Markus 1

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Anmerkungen


Studienfassung (Markus 1)

1 [Der] Anfang a des Evangeliums b von Jesus Christus c (Jesus Christus, [dem] Sohn Gottes) d, e 2 wie es im [Buch] des Propheten Jesaja f heißt (geschrieben steht): g „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir h her, der dir den Weg bereiten (alles für dich vorbereiten) wird.“ 3 „Stimme eines Rufenden in der Wüste (Wildnis): Bereitet den Weg des Herrn vor, macht seine Pfade gerade“, i 4 trat Johannes der Täufer in der Wüste (Wildnis) auf j (trat Johannes auf, der in der Wüste taufte) k und predigte (verkündete) eine Taufe der Umkehr (Buße) zur Vergebung der Sünden. 5 Und es ging hinaus zu ihm das ganze jüdische (judäische) Land und die Jerusalemer alle und wurden getauft von ihm im Jordan-Fluss, bekennend ihre Sünden. 6 Und es war Johannes bekleidet mit Haaren eines Kamels und einem Gürtel um seine Hüfte und essend Heuschrecken und wilden Honig. 7 Und er verkündete, sagend: Es kommt der Stärkere als ich nach mir, dessen ich nicht würdig bin bückendl zu lösen die Riemen seiner Sandalen. 8 Ich taufte euch mit Wasser, er aber wird euch taufen in (mit) heiligem Geistm. 9 Und es geschah, in jenen Tagen kam Jesus von Nazareth aus Galiläan und wurde getauft im Jordan von Johannes. 10 Und sogleich, während (als) er hinausstiego aus dem Wasser, sah er sich spaltenp (wie sich spalteten) die Himmel und den Geist wie eine Taube herabsteigen auf ihn. 11 Und eine Stimme geschah aus den Himmeln: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ 12 Und sogleich treibt der Geist ihn in die Wüste. 13 Und er war in der Wüste vierzig Tage, versucht vom Satan und er war mit den Tieren und die Engel dienten ihm. 14 Nachdem aber übergeben war Johannes, kam Jesus nach Galiläa und verkündeteq das Evangelium Gottes 15 und sagter: „Erfüllt ist die Zeit und nahegekommen ist die Köngisherrschaft (das Königreich) Gottes: Kehrt um (tut Buße) und glaubt an das Evangelium.“

16 Und während (als) er entlanggings, entlang am Meer Galiläas, sah er, wie Simon und Andreas, der Bruder des Simon, auswarfentu auf dem Meer: denn sie waren Fischer. 17 Und es sprach zu ihnen Jesus: Kommt, mir nach! Und ich werde machen, dass ihr werdetv Fischer von Menschen. 18 Und sogleich, verlassend die Netze, folgten sie ihm. 19 Und nachdem er ein wenig weitergegangenw war, sah er Jakobus, den des Zebedäus, und Johannes, dessen Bruder, und wie sie im Boot die Netze bereitetenx, 20 und sogleich rief er sie. Und lassend ihren Vater im Boot mit den Tagelöhnern und gingen sie fort, ihm nach.

21 Und sie gingen nach Kapernaum hinein: Und sogleich, an den Sabbaten gehend in die Synagoge (zur Versammlung), lehrte er (begann er zu lehren). 22 Und sie waren erstaunt über seine Lehre: denn er war lehrend sie, wie einer, der Vollmacht hat und nicht wie die Schriftgelehrten. 23 Und sogleich war in ihrer Synagoge (Versammlung) ein Mensch in unreinem Geist und er schrie auf 24 und sprach: „Was ist mit uns und dir, Jesus Nazarener? Bist du gekommen zu vernichten uns? Ich kenne dich, [weiß] wer du bist; der Heilige Gottes!“ 25 Und es tadelte ihn Jesus und sprach: „Verstumme und komme heraus aus ihm!“ 26 Und es schütteltey ihn der unreine Geist und schreiend mit lauter Stimme kam er heraus aus ihm. 27 Und sie waren alle erstaunt (erschrocken), sodass sie diskutierten miteinander und sprachen: „Was ist dies? Eine neue Lehre in Vollmacht: Und den unreinen Geistern befiehlt er und sie hören auf ihn.“ 28 Und es ging hinaus sein Ruf sogleich überall in die ganze Umgebung Galiläas. 29 Und sogleich, nachdem sie aus der Synagoge herauskamenz, kamen sie in das Haus von Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. 30 Die Schwiegermutter Simons aber lag krank (danieder), fiebernd, und sogleich sagen sie ihm von ihr. 31 Und hinzutretend richtete er sie auf, bei der Hand nehmend: und es verließ sie das Fieber und sie diente ihnen. 32 Als es aber Abend geworden waraa, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Schlecht-Habenden (alle, denen es schlecht ging) und die Besessenen: 33 und es war die ganze Stadt versammelt vor der Tür. 34 Und er heilte viele, denen es schlecht ging aufgrund mancherlei Krankheiten und viele Dämonen trieb er aus und nicht ließ er reden die Dämonen, denn sie kannten ihn. 35 Und frühzeitig, ganz nächtens, stand er aufab, ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete. 36 Und es nacheilte ihm (suchte nach ihm) Simon und die mit ihm waren, 37 und sie fanden ihn und sagen ihm: „Alle suchen dich.“ 38 Und er sagt ihnen: „Lasst uns gehen woandershin in die benachbarten Marktstädte, damit ich auch dort verkündige: zu diesem (dazu) bin ich nämlich hinausgegangen.“ 39 Und er kam, verkündigend, in ihre Synagogen in ganz Galiläa und die Dämonen trieb er ausac.

40 Und es kommt zu ihm ein Aussätziger, ihn anflehend [und auf die Knie fallend] und sagend: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ 41 Und bemitleidend streckte er ausad seine Hand, berührte (streckte er aus die Hand, berührte ihn) und sagt ihm: „Ich will, sei gereinigt!“ 42 Und sogleich ging weg von ihm der Aussatz und er wurde gereinigt. 43 Und er ermahnte ihn strengae (ausschimpfte/beschimpfte ihn), sogleich warf er ihn hinaus. 44 Und er sagt ihm: „Sieh, dass niemandem du etwas sagst, sondern geh weg, zeig dich dem Priester und bring dar für deine Reinigung, was geboten hat Moses, ihnen zum Zeugnis!“ 45 Der aber, nachdem er hinausgegangen waraf, begann viel zu verkündigen und auszubreiten (herumzuerzählen) das Wort, so dass er nicht länger konnteag offen in die Stadt hineingehen, sondern außerhalb an einsamen Orten war er: und sie kamen zu ihm aus allen Richtungen.

Anmerkungen

  • Anm. I) Akkusativ o. Genitiv mit Partizip bei Verben der unmittelbaren Wahrnehmung können mit wie übersetzt werden.

a[Der] Anfang Der determinierende Artikel kann bei abstrakten oder eindeutigen Substantiven (Siebenthal 2011, §133a) fehlen, in der Übersetzung wurde er ergänzt. Jesus Christus, [dem] Sohn Gottes Hier zeigt der fehlende Artikel am Buchanfang, bei einem Gottestitel als Apposition, Förmlichkeit an (BDR §268.2). (Zurück zu v.1)
bEvangelium (Gr. εὐαγγέλιον) bedeutet etwa „(gute) Neuigkeit“. Hier steht es noch nicht als literarische Bezeichnung, sondern für die christliche Heilsbotschaft von Jesus. Der Ursprung dieses Begriffs liegt nicht im Alten Testament, wo allerdings schon von Boten die Rede ist, die eine gute Nachricht von Gottes Eintreffen und Eingreifen bringen (beispielsweise Jes 40,9; 52,7; 61,1). Wahrscheinlich gebraucht Markus ihn bewusst im direkten Kontext der in V. 2-3 folgenden Zitate, wo Johannes zu dem Boten und Jesus gewissermaßen zum Inhalt der Botschaft wird.
Zur Zeit des Neuen Testaments bedeutete jegliche Nachricht von oder über den Kaiser ein Evangelium. Im Rahmen der Ideologie des römischen Kaiserkults galt der Kaiser als übermenschlich, weshalb seine Verlautbarungen gute Nachrichten sein mussten, die Freude auslösten und Glück und Heil brachten. Auch Nachrichten von der Geburt oder Thronbesteigung des Kaisers waren Evangelium. Im Neuen Testament bezeichnet der Begriff im Kontrast dazu die frohe Botschaft über die angebrochene Herrschaft des einen Königs (Friedrich, εὐαγγελίζομαι, εὐαγγέλιον, προευαγγελίζομαι, εὐαγγελιστής, in: TDNT, 707-37; France 2002, 52f.). Allerdings ist unklar, wie groß der Einfluss des Kaiserkults (und damit diese bewusste Parallele) auf die Prägung des christlichen Begriffs war. Er könnte einfach im Rahmen der urchristlichen Verkündigung als Bezeichnung für die Botschaft der Kirche aufgekommen sein (Guelich 1989, 13f.). (Zurück zu v.1)
cEvangelium von Jesus Christus Im Griechischen steht hier ein Genitiv, den man sowohl objektiv (ein Evangelium über Jesus, das von Jesus handelt) oder subjektiv (ein Evangelium von Jesus, also eines, das von Jesus stammt oder verkündet wird) verstehen kann. Inhaltlich sind beide Deutungen nicht verkehrt (Jesus verkündet es selbst in V. 14-15), aber die objektive steht wohl im Vordergrund, da Markus Begebenheiten über Jesus festhält (France 2002, 53). Die aus stilistischen Gründen gewählte Übersetzung mit von lässt bewusst beide Deutungsmöglichkeiten offen. (Zurück zu v.1)
dJesus Christus (Jesus Christus, dem Sohn Gottes) Der Zusatz „dem Sohn Gottes“ ist möglicherweise eine nachträgliche Einfügung. Die erhaltenen Handschriften geben kein einheitliches Bild ab. Eine spätere Einfügung wäre ebenso denkbar wie die Annahme, dass die beiden Wörter zum ursprünglichen Text gehören. In keinem denkbaren Fall bietet sich eine naheliegende Erklärung für die Entstehung der jeweils anderen Variante an. Viele Kommentare lassen die Frage offen oder tendieren eher zum kürzeren Text. Die meisten Übersetzungen entscheiden sich jedoch dafür, sie als ursprünglich anzusehen. Mit dem Vorzug der kürzeren Lesart in dieser Übersetzung ist keinerlei theologische Aussage beabsichtigt. Es folgt nun eine ausführlichere Besprechung:
Textkritik: Textkritisch umstritten ist die längere Variante Ἰησοῦ Χριστοῦ υἱοῦ θεοῦ „von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“. υἱοῦ θεοῦ wird bezeugt von 011 B D W Γ sowie allen lateinischen, syrischen und koptischen Zeugen. Nur Ἰησοῦ Χριστοῦ lesen 01* Θ 28 l 2211, einige sahidische Handschriften und Origines; SBLGNT, Tischendorf und WH schließen sich an. Die byzantinischen Zeugen lesen υἱοῦ τοῦ θεοῦ. Die Bezeugung bei den Kirchenvätern ist uneinheitlich, besonders da viele beide Varianten kennen (Willker 2013, 7f). Die kürzere ist bei ihnen jedoch etwas weiter verbreitet, wohingegen die längere nicht vor 400 n. Chr. bezeugt ist (Head 1991, 626). Offenbar sind beide sehr alt, wobei die längere Lesart – rechnet man die byzantinische Unterstützung mit ein – in den Handschriften etwas besser bezeugt ist. Wenn sie ursprünglich ist, hätte ein Abschreiber die beiden (damals im Text mit Anfangs- und Endbuchstaben abgekürzten) Wörter versehentlich weglassen müssen (Homoioteleuton): ...ΟΥΙ̅Υ̅Χ̅Υ̅(Υ̅Υ̅Θ̅Υ̅) (Guelich 1989, 6). Doch so ein Abschreibfehler wäre gerade am Anfang eines Buchs etwas schwerer vorstellbar. Für die kürzere Lesart sprechen einige eindeutige Beispiele, wo im Laufe der Überlieferung Gottestitel ergänzt worden sind – gerade bei Markus ist Jesu Gottessohnschaft zentrales Thema, was zu der Hinzufügung verleiten könnte (Head 1991, 627; Collins 2007, 130; s.a. Pesch 1976, 74, dagegen Wasserman 2010). Dann könnte die kürzere Variante als die schwierigere gelten! Keine der beiden internen Erklärungen ist jedoch ganz befriedigend. So erklärt Metzger sowohl die interne als auch die externe Evidenz für so ausgewogen, dass die Herausgeber von NA keine Entscheidung für oder gegen die längere Variante treffen wollten (Metzger, Textual Commentary 21994, 62; vgl. France 2002, 49). Da für die Übersetzung eine Festlegung leider unausweichlich war, haben wir die von der Mehrheit der modernen Exegeten bevorzugte kürzere Lesart vorgezogen, die längere Variante jedoch in der Klammer platziert. (Zurück zu v.1)
eDass dem einleitenden Satz eines Buchs ein Verb fehlt, ist nicht ganz ungewöhnlich, wie der Vergleich mit Mt 1,1 und Offb 1,1 und mehreren atl. Schriften zeigt. Ganz ähnlich beginnt auch Hos 1,2 LXX (ἀρχὴ λόγου κυρίου πρὸς Ωσηε). (Zurück zu v.1)
fdes Propheten Jesaja Textkritik: τῷ Ἠσαΐᾳ τῷ προφήτῃ steht u.a. in den Zeugenא B L Δ 33. Dagegen lesen A K P W Γ, der Mehrheitstext und einige andere Zeugen τοῖς προφήταις „den Propheten“, was offensichtlich eine Korrektur ist, weil nur ein Teil des Zitats von Jesaja stammt (s. übernächste Fußnote)(vgl. France 2002, 62). (Zurück zu v.2)
gWie es ... heißt Diese Wendung verbindet V. 2-3 entweder mit V. 1 („Der Anfang..., wie es heißt“) oder mit V. 4 („Wie es heißt: ..., trat Johannes auf...“). Mit dieser Zitatformel eingeleitete Belege folgen in der Bibel immer auf die zu belegende Aussage, was schon die verwendete Konjunktion καθώς vorauszusetzen scheint (Guelich 1989, 7). Da V. 1 allerdings einen elliptischen, überschriftartigen Einleitungssatz bildet, der sich vom Rest abhebt, könnte man stattdessen eine Verbindung zu V. 4 herstellen. Es entspricht ganz Markus' Stil, dass er nach der kurzen Einleitung rasch fortfährt, ohne noch einmal neu einzusetzen (France 2002, 51). (Zurück zu v.2)
hvor dir Gr. πρὸ προσώπου σου, etwa „vor deiner Gegenwart“ (traditionell häufig: „vor deinem Angesicht“). Dabei handelt es sich um einen Hebraismus, der in diesem Fall einfach wie Gr. πρὸ mit „vor“ übersetzt werden sollte (NSS). (Zurück zu v.2)
iGenau genommen stammt nur das Kernstück des Zitats in V. 3 von Jesaja (Jes 40,3 LXX). V. 2b zitiert stattdessen eine thematisch verwandte Prophetie aus Mal 3,1. Jesaja greift in dem zitierten Abschnitt auf die Auszugsgeschichte zurück, wenn er einen ähnlich von Gott geführten Auszug aus dem Exil in Aussicht stellt, der von einem Boten (dem „Rufenden“ angekündigt wird. Gerade die ersten Verse von Jes 40 sind dabei eine Schlüsselstelle für die Hoffnungen der Juden auf die Wiederherstellung alter Größe. In der Wüste (am Sinai) liegen die Anfänge des alten Israel, und in der Wüste verorteten Jesu Zeitgenossen (beispielsweise die Qumran-Gemeinschaft) auch die Anfänge des neuen Israel.

Markus mischt die Botschaft von Jesaja jedoch mit der von Maleachi (V. 2b). Der Prophet geht auf die Enttäuschung ein, die sich in Juda verbreitete, als sich Jesajas Prophetie nach dem Exil nicht verwirklichte. Er findet die Schuld im fortgesetzten Ungehorsam des Volks, der den neuen Exodus verhindert. Dabei spielt wohl schon Mal 3,1 in seiner Ausdrucksweise auf den sehr ähnlich formulierten Vers Ex 23,20 an. Wie beim Auszug aus Ägypten ist auch nach dem Exil der Ungehorsam des Volkes dafür verantwortlich, dass JHWH nicht direkt heilbringend wirkt, sondern erst ein Bote sein Kommen ankündigen muss, damit das Volk Gottes Gericht überlebt. Der Evangelist stellt diesen Zusammenhang heraus, indem er in seinem sonst freien Zitat den Abschnitt „ich sende meinen Boten vor dir her“ Ex 23,20 LXX entnimmt (Mal 3,1 LXX lautet: „Siehe, ich sende meinen Boten, und er wird vor mir den Weg überwachen, und plötzlich wird in seinen Tempel kommen der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr wollt, ja/siehe, er kommt, spricht der Herr, der Allmächtige“).

Markus sieht den Zeitpunkt nun gekommen, an dem dieser Bote auftritt. Er identifiziert Johannes mit dem angekündigten Boten, der das Volk zur Umkehr bewegen soll, und Jesus als den Gott, der in Mal 3,1 sein Kommen zum Gericht ankündigt hat. Seine Mission scheitert allerdings, was nach dem formalen Eintreffen Gottes in seinem Tempel zu Gericht führt (Mk 11). Am Ende wird Israel als Volk durch Gericht untergehen (Mk 13). Gott erfüllt seinen Plan stattdessen auf andere Weise (Mk 12,9-11), sodass die gute Nachricht von Gottes Kommen in Jesus (Mk 1,1) für die Erwählten, die auf Jesus und seinen Vorboten hören, tatsächlich eine gute ist. (Watts 2007, 113-20; France 2002, 56ff.; Collins 2007, 135-38). (Zurück zu v.3)
jtrat auf Gr. ἐγένετο, Grundform γίνομαι. Dieses Verb funktioniert hier wie das hebräische wayehî und zeigt als erstes Wort im Satz einen Szenenwechsel an (France 2002, 64). Zudem stellt es das Wirken von Johannes dem Täufer als direkte Konsequenz der atl. Verse dar (Guelich 1989, 18). Das Wort heißt eigentlich eher „werden/sein, entstehen“. Die verbreitete Übersetzung „auftreten“ zeigt hier einfach an, dass Johannes „in Erscheinung trat“ oder „in die öffentliche Wahrnehmung rückte“. In diesem Kontext übersetzt Luther einfach „war“, auch „begann zu wirken“ würde gut funktionieren. Vgl. Joh 1,6. (Zurück zu v.4)
kJohannes der Täufer und Johannes, der in der Wüste taufte Es gibt hier vier relevante Lesarten: Nestle-Aland 28 entscheidet sich mit א, L, Δ und der bohairischen Tradition für βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων. B, 33 und einige bohairische Manuskripte bezeugen βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ κηρύσσων. Meist byzantinische Zeugen A K P W Γ f1.13 565. 579. 1241. 1424. 2563. l 844 sowie die syrische Übersetzung von Thomas von Heraklea und die sahidische Übersetzung enthalten βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων. Einige westliche Handschriften weisen schließlich die glättende Variante ἐν τῇ ἐρήμῳ βαπτίζων καὶ κηρύσσων auf. Die Varianten sind offensichtlich aus Unsicherheit darüber entstanden, wie das Partizip βαπτίζων zu verstehen sei. Mit Artikel ὁ wäre das Ptz. attributiv und ein relativ ungeläufiger Titel „der Täufer“ (Johannes wird häufiger ὁ βαπτιστής genannt) (2. Lesart). Ohne Artikel wäre es eine adverbiale Näherbestimmung von Johannes' Aktivität und dann modal zu übersetzen, also mit „wobei“, „und“ oder als Relativsatz (3. Lesart).

Die 1. Lesart könnte ursprünglich sein, weil aus ihr die beiden anderen hervorgegangen sein könnten. καὶ stellt darin mit dem Artikel auch das folgende Partizip κηρύσσων als attributiv dar (Übersetzung: „der taufte und predigte“), was wenig elegant formuliert ist. Der Leser würde zunächst vermuten, dass ὁ βαπτίζων den festen Beinamen „der Täufer“ bedeutet, anstatt seine taufende Tätigkeit zu beschreiben (so Willker z. St.).
Aus internen Erwägungen bietet sich jedoch eher Variante 2 an. Erstens liegt der Fokus hier auf Johannes' Verkündigung, nicht auf seiner Tauftätigkeit (Pesch 1976, 74). Zweitens wäre es guter Stil, Johannes bei seiner ersten direkten Erwähnung mit seinem vollen Namen vorzustellen – ähnlich tut es Markus in V. 9 mit „Jesus aus Nazaret in Galiläa“. Auch später benutzt er zur Klarstellung „Johannes der Täufer“, wenn er die Figur erneut in die Handlung einführt (6,14; 8,28). Das Weglassen des Artikels sowie die Ergänzung von „und“ zeigen dann, dass Abschreiber den Titel ὁ βαπτίζων nicht kannten und den vermeintlich fehlerhaften Text korrigieren wollten (so Pesch; France 2002, 60f.64f.; Guelich 1989, 16 und SBLGNT).

Lesart 3 hat zahlenmäßig externes Gewicht und findet sich nicht nur in byzanzinischen, sondern mit 1241 auch in einer „alexandrinischen“ sowie mehreren Handschriften, die zum hypothetischen cäsaräischen Texttyp gehören. Metzger 1994, 62 und Collins 2007, 133 halten sie für ursprünglich. Mit der Einfügung des Artikels hätte ein Abschreiber aus Ἰωάννης βαπτίζων den vollen Namen „Johannes der Täufer“ machen wollen. Obwohl Markus diese Version des Titels auch in 6,14 und 6,24 benutzt, fehlt in dieser Variante ein echtes Motiv, den unmissverständlich von einem taufenden und predigenden Johannes sprechenden Text der Lesart 3 zu korrigieren (France). Hatte der Abschreiber unbewusst Mt 3,1 im Ohr? Dort wird jedoch ähnlich formuliert, aber gerade wieder der andere Johannestitel verwendet! Das führt uns schließlich wieder zu Lesart 2 zurück, die zwar nicht häufig bezeugt ist, aber die Indizien am besten erklärt auch unter den herangezogenen Forschern die meisten Fürsprecher hat. (Zurück zu v.4)
lPartizip Aorist aktiv Nominativ maskulin Singular. (Zurück zu v.7)
mDa das Wort βαπτίζω eintauchen bedeutet, ist die Übersetzung in heiligem Geist m.E. die bessere Variante. (Zurück zu v.8)
nEigentlich im Genitiv. (Zurück zu v.9)
oPartizip Präsens aktiv Nominativ maskulin Singular. Temporal übersetzt. (Zurück zu v.10)
pPartizip Präsens passiv Akkusativ maskulin Plural. Kongruent zu τοὺς οὐρανοὺς. (Zurück zu v.10)
qPartizip Präsens aktiv Nominativ maskulin Singular. Durch Beiordnung übersetzt. (Zurück zu v.14)
rPartizip Präsens aktiv Nominativ maskulin Singular. (Zurück zu v.15)
sPartizip Präsens aktiv Nominativ maskulin Singular. Temporal übersetzt. (Zurück zu v.16)
tPartizip Präsens aktiv Akkusativ maskulin Plural. S. Anm. I. (Zurück zu v.16)
uMeint die Netze. (Zurück zu v.16)
vAcI. (Zurück zu v.17)
wPartizip Aorist aktiv Nominativ maskulin Singular. Temporal übersetzt. (Zurück zu v.19)
xS. Anm. I. (Zurück zu v.19)
yPartizip Aorist aktiv Nominativ neutrum Singular. (Zurück zu v.26)
zPartizip Aorist aktiv Nominativ maskulin Plural. Temporal übersetzt. (Zurück zu v.29)
aaPartizip Aorist medium Nominativ feminin Plural. (Zurück zu v.32)
abPartizip Aorist aktiv Nominativ maskulin Plural. (Zurück zu v.35)
acPartizip Präsens aktiv Nominativ maskulin Singular. (Zurück zu v.39)
adPartizip Aorist aktiv Nominativ maskulin Singular. (Zurück zu v.41)
aePartizip Aorist medium Nominativ maskulin Singular. (Zurück zu v.43)
afPartizip Aorist aktiv Nominativ maskulin Singular. Temporal übersetzt. (Zurück zu v.45)
agAcI. (Zurück zu v.45)