Genesis 30: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|30}} Denn wenig [war's], was dein war (vor mir=) vor meiner Ankunft; dann hat sich's ausgebreitet zu einer Menge! JHWH hat dich gesegnet mit (meinem Schritt=) meiner Ankunft (um meinetwillen?)!<ref name="27.30" /> (Und nun=) Also: Wann kann auch ich<ref>''auch ich'' - nicht: „auch ich, während aktuell nur meine beiden Frauen für ''unseren'' Wohlstand arbeiten“ (Raschi, Radak). Ebenso wenig: „Wann kann ich auch für meinen Haushalt arbeiten, statt nur für deinen?“ (Ramban, Tur). Sondern: „Wann kann auch ich für meinen Haushalt arbeiten, anstatt dass wir beide nur in deine Tasche arbeiten?“ So z.B. Sforno: „Wann wird's mir möglich sein, Segen auf mein Haus zu bringen – auf die selbe Weise, wie du ihn durch meine Gegenwart auf deines brachtest!?“.</ref> etwas für ''meinen'' Haushalt tun?“
{{S|30}} Denn wenig [war's], was dein war (vor mir=) vor meiner Ankunft; dann hat sich's ausgebreitet zu einer Menge! JHWH hat dich gesegnet mit (meinem Schritt=) meiner Ankunft (um meinetwillen?)!<ref name="27.30" /> (Und nun=) Also: Wann kann auch ich<ref>''auch ich'' - nicht: „auch ich, während aktuell nur meine beiden Frauen für ''unseren'' Wohlstand arbeiten“ (Raschi, Radak). Ebenso wenig: „Wann kann ich auch für meinen Haushalt arbeiten, statt nur für deinen?“ (Ramban, Tur). Sondern: „Wann kann auch ich für meinen Haushalt arbeiten, anstatt dass wir beide nur in deine Tasche arbeiten?“ So z.B. Sforno: „Wann wird's mir möglich sein, Segen auf mein Haus zu bringen – auf die selbe Weise, wie du ihn durch meine Gegenwart auf deines brachtest!?“.</ref> etwas für ''meinen'' Haushalt tun?“
{{S|31}} Da (sagte=) fragte (er=) Laban: „Was soll ich dir geben?“<br />Da (sagte=) erwiderte Jakob: „Du musst mir gar nichts geben, wenn du für mich diese Sache tust: Ich werde (darf) wieder weiden dein Kleinvieh; [es] hüten.
{{S|31}} Da (sagte=) fragte (er=) Laban: „Was soll ich dir geben?“<br />Da (sagte=) erwiderte Jakob: „Du musst mir gar nichts geben, wenn du für mich diese Sache tust: Ich werde (darf) wieder weiden dein Kleinvieh; [es] hüten.
{{S|32}} Ich werde (am Tag=) heute durch all dein Kleinvieh ziehen, um auszusondern (...ziehen. Sondere aus...!)<ref>''um auszusondern (sondere aus!)'' - Das zweite Verb könnte entweder Infinitiv sein und von Jakobs Handeln sprechen oder Imperativ und dann von Labans Handeln sprechen. Weil in V. 35 dann wirklich ''Laban'' das Aussondern übernimmt, haben schon LXX und VUL das Verb als Imperativ genommen; so z.B auch Baumgarten 1843; Ruppert 2005; Tröndle 2023, S. 165. Aber das liegt ganz fern; dass Laban aussondern sollte, passt ja denkbar schlecht dazu, dass ''Jakob'' durch das Kleinvieh ziehen will. Besser erklärt man das Gegeneinander von V. 32 vs. V. 35 literarisch: Noch am selben Tag bricht Laban das erste Mal den gerade geschlossenen Vertrag und überlässt das Aussondern eben nicht Jakob, wie es abgesprochen war.</ref> jedes gesprenkelte und gefleckte Schaf<ref>''jedes gesprenkelte und gefleckte Schaf'' - Etwas merkwürdig. Es gibt in der Tat gefleckte Schafe; eine verbreitete Rasse ist sogar nach unserer Geschichte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobschaf Jakobschaf]“ getauft worden. Im Folgenden spricht Jakob aber nur von gesprenkelten, gefleckten und gestreiften ''Ziegen'' und von ''schwarzen'' Schafen; dass gleich die erste Tierbezeichnung von „gefleckten Schafen“ spricht, fügt sich daher nicht ganz harmonisch in die folgende Erzählung. In LXX fehlt denn auch diese erste Tierbezeichnung, weshalb z.B. Ball 1896 und BHK sie noch für eine sekundäre Ergänzung hielten und streichen wollten. Heute hält man umgekehrt i.d.R. die kürzere Variante in LXX für ein Homoiteleuton; w. steht im Heb. nämlich „'''jedes Schaf,''' <s>gesprenkelt und gefleckt und '''jedes Schaf,'''</s> schwarz, unter den Lämmern“, wo die hier durchgestrichene Passage leicht wegen der identischen und hier gefetteten Phrasen überlesen worden sein könnte. Dennoch bleibt die erstgenannte Merkwürdigkeit. Wahrscheinlich ist dies ein Stilmittel: Dass Jakob haarklein auseinanderlegt, welche Tiere genau ihm zugesprochen werden sollen, wird dadurch unterstrichen, dass er drei „Tierklassen“ benennt, bei denen die zweite und dritte bereits in der ersten aufgehoben sind: „(ab) ''Jedes <u>gesprenkelte und gefleckte</u> '''Schaf''''' (a) ''und jedes schwarze '''Schaf''''' (b) ''und jede <u>gefleckte und gesprenkelte</u> Ziege''.“ Umso schwerer wiegt dann, was Jakob dem Laban in [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] vorwirft.</ref> und jedes schwarze Schaf unter den Lämmern und jedes Gefleckte und Gesprenkelte unter den Ziegen, und [es] (...Ziegen. Solches)<ref>Zu ''[es] (solches)'' s. die Anmerkungen.</ref> sei mein Lohn.“
{{S|32}} Ich werde (am Tag=) heute durch all dein Kleinvieh ziehen, um auszusondern (...ziehen. Sondere aus...!)<ref>''um auszusondern (sondere aus!)'' - Das zweite Verb könnte entweder Infinitiv sein und von Jakobs Handeln sprechen oder Imperativ und dann von Labans Handeln sprechen. Weil in V. 35 dann wirklich ''Laban'' das Aussondern übernimmt, haben schon LXX und VUL das Verb als Imperativ genommen; so z.B auch Baumgarten 1843; Ruppert 2005; Tröndle 2023, S. 165. Aber das liegt ganz fern; dass Laban aussondern sollte, passt ja denkbar schlecht dazu, dass ''Jakob'' durch das Kleinvieh ziehen will. Besser erklärt man das Gegeneinander von V. 32 vs. V. 35 literarisch: Noch am selben Tag bricht Laban das erste Mal den gerade geschlossenen Vertrag und überlässt das Aussondern eben nicht Jakob, wie es abgesprochen war.</ref> jedes gesprenkelte und gefleckte Schaf<ref>''jedes gesprenkelte und gefleckte Schaf'' - Etwas merkwürdig. Es gibt in der Tat gefleckte Schafe; eine verbreitete Rasse ist sogar nach unserer Geschichte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobschaf Jakobschaf]“ getauft worden. Im Folgenden spricht Jakob aber nur von gesprenkelten, gefleckten und gestreiften ''Ziegen'' und von ''schwarzen'' Schafen; dass gleich die erste Tierbezeichnung von „gefleckten Schafen“ spricht, fügt sich daher nicht ganz harmonisch in die folgende Erzählung. In LXX fehlt denn auch diese erste Tierbezeichnung, weshalb z.B. Ball 1896 und BHK sie noch für eine sekundäre Ergänzung hielten und streichen wollten. Heute hält man umgekehrt i.d.R. die kürzere Variante in LXX für ein Homoiteleuton; w. steht im Heb. nämlich „'''jedes Schaf,''' <s>gesprenkelt und gefleckt und '''jedes Schaf,'''</s> schwarz, unter den Lämmern“, wo die hier durchgestrichene Passage leicht wegen der identischen und hier gefetteten Phrasen überlesen worden sein könnte. Dennoch bleibt die erstgenannte Merkwürdigkeit. Wahrscheinlich ist dies ein Stilmittel: Dass Jakob haarklein auseinanderlegt, welche Tiere genau ihm zugesprochen werden sollen, wird dadurch unterstrichen, dass er drei „Tierklassen“ benennt, bei denen die zweite und dritte bereits in der ersten aufgehoben sind: „(ab) ''Jedes <u>gesprenkelte und gefleckte</u> '''Schaf''''' (a) ''und jedes schwarze '''Schaf''''' (b) ''und jede <u>gefleckte und gesprenkelte</u> Ziege''.“ Umso schwerer wiegt dann, was Jakob dem Laban in [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] vorwirft.</ref> und jedes schwarze Schaf unter den Lämmern und jedes Gefleckte und Gesprenkelte unter den Ziegen, und [es] (...Ziegen. Solches)<ref>Zu ''[es] (solches)'' s. die Anmerkungen. In der LF übersetzt man vielleicht am besten: „Das sei mein Lohn“, mit einer FN à la: „Worauf sich ‚das‘ bezieht, ist im Hebräischen unklar. Wahrscheinlich bewusst: Mindestens lässt sich annehmen, dass Laban davon ausging, mit seiner Entfernung der farbigen Tiere aus Jakobs Herde sichergestellt zu haben, dass Jakob einen geringen bis gar keinen Lohn erhalten wird. Doch dem wird Jakob sogleich ein Schnippchen schlagen und Lohn über Lohn anhäufen.“</ref> sei mein Lohn.“


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'''Vv. 25''': Entweder ist für Jakob die Geburt seines jüngsten Sohnes von seiner Lieblingsfrau das Signal, dass es nun endlich Zeit ist, aufzubrechen, oder der Vers sagt, dass durch glückliche / göttliche Fügung die langersehnte Geburt von Rahels Kind mit dem Ende des vierzehnjährigen Dienstens Jakobs bei Laban zusammenfällt. So und so: Endlich scheint die Zeit zur Rückkehr gekommen zu sein. Nach '''V. 26''' stehen dem aber offenbar rechtliche Hindernisse im Wege. Annehmen kann man anscheinend eine Situation, wie sie in [[Exodus 21#s2 |Ex 21,2-6]] beschrieben wird: Hat ein Dienstherr seinem „Diener“ binnen der sieben Jahre, die dieser bei ihm diente, eine Frau gegeben und hat diese Frau Kinder bekommen, sind de jure Frau und Kinder Eigentum des Dienstherrn und dieser kann sie nach gusto einfach einbehalten. Laban jedenfalls wird dies in [[Genesis 31#43 |Gen 31,43]] voraussetzen. Jakob betont daher, dass er seine Frauen nicht einfach „erhalten“ hat, sondern dass er sie mit seinem Dienst ''erworben'' hat („du, du weißt ja um meinen Dienst“), und fordert ihre Herausgabe. Gleichzeitig betont er dennoch mit der dreifachen Rede von seinem „Dienen“ das ''Dienst''-Verhältnis, in dem er stand. Wahrscheinlich tut er dies, um seinerseits auf rechtliche Regelungen wie die in [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13f.]] anzuspielen (vgl. [[Genesis 31#s42 |Gen 31,42]] mit [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13]]), wonach ein Dienstherr, bei dem ein Diener gedient hat, diesen nicht mit leeren Händen entlassen darf, sondern ihm sozusagen als Startkapital mit Tieren und Saatgut auszustatten hat (so gut Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).<br />Laban wiederum scheint das aber bewusst zu überhören. Überaus höflich hebt er in '''V. 27''' zu einer Antwort an, um Jakob in '''V. 28''' vorgeblich gar einen Blankoscheck auszustellen – aber einen Blankoscheck über Jakobs ''Lohn'': Dass er ihn mit Geschenken nach Hause schickt, steht außer Frage; will Jakob nicht mit leeren Händen zurückkehren, muss er sich seine Habe schon selbst als Lohnknecht verdienen.<br />Jakobs Worte in '''V 29''' sind danach wohl nicht nur höfliche Floskeln bei einer Verhandlung, sondern durchaus entnervter Vorwurf (gut Cotter 2003): „Du, du weißt ja darum, wie ich dir gedient habe und darum, was mit deinem Vieh bei mir geschah!“, d.h.: Ich habe dich ''reich'' gemacht! Und nun sollte ich dennoch noch weiter für ''dich'' arbeiten? Nein: Wenn du schon so spielen willst, dann will ich dabei immerhin gleichzeitig etwas ausschließlich für ''meinen'' Haushalt tun können ('''V. 30'''; gut Goldingay 2020). Jakob fordert also, wie Miller 1993b, S. 33f. und Arnold 2009 richtig gesehen haben, nun immerhin in einem anderen Verhältnis zu Laban weiterarbeiten zu können: Nicht mehr als Diener, sondern als ''Partner'', der endlich auch einmal Gewinn für seinen eigenen Haushalt erwirtschaften kann.<br />Folgerichtig fragt Laban in '''V. 31a''' dann auch nicht mehr nach dem erwünschten „Lohn“, sondern einsilbig: „Was soll ich dir geben?“
'''Vv. 25''': Entweder ist für Jakob die Geburt seines jüngsten Sohnes von seiner Lieblingsfrau das Signal, dass es nun endlich Zeit ist, aufzubrechen, oder der Vers sagt, dass durch glückliche / göttliche Fügung die langersehnte Geburt von Rahels Kind mit dem Ende des vierzehnjährigen Dienstens Jakobs bei Laban zusammenfällt. So und so: Endlich scheint die Zeit zur Rückkehr gekommen zu sein. Nach '''V. 26''' stehen dem aber offenbar rechtliche Hindernisse im Wege. Annehmen kann man anscheinend eine Situation, wie sie in [[Exodus 21#s2 |Ex 21,2-6]] beschrieben wird: Hat ein Dienstherr seinem „Diener“ binnen der sieben Jahre, die dieser bei ihm diente, eine Frau gegeben und hat diese Frau Kinder bekommen, sind de jure Frau und Kinder Eigentum des Dienstherrn und dieser kann sie nach gusto einfach einbehalten. Laban jedenfalls wird dies in [[Genesis 31#43 |Gen 31,43]] voraussetzen. Jakob betont daher, dass er seine Frauen nicht einfach „erhalten“ hat, sondern dass er sie mit seinem Dienst ''erworben'' hat („du, du weißt ja um meinen Dienst“), und fordert ihre Herausgabe. Gleichzeitig betont er dennoch mit der dreifachen Rede von seinem „Dienen“ das ''Dienst''-Verhältnis, in dem er stand. Wahrscheinlich tut er dies, um seinerseits auf rechtliche Regelungen wie die in [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13f.]] anzuspielen (vgl. [[Genesis 31#s42 |Gen 31,42]] mit [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13]]), wonach ein Dienstherr, bei dem ein Diener gedient hat, diesen nicht mit leeren Händen entlassen darf, sondern ihm sozusagen als Startkapital mit Tieren und Saatgut auszustatten hat (so gut Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).<br />Laban wiederum scheint das aber bewusst zu überhören. Überaus höflich hebt er in '''V. 27''' zu einer Antwort an, um Jakob in '''V. 28''' vorgeblich gar einen Blankoscheck auszustellen – aber einen Blankoscheck über Jakobs ''Lohn'': Dass er ihn mit Geschenken nach Hause schickt, steht außer Frage; will Jakob nicht mit leeren Händen zurückkehren, muss er sich seine Habe schon selbst als Lohnknecht verdienen.<br />Jakobs Worte in '''V 29''' sind danach wohl nicht nur höfliche Floskeln bei einer Verhandlung, sondern durchaus entnervter Vorwurf (gut Cotter 2003): „Du, du weißt ja darum, wie ich dir gedient habe und darum, was mit deinem Vieh bei mir geschah!“, d.h.: Ich habe dich ''reich'' gemacht! Und nun sollte ich dennoch noch weiter für ''dich'' arbeiten? Nein: Wenn du schon so spielen willst, dann will ich dabei immerhin gleichzeitig etwas ausschließlich für ''meinen'' Haushalt tun können ('''V. 30'''; gut Goldingay 2020). Jakob fordert also, wie Miller 1993b, S. 33f. und Arnold 2009 richtig gesehen haben, nun immerhin in einem anderen Verhältnis zu Laban weiterarbeiten zu können: Nicht mehr als Diener, sondern als ''Partner'', der endlich auch einmal Gewinn für seinen eigenen Haushalt erwirtschaften kann.<br />Folgerichtig fragt Laban in '''V. 31a''' dann auch nicht mehr nach dem erwünschten „Lohn“, sondern einsilbig: „Was soll ich dir geben?“


Was hiernach geschieht, ist leider nicht sehr gut verständlich. Klar ist, dass Jakob in '''V. 31b-33''' „abnormal gefärbte“ Tiere als seinen Lohn einfordert. Klar ist auch, dass Laban in '''V. 34''' sofort auf diesen Deal eingeht, aber nach '''Vv. 35f.''' schon am selben Tag das erste Mal wortbrüchig wird, indem entgegen der Absprache ''er'' durch die Herden geht, alle abnormal gefärbten Tiere entführt und den Herden, die er und seine Söhne hüten, zuschlägt. Klar ist schließlich, dass Jakob sich dennoch zu behelfen weiß, indem er in '''Vv. 37-42''' (nach antiker Ansicht sinnvolle) Zuchtmethoden anwendet, mit denen er seinen Anteil an dieser Partnerschaft immer weiter steigert, bis Labans Söhne in Gen 31,1 ihm gar darob zürnen können, dass er „sich alles einverleibt, was unserem Vater gehörte, und sich von dem, was unserem Vater gehörte, Reichtum verschafft“ und damit indirekt anerkennen, dass die enorme Zahl abnormal gefärbter Tiere, die Jakob durch seine Zucht produziert, wirklich ''seine'' Habe sind.<br />
Was hiernach geschieht, ist leider nicht sehr gut verständlich. Klar ist, dass Jakob in '''V. 31b-33''' „abnormal gefärbte“ Tiere als seinen Lohn einfordert. Klar ist auch, dass Laban in '''V. 34''' sofort auf diesen Deal eingeht, aber nach '''Vv. 35f.''' schon am selben Tag das erste Mal wortbrüchig wird, indem entgegen der Absprache ''er'' durch die Herden geht, alle abnormal gefärbten Tiere entführt und den Herden, die er und seine Söhne hüten, zuschlägt. Klar ist schließlich, dass Jakob sich dennoch zu behelfen weiß, indem er – zum Teil gewiss auch aus Rache (gut Galambush 2018) – in '''Vv. 37-42''' (nach antiker Ansicht sinnvolle) Zuchtmethoden anwendet, mit denen er einerseits seinen Anteil an dieser Partnerschaft immer weiter steigert und andererseits Labans Anteil immer weiter mindert und schwächt, bis Labans Söhne in Gen 31,1 ihm gar darob zürnen können, dass er „sich alles einverleibt, was unserem Vater gehörte, und sich von dem, was unserem Vater gehörte, Reichtum verschafft“ und damit indirekt anerkennen, dass die enorme Zahl abnormal gefärbter Tiere, die Jakob durch seine Zucht produziert, wirklich ''seine'' Habe sind.<br />
<small>Unklar ist aber zweierlei: Erstens klingt das Ende von V. 31 so, als sollten nur ''diejenigen'' abnormal gefärbten Tiere Jakobs Lohn sein, die es ''zum Zeitpunkt der Absprache'' in Labans Herde gibt („''[es]'' = das eben genannte Auszusondernde sei mein Lohn“). Das machte es umso verwerflicher, wie Laban in Vv. 35f. handelt. Dagegen steht aber die Logik der Erzählung von Gen 30,37-31,2, die klar voraussetzt, dass auch die ab Absprache geborenen abnormal gefärbten Tiere Jakob gehören, und der Vers [[Genesis 31#s18 |Gen 31,18]], der explizit erklärt, dass es sich wirklich so verhält. Warum dann aber die Formulierung in V. 31?<br />Noch weiter verkompliziert wird die Sachlage dadurch, dass zum einen [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] auf einmal von noch weiteren Absprachen sprechen werden, und dass zum anderen Laban in [[Genesis 31#s43 |Gen 31,43]] erklären wird, die Herde, die Jakob bei sich hat, gehörte ''ihm''. Entweder gehen wir also davon aus, dass „und es sei mein Lohn“ ohne Parallelen etwas wie „''solches'' sei mein Lohn“ bedeutet und dass Laban in Gen 31,43 die Unwahrheit spricht, oder davon, dass Jakob beim entscheidenden Satz („und [es] sei mein Lohn“) bewusst unpräzise gesprochen hat und sich sonach Tiere aneignete, die Laban mit Recht für seine Tiere halten konnte.<br />Es ist zweitens gar nicht klar, ob Jakob in Vv. 31b-33 eigentlich einen außergewöhnlich geringen Anteil fordert, weshalb Laban denn auch sofort einschlägt, oder einen außergewöhnlich großen. Ähnliche Arrangements wie das zwischen Jakob und Laban kennen wir aus babylonischen und den Nuzi-Texten: Entweder galt dort die Absprache, dass Hirten 20% der neugeborenen Tiere als Lohn erhielten, oder die, dass pro 100 Muttertieren dem Herdenbesitzer 66 2/3 Tiere gehörten und Hirten der Überschuss als Lohn zustand, jeweils abzüglich der Verluste, die aufs Konto des Hirten gingen (vgl. z.B. Finkelstein 1968, S. 33f.). Wie genau diese Arrangements dem zwischen Jakob und Laban entsprechen, zeigen [[Genesis 31#s38 |Gen 31,38f.]], wonach Laban nicht nur die Tiere abgezogen hatte, deren Verlust auf Jakobs Konto gingen, sondern auch die, die von wilden Tieren gerissen worden waren und die, die Jakob  selbst verzehrt hatte. Verglichen mit diesen Zahlen klingt die Zahl von Jakobs Tieren zunächst also außergewöhnlich klein. Andererseits aber hat Kozuh 2015, bes. S. 182-185 vorgeführt, dass beide Weisen der Berechnung in Babylon gar nicht realistisch waren und de facto stattdessen dazu dienten, Hirten durch diese unrealistischen Berechnungs-Modelle immer tiefer in die Schuldenfalle zu treiben, so dass sie trotz Lohnabsprachen letztlich doch nur Sklaven waren, die über ihre Kost hinaus gar nichts von ihren Herdenbesitzern erhielten: Herdenbesitzer hatten durch solche Absprachen ein garantiertes Einkommen, Verluste dagegen hatten überwiegend die Hirten zu tragen und als Nebenfolge dieser Arrangements erhielten Herdenbesitzer neben dem garantierten Einkommen auch noch Schuldsklaven obendrein. Können wir auch in dieser Hinsicht ähnliche Arrangements auch als Norm für das Alte Israel annehmen, hätte hier im Gegensatz zu den üblichen Arrangements ''Jakob'' mit den abnormal gefärbten Tieren ein garantiertes Einkommen ausgehandelt und hätte nach der Absprache ''allein Laban'' für etwaige Verluste aufkommen müssen, die Jakob zuzuschreiben waren (wogegen er dann nach Gen 31,38f. ebenfalls verstoßen hätte). Danach wäre die Absprache hier sogar ein relativ guter Deal für Jakob.</small><br />Bei aller Unklarheit: Sicher ist mindestens, dass durch Jakobs Raffinesse<ref>''durch Jakobs Raffinesse'' - ob auch durch Gottes Hilfe, wie [[Genesis 31#s9 |Gen 31,9]] sagt, ist ebenfalls unklar: Wie zuverlässig ist eigentlich der trickreiche Jakob in seinen verschiedenen Aussagen in Gen 31?</ref> sein Besitz weit über Erwarten anwächst, bis er nach sechs Jahren als reicher Mann aus dem Deal herausgeht.
<small>Unklar ist aber zweierlei: Erstens klingt das Ende von V. 31 so, als sollten nur ''diejenigen'' abnormal gefärbten Tiere Jakobs Lohn sein, die es ''zum Zeitpunkt der Absprache'' in Labans Herde gibt („''[es]'' = das eben genannte Auszusondernde sei mein Lohn“). Das machte es umso verwerflicher, wie Laban in Vv. 35f. handelt. Dagegen steht aber die Logik der Erzählung von Gen 30,37-31,2, die klar voraussetzt, dass auch die ab Absprache geborenen abnormal gefärbten Tiere Jakob gehören, und der Vers [[Genesis 31#s18 |Gen 31,18]], der explizit erklärt, dass es sich wirklich so verhält. Warum dann aber die Formulierung in V. 31?<br />Noch weiter verkompliziert wird die Sachlage dadurch, dass zum einen [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] auf einmal von noch weiteren Absprachen sprechen werden, und dass zum anderen Laban in [[Genesis 31#s43 |Gen 31,43]] erklären wird, die Herde, die Jakob bei sich hat, gehörte ''ihm''. Entweder gehen wir also davon aus, dass „und es sei mein Lohn“ ohne Parallelen etwas wie „''solches'' sei mein Lohn“ bedeutet und dass Laban in Gen 31,43 die Unwahrheit spricht, oder davon, dass Jakob beim entscheidenden Satz („und [es] sei mein Lohn“) bewusst unpräzise gesprochen hat und sich sonach Tiere aneignete, die Laban mit Recht für seine Tiere halten konnte.<br />Es ist zweitens gar nicht klar, ob Jakob in Vv. 31b-33 eigentlich einen außergewöhnlich geringen Anteil fordert, weshalb Laban denn auch sofort einschlägt, oder einen außergewöhnlich großen. Ähnliche Arrangements wie das zwischen Jakob und Laban kennen wir aus babylonischen und den Nuzi-Texten: Entweder galt dort die Absprache, dass Hirten 20% der neugeborenen Tiere als Lohn erhielten, oder die, dass pro 100 Muttertieren dem Herdenbesitzer 66 2/3 Tiere gehörten und Hirten der Überschuss als Lohn zustand, jeweils abzüglich der Verluste, die aufs Konto des Hirten gingen (vgl. z.B. Finkelstein 1968, S. 33f.). Wie genau diese Arrangements dem zwischen Jakob und Laban entsprechen, zeigen [[Genesis 31#s38 |Gen 31,38f.]], wonach Laban nicht nur die Tiere abgezogen hatte, deren Verlust auf Jakobs Konto gingen, sondern auch die, die von wilden Tieren gerissen worden waren und die, die Jakob  selbst verzehrt hatte. Verglichen mit diesen Zahlen klingt die Zahl von Jakobs Tieren zunächst also außergewöhnlich klein. Andererseits aber hat Kozuh 2015, bes. S. 182-185 vorgeführt, dass beide Weisen der Berechnung in Babylon gar nicht realistisch waren und de facto stattdessen dazu dienten, Hirten durch diese unrealistischen Berechnungs-Modelle immer tiefer in die Schuldenfalle zu treiben, so dass sie trotz Lohnabsprachen letztlich doch nur Sklaven waren, die über ihre Kost hinaus gar nichts von ihren Herdenbesitzern erhielten: Herdenbesitzer hatten durch solche Absprachen ein garantiertes Einkommen, Verluste dagegen hatten überwiegend die Hirten zu tragen und als Nebenfolge dieser Arrangements erhielten Herdenbesitzer neben dem garantierten Einkommen auch noch Schuldsklaven obendrein. Können wir auch in dieser Hinsicht ähnliche Arrangements auch als Norm für das Alte Israel annehmen, hätte hier im Gegensatz zu den üblichen Arrangements ''Jakob'' mit den abnormal gefärbten Tieren ein garantiertes Einkommen ausgehandelt und hätte nach der Absprache ''allein Laban'' für etwaige Verluste aufkommen müssen, die Jakob zuzuschreiben waren (wogegen er dann nach Gen 31,38f. ebenfalls verstoßen hätte). Danach wäre die Absprache hier sogar ein relativ guter Deal für Jakob.</small><br />Bei aller Unklarheit: Sicher ist mindestens, dass durch Jakobs Raffinesse<ref>''durch Jakobs Raffinesse'' - ob auch durch Gottes Hilfe, wie [[Genesis 31#s9 |Gen 31,9]] sagt, ist ebenfalls unklar: Wie zuverlässig ist eigentlich der trickreiche Jakob in seinen verschiedenen Aussagen in Gen 31?</ref> sein Besitz weit über Erwarten anwächst, bis er laut '''V. 43''' nach sechs Jahren als „sehr, sehr reicher Mann“ aus dem Deal herausgeht.


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Version vom 20. Mai 2023, 21:03 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Genesis 30)

(kommt später)

Studienfassung (Genesis 30)

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25 {Und es geschah,} Als Rahel den Josef gebar (geboren hatte), sagte Jakob zu Laban: „Lass mich gehen, damit ich an meinen Ort und in mein Land gehen kann! 26 Gib [mir] (Gib heraus)a meine Frau und meine Kinder, für die ich dir gedient habe, damit ich gehen kann! Denn du, du weißt [ja um] meinen Dienst, [mit] dem ich dir gedient habe!“ 27 Da sagte zu ihm Laban: „Wenn ich nur Gefallen in deinen Augen gefunden habe... –b ich hatte gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?);c dann hat JHWH mich um deinetwillen (mit deiner Ankunft?)d gesegnet!{} 28 {Und er sagte: „}e Bestimme deinen Lohn (auf mir=) den ich zu bezahlen habe, und ich werde ihn geben!“ 29 Er (sagte zu=) antwortete ihm: „Du, du weißt [ja] darum, wie ich dir gedient habe, und darum, was geschah mit deinem Vieh bei mir! 30 Denn wenig [war's], was dein war (vor mir=) vor meiner Ankunft; dann hat sich's ausgebreitet zu einer Menge! JHWH hat dich gesegnet mit (meinem Schritt=) meiner Ankunft (um meinetwillen?)!d (Und nun=) Also: Wann kann auch ichf etwas für meinen Haushalt tun?“ 31 Da (sagte=) fragte (er=) Laban: „Was soll ich dir geben?“
Da (sagte=) erwiderte Jakob: „Du musst mir gar nichts geben, wenn du für mich diese Sache tust: Ich werde (darf) wieder weiden dein Kleinvieh; [es] hüten. 32 Ich werde (am Tag=) heute durch all dein Kleinvieh ziehen, um auszusondern (...ziehen. Sondere aus...!)g jedes gesprenkelte und gefleckte Schafh und jedes schwarze Schaf unter den Lämmern und jedes Gefleckte und Gesprenkelte unter den Ziegen, und [es] (...Ziegen. Solches)i sei mein Lohn.“

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37 Dann nahm sich Jakob weißes Geäst: Storax (=Weiß-Baum; Pappel?) und Mandel und Platane (=Nackt-Baum).j Er schnitt weiße Schnitte in sie, [derart] das Weiße freilegend, das an den Ästen [war].

38 ... als sie zum Trinken kamen.k

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Anmerkungen

Vv. 25: Entweder ist für Jakob die Geburt seines jüngsten Sohnes von seiner Lieblingsfrau das Signal, dass es nun endlich Zeit ist, aufzubrechen, oder der Vers sagt, dass durch glückliche / göttliche Fügung die langersehnte Geburt von Rahels Kind mit dem Ende des vierzehnjährigen Dienstens Jakobs bei Laban zusammenfällt. So und so: Endlich scheint die Zeit zur Rückkehr gekommen zu sein. Nach V. 26 stehen dem aber offenbar rechtliche Hindernisse im Wege. Annehmen kann man anscheinend eine Situation, wie sie in Ex 21,2-6 beschrieben wird: Hat ein Dienstherr seinem „Diener“ binnen der sieben Jahre, die dieser bei ihm diente, eine Frau gegeben und hat diese Frau Kinder bekommen, sind de jure Frau und Kinder Eigentum des Dienstherrn und dieser kann sie nach gusto einfach einbehalten. Laban jedenfalls wird dies in Gen 31,43 voraussetzen. Jakob betont daher, dass er seine Frauen nicht einfach „erhalten“ hat, sondern dass er sie mit seinem Dienst erworben hat („du, du weißt ja um meinen Dienst“), und fordert ihre Herausgabe. Gleichzeitig betont er dennoch mit der dreifachen Rede von seinem „Dienen“ das Dienst-Verhältnis, in dem er stand. Wahrscheinlich tut er dies, um seinerseits auf rechtliche Regelungen wie die in Dtn 15,13f. anzuspielen (vgl. Gen 31,42 mit Dtn 15,13), wonach ein Dienstherr, bei dem ein Diener gedient hat, diesen nicht mit leeren Händen entlassen darf, sondern ihm sozusagen als Startkapital mit Tieren und Saatgut auszustatten hat (so gut Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).
Laban wiederum scheint das aber bewusst zu überhören. Überaus höflich hebt er in V. 27 zu einer Antwort an, um Jakob in V. 28 vorgeblich gar einen Blankoscheck auszustellen – aber einen Blankoscheck über Jakobs Lohn: Dass er ihn mit Geschenken nach Hause schickt, steht außer Frage; will Jakob nicht mit leeren Händen zurückkehren, muss er sich seine Habe schon selbst als Lohnknecht verdienen.
Jakobs Worte in V 29 sind danach wohl nicht nur höfliche Floskeln bei einer Verhandlung, sondern durchaus entnervter Vorwurf (gut Cotter 2003): „Du, du weißt ja darum, wie ich dir gedient habe und darum, was mit deinem Vieh bei mir geschah!“, d.h.: Ich habe dich reich gemacht! Und nun sollte ich dennoch noch weiter für dich arbeiten? Nein: Wenn du schon so spielen willst, dann will ich dabei immerhin gleichzeitig etwas ausschließlich für meinen Haushalt tun können (V. 30; gut Goldingay 2020). Jakob fordert also, wie Miller 1993b, S. 33f. und Arnold 2009 richtig gesehen haben, nun immerhin in einem anderen Verhältnis zu Laban weiterarbeiten zu können: Nicht mehr als Diener, sondern als Partner, der endlich auch einmal Gewinn für seinen eigenen Haushalt erwirtschaften kann.
Folgerichtig fragt Laban in V. 31a dann auch nicht mehr nach dem erwünschten „Lohn“, sondern einsilbig: „Was soll ich dir geben?“

Was hiernach geschieht, ist leider nicht sehr gut verständlich. Klar ist, dass Jakob in V. 31b-33 „abnormal gefärbte“ Tiere als seinen Lohn einfordert. Klar ist auch, dass Laban in V. 34 sofort auf diesen Deal eingeht, aber nach Vv. 35f. schon am selben Tag das erste Mal wortbrüchig wird, indem entgegen der Absprache er durch die Herden geht, alle abnormal gefärbten Tiere entführt und den Herden, die er und seine Söhne hüten, zuschlägt. Klar ist schließlich, dass Jakob sich dennoch zu behelfen weiß, indem er – zum Teil gewiss auch aus Rache (gut Galambush 2018) – in Vv. 37-42 (nach antiker Ansicht sinnvolle) Zuchtmethoden anwendet, mit denen er einerseits seinen Anteil an dieser Partnerschaft immer weiter steigert und andererseits Labans Anteil immer weiter mindert und schwächt, bis Labans Söhne in Gen 31,1 ihm gar darob zürnen können, dass er „sich alles einverleibt, was unserem Vater gehörte, und sich von dem, was unserem Vater gehörte, Reichtum verschafft“ und damit indirekt anerkennen, dass die enorme Zahl abnormal gefärbter Tiere, die Jakob durch seine Zucht produziert, wirklich seine Habe sind.
Unklar ist aber zweierlei: Erstens klingt das Ende von V. 31 so, als sollten nur diejenigen abnormal gefärbten Tiere Jakobs Lohn sein, die es zum Zeitpunkt der Absprache in Labans Herde gibt ([es] = das eben genannte Auszusondernde sei mein Lohn“). Das machte es umso verwerflicher, wie Laban in Vv. 35f. handelt. Dagegen steht aber die Logik der Erzählung von Gen 30,37-31,2, die klar voraussetzt, dass auch die ab Absprache geborenen abnormal gefärbten Tiere Jakob gehören, und der Vers Gen 31,18, der explizit erklärt, dass es sich wirklich so verhält. Warum dann aber die Formulierung in V. 31?
Noch weiter verkompliziert wird die Sachlage dadurch, dass zum einen Gen 31,7f.41 auf einmal von noch weiteren Absprachen sprechen werden, und dass zum anderen Laban in Gen 31,43 erklären wird, die Herde, die Jakob bei sich hat, gehörte ihm. Entweder gehen wir also davon aus, dass „und es sei mein Lohn“ ohne Parallelen etwas wie „solches sei mein Lohn“ bedeutet und dass Laban in Gen 31,43 die Unwahrheit spricht, oder davon, dass Jakob beim entscheidenden Satz („und [es] sei mein Lohn“) bewusst unpräzise gesprochen hat und sich sonach Tiere aneignete, die Laban mit Recht für seine Tiere halten konnte.
Es ist zweitens gar nicht klar, ob Jakob in Vv. 31b-33 eigentlich einen außergewöhnlich geringen Anteil fordert, weshalb Laban denn auch sofort einschlägt, oder einen außergewöhnlich großen. Ähnliche Arrangements wie das zwischen Jakob und Laban kennen wir aus babylonischen und den Nuzi-Texten: Entweder galt dort die Absprache, dass Hirten 20% der neugeborenen Tiere als Lohn erhielten, oder die, dass pro 100 Muttertieren dem Herdenbesitzer 66 2/3 Tiere gehörten und Hirten der Überschuss als Lohn zustand, jeweils abzüglich der Verluste, die aufs Konto des Hirten gingen (vgl. z.B. Finkelstein 1968, S. 33f.). Wie genau diese Arrangements dem zwischen Jakob und Laban entsprechen, zeigen Gen 31,38f., wonach Laban nicht nur die Tiere abgezogen hatte, deren Verlust auf Jakobs Konto gingen, sondern auch die, die von wilden Tieren gerissen worden waren und die, die Jakob selbst verzehrt hatte. Verglichen mit diesen Zahlen klingt die Zahl von Jakobs Tieren zunächst also außergewöhnlich klein. Andererseits aber hat Kozuh 2015, bes. S. 182-185 vorgeführt, dass beide Weisen der Berechnung in Babylon gar nicht realistisch waren und de facto stattdessen dazu dienten, Hirten durch diese unrealistischen Berechnungs-Modelle immer tiefer in die Schuldenfalle zu treiben, so dass sie trotz Lohnabsprachen letztlich doch nur Sklaven waren, die über ihre Kost hinaus gar nichts von ihren Herdenbesitzern erhielten: Herdenbesitzer hatten durch solche Absprachen ein garantiertes Einkommen, Verluste dagegen hatten überwiegend die Hirten zu tragen und als Nebenfolge dieser Arrangements erhielten Herdenbesitzer neben dem garantierten Einkommen auch noch Schuldsklaven obendrein. Können wir auch in dieser Hinsicht ähnliche Arrangements auch als Norm für das Alte Israel annehmen, hätte hier im Gegensatz zu den üblichen Arrangements Jakob mit den abnormal gefärbten Tieren ein garantiertes Einkommen ausgehandelt und hätte nach der Absprache allein Laban für etwaige Verluste aufkommen müssen, die Jakob zuzuschreiben waren (wogegen er dann nach Gen 31,38f. ebenfalls verstoßen hätte). Danach wäre die Absprache hier sogar ein relativ guter Deal für Jakob.

Bei aller Unklarheit: Sicher ist mindestens, dass durch Jakobs Raffinessel sein Besitz weit über Erwarten anwächst, bis er laut V. 43 nach sechs Jahren als „sehr, sehr reicher Mann“ aus dem Deal herausgeht.

aTextkritik: MT nur: „Gib“. Darin wird MT gestützt von einigen LXX-Handschriften und TgO, alle anderen Textzeugen (Jub 28,25; LXX-Mss, VL, VUL, Syr, TgJ, TgN) haben ein zusätzliches mir. Im Heb. ist ein solches „mir“ nicht nötig, s. Gen 47,19; 1 Sam 9,23; 2 Sam 3,14; 2 Kön 10,15. LXX und Syr ergänzen auch dort teilweise „mir“ (LXX: 1 Sam 9,23; 2 Sam 3,14; Syr: Gen 47,19; 2 Sam 3,14), Tg und VUL aber an keiner dieser Stellen und LXX und Syr auch an den anderen nicht. Besonders das Plus in Tg + VUL darf man also nicht ohne Weiteres als stilistische Korrektur abtun, sondern dies scheint eine echte Variante zu sein. Am Sinn und am Tonfall scheint dies nichts zu ändern. Besser übersetzt man daher „gib mir“, was jedenfalls im Deutschen natürlicher klingt. (Zurück zu v.26)
bWenn ich Gefallen in deinen Augen gefunden habe... ist für gewöhnlich Einleitung einer Bitte an einen Höhergestellten. Von einem Höhergestellten an einen Tiefergestellten wie hier ist die Formel also ganz ausnehmend höflich. Eine Bitte allerdings – die kommt Laban dann nicht über die Lippen; stattdessen bricht er den Satz ab und hebt neu an. (Zurück zu v.27)
cich habe gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?) - schwieriges Wort. Für die LF am sinnvollsten wäre etwas wie „Ich hatte es schon früher vorhergesagt, und tatsächlich: Gott hat mich um deinetwillen gesegnet.“
Genauer: Heb. niḥašti, (1) prima vista klar „ich habe gewahrsagt“, genauer: „Omen haben's mir verraten: ...“. So deuten die aktuellsten Kommentator:innen (Goldingay 2020; Peterson 2022; Tröndle 2023, S 165); dies stützen auch LXX, VL, TgJ und TgN. Warum hier aber Laban überhaupt von seinem früheren „Wahrsagen“ sprechen sollte, ist so schwer verständlich, dass wenige glücklich mit dieser Deutung sind.
(2) TgO, Syr, VUL und der Midrasch haben stattdessen etwas wie „ich habe getestet/herausgefunden“, obwohl es im Aramäischen und Syrischen ein fast gleichlautendes synonymes Verb wie heb. naḥaš gibt. (2a) Ball 1896 mutmaßt daher, dass ihnen statt nḥštj die Konsonanten (j)tj vorgelegen haben könnte, was sie dann als ns(j)tj („ich habe getestet“) verstanden hätten, da Sin und Samech vielerorts gleich klang und nasiti daher wohl auch naßiti geschrieben werden konnte. Graphisch wäre das leicht möglich; vgl. נחשתי mit נשתי. (2b) Alternativ könnte dies aber auch nur eine theologische Interpretation sein; gut z.B. Grossfeld 1994, S. 109: Dass Gott Laban gesegnet hat, obwohl dieser auf schlecht angesehene Omen vertraut, kann für spätere Autoren schlecht zusammengepasst haben, weshalb TgO, Syr, VUL und Midrasch zur „harmloseren“ Variante „ich hab's ausgetestet“ gegriffen hätten. Das textkritische Zeugnis ist also nicht sehr stark.
Das in dt. Üss. häufigste „Ich habe es erfahren / ich spüre / ich hab's erraten / ...“ erklärt sich hieraus, ist aber keine gute Übersetzung selbst von nasiti.
(3) Michaelis 1792, S. 1632 hatte das heb. naḥaš noch abgeleitet vom arab. naḥuša („Pech haben“). Daher Michaelis 1775: „Ich hatte vorhin allerley Unglücksfälle, aber Jehova hat mich um deintwillen geseegnet“. Das ist sehr erwägenswert und zu Unrecht in Vergessenheit geraten. V. 27b sagte dann das selbe wie V. 30: „Ich hatte Pech gehabt, dann hat Gott mich um deinetwillen gesegnet“ – „Du hattest wenig vor meiner Zeit, dann hat sich's zu einer Menge ausgebreitet!“ Eine Übersetzung wie diese erklärte auch am besten die Verbfolge Qatal – Wayyiqtol in unserem Vers (richtig Torczyner 1917, Sp. 10); GKC 111h FN 4 ist offensichtlich nur eine ad hoc-Erklärung. Dieser Ansatz ist daher mein (S.W.) Favorit, kann ob seines Alters aber schlecht für die LF gewählt werden.
(4) Recht verbreitet ist es im Gegensatz zu (3), nach Sperber 1913 das Verb abzuleiten vom akk. naḫāšu („gedeihen, Erfolg haben“; so z.B. Wenham 1994; Hamilton 1995; Sarna 2001). Daher PAT: „Ich bin reich geworden, und der Herr hat mich um deinetwillen gesegnet“ (ähnlich HfA). Wegen der Verbfolge ist dieser Ansatz dem von Michaelis klar unterlegen.
(5) Schließlich das „Ich stand unter günstigen Vorzeichen und...“ in 80, ZÜR und bei Recker 2000 ist nur ein Kompromiss aus (1) und (4). (Zurück zu v.27)
dtFN: um deinetwillen (mit deiner Ankunft?) (V. 27) + mit meiner Ankunft (um meinetwillen?) (V. 30) - In Vv. 27.30 stehen im Heb. zwei unterschiedliche Ausdrücke: „um deinetwillen“ und „(gleichzeitig) mit meinem Bein“. Letzterer, der sonst nur noch Hab 3,5 steht, ist wahrscheinlich eine Variante von „bei jmds Bein“ = „direkt hinter jmdm“ in Ex 11,8; Ri 8,5; 1 Sam 25,27 (so hier auch TgJ), also: Gottes Segen folgt Jakob „auf dem Fuße“. Alternativ erklärt es Ball 1896 allgemeiner als „nach mir“, da es sowohl hier als auch in Hab 3,5 mit lpnj („vor jmdm“ = „vor jmds Ankunft“) zusammensteht; noch beliebter ist die alternative Erklärung „mit deinem Bein“ = „auf Schritt und Tritt; wohin ich auch ging“ (z.B. Skinner 1910; Wenham 1994; Hamilton 1995).
Textkritik: LXX (teilweise auch VL) hatte in V. 27 offenbar den selben Ausdruck vorliegen wie in V. 30: „mit deiner Ankunft“. Umgekehrt übersetzen TgO, TgN und Syr in V. 30 mit dem selben Ausdruck wie in V. 27. Beides sind wahrscheinlich Angleichungen von V. 27 an den ähnlichen V. 30 und umgekehrt. (Zurück zu v.27 / zu v.30)
eUnd er sagte - Überflüssig, da Laban ja bereits in V. 27 spricht. Verbreitet sind diverse ad hoc-Erklärungen: Fokkelman 1975, S. 142f. liest heraus, dass Laban zwischen Vv. 27.28 „fieberhaft nachgedacht“ habe, was er nun sagen könnte. Zakovitch 1999, S. 128 denkt, solche überflüssigen Redeeinleitungen sollten „Nachgedanken“ markieren, während Wenham 1994 annimmt, extra eingeleitete Redeteile sollten besonders höflich klingen. Cotter 2003 schließlich erklärt rhetorisch: Der Erzähler habe Spannung aufbauen wollen. Aber solche überflüssigen Redeeinleitungen lassen sich gut einheitlich erklären: Offenbar ist es so, dass es im althebräischen Stil natürlich war, unterschiedliche Redeakte innerhalb derselben Rede doppelt einzuleiten (Bspp. unten). Im Deutschen muss man sie dann aussparen (wie das hier auch LXX und VUL getan haben), da dergleichen dort nicht natürlich klingt.
Beispiele: In Gen 17,3-16 wird die Gottesrede drei Mal eingeleitet; jede Einleitung steht einem eigenen Redeakt voran: V. 3 der Verheißung Gottes, V. 9 seinen Forderungen, V. 15 einer weiteren Verheißung. Kurz zuvor folgte ähnlich in Gen 15,2-3.5 auf Abrams Frage in V. 2 sein Vorwurf in V. 3, woraufhin Gott in V. 5a ihn zu einem Blick in den Himmel auffordert und nach einer zweiten Redeeinleitung in V. 5b ein Versprechen gibt, wie auch Gottes Engel in Gen 16,9 einen Auftrag gibt, um dann in V. 10 mit einer weiteren Redeeinleitung ein Versprechen anzuschließen. In Gen 41,39-41 ernennt Pharao den Joseph in Vv. 39f. zu seinem Stellvertreter, um dann in V. 41 noch einmal feierlich zu erklären: „Du stehst jetzt über dem ganzen Land“. In Num 32,2-5 beginnen die Sprecher in Vv. 2-4 mit einer Beschreibung eines Landstrichs, um dann in V. 5 Mose das Land zum Geschenk zu machen. In Ri 8,23f. antwortet Gideon zunächst auf die Bitte seiner Gesprächsparter, um in V. 24 seinerseits eine Bitte auszusprechen. In Rut 2,20 werden Jubelruf und Erläuterung Naomis doppelt eingeleitet. In 1 Sam 16,10f. erklärt Samuel zunächst, keiner von Isais Söhnen sei zum König geeignet, um dann in V. 11 nach David zu fragen. In 1 Sam 17,34-37 berichtet David zunächst, wie er schon Löwen und Bären besiegt habe, um dann in V. 37 feierlich zu erklären, Gott werde ihn auch nun gewiss wieder beschützen. de Regt 1999, S. 59-69 und Runge 2007, S. 169 glauben ähnlich, solche doppelten Redeeinleitungen sollten den „Höhepunkt“ einer Rede eigens markieren, aber nicht viele der eigens eingeleiteten Rede-Teile lassen sich gut als Höhepunkte erkennen. (Zurück zu v.28)
fauch ich - nicht: „auch ich, während aktuell nur meine beiden Frauen für unseren Wohlstand arbeiten“ (Raschi, Radak). Ebenso wenig: „Wann kann ich auch für meinen Haushalt arbeiten, statt nur für deinen?“ (Ramban, Tur). Sondern: „Wann kann auch ich für meinen Haushalt arbeiten, anstatt dass wir beide nur in deine Tasche arbeiten?“ So z.B. Sforno: „Wann wird's mir möglich sein, Segen auf mein Haus zu bringen – auf die selbe Weise, wie du ihn durch meine Gegenwart auf deines brachtest!?“. (Zurück zu v.30)
gum auszusondern (sondere aus!) - Das zweite Verb könnte entweder Infinitiv sein und von Jakobs Handeln sprechen oder Imperativ und dann von Labans Handeln sprechen. Weil in V. 35 dann wirklich Laban das Aussondern übernimmt, haben schon LXX und VUL das Verb als Imperativ genommen; so z.B auch Baumgarten 1843; Ruppert 2005; Tröndle 2023, S. 165. Aber das liegt ganz fern; dass Laban aussondern sollte, passt ja denkbar schlecht dazu, dass Jakob durch das Kleinvieh ziehen will. Besser erklärt man das Gegeneinander von V. 32 vs. V. 35 literarisch: Noch am selben Tag bricht Laban das erste Mal den gerade geschlossenen Vertrag und überlässt das Aussondern eben nicht Jakob, wie es abgesprochen war. (Zurück zu v.32)
hjedes gesprenkelte und gefleckte Schaf - Etwas merkwürdig. Es gibt in der Tat gefleckte Schafe; eine verbreitete Rasse ist sogar nach unserer Geschichte „Jakobschaf“ getauft worden. Im Folgenden spricht Jakob aber nur von gesprenkelten, gefleckten und gestreiften Ziegen und von schwarzen Schafen; dass gleich die erste Tierbezeichnung von „gefleckten Schafen“ spricht, fügt sich daher nicht ganz harmonisch in die folgende Erzählung. In LXX fehlt denn auch diese erste Tierbezeichnung, weshalb z.B. Ball 1896 und BHK sie noch für eine sekundäre Ergänzung hielten und streichen wollten. Heute hält man umgekehrt i.d.R. die kürzere Variante in LXX für ein Homoiteleuton; w. steht im Heb. nämlich „jedes Schaf, gesprenkelt und gefleckt und jedes Schaf, schwarz, unter den Lämmern“, wo die hier durchgestrichene Passage leicht wegen der identischen und hier gefetteten Phrasen überlesen worden sein könnte. Dennoch bleibt die erstgenannte Merkwürdigkeit. Wahrscheinlich ist dies ein Stilmittel: Dass Jakob haarklein auseinanderlegt, welche Tiere genau ihm zugesprochen werden sollen, wird dadurch unterstrichen, dass er drei „Tierklassen“ benennt, bei denen die zweite und dritte bereits in der ersten aufgehoben sind: „(ab) Jedes gesprenkelte und gefleckte Schaf (a) und jedes schwarze Schaf (b) und jede gefleckte und gesprenkelte Ziege.“ Umso schwerer wiegt dann, was Jakob dem Laban in Gen 31,7f.41 vorwirft. (Zurück zu v.32)
iZu [es] (solches) s. die Anmerkungen. In der LF übersetzt man vielleicht am besten: „Das sei mein Lohn“, mit einer FN à la: „Worauf sich ‚das‘ bezieht, ist im Hebräischen unklar. Wahrscheinlich bewusst: Mindestens lässt sich annehmen, dass Laban davon ausging, mit seiner Entfernung der farbigen Tiere aus Jakobs Herde sichergestellt zu haben, dass Jakob einen geringen bis gar keinen Lohn erhalten wird. Doch dem wird Jakob sogleich ein Schnippchen schlagen und Lohn über Lohn anhäufen.“ (Zurück zu v.32)
j
Drei Baumarten in Gen 30,37. (c) 1: identify.plantnet.org, 2: Youtube: Arresha, 3: Wikimedia
Die drei Baumarten entsprechen in ihrer Zahl den drei Mustern der Ziegen: gestreift, gefleckt und gepunktet. Die Identität ist zwar nur beim Mandelbaum unumstritten (luz; so heißt die Mandel auch im Arabischen). Aber auch beim letzten Baumnamen ´armon (w. „Nackt-Baum“, nur noch in Ez 31,8; Sir 24,14) sind sich die meisten Pflanzenkundler einig, und warum sie so einheitlich mit LXX auf die Platane deuten (so z.B. Löw 1924, S. 65; Moldenke / Moldenke 1952, S. 180; Musselman 2012, S. 116), erklärt sich auch leicht: Wie auf dem Bild ganz rechts zu sehen ist, schält sich die Platane von selbst, ist damit natürlich gescheckt und deshalb vielleicht auch besonders gut geeignet, um auf magische Weise gescheckte Tiere zu produzieren. Bei libneh (w. „Weiß-Baum“, sonst nur noch in Hos 4,13) allerdings schwanken Pflanzenkundler zwischen „Pappel“ (so z.B. Löw 1924, S. 338f.; Moldenke / Moldenke 1952, S. 225; so LXX in Hos 4,13) und „Storaxbaum“ (so z.B. Rosenmüller 1830, S. 261; Zohary 1986, S. 118; so LXX hier). Stark für den Storaxbaum spricht aber, dass er auch im Arabischen u.a. livnah / luvnah heißt. Wie man auf dem Bild links sieht, gilt für ihn ähnliches wie für die Platane, wenn auch weniger stark ausgeprägt. Der Mandelbaum fällt dann aus dem Muster. Ist die Färbung Grund für die Wahl gerade dieser drei Bäume, muss man bei den Mandel-„Ästen“ vielleicht an sehr dicke Äste denken: Charakteristisch für den Mandelbaum ist eine auffällige Färbung im Querschnitt des Holzes. (Zurück zu v.37)
k(1) Offenbar der früheste klare Beleg der „Kallipädie“-Vorstellung, also des Glaubens daran, das Aussehen eines Nachkommen werde bestimmt von dem, was seine Mutter im Moment der Empfängnis und/oder kurz danach vor Augen / im Kopf hat: Im Wasser überlagerte sich das Spiegelbild der dunklen Ziegen und die gescheckten und gestreiften Äste zu gescheckten und gestreiften Ziegen, und weil sie dieses Bild vor Augen hatten, hätten die Ziegen farbige Nachkommen empfangen.
Noegel 1997, S. 9 wendet ein, diese Vorstellung sei das erste Mal im 5. Jhd. n. Chr. belegt, aber das ist nicht wahr. Aristoteles schreibt schon im 4. Jhd. v. Chr., tierische Nachkommen ähnelten ihren Eltern mehr als menschliche Nachkommen, da Menschen „im Moment der Zeugung Unterschiedlicheres durch den Kopf geht als Tieren“ (Problemata 10.10), und Aetius zitiert Empedokles (5. Jhd. v. Chr.), der das selbe Phänomen damit erklärt, „[dass] Embryos durch die Einbildungskraft der Frau zur Zeit ihrer Empfängnis geformt werden. Denn häufig verlieben sich Frauen in Statuen von Männern und in Bilder und bringen dann Nachwuchs hervor, das diesen ähnelt(Doxographi Graeci 5.12.2; Üs. nach Doninger / Spinner 1998, S. 100). Ihren ausführlichsten antiken Ausdruck findet diese Vorstellung in der Gynäkologie des Soranus von Ephesus, der im 4. Jhd. n. Chr. schreibt: „Wunderbarerweise hat auch der Zustand der Seele Einfluss auf die Gestaltung des Empfangenen. So wurden solche, die im Augenblicke des Coitus Affen sahen, mit affenähnlichen Wesen schwanger. Ein missgestalteter Herrscher von Kypros zwang seine Gattin während des Coitus auf sehr schöne Statuen zu blicken und erzeugte so schön gestaltete Kinder. Die Pferdezüchter stellen beim Bespringen vor die Stuten edle Tiere [!].(§39, Üs. Lüneburg). Stol 2000, S. 156 glaubt, diese Vorstellung lasse sich sogar schon in babylonischen Texten nachweisen, und zitiert u.a. den folgenden Text, bei dem dies wirklich wahrscheinlich ist: „Die Frau eines Mannes wurde von einem anderen schwanger und wird fortwährend zu Ischtar beten und dabei die ganze Zeit auf ihren Mann blicken: ‚Ich werde das, was in meinem Leib ist, aussehen lassen wie meinen Ehemann!‘(BRM 4 12:36f.). Sehr viele weitere Belegstellen findet man bei Preuß 1892.
(2) Einigen neueren Auslegern ist es offenbar unangenehm, dass sich solcher Aberglaube auch in der Bibel finden soll, und erklären die Szene daher stattdessen mit moderner Biologie: Die Schwärze schwarzer Schafe und die Färbung farbiger Ziegen seien rezessive Erbanlagen, die auch in äußerlich weißen Schafen und schwarzen Ziegen angelegt sein können. So sei „wirklich“ zu erklären, wie die gefärbten Tiere geboren wurden, und Jakobs „Ast-Aktion“ sei nur ein Täuschungsmanöver gewesen, mit dem Jakob vor Laban verbergen wollte, dass er tatsächlich raffinierte Zuchtmethoden anwandte (z.B. Etkin 1965; Feliks 1997; Alter 1996, S. 165). Was damit gewonnen sein soll, verstehe ich (S.W.) nicht: auch dann würde die Erzählung ja die Kallipädie-Vorstellung voraussetzen. (Zurück zu v.38)
ldurch Jakobs Raffinesse - ob auch durch Gottes Hilfe, wie Gen 31,9 sagt, ist ebenfalls unklar: Wie zuverlässig ist eigentlich der trickreiche Jakob in seinen verschiedenen Aussagen in Gen 31? (Zurück zu )