Ijob 7

Aus Die Offene Bibel

Wechseln zu: Navigation, Suche

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Ijob 7)

(kommt später)

Studienfassung (Ijob 7)

1 Ist nicht Frondienst (Kriegsdienst)a dem Menschen auf Erden [beschieden],
Und [sind nicht] wie die Tage eines Tagelöhnersa seine Tage?
2 Wie ein Knecht lechzt er nach Schatten
Und wie ein Tagelöhner wartet er auf seinen Lohn.
3 (So=) Wie diesen wurden mir zugeteilt Monate (Monde) der Nichtigkeit (des Bösen)
Und Nächte der Mühsal wies man (er) mir zu.
4 Wenn ich mich hinlege, spreche ich: ‚Wann kann (werde, darf) ich [endlich wieder] aufstehen!?‘,
Doch (und) der Abend wird sich dehnen b und ich werde gesättigt sein vom Umherwerfen bis zur Morgendämmerung.c


5 Bekleidet ist mein Leibd[mit] Gewürm und Erdklumpen,
Meine Haut wimmelt (verharrscht? spaltet sich?) und löst sich auf (eitert?).e
6 Meine Tage sind schneller als (unbedeutender als, unbedeutend wie) ein Weberschiffchen (Gewebe),f
Sie enden ohne Hoffnung (Faden).
7 Denke daran: Wie ein Hauch (Wind) [ist] mein Leben:
Mein Auge wird nicht wieder Gutes sehen,
8 Das Auge des mich Sehenden wird mich nicht [mehr] erspähen,g
[Es werden sein] deine Augen auf mir – und ich [werde sein] nicht (Nichts).h


9 Es endet eine Wolke (Rauch)i und geht.
Ebenso steigt der Herabsteigende zum Scheol nicht [wieder] hinauf.
10 Nicht (nie) mehr wird er zurückkehren in sein Haus,
'Nicht (nie) mehr erkennen wir ihn sein Heim.
11 Auch (laut)j ich will nicht zügeln meinen Mund,
Will reden in (aus) der Bedrängnis meines Geistes,
Will sprechen in (aus) der Bitterkeit meiner Seele:
12 Bin denn Jam (das Meer) ich oder Tannin (eine/die [See]schlange),k
Dass du aufstellst wider mich eine Wache!?l


13 Als ich sagte: „Trösten soll mich mein Bett,
Mittragen (tragen helfen) mein Klagenm soll meine Liege!“,
14 Erschrecktest du mich mit Träumen
Und durch Visionen ängstigstest du mich
15 Und es zog vor Ersticken meine Seele,
Tod meinen Gebeinen (meine Gebeine, meinen Schmerzen).n
16
17
18
19
20
21

Anmerkungen

Die Lohnknecht-metapher in der Bibel ist eine komplexe Metapher: In Rut 2,12; 2 Chr 15,7 (vgl. auch Sir 2,7f.; 11,18-22; 36,21; Spr 11,17f.; auch Gen 15,1f.; 30,18; 127,3; Jes 40,10) dient sie dazu, auszudrücken, dass sich Aufwand und Mühen lohnen, weil Gott diese Mühen zurückzahlen wird (vgl. Novick 2011, S. 708f.). Umso schlimmer für Ijob, denn er ist ein Lohnknecht, der vergeblich auf seinen Lohn wartet.

aFrondienst (Kriegsdienst) + Tagelöhner - șaba´ in 1a ist häufig und sehr deutlich das „Heer“ und von hier aus auch der „Kriegsdienst“, in diesem Kontext aber eher wie in Jes 40,2; Sir 7,15 allgemeiner die „schwere Arbeit“, das „harte Brot.“
Weil das Wort meist nach seiner häufigeren Bed. als „Kriegsdienst“ übersetzt wird und 1a und 1b so dann zwei unterschiedliche Metaphern verwenden würden (was aber auch leicht möglich wäre), machen viele Üss. den ßakir in 1b spezieller zum „Soldaten“ (da so traditionell, aber ohne guten Grund, auch die ßakirim in Jer 46,21 übersetzt werden), was gut zu diesem „Kriegsdienst“ in 1a passte. Das ist sicher abzulehnen; bes. in Anbetracht der Tatsache, dass die Lohnknechtmetapher sich noch öfter im AT findet, s. Ijob 14,6; Jes 16,14 und vgl. Novick 2011, bes. S. 716-9. (zu v.1)
bTextkritik: Doch er wird sich dehnen - Heb. wmdd. MT lässt sich nur durch Syr stützen: LXX las wmtj („wann“) wie in 4a; außerdem statt mataj ´aqum („Wann kann ich aufstehen“) mataj jom ´aqum, daher: „Ich spreche: ‚Wann wird es Tag?‘ Und wenn ich aufstehe: ‚Wann wird es Abend?‘“. VUL (et ... expecto) las vielleicht w´mdd („ich messe = ich warte“); Tg wohl w´ndd („ich werfe mich umher“) von der selben Wurzel wie nddim („Umherwerfen“); die beiden Verben in der 1. Pers. lassen sich aber recht gut als Assimilationen an die 1. Pers. von ´aqum („ich werde aufstehen“) erklären.
Manche Üss. korrigieren stattdessen den Text zu wmdj („sooft (es Abend [wird])“, z.B. , HER05, PAT nach BHS). ZÜR 31 (nicht mehr 07) folgt LXX. LUT paraphrasiert wahrscheinlich: „Ich sprach: Wann werde ich aufstehen? Bin ich aufgestanden, so wird mir's lang bis zum Abend.“ (Zurück zu v.4)
cAufteilung von V. 4 in Zeilen gegen die Akzentuierung der Masoreten. Folgte man diesen, müsste man in drei Zeilen aufteilen und deuten: „Wenn ich mich hinlege, spreche ich: / ‚Wann kann ich aufstehen? [Ach,] dass sich doch der Abend dehnte! o. [Wie] sich [doch] der Abend dehnt!‘ / Doch ich bin gesättigt...“ So aber kein Exeget und keine Üs.
4b ist dann außerordentlich lang; die Länge des Abends und der Nacht schlägt sich in der Kolometrie nieder. (Zurück zu v.4)
dBekleidet ist mein Leib - Vielleicht ein Klangspiel: labasch beßari. Zumindest in manchen Dialekten klangen sch und ß fast gleich. (Zurück zu v.5)
ewimmelt aufgrund der Würmer und löst sich auf, weil sie verwest wie in Ijob 13,28; 30,30 (s. auch 19,26): Ijob ist ein wandelnder Leichnam (so wohl richtig Greenstein 2018, S. 43f.). Beide Wörter sind aber umstritten:
Von raga` („wimmeln“) gibt es zwei homonyme Wurzeln: raga` I „rasten, ruhig sein, Ruhe haben“ (z.B. in Dtn 28,65; Jes 34,14) und raga` II „sich bewegen“, sonst noch verwendet für das Meer, das Gott „aufwühlt, sich bewegen lässt“ (Ijob 26,12; Jes 51,15; Jer 31,35), für Kleinvieh, das Gott „fortlaufen lässt“ (Jer 49,19; 50,44) und in den Talmudim für „krabbelnde“ Säuglinge (j.Kid iv 65; j.B.B. iii 13). Die meisten Üss. leiten das Wort allerdings ab von raga´ I, was dann bed. soll „Meine Haut wird ruhig = hört auf zu fließen = hört auf zu bluten = verharrscht, verkrustet“ (z.B. Kaiser 2006, LUT 17, NeÜ, SLT 2000, TUR, van Ess, ZÜR; ähnlich TAF: „sie vernarbt“). Syr übersetzt mit qefad („vor Furcht schrumpfen, eine Gänsehaut bekommen“), VUL das zweite (!) Verb mit contractus est („sie hat sich zusammengezogen“), woraus offenbar andere dt. Üss. das merkwürdige „meine Haut schrumpft“ ableiten (, MEN, PAT, SLT 51; vgl. ELB; Junker 1959, S. 332: „meine Haut zieht sich zusammen“), wenn der Üs. nicht das veraltete „verschrumpfen“ = „vernarben“ zugrunde liegt. In der jüd. Trad. wird das Substantiv rage`a („Ruheort“) in Ps 35,20 aufgefasst als „Spalten [der Erde]“ und hieraus für raga` die Bed. „etw. spalten“ abgeleitet (so z.B. Ibn Ezra, Berachja, auch Dhorme; Jastrow u.a.): „Meine Haut bricht auf.“
ma´as, sonst oft „verachten, verschmähen“ und daher auf den ersten Blick hier „wird verachtet, ist verachtenswert“, ist hier eher eine NF von masas oder das Wort ist statt als wajjimma´es als wajjimma´s mit ´ als Vokalbuchstabe zu vokalisieren und dann ebenfalls abzuleiten von masas (meist „schmelzen“ wie in Ps 97,5; Mi 1,4; auch metaph. vom ängstlichen Herz, z.B. Ps 22,15; Jes 13,7; gelegentlich auch allgemeiner „vergehen“ wie vom „verbrennenden“ Seil in Ri 15,14, vom „vergehenden“=schwächlichen Vieh in 1 Sam 15,9, vom „dahinsiechenden“ Kranken in Jes 10,18; auch Ps 112,10 (|| ´abad, „vergehen, verderben“)), daher die meisten Üss. „meine Haut fließt = nässt = eitert“. Verwendet wird die NF aufgrund eines Wortspiels mit V. 6: Das Wort für „schnell sein“ heißt auch „unbedeutend sein, verachtenswert sein“, was auch wajimma´es auf den ersten Blick bedeutet. (Zurück zu v.5)
fWeberschiffchen (Gewebe) - Trad. „Weberschiffchen“. Sehr gut zu rechtfertigen ist das allerdings nicht: LXX hat „ist unbedeutender als Geschwätz“, aber VUL übersetzt mit „Netz“, Aq, Sym und Theod mit „Gewebe“; Syr hält es für die Längsfaden im Webstuhl; auch Raschi erklärt: „Wie ein Gewebe, das schnell fertiggestellt wird“. Sonst steht das Wort nur noch in Ri 16,14 und meint dort den „Webstuhl“. Für die Deutung „Weberschiffchen“ gibt es sonst keine Belege. Auch 6b passt nicht sehr gut zu dieser Deutung: 6b ist ein Wortspiel; das heb. Wort für „Hoffnung“ heißt auch „Faden“. Ist der Faden zu Ende, endet aber nicht das Weberschiffchen, sondern das Gewebe, das dann aus dem Webstuhl geschnitten wird wie in Jes 38,12. Als „Weberschiffchen“ erklären aber z.B. auch die Berachja und Kimchi und eine andere Üs. als diese erwägt einzig Szpek 1994, ohne dass sich dem jemand angeschlossen hätte. (Zurück zu v.6)
gKlangspiel: Auch klanglich sind 7b und 8a einander im Heb. noch ähnlicher als im Dt.: lo taschub `ejni lir´ot (tob) - lo-teschureni `ejn ro´i. (Zurück zu v.8)
hKlangspiel: „deine Augen“ – „ich nicht“ = `ejnejka(we)´ejnenni; im Heb. sehr dicht, nur drei Worte: „deine-Augen auf-mir und-nicht-ich“. (Zurück zu v.8)
iTextkritik: MT `anan („Wolke“); so auch die meisten Vrs. Eine MS und Tg aber `aschan („Rauch“); eine schwer erklärliche Differenz, da n und sch weder einander sehr ähnlich sehen noch ähnlich klingen. (Zurück zu v.9)
jauch hier ganz überflüssig; dennoch verwendet wegen Wortspiel: Heb. gam heißt neben „auch“ auch „laut“ (vgl. z.B. Beirne 1963, S. 203; McDaniel 1968, S. 32) und passt so sehr gut zu Ijobs Absichtserklärung, nun nicht mehr schweigen zu wollen. (Zurück zu v.11)
kJam (das Meer) + Tannin (eine/die [See]schlange) - Jam, „das Meer“, erscheint in der Bibel noch häufiger als ein mehr oder weniger personenhafter Antagonist JHWHs (z.B. Ps 18,16; 74,13f.; 89,10f.; Jes 51,9f.; Nah 1,4); das Wort jam ist darüber hinaus der Name einer altorientalischen Chaos- und Meeresgottheit. tannin („Schlange“ wie in Ex 7,9-12) steht meist im Pl. und ist dann die Bezeichnung von Meeresungeheuern, die wie hier z.B. auch in den eben zitierten Vv. Ps 74,13 und Jes 51,9 neben jam genannt werden, wenn von Gottes Kampf gegen das Meer die Rede ist. Auch in Ugarit, wo der Meeresgott Jam der Erzfeind Baals ist, gehört zu seinem Gefolge u.a. die mythische Seeschlange Tunnanu, die wohl identisch ist mit Tannin. (Zurück zu v.12)
lDavon, dass Gott bei seinem Kampf gegen das Meer einen Wachtposten wider dasselbe aufgestellt habe, ist in der altorientalischen Mythologie nichts überliefert. Wenn nicht (sehr) metaphorisch von der Grenze die Rede ist, die Gott dem Meer gesetzt hat (vgl. z.B. Diewert 1987, S. 208 zu Ijob 26,10; 38,8-11; Ps 104,9; 148,6; Spr 8,29; Jer 5,22), ist wahrscheinlich nicht gemeint „Bin ich denn Jam oder Tannin, dass du wider mich einen Wachtposten abbestellst [wie du es bei Jam und Tannin getan hast]“, sondern „Bin ich denn [so bedeutend/gefährlich wie] Jam und Tannin, dass du einen Wachtposten gegen mich abbestellen musst!?“ Gemeint ist mit diesem Wachtposten das selbe wie in Vv. 17f. (Zurück zu v.12)
mMein Bett, mittragen mein Klagen - Klangspiel: `arßi jißa´ beßichi. (Zurück zu v.13)
nmeinen Gebeinen (meine Gebeine, meinen Schmerzen) - Heb. me`aṣmotaj, „meinen Gebeinen“. Gemeint ist der Leib, in dem er zu seinen Lebzeiten noch einhergehen muss, von dem er aber nach seinem Tod getrennt sein wird. Sehr schön ist dieser Ausdruck nicht; viele Exegeten korrigieren daher den Text zu me`aṣbothaj („meinen Schmerzen“; so z.B. BHK, BHS, Beer, Dhorme, Driver/Gray, Gray, Merx, Pope, Siegfried; auch HER05, Kaiser 2006, R-S, ZÜR 31 (nicht mehr 07)); andere ziehen das m- als Mem encliticum noch zu „Tod“ und verstehen „mein Gebein“, das dann wie noch öfter als Wechselbegriff für „ich“ verwendet würde, als Subjekt des Satzes, wie auch LXX und Syr deuten („Meine Seele zog Ersticken vor, mein Gebein = ich den Tod“; so z.B. Blommerde, Habel, Hartley; Sarna 1955; ähnlich Houtsma 1925, S. 17; auch LUT, STADIJ). (Zurück zu v.15)