Hilfe“) beschreibt ein Zu-Hilfe-Kommen angesichts der Einsamkeit. Es geht also weniger um Arbeitsentlastung als um die gegenseitige Unterstützung, die sich aus Gemeinsamkeit ergibt. (Siehe Wenham, Gordon J.: Genesis 1–15, WBC 1, Nashville 1987, S. 68.) (Zurück zu v.18)
tDie Entscheidung zwischen „Adam“ und „Mensch“ wird hier nur durch das Vorhandensein oder Fehlen des Artikels bestimmt. Eigennamen weisen keine Artikel auf. Hier wird der Mensch zum ersten Mal „Adam“ genannt. (Zurück zu v.20)
uViele Übersetzungen: „die zu ihm passte“ oder „die ihm entsprach“. (Zurück zu v.20)
vAlternative Deutung: „und während er schlief, nahm Gott“ (SLT, NET). (Zurück zu v.21)
wAlternativ zu verstehen als „einen Teil seiner Seite“, was die Schöpfung der Frau „aus Fleisch und Blut“ (V. 23) besser erklärt (NET Gen 2:21 Fußnote 64). (Zurück zu v.21)
xVgl. DBL Hebrew 9393. (Zurück zu v.21)
yDas Pronomen ist zwar feminin, kann sich aber entweder auf „Knochen“ (f) oder die Frau beziehen und muss entsprechend übersetzt werden. (Zurück zu v.23)
zIm Hebräischen ein Wortspiel, da das Wort für „Frau“ (אִשָּׁה) die weibliche Version des Worts für Mann (אִישׁ) ist. Luther führte darum die etwas missverständliche Übersetzung „Männin“ ein. Es ist das erste Mal, dass die beiden Begriffe zur Kennzeichnung der beiden Geschlechter gebraucht werden. (Zurück zu v.23)
aaGnomisches Ipf.: Die Verben in diesem Vers stehen im Imperfekt, aber die Aussage ist so allgemein, dass sie eher präsentisch als futurisch verstanden werden sollte. (Zurück zu v.24)
abDas Wort steht im Ipf., ist aber durativ zu verstehen. (Zurück zu v.25)
ac„vor einander“ ist aufgrund der Bedeutung der Stammesmodifikation Hitpael ergänzt. (Zurück zu v.25)