Jesaja 53

Aus Die Offene Bibel

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Lesefassung (Jesaja 53)

1 Wer hat Glauben geschenkt
Dem, was wir gehört haben?
Die Macht ⸂unseres Gottes⸃
Wem ist sie enthüllt?

2 So wie ein junger Spross
So trieb er aus vor ihm
So wie eine Wurzel aus trockenem Land –

Denn er hatte
Keine Gestalt
Keine Schönheit
Dass wir ihn angesehen hätten
Kein Aussehen
Dass er uns gefallen hätte:

3 Ein Verachteter
Von den Leuten verlassen
Ein Mann von Schmerzen
Mit der Krankheit vertraut
So wie jemand
Vor dem man sein Gesicht
Verhüllt.
Ein Verachteter.
Geringgeschätzt
Haben wir ihn.

4 Es ist wahr:
Unsere Krankheiten
Hat er
Uns
Abgenommen
Unsere Schmerzen
Hat er
Getragen.

Wir –
Wir hielten ihn für
Geschlagen, für
Von Gott getroffen und
Gedemütigt.

5 Er –
Er ist durchbohrt
Wegen unseres
Unrechts
Zerstört
Wegen unserer
Vergehen.

Damit
Wir wieder ins Lot
Zurück kommen
War unsere Züchtigung
Auf ihm,
Bei seinen Wunden
War Heilung für uns.

6 Wir alle –
Wie Vieh
Irrten wir umher
Jeder ging
Seinen eigenen
Weg.

⸂Gott⸃ lässt
Ihn
Unser aller Sünden
Treffen.

7 Er wurde misshandelt, er –
Er ließ sich demütigen
Und er öffnete seinen Mund nicht
Wie das Schaf
Wenn es zum Schlachten gebracht wird
Verstummt
Wie das Mutterschaf
Vor seinen Scherern
Verstummt
Und er öffnete seinen Mund nicht.

8 Durch Bedrängnis
Durch Verurteilung
Weggenommen
Wurde er –
Wen kümmert es
Von seinen Zeitgenossen
Dass er abgeschnitten
Wurde
Vom Land der Lebenden?

Des Unrechts meines Volkes wegen wurde er
Geschlagen
9 Dann errichtete man sein Grab
Bei Frevlern
Bei einem Reichen
Als er starb –
Wo er doch keine Gewalttat verübt hatte
Und kein Betrug in seinem Mund war.

10 ⸂Unser Gott⸃ wollte seine Zerstörung
Er ließ ihn krank werden
Ach, wenn
Er selbst ein Schuldopfer
Gestellt
So sieht er Nachkommen
Und ein langes Leben,
Doch was
⸂Unser Gott⸃ will, gelingt
Durch seine Hand.

11 Aus seines Lebens Elend
Sieht er
Und wird satt
In seinem Begreifen
Er macht gerecht
Gerecht
Für die vielen
Mein Diener –
Und ihre Vergehen:
Er
Trägt sie.

12 Deshalb teile ich ihm zu
Bei den Vielen
Und mit Mächtigen
Teilt er Beute,
Weil er sich selbst
Ausgeliefert hat
Dem Tod,
Und weil er gezählt wurde
Zu den Untreuen.

Er –
Den Vielen
Hat er abgenommen
Ihre Verfehlung,
Und die Untreuen:
Er tritt für sie ein.

Anmerkungen

Studienfassung (Jesaja 53)

1„Wer hat geglaubt (glaubt, hätte geglaubt, hat vertraut auf) die Kunde (das Gehörte, Offenbarte, Verkündigte)a an uns (von uns)b,
und JHWHs Macht (Arm) - {an} wem (an wem) ist (wurde) sie enthüllt (offenbar)?
2 Er wuchs wie ein junger Spross vor ihm (vor seinen Augen, vor unseren Augen, trieb empor)c,
wie ein Schössling (eine Wurzel)d aus trockenem (dürrem) Land (Boden).
Er hatte ([Drum] hatte er; [Denn] er hatte) keine Gestalt und keine Schönheit (keinen Schmuck),e dass wir ihn [gerne] angesehen (genossen) hätten (ansehen hätten können),
und kein Aussehen, dass er uns gefallen hätte (hätte können):
3 [Er ist (war)] verachtet (ein Verachteter) und von dem Menschen (Männern)f verlassen (fernbleibend/missachtet, ein von den Menschen Verlassener/Fernbleibender/Missachteter),
ein Mensch (Mann)f von Schmerzen (Leiden) und mit der Krankheit (dem Übel, dem Leiden) Vertrauter(von Krankheit Gedemütigter, mit Krankheit Gestrafter),g
wie jemand, vor dem man das Gesicht verhüllt.h
Er war [ist] ein Verachteteri. Wir haben ihn nicht geschätzt (geachtet).
4 Es ist wahr (sicherlich, jedoch, dennoch): Unsere Krankheiten – er hat sie getragen (unter unseren Krankheiten hat er gelitten, unsere Krankheiten hat er auf sich geladen);
unsere Schmerzen (Leiden) – er hat sie gestemmt (ertragen, erduldet).j
Wir hielten ihn für geschlagen,
für von Gott getroffen und gedemütigt (geplagt).
5Er ist verwundet (durchbohrt)k wegen (durch, in Folge) unseres Unrechts (Sünde, abtrünnigen Verhaltens),
zerstört (verletzt, zerrüttet)l wegen (durch, in Folge) unserer Vergehen (Schuld).
Für unser Wohlergehen (Frieden, Heil) traf ihn unsere Züchtigung,m
durch seine (bei seinen) Wunden gab es Heilung für unsn.
6 Wir alleo hatten uns verlaufen wie Schafe (Vieh),
jeder ging seinen eigenen Weg (in seine Richtung, in eine andere Richtung)p.
Doch (und darum) JHWH lässt ihn treffen (bürdet ihm auf, bekämpft ihn mit)q unserer aller Sünden (was wir alle verschuldet haben).
7 Er wurde getrieben (misshandelt) und er war gedemütigt (wurde gedemütigt, ließ sich demütigen, wurde geplagt, erniedrigte sich),
und er öffnete seinen Mund nicht –
wie das Schaf (Lamm) zum Schlachten gebracht wird,
und wie ein Mutterschaf (Schaf) vorr seinen Scherern verstummt.
Und er öffnete seinen Mund nicht.s
8 Ohne [ordnungsgemäße] Verhaftung (Bedrängnis) und Verurteilung wurde er weggennommen (nach/durch Haft und Urteil wurde er fortgerafft; aus Bedrängnis und Verbrechen wurde er herausgeholt; aus dem Gefängnis und dem Gericht wurde er fortgeführt).t
Wer kümmert sich um seine Generation (wer denkt an sein Schicksal; bei seinen Zeitgenossen – wen kümmert es)u?
Ach (dass er, denn) abgeschnitten (weggerrissen) wurde er vom Land der Lebenden.
Wegen des Unrechts meines (seines)v Volkes wurde er geschlagen (erschlagen, verprügelt)w.
9 Dann gab manx ihm bei Frevlerny sein Grab
und (doch) bei einem Reichenz nach seinem Todaa,
obwohl (weil)ab er keine Gewalttat verübt hatte
und kein Betrug in seinem Mund war.
10 Dennoch wollte JHWH seine Zerstörung, er ließ ihn leiden (krank werden).“

[Doch auch] wenn (weil, obwohl) duac sein Leben als (er sein Leben als; er sich sich selbst als; er selbst eine; seine Seele eine) Schuldtilgung (Schuldopfer) einsetzt (eingesetzt hast/hättest),
wird (würde) er Nachkommen sehen, wird (würde) er lange leben.
Und (aber) was JHWH will, gelingt durch seine Hand (durch ihn)ad.
11 Aus dem Elend (mehr als das Elend / die Mühe / das Leid; wegen des Elends; nach dem [Ende des] Elends) seines Lebens (seiner selbst, seiner Seele, seines innersten Elends) sieht er ([Licht])ae,
und satt (befriedigt) werden an seiner Erkenntnis (seinem Wissen).
Der Gerechte (Rechtschaffene, im Recht), mein Getreuer,af macht die Vielen gerecht (erklärt die Vielen für gerecht, gibt den Vielen recht)
– und ihre Vergehen (Schuld, Schuldfolge): Er trägt sie.
12 Deshalb (Ich verspreche)ag teile ich ihm ([Beute]ah) zu unter den Vielen (gemeinsam mit Starken; ich teile ihm die Vielen/Starken [als Beute] zu; ich werde ihm … zuteilen)
und mit Mächtigen (Zahlreichen) teilt er Beute (die Zahlreichen / Mächtigen teilt er als Beute; wird er … teilen),ai
dafür, dass (weil) er sein Leben in den Tod geleert (ausgegossen) hataj
und zu den Untreuen (Sündern, Abtrünnigen) gezählt wurde (sich zählte, sich zählen lassen hat).
Er, er hat den Vielen ihre Verfehlung abgenommen (auf sich genommen),
und für die Untreuen (Sünder, Abtrünnigen) ließ (lässt) er sich treffen (ließ/lässt er sich aufbürden; kämpft er; bittet er dringlich)ak

Anmerkungen

Jes 52,13–53,12 ist ein extrem verdichteter, poetischer Text. Er ist geprägt von starken Sprachbildern, deren genaue Deutung häufig unklar bleibt.al Eine zentrale Rolle im Text spielt der Getreue Gottes (ebed jhwh, oft als „Gottesknecht“ übersetzt). Das hebräische Wort Ebed kann sowohl Sklaven bezeichnen als auch hochgestellte Persönlichkeiten (etwas im Dienst eines Königs) und Propheten (Gottesdiener).am

Trotz aller Schwierigkeiten bei der Deutung der einzelnen Verse lässt sich auf eine Gesamt-Aussage des Textes schließen. Die Schilderung des unschuldig leidenden Getreuen ist geprägt durch einen neuen Blick auf das Leiden. Erlittenes Leid wird nicht etwa als verdiente Gottesstrafe interpretiert (Tun-Ergehen-Zusammenhangan), sondern als Rettung gedeutet.

Von dem Getreuen Gottes wird erzählt, welches Leid er in der Vergangenheit erfahren hat: Verachtung, Einsamkeit, Schmerz, Krankheit (53,3) und Tod (53,9). Dieses Leid wurde von anderen („wir“) als Gottes Strafe missverstanden (53,4). In Wirklichkeit aber ist er unschuldig gewesen (53,9). Das Leiden des Getreuen ist zwar eine „Schuldtilgung“ (53,10), aber nicht für seine eigene Schuld, sondern für „unserer aller Sünden“ (53,6). Gottes Getreuer stellt die Gerechtigkeit wieder her und bewirkt Rettung und „Heilung für uns“ (53,5). Gott selbst initiiert diesen „Rollentausch“: „Gott also ist derjenige, der den Vertretenen in dieser Weise aus einer Situation heraushilft, aus der sie mit eigener Kraft nicht herausfinden.“ao

Für die Zukunft wird dem Getreuen großer Erfolg (52,13) angekündigt, konkret z.B. ein langes Leben (53,10), Weisheit (53,11) und Reichtum „unter den Vielen“ (53,12). Der einsame Getreue Gottes, von den übrigen Menschen verachtet – das war die Vergangenheit. Die Zukunft dagegen besteht aus sichtbarem Erfolg und Einsicht bei „vielen Völkern“ (52,15). Jesaja 54,17 erweitert die Zusage des Wohlergehens auf eine Gruppe mehrerer Getreuer Gottes (Plural). Jesaja 55,4–7 schließlich erzählt davon, wie sich ganze „Völker“ zu Gott rufen lassen.ap

Die inhaltliche Anfrage, wie ein Verstorbener (V. 9.12) dennoch in Zukunft ein langes Leben haben kann, wird durch diesen poetischen Text nicht erklärt.

Es gibt zahlreiche Thesen zur Person dieses Dieners/Getreuen. Im Neuen Testament werden Jes 52,13–53,12 auf Jesus Christus bezogen. Andere Deutungen sind: das jüdische Volk; die kleine Gruppe der Frommen inmitten der Unfrommen; ein uns unbekannter, konkreter, einzelner Mensch; der Messias; Jeremia; Mose.aq Für die Interpretation des Textes ist die Festlegung auf eine bestimmte Identität aber nicht notwendig.ar

An vielen Stellen ist der Text grammatikalisch mehrdeutig. Hinzu kommen Fälle von Textverderbnis und von Wörtern mit unbekannter Bedeutung. Diese Deutungs- und Übersetzungsschwierigkeiten verbinden sich mit der großen poetischen Sprachkraft zu einem sperrigen, aber spannenden Text.

adie Kunde (das Gehörte, Offenbarte, Verkündigte) - wg. dem folgenden Sticho („Wem ist JHWHs Macht enthüllt“ -> JHWHs Tun wird gerade als verborgen vorgestellt) sind die „theologischeren“ Alternativen „Offenbartes“ und „Verkündigtes“ eher unwahrscheinlich; vgl. Kaiser 1959, S. 95; KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 1439. (Zurück zu v.1)
bDie Identität des „wir“ in Vers 1–6 ist unklar. Zwei mögliche Deutungen sind Identifizierungen mit dem Volk Israel oder mit benachbarten Völkern. (Vgl. Berlin/Brettler 2005Berlin, Adele/Marc Zvi Brettler: The Jewish Study Bible. Oxford, 2005., S. 891.) Siehe auch die Fußnote zu „Diener“ in Jes52,13. (Zurück zu v.1)
cvor ihm - BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia vermutet einen Überlieferungsfehler und hält לְפָנֵינוּ vor uns, vor unseren Augen für urspünglich. So z.B. auch Barré 2000Barré, Michael L.: Observations on the Last Servant Song, in: CBQ 62, 2000. S. 1-27., S. 25; Kaiser 1959, S. 86. Anders Allen 1971Allen, L.C.: Isaiah LIII 2 Again, in: VT 21, 1971. S. 490.; Driver 1968bDriver, G. R.: Linguistic and Textual Problems: Isaiah I-XXXIX, in: JSS 13/1, 1968. S. 36-57.; Ehrlich 1912; Gordon 1970Gordon, R. P.: Isa LII 2, in: VT 20 1970. S. 491f.; North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964., die übersetzen mit „gerade(wegs) nach oben“ („right up“): vor sich bezieht sich ihnen zufolge auf den Wachsenden selbst, vor sich selbst hinaufziehen soll dann meinen: „emporschießen, emporwachsen“. Diese Deutung ist plausibel; da aber die wörtliche Übersetzung mit „vor ihm“ immer noch weitaus mehr Anhänger hat, haben auch wir diese Lösung gewählt. (Zurück zu v.2)
d„Schössling“ nach Baltzer 1999Baltzer, Klaus: Deutero-Jesaja. Gütersloh, 1999.; Blenkinsopp 2002Blenkinsopp, Joseph: Isaiah 40-55. A New Translation with Introduction and Commentary. New York, 2002.; Edel 1964Edel, Reiner-Friedeman: Hebräisch-Deutsche Präparation zu Jesaja. Marburg, 1964.; Niccacci 2005Niccacci, Alviero: Quarto carme del Servo del Signore. Composizione, dinamiche e prospettive, in: LA 55, 2005. S. 9-26. online unter: http://goo.gl/AvbSnr; vgl. auch ZLHZorell, Franciscus S.J.: Lexicon Hebraicum et Aramaicum Veteris Testamenti. Rom, 1968., S. 882 ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle.. (Zurück zu v.2)
ekeine Gestalt und keine Schönheit - Hendiadyoin. Das Hendiadyoin (=Ausdruck eines Konzeptes durch zwei durch „und“ verbundene Wörter) ist im (adjektiv-armen) Hebräisch sehr viel häufiger als im Deutschen und fungiert oft ähnlich der deutschen Konstruktion [Adjektiv-Substantiv] oder dem deutsche Wortbildungsmodell „Komposition“ (=Wortzusammensetzung, z.B. „Gast“ + „Arbeiter“ = „Gastarbeiter)“; sinngemäß daher statt „Gestalt und Schönheit“: „schöne Gestalt“. (Zurück zu v.2)
fGenerisches Maskulinum (zu v.3)
gIn der wissenschaftlichen Literatur werden verschiedene sprachliche Deutungen des hebräischen Textes diskutiert (vgl. CDCHClines, David J.A.: The Concise Dictionary of Classical Hebrew. Sheffield. 147). Neben der von uns gewählten Übersetzung werden auch ידע II (demütigen) und ידע IV (strafen) vorgeschlagen. Beides ist aber nicht allgemein anerkannt. (Zurück zu v.3)
hW. Und [er war] wie ein Verbergen der Gesichter (des Gesichts) vor ihm (uns). Wer Subjekt des Gesicht-Verbergens ist und ob er sein Gesicht vor „ihm“=dem Gottesknecht oder dem nicht identifizierten „uns“ verbirgt, ist im heb. Text nicht ausgedrückt. Möglich wären die Deutungen: (a) Impersonal: Man verbirgt sein Gesicht vor ihm; (b) Wir verbergen unsere Gesichter vor ihm; (c) Gott verbirgt sein Gesicht vor ihm; (d) Er verbirg sein Gesicht vor uns.
Rein sprachlich betrachtet am naheliegendsten - da dann das Fehlen eines expliziten Subjekts keiner ad-hoc-Erklärung bedarf - ist (a). Dass aber die Rede vom „Verbergen des Gesichtes“ in der Bibel ein häufiges Idiom für den „Gnaden-Entzug JHWHs“ ist (JHWH verbirgt sein Gesicht vor X = JHWH schaut X nicht mehr gnädig an; vgl. Friedman 1977, bes. 146f; s. auch FN u zu Ps 30,8), spricht für (c). Der Gottesknecht ist die „konzentrierte Gesichtsverbergung“; er wirkt wie der Inbegriff dessen, was das Gesichts-verbergen JHWHs mit sich bringt - nämlich Schmerzen, Krankheit, Missachtung und Geringschätzung.

Die meisten Übersetzungen und Kommentare übersetzen so wie wir. (Ausnahmen: JPSJewish Publication Society Old Testament 1985/1999 übersetzt: „As one who hid his face from us“ und Buber: „wie wenn das Antlitz sich vor uns verbergen muß“.)
Möglicherweise liegt hier eine Anspielung auf Aussatz vor. (Vgl. Berlin/Brettler 2005Berlin, Adele/Marc Zvi Brettler: The Jewish Study Bible. Oxford, 2005., S. 891; Lev 13,45ff.)

(Zurück zu v.3)
iTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: eine Handschrift: „und wir haben ihn ausgeplündert“ (Zurück zu v.3)
jIn V. 4a-c finden sich einige sprachliche Auffälligkeiten. (1) Die Objekte unsere Krankheiten und unsere Leiden sind hier emphatisch (->EmphaseStilmittel: Besondere Hervorhebung eines Wortes durch verschiedene sprachl. Mittel. Manchmal soll durch diese Hervorhebung signalisiert werden, dass das Wort hier auf eine bestimmte Weise zu verstehen ist, z.B. in „Nicht alle Soldaten sind Männer, aber alle Soldaten sind MÄNNER“ soll durch die Intonation signalisiert werden, dass das zweite „Männer“ nicht wortwörtlich, sondern metaphorisch i.S.v. „mannhaft, tapfer“ verstanden werden soll. Meist dient die Emphase aber nur der Verstärkung eines Teils der Äußerung oder der ganzen Äußerung, z.B. in „Du bist wun-der-schön“ soll „wun-der-schön“ stärker sein als „wunderschön“, oder „Geh jetzt endlich HEIM“ soll insgesamt stärker sein als „Geh jetzt endlich heim“.) vorangestellt; (2) Sticho a steht ein redundantes Pronomen er, das so eigentlich schon in der Flexionsendung von er hat getragen enthalten wäre; streng wörtlich also: „Jedoch unsere Krankheiten: Er, er hat sie getragen“. (3) Ähnlich ist in Sticho b das unsere Leiden überflüssigerweise noch einmal enthalten in er hat sie ertragen - streng wörtlich also „unsere Leiden, sie hat er ertragen“ - und (4) wird in Sticho c das wir ebenfalls durch ein redundantes Pronomen ausgedrückt; streng wörtlich also: „und wir, wir hielten ihn...“.
Durch diese doppelte Hervorhebung von „unsere Krankheiten“ und „unsere Leiden“ und die Betonung von „er“, „sie“ und „wir“ wird sprachlich eine doppelte Gegensätzlichkeit markiert: (a) Die Tatsache, dass er nicht etwa seine, sondern unsere Leiden trug und (b) dass er sie selbst auf sich geladen hat, während wir dachten, er sei mit ihnen von Gott gestraft worden.
Daher am sinngemäßesten etwas wie: „Dabei waren es unsere Krankheiten, die er auf sich geladen hat - unsere Leiden hat er erduldet! - während wir dachten, er sei von Gott geschlagen“ (vgl. ähnlich Edel 1964Edel, Reiner-Friedeman: Hebräisch-Deutsche Präparation zu Jesaja. Marburg, 1964., S. 128; Joachimsen 2011Joachimsen, Kristin: Identities in Trasition. The Pursuit of Isa. 52:13-53:12. Leiden/Boston, 2011., S. 109-112; North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964., S. 238f; Paul 2012Paul, Shalom M.: Isaiah 40-66. Translation and Commentary. Grand Rapids, 2012., S. 404. Sehr gut die Üss. von Baltzer 1999Baltzer, Klaus: Deutero-Jesaja. Gütersloh, 1999. („Fürwahr, unsere Krankheit hat jener getragen, / und unsere Leiden - er hat sie aufgeladen! / Wir aber haben ihn für einen gehalten...“) und North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964. („But ours were the sicknesses that he bore / ours the sorrows he carried; / while we supposed him stricken, / smitten by God, and afflicted.“). (Zurück zu v.4)
kTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia, Baltzer 1999Baltzer, Klaus: Deutero-Jesaja. Gütersloh, 1999., S. 518 u.a. punktieren mit AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. Jes um von מְחֹלָל durchbohrt, verwundet nach מְחֻלָּל entweiht, da חלל II verwunden, durchbohren in der Regel die tödliche Verwundung meint, der Gottesknecht aber ja offensichtlich „lebend leidet.“ MT ist beizubehalten; das Wort kann vereinzelt auch allgemein für das Verwunden stehen. (Zurück zu v.5)
l„verletzt“ nach Joachimsen 2011Joachimsen, Kristin: Identities in Trasition. The Pursuit of Isa. 52:13-53:12. Leiden/Boston, 2011.; Watts 1987Watts, John D. W.: Isaiah 34-66. New York, 1987.; „zerrüttet“ nach ZLHZorell, Franciscus S.J.: Lexicon Hebraicum et Aramaicum Veteris Testamenti. Rom, 1968., S. 172. (Zurück zu v.5)
mWörtlich: „Die Züchtigung unseres Heils (Glücks, Friedens) auf ihm“.
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Torczyner 1912 hat sinnvoll vorgeschlagen, hier nach Ps 90,8 (dazu BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia) statt שלומנו für unser Heil zu lesen עלומינו für unsere (verborgenen) Sünden. Der Sticho wäre dann parallel nicht zu Sticho d, sondern zu den Stichos a.b. Nötig ist das allerdings nicht, weshalb man von dieser Maßnahme besser absehen sollte. (Zurück zu v.5)
nFast alle Kommentare und Übersetzungen deuten das Verben als impersonales Passiv: „es war Heilung, es gab Heilung“ (gut K/D + Westermann 1966Westermann, Claus: Das Buch Jesaja. Kapitel 40-66. Göttingen, 1966.: „Durch seine Striemen ward uns Heilung“); vgl. Joachimsen 2011Joachimsen, Kristin: Identities in Trasition. The Pursuit of Isa. 52:13-53:12. Leiden/Boston, 2011., S. 116f.
Die meisten Übersetzungen umschreiben diesen Satz mit einer freieren Formulierung im Sinne von „durch seine Wunden wurden wir geheilt“ (vgl. JPSJewish Publication Society Old Testament 1985/1999); theoretisch wäre außerdem möglich: „an seinen Wunden wurde er für uns geheilt“ (vgl. JPSJewish Publication Society Old Testament 1917). (Zurück zu v.5)
oWir alle: „Wir“ wird hier extra (unnötigerweise) gesetzt und zudem noch beschwert durch „wir alle“, um den Gegensatz zw. Sticho ab und Sticho c zu betonen: Dass JHWH unsere Sünden auf ihn treffen ließ, weil wir alle uns wie Schafe verlaufen hatten. Zusätzlich wird dies dadurch verstärkt, dass exakt das selbe Wort (כֻּלָּֽנוּ) - im hebräischen Text das erste des Verses - als letztes Wort des Verses noch einmal wiederholt wird: „die Sünden von uns allen“. Dorthinein spielt außerdem, dass Sticho 2 noch einmal emphatisch (->EmphaseStilmittel: Besondere Hervorhebung eines Wortes durch verschiedene sprachl. Mittel. Manchmal soll durch diese Hervorhebung signalisiert werden, dass das Wort hier auf eine bestimmte Weise zu verstehen ist, z.B. in „Nicht alle Soldaten sind Männer, aber alle Soldaten sind MÄNNER“ soll durch die Intonation signalisiert werden, dass das zweite „Männer“ nicht wortwörtlich, sondern metaphorisch i.S.v. „mannhaft, tapfer“ verstanden werden soll. Meist dient die Emphase aber nur der Verstärkung eines Teils der Äußerung oder der ganzen Äußerung, z.B. in „Du bist wun-der-schön“ soll „wun-der-schön“ stärker sein als „wunderschön“, oder „Geh jetzt endlich HEIM“ soll insgesamt stärker sein als „Geh jetzt endlich heim“.) das אִישׁ jeder dem Satz voransteht. Wollte man das im Dt. einigermaßen nachahmen, etwa so: „Wir, allesamt, hatten uns wie Vieh verlaufen; / jeder [von uns] lief in eine andere Richtung, / und auf ihn ließ Gott treffen die Sünden von uns allen (Zurück zu v.6)
pEhrlich 1912Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Band 4: Jesaja, Jeremia. Leipzig, 1912. und Paul 2012Paul, Shalom M.: Isaiah 40-66. Translation and Commentary. Grand Rapids, 2012. wollen diesen Ausdruck nach Jes 56,11 als einen Ausdruck für „seinen eigenen materiellen Interessen nachgehen“ deuten. Der Parallelismus macht aber deutlich, dass „jeder wendete sich (ging) auf seinem Weg“ hier als ein alternativer Ausdruck für das „Umherirren“ zu lesen ist, daher vielleicht näher am Sinn: „jeder lief in eine andere Richtung“. (Zurück zu v.6)
qVgl. Vers 12. (Zurück zu v.6)
rdas hebräische Wort für „vor“ (לִפְנֵי) hat bisweilen einen drohenden Unterton (vgl. z.B. Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 133f; Sabottka 1972Sabottka, Liudger: Zephanja. Versuch einer Neuübersetzung mit philologischem Kommentar. Rom, 1972. online unter: http://goo.gl/w8ngNw, S. 32) und ist daher hier höchst treffend: Auch der Scherer wird als etwas Schreckliches für die Schafe dargestellt und kann daher sinnvoll mit der Schlachtung parallelisiert werden. (Zurück zu v.7)
sTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Manche Exegeten vermuten, dass der letzte Sticho nicht ursprünglich ist, sondern als Schreibfehler (Dittographie) zu streichen ist, so z.B. BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia („prb“), Box/Driver, Budde, Driver, Duhm, Giesebrecht, Haller, Kaiser, Lagarde, Marti, Stark, Volz u.a. Allerdings sind Wiederholungen in Deuterojesaja nicht selten, so dass das wohl nicht nötig ist (so auch North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964., S. 229). Ohne die Verdoppelung wäre der Text zwar etwas sprachlich glatter, was aber bei diesem insgesamt sprachlich komplexen Text eher für die Ursprünglichkeit der Wiederholung sprechen dürfte. (Zurück zu v.7)
tDie Übersetzung dieses Verses wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Vgl. Childs 2001Childs, Brevard S.: Isaiah. Louisville, 2001., S. 416 und Kraus 1990, S. 150.

Die folgenden Deutungen sind theoretisch möglich:
1. Er wurde fortgerafft (starb), und zwar a) ohne Haft und Urteil, b) durch Haft und Strafe, oder c) nach Haft und Urteil.
2. Er wurde fortgeführt aus dem Gefängnis und aus dem Gericht.

3. Er wurde weggenommen (befreit, erlöst) aus Bedrängnis und strafbarem Verbrechen. (Zurück zu v.8)
uDie wörtliche Übersetzung ist inhaltlich unklar. Es werden darum zwei verschiedene Arten diskutiert, diesen Vers anders zu deuten:
1. „Wer denkt an sein Schicksal“: Hierzu muss man „Schicksal“ als eine sonst unbelegte weitere Bedeutung von dôr postulieren (analog zu Akk. dûru and Arab dauru), so z.B. Blenkinsopp 2002Blenkinsopp, Joseph: Isaiah 40-55. A New Translation with Introduction and Commentary. New York, 2002., S. 345; Driver 1968Driver, G. R.: Isaiah 52,13-53,12: the Servant of the Lord, in: Matthew Black/Georg Fohrer: In Memoriam Paul Kahle. Berlin, 1968., S. 95; Ehrlich 1912Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Band 4: Jesaja, Jeremia. Leipzig, 1912., S. 192 (!); Hermisson 1996Hermisson, Hans-Jürgen: Das vierte Gottesknechtslied im dueterojesajanischen Kontext, in: Bernd Janowski / Peter Stuhlmacher: Der leidende Gottesknecht. Jesaja 53 und seine Wirkungsgeschichte. Mit einer Bibliographie zu Jes 53. Tübingen, 1996., S. 8.9; Kaiser 1959Kaiser, Otto: Der königliche Knecht: eine traditionsgeschichtlich-exegetische Studie über die Ebed-Jahwe-Lieder bei Deuterojesaja. Göttingen, 1959., S. 85; North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964., S. 230; Nyberg 1942Nyberg, H. S.: Smärtoras man. En studie till Jes 52,13-53,12. ?, 1942., S. 53; Paul 2012Paul, Shalom M.: Isaiah 40-66. Translation and Commentary. Grand Rapids, 2012., S. 102.408; Soggin 1975Soggin, J. Alberto: Tod und Auferstehung des leidenden Gottesknechts, in: ZAW 87, 1975. S. 346-355.; Watts 1987Watts, John D. W.: Isaiah 34-66. New York, 1987..
2. „Bei seinen Zeitgenossen – wen kümmert es“: Hier muss man entweder eine Textverderbnis annehmen oder אֶת als bei/neben übersetzen, was beides ebenfalls nicht unproblematisch ist.
Die JPSJewish Publication Society Old Testament 1985/1999 übersetzt: „Who could describe his abode?“ (Zurück zu v.8)
vTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Die hebräischen Handschriften unterscheiden sich an dieser Stelle. Besser in den Kontext passt „seines Volkes“ (NET Bible). Das bedeutet jedoch nicht, dass sie ursprünglich sein muss, da es sich um die leichter zu erklärende Lesart handelt. (Zurück zu v.8)
wTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Wörtlich Wegen des Unrechts meines Volkes [war] ihm ein Schlag; ungrammatisch. Lies mit BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia, Blenkinsopp, Box/Driver, Driver, Duhm, Elliger, Hermisson, Paul, Schenker, Westermann, Whybry, Ziegler nach SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., 1QIsaa statt נֶגַע ein Schlag besser נֻגַּע er wurde geschlagen und nach LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. statt לָֽמו ihm besser לַמָּוֶת zu Tode, also er wurde zu Tode geprügelt oder – wenn hyperbatisch gedeutet – er wurde schrecklich verprügelt. (Zurück zu v.8)
xTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: MT hat „er gab“; viele lesen daher statt וַיִּתֵּן er gab וַיֻּתַּן es wurde gegeben. Das ist unnötig, 3. Pers. sg. mask. kann im Hebräischen auch als impersonaler Singular verwendet werden: „Man gab...“ (vgl. GKC §144d; Joachimsen 2011Joachimsen, Kristin: Identities in Trasition. The Pursuit of Isa. 52:13-53:12. Leiden/Boston, 2011., S. 132; North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964., S. 231; Soggin 1975Soggin, J. Alberto: Tod und Auferstehung des leidenden Gottesknechts, in: ZAW 87, 1975. S. 346-355., S. 348). Zum Sinn vgl. Barré 2000Barré, Michael L.: Observations on the Last Servant Song, in: CBQ 62, 2000. S. 1-27., S. 20: „V. 9ab meint nicht, dass der Knecht begraben worden wäre oder dass sein Grab gegraben worden wäre. Diese Bedeutung hat der Ausdruck ntn qeber nie. Es meint vielmehr, dass ein Grab (oder ein Begräbnisort) angelegt oder jemandem zugewiesen wird.“ (Zurück zu v.9)
yEin nicht-standesgemäßes Begräbnis galt im Alten Israel als ein schwerer Fluch; das Begräbnis bei Frevlern stimmt also gut zusammen mit dem furchtbaren Leben des Gottesknechts; aus diesem Grund ist im hebräischen Text bei Frevlern auch emphatisch (->EmphaseStilmittel: Besondere Hervorhebung eines Wortes durch verschiedene sprachl. Mittel. Manchmal soll durch diese Hervorhebung signalisiert werden, dass das Wort hier auf eine bestimmte Weise zu verstehen ist, z.B. in „Nicht alle Soldaten sind Männer, aber alle Soldaten sind MÄNNER“ soll durch die Intonation signalisiert werden, dass das zweite „Männer“ nicht wortwörtlich, sondern metaphorisch i.S.v. „mannhaft, tapfer“ verstanden werden soll. Meist dient die Emphase aber nur der Verstärkung eines Teils der Äußerung oder der ganzen Äußerung, z.B. in „Du bist wun-der-schön“ soll „wun-der-schön“ stärker sein als „wunderschön“, oder „Geh jetzt endlich HEIM“ soll insgesamt stärker sein als „Geh jetzt endlich heim“.) vorangestellt. (Zurück zu v.9)
zViele Kommentare nehmen an dieser Stelle eine Text-Verderbnis an und schlagen verschiedene Konjekturen vor, z.B. „[Man gab ihm] sein Grabmal bei Übeltätern.“ (Ehrlich 1912Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Band 4: Jesaja, Jeremia. Leipzig, 1912.; Touzard 1920Touzard, J.: L'Ame juive au Temps des Persees, in: RB 29/1, 1920. S. 5-42.; Ziegler 1958Ziegler, Joseph: Das Buch Isaias. Würzburg, 1958., S. 174; zu weiteren Vertretern siehe Joachimsen 2011Joachimsen, Kristin: Identities in Trasition. The Pursuit of Isa. 52:13-53:12. Leiden/Boston, 2011., S. 132). Hierüber gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Konsens (Childs 2001Childs, Brevard S.: Isaiah. Louisville, 2001., S. 417). Eine Änderung wäre an dieser Stelle zwar aus inhaltlichen Gründen erfreulich, denn „Reiche“ wurden in Felsengräbern begraben, „Frevler“ entweder gar nicht oder mit Erdbegräbnis, so dass man nicht gleichzeitig bei „Frevlern und Reichen“ begraben werden kann. Andererseits lässt sich dies aber textkritisch nicht belegen, und gerade bei wünschenswerten Eingriffen in den Text ist besondere Vorsicht geboten. (Zurück zu v.9)
aaWörtlich: nach seinen Toden (Pl. von „Tod“); vermutlich (bedeutungsloser, in der hebräischen Poesie typischer) N-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f..; vgl. z.B. Alexander 1865, S. 301. Alternativ zu erklären als abstrakter Plural mit Sg.-Bedeutung (North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964., S. 231); übersetze: „nach seinem Tod“.
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Viele wollen emendieren zu von בְּמֹתָיו nach seinem Tod zu בָּמָתוׂ sein Grabmal (BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia; Barré 2000Barré, Michael L.: Observations on the Last Servant Song, in: CBQ 62, 2000. S. 1-27.; Barthélemy 1986Barthélemy, Dominique: Critique textuelle de l'Ancient Testament, Tome 2: Isaie, Jérémie, Lamentations. Fribourg/Göttingen, 1986., S. 400; Blenkinsopp 2002Blenkinsopp, Joseph: Isaiah 40-55. A New Translation with Introduction and Commentary. New York, 2002.; Driver 1968Driver, G. R.: Isaiah 52,13-53,12: the Servant of the Lord, in: Matthew Black/Georg Fohrer: In Memoriam Paul Kahle. Berlin, 1968., S. 95f; Ehrlich 1912Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Band 4: Jesaja, Jeremia. Leipzig, 1912.; Paul 2012Paul, Shalom M.: Isaiah 40-66. Translation and Commentary. Grand Rapids, 2012.; Soggin 1975Soggin, J. Alberto: Tod und Auferstehung des leidenden Gottesknechts, in: ZAW 87, 1975. S. 346-355., S. 348; Westermann 1966Westermann, Claus: Das Buch Jesaja. Kapitel 40-66. Göttingen, 1966.; Ziegler 1958Ziegler, Joseph: Das Buch Isaias. Würzburg, 1958., S. 174) (Zurück zu v.9)
abZu על mit dem Sinn „obwohl“ vgl. noch Ijob 16,17 (North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964., S. 231); Esra 10,2 (Paul 2012Paul, Shalom M.: Isaiah 40-66. Translation and Commentary. Grand Rapids, 2012., S. 409); so fast alle Üss. (Zurück zu v.9)
acStatt „du“ ließe sich auch „sie“ übersetzen (so z.B. Barthélemy 1986Barthélemy, Dominique: Critique textuelle de l'Ancient Testament, Tome 2: Isaie, Jérémie, Lamentations. Fribourg/Göttingen, 1986.; Delitzsch 1889; Edel 1964Edel, Reiner-Friedeman: Hebräisch-Deutsche Präparation zu Jesaja. Marburg, 1964.; Gentry 2007Gentry, Peter: The Atonement in Isaiah's Fourth Servant Song, in: SBJT 11/2, 2007. online unter: http://goo.gl/hp8t2X; LEBLexham English Bible; Niccacci 2005Niccacci, Alviero: Quarto carme del Servo del Signore. Composizione, dinamiche e prospettive, in: LA 55, 2005. S. 9-26. online unter: http://goo.gl/AvbSnr; North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964.); dann: „Wenn seine Seele eine Schuldtilgung einsetzt“. Die meisten Exegeten nehmen eine Textverderbnis an und ändern entweder in „ihn“ oder nehmen größere Änderungen am Text vor. Beides ist jedoch unnötig, wenn man den Wechsel der Sprecher von dem „Wir“ zu JHWH bereits an dieser Stelle ansetzt (so Schmidt 2014Schmidt, Peter: Biblical Measures and their Translation. Notes on Translating Biblical Units of Length, Area, Capacity, Weight, Money and Time. online unter: http://goo.gl/o1kSJI, 227 und 232). Diese Lösung hat zwar die Schwierigkeit, dass der Name JHWH in Stichto d in der dritten Person steht, aber es gibt auch andere Bibelstellen mit demselben Phänomen (233, Fußnote 50).
Inhaltliche Aussage ist dann: Auch wenn dieser Tod dir als Schuldtilgung zugute kommt, so sorgt JHWH dennoch für das Wohlergehen dieses seines Getreuen – und schenkt ihm somit trotz seines Todes neue Zukunft. (Zurück zu v.10)
adAnalog dem Akkadischen (vgl. CAD 13, S. 192) und dem Ugaritischen (vgl. Tropper § 82.411) fungiert das Hebräische בְּיָד oft nur als „verstärktes בְּ(KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 371) zum Ausdruck der Mediation; also ein stärkeres „durch ihn“. (Zurück zu v.10)
aeDie meisten Exegeten ergänzen nach 1QJesab, 4QJesd und LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. das Objekt „Licht“, einige aber nicht (z.B. Childs 2001Childs, Brevard S.: Isaiah. Louisville, 2001., 409; Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., 227; Seeligmann 2004). (Zurück zu v.11)
afOder: „Er wird satt. In seiner Erkenntnis macht er gerecht, der Gerechte, mein Getreuer, für die Vielen.“
Zu עַבְדִּי (mein Getreuer/Diener/Knecht) siehe die Fußnote in Jes52,13. (Zurück zu v.11)
agV. 12a wird eingeleitet mit einer Heilszusage; לָכֵן ist daher wohl am Besten so zu deuten, dass es diese Heilszusage nur markieren soll und nicht übersetzt werden muss (vgl. z.B. Paul 2012Paul, Shalom M.: Isaiah 40-66. Translation and Commentary. Grand Rapids, 2012.: „Assuredly, ...“) (Zurück zu v.12)
ah[Beute] - double-duty-Objekt (->BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.) aus Sticho b; vgl. z.B. Dillmann 1898, S. 457 (Zurück zu v.12)
aiWir haben V. 12ab hier sehr wörtlich übersetzt (wie Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., 227; Childs 2001Childs, Brevard S.: Isaiah. Louisville, 2001., 408). Möglich wären aber auch die folgenden Übersetzungen.

(i) „Deshalb werde ich ihm die Beute gemeinsam mit den Starken zuteilen, und mit den Mächtigen wird er die Beute teilen“ (so z.B. Alexander 1864; Baltzer 1999Baltzer, Klaus: Deutero-Jesaja. Gütersloh, 1999.; Barré 2000Barré, Michael L.: Observations on the Last Servant Song, in: CBQ 62, 2000. S. 1-27.; Blenkinsopp 2002Blenkinsopp, Joseph: Isaiah 40-55. A New Translation with Introduction and Commentary. New York, 2002.; Dillmann 1898; Driver 1968Driver, G. R.: Isaiah 52,13-53,12: the Servant of the Lord, in: Matthew Black/Georg Fohrer: In Memoriam Paul Kahle. Berlin, 1968.; Edel 1964Edel, Reiner-Friedeman: Hebräisch-Deutsche Präparation zu Jesaja. Marburg, 1964.; Oswalt 1998Oswalt, John: The Book of Isaiah. Chapters 40-66. Grand Rapids, 1998.; Smith 2009Smith, Gary V.: Isaiah 40-66. Nashville, 2009.; Watts 1987Watts, John D. W.: Isaiah 34-66. New York, 1987.; Westermann 1966Westermann, Claus: Das Buch Jesaja. Kapitel 40-66. Göttingen, 1966.)
(ii) „Deshalb werde ich ihm Viele als Beute zuteilen, und Zahlreiche wird er als Beute teilen.“ (so z.B. Ehrlich 1912Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Band 4: Jesaja, Jeremia. Leipzig, 1912.; Joachimsen 2011Joachimsen, Kristin: Identities in Trasition. The Pursuit of Isa. 52:13-53:12. Leiden/Boston, 2011.; North 1964North, Christopher R.: The Second Isaiah. Introduction, Translation and Commentary to Chapters XL-LV. Oxford, 1964.; Ziegler 1958Ziegler, Joseph: Das Buch Isaias. Würzburg, 1958.)Driver 1968Driver, G. R.: Isaiah 52,13-53,12: the Servant of the Lord, in: Matthew Black/Georg Fohrer: In Memoriam Paul Kahle. Berlin, 1968., S. 102 emendiert von יְחַלֵּק er wird teilen nach יַחֲלּׂק er wird empfangen. Ziegler übersetzt so, ohne zu emendieren.

Weil all diese Varianten gleich metaphorisch sind, ist die Entscheidung zwischen ihnen mehr oder weniger unmöglich (so auch Oswalt 1998Oswalt, John: The Book of Isaiah. Chapters 40-66. Grand Rapids, 1998., S. 405f). Paul 2012Paul, Shalom M.: Isaiah 40-66. Translation and Commentary. Grand Rapids, 2012. bietet denn einfach beide Versionen aus dieser Fußnote in seiner Übersetzung an. (Zurück zu v.12)
aj„Leben ausgießen“ ist ein hebräisches (auch: akkadisches) Idiom für „sterben“ (vgl. Ps 141,8; Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 1012; hier ist es zusätzlich erweitert durch „in den Tod“; sinngemäß also einfach: „Dafür, dass er den Tod auf sich genommen hat“ (Zurück zu v.12)
akAn dieser Stelle steht dasselbe Wort wie in Vers 6 (פָּגַע), das sowohl „angreifen“ als auch „dringlich bitten“ bedeuten kann. Vermutlich beschreibt es denselben Sachverhalt wie der vorangehende Sticho. Es steht in einer anderen Zeitstufe, was wohl ein (bedeutungsloser) T-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f.. ist. Alternativ kann man den Vers so deuten, dass mit dem letzten Sticho ein neuer Gedanke in das Lied gebracht wird: Nicht nur hat der Gottesknecht die Sünden der Vielen auf sich genommen, sondern zusätzlich tritt er auch jetzt noch und immer (habituelles Yiqtol) für sie ein. (Zurück zu v.12)
alVgl. Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., S. 224.245 (Zurück zu v.12)
amVgl. Knechtschaft (WiBiLex) und Dienen / Diener (AT) (WiBiLex). Zur Übersetzung mit „Getreuer“ siehe Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., S. 115. (Zurück zu v.12)
anVgl. Tun-Ergehen-Zusammenhang (Wikipedia); Tun-Ergehen-Zusammenhang (WiBiLex) (Zurück zu v.12)
aoStellvertretung (WiBiLex). (Zurück zu v.12)
apVgl. Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., 270 und 357. (Zurück zu v.12)
aqVgl. Berlin/Brettler 2005Berlin, Adele/Marc Zvi Brettler: The Jewish Study Bible. Oxford, 2005., S. 891 (Zurück zu v.12)
arVgl. Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., S. 119–120. (Zurück zu v.12)
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