Syntax ungeprüft


Lesefassung (Genesis 30)
(kommt später)Studienfassung (Genesis 30)
37 Dann nahm sich Jakob weißes Geäst: Pappel (=Weiß-Baum) und Mandel und Platane (=Nackt-Baum; Pappel?).〈a〉 Er schnitt weiße Schnitte in sie, [derart] das Weiße freilegend, das an den Ästen [war].
Anmerkungen
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| b | Offenbar der früheste klare Beleg der „Kallipädie“-Vorstellung, also des Glaubens daran, das Aussehen eines Nachkommen werde bestimmt von dem, was seine Mutter im Moment der Empfängnis vor Augen / im Kopf hat. Noegel 1997, S. 9 wendet ein, diese Vorstellung sei das erste Mal im 5. Jhd. n. Chr. belegt, aber das ist nicht wahr. Aristoteles schreibt schon im 4. Jhd. v. Chr., tierische Nachkommen ähnelten ihren Eltern mehr als menschliche Nachkommen, da Menschen „im Moment der Zeugung Unterschiedlicheres durch den Kopf geht als Tieren“ (Problemata 10.10), und Aetius zitiert Empedokles (5. Jhd. v. Chr.), der das selbe Phänomen damit erklärt, „[dass] Embryos durch die Einbildungskraft der Frau zur Zeit ihrer Empfängnis geformt werden. Denn häufig verlieben sich Frauen in Statuen von Männern und in Bilder und bringen dann Nachwuchs hervor, das diesen ähnelt“ (Doxographi Graeci 5.12.2; Üs. nach Doniger / Spinner 1998, S. 100). Ihren ausführlichsten antiken Ausdruck findet diese Vorstellung in der Gynäkologie des Soranus von Ephesus, der im 4. Jhd. n. Chr. schreibt: „Wunderbarerweise hat auch der Zustand der Seele Einfluss auf die Gestaltung des Empfangenen. So wurden solche, die im Augenblicke des Coitus Affen sahen, mit affenähnlichen Wesen schwanger. Ein missgestalteter Herrscher von Kypros zwang seine Gattin während des Coitus auf sehr schöne Statuen zu blicken und erzeugte so schön gestaltete Kinder. Die Pferdezüchter stellen beim Bespringen vor die Stuten edle Tiere [!].“ (§39, Üs. Lüneburg). (2) Einigen neueren Auslegern ist es offenbar unangenehm, dass sich solche Vorstellungen auch in der Bibel finden sollen, und erklären die Szene daher stattdessen mit moderner Biologie: Die Schwärze schwarzer Schafe und die Färbung farbiger Ziegen seien rezessive Erbanlagen, die auch in äußerlich weißen Schafen und schwarzen Ziegen angelegt sein können. So sei „wirklich“ zu erklären, wie die gefärbten Tiere geboren wurden, und die Passage über die Äste sei nur eine bedeutungslose Anspielung auf einen Volksglauben (Alter 1996, S. 165) oder ein Täuschungsmanöver, mit dem Jakob vor Laban verbergen wollte, dass er tatsächlich raffinierte Zuchtmethoden anwandte (Etkin 1965). Was damit gewonnen sein soll, verstehe ich (S.W.) nicht. (Zurück zu v.38) |
