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{{S|6}} Danach sah die Frau, dass der Baum gut war zur Speise und dass er etwas war, wonach die Augen Verlangen hatten, ja der Baum war begehrenswert zum Anschauen. So begann sie von seiner Frucht zu nehmen und zu essen. Danach gab sie davon auch ihrem Mann, als er bei ihr war, und er begann davon zu essen. | {{S|6}} Danach sah die Frau, dass der Baum gut war zur Speise und dass er etwas war, wonach die Augen Verlangen hatten, ja der Baum war begehrenswert zum Anschauen. So begann sie von seiner Frucht zu nehmen und zu essen. Danach gab sie davon auch ihrem Mann, als er bei ihr war, und er begann davon zu essen. | ||
{{S|7}} Dann wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren. Daher nähten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Gürtel (Lendenschurze?)<ref>[[Datei:Gürtel Ugarit.png|mini|Ugaritisches Schmuckstück mit umgürteter Göttin. (c) Platt 1976, S. 105]]<div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Phallusgürtel Davies Plt 7.png|mini|Ägyptische Ernteszene; die Personen rechts tragen Lendenschurz (der auch nicht notwendig die Scham bedeckte, s. oben rechts), die Personen links nur Gürtel. (c) [https://archive.org/details/mastabaofptahhet09davi/page/n71/mode/2up Davies 1900, Plate VII].]]</div><div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Gürtel.png|mini|Zwei sumerische Rollsiegel mit Gürtel tragenden Kriegern. (c) [https://archive.org/details/sealcylindersofw00warduoft/page/43/mode/1up Ward 1910, S. 43.55].]]</div> | {{S|7}} Dann wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren. Daher nähten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Gürtel (Lendenschurze?)<ref>[[Datei:Gürtel Ugarit.png|mini|Ugaritisches Schmuckstück mit umgürteter Göttin. (c) Platt 1976, S. 105]]<div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Phallusgürtel Davies Plt 7.png|mini|Ägyptische Ernteszene; die Personen rechts tragen Lendenschurz (der auch nicht notwendig die Scham bedeckte, s. oben rechts), die Personen links nur Gürtel. (c) [https://archive.org/details/mastabaofptahhet09davi/page/n71/mode/2up Davies 1900, Plate VII].]]</div><div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Gürtel.png|mini|Zwei sumerische Rollsiegel mit Gürtel tragenden Kriegern. (c) [https://archive.org/details/sealcylindersofw00warduoft/page/43/mode/1up Ward 1910, S. 43.55].]]</div> | ||
''Gürtel (Lendenschurze?)'' - Fast stets übersetzt mit „Schurze“. Diese Bed. hat heb. ''ḥagorah'' aber nie; sonst bezeichnet es stets den Gürtel. Das muss nicht untypischerweise pars pro toto für „Kleidung“ stehen (Haag 1970, S. 59; ähnlich Brichto 1998, S. 83: pars pro toto für den Lendenschurz): Die beiden ersten Abbildungen rechts zeigen, dass das Minimum an Kleidung im Alten Orient nicht der Lendenschurz, sondern in der Tat der Gürtel war (richtig Lutz 1922). Will man dennoch davon ausgehen, dass ein solcher Gürtel den Schambereich verdeckte, stellt man ihn sich am besten vor wie auf dem ganz rechts abgebildeten ugaritischen Schmuckstück – einen solchen hätte man sich zur Not aus Zweigen (s.u. die linke Zweiggöttin) und einem Feigenblatt in der Tat basteln können. Wichtiger ist aber die Frage nach der Bedeutung des Gürtels:<br />(1) Entweder hält man den Gürtel wirklich schlicht für dieses Minimum an Kleidung, was Gott dann in V. 21 ''aus Fürsorge'' noch überbieten würde (so die meisten, die den Gürtel überhaupt kommentieren. Vgl. zum Motiv dann ähnlich [[Genesis 37#s3 |Gen 37,3]]). Noch genauer müsste man dies dann als ''misslungenen'' Versuch verstehen, etwas gegen die beschämende (2,25) Nacktheit zu unternehmen (so Lambden 1992, S. 76; Bender 2008, S. 102.104; ähnlich Tsukimoto 2014, S. 336): Auch in V. 10 sagt Adam ja trotz diesem Gürtel von sich, er sei „nackt“. Das stimmt gut zusammen mit [[Ezechiel 23#s15 |Ez 23,15]], wo Abbildungen wie die rechts als antike ''Pornographie'' charakterisiert werden. Vgl. außerdem [[2 Samuel 6|2 Sam 6]]: David trägt in V. 14-16 „einen leinenen Ephod“. Offenbar trägt er nur diesen, denn in der Folge fährt ihn seine Frau Micha an, „er habe sich entblößt, wie nur einer der losen Leute sich entblößen würde“ (V. 20) – obwohl der Ephod, wie immer er ausgesehen haben mag, sicher mehr bedeckte als ein Gürtel. Aber auch [[1 Chroniken 15#s27 |1 Chr 15,27]] scheint das zu weit gegangen zu sein, weshalb David dort zusätzlich ein Gewand aus Muschelseide trägt. Gürtel waren also gerade nicht dazu angetan, Nacktheit zu bedecken.<br />[[Datei:Qedeschen-Gürtel.png|mini|Schmuck-Gürtel. (c) Platt 1976, S. 106]]<div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Zweiggöttin.png|mini|Zweiggöttin mit unterschiedlichen Gürteln. (c) Schroer 1989, S 204.]]</div>(2) Alternativ kann man davon ausgehen, dass ein israelitischer Leser an besondere Gürtel oder eine besondere Bedeutung eines Gürtels denken sollte. Am wahrscheinlichsten dann: Wie die Fähigkeit, „gut und böse erkennen zu können“ (s. die Anmerkungen), war auch das Tragen eines Gürtels Zeichen von ''Erwachsenen'', die daher in [[2 Könige 3#s21 |2 Kön 3,21]] als „jene, die den Gürtel gürten“ bezeichnet werden, wie ähnlich auch in Ägypten „den Gürtel umbinden“ ein Wechsel-Ausdruck für „mannbar und wehrhaft werden“ war (vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/34986/ Hüften / Lenden (AT) (WiBiLex)]). Damit muss nicht der Waffengurt gemeint sein, obwohl 2 Kön 3,21 von Kriegsvorbereitungen handelt: Auch Frauen trugen ähnliche Gürtel. Rechts etwa ein Exemplar, das in Tell el-'Ajjul gefunden wurde; an der rechten Abbildung der Zweiggöttin daneben sieht man, wie er getragen wurde. Dass dieser Gürtel gerade dort gefunden wurde, macht fast sicher, dass solche Gürtel keine „Prostituierten-Gürtel“ o.Ä. waren, sondern selbst (und gerade auch) von Frauen aus reichen Haushalten getragen wurden. Vgl. auch [[Judit 9#s2 |Jud 9,2]] und JosAs 14,12.14, wo der „Gürtel der Jungfrau“ und der „reine, doppelte Gürtel der Jungfräulichkeit“ offenbar ein besonderer Gürtel ist, der Frauen als unverheiratete Frau kenntlich macht. Wahrscheinlich ist es der gleiche, den Bräute auch zur Hochzeit trugen (s. JosAs 18,6; angedeutet auch in JosAs 3,6; 10,10f.). Auch die Gürtel der beiden ägyptischen Arbeiter oben rechts sind ja keine Waffengurte – offenbar ist der Gürtel ''an sich'' Zeichen für das Erwachsen-Sein.<br />(3) Ausleger:innen, die Adam und Eva für die Urbilder von Priester:innen halten, können an deren kultische Gewänder denken: Auch Priester trugen u.a. ''ketonet''-Gewänder wie in V. 21 und Gürtel, die meist ''`abneṭ'' heißen, in [[Exodus 29#s9 |Ex 29,9]]; [[Levitikus 8#s7 |Lev 8,7.13]]; [[Levitikus 16#s4 |16,4]] aber ebenfalls ''ḥagorah'' genannt werden. Aber diese Priester-Deutung ist recht unwahrscheinlich.<br />(4) Möglich schließlich noch: In [[Jesaja 3#s24 |Jes 3,24]] wird das ''Sacktuch'', also die israelitische Trauer- und Bußkleidung, mit einem mit ''ḥagorah'' verwandten Wort als ''maḥgoret''-Sacktuch“ bezeichnet; Raschi übersetzt: „Gürtel aus Sacktuch“. Außerdem heißt es von ihnen meist, dass man sich in sie kleidet, indem man sie „umgürtet“ ([[Ezechiel 7#s18 |Ez 7,18]] (!); auch [[2 Samuel 3#s31 |2 Sam 3,31]]; [[1 Könige 20#s32 |1 Kön 20,32]]; [[Klagelieder 2#s10 |Klg 2,10]]; [[Jesaja 15#s3 |Jes 15,3]]; [[Jesaja 22#s12 |22,12]]; [[Jeremia 4#s8 |Jer 4,8]]; [[Jeremia 6#s26 |6,26]]; [[Jeremia 49#s3 |49,3]]; [[Ezechiel 27#s31 |Ez 27,31]]; [[Joel 1#s8 |Joel 1,8]]) oder wie den Gürtel „um die Hüften legt“ ([[Genesis 37#s34 |Gen 37,34]]; [[Jeremia 48#s37 |Jer 48,37]]; [[Amos 8#s10 |Am 8,10]]; auch [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]). Das dürfte so zu deuten sein, dass auch dieses Sacktuch mitnichten ein „Sack-Gewand“ ist, wie man meist glaubt, sondern ebenfalls gürtelförmig. Entsprechend galt man wahrscheinlich auch als „nackt“, wenn man Sacktuch trug; vgl. nämlich [[Jesaja 32#s11 |Jes 32,11]], was doch wohl nicht bedeutet: „Zieht euch aus, entblößt euch – und dann bedeckt euren Schambereich wieder mit einem Sackgewand“, sondern: „Zieht euch aus, entblößt euch: gürtet das Sacktuch um die Hüften!“ Entsprechend hat man v.a. im 18. und 19. Jhd. auch [[Micha 1#s8 |Mi 1,8]] häufig so gedeutet, dass mit „nackt“ gemeint sei: „nur mit einem Sacktuch bekleidet“ (heute allerdings weit verbreiteter: Micha sei wirklich „nackt und barfuß“ gegangen wie Jesaja in [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]; so z.B. Beyer 2019, S. 495). Der „Gürtel“ in V. 7 wäre dann ein Zeichen der Reue und Trauer von Adam und Eva, das „Gewand“ in V. 21 dagegen ein Zeichen für Vergebung und das Ende der Trauer wie ähnlich in [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]]; [[Jesaja 52#s1 |Jes 52,1]]; [[Jesaja 61#s3 |61,3.10]]; [[Sacharja 3#s4 |Sach 3,4f.]]; [[Lukas 15#s21 |Lk 15,21f.]]. S. dann weiter die Anmerkungen.</ref> | ''Gürtel (Lendenschurze?)'' - Fast stets übersetzt mit „Schurze“. Diese Bed. hat heb. ''ḥagorah'' aber nie; sonst bezeichnet es stets den Gürtel. Das muss nicht untypischerweise pars pro toto für „Kleidung“ stehen (Haag 1970, S. 59; ähnlich Brichto 1998, S. 83: pars pro toto für den Lendenschurz): Die beiden ersten Abbildungen rechts zeigen, dass das Minimum an Kleidung im Alten Orient nicht der Lendenschurz, sondern in der Tat der Gürtel war (richtig Lutz 1922). Will man dennoch davon ausgehen, dass ein solcher Gürtel den Schambereich verdeckte, stellt man ihn sich am besten vor wie auf dem ganz rechts abgebildeten ugaritischen Schmuckstück – einen solchen hätte man sich zur Not aus Zweigen (s.u. die linke Zweiggöttin) und einem Feigenblatt in der Tat basteln können. Wichtiger ist aber die Frage nach der Bedeutung des Gürtels:<br />(1) Entweder hält man den Gürtel wirklich schlicht für dieses Minimum an Kleidung, was Gott dann in V. 21 ''aus Fürsorge'' noch überbieten würde (so die meisten, die den Gürtel überhaupt kommentieren. Vgl. zum Motiv dann ähnlich [[Genesis 37#s3 |Gen 37,3]]). Noch genauer müsste man dies dann als ''misslungenen'' Versuch verstehen, etwas gegen die beschämende (2,25) Nacktheit zu unternehmen (so Lambden 1992, S. 76; Bender 2008, S. 102.104; ähnlich Tsukimoto 2014, S. 336): Auch in V. 10 sagt Adam ja trotz diesem Gürtel von sich, er sei „nackt“. Das stimmt gut zusammen mit [[Ezechiel 23#s15 |Ez 23,15]], wo Abbildungen wie die rechts als antike ''Pornographie'' charakterisiert werden. Vgl. außerdem [[2 Samuel 6|2 Sam 6]]: David trägt in V. 14-16 „einen leinenen Ephod“. Offenbar trägt er nur diesen, denn in der Folge fährt ihn seine Frau Micha an, „er habe sich entblößt, wie nur einer der losen Leute sich entblößen würde“ (V. 20) – obwohl der Ephod, wie immer er ausgesehen haben mag, sicher mehr bedeckte als ein Gürtel. Aber auch [[1 Chroniken 15#s27 |1 Chr 15,27]] scheint das zu weit gegangen zu sein, weshalb David dort zusätzlich ein Gewand aus Muschelseide trägt. Gürtel waren also gerade nicht dazu angetan, Nacktheit zu bedecken.<br />[[Datei:Qedeschen-Gürtel.png|mini|Schmuck-Gürtel. (c) Platt 1976, S. 106]]<div class="tright" style="clear:none">[[Datei:Zweiggöttin.png|mini|Zweiggöttin mit unterschiedlichen Gürteln. (c) Schroer 1989, S 204.]]</div>(2) Alternativ kann man davon ausgehen, dass ein israelitischer Leser an besondere Gürtel oder eine besondere Bedeutung eines Gürtels denken sollte. Am wahrscheinlichsten dann: Wie die Fähigkeit, „gut und böse erkennen zu können“ (s. die Anmerkungen), war auch das Tragen eines Gürtels Zeichen von ''Erwachsenen'', die daher in [[2 Könige 3#s21 |2 Kön 3,21]] als „jene, die den Gürtel gürten“ bezeichnet werden, wie ähnlich auch in Ägypten „den Gürtel umbinden“ ein Wechsel-Ausdruck für „mannbar und wehrhaft werden“ war (vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/34986/ Hüften / Lenden (AT) (WiBiLex)]). Damit muss nicht der Waffengurt gemeint sein, obwohl 2 Kön 3,21 von Kriegsvorbereitungen handelt: Auch Frauen trugen ähnliche Gürtel. Rechts etwa ein Exemplar, das in Tell el-'Ajjul gefunden wurde; an der rechten Abbildung der Zweiggöttin daneben sieht man, wie er getragen wurde. Dass dieser Gürtel gerade dort gefunden wurde, macht fast sicher, dass solche Gürtel keine „Prostituierten-Gürtel“ o.Ä. waren, sondern selbst (und gerade auch) von Frauen aus reichen Haushalten getragen wurden. Vgl. auch [[Judit 9#s2 |Jud 9,2]] und JosAs 14,12.14, wo der „Gürtel der Jungfrau“ und der „reine, doppelte Gürtel der Jungfräulichkeit“ offenbar ein besonderer Gürtel ist, der Frauen als unverheiratete Frau kenntlich macht. Wahrscheinlich ist es der gleiche, den Bräute auch zur Hochzeit trugen (s. JosAs 18,6; angedeutet auch in JosAs 3,6; 10,10f.). Auch die Gürtel der beiden ägyptischen Arbeiter oben rechts sind ja keine Waffengurte – offenbar ist der Gürtel ''an sich'' Zeichen für das Erwachsen-Sein.<br />(3) Ausleger:innen, die Adam und Eva für die Urbilder von Priester:innen halten, können an deren kultische Gewänder denken: Auch Priester trugen u.a. ''ketonet''-Gewänder wie in V. 21 und Gürtel, die meist ''`abneṭ'' heißen, in [[Exodus 29#s9 |Ex 29,9]]; [[Levitikus 8#s7 |Lev 8,7.13]]; [[Levitikus 16#s4 |16,4]] aber ebenfalls ''ḥagorah'' genannt werden. Aber diese Priester-Deutung ist recht unwahrscheinlich.<br />(4) Möglich schließlich noch: In [[Jesaja 3#s24 |Jes 3,24]] wird das ''Sacktuch'', also die israelitische Trauer- und Bußkleidung, mit einem mit ''ḥagorah'' verwandten Wort als ''maḥgoret''-Sacktuch“ bezeichnet; Raschi übersetzt: „Gürtel aus Sacktuch“. Außerdem heißt es von ihnen meist, dass man sich in sie kleidet, indem man sie „umgürtet“ ([[Ezechiel 7#s18 |Ez 7,18]] (!); auch [[2 Samuel 3#s31 |2 Sam 3,31]]; [[1 Könige 20#s32 |1 Kön 20,32]]; [[Klagelieder 2#s10 |Klg 2,10]]; [[Jesaja 15#s3 |Jes 15,3]]; [[Jesaja 22#s12 |22,12]]; [[Jeremia 4#s8 |Jer 4,8]]; [[Jeremia 6#s26 |6,26]]; [[Jeremia 49#s3 |49,3]]; [[Ezechiel 27#s31 |Ez 27,31]]; [[Joel 1#s8 |Joel 1,8]]) oder wie den Gürtel „um die Hüften legt“ ([[Genesis 37#s34 |Gen 37,34]]; [[Jeremia 48#s37 |Jer 48,37]]; [[Amos 8#s10 |Am 8,10]]; auch [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]). Das dürfte so zu deuten sein, dass auch dieses Sacktuch mitnichten ein „Sack-Gewand“ ist, wie man meist glaubt, sondern ebenfalls gürtelförmig: den ersten Ausdruck könnte man noch so deuten, dass ein Gewand mit einem damit nicht identischen Gürtel ''befestigt'' wird, den zweiten aber wird man so deuten müssen, dass das Sacktuch ''selbst'' es war, was man um die Hüften trug. Entsprechend galt man wahrscheinlich auch als „nackt“, wenn man Sacktuch trug; vgl. nämlich [[Jesaja 32#s11 |Jes 32,11]], was doch wohl nicht bedeutet: „Zieht euch aus, entblößt euch – und dann bedeckt euren Schambereich wieder mit einem Sackgewand“, sondern: „Zieht euch aus, entblößt euch: gürtet das Sacktuch um die Hüften!“ Entsprechend hat man v.a. im 18. und 19. Jhd. auch [[Micha 1#s8 |Mi 1,8]] häufig so gedeutet, dass mit „nackt“ gemeint sei: „nur mit einem Sacktuch bekleidet“ (heute allerdings weit verbreiteter: Micha sei wirklich „nackt und barfuß“ gegangen wie Jesaja in [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]; so z.B. Beyer 2019, S. 495). Der „Gürtel“ in V. 7 wäre dann ein Zeichen der Reue und Trauer von Adam und Eva, das „Gewand“ in V. 21 dagegen ein Zeichen für Vergebung und das Ende der Trauer wie ähnlich in [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]]; [[Jesaja 52#s1 |Jes 52,1]]; [[Jesaja 61#s3 |61,3.10]]; [[Sacharja 3#s4 |Sach 3,4f.]]; [[Lukas 15#s21 |Lk 15,21f.]]. S. dann weiter die Anmerkungen.</ref> | ||
{{S|8}} Später hörten sie die Stimme JHWH Gottes, der um die Tageszeit der Brise im Garten wandelte, und der Mensch und seine Frau versteckten sich nun vor dem Angesicht JHWH Gottes inmitten der Bäume des Gartens. | {{S|8}} Später hörten sie die Stimme JHWH Gottes, der um die Tageszeit der Brise im Garten wandelte, und der Mensch und seine Frau versteckten sich nun vor dem Angesicht JHWH Gottes inmitten der Bäume des Gartens. | ||
{{S|9}} Da rief JHWH mehrmals zum Menschen (Adam) und er sprach: Wo bist du? | {{S|9}} Da rief JHWH mehrmals zum Menschen (Adam) und er sprach: Wo bist du? | ||
Version vom 25. April 2022, 13:54 Uhr
Syntax ungeprüft


Anmerkungen
Studienfassung (Genesis 3)
1 Die Schlange nun erwies sich als das vorsichtigste aller wildlebenden Tiere des Feldes, die JHWH Gott gemacht hatte. So begann sie zur Frau zu sprechen: Sollte Gott wirklich gesagt haben: Ihr dürft nicht von jedem Baum des Gartens essen? 2 Darauf sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume des Gartens dürfen wir essen. 3 Aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen, nein, ihr sollt sie nicht anrühren, damit ihr nicht sterbt. 4 Darauf sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben. 5 Denn Gott weiß, dass an demselben Tag, an dem ihr davon eßt, euch ganz bestimmt die Augen geöffnet werden, und ihr werdet ganz bestimmt sein wie Gott, erkennend Gut und Böse. 6 Danach sah die Frau, dass der Baum gut war zur Speise und dass er etwas war, wonach die Augen Verlangen hatten, ja der Baum war begehrenswert zum Anschauen. So begann sie von seiner Frucht zu nehmen und zu essen. Danach gab sie davon auch ihrem Mann, als er bei ihr war, und er begann davon zu essen. 7 Dann wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren. Daher nähten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Gürtel (Lendenschurze?)〈a〉 8 Später hörten sie die Stimme JHWH Gottes, der um die Tageszeit der Brise im Garten wandelte, und der Mensch und seine Frau versteckten sich nun vor dem Angesicht JHWH Gottes inmitten der Bäume des Gartens. 9 Da rief JHWH mehrmals zum Menschen (Adam) und er sprach: Wo bist du? 10 Und er sprach: Deine Stimme hörte ich im Garten, aber ich fürchtete mich, weil ich nackt war, und so versteckte ich mich. 11 Und er sprach: Wer hat dir mitgeteilt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem nicht zu essen ich dir geboten hatte? 12 Und der Mensch (Adam) sagte: Die Frau, die du mir beigegeben hast, sie gab mir [Frucht] von dem Baum, und so aß ich. 13 JHWH Gott sprach zur Frau: Was hast du da getan? Und die Frau sprach: Die Schlange — sie betrog mich, und so aß ich. 14 JHWH sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, verfluche ich dich unter allen Tieren (Haustieren) und unter allen wildenlebenden Tieren des Feldes. Auf deinem Bauch wirst du kriechen, und Staub wirst du fressen alle Tage deines Lebens. 15 Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen. 16 Zur Frau sagte er: Ich werde die Mühsal deiner Schwangerschaft sehr mehren; mit Geburtsschmerzen wirst du Kinder hervorbringen, und dein tiefes Verlangen wird nach deinem Mann sein, und er wird über dich herrschen. 17 Und zum Menschen (Adam) sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast und darangegangen bist, von dem Baum zu essen, von dem ich dir geboten habe: Du sollst nicht davon essen, so ist der Erdboden deinetwegen verflucht. In Mühsal wirst du seinen Ertrag essen alle Tage deines Lebens. 18 Und Dornen und Disteln wird er dir wachsen lassen, und du sollst die Pflanzen des Feldes essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn aus ihm wurdest du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren. 20 Danach gab der Mensch (Adam) seiner Frau den Namen Eva, weil sie die Mutter aller Lebenden werden sollte. 21 Und JHWH machte Kleider aus Fell für Adam und Eva. 22 Und JHWH sprach: Sieh, der Mensch erkennt jetzt Gut und Böse, er ist jetzt einer von uns geworden und nun, dasser seine Hand nicht ausstreckt und tatsächlich auch Frucht vom Baum des Lebens nimmt und ißt und auf unabsehbare Zeit lebt. 23 Daraufhin verweiste JHWH die beiden aus dem Garten Eden, damit er Ackerbau betreibe (Erdboden bebaue) aus dem Boden aus dem er genommen worden ist. 24 Und so trieb er den Menschen hinaus und stellte im Osten des Gartens Eden die Cherube auf und die flammende Klinge eines sich fortwährend drehenden Schwertes, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.
Anmerkungen
| a | ![]() (1) Entweder hält man den Gürtel wirklich schlicht für dieses Minimum an Kleidung, was Gott dann in V. 21 aus Fürsorge noch überbieten würde (so die meisten, die den Gürtel überhaupt kommentieren. Vgl. zum Motiv dann ähnlich Gen 37,3). Noch genauer müsste man dies dann als misslungenen Versuch verstehen, etwas gegen die beschämende (2,25) Nacktheit zu unternehmen (so Lambden 1992, S. 76; Bender 2008, S. 102.104; ähnlich Tsukimoto 2014, S. 336): Auch in V. 10 sagt Adam ja trotz diesem Gürtel von sich, er sei „nackt“. Das stimmt gut zusammen mit Ez 23,15, wo Abbildungen wie die rechts als antike Pornographie charakterisiert werden. Vgl. außerdem 2 Sam 6: David trägt in V. 14-16 „einen leinenen Ephod“. Offenbar trägt er nur diesen, denn in der Folge fährt ihn seine Frau Micha an, „er habe sich entblößt, wie nur einer der losen Leute sich entblößen würde“ (V. 20) – obwohl der Ephod, wie immer er ausgesehen haben mag, sicher mehr bedeckte als ein Gürtel. Aber auch 1 Chr 15,27 scheint das zu weit gegangen zu sein, weshalb David dort zusätzlich ein Gewand aus Muschelseide trägt. Gürtel waren also gerade nicht dazu angetan, Nacktheit zu bedecken. (3) Ausleger:innen, die Adam und Eva für die Urbilder von Priester:innen halten, können an deren kultische Gewänder denken: Auch Priester trugen u.a. ketonet-Gewänder wie in V. 21 und Gürtel, die meist `abneṭ heißen, in Ex 29,9; Lev 8,7.13; 16,4 aber ebenfalls ḥagorah genannt werden. Aber diese Priester-Deutung ist recht unwahrscheinlich. (4) Möglich schließlich noch: In Jes 3,24 wird das Sacktuch, also die israelitische Trauer- und Bußkleidung, mit einem mit ḥagorah verwandten Wort als maḥgoret-Sacktuch“ bezeichnet; Raschi übersetzt: „Gürtel aus Sacktuch“. Außerdem heißt es von ihnen meist, dass man sich in sie kleidet, indem man sie „umgürtet“ (Ez 7,18 (!); auch 2 Sam 3,31; 1 Kön 20,32; Klg 2,10; Jes 15,3; 22,12; Jer 4,8; 6,26; 49,3; Ez 27,31; Joel 1,8) oder wie den Gürtel „um die Hüften legt“ (Gen 37,34; Jer 48,37; Am 8,10; auch Jes 20,2). Das dürfte so zu deuten sein, dass auch dieses Sacktuch mitnichten ein „Sack-Gewand“ ist, wie man meist glaubt, sondern ebenfalls gürtelförmig: den ersten Ausdruck könnte man noch so deuten, dass ein Gewand mit einem damit nicht identischen Gürtel befestigt wird, den zweiten aber wird man so deuten müssen, dass das Sacktuch selbst es war, was man um die Hüften trug. Entsprechend galt man wahrscheinlich auch als „nackt“, wenn man Sacktuch trug; vgl. nämlich Jes 32,11, was doch wohl nicht bedeutet: „Zieht euch aus, entblößt euch – und dann bedeckt euren Schambereich wieder mit einem Sackgewand“, sondern: „Zieht euch aus, entblößt euch: gürtet das Sacktuch um die Hüften!“ Entsprechend hat man v.a. im 18. und 19. Jhd. auch Mi 1,8 häufig so gedeutet, dass mit „nackt“ gemeint sei: „nur mit einem Sacktuch bekleidet“ (heute allerdings weit verbreiteter: Micha sei wirklich „nackt und barfuß“ gegangen wie Jesaja in Jes 20,2; so z.B. Beyer 2019, S. 495). Der „Gürtel“ in V. 7 wäre dann ein Zeichen der Reue und Trauer von Adam und Eva, das „Gewand“ in V. 21 dagegen ein Zeichen für Vergebung und das Ende der Trauer wie ähnlich in Ps 30,12; Jes 52,1; 61,3.10; Sach 3,4f.; Lk 15,21f.. S. dann weiter die Anmerkungen. (Zurück zu v.7) |




