Genesis 31: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Siegel Totenmaske.png|mini|Bild 1: Syrisches Siegel, 18./17. Jhd. v. Chr.: In der Mitte kommuniziert eine Frau mit Masken. (c) Schroer 2011, S. 43]]
[[Datei:Siegel Totenmaske.png|mini|Bild 1: Syrisches Siegel, 18./17. Jhd. v. Chr.: In der Mitte kommuniziert eine Frau mit Masken. (c) Schroer 2011, S. 43]]
[[Datei:Steinzeitliche Totenmaske.png|mini|Bild 2: Steinzeitliche Maske aus Nahal Hemar. (c) IM, [https://www.imj.org.il/en/collections/197936-0 IAA 1984-407]]]</div>
[[Datei:Steinzeitliche Totenmaske.png|mini|Bild 2: Steinzeitliche Maske aus Nahal Hemar. (c) IM, [https://www.imj.org.il/en/collections/197936-0 IAA 1984-407]]]</div>
Was genau die ''Terafim'' sind, ist ungewiss. Laban bezeichnet sie in diesem Kapitel als „seine ''`elohim''“ und Rachel stiehlt sie und versteckt sie in ihrer Satteltasche. Aus [[Ezechiel 21#s26 |Ez 21,26]]; [[Sacharja 10#s2 |Sach 10,2]] und wahrscheinlich [[1 Samuel 15#s23 |1 Sam 15,23]] und [[2 Könige 23#s24 |2 Kön 23,24]] lässt sich außerdem herauslesen, dass sie besonders häufig zur Wahrsagerei verwendet wurden. Danach handelt es sich um kleine Kultobjekte, durch die sich entweder mit den Göttern oder mit den Geistern von Toten u.a. zur Wahrsagerei kommunizieren lässt (''`elohim'' meint meistens Götter, in [[1 Samuel 28#s13 |1 Sam 28,13]] und vielleicht [[Jesaja 8#s19 |Jes 8,19]] aber auch Totengeister, die man sich danach wohl als eine Art Zwischenwesen zwischen Mensch und Gottheit vorstellte). In der Regel hält man sie daher entweder für Masken (Bild 1+2) oder für kleine Figurinen (Bild 3), die übernatürliche Wesen repräsentierten. Die Figurinen-Deutung wird weit häufiger vertreten, weil man [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13-16]] meist so versteht, dass Michal ''Terafim'' so in ein Bett legt, dass man sie für einen kranken Menschen halten kann, und daraus ableitet, dass diese Figurinen also auch lebensgroß sein konnten – aber die Erzählung ist damit fast sicher missverstanden, s. dort.<br />Das biblische Wort ist sehr wahrscheinlich ein Dysphemismus mit der Bed. „Verrottetes, Verdautes“; ''tarapim'' sind also „Kotz-Brocken“ (richtig Rouillard / Tropper 1987, S. 359; vgl. den ähnlichen Dysphemismus ''gillulim'' [„Kot-Batzen“] für Götzen). Von solchen Dysphemismen gibt es grob zwei Varianten: Bei Variante 1 hat der Dysphemismus nichts mehr mit dem entstellten Wort zu tun (wie bei ''bošet'' [„Schande“] für ''Ba´al''), bei Variante 2 werden nur die Vokale des entstellten Wortes mit denen eines Schimpfwortes ausgetauscht (wie bei ''molek'' mit den selben Vokalen wie ''bošet'' für ''malk'' „König“). Da neben ''t-r-p'' („weich/verdaut sein“) keine weitere hebräische Wurzel ''t-r-p'' bekannt ist, gehört ''Terafim'' wohl zu Variante 1, so dass sich aus ihrer Bezeichnung nichts herleiten lässt (von ''rapa`'' [„heilen“ > „Heil-Götter“] abzuleiten, wie Rouillard / Tropper vorschlagen, geht nicht an, da man hier ''tarpa`im'' mit Alef erwarten würde. Die Belege für Ausfall von Alef, die die beiden bringen, sind sämtlich nur Beispiele für die Schreibung von Endungs-''`'' als Endungs-''h'' und damit ohne Erklärwert). Das stärkste Indiz ist, dass Jub 29,9 die ''Terafim'' gar nicht erwähnt, aber unerwartet einen Exkurs nach [[Deuteronomium 3#s13 |Dtn 3,13]] darüber einschaltet, dass Gilead das „Land der ''Refaim''“ war. Könnte ''Terafim'' Verballhornung von ''Refaim'' sein (so schon Albright 1968, S. 168) und unsere Erzählung auch Ätiologie, wonach Gilead deshalb das „Land der ''Refaim''“ war, weil Rachel die ''Terafim'' (lies: ''Refaim'') hierher gebracht hat? Aber das ist nicht mehr als educated speculation.<br />Auch ihre Funktion in unserem Kapitel ist umstritten. Überwiegend sind drei Deutungen im Umlauf:<br />(1) Josephus berichtet in JosAnt 18.9.5 von einer Partherin: „''Da sie nach dem Tod ihres ersten Mannes in Gefangenschaft geriet, verbarg sie die Bildnisse der Götter, die sie mit jenem Manne verehrt hatte, und nahm sie nach dem Brauch ihres Landes mit sich. In jenen Gegenden ist es nämlich allgemein Sitte, Götterbilder zu Hause zu haben und dieselben auf Reisen mitzunehmen.''“ (Üs. nach Clementz). Greenberg 1962 und z.B. van Seters 1975, S. 93f. und Thompson 2002, S. 278 haben danach angenommen, Rachel habe die Götzen schlicht aus religiösen Gründen mitgenommen, da sie sich ja nun auch auf eine Reise begibt. Hinzudenken muss man sich bei dieser Deutung wohl, dass sie sie dabei untypischerweise ihrem Vater ''raubt'', weil sie ja soeben ihren Bruch mit ihm verkündet hat. Aber zu dieser Deutung passt sehr schlecht, dass sie sich im Folgenden auf die ''Terafim'' setzen wird, woraus gewiss keine religiöse Achtung spricht.<br />(2) In babylonischen Testamenten ist häufig die Rede von „Göttern und Toten einer Familie“, die Erben „erhalten“ oder „verehren“ sollen. In der Regel sind diese Erben die ältesten Söhne eines Vaters, die also nach seinem Tod zum ''pater familias'' werden werden. (2a) Gordon 1958, S. 129 und z.B. Galambush 2018 denken daher klug, Rachel habe mit dem Diebstahl Jakob symbolisch ähnlich das Erstgeburtsrecht in der Familie Labans ergaunern wollen wie Jakob dies zuvor in der Familie Isaaks getan hat, (2b) ähnlich glauben Draffkorn 1957, S. 219f.; Pardes 1992, S. 70f. und Fischer 1995, S. 116, Rachel habe sich nach dem Geburtswettstreit in Gen 30 mit diesen Terafim das Erstgeburtsrecht für ''ihre'' statt für Leahs Söhne ergaunern wollen. Aber es ist gar nicht wahr, dass die babylonischen „Götter und Toten“ nur an die Erstgeborenen vererbt wurden: Heltzer 1998, S. 359 verweist auf ein Nuzi-Testament, in dem der Erstgeborene nur die „großköpfigen Götter“ und der Zweitgeborene die „kleinköpfigen“ erhalten soll, Sigrist 1982, S. 242-46 übersetzt ein altbabylonisches Testament, in dem ähnlich die Götter auf zwei Söhne aufgeteilt werden sollen. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Terafim wirklich das Erstgeburtsrecht signalisieren; noch weniger, dass sie es „sichern“.<br />(3) Am wahrscheinlichsten ist daher die schon bei den alten Auslegern (z.B. PRE 36.4; Midrasch BerR, Midrasch Tanchuma; auch bei Raschbam, ibn Ezra, Radak, Ramban) verbreitete Deutung, Rachel habe ihrem Vater mit dem Raub der ''Terafim'' hauptsächlich seine Wahrsage-Instrumente stehlen wollen, damit er sie nicht verfolgen konnte (so z.B. Krauss / Küchler 2004; Plangger 2018, S. 70f.).</ref> ...
Was genau die ''Terafim'' sind, ist ungewiss. Laban bezeichnet sie in diesem Kapitel als „seine ''`elohim''“ und Rachel stiehlt sie und versteckt sie in ihrer Satteltasche. Aus [[Ezechiel 21#s26 |Ez 21,26]]; [[Sacharja 10#s2 |Sach 10,2]] und wahrscheinlich [[1 Samuel 15#s23 |1 Sam 15,23]] und [[2 Könige 23#s24 |2 Kön 23,24]] lässt sich außerdem herauslesen, dass sie besonders häufig zur Wahrsagerei verwendet wurden. Danach handelt es sich um kleine Kultobjekte, durch die sich entweder mit den Göttern oder mit den Geistern von Toten u.a. zur Wahrsagerei kommunizieren lässt (''`elohim'' meint meistens Götter, in [[1 Samuel 28#s13 |1 Sam 28,13]] und vielleicht [[Jesaja 8#s19 |Jes 8,19]] aber auch Totengeister, die man sich danach wohl als eine Art Zwischenwesen zwischen Mensch und Gottheit vorstellte). In der Regel hält man sie daher entweder für Masken (Bild 1+2) oder für kleine Figurinen (Bild 3), die übernatürliche Wesen repräsentierten. Die Figurinen-Deutung wird weit häufiger vertreten, weil man [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13-16]] meist so versteht, dass Michal ''Terafim'' so in ein Bett legt, dass man sie für einen kranken Menschen halten kann, und daraus ableitet, dass diese Figurinen also auch lebensgroß sein konnten – aber die Erzählung ist damit fast sicher missverstanden, s. dort.<br />Das biblische Wort ist sehr wahrscheinlich ein Dysphemismus mit der Bed. „Verrottetes, Verdautes“; ''tarapim'' sind also „Kotz-Brocken“ (richtig Rouillard / Tropper 1987, S. 359; vgl. den ähnlichen Dysphemismus ''gillulim'' [„Kot-Batzen“] für Götzen). Von solchen Dysphemismen gibt es grob zwei Varianten: Bei Variante 1 hat der Dysphemismus nichts mehr mit dem entstellten Wort zu tun (wie bei ''bošet'' [„Schande“] für ''Ba´al''), bei Variante 2 werden nur die Vokale des entstellten Wortes mit denen eines Schimpfwortes ausgetauscht (wie bei ''molek'' mit den selben Vokalen wie ''bošet'' für ''malk'' „König“). Da neben ''t-r-p'' („weich/verdaut sein“) keine weitere hebräische Wurzel ''t-r-p'' bekannt ist, gehört ''Terafim'' wohl zu Variante 1, so dass sich aus ihrer Bezeichnung nichts herleiten lässt (von ''rapa`'' [„heilen“ > „Heil-Götter“] abzuleiten, wie Rouillard / Tropper vorschlagen, geht nicht an, da man hier ''tarpa`im'' mit Alef erwarten würde. Die Belege für Ausfall von Alef, die die beiden bringen, sind sämtlich nur Beispiele für die Schreibung von Endungs-''`'' als Endungs-''h'' und damit ohne Erklärwert). Das stärkste Indiz ist, dass Jub 29,9 die ''Terafim'' gar nicht erwähnt, aber unerwartet einen Exkurs nach [[Deuteronomium 3#s13 |Dtn 3,13]] darüber einschaltet, dass Gilead das „Land der ''Refaim''“ war. Könnte ''Terafim'' Verballhornung von ''Refaim'' sein (so schon Albright 1968, S. 168) und unsere Erzählung auch Ätiologie, wonach Gilead deshalb das „Land der ''Refaim''“ war, weil Rachel die ''Terafim'' (lies: ''Refaim'') hierher gebracht hat? Aber das ist nicht mehr als educated speculation.<br />Auch ihre Funktion in unserem Kapitel ist umstritten. Überwiegend sind drei Deutungen im Umlauf:<br />(1) Josephus berichtet in JosAnt 18.9.5 von einer Partherin: „''Da sie nach dem Tod ihres ersten Mannes in Gefangenschaft geriet, verbarg sie die Bildnisse der Götter, die sie mit jenem Manne verehrt hatte, und nahm sie nach dem Brauch ihres Landes mit sich. In jenen Gegenden ist es nämlich allgemein Sitte, Götterbilder zu Hause zu haben und dieselben auf Reisen mitzunehmen.''“ (Üs. nach Clementz). Greenberg 1962 und z.B. van Seters 1975, S. 93f. und Thompson 2002, S. 278 haben danach angenommen, Rachel habe die Götzen schlicht aus religiösen Gründen mitgenommen, da sie sich ja nun auch auf eine Reise begibt. Hinzudenken muss man sich bei dieser Deutung wohl, dass sie sie dabei untypischerweise ihrem Vater ''raubt'', weil sie ja soeben ihren Bruch mit ihm verkündet hat. Aber zu dieser Deutung passt sehr schlecht, dass sie sich im Folgenden auf die ''Terafim'' setzen wird, woraus gewiss keine religiöse Achtung spricht.<br />(2) In babylonischen Testamenten ist häufig die Rede von „Göttern und Toten einer Familie“, die Erben „erhalten“ oder „verehren“ sollen. In der Regel sind diese Erben die ältesten Söhne eines Vaters, die also nach seinem Tod zum ''pater familias'' werden werden. (2a) Smith 1931, S. 35; Gordon 1958, S. 129 und z.B. Galambush 2018 denken daher klug, Rachel habe mit dem Diebstahl Jakob symbolisch ähnlich das Erstgeburtsrecht in der Familie Labans ergaunern wollen wie Jakob dies zuvor in der Familie Isaaks getan hat, (2b) ähnlich glauben Draffkorn 1957, S. 219f.; Pardes 1992, S. 70f.; Spanier 1992 und Fischer 1995, S. 116, Rachel habe sich nach dem Geburtswettstreit in Gen 30 mit diesen Terafim das Erstgeburtsrecht für ''ihre'' statt für Leahs Söhne ergaunern wollen. Aber es ist gar nicht wahr, dass die babylonischen „Götter und Toten“ nur an die Erstgeborenen vererbt wurden: Heltzer 1998, S. 359 verweist auf ein Nuzi-Testament, in dem der Erstgeborene nur die „großköpfigen Götter“ und der Zweitgeborene die „kleinköpfigen“ erhalten soll, Sigrist 1982, S. 242-46 übersetzt ein altbabylonisches Testament, in dem ähnlich die Götter auf zwei Söhne aufgeteilt werden sollen. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Terafim wirklich das Erstgeburtsrecht signalisieren; noch weniger, dass sie es „sichern“.<br />(3) Am wahrscheinlichsten ist daher die schon bei den alten Auslegern (z.B. PRE 36.4; Midrasch BerR, Midrasch Tanchuma; auch bei Raschbam, ibn Ezra, Radak, Ramban) verbreitete Deutung, Rachel habe ihrem Vater mit dem Raub der ''Terafim'' hauptsächlich seine Wahrsage-Instrumente stehlen wollen, damit er sie nicht verfolgen konnte (so z.B. Krauss / Küchler 2004; Plangger 2018, S. 70f.).</ref> ...


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Version vom 29. Mai 2023, 15:18 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Genesis 31)

(kommt später)

Studienfassung (Genesis 31)

Anmerkungen

a
Bild 3: Terrakotta-Figurine: Trommlerin. Akhzib, 8./7. Jhd. v. Chr. (c) IM, IAA 1944-264
Bild 1: Syrisches Siegel, 18./17. Jhd. v. Chr.: In der Mitte kommuniziert eine Frau mit Masken. (c) Schroer 2011, S. 43
Bild 2: Steinzeitliche Maske aus Nahal Hemar. (c) IM, IAA 1984-407
Was genau die Terafim sind, ist ungewiss. Laban bezeichnet sie in diesem Kapitel als „seine `elohim“ und Rachel stiehlt sie und versteckt sie in ihrer Satteltasche. Aus Ez 21,26; Sach 10,2 und wahrscheinlich 1 Sam 15,23 und 2 Kön 23,24 lässt sich außerdem herauslesen, dass sie besonders häufig zur Wahrsagerei verwendet wurden. Danach handelt es sich um kleine Kultobjekte, durch die sich entweder mit den Göttern oder mit den Geistern von Toten u.a. zur Wahrsagerei kommunizieren lässt (`elohim meint meistens Götter, in 1 Sam 28,13 und vielleicht Jes 8,19 aber auch Totengeister, die man sich danach wohl als eine Art Zwischenwesen zwischen Mensch und Gottheit vorstellte). In der Regel hält man sie daher entweder für Masken (Bild 1+2) oder für kleine Figurinen (Bild 3), die übernatürliche Wesen repräsentierten. Die Figurinen-Deutung wird weit häufiger vertreten, weil man 1 Sam 19,13-16 meist so versteht, dass Michal Terafim so in ein Bett legt, dass man sie für einen kranken Menschen halten kann, und daraus ableitet, dass diese Figurinen also auch lebensgroß sein konnten – aber die Erzählung ist damit fast sicher missverstanden, s. dort.
Das biblische Wort ist sehr wahrscheinlich ein Dysphemismus mit der Bed. „Verrottetes, Verdautes“; tarapim sind also „Kotz-Brocken“ (richtig Rouillard / Tropper 1987, S. 359; vgl. den ähnlichen Dysphemismus gillulim [„Kot-Batzen“] für Götzen). Von solchen Dysphemismen gibt es grob zwei Varianten: Bei Variante 1 hat der Dysphemismus nichts mehr mit dem entstellten Wort zu tun (wie bei bošet [„Schande“] für Ba´al), bei Variante 2 werden nur die Vokale des entstellten Wortes mit denen eines Schimpfwortes ausgetauscht (wie bei molek mit den selben Vokalen wie bošet für malk „König“). Da neben t-r-p („weich/verdaut sein“) keine weitere hebräische Wurzel t-r-p bekannt ist, gehört Terafim wohl zu Variante 1, so dass sich aus ihrer Bezeichnung nichts herleiten lässt (von rapa` [„heilen“ > „Heil-Götter“] abzuleiten, wie Rouillard / Tropper vorschlagen, geht nicht an, da man hier tarpa`im mit Alef erwarten würde. Die Belege für Ausfall von Alef, die die beiden bringen, sind sämtlich nur Beispiele für die Schreibung von Endungs-` als Endungs-h und damit ohne Erklärwert). Das stärkste Indiz ist, dass Jub 29,9 die Terafim gar nicht erwähnt, aber unerwartet einen Exkurs nach Dtn 3,13 darüber einschaltet, dass Gilead das „Land der Refaim“ war. Könnte Terafim Verballhornung von Refaim sein (so schon Albright 1968, S. 168) und unsere Erzählung auch Ätiologie, wonach Gilead deshalb das „Land der Refaim“ war, weil Rachel die Terafim (lies: Refaim) hierher gebracht hat? Aber das ist nicht mehr als educated speculation.
Auch ihre Funktion in unserem Kapitel ist umstritten. Überwiegend sind drei Deutungen im Umlauf:
(1) Josephus berichtet in JosAnt 18.9.5 von einer Partherin: „Da sie nach dem Tod ihres ersten Mannes in Gefangenschaft geriet, verbarg sie die Bildnisse der Götter, die sie mit jenem Manne verehrt hatte, und nahm sie nach dem Brauch ihres Landes mit sich. In jenen Gegenden ist es nämlich allgemein Sitte, Götterbilder zu Hause zu haben und dieselben auf Reisen mitzunehmen.(Üs. nach Clementz). Greenberg 1962 und z.B. van Seters 1975, S. 93f. und Thompson 2002, S. 278 haben danach angenommen, Rachel habe die Götzen schlicht aus religiösen Gründen mitgenommen, da sie sich ja nun auch auf eine Reise begibt. Hinzudenken muss man sich bei dieser Deutung wohl, dass sie sie dabei untypischerweise ihrem Vater raubt, weil sie ja soeben ihren Bruch mit ihm verkündet hat. Aber zu dieser Deutung passt sehr schlecht, dass sie sich im Folgenden auf die Terafim setzen wird, woraus gewiss keine religiöse Achtung spricht.
(2) In babylonischen Testamenten ist häufig die Rede von „Göttern und Toten einer Familie“, die Erben „erhalten“ oder „verehren“ sollen. In der Regel sind diese Erben die ältesten Söhne eines Vaters, die also nach seinem Tod zum pater familias werden werden. (2a) Smith 1931, S. 35; Gordon 1958, S. 129 und z.B. Galambush 2018 denken daher klug, Rachel habe mit dem Diebstahl Jakob symbolisch ähnlich das Erstgeburtsrecht in der Familie Labans ergaunern wollen wie Jakob dies zuvor in der Familie Isaaks getan hat, (2b) ähnlich glauben Draffkorn 1957, S. 219f.; Pardes 1992, S. 70f.; Spanier 1992 und Fischer 1995, S. 116, Rachel habe sich nach dem Geburtswettstreit in Gen 30 mit diesen Terafim das Erstgeburtsrecht für ihre statt für Leahs Söhne ergaunern wollen. Aber es ist gar nicht wahr, dass die babylonischen „Götter und Toten“ nur an die Erstgeborenen vererbt wurden: Heltzer 1998, S. 359 verweist auf ein Nuzi-Testament, in dem der Erstgeborene nur die „großköpfigen Götter“ und der Zweitgeborene die „kleinköpfigen“ erhalten soll, Sigrist 1982, S. 242-46 übersetzt ein altbabylonisches Testament, in dem ähnlich die Götter auf zwei Söhne aufgeteilt werden sollen. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Terafim wirklich das Erstgeburtsrecht signalisieren; noch weniger, dass sie es „sichern“.
(3) Am wahrscheinlichsten ist daher die schon bei den alten Auslegern (z.B. PRE 36.4; Midrasch BerR, Midrasch Tanchuma; auch bei Raschbam, ibn Ezra, Radak, Ramban) verbreitete Deutung, Rachel habe ihrem Vater mit dem Raub der Terafim hauptsächlich seine Wahrsage-Instrumente stehlen wollen, damit er sie nicht verfolgen konnte (so z.B. Krauss / Küchler 2004; Plangger 2018, S. 70f.). (Zurück zu v.19)