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{{S|2}} Da sahen die Söhne Gottes (der Götter)<ref>''Söhne Gottes (der Götter)'' - umstrittener Ausdruck. Gemeint sein könnten zunächst (1) leibliche Nachfahren Gottes oder (2) leibliche Nachfahren mehrerer Götter, die Gen 6 dann stillschweigend anders als z.B. Gen 1 voraussetzen würde. „Söhne/Töchter von X“ ist auch ein häufiger Ausdruck für „Angehörige der Gattung / des Stamms X“ (wie ja auch gleich im Folgenden die „Töchter des Erdlings“ fast sicher nicht die leiblichen Töchter Adams, sondern allgemein ''Menschen-Frauen'' meint); möglich wäre also auch (3) „Götter-Wesen“ oder (4) „göttliche Wesen“, nämlich (4a) allgemein Keruben oder (4b) konkreter die Keruben, die Gott zum Bewachen des Gartens abkommandiert hat.<br />Weil damit – egal, welche dieser Varianten nun zutrifft – auf jeden Fall Faszinierendes berichtet wird, wurden Vv. 2.4 breit rezipiert (vgl. schön knapp Newman 1984; ausführlich Miller 2005; Doedens 2013), was dazu führte, dass sich weitere Deutungen ausbildeten:<br />(5) Die älteste derartige Ausdeutung war eine Variante von (4a): Im äthiopischen Henoch-Buch, in den Jubiläen, in Qumranschiften u.ö. wird von in der Bibel sonst nicht belegten „Wächtern“ berichtet, also Engeln, die sich von Gott ab- und den Menschen zugewandt, mit ihnen Riesen gezeugt und ihnen geheimes Wissen gelehrt hätten. Diese seien hier gemeint.<br />(6) Diese Auslegung war vor allem in einer Richtung des alten Judentums verbreitet, die man heute gelegentlich als „henochisches Judentum“ bezeichnet, weil in dieser Richtung auch der in Gen 5 nur sehr kurz erwähnte Henoch eine außerordentliche Rolle spielte. Offenbar war es so, dass sich kurz nach der Zeitenwende unter anderem das rabbinische und das henochische Judentum als theologische Kontrahenten gegenüberstanden; im rabbinischen Judentum wurde daher zum einen die Figur des Henoch gezielt kleingeredet, zum anderen wurden die „Söhne Gottes“ in unserem Vers gezielt innerweltlich als ''Menschen'' gedeutet: Gemeint seien nur ''mächtige'' Menschen (z.B. TgO, TgN, Midrasch BerR: „Söhne der Großen“; TgN, Raschi, Ramban: „Söhne der Richter“).<br />(7) Unter christlichen Auslegern kam eine verwandte Deutung auf, die sich ab dem 4. Jhd. nach und nach durchsetzte und bis zum 19. Jhd. die maßgebliche Deutung bleiben sollte: „Söhne Gottes“ sei nur eine Metapher für die Nachkommen Seths, entsprechend sei „Töchter des Menschen“ ein Ausdruck für die weiblichen Nachfahren Kains (so z.B. Julius Africanus: Chronographie, frg. ii (2. Jhd.); Ephräm der Syrer, Augustinus, Bede Venerabilis, Glossa ordinaria; später auch unter jüdischen: ibn Ezra, Radak, Rav Hirsch; heute noch z.B. Meshach/Paul 2019).<br />Wie sich diese theologiegeschichtlich bedeutsamen Deutungen (5)-(7) entwickelten, lässt sich leicht nachvollziehen: Deutung (5) ist ein Midrasch zu mehreren biblischen Stellen, Deutung (6) ist eine ''interessierte'' gegen diesen Midrasch gerichtete Deutung, Deutung (7) entstand hieraus und im Zuge einer Abwertung der Sexualität, nach der lüsterne Engel nicht mehr denkbar waren. Es ist daher etwas verwunderlich, dass v.a. Deutung (5) und (7) auch heute noch bisweilen vertreten werden.<br />Die neuesten Kommentare folgen dem nicht mehr; Gertz 2018, Goldingay 2020 und Carr 2021 etwa optieren mit der großen Mehrheit für Deutung (3) und denken genauer an Angehörige von Gottes himmlischem Hofstaat, wie er bes. klar in [[Ijob 1#s6 |Ijob 1,6]]; [[Ijob 2#s1 |2,1]] geschildert wird (der alternative Vorschlag von Fischer 2018 nach de Launay 2009, S. 56 (?) – ähnlich schon Closen 1937, S. 173-175 –, mit „Söhne Gottes“ vs. „Töchter der Menschen“ solle ironisch betont werden, dass Söhne=Männer den Töchtern=Frauen überlegen seien, ist absurd). Entweder folgt man dieser Deutung oder lässt sich vom Erzählzusammenhang leiten und deutet als (4b): Die einzigen göttlichen Wesen neben Gott selbst, die bereits erwähnt wurden, sind die Wächter des Gartens – Gen 6,1-4 schilderte also abschließend die letzten Folgen der Gartentragödie: Gott vertreibt die Menschen aus dem Gottesgarten, damit sie nicht unsterblich würden, und sichert ihn daher mit Keruben; diese lassen sich daraufhin fataler Weise mit den Menschen ein, woraufhin Gott auch noch die Lebensspanne des Menschen verknappen muss, um auch so die Sterblichkeit des Menschen zu sichern.</ref> (die Töchter des Erdlings, dass sie gut waren=), dass die Erdlingsfrauen gut (schön) waren,<ref>''sie sahen, dass die Erdlingsfrauen gut waren'' - ein offensichtliches Zitat von [[Genesis 1#s4 |Gen 1,4]]; ohne Zweifel auch bewusst als Gegensatz zu Gen 6,5 formuliert.</ref> und sie nahmen sich Frauen:<ref>''sich Frauen nehmen'': missverständlicher Ausdruck; gemeint ist mit dem Hebräischen: „Sie heirateten sie“ (vgl. THAT I:787; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021).</ref> {von} alle, die sie erwählten.<ref>'''tFN''': Der Satz könnte bedeuten: „Sie sahen, dass die Menschenfrauen schön waren, und von jenen, die sie als schön ansahen, sonderten sie wiederum einen Teil aus, den sie sich dann zur Frau nahmen“. Aber warum dieser zweite Wahlgang eigens erwähnt würde, wäre nicht gut erklärlich. Besser deutet man das ''min'' nicht als ''min'' partitivum („von“), sondern als ''min'' expicativum („nämlich“): „Jedwede Frau, die sie erwählten, nahmen sie sich zur Frau“. Gut ALTER: „And they took themselves wives howsoever they chose“. Warum das eigens gesagt wird, ist klar; die Bed. ist: Bald wimmelte es auf der Erde von Halbgöttern – wonach erklärlich ist, dass Gott eine Gegenmaßnahme ergreifen muss.</ref>{{S|3}} Da sprach JHWH: | {{S|2}} Da sahen die Söhne Gottes (der Götter)<ref>''Söhne Gottes (der Götter)'' - umstrittener Ausdruck. Gemeint sein könnten zunächst (1) leibliche Nachfahren Gottes oder (2) leibliche Nachfahren mehrerer Götter, die Gen 6 dann stillschweigend anders als z.B. Gen 1 voraussetzen würde. „Söhne/Töchter von X“ ist auch ein häufiger Ausdruck für „Angehörige der Gattung / des Stamms X“ (wie ja auch gleich im Folgenden die „Töchter des Erdlings“ fast sicher nicht die leiblichen Töchter Adams, sondern allgemein ''Menschen-Frauen'' meint); möglich wäre also auch (3) „Götter-Wesen“ oder (4) „göttliche Wesen“, nämlich (4a) allgemein Keruben oder (4b) konkreter die Keruben, die Gott zum Bewachen des Gartens abkommandiert hat.<br />Weil damit – egal, welche dieser Varianten nun zutrifft – auf jeden Fall Faszinierendes berichtet wird, wurden Vv. 2.4 breit rezipiert (vgl. schön knapp Newman 1984; ausführlich Miller 2005; Doedens 2013), was dazu führte, dass sich weitere Deutungen ausbildeten:<br />(5) Die älteste derartige Ausdeutung war eine Variante von (4a): Im äthiopischen Henoch-Buch, in den Jubiläen, in Qumranschiften u.ö. wird von in der Bibel sonst nicht belegten „Wächtern“ berichtet, also Engeln, die sich von Gott ab- und den Menschen zugewandt, mit ihnen Riesen gezeugt und ihnen geheimes Wissen gelehrt hätten. Diese seien hier gemeint.<br />(6) Diese Auslegung war vor allem in einer Richtung des alten Judentums verbreitet, die man heute gelegentlich als „henochisches Judentum“ bezeichnet, weil in dieser Richtung auch der in Gen 5 nur sehr kurz erwähnte Henoch eine außerordentliche Rolle spielte. Offenbar war es so, dass sich kurz nach der Zeitenwende unter anderem das rabbinische und das henochische Judentum als theologische Kontrahenten gegenüberstanden; im rabbinischen Judentum wurde daher zum einen die Figur des Henoch gezielt kleingeredet, zum anderen wurden die „Söhne Gottes“ in unserem Vers gezielt innerweltlich als ''Menschen'' gedeutet: Gemeint seien nur ''mächtige'' Menschen (z.B. TgO, TgN, Midrasch BerR: „Söhne der Großen“; TgN, Raschi, Ramban: „Söhne der Richter“).<br />(7) Unter christlichen Auslegern kam eine verwandte Deutung auf, die sich ab dem 4. Jhd. nach und nach durchsetzte und bis zum 19. Jhd. die maßgebliche Deutung bleiben sollte: „Söhne Gottes“ sei nur eine Metapher für die Nachkommen Seths, entsprechend sei „Töchter des Menschen“ ein Ausdruck für die weiblichen Nachfahren Kains (so z.B. Julius Africanus: Chronographie, frg. ii (2. Jhd.); Ephräm der Syrer, Augustinus, Bede Venerabilis, Glossa ordinaria; später auch unter jüdischen: ibn Ezra, Radak, Rav Hirsch; heute noch z.B. Meshach/Paul 2019).<br />Wie sich diese theologiegeschichtlich bedeutsamen Deutungen (5)-(7) entwickelten, lässt sich leicht nachvollziehen: Deutung (5) ist ein Midrasch zu mehreren biblischen Stellen, Deutung (6) ist eine ''interessierte'' gegen diesen Midrasch gerichtete Deutung, Deutung (7) entstand hieraus und im Zuge einer Abwertung der Sexualität, nach der lüsterne Engel nicht mehr denkbar waren. Es ist daher etwas verwunderlich, dass v.a. Deutung (5) und (7) auch heute noch bisweilen vertreten werden.<br />Die neuesten Kommentare folgen dem nicht mehr; Gertz 2018, Goldingay 2020 und Carr 2021 etwa optieren mit der großen Mehrheit für Deutung (3) und denken genauer an Angehörige von Gottes himmlischem Hofstaat, wie er bes. klar in [[Ijob 1#s6 |Ijob 1,6]]; [[Ijob 2#s1 |2,1]] geschildert wird (der alternative Vorschlag von Fischer 2018 nach de Launay 2009, S. 56 (?) – ähnlich schon Closen 1937, S. 173-175 –, mit „Söhne Gottes“ vs. „Töchter der Menschen“ solle ironisch betont werden, dass Söhne=Männer den Töchtern=Frauen überlegen seien, ist absurd). Entweder folgt man dieser Deutung oder lässt sich vom Erzählzusammenhang leiten und deutet als (4b): Die einzigen göttlichen Wesen neben Gott selbst, die bereits erwähnt wurden, sind die Wächter des Gartens – Gen 6,1-4 schilderte also abschließend die letzten Folgen der Gartentragödie: Gott vertreibt die Menschen aus dem Gottesgarten, damit sie nicht unsterblich würden, und sichert ihn daher mit Keruben; diese lassen sich daraufhin fataler Weise mit den Menschen ein, woraufhin Gott auch noch die Lebensspanne des Menschen verknappen muss, um auch so die Sterblichkeit des Menschen zu sichern.</ref> (die Töchter des Erdlings, dass sie gut waren=), dass die Erdlingsfrauen gut (schön) waren,<ref>''sie sahen, dass die Erdlingsfrauen gut waren'' - ein offensichtliches Zitat von [[Genesis 1#s4 |Gen 1,4]]; ohne Zweifel auch bewusst als Gegensatz zu Gen 6,5 formuliert.</ref> und sie nahmen sich Frauen:<ref>''sich Frauen nehmen'': missverständlicher Ausdruck; gemeint ist mit dem Hebräischen: „Sie heirateten sie“ (vgl. THAT I:787; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021).</ref> {von} alle, die sie erwählten.<ref>'''tFN''': Der Satz könnte bedeuten: „Sie sahen, dass die Menschenfrauen schön waren, und von jenen, die sie als schön ansahen, sonderten sie wiederum einen Teil aus, den sie sich dann zur Frau nahmen“. Aber warum dieser zweite Wahlgang eigens erwähnt würde, wäre nicht gut erklärlich. Besser deutet man das ''min'' nicht als ''min'' partitivum („von“), sondern als ''min'' expicativum („nämlich“): „Jedwede Frau, die sie erwählten, nahmen sie sich zur Frau“. Gut ALTER: „And they took themselves wives howsoever they chose“. Warum das eigens gesagt wird, ist klar; die Bed. ist: Bald wimmelte es auf der Erde von Halbgöttern – wonach erklärlich ist, dass Gott eine Gegenmaßnahme ergreifen muss.</ref>{{S|3}} Da sprach JHWH: | ||
<poem>„Mein Geist wird (soll) nicht bleiben (aushalten, richten, schwächeln)<ref>''bleiben (aushalten, richten, schwächeln)'' - unbekanntes Wort, heb. ''jadon''. Am besten übersetzt man wie vorgeschlagen mit ''bleiben''.<br />'''Genauer''': (1) LXX, 4Q252 i 2, Jub 5,8 und vielleicht TgO und Syr lasen wahrscheinlich nicht ''jdwn'', sondern ''jdwr'' („bleiben“). Dafür, dass LXX und Jub so lasen und nicht das heb. Wort nur anders deuteten (so erwogen von Hendel 1998), spricht sehr stark 4Q252, wo wirklich ''jdwr'' steht. TgO und Syr könnten auch nur geraten haben (richtig König 1900): TgO „er soll nicht aushalten“, Syr „er soll nicht wohnen“.<br />(1b) Aus einer Textvariante in b.Taan 25a könnte man ableiten, dass ''dun'' im Talmudhebräischen ähnlich „aushalten“ heißt (MS Göttingen 3: „Wie lange {{hebr}}אידון{{hebr ende}} und mich quälen!?“; so Margolis 1911, S. 315; Cassuto 2005b, S. 25f.). Aber vergleicht man die Variante mit weiteren Textvarianten, muss man eher annehmen, dass auch dies wiederum nur aus {{hebr}}אידבר{{hebr ende}} verderbt ist, s. MS München 140, MS BL 400: „Wie lange muss ich denn noch ''klagen'' und mich quälen!?“ So und so, nach der Textvariante in LXX und gedeutet nach dieser möglichen talmudhebräischen Bed. würde Gott ankündigen, dass er dem Menschen nach 120 Jahren seinen Geist entziehen wird, dass dieser also nicht „auf ewig im Menschen bleiben soll / aushalten muss“. Mit „bleiben“ übersetzen die meisten dt. Üss. (z.B. EÜ, NeÜ, ZÜR 07); weil das Wort so unsicher ist, sollte das am besten auch OfBi tun.<br />(2) Das Wort ''dun'' im MT gibt es im Aramäischen als Nebenform von ''din'' und hat dort wie dieses (auch im Heb.) die Bed. „richten, streiten“. [[Ijob 19#s29 |Ijob 19,29]], wo neben ''din'' auch ''dun'' („Gericht“) bezeugt ist, macht wahrscheinlich, dass das selbe auch fürs Hebräische gilt, und Sym, LAB 3,2, TgJ, TgN, Midrasch BerR und TestAbr A 13 haben auch wirklich so gedeutet (auch SamP stützt diesen Text). Weil auch Hieronymus in seinen Quaestiones berichtet, dies sei die Bed. auch des hebräischen Wortes, deuteten so auch die meisten christlichen Ausleger des MAs und der frühen Neuzeit: „Ich werde ihn nicht auf ewig richten / nicht auf ewig mit ihm streiten“. Rabanus Maurus und Drusius etwa zitieren direkt Hieronymus: „''Weil der Mensch vulnerabel ist, werde ich ihn nicht auf ewig quälen, sondern ihn hier wieder einsetzen, wie er es verdient. Hier klingt also nicht Strenge, wie in unseren Büchern [sc. der LXX] zu lesen ist, sondern die Milde Gottes, wohingegen [nach jener Deutung der LXX] der Sünder für sein Verbrechen heimgesucht wird.''“. So z.B. Waltke 2001; auch SLT: „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten“; ebenso ELB, TAF, van Ess. Dagegen spricht, dass ''din'' / ''dun'' sonst nie mit der Präp. ''b-'' konstruiert ist („''mit'' dem Erdling richten“), aber s. FN h.<br />(2b) Michaelis 1775 | <poem>„Mein Geist wird (soll) nicht bleiben (aushalten, richten, schwächeln)<ref>''bleiben (aushalten, richten, schwächeln)'' - unbekanntes Wort, heb. ''jadon''. Am besten übersetzt man wie vorgeschlagen mit ''bleiben''.<br />'''Genauer''': (1) LXX, 4Q252 i 2, Jub 5,8 und vielleicht TgO und Syr lasen wahrscheinlich nicht ''jdwn'', sondern ''jdwr'' („bleiben“). Dafür, dass LXX und Jub so lasen und nicht das heb. Wort nur anders deuteten (so erwogen von Hendel 1998), spricht sehr stark 4Q252, wo wirklich ''jdwr'' steht. TgO und Syr könnten auch nur geraten haben (richtig König 1900): TgO „er soll nicht aushalten“, Syr „er soll nicht wohnen“.<br />(1b) Aus einer Textvariante in b.Taan 25a könnte man ableiten, dass ''dun'' im Talmudhebräischen ähnlich „aushalten“ heißt (MS Göttingen 3: „Wie lange {{hebr}}אידון{{hebr ende}} und mich quälen!?“; so Margolis 1911, S. 315; Cassuto 2005b, S. 25f.). Aber vergleicht man die Variante mit weiteren Textvarianten, muss man eher annehmen, dass auch dies wiederum nur aus {{hebr}}אידבר{{hebr ende}} verderbt ist, s. MS München 140, MS BL 400: „Wie lange muss ich denn noch ''klagen'' und mich quälen!?“ So und so, nach der Textvariante in LXX und gedeutet nach dieser möglichen talmudhebräischen Bed. würde Gott ankündigen, dass er dem Menschen nach 120 Jahren seinen Geist entziehen wird, dass dieser also nicht „auf ewig im Menschen bleiben soll / aushalten muss“. Mit „bleiben“ übersetzen die meisten dt. Üss. (z.B. EÜ, NeÜ, ZÜR 07); weil das Wort so unsicher ist, sollte das am besten auch OfBi tun.<br />(2) Das Wort ''dun'' im MT gibt es im Aramäischen als Nebenform von ''din'' und hat dort wie dieses (auch im Heb.) die Bed. „richten, streiten“. [[Ijob 19#s29 |Ijob 19,29]], wo neben ''din'' auch ''dun'' („Gericht“) bezeugt ist, macht wahrscheinlich, dass das selbe auch fürs Hebräische gilt, und Sym, LAB 3,2, TgJ, TgN, Midrasch BerR und TestAbr A 13 haben auch wirklich so gedeutet (auch SamP stützt diesen Text). Weil auch Hieronymus in seinen Quaestiones berichtet, dies sei die Bed. auch des hebräischen Wortes, deuteten so auch die meisten christlichen Ausleger des MAs und der frühen Neuzeit: „Ich werde ihn nicht auf ewig richten / nicht auf ewig mit ihm streiten“. Rabanus Maurus und Drusius etwa zitieren direkt Hieronymus: „''Weil der Mensch vulnerabel ist, werde ich ihn nicht auf ewig quälen, sondern ihn hier wieder einsetzen, wie er es verdient. Hier klingt also nicht Strenge, wie in unseren Büchern [sc. der LXX] zu lesen ist, sondern die Milde Gottes, wohingegen [nach jener Deutung der LXX] der Sünder für sein Verbrechen heimgesucht wird.''“. So z.B. Waltke 2001; auch SLT: „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten“; ebenso ELB, TAF, van Ess. Dagegen spricht, dass ''din'' / ''dun'' sonst nie mit der Präp. ''b-'' konstruiert ist („''mit'' dem Erdling richten“), aber s. FN h.<br />(2b) Michaelis 1775 und Rosenmüller 1821 deuten ebenso, erklären aber anders: Mit „er soll nicht ewig richten“ sei nicht von Gottes Milde die Rede, sondern von seiner ''Ungeduld'': „Ich habe keine Lust, wieder und wieder mit ihm ins Gericht zu gehen!“ Das macht wahrscheinlich noch mehr Sinn.<br />(2c) Ähnlich z.B. auch [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/72._Verbs_%D7%A2%D7%B4%D7%95%D6%BC#GHGpar-72-r GKC §72r]; Witte 1998, S. 66f. und Goldingay 2020, die annehmen, das Wort ''dun / din'' könne auch die Spezialbedeutung „leiten, regieren“ haben: „My spirit will not govern over humanity through the ages“. Das ist wahrscheinlich falsch und man sieht es auch an ihren Herleitungen: Der erste muss annehmen, ''din'' und ''dun'' hätten sich zu den beiden us. Bedd. „richten“ und „walten“ dissimiliert, der zweite entdeckt diese Spezialbed. in [[Psalm 110#s6 |Ps 110,6]], der dritte immerhin etwas wahrscheinlicher in [[Sacharja 3#s7 |Sach 3,7]]. Dort ist effektiv natürlich „verwalten“ gemeint, aber nichts spricht dafür, dass deshalb auch das ''Wort'' die Bed. „herrschen / walten“ hätte und nicht nur „richten“ als ''Ausdrucksform'' des Verwaltens eigens genannt wird. De Wette, Maurer und Knobel haben das Wort früher gar noch mit ''`adon'' („Herr“) verbinden müssen, um so zu übersetzen. Es gibt also keine Basis, auf der man gut annehmen könnte, dass unser Wort diese Bed. hätte. So aber dennoch wieder LUT: „Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten“; ebenso ZÜR 31, TEX.<br />(3) Die meisten neueren Ausleger (z.B. Gertz 2018, Carr 2021) leiten stattdessen das heb. ''dun'' / ''danan'', das in diesem Wort zu stecken scheint, vom akkadischen ''dananu'' („mächtig sein“) und dem ugaritischen ''dn'' („Stärke, Macht“) ab: „Mein Geist soll nicht auf ewig mächtig sein im Menschen“ (HER05). Das nimmt man dann weiter merkwürdigerweise recht einheitlich ebenfalls als Ausdruck dafür, dass der Geist Gottes nicht im Menschen „bleiben“ wird. Ältere Ausleger des 19./20. Jhds. haben dies noch meist als Ausdruck der Eifersucht verstanden: „Mein Geist, der in diesen Halbgöttern auf der Erde wirksam ist, soll nicht auf ewig mächtig sein. Darum sei ''ihre'' Lebensspanne begrenzt.“ Alternativ wäre nach der Wortbedeutung näherliegend: „Offenbar lässt mit dem Verlauf der Zeit der Einfluss des Geistes auf den Menschen nach(, daher will ich ihre Lebenszeit begrenzen).“ Dass „mächtig sein“ einfachhin „bleiben“ bedeuten kann, liegt jedenfalls sehr fern.<br />(4) Scharbert 1967 schließlich leitet ab vom arabischen ''dun'' („niedrig“), ''dana'' („schwach sein, verachtet sein“). So noch in Scharbert 1990, S. 81: „''Gott fürchtet, der Geist könnte durch allzulanges Zusammensein mit dem Fleisch ‚an Wert einbüßen‘ ... Das Zusammensein [mit Fleisch] tut dem ‚Geist‘, so glaubt dieser Tradent, nicht gut...''“ Für die Vorstellung eines im Menschen „schwächelnden“ Gottesgeistes gibt es aber keine gute Parallele; am ehesten noch [[Lukas 1#s80 |Lk 1,80]] – wenn gerade asketische Menschen wie Johannes „im Geist erstarken“ können, kann vielleicht der Geist auch in fleischeslustigen Menschen „schwächeln“, was man aber gewiss nicht mit Scharbert als „an Wert einbüßen“ deuten kann, sondern allenfalls als „an Wirksamkeit verlieren“ deuten müsste.<br />(4b) Ältere Ausleger (z.B. Tuch 1838, Baumgarten 1843, Dillmann 1882) leiten vom selben Wort ab, rekonstruieren aber alternativ die Bed. „eriedrigen“. So auch mehrere dt. Üss.: MEN („Mein Geist soll nicht für immer im Menschen erniedrigt sein“), B-R („Nicht niedre mein Geistbraus sich im Menschen für eine Weltzeit“) und wohl PAT („Mein Geist soll nicht für die Dauer im Menschen beengt sein“). Auch das liegt aber ganz fern; Gott selbst hat ja den Menschen zu Fleisch geknetet und ihm dann seinen Geist eingehaucht; dass der Mensch Fleisch ist und dass dies „erniedrigend“ für den Geist wäre, passt kaum zu dieser Erzählung.<br />(5) In der frühen Neuzeit (z.B. bei Pagninus) schließlich noch verbreitet war eine Deutung, die sich schon im Midrasch Tanchuma Buber findet: Das Wort sei abzuleiten von ''nadan'' („Schwertscheide“, nur in [[1 Chroniken 21#s27 |1 Chr 21,27]]): „Mein Geist sei nicht für immer ‚eingescheidet‘ im Menschen=soll nicht für immer in ihm bleiben“. Das liegt ganz fern; ist diese Ableitung aber zulässig, könnte man erwägen, ob es nicht eher abgeleitet ist vom gleichlautenden ''nadan'' („Geschenk, Mitgift“) in [[Ezechiel 16#s33 |Ez 16,33]]: „Mein Geist sei nicht für immer dem Menschen geschenkt“. Wahrscheinlich kann man aber so nicht ableiten.</ref>im Erdling für immer, | ||
_Weil er auch (weil ihr Inneres; wenn sie irren)<ref>''weil er auch (weil ihr Inneres; wenn sie irren)'' - Das nächste unsichere Wort. Es fällt auf, dass ab Gen 2 eigentlich keine Gottesrede sprachlich unproblematisch war. Spricht Gott vielleicht gar kein Straßenhebräisch, sondern eine Art göttlichen Dialekt? Weil auch dieses Wort unklar ist, deutet man am besten auch hier nach der klaren Mehrheit der Ausleger wie oben vorgeschlagen.<br />'''Genauer''': (1) Das Wort, heb. ''bašaggam'', wird meistens erklärt als Kombination der drei Funktionswörter ''b-'', ''-š-'' und ''gam'' (z.B. Fischer 2018; Gertz 2018; Goldingay 2020; Carr 2021). ''baša-'' soll wie ''ba`ašer'' in [[Genesis 39#s9 |Gen 39,9.23]] „weil“ bedeuten, ''gam'' nicht wie meist „auch“ oder „auch noch, gar“, sondern nur das folgende Wort „hervorheben“. Diese Deutung ist wahrscheinlich unmöglich. Richtig wird zwar meist darauf hingewiesen, dass es eine derartige Dreier-Kombinationen von Funktionswörtern auch in [[Jona 1#s7 |Jon 1,7]] gibt (''ba-še-la-mi'' „um wessentwillen“ [?]). Problematischer ist, dass ''gam'' in einer solchen „nur hervorhebenden“ Funktion nicht belegt ist; mindestens müsste man dann übersetzen: „weil er ''sogar'' Fleisch ist“. Problematisch ist auch, dass das ''ba-'' sich zwar grammatisch erklären lässt, seine Funktion aber nicht. Beides sieht man schön daran, dass ''šaggam'' ohne ''ba-'' in [[Kohelet 1#s17 |Pred 1,17]]; [[Kohelet 2#s15 |2,15]]; [[Kohelet 8#s14 |Pred 8,14]] mehrfach belegt ist und dort klar „dass ''auch''“ heißt – ''ba-'' ist also überflüssig und bei ''-gam'' müsste man eine ähnliche Funktion erwarten wie im Koheletbuch. Folgt man dieser Deutung, sollte man wenigstens wie oben vorgeschlagen „weil auch“ deuten: „Weil der Mensch (nicht nur Gottesgeist, sondern) ''auch'' Fleisch ist“ (gut Cassuto 1961). So richtiger z.B. Wright 2013, S. 94: „in that it also is flesh“.<br />(2) Ein guter alternativer Vorschlag ist mittlerweile schon wieder in Vergessenheit geraten: ''-šag-'' sei abzuleiten von sumerisch ''[http://oracc.iaas.upenn.edu/epsd2/cbd/sux/o0038583.html šag]'' („Herz, Inneres“, so Feigin 1926, S. 50). Feigin ist selbst schuld, vergessen worden zu sein, weil er fernliegend die beiden folgenden Worte streichen will. Aber man kann alternativ ''šaggam hu` baßar'' leicht als dreigliedrigen verblosen Satz deuten (vgl. zur Konstruktion z.B. Holmstedt/Jones 2014), also: „er soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil ihr Inneres Fleisch ist“. Zum Grund, warum nicht das gewöhnliche ''balibbam'' verwendet worden wäre, s. die nächste FN.<br />(3) ''-šag-'' sei abzuleiten von ''šagag'' („sich verirren“), also „wegen ihrem Verirren=weil sie gefehlt haben, [sind/seien] sie Fleisch“ (Michaelis 1775; [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/67._Verbs_%D7%A2%D7%B4%D7%A2#GHGpar-67-p GKC §67p]; Holzinger 1898, S. 65; Doedens 2013, S. 56). <br />(4) Im Atrahasis-Epos bringen die Götter die Flut, weil die Menschen so laut sind, daher schlagen Clines 1979, S. 40 und Kvanvig 2002, S. 287 vor, ''-šag-'' sei abzuleiten vom akkadischen ''šagamu'' („bellen, heulen“), also „wegen ihrem Bellen=Lärm sind die Fleisch“.<br />(4b) Leichter möglich wäre diese Deutung übrigens, wenn man nicht ''-šag-'' von ''šagamu'' ableitet, sondern ''gam'' als ''gam'' III („laut“) deutet: „Weil er so laut ist, ist er Fleisch“ / „weil das Fleisch so laut ist“. Aber das würde vielleicht ins Atrahasis-Epos passen, in die biblische Erzählung fügt es sich schlecht.</ref> Fleisch ist!<ref>Dass diese Zeilen Poesie sein sollen, lässt sich nicht wie meist an einem Parallelismus zweier oder mehrerer Zeilen erkennen. Aber an der Lautung: Drei Wörter direkt hintereinander enden auf ''-am'' (''ba`adam'' „im Erdling“, ''lo´olam'' „auf ewig“, ''bašaggam'' „weil er auch“), drei Wörter beginnen mit ''ba-'' und es herrscht ''a''-Assonanz (''ba`adam'' „im Erdling“, ''bašaggam'' „weil er auch“, ''baßar'' „Fleisch“). Vermutlich ist auch gerade, um diese Lautung zu erreichen, das schwierige Wort ''bašaggam'' verwendet worden.</ref> {{par|Jesaja|31|3}} | _Weil er auch (weil ihr Inneres; wenn sie irren)<ref>''weil er auch (weil ihr Inneres; wenn sie irren)'' - Das nächste unsichere Wort. Es fällt auf, dass ab Gen 2 eigentlich keine Gottesrede sprachlich unproblematisch war. Spricht Gott vielleicht gar kein Straßenhebräisch, sondern eine Art göttlichen Dialekt? Weil auch dieses Wort unklar ist, deutet man am besten auch hier nach der klaren Mehrheit der Ausleger wie oben vorgeschlagen.<br />'''Genauer''': (1) Das Wort, heb. ''bašaggam'', wird meistens erklärt als Kombination der drei Funktionswörter ''b-'', ''-š-'' und ''gam'' (z.B. Fischer 2018; Gertz 2018; Goldingay 2020; Carr 2021). ''baša-'' soll wie ''ba`ašer'' in [[Genesis 39#s9 |Gen 39,9.23]] „weil“ bedeuten, ''gam'' nicht wie meist „auch“ oder „auch noch, gar“, sondern nur das folgende Wort „hervorheben“. Diese Deutung ist wahrscheinlich unmöglich. Richtig wird zwar meist darauf hingewiesen, dass es eine derartige Dreier-Kombinationen von Funktionswörtern auch in [[Jona 1#s7 |Jon 1,7]] gibt (''ba-še-la-mi'' „um wessentwillen“ [?]). Problematischer ist, dass ''gam'' in einer solchen „nur hervorhebenden“ Funktion nicht belegt ist; mindestens müsste man dann übersetzen: „weil er ''sogar'' Fleisch ist“. Problematisch ist auch, dass das ''ba-'' sich zwar grammatisch erklären lässt, seine Funktion aber nicht. Beides sieht man schön daran, dass ''šaggam'' ohne ''ba-'' in [[Kohelet 1#s17 |Pred 1,17]]; [[Kohelet 2#s15 |2,15]]; [[Kohelet 8#s14 |Pred 8,14]] mehrfach belegt ist und dort klar „dass ''auch''“ heißt – ''ba-'' ist also überflüssig und bei ''-gam'' müsste man eine ähnliche Funktion erwarten wie im Koheletbuch. Folgt man dieser Deutung, sollte man wenigstens wie oben vorgeschlagen „weil auch“ deuten: „Weil der Mensch (nicht nur Gottesgeist, sondern) ''auch'' Fleisch ist“ (gut Cassuto 1961). So richtiger z.B. Wright 2013, S. 94: „in that it also is flesh“.<br />(2) Ein guter alternativer Vorschlag ist mittlerweile schon wieder in Vergessenheit geraten: ''-šag-'' sei abzuleiten von sumerisch ''[http://oracc.iaas.upenn.edu/epsd2/cbd/sux/o0038583.html šag]'' („Herz, Inneres“, so Feigin 1926, S. 50). Feigin ist selbst schuld, vergessen worden zu sein, weil er fernliegend die beiden folgenden Worte streichen will. Aber man kann alternativ ''šaggam hu` baßar'' leicht als dreigliedrigen verblosen Satz deuten (vgl. zur Konstruktion z.B. Holmstedt/Jones 2014), also: „er soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil ihr Inneres Fleisch ist“. Zum Grund, warum nicht das gewöhnliche ''balibbam'' verwendet worden wäre, s. die nächste FN.<br />(3) ''-šag-'' sei abzuleiten von ''šagag'' („sich verirren“), also „wegen ihrem Verirren=weil sie gefehlt haben, [sind/seien] sie Fleisch“ (Michaelis 1775; [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/67._Verbs_%D7%A2%D7%B4%D7%A2#GHGpar-67-p GKC §67p]; Holzinger 1898, S. 65; Doedens 2013, S. 56). <br />(4) Im Atrahasis-Epos bringen die Götter die Flut, weil die Menschen so laut sind, daher schlagen Clines 1979, S. 40 und Kvanvig 2002, S. 287 vor, ''-šag-'' sei abzuleiten vom akkadischen ''šagamu'' („bellen, heulen“), also „wegen ihrem Bellen=Lärm sind die Fleisch“.<br />(4b) Leichter möglich wäre diese Deutung übrigens, wenn man nicht ''-šag-'' von ''šagamu'' ableitet, sondern ''gam'' als ''gam'' III („laut“) deutet: „Weil er so laut ist, ist er Fleisch“ / „weil das Fleisch so laut ist“. Aber das würde vielleicht ins Atrahasis-Epos passen, in die biblische Erzählung fügt es sich schlecht.</ref> Fleisch ist!<ref>Dass diese Zeilen Poesie sein sollen, lässt sich nicht wie meist an einem Parallelismus zweier oder mehrerer Zeilen erkennen. Aber an der Lautung: Drei Wörter direkt hintereinander enden auf ''-am'' (''ba`adam'' „im Erdling“, ''lo´olam'' „auf ewig“, ''bašaggam'' „weil er auch“), drei Wörter beginnen mit ''ba-'' und es herrscht ''a''-Assonanz (''ba`adam'' „im Erdling“, ''bašaggam'' „weil er auch“, ''baßar'' „Fleisch“). Vermutlich ist auch gerade, um diese Lautung zu erreichen, das schwierige Wort ''bašaggam'' verwendet worden.</ref> {{par|Jesaja|31|3}} | ||
{und} Seine (Tage werden=) Lebensspanne wird (soll) 120 Jahre sein.“</poem> | {und} Seine (Tage werden=) Lebensspanne wird (soll) 120 Jahre sein.“</poem> | ||
Version vom 8. Februar 2023, 03:14 Uhr
Syntax ungeprüft


Anmerkungen
Studienfassung (Genesis 6)
1 {Und es geschah:} Als (der Erdling=) die Erdlinge (Menschen) begannen, sich auf dem (Angesicht des) Erdboden zu vermehren, wurden ihnen Töchter geboren. 2 Da sahen die Söhne Gottes (der Götter)〈a〉 (die Töchter des Erdlings, dass sie gut waren=), dass die Erdlingsfrauen gut (schön) waren,〈b〉 und sie nahmen sich Frauen:〈c〉 {von} alle, die sie erwählten.〈d〉3 Da sprach JHWH:
„Mein Geist wird (soll) nicht bleiben (aushalten, richten, schwächeln)〈e〉im Erdling für immer,
Weil er auch (weil ihr Inneres; wenn sie irren)〈f〉 Fleisch ist!〈g〉 ℘
{und} Seine (Tage werden=) Lebensspanne wird (soll) 120 Jahre sein.“
4 Die Riesen (Heroen) waren (entstanden) in jenen Tagen auf der Erde (im Land) - und auch danach - als die Gottessöhne zu den Menschentöchtern hineingingen und sie ihnen [Nachkommen] gebaren. Das (sie) sind die Starken (Mächtigen, die Kämpfer) aus alter Zeit, die Männer mit Namen〈h〉. 5 Und JHWH sah, dass viel Schlechtes auf der Erde [war] und alles Formen des Planens des Herzens nur schlecht [war] den ganzen Tag. 6 Und JHWH ließ es sich leid tun, dass er den Menschen machte auf der Erde und er ergrimmte in seinem Herzen. 7 Und JHWH sprach: Ich will den Menschen ausrotten, den ich geschaffen habe, von der Oberfläche der Erde. Von Menschen zu den Kriechtieren zu den Vögeln im Himmel, weil es mich gereut, dass ich sie schuf. 8 Und Noah fand Gnade vor den Augen des Herrn. 9 Dies [sind] die Geschlechter Noahs. Noah [war] ein gerechter Mann in seinen Geschlechtern und mit Gott ging Noah. 10 Und Noah zeugte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. 11 Und die Erde war verdorben vor dem Herrn und sie war voller Gewalt. 12 Und Gott sah die Erde und siehe, sie war verdorben, denn alles Fleisch war verdorben in seinem Lebenswandel auf der Erde. 13 Und der Herr sprach zu Noah: Das Ende allen Fleisches tritt vor mein Angesicht, denn die Erde ist voller Gewalt vor ihren Angesichtern und siehe, ich verderbe sie [auf] der Erde. 14 Mache dir einen Kasten [aus]〈i〉 Gopherbäumen〈j〉; [als] Nester (d.h. Kabinen) sollst du den Kasten machen und sollst ihn verpichen von innen und außen mit Pech. 15 Und dies [ist], wie du ihn machen sollst: 300 Ellen [sei] die Länge des Kastens, 50 Ellen seine Breite und 30 Ellen seine Höhe. 16 Ein Dach〈k〉 sollst du für den Kasten machen - und im Ellenmaß sollst du [alles] vollenden〈l〉 - oben; und das Tor (den Eingang) des Kastens sollst du an seiner Seite anbringen; untere zweite und dritte [Stockwerke] sollst du machen.〈m〉 17 Und ich, siehe ich bin im Begriff〈n〉 den Himmelsozean〈o〉 [als] Wasser auf die Erde kommen zu lassen, um alles Fleisch (alle Lebewesen) unter dem Himmel, in dem Lebensatem (Lebensgeist) ist, zu vernichten; alles, was auf der Erde [ist], wird (soll) umkommen. 18 Und ich verpflichte mich dir gegenüber〈p〉, dass〈q〉 du in den Kasten gehen wirst, du und deine Söhne und deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir. 19 Und von allem Lebendigen, von allem Fleisch (allen Lebewesen), zwei von allem sollst du in den Kasten hineingehen lassen (hineinbringen), um [sie] weiterleben zu lassen mit dir; männlich und weiblich sollen sie sein. 20 Von allen Vögeln〈r〉 nach ihren Arten und von allen Landtieren〈s〉 nach ihren Arten, von allem Kriechgetier〈t〉 des Erdbodens nach seinen Arten, zwei von allen [Arten] sollen zu dir kommen, um [sie] weiter leben zu lassen. 21 Und du, nimm dir von allem Essbaren, das gegessen wird, und sammle es bei dir, und es soll dir und euch zur Nahrung sein (als Nahrung dienen). 22 Und Noach tat nach allem, was Gott ihm befohlen hatte, so tat er.
Anmerkungen
| a | Söhne Gottes (der Götter) - umstrittener Ausdruck. Gemeint sein könnten zunächst (1) leibliche Nachfahren Gottes oder (2) leibliche Nachfahren mehrerer Götter, die Gen 6 dann stillschweigend anders als z.B. Gen 1 voraussetzen würde. „Söhne/Töchter von X“ ist auch ein häufiger Ausdruck für „Angehörige der Gattung / des Stamms X“ (wie ja auch gleich im Folgenden die „Töchter des Erdlings“ fast sicher nicht die leiblichen Töchter Adams, sondern allgemein Menschen-Frauen meint); möglich wäre also auch (3) „Götter-Wesen“ oder (4) „göttliche Wesen“, nämlich (4a) allgemein Keruben oder (4b) konkreter die Keruben, die Gott zum Bewachen des Gartens abkommandiert hat. Weil damit – egal, welche dieser Varianten nun zutrifft – auf jeden Fall Faszinierendes berichtet wird, wurden Vv. 2.4 breit rezipiert (vgl. schön knapp Newman 1984; ausführlich Miller 2005; Doedens 2013), was dazu führte, dass sich weitere Deutungen ausbildeten: (5) Die älteste derartige Ausdeutung war eine Variante von (4a): Im äthiopischen Henoch-Buch, in den Jubiläen, in Qumranschiften u.ö. wird von in der Bibel sonst nicht belegten „Wächtern“ berichtet, also Engeln, die sich von Gott ab- und den Menschen zugewandt, mit ihnen Riesen gezeugt und ihnen geheimes Wissen gelehrt hätten. Diese seien hier gemeint. (6) Diese Auslegung war vor allem in einer Richtung des alten Judentums verbreitet, die man heute gelegentlich als „henochisches Judentum“ bezeichnet, weil in dieser Richtung auch der in Gen 5 nur sehr kurz erwähnte Henoch eine außerordentliche Rolle spielte. Offenbar war es so, dass sich kurz nach der Zeitenwende unter anderem das rabbinische und das henochische Judentum als theologische Kontrahenten gegenüberstanden; im rabbinischen Judentum wurde daher zum einen die Figur des Henoch gezielt kleingeredet, zum anderen wurden die „Söhne Gottes“ in unserem Vers gezielt innerweltlich als Menschen gedeutet: Gemeint seien nur mächtige Menschen (z.B. TgO, TgN, Midrasch BerR: „Söhne der Großen“; TgN, Raschi, Ramban: „Söhne der Richter“). (7) Unter christlichen Auslegern kam eine verwandte Deutung auf, die sich ab dem 4. Jhd. nach und nach durchsetzte und bis zum 19. Jhd. die maßgebliche Deutung bleiben sollte: „Söhne Gottes“ sei nur eine Metapher für die Nachkommen Seths, entsprechend sei „Töchter des Menschen“ ein Ausdruck für die weiblichen Nachfahren Kains (so z.B. Julius Africanus: Chronographie, frg. ii (2. Jhd.); Ephräm der Syrer, Augustinus, Bede Venerabilis, Glossa ordinaria; später auch unter jüdischen: ibn Ezra, Radak, Rav Hirsch; heute noch z.B. Meshach/Paul 2019). Wie sich diese theologiegeschichtlich bedeutsamen Deutungen (5)-(7) entwickelten, lässt sich leicht nachvollziehen: Deutung (5) ist ein Midrasch zu mehreren biblischen Stellen, Deutung (6) ist eine interessierte gegen diesen Midrasch gerichtete Deutung, Deutung (7) entstand hieraus und im Zuge einer Abwertung der Sexualität, nach der lüsterne Engel nicht mehr denkbar waren. Es ist daher etwas verwunderlich, dass v.a. Deutung (5) und (7) auch heute noch bisweilen vertreten werden. Die neuesten Kommentare folgen dem nicht mehr; Gertz 2018, Goldingay 2020 und Carr 2021 etwa optieren mit der großen Mehrheit für Deutung (3) und denken genauer an Angehörige von Gottes himmlischem Hofstaat, wie er bes. klar in Ijob 1,6; 2,1 geschildert wird (der alternative Vorschlag von Fischer 2018 nach de Launay 2009, S. 56 (?) – ähnlich schon Closen 1937, S. 173-175 –, mit „Söhne Gottes“ vs. „Töchter der Menschen“ solle ironisch betont werden, dass Söhne=Männer den Töchtern=Frauen überlegen seien, ist absurd). Entweder folgt man dieser Deutung oder lässt sich vom Erzählzusammenhang leiten und deutet als (4b): Die einzigen göttlichen Wesen neben Gott selbst, die bereits erwähnt wurden, sind die Wächter des Gartens – Gen 6,1-4 schilderte also abschließend die letzten Folgen der Gartentragödie: Gott vertreibt die Menschen aus dem Gottesgarten, damit sie nicht unsterblich würden, und sichert ihn daher mit Keruben; diese lassen sich daraufhin fataler Weise mit den Menschen ein, woraufhin Gott auch noch die Lebensspanne des Menschen verknappen muss, um auch so die Sterblichkeit des Menschen zu sichern. (Zurück zu v.2) |
| b | sie sahen, dass die Erdlingsfrauen gut waren - ein offensichtliches Zitat von Gen 1,4; ohne Zweifel auch bewusst als Gegensatz zu Gen 6,5 formuliert. (Zurück zu v.2) |
| c | sich Frauen nehmen: missverständlicher Ausdruck; gemeint ist mit dem Hebräischen: „Sie heirateten sie“ (vgl. THAT I:787; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021). (Zurück zu v.2) |
| d | tFN: Der Satz könnte bedeuten: „Sie sahen, dass die Menschenfrauen schön waren, und von jenen, die sie als schön ansahen, sonderten sie wiederum einen Teil aus, den sie sich dann zur Frau nahmen“. Aber warum dieser zweite Wahlgang eigens erwähnt würde, wäre nicht gut erklärlich. Besser deutet man das min nicht als min partitivum („von“), sondern als min expicativum („nämlich“): „Jedwede Frau, die sie erwählten, nahmen sie sich zur Frau“. Gut ALTER: „And they took themselves wives howsoever they chose“. Warum das eigens gesagt wird, ist klar; die Bed. ist: Bald wimmelte es auf der Erde von Halbgöttern – wonach erklärlich ist, dass Gott eine Gegenmaßnahme ergreifen muss. (Zurück zu v.2) |
| e | bleiben (aushalten, richten, schwächeln) - unbekanntes Wort, heb. jadon. Am besten übersetzt man wie vorgeschlagen mit bleiben. Genauer: (1) LXX, 4Q252 i 2, Jub 5,8 und vielleicht TgO und Syr lasen wahrscheinlich nicht jdwn, sondern jdwr („bleiben“). Dafür, dass LXX und Jub so lasen und nicht das heb. Wort nur anders deuteten (so erwogen von Hendel 1998), spricht sehr stark 4Q252, wo wirklich jdwr steht. TgO und Syr könnten auch nur geraten haben (richtig König 1900): TgO „er soll nicht aushalten“, Syr „er soll nicht wohnen“. (1b) Aus einer Textvariante in b.Taan 25a könnte man ableiten, dass dun im Talmudhebräischen ähnlich „aushalten“ heißt (MS Göttingen 3: „Wie lange אידון und mich quälen!?“; so Margolis 1911, S. 315; Cassuto 2005b, S. 25f.). Aber vergleicht man die Variante mit weiteren Textvarianten, muss man eher annehmen, dass auch dies wiederum nur aus אידבר verderbt ist, s. MS München 140, MS BL 400: „Wie lange muss ich denn noch klagen und mich quälen!?“ So und so, nach der Textvariante in LXX und gedeutet nach dieser möglichen talmudhebräischen Bed. würde Gott ankündigen, dass er dem Menschen nach 120 Jahren seinen Geist entziehen wird, dass dieser also nicht „auf ewig im Menschen bleiben soll / aushalten muss“. Mit „bleiben“ übersetzen die meisten dt. Üss. (z.B. EÜ, NeÜ, ZÜR 07); weil das Wort so unsicher ist, sollte das am besten auch OfBi tun. (2) Das Wort dun im MT gibt es im Aramäischen als Nebenform von din und hat dort wie dieses (auch im Heb.) die Bed. „richten, streiten“. Ijob 19,29, wo neben din auch dun („Gericht“) bezeugt ist, macht wahrscheinlich, dass das selbe auch fürs Hebräische gilt, und Sym, LAB 3,2, TgJ, TgN, Midrasch BerR und TestAbr A 13 haben auch wirklich so gedeutet (auch SamP stützt diesen Text). Weil auch Hieronymus in seinen Quaestiones berichtet, dies sei die Bed. auch des hebräischen Wortes, deuteten so auch die meisten christlichen Ausleger des MAs und der frühen Neuzeit: „Ich werde ihn nicht auf ewig richten / nicht auf ewig mit ihm streiten“. Rabanus Maurus und Drusius etwa zitieren direkt Hieronymus: „Weil der Mensch vulnerabel ist, werde ich ihn nicht auf ewig quälen, sondern ihn hier wieder einsetzen, wie er es verdient. Hier klingt also nicht Strenge, wie in unseren Büchern [sc. der LXX] zu lesen ist, sondern die Milde Gottes, wohingegen [nach jener Deutung der LXX] der Sünder für sein Verbrechen heimgesucht wird.“. So z.B. Waltke 2001; auch SLT: „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten“; ebenso ELB, TAF, van Ess. Dagegen spricht, dass din / dun sonst nie mit der Präp. b- konstruiert ist („mit dem Erdling richten“), aber s. FN h. (2b) Michaelis 1775 und Rosenmüller 1821 deuten ebenso, erklären aber anders: Mit „er soll nicht ewig richten“ sei nicht von Gottes Milde die Rede, sondern von seiner Ungeduld: „Ich habe keine Lust, wieder und wieder mit ihm ins Gericht zu gehen!“ Das macht wahrscheinlich noch mehr Sinn. (2c) Ähnlich z.B. auch GKC §72r; Witte 1998, S. 66f. und Goldingay 2020, die annehmen, das Wort dun / din könne auch die Spezialbedeutung „leiten, regieren“ haben: „My spirit will not govern over humanity through the ages“. Das ist wahrscheinlich falsch und man sieht es auch an ihren Herleitungen: Der erste muss annehmen, din und dun hätten sich zu den beiden us. Bedd. „richten“ und „walten“ dissimiliert, der zweite entdeckt diese Spezialbed. in Ps 110,6, der dritte immerhin etwas wahrscheinlicher in Sach 3,7. Dort ist effektiv natürlich „verwalten“ gemeint, aber nichts spricht dafür, dass deshalb auch das Wort die Bed. „herrschen / walten“ hätte und nicht nur „richten“ als Ausdrucksform des Verwaltens eigens genannt wird. De Wette, Maurer und Knobel haben das Wort früher gar noch mit `adon („Herr“) verbinden müssen, um so zu übersetzen. Es gibt also keine Basis, auf der man gut annehmen könnte, dass unser Wort diese Bed. hätte. So aber dennoch wieder LUT: „Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten“; ebenso ZÜR 31, TEX. (3) Die meisten neueren Ausleger (z.B. Gertz 2018, Carr 2021) leiten stattdessen das heb. dun / danan, das in diesem Wort zu stecken scheint, vom akkadischen dananu („mächtig sein“) und dem ugaritischen dn („Stärke, Macht“) ab: „Mein Geist soll nicht auf ewig mächtig sein im Menschen“ (HER05). Das nimmt man dann weiter merkwürdigerweise recht einheitlich ebenfalls als Ausdruck dafür, dass der Geist Gottes nicht im Menschen „bleiben“ wird. Ältere Ausleger des 19./20. Jhds. haben dies noch meist als Ausdruck der Eifersucht verstanden: „Mein Geist, der in diesen Halbgöttern auf der Erde wirksam ist, soll nicht auf ewig mächtig sein. Darum sei ihre Lebensspanne begrenzt.“ Alternativ wäre nach der Wortbedeutung näherliegend: „Offenbar lässt mit dem Verlauf der Zeit der Einfluss des Geistes auf den Menschen nach(, daher will ich ihre Lebenszeit begrenzen).“ Dass „mächtig sein“ einfachhin „bleiben“ bedeuten kann, liegt jedenfalls sehr fern. (4) Scharbert 1967 schließlich leitet ab vom arabischen dun („niedrig“), dana („schwach sein, verachtet sein“). So noch in Scharbert 1990, S. 81: „Gott fürchtet, der Geist könnte durch allzulanges Zusammensein mit dem Fleisch ‚an Wert einbüßen‘ ... Das Zusammensein [mit Fleisch] tut dem ‚Geist‘, so glaubt dieser Tradent, nicht gut...“ Für die Vorstellung eines im Menschen „schwächelnden“ Gottesgeistes gibt es aber keine gute Parallele; am ehesten noch Lk 1,80 – wenn gerade asketische Menschen wie Johannes „im Geist erstarken“ können, kann vielleicht der Geist auch in fleischeslustigen Menschen „schwächeln“, was man aber gewiss nicht mit Scharbert als „an Wert einbüßen“ deuten kann, sondern allenfalls als „an Wirksamkeit verlieren“ deuten müsste. (4b) Ältere Ausleger (z.B. Tuch 1838, Baumgarten 1843, Dillmann 1882) leiten vom selben Wort ab, rekonstruieren aber alternativ die Bed. „eriedrigen“. So auch mehrere dt. Üss.: MEN („Mein Geist soll nicht für immer im Menschen erniedrigt sein“), B-R („Nicht niedre mein Geistbraus sich im Menschen für eine Weltzeit“) und wohl PAT („Mein Geist soll nicht für die Dauer im Menschen beengt sein“). Auch das liegt aber ganz fern; Gott selbst hat ja den Menschen zu Fleisch geknetet und ihm dann seinen Geist eingehaucht; dass der Mensch Fleisch ist und dass dies „erniedrigend“ für den Geist wäre, passt kaum zu dieser Erzählung. (5) In der frühen Neuzeit (z.B. bei Pagninus) schließlich noch verbreitet war eine Deutung, die sich schon im Midrasch Tanchuma Buber findet: Das Wort sei abzuleiten von nadan („Schwertscheide“, nur in 1 Chr 21,27): „Mein Geist sei nicht für immer ‚eingescheidet‘ im Menschen=soll nicht für immer in ihm bleiben“. Das liegt ganz fern; ist diese Ableitung aber zulässig, könnte man erwägen, ob es nicht eher abgeleitet ist vom gleichlautenden nadan („Geschenk, Mitgift“) in Ez 16,33: „Mein Geist sei nicht für immer dem Menschen geschenkt“. Wahrscheinlich kann man aber so nicht ableiten. (Zurück zu v.3) |
| f | weil er auch (weil ihr Inneres; wenn sie irren) - Das nächste unsichere Wort. Es fällt auf, dass ab Gen 2 eigentlich keine Gottesrede sprachlich unproblematisch war. Spricht Gott vielleicht gar kein Straßenhebräisch, sondern eine Art göttlichen Dialekt? Weil auch dieses Wort unklar ist, deutet man am besten auch hier nach der klaren Mehrheit der Ausleger wie oben vorgeschlagen. Genauer: (1) Das Wort, heb. bašaggam, wird meistens erklärt als Kombination der drei Funktionswörter b-, -š- und gam (z.B. Fischer 2018; Gertz 2018; Goldingay 2020; Carr 2021). baša- soll wie ba`ašer in Gen 39,9.23 „weil“ bedeuten, gam nicht wie meist „auch“ oder „auch noch, gar“, sondern nur das folgende Wort „hervorheben“. Diese Deutung ist wahrscheinlich unmöglich. Richtig wird zwar meist darauf hingewiesen, dass es eine derartige Dreier-Kombinationen von Funktionswörtern auch in Jon 1,7 gibt (ba-še-la-mi „um wessentwillen“ [?]). Problematischer ist, dass gam in einer solchen „nur hervorhebenden“ Funktion nicht belegt ist; mindestens müsste man dann übersetzen: „weil er sogar Fleisch ist“. Problematisch ist auch, dass das ba- sich zwar grammatisch erklären lässt, seine Funktion aber nicht. Beides sieht man schön daran, dass šaggam ohne ba- in Pred 1,17; 2,15; Pred 8,14 mehrfach belegt ist und dort klar „dass auch“ heißt – ba- ist also überflüssig und bei -gam müsste man eine ähnliche Funktion erwarten wie im Koheletbuch. Folgt man dieser Deutung, sollte man wenigstens wie oben vorgeschlagen „weil auch“ deuten: „Weil der Mensch (nicht nur Gottesgeist, sondern) auch Fleisch ist“ (gut Cassuto 1961). So richtiger z.B. Wright 2013, S. 94: „in that it also is flesh“. (2) Ein guter alternativer Vorschlag ist mittlerweile schon wieder in Vergessenheit geraten: -šag- sei abzuleiten von sumerisch šag („Herz, Inneres“, so Feigin 1926, S. 50). Feigin ist selbst schuld, vergessen worden zu sein, weil er fernliegend die beiden folgenden Worte streichen will. Aber man kann alternativ šaggam hu` baßar leicht als dreigliedrigen verblosen Satz deuten (vgl. zur Konstruktion z.B. Holmstedt/Jones 2014), also: „er soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil ihr Inneres Fleisch ist“. Zum Grund, warum nicht das gewöhnliche balibbam verwendet worden wäre, s. die nächste FN. (3) -šag- sei abzuleiten von šagag („sich verirren“), also „wegen ihrem Verirren=weil sie gefehlt haben, [sind/seien] sie Fleisch“ (Michaelis 1775; GKC §67p; Holzinger 1898, S. 65; Doedens 2013, S. 56). (4) Im Atrahasis-Epos bringen die Götter die Flut, weil die Menschen so laut sind, daher schlagen Clines 1979, S. 40 und Kvanvig 2002, S. 287 vor, -šag- sei abzuleiten vom akkadischen šagamu („bellen, heulen“), also „wegen ihrem Bellen=Lärm sind die Fleisch“. (4b) Leichter möglich wäre diese Deutung übrigens, wenn man nicht -šag- von šagamu ableitet, sondern gam als gam III („laut“) deutet: „Weil er so laut ist, ist er Fleisch“ / „weil das Fleisch so laut ist“. Aber das würde vielleicht ins Atrahasis-Epos passen, in die biblische Erzählung fügt es sich schlecht. (Zurück zu v.3) |
| g | Dass diese Zeilen Poesie sein sollen, lässt sich nicht wie meist an einem Parallelismus zweier oder mehrerer Zeilen erkennen. Aber an der Lautung: Drei Wörter direkt hintereinander enden auf -am (ba`adam „im Erdling“, lo´olam „auf ewig“, bašaggam „weil er auch“), drei Wörter beginnen mit ba- und es herrscht a-Assonanz (ba`adam „im Erdling“, bašaggam „weil er auch“, baßar „Fleisch“). Vermutlich ist auch gerade, um diese Lautung zu erreichen, das schwierige Wort bašaggam verwendet worden. (Zurück zu v.3) |
| h | wörtlich: die Männer des Namens, was soviel wie berühmte Männer bedeutet. (Zurück zu v.4) |
| i | Die sog. Construktusverbindung bezeichnet die enge Zusammengehörigkeit von zwei oder mehr Substantiven; ihre Bedeutung ergibt sich aus dem Kontext (vgl. Gopherholzkasten). Die Übersetzung durch ein Genitivattribut ist nicht die einzige Möglichkeit, oft bieten sich auch Präpositionalausdrücke an. (Zurück zu v.14) |
| j | unbekannte Baumart; die LXX deutete גפר als „vierkantig“, die Vulgata als „geglättet“ (Zurück zu v.14) |
| k | Das hebräische Wort צׂהָר ist in seiner Bedeutung nicht gesichert; andere übersetzen „Fenster“. (Zurück zu v.16) |
| l | Vielleicht ist diese Parenthese an das Ende des Verses 15 zu versetzen (so O. Eißfeldt im Apparat der BHS). (Zurück zu v.16) |
| m | Vers 16b (untere ... machen) ist vielleicht hinter Vers 14b (... machen) zu versetzen (so O. Eißfeldt im Apparat der BHS). (Zurück zu v.16) |
| n | הִנֵּה mit Part. in der Funktion des futurum instans, der unmittelbar bevorstehenden Zukunft. (Zurück zu v.17) |
| o | Ps 29,10 zeigt, dass die traditionelle Übersetzung „Sintflut“ dem Sinn des hebräischen Wortes nicht ganz gerecht wird, da מָבּוּל nicht per se eine Flut bezeichnet. Diese Beobachtung wird auch durch den erklärenden Zusatz „als Wasser auf die Erde“ in unserem Vers gestützt. (Zurück zu v.17) |
| p | Die wörtliche Übersetzung lautet: Und ich werde [als] meine Verpflichtung mit dir aufrichten, dass ... . vgl. Gesenius-Donner בְּרִית II.1.b. (Zurück zu v.18) |
| q | Perf. cons. mit konsekutivem Sinn; wörtl.: und du wirst hineingehen ... (Zurück zu v.18) |
| r | Im Hebräischen ein Kollektivbegriff, der alles umfasst, was fliegen kann. (Zurück zu v.20) |
| s | Im Hebräischen ein Kollektivbegriff, der alles umfasst, was auf vier Beinen geht. (Zurück zu v.20) |
| t | Im Hebräischen ein Kollektivbegriff, der alles umfasst, was sich nicht auf vier Beinen fortbewegt und nicht fliegt. (Zurück zu v.20) |