Genesis 30

Aus Die Offene Bibel

Wechseln zu: Navigation, Suche

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Genesis 30)

(kommt später)

Studienfassung (Genesis 30)

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37 Dann nahm sich Jakob weißes Geäst: Storax (=Weiß-Baum; Pappel?) und Mandel und Platane (=Nackt-Baum).a Er schnitt weiße Schnitte in sie, [derart] das Weiße freilegend, das an den Ästen [war].

38 ... als sie zum Trinken kamen.b

39

40

41

42

43

Anmerkungen

a
Drei Baumarten in Gen 30,37. (c) 1: identify.plantnet.org, 2: Youtube: Arresha, 3: Wikimedia
Die drei Baumarten entsprechen in ihrer Zahl den drei Mustern der Ziegen: gestreift, gefleckt und gepunktet. Die Identität ist zwar nur beim Mandelbaum sehr sicher (luz; so heißt die Mandel auch im Arabischen). Warum allerdings Pflanzenkundler bei ´armon (w. „Nackt-Baum“, nur noch in Ez 31,8; Sir 24,14) auf die Platane kamen (so z.B. Löw 1924, S. 65; Moldenke / Moldenke 1952, S. 180; Musselman 2012, S. 116; schon LXX), erklärt sich leicht: Wie auf dem Bild ganz rechts zu sehen ist, schält sich die Platane von selbst, ist damit natürlich gescheckt und deshalb vielleicht auch besonders gut geeignet, um auf magische Weise gescheckte Tiere zu produzieren. Bei libneh (w. „Weiß-Baum“, sonst nur noch in Hos 4,13) schwanken Pflanzenkundler zwischen „Pappel“ (so z.B. Löw 1924, S. 338f.; Moldenke / Moldenke 1952, S. 225) und „Storaxbaum“ (so z.B. Zohary 1986, S. 118; wahlweiße Musselman 2012, S. 127). Stark für den Storaxbaum spricht aber, dass er auch im Arabischen u.a. livnah / luvnah heißt. Wie man auf dem Bild links sieht, gilt für ihn ähnliches wie für die Platane, wenn auch weniger stark ausgeprägt. Der Mandelbaum fällt dann aus dem Muster. Ist die Färbung Grund für die Wahl gerade dieser drei Bäume, muss man bei den Mandel-„Ästen“ vielleicht an sehr dicke Äste denken: Charakteristisch für den Mandelbaum ist eine auffällige Färbung im Querschnitt des Holzes. (Zurück zu v.37)
b(1) Offenbar der früheste klare Beleg der „Kallipädie“-Vorstellung, also des Glaubens daran, das Aussehen eines Nachkommen werde bestimmt von dem, was seine Mutter im Moment der Empfängnis und/oder kurz danach vor Augen / im Kopf hat: Im Wasser überlagerte sich das Spiegelbild der dunklen Ziegen und die gescheckten und gestreiften Äste zu gescheckten und gestreiften Ziegen, und weil sie dieses Bild vor Augen hatten, hätten die Ziegen farbige Nachkommen empfangen.
Noegel 1997, S. 9 wendet ein, diese Vorstellung sei das erste Mal im 5. Jhd. n. Chr. belegt, aber das ist nicht wahr. Aristoteles schreibt schon im 4. Jhd. v. Chr., tierische Nachkommen ähnelten ihren Eltern mehr als menschliche Nachkommen, da Menschen „im Moment der Zeugung Unterschiedlicheres durch den Kopf geht als Tieren“ (Problemata 10.10), und Aetius zitiert Empedokles (5. Jhd. v. Chr.), der das selbe Phänomen damit erklärt, „[dass] Embryos durch die Einbildungskraft der Frau zur Zeit ihrer Empfängnis geformt werden. Denn häufig verlieben sich Frauen in Statuen von Männern und in Bilder und bringen dann Nachwuchs hervor, das diesen ähnelt(Doxographi Graeci 5.12.2; Üs. nach Doninger / Spinner 1998, S. 100). Ihren ausführlichsten antiken Ausdruck findet diese Vorstellung in der Gynäkologie des Soranus von Ephesus, der im 4. Jhd. n. Chr. schreibt: „Wunderbarerweise hat auch der Zustand der Seele Einfluss auf die Gestaltung des Empfangenen. So wurden solche, die im Augenblicke des Coitus Affen sahen, mit affenähnlichen Wesen schwanger. Ein missgestalteter Herrscher von Kypros zwang seine Gattin während des Coitus auf sehr schöne Statuen zu blicken und erzeugte so schön gestaltete Kinder. Die Pferdezüchter stellen beim Bespringen vor die Stuten edle Tiere [!].(§39, Üs. Lüneburg). Stol 2000, S. 156 glaubt, diese Vorstellung lasse sich sogar schon in babylonischen Texten nachweisen, und zitiert u.a. den folgenden Text, bei dem dies wirklich wahrscheinlich ist: „Die Frau eines Mannes wurde von einem anderen schwanger und wird fortwährend zu Ischtar beten und dabei die ganze Zeit auf ihren Mann blicken: ‚Ich werde das, was in meinem Leib ist, aussehen lassen wie meinen Ehemann!‘(BRM 4 12:36f.). Sehr viele weitere Belegstellen findet man bei Preuß 1892.
(2) Einigen neueren Auslegern ist es offenbar unangenehm, dass sich solche Vorstellungen auch in der Bibel finden sollen, und erklären die Szene daher stattdessen mit moderner Biologie: Die Schwärze schwarzer Schafe und die Färbung farbiger Ziegen seien rezessive Erbanlagen, die auch in äußerlich weißen Schafen und schwarzen Ziegen angelegt sein können. So sei „wirklich“ zu erklären, wie die gefärbten Tiere geboren wurden, und die Passage über die Äste sei nur eine bedeutungslose Anspielung auf einen Volksglauben (Alter 1996, S. 165) oder ein Täuschungsmanöver, mit dem Jakob vor Laban verbergen wollte, dass er tatsächlich raffinierte Zuchtmethoden anwandte (Etkin 1965). Was damit gewonnen sein soll, verstehe ich (S.W.) nicht. (Zurück zu v.38)