Psalm 30

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Lesefassung (Psalm 30)

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Anmerkungen

Studienfassung (Psalm 30)

1 Ein Psalm (begleitetes Lied).
Ein Lied zur Tempelweihea (Einweihung des Hauses) von (für, über, nach Art von) David


2 Ich will dir dafür danken, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., dass (dich preisen/erhöhen, denn)b du mich herausgeschöpft (emporgezogen)cd hast
und dass du meine Feinde (meinen Feind)ed sich nicht über mich (meine meinigen Feinde sich nicht)f freuen (triumphieren) lassen hast.
3 JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., mein Gott (JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., du bist mein Gott.), ich schrie zu dir um Hilfe (schrie zu dir, rief dich an)
Und du hast mich geheilt (damit du mich heilst, als ich zu dir schrie, hast du mich geheilt)d.
4 JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., du hast mich (meine Seele)g aus dem Scheol (aus der Unterwelt, aus der Totenwelt) heraufgeholthd,
du hast mich erweckt (mich leben lassen)d aus den zur Grubei Hinabgefahrenen (bewahrt vom Hinabfahren)j.


5 Singt (spielt)k JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., ihr seine Frommenl,
preist den Heiligen (seinen heiligen Namen, das Gedenken seiner Heiligkeit)m!
6 {Oh!,} (Denn)n [Nur] einen Augenblick lang währt sein Zorn,
ein Leben lang währt seine Huld.o
{Oh!,} (Denn)n Bleibt auch das Weinen (das Weinen bleibt) über Nacht (am Abend, verbringt man die Nacht auch weinend)p
[ist] doch am Morgen (und am Morgen ist) Jauchzen.


7 Als ichq in meiner Sorglosigkeit sprach:
„Niemals werde ich wankenr!“
8 weil du ([und] als du)q, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. ({JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.})s, mich in deiner Gunst standhafter als die starken (sicheren) Berge gemacht hast,t
verbargst du dein Gesicht (wandtest du dein Gesicht ab)u
[und] ich wurde vernichtet (erschrak)
9 [Und sprach:]v „Ich will zu dir rufen, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.,
und zu meinem Herrn (zu dir, meinem Herrn)w flehen!
10 Welcher Gewinn [ist] in meinem Blutx
[und] in meinem Hinabfahren in den Schachty?
Kann Lehm (Staub, können Tote)z dich preisen?
Kann er (können sie) deine Treue verkünden?
11 Höre (erhöre mich)aa, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., und sei mir gnädig!
JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., sei mir Helfer!“
12 Da hast du (du hast)ab mir mein Klagen in Tanzen verwandelt,
hast mir die Trauerkleidung ausgezogen und mich mit Freude bekleidet (gegürtet)ac.
13 Darum (so dass, damit)ad will ich ([meine] Leber, [meine] Herrlichkeit, [meine] Seele)ae dich besingen und nie (nicht) verstummen (schweigen);
JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., mein Gott, auf ewig will ich dich preisen!

Anmerkungen

aDie „Tempelweihe“ ist das seit 165 v. Chr. begangene Fest der Wiederherstellung des Tempels (vgl. 1Makk 4,52ff; 2Makk 10,5ff; Joh 10,22). Nach Sopherim 18,2 wurde der Psalm in der Tat zu dieser Gelegenheit gesungen. (Zurück zu v.1)
bW.: „Ich will dich erheben, denn“; doch übersetze: „Ich danke dir dafür, dass...“; ähnlich Gerstenberger 1972Gerstenberger, Erhard S. u.a.: Psalmen in der Sprache unserer Zeit. Der Psalter und die Klagelieder eingeleitet, übersetzt und erklärt von E. Gerstenberger, K. Jutzler und H. J. Boecker. Neukirchen-Vluyn, 1972.; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987.. - „Erheben“ ist ein üblicher hebräischer Ausdruck für „preisen“ und wurde im hebr. Text gewählt wegen dem Wortspiel „erheben“ - „emporschöpfen“; im Deutschen lässt sich das leider nicht nachahmen (BigSKurz für „Bibel in gerechter Sprache“, eine neue Bibelübersetzung, die sich in ihrem Übersetzungsprofil von einem vierfachen Verständnis von „Gerechtigkeit“ leiten lässt: 1. Der Text soll in seiner Fremdheit anerkannt und diese Fremdheit auch in der Übersetzung nicht verschleiert werden; 2. Die Übersetzung soll besonders geschlechtergerecht sein; 3. Übersetzung des NT in Kontinuität mit dem AT; 4. Übersetzung von Schlüsselbegriffen nicht durch die traditionelle „bibeldeutsche“ Übersetzung, sondern so, dass „die ursprüngliche Bedeutung wieder offengelegt“ wird. hat es versucht: „Ich will dich hochleben lassen“). Weiter ist „Jemanden preisen, denn X“ im Hebräischen eine formelhafte Wendung für „jemandem danken für X“ (vgl. Lande 1949Lande, Irene: Formelhafte Wendungen der Umgangssprache im Alten Testament. Leiden, 1949., S. 106f.; ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. ähnlich Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 89); übersetze daher wie vorgeschlagen. (Zurück zu v.2)
cherausgeschöpft (emporgezogen) - das Verb meint meist „schöpfen“; evt. kann es auch allgemein „emporziehen“ heißen. Dahinter steckt folgendes: Im Alten Israel stellte man sich die Unterwelt als den tiefsten Ort des Kosmos vor; daher musste man davon sprechen, dass man z.B. zu ihr „hinabstieg“ oder aus ihr wieder „emporgezogen“ wurde. An unserer Stelle spielt noch mehr hinein: Weil man sich weiterhin die Unterwelt oft als am oder noch unter dem Meeresgrund gelegen vorstellte, sprach man von ihr häufig auch als dem „Brunnen“, der „Grube“, dem „Schacht“ oder der „Zisterne“ (vgl. z.B. Oesterley 1911, S. 139f; Schorch 2000Schorch, Stefan: Euphemismen in der Hebräischen Bibel. Wiesbaden, 2000., S. 97f; hier s. Vv. 4.10); auf diese Metapher spielt das hierige Verb an: „Du hast mich [aus der Zisterne (=der Unterwelt)] herausgeschöpft“ meint sinngemäß „Du hast mich aus dem Totenreich gerettet“. Dass der Ort, von dem JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. den Psalmisten emporschöpft, hier nicht genannt ist, gehört wohl zum in FN d beschriebenen Strukturprinzip.
Im Deutschen muss man das wohl freier formulieren; sinnvoll z.B. ALBLudwig Albrechts Übersetzung des NTs und der Psalmen von 1920/1927. Eine wörtliche, aber flüssig zu lesende Übertragung., FENZFenz, Augustinus Kurt: Das Gebet der Jahrtausende. Aktualisierte Psalmenübersetzung für die Praxis. Aus dem hebräischen Text neu formuliert. Leipzig, 1998. - Eine aktualisierende Psalmenübersetzung, die „den Text zum Leuchten“ bringen will, indem sie z.B. „heutige Sprachbilder an die Stelle fremdartiger, erklärungsbedürftiger Bilder“ setzt und diese in „angemessener Sprache“ formuliert., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien.: „du hast mich gerettet“; noch besser vielleicht: „Du hast mich der Unterwelt entrissen“ (nach Gerstenberger 1972Gerstenberger, Erhard S. u.a.: Psalmen in der Sprache unserer Zeit. Der Psalter und die Klagelieder eingeleitet, übersetzt und erklärt von E. Gerstenberger, K. Jutzler und H. J. Boecker. Neukirchen-Vluyn, 1972.). „Du hast mich aus der Tiefe/dem Abgrund gezogen“ (BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll., Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen., HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., LUT84Kurz für „Lutherbibel 1984“, der Revision der Lutherbibel von 1984. Anpassung der ursprünglichen Lutherbibel an das zeitgenössische Deutsche, dennoch ist Luthers wundervoller Stil immer noch überall erkennbar., MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich., NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie., NGÜNT- und Psalmenübersetzung der Genfer Bibelgesellschaft 2000-2011. Eine vorbildliche Verknüpfung von philologischer Genauigkeit und kommunikativer Flüssigkeit., R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw., ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.) macht den Sachverhalt wohl nicht klar. (Zurück zu v.2)
dherausgeschöpft / meine Feinde / geheilt / heraufgeholt / erweckt sind wohl rein metaphorisch zu verstehen.

Vv. 2-4 sind bestimmt vom selben Strukturprinzip: Der Psalmist dankt Gott für die Rettung von verschiedenen Unheilsarten, ohne zu berichten, dass dieses Unheil überhaupt über ihn hereingebrochen ist: (1) V. 2a.4: [Er ist gestorben und] Gott hat ihn wieder auferweckt, (2) V. 2b: [Er wurde befeindet, doch] Gott hat seinen Feinden den Triumph über ihn nicht gegönnt, (3) V. 3: [Er war krank und] Gott hat ihn geheilt. Weil eben die „Vorgeschichte des Unheils“ hier nicht expliziert wird, versucht man in der Exegese meist, diese Vorgeschichte zu rekonstruieren. Es besteht schon fast ein Konsens, dass sie in etwa so aussah: Der Psalmist war krank - so krank war er, dass es ihm geradezu vorkam, als sei er bereits gestorben. Seine Feinde sind darüber sehr glücklich. Doch dann erbarmt sich Gott seiner, heilt ihn, holt ihn so „sozusagen“ - da er sich ja bereits als gestorben sah - wieder aus der Unterwelt empor und gönnt derart den Feinden des Psalmisten nicht die Freude über seinen Tod.
Diese Rekonstruktion ist nicht sonderlich rund (wg. dem Unterschied „krank sein“ <=> „tot sein“ einerseits, wegen dem plötzlichen unmotivierten Auftreten der „Feinde“ andererseits); sinnvoller ist daher darauf hinzuweisen, dass all diese Elemente in der biblischen Poesie oft nur bildliche Rede sind, die keine weitere Funktion haben, als als Chiffren für ein nicht näher bestimmtes Unheil des Psalmisten zu stehen (vgl. ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. ähnlich Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 90 f.; s. die Parallelstellen). Was der Psalmist dann wieder und wieder betonen würde, wäre nur: „[Unheil war über mich hereingebrochen - und] JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. hat mich gerettet.“ M.E. liegt dieses Verständnis hier näher.

Mindestens für die Fassung in Leichter Sprache wäre es dann vermutlich sinnvoller, zu jeweils anderen Metaphern zu greifen, die leichter als Metaphern für die Erlösung von einem unbestimmten Unheil erkennbar sind. (zu v.2 / zu v.3 / zu v.4)
emeine Feinde (meinen Feind) - Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965. deutet den Plural als pluralis excellentiae und deutet als „meinen Feind [- den Tod]“. Das ist durchaus bedenkenswert, da Vv. 2-4 ja immer wieder die Rettung vom Tod thematisieren und die „Feinde“ hier ohnehin sehr überraschend und unmotiviert stehen. Die traditionelle Deutung ist aber wohl ebenso gut möglich, siehe die vorige FN. (Zurück zu v.2)
fmeine Feinde sich nicht über mich (meine meinigen Feinde sich nicht) - Für „über mich“ sollte man im Hebräischen eigentlich eher עָלַי statt לִי erwarten. Halévy 1895aHalévy, Joseph: Notes pour l'interprétation des Psaumes, in: Revue sémitique d'épigraphie et d'histoire ancienne 3/1, 1895., S. 30 hat daher vorgeschlagen, לִי nicht als „über mich“, sondern als Verstärkung des „meine“ in „meine Feinde“ zu deuten: „meine meinigen Feinde“. Im Deutschen klingt das zwar merkwürdig (und sollte daher besser einfach mit „dass du meine Feinde sich nicht freuen (triumphieren) lassen hast“ übersetzt werden), im Hebräischen ist das aber durchaus möglich.
Halévy selbst ist unsicher (und übersetzt „Et de ne pas avoir fait réjuir mes enemies (à mon détriment)), aber Alter 2007Alter, Robert: The Book of Psalms. A Translation with Commentary. New York, 2007. scheint tatsächlich so zu lesen („and You gave no joy to my enemies“); ebenso NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie. („du gabst meinen Feinden keinen Triumph“) und Schökel 1980Schökel, Luis Alonso: Treinta Salmos: Poesia y Oracion. Madrid, 2 1980. („y no has dado el triunfo a mis enemigos“). Das ist etwas wahrscheinlicher; in der LF sollte man aber doch der traditionellen Übersetzungsalternative den Vorzug geben, da es sich hier um eine starke Minderheitenmeinung handelt und die traditionelle Übersetzung auch nicht (sehr) problematisch ist. (Zurück zu v.2)
gW. „meine Seele“, doch im Hebräischen dient dies fast stets als Wechselbegriff für „mich“ (vgl. ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT, S. 262; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003., S. 282); übersetze durchaus wie vorgeschlagen. (Zurück zu v.4)
hgut verständlich ALBLudwig Albrechts Übersetzung des NTs und der Psalmen von 1920/1927. Eine wörtliche, aber flüssig zu lesende Übertragung., HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln.: „du hast mich dem Tode entrissen“ (Zurück zu v.4)
izu „Grube“ als Metapher für die Unterwelt vgl. FN c (Zurück zu v.4)
jTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Ketiv und Qere bieten zwei unterschiedliche Textversionen: Ketiv hat das Partizip „aus den Hinabgestiegenen“; Qere verbessert zum Infinitiv „vom Hinabsteigen“. Doch ist die Version des Ketiv hier sicher vorzuziehen und wird auch von fast allen vorgezogen, da die Infinitivform des Qere zwar grammatisch korrekt, aber im Hebräischen ungebräuchlich ist (die gebräuchliche Form wird V. 10 verwendet), die Wendung יורדי בור des Ketiv sich dagegen recht häufig in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. findet. Vermutlich handelt es sich beim Qere um eine spätere theologische Interpretation, vgl. Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM, S. 601.
Das „Aus den Hinabgestiegenen“ des Ketiv meint, dass Gott den Psalmisten als einzigen der vielen, die bereits ins Totenreich hinabgefahren sind, wieder auferweckt hat (vgl. ähnlich Mk 9,9, dazu FN ae). (Zurück zu v.4)
kspielt i.S.v. „musiziert auf Instrumenten“ ist unwahrscheinlich; die Instrumentalmusik im Tempelkult wurde wohl von den Priester und Leviten übernommen (vgl. Num 10,1-10; 2Chr 29,26-28). Übrigens darf man sich hier keine Himmelsmelodien vorstellen; eher muss man an einen „seltsamen, lauten und lärmenden Krach“ (Casey 2004Casey, Maurice: Aramaic Sources of Mark's Gospel. Cambridge, 2004., S. 203) denken. (Zurück zu v.5)
lDie „Frommen“ sind die versammelte Kultgemeinde, die beim Vortrag des Psalms anwesend ist. Vv. 5-6 sind ein für Dankpsalmen übliches „Wort an die Kultgemeinde“, das parenthetisch in das eigentlich Vorgetragene eingeschoben ist und hier (wie oft) die Kultgemeinde zum Einstimmen in den Lobpreis auffordert. (Zurück zu v.5)
mZu זכר (meist: „Gedenken“) = „Name“ vgl. KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 90; SSSiegfried, Carl/Bernhard Stade: Hebräisches Wörterbuch zum Alten Testamente. Leipzig, 1893. 173; ZLHZorell, Franciscus S.J.: Lexicon Hebraicum et Aramaicum Veteris Testamenti. Rom, 1968. 209; ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. z.B. Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM; Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983.; Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914.; Schökel 1980Schökel, Luis Alonso: Treinta Salmos: Poesia y Oracion. Madrid, 2 1980.; Ross 2011Ross, Allen P.: A Commentary on the Psalms. Volume 1. Grand Rapids, 2011.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.. Der „Name Gottes“ dient im AT aber fast ausschließlich als Wechselbegriff für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Übersetze daher wie vorgeschlagen. (Zurück zu v.5)
nemphatisches כי, so auch Deissler 1989Deissler, Alfons: Die Psalmen. Düsseldorf, 6 1989.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961.. Im Deutschen nicht zu übersetzen. (zu v.6)
oschwieriger VersEin Teil in einem Kapitel.. W. wird er meist gedeutet als „Ein Augenblick (רֶגַע) in (ב) seinem Zorn, ein Leben in (ב) seiner Huld“. Verschiedene Vorschläge sind gemacht worden, um ihn zu erklären:
  1. Die בs werden als als Beth existentiae gedeutet („ist“/„dauert“; vgl. Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012. 119f; KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990. 101); „Augenblick“ und „Leben“ sind adverbiale Akkusative der Zeit („einen Augenblick lang“ / „ein Leben lang“; vgl. GKC §118k): unsere Deutung: „Ein Augenblick lang dauert sein Zorn, / ein Leben lang dauert seine Huld“- so übersetzen zumindest auch Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949.; Brueggemann/Bellinger 2014Brueggemann, Walter / William H. Bellinger Jr.: Psalms. New York, 2014.; Christensen 2005.30Christensen, Duane L.: Psalm 30:1-13. Translation, Logoprosodic Analysis, and Observations. 2005. online unter: http://goo.gl/7GeVZK; Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914.; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003. und fast alle Üss.
  2. Die בs werden als als Beth essentiae gedeutet; wörtlich etwa „ein Augenblick lang [ist er] zornig, ein Leben lang huldreich“: Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894.; wohl auch Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. onine unter: http://goo.gl/r9Wpjj. Ähnlich Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM; er deutet aber merkwürdigerweise „Augenblick“ und „Leben“ als Subjekte des Satzes; wörtlich also etwa „Ein Augenblick [ist] voll seines Zorns / ein Leben voll seiner Huld“
  3. רֶגַע wird emendiert:
    1. nach LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. zu רׂגֶז Unruhe, Zorn, Toben: „Toben [ist] in seinem Zorn, / Leben [ist] in seiner Huld“: BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia; vgl. auch Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953.
    2. zu נֶגַע Leiden, Krankheit: „Krankheit [ist] in seinem Zorn, / Leben [ist] in seiner Huld“: Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968.; Halévy 1895aHalévy, Joseph: Notes pour l'interprétation des Psaumes, in: Revue sémitique d'épigraphie et d'histoire ancienne 3/1, 1895.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.
  4. רֶגַע wird eine andere Bedeutung gegeben:
    1. Schökel 1980Schökel, Luis Alonso: Treinta Salmos: Poesia y Oracion. Madrid, 2 1980. glaubt wg. Ijob 26,12; Jes 51,15 und Jer 31,35, dass רֶגַע auch „Beben“ bedeuten könne: „Zittern/Beben ist in seinem Zorn...“. Diese Bed. findet sich zwar auch in einigen Wörterbüchern, ist aber wohl falsch: רֶגַע bedeutet dort nicht „erbeben machen“ (nach רגע I), sondern „beruhigen“ (nach רגע II); s. jeweils den Kontext.
    2. Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983. und Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965. denken, es könne auch „Tod“ bedeuten: „Tod [ist] in seinem Zorn, ...“. Auch das ist wohl nicht so.
  5. Es wird einfach ein Verb ergänzt, z.B.: „Nur kurz [handelt er] in seinem Zorn...“: Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT; Deissler 1989Deissler, Alfons: Die Psalmen. Düsseldorf, 6 1989.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961.; Weber 2007Weber, Beat: Psalm 30 als Paradigma für einen heutigen „Kasus der Wiederherstellung“. Überlegungen zu einer Schnittstelle zwischen Altem Testament und kirchlichem Handeln im Blick auf eine Theologie und Praxis der Dankbarkeit, in: JETh 21, 2007. S. 31-50. online unter: http://goo.gl/ZcBVa3 (Zurück zu v.6)
pverbringt man die Nacht auch weinend - so sinnvoll Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM. Wegen des Parallelismus ist aber doch die Standard-Deutung vorzuziehen. (Zurück zu v.6)
qVv. 7-8 werden fast stets einander beigeordnet: „7a: Ich sagte in meiner Sorglosigkeit: „[...]“. / 8a: JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., du hast mich in deiner Gunst auf starke Berge gestellt. / 8b: Du verbargst dein Gesicht, / 8c: Ich war bestürzt“.

Die Wortfolge ist aber 7a: X-Qatal, 8a: X-Qatal, 8b: Qatal-X, 8c: Qatal-X, daher sollte man Vv. 7a.8a besser als Umstandssätze deuten: „7a: Als ich... 8a: weil du/[und] als du... 8b: da... 8c: und da...“.

Das וַאֲנִי in 7a dient nur der Bildung der Wortfolge X-Qatal und sollte keinesfalls derart betont übersetzt werden, wie es gern getan wird („Und ich, ich sagte...“). (Zurück zu v.7 / zu v.8)
rDas „Wanken“ ist in der biblischen Poesie eine häufige Metapher für eine Gefährdung, aus der direkt Vernichtung und Tod folgt. Wer dagegen „nicht wankt“ ist sicher und geschützt und wird daher ewig bestehen; s. bes. gut Spr 10,30; 12,3; auch Ps 16,8; 46,6f; 62,3.7; 112,6; 125,1. Wie an den Stellen zu sehen ist, handelt es sich bei diesem nicht-Wanken meist um eine Gnadengabe Gottes; so ja auch hier, s. V. 8.
Der Gnadenentzug JHWHs in V. 9 kommt dann sehr unmotiviert; man hat deshalb versucht, dem Psalmisten zu unterstellen, dass er sich ähnlich wie der Frevler in Ps 10,6 der Hybris schuldig mache (und übersetzt dann auch das obige „Sorglosigkeit“ mit „Selbstsicherheit“, „Gedankenlosigkeit“ (Tromp 1986Tromp, Nicholas J.: La Louange réaliste du Psaume 30. „Ne pas séparer ce que Dieu a uni“, in: ETL 62, 1986. S. 257-266.), „Selbstgeruhsamkeit“ (Weber 2007Weber, Beat: Psalm 30 als Paradigma für einen heutigen „Kasus der Wiederherstellung“. Überlegungen zu einer Schnittstelle zwischen Altem Testament und kirchlichem Handeln im Blick auf eine Theologie und Praxis der Dankbarkeit, in: JETh 21, 2007. S. 31-50. online unter: http://goo.gl/ZcBVa3) oder „im Vertrauen auf mich“ (HERKurz für „Herder Bibel“; erstmals 1965 als Vollbibel erschienene Bibelübersetzung. Besonderheit: Der Bibeltext wurde der Reihe „Herders Bibelkommentar“ entnommen; dennoch ist sie stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen.)). Vom Text her liegt das hier recht fern; man wird sich damit bescheiden müssen, dass der plötzliche Gnadenentzug JHWHs unerklärlich ist - dass er allein der Willkür Gottes geschuldet ist. (Zurück zu v.7)
sTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. ist vielleicht metri causa zu streichen; s. BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia, Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT; Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968.; Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.. Solche Streichungen metri causa sind zwar heute eher unbeliebt geworden; aber man sieht ja bereits an der Übersetzung, dass der Stichos untypisch lang ist. Dennoch sollte man heute davon wohl eher Abstand nehmen; vielleicht sollte man aber in der LF den Stichos als zwei Stichen setzen: „Weil du, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., mich standfester gemacht hast / als die Berge standfest sind.“ (Zurück zu v.8)
tV. 8a könnte auch noch zum Selbstzitat in 7b gehören: „Ich werde niemals wanken, weil du, oh JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., mich standfester als die starken Berge gemacht hast.“

Der Text selbst ist schwierig; wörtlich scheint er auf den ersten Blick zu bedeuten: „Du hast meinem Berg Stärke hingestellt“. Früher wurde er deshalb oft so erklärt, dass der Sprechende - wie in der Überschrift angegeben - David wäre, der davon spreche, dass Gott „seinen“ Berg - den Zion - so stark gemacht habe. Diese Interpretation ist heute nicht mehr vertretbar (Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968.; Wachter 1966Wachter, Ludwig: Drei umstrittene Psalmstellen: Ps 26,1; Ps 30,8; Ps 90,4-6, in: ZAW 78/1, 1966. S. 61-69.), weshalb man zu einer der folgenden Lösungen greifen muss:

  1. Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983.; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965. und Tromp 1986Tromp, Nicholas J.: La Louange réaliste du Psaume 30. „Ne pas séparer ce que Dieu a uni“, in: ETL 62, 1986. S. 257-266. konstruieren הֶעֱמַדְתָּה mit einem double-duty-Suffix (-> BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.) aus 8b und in der Bedeutung „standfest sein“ (also nicht „du hast gestellt“, sondern „du hast mich standfest gemacht); לְ deuten sie als lamed comparativum („wie, als“; so offenbar auch GRAILRevised Grail Psalter, eine speziell für das Stundengebet angefertigte liturgische Psalmenübersetzung. Philologisch exzellent und in gut singbarem Sprachrhythmus formuliert.: „your favor had set me like a mountain stronghold“): Du machtest mich standfester als die starken Berge; s. Ps 125,1.
    Wir schließen uns dieser Deutung an, da sie als einzige keiner Emendation bedarf. לְהַרְרִי sollte man aber wahrscheinlich doch besser mit Craigie und gegen Dahood und Tromp zu לְהַרְרֵי umpunktieren.
  2. Alternativ sind viele Emendationsvorschläge gemacht worden. Statt הֶעֱמַדְתָּה לְהַרְרִי עֹז du stelltest meinem Berg Stärke hin wäre zu lesen:
    1. הֶעֱמַדְתָּנִי לְהַרְרֵי עֹז Du hast mich auf starke Berge gestellt: Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949. (?); Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.; Schökel 1980Schökel, Luis Alonso: Treinta Salmos: Poesia y Oracion. Madrid, 2 1980.; s. Ps 40,3
    2. הָעֲמַדְתִּי לְהַרְרֵי עֹז Ich war gestellt auf starke Berge: Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961.
    3. הֶעֱמַדְתָּה לִי הַרְרֵי עֹז Du hast mir schützende Berge hingestellt: Wachter 1966Wachter, Ludwig: Drei umstrittene Psalmstellen: Ps 26,1; Ps 30,8; Ps 90,4-6, in: ZAW 78/1, 1966. S. 61-69.; offenbar auch Dillmann
    4. הֶעֱמַדְתָּה לִי הָדָר וְעֹז Du hast mir Würde und Stärke verliehen: Bertholet 1923Bertholet, Alfred: Das Buch der Psalmen. Tübingen, 4 1923.; Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953.; FENZFenz, Augustinus Kurt: Das Gebet der Jahrtausende. Aktualisierte Psalmenübersetzung für die Praxis. Aus dem hebräischen Text neu formuliert. Leipzig, 1998. - Eine aktualisierende Psalmenübersetzung, die „den Text zum Leuchten“ bringen will, indem sie z.B. „heutige Sprachbilder an die Stelle fremdartiger, erklärungsbedürftiger Bilder“ setzt und diese in „angemessener Sprache“ formuliert.; GUARDer Lateinische Psalter der Ausgabe Pius' XII in der Übersetzung von Romano Guardini. War längere Zeit als deutscher Einheitstext zur gottesdienstlichen Verwendung im Gebrauch. Joseph Patscher urteilt im Liturgischen Jahrbuch: „Wir besitzen keine Übertragung, die sich in der hohen Kultur der Sprache mit Guardini messen kann.“ - und das ist so. Unbedingt einen Blick wert, wenn es an das Erstellen der Lesefassung geht.
    5. הֶעֱמַדְתָּה לְהֲדָרֵי עֹז Du hast meiner Würde Stärke verliehen: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., Spieckermann 1989Spieckermann, Hermann: Heilsgegenwart. Eine Theologie der Psalmen. Göttingen, 1989. online unter: http://goo.gl/MZllRs (Zurück zu v.8)
uDie Bedeutung dieser Redewendung ist recht eindeutig: Die Rede vom „Verbergen des Gesichtes“ findet sich häufiger in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. und bedeutet wörtlich „nicht hinsehen“ (s. z.B. Ex 3,6; Ps 10,11; 51,11); in Bezug auf JHWHs Gesicht ist der Ausdruck dann sprichwörtlich geworden für einen Gnadenentzug JHWHs (s. Dtn 31,17f.20; Ps 13,2; 22,25; 27,9; 44,25; 69,18; 88,15; 102,3; 104,29; 143,7; Jes 8,17; 54,8; 59,2; 64,6; Jer 33,5; Ez 39,23f.29; Mic 3,4): JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. verbirgt sein Gesicht vor jemandem = JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. schaut jemanden nicht mehr gnädig an (und lässt so zu, dass Unheil über ihn hereinbricht).
Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965. leitet (wie schon Ps 10,11) הִסְתַּרְתָּ du hast verborgen von סור umkehren mit t-Infix ab (dazu vgl. Waldman 1989Waldman, Nahum M.: The Recent Study of Hebrew. A Survey of the Literature with Selected Bibliography. Cincinnati, 1989., S. 34-36; ebenso wird das selbe Wort in Ijob 3,10 und Ijob 13,24 von Blommerde 1969Blommerde, Anton C.M.: Northwest Semitic Grammar and Job. Rom, 1969., S. 14 analysiert): „Du hast abgewandt“. Doch ist das sprachlich unwahrscheinlich und wohl unnötig; vgl. Friedman 1977Friedman, Richard Elliot: The Biblical Expression Mastîr panîm, in: HAR 1, 1977. S. 139-147. online unter: http://goo.gl/QPwvCz. (Zurück zu v.8)
vDarüber, dass Vv. 10f. den vergangenen Flehruf des Psalmisten zitiert, besteht heute Konsens (Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953. und Zorell 1928Zorell, Francisco S.J.: Psalterium Ex Hebraeo Latinum. Rom, 1928. nach LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. dagegen nur V. 10; Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM sogar Vv. 10-13; dafür müssen sie aber unnötigerweise mehrfach emendieren). V. 9 wird dabei meist als Redeeinleitung aufgefasst: „[Damals] rief ich zu dir, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. / meinen Herrn flehte ich an: ‚...‘“. Das ist sicher nicht so; die beiden Verben in V. 9 stehen im Yiqtol, und eine Wiedergabe durch Vergangenheit „widerspricht jeder Regel“ (Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM, S. 575). Allenfalls möglich wäre eine iterative Deutung: „immer wieder rief ich zu dir, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH....“, so aber nur Weber 2007Weber, Beat: Psalm 30 als Paradigma für einen heutigen „Kasus der Wiederherstellung“. Überlegungen zu einer Schnittstelle zwischen Altem Testament und kirchlichem Handeln im Blick auf eine Theologie und Praxis der Dankbarkeit, in: JETh 21, 2007. S. 31-50. online unter: http://goo.gl/ZcBVa3; vgl. noch Tromp 1986Tromp, Nicholas J.: La Louange réaliste du Psaume 30. „Ne pas séparer ce que Dieu a uni“, in: ETL 62, 1986. S. 257-266., S. 257. Daher sollte man V. 9 wohl besser auch zum vergangenen Flehruf rechnen, der derart hier ohne Redeeinleitung zitiert wird (Zitate stehen in der biblischen Poesie oft ohne Redeeinleitung), und selbst eine Redeeinleitung ergänzen. (Zurück zu v.9)
wTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Viele Exegeten emendieren, um den Personenwechsel zu vermeiden, nach SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. וְאֶל־אֲדֹנָי und zu meinem Herrn zu וְאֵלֶיךָ אֲדֹנָי: und zu dir, meinem Herrn. Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965. will sogar emendieren: וְאֵל אֲדֹנָי: Oh El, mein Herr. Unnötig: P-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f.. (ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. ähnlich Spieckermann 1989Spieckermann, Hermann: Heilsgegenwart. Eine Theologie der Psalmen. Göttingen, 1989. online unter: http://goo.gl/MZllRs, S. 255). Das „zu dir, mein Herr“ von TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. kann auch einfach darauf zurückgeführt werden, dass sie das richtig gesehen haben; auch in der LF sollte besser so übertragen werden, da es solche Shifts im Deutschen nicht gibt. (Zurück zu v.9)
xzum Sinn vgl. gut Halévy 1895aHalévy, Joseph: Notes pour l'interprétation des Psaumes, in: Revue sémitique d'épigraphie et d'histoire ancienne 3/1, 1895., S. 32, der den Stichos als eine Kurzform von Gen 37,26 erklärt: „Welchen Gewinn hättest du, wenn du mich tötetest und mein Blut vergössest?“. Die Umpunktierung von בְּדָמִי in meinem Blut nach בְּדּמִּי wenn ich verstummte („Was nützte es, wenn ich verstummte“; Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. onine unter: http://goo.gl/r9Wpjj; Tromp 1986Tromp, Nicholas J.: La Louange réaliste du Psaume 30. „Ne pas séparer ce que Dieu a uni“, in: ETL 62, 1986. S. 257-266.; Zorell 1928Zorell, Francisco S.J.: Psalterium Ex Hebraeo Latinum. Rom, 1928.) ist unnötig. (Zurück zu v.10)
yzu „Schacht“ als Metapher für die Unterwelt vgl. FN c. (Zurück zu v.10)
zMeist: „Kann Staub dich preisen“, d.h. der Stoff, aus dem der Mensch nach Gen 2,7 besteht und der nach seinem Tod übrig bleibt (Allerdings „Lehm“, nicht „Staub“. Dass der Mensch aus Lehm gemacht ist und Gott ihn aus Lehm gemacht hat, geht zurück auf das altorientalische Motiv des Schöpfergottes an der Töpferscheibe).
Vielleicht sinnvoller: עפר kann evt. auch für tote Menschen stehen (vgl. TLOT 1185: „Leiche“; ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. auch Fürst 1078: „Tote“; s. noch HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln.: „Kann ein Toter dir noch danken?“; auch die Info der BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll.: „Gemeint sind die Verstorbenen, die unten im Totenreich in staubtrockener Erde ruhen.“); dann „Können Tote dich preisen?“. Der VersEin Teil in einem Kapitel. verdichtete dann den Topos, dass gestorbene und in die Unterwelt hinabgefahrene Menschen vom Kontakt mit Gott abgeschnitten sind und ihn darum eben nicht mehr preisen können (s. Parallelstellen). Die Bedeutung „Tote“ für עפר ist aber zweifelhaft, daher sollte man wohl doch bei der Standard-Übersetzung bleiben. (Zurück zu v.10)
aaW. hören, ein häufiger term. tech. für die Gebetserhörung; so wohl auch hier. (Zurück zu v.11)
abDa hast du gut nach Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs.; Gerstenberger 1972Gerstenberger, Erhard S. u.a.: Psalmen in der Sprache unserer Zeit. Der Psalter und die Klagelieder eingeleitet, übersetzt und erklärt von E. Gerstenberger, K. Jutzler und H. J. Boecker. Neukirchen-Vluyn, 1972.; GUARDer Lateinische Psalter der Ausgabe Pius' XII in der Übersetzung von Romano Guardini. War längere Zeit als deutscher Einheitstext zur gottesdienstlichen Verwendung im Gebrauch. Joseph Patscher urteilt im Liturgischen Jahrbuch: „Wir besitzen keine Übertragung, die sich in der hohen Kultur der Sprache mit Guardini messen kann.“ - und das ist so. Unbedingt einen Blick wert, wenn es an das Erstellen der Lesefassung geht.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987.; ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.: V. 12 schildert die Reaktion Gottes auf den Flehruf des Psalmisten. (Zurück zu v.12)
acmeist: „gegürtet“, aber אור kann auch allgemein „Kleiden“ bedeuten, was hier sehr viel besser passt. (Zurück zu v.12)
adzu kausalem לְמַעַן vgl. Fürst 847; Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012. 713; KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 237. (Zurück zu v.13)
aeTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Leber (Herrlichkeit, Seele) - „Leber“ und „Herrlichkeit“ waren ursprünglich gleich geschrieben worden. Sehr nah verwandt ist diese Stelle mit Ps 16,9; 57,9; 108,2: An allen vier Stellen wird Gott entweder von der „Leber“ oder von der „Herrlichkeit“ des Beters besungen und die Masoreten haben sich jedes Mal für „Herrlichkeit“ entschieden. Einige Hebraisten glauben deshalb, dass „Herrlichkeit“ auch „Seele“ bedeuten und als solche Gott besingen kann. Dass es auch im Akkadischen stets entweder das Herz oder eben die „Leber“ ist, die sich freut und jubelt (vgl. Dhorme 1922Dhorme, Édouard: L'emploi métaphorique des nomes de parties du corps en Hébreu et en Akkadien (Suite), in: RB 31/4, 1922. 489-517., S. 509f.), spricht aber stark dafür, dass auch im Heb. md. an diesen vier Stellen „Leber“ zu lesen ist.
W.: „Darum will Leber dich besingen“; wohl mit double duty-Suffix (->BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.) aus V. 12: „[meine] Leber“ (alternativ ergänzen fast alle Exegeten ein Suffix). (Zurück zu v.13)
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