Kommentar:Markus 1

Aus Die Offene Bibel

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VersEin Teil in einem Kapitel. 1[Bearbeiten]

Den Begriff Evangelium gebraucht Markus wahrscheinlich bewusst im direkten Kontext der in V. 2-3 folgenden Zitate, wo Johannes als der überbringende Bote und Jesus gewissermaßen als Inhalt der Botschaft dargestellt wird [Vgl. dazu Art. Evangelium.

Textkritisch umstritten ist die längere Variante Ἰησοῦ Χριστοῦ υἱοῦ θεοῦ „von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“. υἱοῦ θεοῦ wird bezeugt von 011 B D W Γ sowie allen lateinischen, syrischen und koptischen Zeugen. Nur Ἰησοῦ Χριστοῦ lesen 01* Θ 28 l 2211, einige sahidische Handschriften sowie Origines; SBLGNT, Tischendorf und WH schließen sich an. Die byzantinischen Zeugen lesen υἱοῦ τοῦ θεοῦ (also mit Artikel). NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012. setzt den Zusatz als unsicher in eckige Klammern. Die Bezeugung bei den Kirchenvätern ist uneinheitlich, besonders da viele beide Varianten kennen (Willker 2013, 7f). Die kürzere ist bei ihnen jedoch etwas weiter verbreitet, wohingegen die längere nicht vor 400 n. Chr. bezeugt ist (Head 1991, 626). Offenbar sind beide sehr alt, wobei die längere Lesart – rechnet man die byzantinische Unterstützung mit ein – in den Handschriften etwas besser bezeugt ist. Wenn sie ursprünglich ist, hätte ein Abschreiber die beiden (damals im Text mit Anfangs- und Endbuchstaben abgekürzten) Wörter versehentlich weglassen müssen (Homoioteleuton): ...ΟΥΙ̅Υ̅Χ̅Υ̅(Υ̅Υ̅Θ̅Υ̅) (Guelich 1989Guelich, Robert A.: Mark 1–8:26. =WBC, Dallas, 1989., 6). Doch so ein Abschreibfehler wäre gerade am Anfang eines Buchs etwas schwerer vorstellbar. Für die kürzere Lesart sprechen zudem einige eindeutige Beispiele, wo im Laufe der Überlieferung Gottestitel ergänzt worden sind – gerade bei Markus ist Jesu Gottessohnschaft zentrales Thema, was zu der Hinzufügung verleiten könnte (Head 1991, 627; Collins 2007Collins, Adela Yarbro: Mark. A Commentary. =Hermeneia, Minneapolis, 2007., 130; s.a. Pesch 1976Pesch, Rudolf: Das Markusevangelium. I. Teil: Einleitung und Kommentar zu Kap. 1,1-8,26. Freiburg/Basel/Wien, 1976., 74, dagegen Wasserman 2010). Dann könnte die kürzere Variante als die schwierigere gelten! Keine der beiden internen Erklärungen ist jedoch ganz befriedigend. So erklärt Metzger sowohl die interne als auch die externe Evidenz für so ausgewogen, dass die Herausgeber von NA keine Entscheidung für oder gegen die längere Variante treffen wollten (Metzger, Textual Commentary 21994, 62; vgl. France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 49). Erst die stemmatische Analyse von Wasserman 2015 zeigt, dass die längere Lesart wohl ursprünglich ist. Die Variante scheint sich mehrfach unabhängig daraus entwickelt zu haben.

Jesus Christus, dem Sohn Gottes Der Zusatz „dem Sohn Gottes“ fehlt in einigen Handschriften und ist möglicherweise eine nachträgliche Einfügung. Wahrscheinlich gehören die beiden Wörter jedoch zum ursprünglichen Text. Wie diese Variante entstanden ist, lässt sich nicht sicher rekonstruieren. Viele Kommentare lassen die Frage daher offen oder tendieren eher zum kürzeren Text. Eine stemmatische Analyse hat jedoch ergeben, dass es der längere Text wahrscheinlich ursprünglich ist (Wasserman 2015).

VersEin Teil in einem Kapitel. 2[Bearbeiten]

Die Formulierung τῷ Ἠσαΐᾳ τῷ προφήτῃ steht u.a. in den Zeugen א B L Δ 33. Dagegen lesen A K P W Γ, der Mehrheitstext und einige andere Zeugen τοῖς προφήταις „den Propheten“ (Plural) und lassen den Namen des Propheten weg. Dabei handelt es sich offensichtlich um eine Korrektur (vgl. France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 62), denn anders als von Markus angegeben stammt nur ein Teil des Zitats von Jesaja (s.u.).

VersEin Teil in einem Kapitel. 3[Bearbeiten]

Markus schreibt zwar in V. 2, dieses Zitat aus dem AT stamme von dem Propheten Jesaja. Genau genommen stammt aber nur das Kernstück des Zitats in V. 3 von Jesaja (Jes 4040 ist eine wichtige Zahl. Die Juden waren 40 Jahre in der Wüste. Jesus war 40 Tage in der Wüste.,3 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.). V. 2b zitiert stattdessen eine thematisch verwandte Prophetie aus Mal 3,1. Jesaja greift in dem zitierten Abschnitt auf die Auszugsgeschichte zurück, wenn er einen ähnlich von Gott geführten Auszug aus dem Exil in Aussicht stellt, der von einem Boten (dem „Rufenden“) angekündigt wird. Gerade die ersten Verse von Jes 40 sind dabei eine Schlüsselstelle für die Hoffnungen der Juden auf die Wiederherstellung alter Größe. In der Wüste (am Sinai) liegen die Anfänge des alten Israel, und in der Wüste verorteten Jesu Zeitgenossen (beispielsweise die Qumran-Gemeinschaft) auch die Anfänge des neuen Israel.

Markus mischt die Botschaft von Jesaja jedoch mit der von Maleachi (V. 2b). Dieser ProphetDiese Menschen kennen Gott genau. Propheten tun den Willen von Gott. Manche Menschen denken: Propheten können auch Wunder tun. geht auf die Enttäuschung ein, die sich in Juda verbreitete, als sich Jesajas Prophetie nach dem Ende des babylonischen Exils nicht verwirklichte. Er findet die Schuld im fortgesetzten Ungehorsam des Volks, der den neuen Exodus verhindert. Dabei spielt wohl schon Mal 3,1 in seiner Ausdrucksweise auf den sehr ähnlich formulierten VersEin Teil in einem Kapitel. Ex 23,20 an. Wie beim Auszug aus Ägypten ist auch nach dem Exil der Ungehorsam des Volkes dafür verantwortlich, dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. nicht direkt heilbringend wirkt, sondern erst ein Bote sein Kommen ankündigen muss, damit das Volk Zeit zur Buße hat und so Gottes Gericht überleben kann. Markus hebt diesen Zusammenhang hervor, indem er in seinem sonst freien Zitat den Abschnitt „ich sende meinen Boten vor dir her“ aus Ex 23,20 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. nimmt (Mal 3,1 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. lautet: „Siehe, ich sende meinen Boten, und er wird vor mir den Weg überwachen, und plötzlich wird in seinen Tempel kommen der Herr, den ihr sucht, und der EngelEin Bote von Gott. des Bundes, den ihr wollt, ja/siehe, er kommt, spricht der Herr, der Allmächtige“).

Markus sieht also den Zeitpunkt nun gekommen, an dem dieser Bote auftritt. Er identifiziert Johannes mit dem angekündigten Boten, der das Volk zur Umkehr bewegen soll. Jesus ist Gott, der in Mal 3,1 sein Kommen zum Gericht ankündigt hat. Seine Mission scheitert allerdings, was nach dem formalen Eintreffen Gottes in seinem Tempel zu Gericht führt (Mk 11). Am Ende wird Israel als Volk durch Gericht untergehen (Mk 13). Gott erfüllt seinen Plan stattdessen auf andere Weise (Mk 12,9-11), sodass die gute Nachricht von Gottes Kommen in Jesus (Mk 1,1) für die Erwählten, die auf Jesus und seinen Vorboten hören, tatsächlich eine gute ist (Watts 2007, 113-20; France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 56ff.; Collins 2007Collins, Adela Yarbro: Mark. A Commentary. =Hermeneia, Minneapolis, 2007., 135-38).

VersEin Teil in einem Kapitel. 4[Bearbeiten]

unbearbeitete Auslagerung[Bearbeiten]

  • ursprünglich auf der Hauptseite*

4 trat Johannes der TäuferJohannes tauft die Leute. Darum nennt man Johannes so. in der Wüste (Wildnis) auf (trat Johannes auf, der in der Wüste taufte) a und predigte (verkündete) eine Taufe der Umkehr (Buße; Umkehr-Taufe) zur Vergebung der Sünden. 5 Und das gesamte judäische Gebiet (Gegend, Land) und alle Jerusalemer begaben sich (gingen) hinaus zu ihm und ließen sich von ihm im Fluss Jordan taufen, wobei (und) sie ihre Sünden bekannten. 6 Und Johannes pflegte [ein Gewand aus] Kamelhaar und einen Ledergürtel um seine Hüften (Taille) zu tragen und Heuschrecken und wilden Honig zu essen. 7 Und er predigte (verkündete) {sagend}: „Es kommt nach mir [einer], der mächtiger (stärker) [ist] als ich. Ich bin es nicht wert (gut genug, würdig), mich zu bücken und (gebückt) ihm die Riemen seiner Sandalen aufzubinden! 8Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit [dem] (im) Heiligem Geist taufen.“ 9 Und {es geschah} in jenen Tagen kam Jesus aus (von) Nazaret [in] Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10 Und in dem Moment (gleich), als er aus dem Wasser stieg, sah er, wie (dass) der Himmel geteilt (geöffnet) wurde und der Geist wie eine Taube in ihn (zu ihm; auf ihn) b herabkam. 11 Und eine Stimme kam (geschah) c aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude (Gefallen gefunden)!“ 12 Und gleich danach brachte (führte; trieb) der Geist ihn in die Wüste (Wildnis). 13 Und er war (lebte, verbrachte) vierzig Tage in der Wüste (Wildnis) und (während, wobei) wurde vom Satan auf die Probe gestellt (versucht), und er war (lebte) unter (mit) den Tieren, und die EngelEin Bote von Gott. dienten (versorgten, warteten auf) ihm. 14 {Aber} Nachdem Johannes verhaftet worden war, begab sich (kam) Jesus nach Galiläa und predigte (verkündete) das Evangelium Gottes d 15 und sagte {dass}: „Die Zeit ist eingetreten (gekommen, erfüllt) und Gottes Königsherrschaft (Königreich) ist nahegekommen. Kehrt um (tut Buße) und glaubt an das Evangelium!“ 16 Und während (als) er am Meer von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, die gerade Wurfnetze (ein Wurfnetz) ins Meer warfen. Sie waren nämlich Fischer. 17 Und Jesus sagte zu ihnen: „Kommt, [folgt] mir nach, dann werde ich euch [zu] Menschenfischern {werden} machen!“ 18 Und sofort ließen sie [ihre] Netze [liegen] und folgten ihm. 19 Und nachdem (als) er ein wenig weitergegangen war, sah er Jakobus, den [Sohn] von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Auch sie [saßen] im Boot [und] brachten [ihre] Netze in Ordnung (setzten instand, besserten aus, flickten), 20 und er rief sie umgehend (sofort). Und sie ließen ihren Vater mit den bezahlten Arbeitern im Boot zurück und gingen ihm nach. 21 Und (daraufhin) sie begaben sich nach Kafarnaum {hinein}. {Und} Dann , [am] SabbatDer siebte Tag. Für Juden: Der Feiertag., begann er in der Synagoge (begab er sich in die Synagoge und begann) e zu lehren. 22 Und sie waren tief beeindruckt von seiner Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten. 23 Und dann (plötzlich) war in der dortigen Synagoge ein Mann mit einem unreinen Geist, und er schrie: 24 {sagend} „Was willst du von uns, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, [um] uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!“ 25 Und Jesus wies ihn an (unterwarf ihn seiner Kontrolle) {sagend}: „Sei still (Schweig, Verstumme) und komm (verlass, fahre) aus ihm heraus!“ 26 Und nachdem (während) der unreine Geist ihn geschüttelt und [mit] lauter Stimme geschrien hatte, kam (verließ, fuhr) er aus ihm heraus. 27 Und alle waren so entgeistert (erstaunt, erschrocken), dass sie einander fragten {wobei sie sagten}: „Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht – sogar (selbst, und) den unreinen Geistern befiehlt er, und sie gehorchen ihm!“ 28 Und bald (rasch) verbreitete sich die Kunde von ihm (sein Ruf) überall in der ganzen Umgebung, [in ganz] Galiläa (im ganzen Umland von Galiläa). 29 Und dann verließen sie {aus} die Synagoge und gingen (begaben sich, kamen) zum (in das) Haus von Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. 30 Simons Schwiegermutter {aber} lag mit Fieber [im Bett], und sie erzählten (berichteten) ihm gleich von ihr. 31 Da (Und) ging er zu [ihr] und half ihr beim Aufstehen (richtete sie auf), indem er ihre Hand nahm (ergriff). Da (und) verließ das Fieber sie, und sie begann, sie zu bewirten (bedienen, dienen; bewirtete sie). 32 Als es Abend geworden (wurde) und die Sonne untergegangen war (unterging), brachte man alle Kranken (denen es schlecht ging) und [alle] Besessenen zu ihm, 33 und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt. 34 Und er heilte viele Kranke (denen es schlecht ging) von verschiedenen Krankheiten und trieb viele Dämonen aus, aber (und) die Dämonen ließ er nicht sprechen, weil sie ihn kannten. 35 Und früh morgens, [als es noch] ganz dunkel [war], stand er auf, ging hinaus (verließ [das Haus (die Stadt)]) und ging fort an einen abgeschiedenen Ort, wo er [eine Zeit lang] betete (und betete dort). 36 Und Simon und [jene], die bei ihm waren, spürten (eilten) ihm nach 37 und fanden ihn. {und} Sie teilten ihm mit (sagten) {dass}: „Alle fragen (suchen, forschen) nach dir!“ 38 {und} Er entgegnete (sagte) ihnen: „Gehen wir stattdessen (lasst uns gehen) anderswohin, in die benachbarten Ortschaften (Dörfer), damit ich auch dort predigen (verkündigen) [kann]. Zu diesem Zweck (Dazu) bin ich nämlich aus [der Stadt] gekommen (bin gekommen, ausgezogen).“ 39 Und er zog (kam; war) durch ganz Galiläa, predigte (verkündigte) in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus. 40 Und ein Aussätziger (Leprakranker) kam zu ihm, der ihn anflehte und auf die Knie fiel f , wobei er ihm zurief (sagte) {dass}: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen (heilen)!“ 41 Und [Jesus] hatte Mitleid (wurde zornig), g darum streckte er seine Hand aus, berührte [ihn] und sagte zu ihm: „Ich will, sei rein (gereinigt, geheilt)!“ 42 Und sofort verschwand (ging weg) der Aussatz (die Lepra) von ihm, und er wurde rein (gereinigt, geheilt). 43 Und er ermahnte ihn streng (fuhr ihn an, wies ihn zurecht; bedeutete ihm zu schweigen), schickte ihn ohne Umschweife (sofort) weg (warf ihn hinaus) 44 und sagte zu ihm: „Sieh, dass du niemandem etwas erzählst (sagst), sondern geh [und] zeige dich dem Priester und dann bringe für deine Reinigung (Heilung) [das Opfer] dar, das Mose vorgeschrieben (festgelegt) hat, als Beweis (Nachweis, Zeugnis, Beleg) [für (gegen)] sie!“ 45 Doch als (nachdem) der [Mann] hinausging, begann er eifrig (überall; viele Dinge) [davon] zu erzählen (predigen, verkündigen) und die Geschichte (Nachricht, das Wort) zu verbreiten, so dass [Jesus] nicht länger in der Lage war, offen (unerkannt, öffentlich, ohne Aufsehen) eine Stadt zu betreten, sondern sich außerhalb in unbewohnten (abgelegenen) Gegenden (Orten) aufhielt (blieb, war). Dennoch (doch, und) kamen [die Leute] weiter (begannen zu kommen) von überallher (aus allen Richtungen) zu ihm.

aJohannes der TäuferJohannes tauft die Leute. Darum nennt man Johannes so. und Johannes, der in der Wüste taufte TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Es gibt hier vier relevante Lesarten: Nestle-Aland 28 entscheidet sich mit א, L, Δ und der bohairischen Tradition für βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων. B, 33 und einige bohairische Manuskripte bezeugen βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ κηρύσσων. Meist byzantinische Zeugen (A K P W Γ f1.13 565. 579. 1241. 1424. 2563. l 844) sowie die syrische Übersetzung von Thomas von Heraklea und die sahidische Übersetzung enthalten βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων. Einige westliche Handschriften weisen schließlich die glättende Variante ἐν τῇ ἐρήμῳ βαπτίζων καὶ κηρύσσων auf. Die Varianten sind offensichtlich aus Unsicherheit darüber entstanden, wie das Partizip βαπτίζων zu verstehen sei. Mit Artikel ὁ wäre das Ptz. attributiv und ein relativ ungeläufiger Titel „der TäuferJohannes tauft die Leute. Darum nennt man Johannes so.“ (Johannes wird häufiger ὁ βαπτιστής genannt) (2. Lesart). Ohne Artikel wäre es eine adverbiale Näherbestimmung von Johannes' Aktivität und dann modal zu übersetzen, also mit „wobei“, „und“ oder als Relativsatz (3. Lesart).

Die 1. Lesart könnte ursprünglich sein, weil aus ihr die beiden anderen hervorgegangen sein könnten. καὶ stellt darin mit dem Artikel auch das folgende Partizip κηρύσσων als attributiv dar (Übersetzung: „der taufte und predigte“), was wenig elegant formuliert ist. Der Leser würde zunächst vermuten, dass ὁ βαπτίζων den festen Beinamen „der TäuferJohannes tauft die Leute. Darum nennt man Johannes so.“ bedeutet, anstatt seine taufende Tätigkeit zu beschreiben (so Willker z. St.).
Aus internen Erwägungen bietet sich jedoch eher Variante 2 an. Erstens liegt der Fokus hier auf Johannes' Verkündigung, nicht auf seiner Tauftätigkeit (Pesch 1976Pesch, Rudolf: Das Markusevangelium. I. Teil: Einleitung und Kommentar zu Kap. 1,1-8,26. Freiburg/Basel/Wien, 1976., 74). Zweitens wäre es guter Stil, Johannes bei seiner ersten direkten Erwähnung mit seinem vollen Namen vorzustellen – ähnlich tut es Markus in V. 9 mit „Jesus aus Nazaret in Galiläa“. Auch später benutzt er zur Klarstellung „Johannes der TäuferJohannes tauft die Leute. Darum nennt man Johannes so.“, wenn er die Figur erneut in die Handlung einführt (6,14; 8,28). Das Weglassen des Artikels sowie die Ergänzung von „und“ zeigen dann, dass Abschreiber den Titel ὁ βαπτίζων nicht kannten und den vermeintlich fehlerhaften Text korrigieren wollten (so Pesch; France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 60f.64f.; Guelich 1989Guelich, Robert A.: Mark 1–8:26. =WBC, Dallas, 1989., 16 und SBLGNT).

Lesart 3 hat zahlenmäßig externes Gewicht und findet sich nicht nur in byzanzinischen, sondern mit 1241 auch in einer „alexandrinischen“ sowie mehreren Handschriften, die zum hypothetischen cäsaräischen Texttyp gehören. Metzger 1994Metzger, Bruce M.: A Textual Commentary On the Greek New Testament. Stuttgart, 2 1994., 62 und Collins 2007Collins, Adela Yarbro: Mark. A Commentary. =Hermeneia, Minneapolis, 2007., 133 halten sie für ursprünglich. Mit der Einfügung des Artikels hätte ein Abschreiber aus Ἰωάννης βαπτίζων den vollen Namen „Johannes der TäuferJohannes tauft die Leute. Darum nennt man Johannes so.“ machen wollen. Obwohl Markus diese Version des Titels auch in 6,14 und 6,24 benutzt, fehlt in dieser Variante ein echtes Motiv, den unmissverständlich von einem taufenden und predigenden Johannes sprechenden Text der Lesart 3 zu korrigieren (France). Hatte der Abschreiber unbewusst die Parallelstelle Mt 3,1 im Ohr? Dort wird jedoch ähnlich formuliert, aber gerade wieder der andere Johannestitel verwendet! Das führt uns schließlich wieder zu Lesart 2 zurück, die zwar nicht häufig bezeugt ist, aber die Indizien am besten erklärt und auch unter den herangezogenen Forschern die meisten Fürsprecher hat. (Zurück zu v.4)
bin ihn (zu ihm; auf ihn) Die korrekte Übersetzung hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst handelt es sich um eine textkritische Frage. Weiter ist zu klären, wie (und vor welchem kulturellen Hintergrund) man sich das Herabkommen des Geistes in Taubengestalt vorstellen sollte. Zur TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Alle modernen Textkritiker und die herangezogenen Kommentatoren halten die Lesart εἰς αὐτόν „zu ihm/in ihn hinein“ für ursprünglich, obwohl sie nur von B, 33 und der Handschriftenfamilie 13 bekannt ist. Die Alternative ἐπʼ αὐτόν „auf ihn“ ist zwar viel breiter bezeugt, aber fast sicher eine (bewusste oder unbewusste) Angleichung an die sehr ähnlich formulierten Parallelberichte in den anderen Evangelien (Mt 3,16; Lk 3,22; Joh 1,32) oder Jes 42,1/61,1 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.. Im Gegenzug bietet sich keine unmittelbare Erklärung für die Änderung zu εἰς αὐτόν an, sollte ἐπʼ αὐτόν ursprünglich sein. Das etwas wackelige Fundament der externen Bezeugung ist aber stabiler, als es zunächst scheint, weil B, 33 und f13 nicht miteinander verwandt sind und die Lesart also unabhängig voneinander bezeugen.

Die Frage ist nun, ob εἰς αὐτόν signalisieren soll, dass der Geist in Jesus hineinfuhr oder nur zu ihm kam. Einige Exegeten meinen, εἰς signalisiere lediglich eine Bewegung „zu“ Jesus, nicht „in ihn hinein“ (Lohmeyer 1951Lohmeyer, Ernst: Das Evangelium des Markus. Göttingen, 11 1951. online unter: https://goo.gl/ez2WGh, 21; Mann 1986, 20). France warnt davor, εἰς zu wörtlich als „in (hinein)“ zu verstehen: „The apparent absurdity of the imagery whereby Jesus sees a bird descending into himself forms a more persuasive argument for taking εἰς here in the wider sense as roughly equivalent to ἐπί.“ Das passe zu Markus' Stil, der εἰς häufig freier benutzt als üblich (France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 78). Auch Pesch sieht an dieser Stelle keinen Gebrauchsunterschied zwischen εἰς „zu/in“ und ἐπʼ, „auf“ (Pesch 1976Pesch, Rudolf: Das Markusevangelium. I. Teil: Einleitung und Kommentar zu Kap. 1,1-8,26. Freiburg/Basel/Wien, 1976., 91f.). Dixon 2009, 771f. belegt jedoch, dass die Bedeutung „auf“ oder „zu“ für Markus und das ganze NT unüblich wäre (weshalb in in unserem Text vor der Klammer steht).

Dixon stellt weiter deutliche Parallelen vom Vergleich des Geists mit einer Taube zur damals weithin bekannten Ilias Homers (bspw. an der Stelle 15.237–38) und anderen griechischen Göttersagen her. Darin reisen Götter in der Gestalt von Vögeln (auch vom Olymp herab) und nehmen auch menschliche Gestalt an. Er schlägt vor, dass in griechischer Literatur gebildete Leser in Jesus gerade in dieser Szene deutliche Parallelen gesehen und Jesus als Gott in menschlicher Gestalt verstanden hätten (vgl. Collins 2007Collins, Adela Yarbro: Mark. A Commentary. =Hermeneia, Minneapolis, 2007., 149). (Zurück zu v.10)
cTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Es gibt etliche Varianten mit unterschiedlichen Prädikaten: Θ, 28, 565 u.e.a. bezeugen ἠκούσθη „hörte“. 01*, D, ff² und ein halbes Dutzend weiterer Zeugen kennen kein Prädikat (wie Mk 1,3). Alle anderen wichtigen alexandrinischen und byzantinischen Zeugen überliefern ἐγένετο. Einzelne Handschriften kennen auch ἰδού vor Stimme, jeweils kombiniert mit einer der anderen Varianten (vgl. Mt 3,17). (Hier ein Überblick über die Bezeugung.) Es liegt nahe, dass alle Varianten als Korrekturen auf das Fehlen des Prädikats zurückzuführen sind, weshalb einzelne Ausleger die prädikatlose Lesart für die beste halten (so Güting 2005, 64). Allerdings ist ἐγένετο aber so gut verbreitet, dass eine andere Lösung vorzuziehen ist. Es ist einigermaßen vorstellbar, dass ἐγένετο in einem Teil der Überlieferung früh verlorenging (durch einen Abschreibfehler, eine Textverderbnis oder eine unbewusste Anpassung an eine ähnliche Formulierung) und der Text dann so verbreitet wurde. Die Alternativlesarten entstanden, um den Text auszubessern (so Greeven 2005, 63; Willker 2013, 24; Metzger 1994Metzger, Bruce M.: A Textual Commentary On the Greek New Testament. Stuttgart, 2 1994., 63; Collins 2007Collins, Adela Yarbro: Mark. A Commentary. =Hermeneia, Minneapolis, 2007., 134). (Zurück zu v.11)
dEvangelium Gottes Wie in Mk 1,1 (s. die Fußnote dort) ist hier nicht klar zu trennen, ob das Evangelium von Gott initiiert ist oder von Gott handelt. Da der Kontext keine Hinweis zum Verständnis gibt, sind beide Möglichkeiten nicht auszuschließen (vgl. France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 91).
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Byzantinische und westliche Zeugen erweitern εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ Evangelium Gottes zu εὐαγγέλιον τῆς βασιλείας τοῦ θεοῦ „Evangelium von der Gottesherrschaft/vom Gottesreich“ (u.a. A D K W Γ Δ pm lat syp). Die kürzere Lesart ist jedoch vortrefflich bezeugt und viel ungewöhnlicher als die längere Formulierung, die an das „Evangelium der Herrschaft/des Reichs“ (εὐαγγέλιον τῆς βασιλείας) aus dem Matthäusevangelium erinnert. Die Variante ist wohl unter dem Einfluss des nächsten Verses oder auch von Mt 4,23; 9,35 zustande gekommen. Für eine Auslassung gibt es dagegen keine gute Erklärung (France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 89; Willker 2013, 29). (Zurück zu v.14)
ebegann er in der Synagoge (begab er sich in die Synagoge und begann) zu lehren An dieser Stelle weicht die Übersetzung vom anerkannten griechischen Text NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012. ab. Der folgt einigen Handschriften, die wie in der Klammer zusätzlich „begab er sich ... und“ enthalten.

TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012. liest zusammen mit den meisten Zeugen (einschließlich B, A und Mehrheitstext) εἰσελθὼν εἰς τὴν συναγωγὴν ἐδίδασκεν (die Übersetzung in der Klammer). SBLGNT liest dagegen ἐδίδασκεν εἰς τὴν συναγωγήν wie 01 C L Δ f13, einige syrische und koptische Handschriften sowie Origenes, was der hier gewählten Übersetzung entspricht. Einige weitere geringe Abweichungen in anderen Handschriften deuten daraufhin, dass manche Schreiber die Anordnung der beiden Verben als Problem empfanden und korrigierten. So liest bspw. C ἐδίδασκεν noch vor „am SabbatDer siebte Tag. Für Juden: Der Feiertag.“ (und ohne εἰσελθὼν), während 33 εἰσελθὼν ἐδίδασκεν εἰς τὴν συναγωγὴν bezeugt. Nur die zweite Lesart kann den Text von C erklären. Gleichzeitig passt sie gut zu Markus' Stil. In dieser Variante wird εἰς nämlich wie ἐν gebraucht, was uns in Markus schon mehrmals begegnet ist (vgl. die Fußnote in V. 16, aber auch εἰς τὸν Ἰορδάνην „im Jordan“ in V. 9). Dabei haben wir uns offenbar dazuzudenken, dass Jesus die Synagoge auch betrat; vgl. die ähnlichen Konstruktionen in Mk 10,10; 13,9 (France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 101).

Wenn diese holprige Variante ursprünglich ist, dann hat man die im Laufe der Überlieferung verbessern wollen. Neben der geänderten Wortstellung kam εἰσελθὼν hinzu, damit Jesus zunächst „in die Synagoge hinein“ gehen konnte, anstatt quasi „in die Synagoge“ zu lehren. Als attizierende, stilistisch glättere Lesart wäre die von NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012. vorgezogene Variante sekundär (so Willker 2013, 32f.; Collins 2007Collins, Adela Yarbro: Mark. A Commentary. =Hermeneia, Minneapolis, 2007., 161; France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 99; Greeven (Güting 2005, 78ff.)). (Zurück zu v.21)
fTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: In einigen Handschriften (B, D u.a.) fehlt καὶ γονυπετῶν (καὶ) und auf die Knie fiel (und). (Dabei liest NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012. das eingeklammerte „und“, SBLGNT nicht.) Der byzantinische Text liefert die etwas längere Lesart καὶ γονυπετῶν αὐτὸν καὶ. Aus der längeren Variante (entweder von 01 oder von byz) könnten die kürzeren durch einen Auslasser wg. Homoioteleuton entstanden sein. "Anflehen und auf die Knie fallen" ist eine ziemlich redundante Formulierung, wäre aber typisch für Markus. Wenn die Berichte in Matthäus, Markus und Lukas auf einheitlichen Informationen beruhen, dann ist die längere Variante wahrscheinlich ursprünglich – es kommt auch keine spätere Angleichung in Frage, weil die Evangelisten unterschiedlich formulieren. Diese Übersetzung folgt SBLGNT, Greeven/Güting 2005, 114ff. und Willker 2013, 50ff., indem sie das zweite καὶ als sekundär versteht. (Zurück zu v.40)
ghatte Mitleid (wurde zornig) Die beiden möglichen Übersetzungen sind auf eine sehr schwierige Variante in der Überlieferung unserer Stelle zurückzuführen. Die Variante wurde zornig ist zwar nur aus einzelnen antiken Handschriften bekannt, wäre aber rein logisch als unwahrscheinlichere Variante vorzuziehen (s.u.). Der Grund für Jesu Zorn wäre dabei schwer auszumachen. Vermutlich richtet sich der Zorn nicht gegen den Aussätzigen (sonst würde Jesus anders reagieren), sondern am ehesten gegen seine Erkrankung, die die Gefallenheit der Welt und das Wirken des Bösen in ihr vor Augen führt (ebd. 117; Guelich 1989Guelich, Robert A.: Mark 1–8:26. =WBC, Dallas, 1989., 74). Eine ähnliche Erklärung bietet sich bspw. bei Mk 7,34 oder Joh 11,33 an.
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: In einigen wenigen Handschriften (D a ff2 r1, auch SBLGNT) steht nicht σπλαγχνισθεὶς hatte Mitleid (so NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012.), sondern ὀργισθείς „wurde zornig“. Diese Lesart ist zwar äußerst schwach bezeugt, aber schwieriger, und recht plausibel. Sie passt zu Jesu emotionaler Reaktion in V. 43 ebenso wie zu ähnlichen Reaktionen Jesu an anderer Stelle (Mk 3,5; 7,34; 10,14; Joh 9,19.23; 11,33.38). Die verbreitetere Lesart könnte zwar Ergebnis einer Abmilderung sein, doch an anderen Stellen nahmen die Abschreiber offensichtlich keinen Anstoß, wenn Jesus wütend wurde. Allerdings könnte die Änderung hier darauf zurückzuführen sein, dass eine Zornesäußerung schwer in die Geschichte passt. Mt 8,3 und Lk 5,13 beschreiben die Heilung mit beinahe identischen Worten, doch ganz ohne das fragliche Partizip. Dass die beiden anderen Evangelien Jesu Gefühlsregung ganz weglassen, könnte ebenfalls dafür sprechen, dass das unerklärliche „wurde zornig“ in ihrer Tradition enthalten war, sie es aber wegließen. So sprechen die internen Kriterien ganz für diese Lesart. Viele Ausleger akzeptieren sie daher als die schwierigere Lesart (Guelich 1989Guelich, Robert A.: Mark 1–8:26. =WBC, Dallas, 1989., 72; France 2002France, Richard T.: The Gospel of Mark: A Commentary on the Greek Text. =NIGTC, Grand Rapids, 2002., 116; Güting 2005, 119-22). Andererseits ist die Lesart zwar alt, aber auch hauptsächlich von Zeugen des westlichen Texttyps bekannt, der als etwas zweifelhaft gilt. Sie könnte darüber hinaus auch als Angleichung an V. 43 entstanden sein. Wir behalten darum wie NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012. zunächst das deutlich besser überlieferte hatte Mitleid (vgl. Metzger 1994Metzger, Bruce M.: A Textual Commentary On the Greek New Testament. Stuttgart, 2 1994., 65; so die allermeisten Übersetzungen außer NIVNew International Version). (Zurück zu v.41)