Syntax ungeprüft


Lesefassung (Genesis 35)
(kommt später)Studienfassung (Genesis 35)
1 {Und} Gott sagte zu Jakob: „Mach dich auf! Zieh hinauf〈a〉 nach Bethel und bleib dort! Mach dort einen Altar〈b〉 für El, der dir erschienen ist, als du (vor dem Gesicht von=) vor deinem Bruder Esau geflohen bist!“ 2 Da sagte Jakob zu seinem Hausstand und zu allen, die mit ihm [waren]: „Schafft die Götter des Auslands〈c〉 fort, die in eurer Mitte [sind]! Reinigt euch und wechselt eure Obergewänder!〈d〉 3 Wir wollen uns aufmachen und hinaufziehen nach Bethel! Dort will ich (wollen wir)〈e〉 einen Altar machen für El, der (mir geantwortet=) mich erhört hat (am Tag=) zur Zeit meiner Bedrängnis, und der mit mir war auf dem Weg, den ich gegangen bin. 4 Da gaben sie Jakob alle Götter des Auslands, die in ihren Händen [waren], und die Ringe, die in ihren (deren) Ohren [waren].〈f〉 Und Jakob verbarg sie unter der Eiche, die bei (mit)〈g〉 Sichem [war].
5 Dann brachen sie auf. Und ein Schrecken vor Gott (ein Gottes-Schrecken, ein riesiger Schrecken)〈h〉 (wurde=) kam über die Städte, die um sie herum [lagen], sodass sie die (Söhne=) Mannen Jakobs〈i〉 nicht verfolgten.
6 So kam Jakob nach Luz, das im Land Kanaan [liegt] – (das [ist]=) also nach Bethel – er und das ganze Volk, das mit ihm [war].
7 Er baute dort einen Altar und nannte den Ort „El Bethel“ („Gott von/in Bethel“; er nannte den Ort Gottes Bethel),〈j〉 weil sich Gott ihm dort offenbart hatte, als er vor (dem Gesicht seines=) seinem Bruder geflohen war.
8 Und Debora, die Amme Rebekkas, starb und wurde begraben unterhalb von Bethel unter der Eiche begraben. Er (man) nannte (ihren Namen=) sie „Eiche der Klage“.
Anmerkungen
| a | hinauf, weil Bethel höher liegt als Sichem. Hinaufziehen ist allerdings gelegentlich auch ein terminus technicus für Wallfahrten, und weil Alt 1959 wirkmächtig angenommen hatte, hier würde eine Ätiologie einer im Alten Israel üblichen Wallfahrt von Sichem nach Bethel geboten, verstehen viele Ausleger auch heute noch den Ausdruck so: Gott forderte Jakob mit diesem Satz zu einer Wallfahrt auf (z.B. Westermann 1981, Seebass 1999; Dörpinghaus 2022, S. 149). Das könnte ursprünglich wirklich die angezielte Bedeutung gewesen sein; im Endtext der Jakoberzählung fordert Gott Jakob aber jedenfalls nicht nur zu einer Wallfahrt auf, sondern mindestes auch dazu, vor den Sichemitern nach Bethel zu fliehen, wie er einst vor seinem Bruder Esau dorthin geflohen ist (s. V. 5; Gen 34,30; so z.B. Turner 2000b; Steinmann 2019). (Zurück zu v.1) |
| b | Textkritik: Statt Zaqef lies Rebia wie z.B. in den Handschriften G11, TI6, TA18. Akzentuiert ist dann wie üblich in Hauptsatz-Nebensatz-Gefügen: [[HS: Mach dort einen Altar |Rebia für El, |Paschta der dir erschienen ist,]Zaqef [NS: als du flohst |Zaqef vor dem Gesicht |Tifcha deines Bruders Esau.]]Silluq (Zurück zu v.1) |
| c | die Götter des Auslands sind fast sicher nicht Götzen aus Sichem, das ja nicht im „Ausland“ liegt, sondern Götzen, die Jakobs Hausstand aus Aram mitbegracht haben. Vgl. JosAnt 18.9.5 „Da sie nach dem Tod ihres ersten Mannes in Gefangenschaft geriet, verbarg sie die Bildnisse der Götter, die sie mit jenem Manne verehrt hatte, und nahm sie nach dem Brauch ihres Landes mit sich. In jenen Gegenden ist es nämlich allgemein Sitte, Götterbilder zu Hause zu haben und dieselben auf Reisen mitzunehmen.“ (Üs. nach Clementz). Dazu gehören dann gewiss auch die Terafim, die Rahel in Gen 31,19 mitgehen lassen hat. (Zurück zu v.2) |
| d | Wechselt eure Obergewänder, also „zieht eure Sonntagskleidung an!“. Mit dem Fortschaffen der Götzen, der Reinigung und dem Abtun der Alltagskleidung kann Jakobs Hausstand dann als Gott bereitetes Volk zu dessen Wohnort Bethel ziehen. Vgl. ähnlich Ex 19,10f.. Eher nicht sind die drei Handlungen dazu gedacht, sich vom Blutvergießen in Gen 34 zu reinigen (so z.B. Wenham 1994; Vrolijk 2011, S. 284); hierzu passt das Abtun der Götzen nur schlecht. (Zurück zu v.2) |
| e | Textkritik: Die Alternative nur nach LXX, VUL, gewiss als Angleichung an die vorangehenden Verben (richtig BHQ, Ruppert 2005). (Zurück zu v.3) |
| f | Gemeint sein könnten außerdem Ohrringe in den Ohren von Götzenstatuen. Dass auch Statuen solche Ohrringe trugen, ist in mehreren altorientalischen Texten bezeugt (vgl. Hallo 1983, S. 16f.; Hurowitz 2000, S. 30). Entsprechend sind auch Götterwesen auf Reliefs u.ä. d.Ö. geschmückt, s. Bild 3. Ex 32,3f. und Ri 8,24-28 machen die erste Option wahrscheinlicher. Dass dort aus solchen Ohrringen das goldene Kalb und ein Ephod gegossen werden, sind dann symbolische Handlungen: In Ex 32,3f. schwören die Israeliten damit ähnlich den Göttern des Auslands ab, wenden sich damit aber nicht JHWH zu, sondern leider eben dem goldenen Kalb. (Zurück zu v.4) |
| g | bei (mit) - Heb. ´im heißt noch häufiger „bei“. Häufiger steht die Präp. aber dann, wenn eine Person mit einer anderen Person ist. Die Präp. ist hier auffällig, weil so die Eiche „mit“ Sichem ist, wie Gott „mit“ Jakob war. Treibt Jakob hier also den Teufel mit dem Beelzebub aus, indem er die „Götter des Auslands“ unter der heiligen Eiche Sichems vergräbt und so beide unbrauchbar macht (so sehr gut Sarna 2001)? Nach dieser Tat ist dann der Nabel der Erde Sichem nur noch „Götzen-Müllhalde“; nun kann endgültig Bethel mit der Errichtung des Altars als neuer und allein Gott geweihter Nabel der Erde etabliert werden (Becker 2009, S. 173). (Zurück zu v.4) |
| h | Gemeint ist entweder, dass Gott auf irgendeine hier nicht präzisierte Weise an den Städten seine Macht demonstrierte (wie in Jos 24,12 durch Hornissen oder in 1 Sam 7,10 ein Gewitter; vgl. noch Ex 15,14; 23,27), weshalb sie zu verängstigt waren, um Jakobs Mannen zu verfolgen (so z.B. Boecker 1992), oder gemeint ist nur, dass man an den in Vv. 2-4 beschriebenen Handlungen ablesen kann, dass Jakobs Hausstand auf Pilgerfahrt ist, wonach deshalb die umliegenden Städte es nicht wagen, über sie herzufallen. Die Üs. riesiger Schrecken (so Soggin 1997; Goldingay 2020) ist möglich, macht in diesem Kontext aber wenig Sinn. (Zurück zu v.5) |
| i | Gemeint sind nicht speziell die zwölf leiblichen Söhne Jakobs, sondern sein ganzer Hausstand. LXX hat das präzisiert, indem sie frei mit „Söhne Israels“ übersetzt. (Zurück zu v.5) |
| j | In Gen 28 hatte Jakob den Ort „Beth-El“ („Haus Gottes“) genannt, weil Gott ihm dort erschienen war. Nun, nachdem er einen Altar errichtet hatte, der Gott repräsentierte und in dem Gott wie in einem Tabernakel je und je anwesend war (zur Vorstellung vgl. Keel 1997, S. 145), kann er den Ort noch einmal umbenennen und ihm den merkwürdigen Namen „El Beth-El“ geben, „Gott im/vom Haus Gottes“. Vgl. auch in Ri 6,24 den Altar mit dem Namen „JHWH Schalom“. Textkritik: Die Theologie hinter dem Namen lässt sich also gut erklären. Der Name ist dennoch so merkwürdig, dass LXX, VUL und Syr das erste „Gott“ streichen, sodass Jakob den Ort hier ein zweites Mal „Bethel“ nennen würde (Otto 1979, S. 72; Westermann 1981; Blum 1984, S. 37 halten das sogar für den ursprünglichen Wortlaut). Den selben Effekt hat die Üs. „Er nannte den Ort Gottes Bethel“, ein kluger Übersetzungsvorschlag von Krüger 2016, S. 8, der dafür nur von der masoretischen Akzentuierung absehen muss. Zumindest im Endtext der Jakoberzählung heißt der Ort aber ja bereits „Bethel“. (Zurück zu v.7) |


