Ijob 31/Persönliche Fassung (Sebastian Walter)

Aus Die Offene Bibel

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Diese Seite wird von Suchmaschinen nicht indexiert: Eine Freundin von mir arbeitet gerade an einer Dissertation über dieses KapitelEin Teil von einem Buch., und ich würde das gerne erst dann auf die Kapitelseite stellen, wenn sie damit fertig ist. --Sebastian Walter (Diskussion) 13:21, 14. Feb. 2018 (CET)

Studienfassung (Ijob 31/Persönliche Fassung (Sebastian Walter))[Bearbeiten]

1 Einen Bund (Bündnis, Vertrag) schloss ich mit meinen Augen:
„Ich will nicht [einmal] blicken (wie sollte ich blicken?)a auf eine junge Frau!“b
2 Was [wäre sonst] das Los Eloahsc von oben,
Und das Erbe Schaddajsc aus den Höhen?d
3 [Wäre (Ist) es] nicht Unheil (Unglück) für Ungerechte
Und Bitteres für Übeltäter!?
4 Sieht er nicht meine Wege
Und all meine Schritte, verzeichnet (zählt) er [die] nicht?e

5 Wenn ich gegangen wäre zusammen mit Falschheit (Lüge)f
Und geeilt wäre zum Betrug mein Fuß
6 [doch] wöge er mich mit richtiger Waage,g
wüsste Eloahc um meine Unschuld! –,
7 Wenn abgebogen wäre mein Schritt vom Wegh
Und meinem Auge gefolgt wäre mein Herz
Und an meinen Händen kleben würde Makel (irgendetwas),i
8 Möge ich säen, aber ein anderer essen
Und mein Sprösslinge (meine Nachkommen) mögen entwurzelt werden!j

9 Wenn betört wordenk wäre mein Herz durch eine Fraul
Und an der Tür eines andern (meines Freundes, meines Nachbarn)m ich gelauert hätte,n
10 Möge mahleno für den Nächsten meine Frau
Und über sie mögen beugen sich die Nächsten,
11 Denn diesp [wäre] Unzucht
Und das [wiederum]q eine strafwürdige Missetat (eine Missetat für Richter);r
12 Ja (Denn); ein Feuer, das bis zum Abaddon fressens
Und meinen ganzen Ertrag entwurzeln (verbrennen?) müsste!t


13 Wenn ich missachtet hätte das Recht meines Sklaven
Und meiner Sklavin in ihrem Rechtsstreit mit mir,u
14 Was sollte ich [dann] tun, wenn Gott sich erhöbe,v
Und wenn er untersuchte ([mich] besuchte), was sollte ich ihm [dann] erwidern?w
15 Hat nicht [schließlich] im Mutterleib mein Schöpfer (, der mich geschaffen,; der mich im geschaffen im Mutterleib)x [auch] ihn geschaffen,
Uns geformt im Mutterschoß einer (in einem Mutterschoß)? –,y

16 Wenn ich verwehrt hätte den Wunsch von Armenz
Und Augen von Witwenz verschmachten lassen hätte,aa
17 Und gegessen hätte meinen Bissen allein
Und ein Waisenkind nicht davon gegessen hätte –
18 Doch [von] meiner Jugend [an] wuchs es mir auf wie einem Vater
Und vom Schoß meiner Mutter [an] führte ich sie! –,ab

19 Wenn ich jemanden umkommen sehen hätte aus Mangel an Kleidung
Und ohne Decke den Bedürftigen,
20 Wenn nicht gesegnet hätten mich seine Lendenac
und durch die Wolle meiner Lämmer ihm nicht warm wurde,
21 Wenn ich erhob gegen ein Waisenkind meine Hand,ad
Weil ich sah im Tor meinen Beistand (meinen Helfer)ae
22 So möge meine Schulter von ihrem Nacken fallen
Und mein [Unter-]Arm von seinem Oberarm brechen,
23 Denn Schrecken für michaf [müsste dann sein] das Verderben Gottesag (als Schrecken [müsste dann] über mich [kommen] die Unterdrückung Gottes, Schrecken [müsste dann] über mich [kommen]: die Unterdrückung Gottes)
Und ob seine Hoheit (ihn/es zu ertragen) würde ich [dann] nicht standhalten (vermögen).ah


24 Wenn ich gemacht hätte Gold zu meiner Hoffnung
Und zum Feingold gesagt hätte: „Meine Zuversicht!“,
25 Wenn mich gefreut hätte, dass groß [war] mein Vermögen
Und Vieles erfasst (erlangt) hatte meine Hand,
26 Wenn ich gesehen (geachtet) hätte das Licht,ai dass es leuchtet (leuchten macht)aj
Und den Mond hell (wertvoll, brennend, kühl)ak dahingehen
27 Und betört worden wäreal insgeheim mein Herz
Und geküsst hätte meine Hand meinen Mund –am
28 Auch dies wäre eine strafwürdige Missetat,
Denn verleugnet hätte ich Gott in der Höhe!


29 Wenn mich gefreut hätte der Untergang meines Hassers
Und ich erregt gewesen wäre (gejubelt hätte?),an dass ihn erfasst hatte (über ihn gekommen war) Böses –ao
30 Aber nie habe zu sündigen erlaubt mein Gaumen,
Zu fordern durch Fluch (Schwur) sein Leben! –,
31 Wenn nicht sagen würden die Männer meines Zeltes:
„Wer könnte geben, dass (Oh, dass doch!, Wen gibt es, der) von seinem Fleische nie ({nie}) wir satt würden (man sich nicht gesättigt habe, man nicht gesättigt worden sei)!“ap –;
32 Draußen musste nicht bleiben der Migrant
Meine Türe, dem Wanderer (Weg)aq öffnete ich sie [stets]! –,

33 Wenn ich verborgen hätte wie Adam (wie ein Mensch) meine Verfehlungen,
Indem ich verdeckte in meinem Versteck (durch mich-Verstecken, in meiner Brust)ar meine Missetat,
34 Weil ich fürchten müsste den Lärm (Tumult) der Mengeas (die/den große/n Menge/Tumult)
Und der Familien Verachtung mich niedermachen (beugen, schrecken) würde,
Und [wenn ich] still gewesen wäre (war ich still), möge ich nie mehr (nicht) hinausgehen zur Tür!at


35 Wer könnte mir geben, dass mich (Ach, dass doch) einer hörte (erhörte)!
Siehe: Mein Tau!au Schaddajc antworte mir! –

Die Schrift,au die mein Prozessgegner geschrieben –av
36 Wenn ich sie nicht (Würde ich sie nicht...!?) auf meiner Schulter tragen (auf meine Schulter heben) könnte,aw
Mir als Kroneax umbinden könnte,
37 Die Summe (Zahl) meiner Schritteay ihm kund tunaz könnte,
Wie ein Fürst mich ihm nahen könnte,
38 Wenn gegen mich mein Acker schrie
Und alle seine Furchen weinten,ba
39 Wenn ich seinen Ertrag gegessen hätte ohne Zahlung
Und das Leben seinen Besitzer aushauchen (die Seele seines Besitzers trauern) lassen hätte,bb
40 möge statt Weizen Dorngestrüpp aufgehen
Und statt Gerste Unkraut!“

Ende der Worte Ijobs.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Mit einer letzten titanischen Verteidigungsrede wendet sich Ijob gegen die Behauptung seiner Freunde, Gott strafe ihn, weil er Unrecht getan habe. Mitnichten: Ganz ohne Rechtfertigung ist das Leid, dass Gott über ihn gebracht hat!
Volz 1912Volz, Paul: Ein Beitrag aus den Papyri von Elephantine zu Hiob Kap. 31, in: ZAW 32/2. S. 126f. hat auf das Papyrus 27 aus Elephantine hingewiesen, mit dem sich Ijob 31 gut erhellen lässt: Der Autor des Papyrus wird diverser Vergehen angeklagt („Du hast mein Haus mit Gewalt betreten und hast meine Frau gestoßen und hast Geld mit Gewalt aus meinem Hause weggenommen und es dir zu eigen gemacht“) und erhält darum eine „Vorladung vor die Gottheit“. Vor dieser Gottheit soll er binnen vier Tagen erklären: „Ich habe dein Haus nicht mit Gewalt betreten usw.“ Solche Unschuldsbeteuerung vor einer Gottheit nennt man „Reinigungseid“ (vgl. dazu z.B. Reinigungseid (WiBiLex)), da man sich mit ihnen von solchen Anklagen „reinigt“. Man kennt sie z.B. auch aus den babylonischen Gesetzen Hammurabis (§266) oder Amisaduqas (§9); ein schönes biblisches Beispiel findet sich in Ps 7,4-6. Von einer Anklageschrift mit ähnlichem Inhalt wie der Anklage im Elephantine-Papyrus spricht wohl V. 35.
Ijobs Dilemma ist aber gerade, dass ihm eine solche Anklageschrift nicht vorliegt; ihm ist unbegreiflich, für welche Sünde Gottes Strafe über ihn gekommen sein könnte. Und so äußert er hier einen universalen Reinigungseid, in dem er in einem Aufwasch alle möglichen Sünden von sich weist: Hätte er eine davon begangen, so möge nur eine Strafe über ihn kommen, die dieser Sünde entspricht; jedoch: Er ist unschuldig!
Vv. 1-8: Wäre sein Blick auf etwas Begehrenswertes gefallen – doch nicht einmal unverheiratete Frauen hat er angesehen –, wäre in seinem Herzen Begehren entbrannt, hätte er diesem Begehren nachgegeben, hätte er daher Schuld auf sich („auf seine Hände“, V. 7) geladen, so möge er den Ertrag der Arbeit dieser Hände nicht genießen dürfen. Doch keinen Schritt auf dem Weg dieser hier geschilderten Progression zum Bösen hat er begangen. Hätte er (Vv. 9-12) auch noch die Frau eines anderen begehrt und gar noch Unzucht mit ihr betrieben, komme das selbe Unheil über ihn: Auch mit seiner Frau möge Unzucht getrieben werden, und, wieder: Seiner Hände Werk müsste vernichtet werden „durch Feuer, das bis zum Abaddon frisst“, bis zur endgültigen Vernichtung. Doch nichts davon hat er getan!
Vv. 13-23: Hätte er speziell nichts Gutes für sozial Tiefergestellte getan, wie dies geboten ist – hätte er Sklaven übervorteilt, Arme, Witwen und Waisen nicht gespeist, Nackte nicht bekleidet –; ja, hätte er Waisen gar mit der Hand Schaden zugefügt, so möge diese Hand ihm abfallen. Doch nichts davon hat er (nicht) getan!
Vv. 24-28: Hätte er sein Herz an das Falsche gehängt – an Gold etwa, oder an falsche Götter (nämlich Sonne und Mond) –, wäre auch dies eine „strafwürdige Missetat“ und müsste daher wie die „strafwürdige Missetat“ in Vv. 9.11 bestraft werden. Doch nichts davon hat er getan!
Vv. 29-34: Hätte er sich gegen andere Mitmenschen versündigt – hätte er Schadenfreude über das Leid seiner Gegner gehabt, wäre er kein guter Hausherr für die „Männer seines Zeltes“ gewesen, hätte er Migranten und Wanderern nicht Obdach gewährt und sich stattdessen in sein Heim verkrochen wie in ein Versteck, weil er sich gegen „die Menge“ und „die Familien“ vergangen hätte und sich daher nicht mehr heraustrauen dürfte –, müsste er sozial ausgegrenzt sein. Doch nichts davon hat er (nicht) getan!
Vv. 35-4040 ist eine wichtige Zahl. Die Juden waren 40 Jahre in der Wüste. Jesus war 40 Tage in der Wüste.: Ijob hebt an zu seiner letzten Verteidigung, seinem „Tau“: Seinem letzten Wort: Hätte er sonst irgendein Unrecht begangen, das in einer Anklageschrift stehen könnte, die er nicht zurückweisen könnte, oder die Acker und Ackerfurchen gegen ihn bezeugen könnten (s. FN ba), so möge wiederum dieser Acker für ihn keine Frucht bringen. Doch, noch einmal: Nichts davon hat er getan! Und nun möge Gott ihm endlich antworten: Was hat er nur verbrochen?! Und in der Tat: Ignoriert man die später hinzugefügten Reden des Elihu in Ijob 32-37, schließt sich in Ijob 38 direkt an diese Aufforderung Ijobs Gottes Erwiderung an.

aIch will nicht [einmal] (wie sollte ich) – Das heb. mah, das sich noch häufiger in Ijob 31 in der Bed. „wie!?“ wie in der Alternativübersetzung findet (daher z.B. NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.: „Wie sollte ich da lüstern auf Jungfrauen blicken?“), kann auch als emphatische Verneinungspartikel verwendet werden. So deuten hier auch SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., TheodEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr.; so ist dies auch sinnvoller: Auch, wenn Ijob einen „Bund mit seinen Augen geschlossen“ hat, ist er ja dennoch in der Lage, junge Frauen anzuschauen. (Zurück zu v.1)
bjunge Frau – Die Nennung der „jungen Frau“ am Beginn des Kapitels hat viele Ausleger irritiert, weil das „Blicken nach Frauen“ im AT keine Sünde sei (vgl. z.B. Oeming 1994Oeming, Manfred: Ethik in der Spätzeit des Alten Testaments am Beispiel von Hiob 31 und Tobit 4, in: Peter Mommer / Winfried Thiel (Hgg.): Altes Testament. Forschung und Wirkung. FS Henning Graf Reventlow. Frankfurt a.M. u.a., 1994. online unter: https://goo.gl/SoFWkW, S. 162) und der Einsatz mit einem derart konkreten Fall direkt vor drei allgemein gehaltenen Versen poetisch schwer erklärlich sei (vgl. z.B. Pope 1965Pope, Marvin H.: Job. Introduction, Translation and Notes. New York, 1965., S. 200f.). Beide Schwierigkeiten lassen sich damit erklären, dass das Blicken nach jungen Frauen hier gerade wegen seiner Harmlosigkeit und Natürlichkeit als Paradigma des „Bundes mit den Augen“ genannt wird: Er [will nicht nach Bösem der Sündhaften ausschauen (vgl. Ps 119,37; Jes 33,15); nicht einmal] nach jungen Frauen will er blicken: Er hält sich völlig fern von jeglichem Fehl, da so sein Herz gar nicht erst in Versuchung geraten kann, „seinen Augen zu folgen“ (V. 7).
Dass das Blicken nach Frauen gänzlich sündenlos gewesen sei, ist unwahr: Mit zunehmendem Einfluss der griechischen Kultur auf das hellenistische Israel verschwindet die Frau immer mehr aus der Sphäre der Öffentlichkeit und hat sich in ihrem Haus aufzuhalten; vgl. z.B. Sir 42,9-14; 2 Makk 3,19; 3 Makk 1,18; 4 Makk 18,7; Ps.-Phokylides 215f. Zwei besonders schöne, wenn auch spätere, Belege finden sich in Philo, SpecLeg III 17 und Flac 89; letztere Stelle lautet: „[Als die Häuser der Juden durchsucht wurden, trauerten diese, weil] die weggeschlossenen Frauen, die nicht in die Öffentlichkeit gingen, und die jungen Frauen, die zu Hause blieben, weil sie sich aus züchtiger Scham vor Männeraugen selbst vor ihren Verwandten verbargen, nun nicht nur Fremden, sondern sogar Soldaten zum Anblick dargeboten wurden.“ Mindestens ist also zum „Blicken auf Frauen“ festzuhalten: Es „gehört sich nicht“, so natürlich es auch sei. Doch auch hiervon hält Ijob sich zurück.
Die Rede ist hier übrigens noch nicht von verheirateten Frauen; der häufige Verweis schon hier auf Mt 5,28f. ist irreführend. (Zurück zu v.1)
cEloah / Schaddaj – Zwei insgesamt eher seltene, im Ijobbuch aber verhältnismäßig häufige Bezeichnungen Gottes. Erstere bedeutet wahrscheinlich „Gott“, letztere vermutlich „Gott vom Berge“ oder „Gott der Wildnis“; vgl. DDD, S. 749f. Die Variation von Gottesbezeichnungen innerhalb iner Doppelzeile ist ein häufiges Stilmittel in der bibl. Poesie. (zu v.2 / zu v.6 / zu v.35)
ddas Los Gottes von oben / das Erbe Schaddajs aus den Höhen – d.h., welches Geschick würde mir Gott vom Himmel her zuteilen – wie würde er mich strafen – wenn ich anders handeln würde? Vgl. Ijob 20,29; 27,13. (Zurück zu v.2)
eIn Vv. 3f. äußert Ijob zwei Gemeinplätze biblischer Theologie (s. die Parallelstellen): Gott sieht alle Taten der Menschen und vergilt ihnen, wie es diesen Taten entspricht. Dennoch sind dies hier wohl nicht bloß rhetorische Fragen: Gerade diese Fraglosigkeiten scheinen Ijob in seinem Fall auf einmal nicht mehr selbstverständlich zu sein; ihn straft Gott trotz seines vollkommenen Verhaltens. In V. 37 kündigt er daher selbstsicher an, wenn Gott ihm nur mitteilen würde, was in seinen Augen an Ijobs Verhalten nicht makellos war, er würde diese Vorwürfe leicht entkräften, indem er ihm „all seine Schritte nachzeichnete.“ (Zurück zu v.4)
fzusammen mit Falschheit – Personifikation dieses Fehlverhaltens; man könnte sinngemäß übersetzen: „Wenn Falschheit mein Genosse gewesen wäre / und Betrug mein Ziel“. Obwohl auch Elifas ihm dies später noch einmal ähnlich vorwerfen wird (s. Ijob 34,8), hat Ijob dies gerade nicht getan, s. Ijob 23,11 (Zurück zu v.5)
gwöge er mich mit richtiger Waage – d.h., beurteilte er mich gerecht. Zur „richtigen Waage“ vgl. Lev 19,36; Ez 45,10; im Gegensatz dazu stünde die „gezinkte“ Waage, mit der Käufer übervorteilt werden sollen, vgl. Spr 11,1; 20,10.23. Zum Wiegen von Menschen durch Gott vgl. 1 Sam 2,3; Spr 16,2; 21,2; Dan 5,27. Der Vorwurf ist krass: Gott wird hier als Betrüger bezeichnet. (Zurück zu v.6)
hvom Weg – nämlich dem „Weg Gottes“ oder dem „gerechten Weg“; häufiger Ausdruck für einen gottgefälligen Lebenswandel; s. z.B. Dtn 9,12.16; Jes 30,11. Ijob hat das nicht getan; s. Ijob 23,11. (Zurück zu v.7)
iMakel – Sündhaftigkeit wird im AT noch häufiger beinahe material verstanden. In Dtn 13,18 z.B. ist die Sünde der Götzenverehrer in V. 14 anstreckend; ihre Sünde kann sich als „Verfluchtes an die Hand“ der Gottesfürchtigen heften. Gemeint ist also: „wenn ich gesündigt hätte“.
tFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Das entsprechende Wort lässt sich auf zweierlei Weisen übersetzen: Die Konsonanten m´um könnten sowohl das Wort mum („Makel“) bedeuten (das ´ wäre dann überflüssig, ein sog. „intrusives Alef“) als auch das Wort me´uma („irgendetwas“). Spätere Schreiber vereindeutigten durch Vokalisierung zur ersteren Bed., so auch VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und z.B. LUT17; LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und z.B. EÜ16 dagegen durch Übersetzung zur letzteren. TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. kombiniert beide möglichen Deutungen: „irgendetwas Böses“; so überraschenderweise z.B. auch HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien.. (Zurück zu v.7)
jSprösslinge (Nachkommen) entwurzelt - Beide Bed. sind möglich. Nach der zweiten Bed. wäre gemeint, dass Ijob sein Land verliert, so dass andere sich nun davon ernähren können, so dass seine Nachkommen nun „bodenlos“, „entwurzelt“ sind. TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. wählt die erste Interpretation, die auch wegen V. 12 und den deutlichen Parallelstellen näherliegend ist; VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. die zweite. (Zurück zu v.8)
kbetört worden – zum Ausdruck s. noch Dtn 11,16 und Ijob 31,27; beide Male ist vom Abfall von Gott hin zu anderen Göttern die Rede. Das „Herz“ ist in der atl. Anthropologie Sitz des Verstandes; das dt. Wort betören ist daher äußerst treffend: Statt auf das Richtige auszusein (wie die richtige Frau oder den richtigen Gott) hätte sich Ijob „zum Toren machen lassen“, indem sein Herz einer anderen Frau/Gottheit zufliegt. Vgl. Kaiser 2006Kaiser, Otto: Das Buch Hiob. Übersetzt und eingeleitet. Stuttgart, 2006., S. 56: „Wenn ich durch eine Frau zum Toren ward...“; Strauß 2000Strauß, Hans: Hiob. Kapitel 19,1-42,17. Neukirchen-Vluyn, 2000., S. 163: „Hätte sich mein Herz wegen einer Frau zum Narren machen lassen...“. Im Heb. klingen „betören“ und „Tür“ einander noch ähnlicher (niptah - patach); ein Lautspiel, das beide Zeilen aufeinander verweist (vgl. Ceresko 1976Ceresko, Anthony R.: The chiastic word pattern in Hebrew, in: CBQ 38/3, 1976. S. 303-311., S. 310). (Zurück zu v.9)
ldurch eine FrauLXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. explizieren: „durch die Frau [eines (anderen) Mannes].“ (Zurück zu v.9)
meines andern (meines Freundes, meines Nachbarn) – W. Das Wort rea` kann auch bloß pronominal für „ein anderer“ verwendet werden (vgl. z.B. TWATJenni, Ernst/Claus Westermann: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament. München - Zürich, 1971-9. II, Sp 789). Das liegt hier näher als die in den dt. Üss. häufiger gewählten Alternativen, da es auch bei der Strafe in V. 10 unwichtig ist, wer die Frau Ijobs erhält. (Zurück zu v.9)
ngelauert hätte – nämlich, um mit seiner Frau ehezubrechen. (Zurück zu v.9)
oIm Mahlen (Heb. tachan) muss man vermutlich sexuelle Untertöne mithören. So deuten schon TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., b.Sot 10a, Raschi und GenR 48. Auch das arab. tachana („mahlen“) und ähnlich griech. und lat. Wörter für „mahlen“ können euphemistisch für „Geschlechtsverkehr haben“ verwendet werden. Vgl. z.B. Berman 2007Berman, Joshua: Ancient Hermeneutics and the Legal Structure of the Book of Ruth, in: ZAW 119/3, 2007. S. 22-38., S. 34; Gordis 1978Gordis, Robert: The Book of Job. Commentary, New Translation and Special Studies. New York, 1978., S. 346; Pope 1965Pope, Marvin H.: Job. Introduction, Translation and Notes. New York, 1965., S. 202; Schorch 2000Schorch, Stefan: Euphemismen in der Hebräischen Bibel. Wiesbaden, 2000., S. 122f.
Sicher ist aber nicht nur Geschlechtsverkehr gemeint: Offenkundig werden in Vv. 9f. einige Motive aus Vv. 1-8 aufgegriffen und variiert: Aus der jungen Frau (V. 1) wird die Ehefrau (V. 9), die Progression „nicht blicken – das Herz nicht den Augen folgen lassen“ (Vv. 1.7) wird variiert zu „das Herz nicht betören lassen“ (V. 9), die Selbstverfluchung, sonst keinen Anteil an seinen Feldfrüchten haben zu wollen (V. 8) wird variiert zur [diese Feldfrüchte] für andere mahlenden Ehefrau (V. 10); um den Genuss der Feldfrüchte geht es also mindestens auch.
Das Mahlen von Getreide ist Sklavenarbeit (s. Ex 11,5; Ri 16,21; Jes 47,2); wie schon die „Entwurzelung“ von Ijobs Nachkommen (durch Bodenverlust) in V. 8 kommt hier so zum Ausdruck, dass in dieser Selbstverfluchung gleichzeitig liegt, so in die unterste soziale Schicht abzurutschen, in der die landlosen Nachkommen für andere arbeiten und (versklavte?) Ehefrau für andere mahlen müssen. (Zurück zu v.10)
pdies – gemeint ist das in V. 9 Geschilderte. (Zurück zu v.11)
qdies [wiederum] – nämlich die „Unzucht“ aus der vorigen Zeile. Im Heb. wird hier wie meist auf Sachverhalte mit maskulinem Pronomen verwiesen (hu´); „Unzucht“ ist feminin, in Zeile 2 steht daher das feminine Pronomen (hi´) – ein sog. G-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f.., ein häufigeres Stilmittel in der bibl. Poesie.
Spätere Schreiber haben die Pronomina angeglichen an ihre Prädikate „Unzucht“ und „Missetat“ und daher die Reihenfolge vertauscht: hi´ ... wehu´. (Zurück zu v.11)
rDie Konsonanten für strafwürdige Missetat (Missetat für Richter) lassen beide Deutungen zu; entweder wäre zu vokalisieren: ´awon pelilim („Missetat für die Richter“) oder ´āwon pelili(-m) („strafwürdige Missetat“; das eingeklammerte -m wäre ein sog. „enklitisches Mem“). Spätere Schreiber haben durch Vokalisierung vereindeutigt zur zweiten Variante; in dt. Üss. finden sich aber berechtigterweise noch beide Möglichkeiten; z.B. EÜ16, LUT17: „Verbrechen, das vor die Richter gehört“; SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab.: „ein strafwürdiges Vergehen“. (Zurück zu v.11)
sbis zum Abaddon fressen – „Abaddon“ ist ein eher seltener Wechselbegriff für das Totenreich. Wie in den Parallelstellen zu V. 11 wird die Unzucht hier also als etwas Todeswürdiges bezeichnet. Vgl. sehr ähnlich Dnt 32,22; Spr 7,27. (Zurück zu v.12)
tMetaphorisch sagt V. 12 das selbe wie V. 8 und V. 10: Eine solche Sünde müsse zur Folge haben, dass Ijob all seine Feldfüchte verliert: „Diese Untat wäre ein Feuer...“, d.h. „Dieser Untat entspräche ein Feuer...“. (Zurück zu v.12)
uV. 13: Enjambement. Die Rechte von Sklavinnen und Sklaven waren im Alten Israel ohnehin schon bis zum äußersten eingeschränkt. V. 13 spricht von dem Fall, dass selbst ihre wenigen verbleibenden Rechte (wie z.B. Dtn 15,12-15) von Ijob missachtet worden wären. (Zurück zu v.13)
vsich erhöbe – ein häufiges Motiv v.a. in den Psalmen: Gott „sitzt untätig“, doch auf Aufforderung kann er sich „erheben“, um z.B., wie hier, eine Sache oder eine Person zu untersuchen und dann zu richten oder zu strafen. S. ähnlich z.B. Ps 3,8; 7,7; 9,20; 10,12; 76,9 u.ö. (Zurück zu v.14)
wChiasmus. (Zurück zu v.14)
xTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: im Mutterleib mein Schöpfer (im Mutterleib, der mich geschaffen; der mich geschaffen im Mutterleib) – Die Konsonanten der heb. Entsprechung zu „mein Schöpfer“ lassen sich auch verbal lesen als „der mich geschaffen“. Die Schreiber des masoretischen Textes vereindeutigten durch Vokalisierung zu „mein Schöpfer“, LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. durch Übersetzung zu „der mich geschaffen“. Beides ist gleichermaßen möglich. Im Text, der LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. vorlag, scheint außerdem die Reihenfolge von „im Mutterleib“ und „der mich geschaffen“ vertauscht gewesen zu sein; diese Wortfolge findet sich auch in 4QJoba und 11QtgJob. 11QtgJob stimmt noch häufiger mit LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. überein; offenbar kursierte Ijob 31 in md. zwei leicht unterschiedlichen Varianten. Welche der beiden an dieser Stelle die ursprünglichere ist, lässt sich nicht entscheiden; es trägt sich auf die Bed. des Verses auch nur minimal aus: Nach beiden Varianten lässt sich der „Mutterleib“ sowohl auf „mich“ (so z.B. EÜ16: „Hat nicht er der mich im Mutterleib gemacht hat, ihn gemacht“) als auch auf „den Sklaven“ (so z.B. Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs.: „Hat nicht mein Schöpfer auch ihn im Mutterleib geschaffen“) beziehen. (Zurück zu v.15)
yin einem Mutterschoß ist theoretisch auch möglich; so z.B. daher auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.; auch R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw. („im gleichen Mutterleibe“). Viel Sinn macht es allerdings nicht; sicher soll nicht gesagt werden, dass Ijob und sein Sklave biologische Brüder waren.
Dass Herr und Knecht mindestens hinsichtlich ihrer Erschaffung durch den selben Schöpfer einander gleichgestellt sind, findet sich gar nicht selten im Alten Testament; s. die Parallelstellen. Es ist dies eine spätere Basis des berühmten Liebesgebots in Lev 19,18 („Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“), wie das denn z.B. in ARN A 16 auch ausgesprochen wird: „Rabbi Schimon ben Elazar sagte: Mit einem mächtigen Eid wurde dies Wort ausgesprochen: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.‘ Ich habe ihn geschaffen; wenn du ihn liebst, bin ich treu, dir guten Lohn zu vergelten; wenn aber nicht, bin ich Richter, zu strafen.“ (Zurück zu v.15)
zArme ist Oberbegriff, unter den Witwen und Waisen, zwei Klassen der klassischen „personae miserae“, ebenso fallen wie der landlose Tagelöhner: Im Alten Israel oblag die Rolle des „sozialen Netzes“ der Familie; fehlte einer Person dieses Netz, hatte sie wenig Chancen auf soziale Sicherheit oder gar Wohlstand. Vgl. dazu z.B. WiBiLex: Armut / Arme (AT). Gerade diese sind es häufig, die ihre soziale Stellung in die Schuldsklaverei abrutschen lässt; Vv. 13-15 und 16-18 (und 19-23) thematisieren also sämtlich sozial ähnlich gestellte Personengruppen. Die Gedankenentwicklung ist klar: In seinen Selbstverfluchungen in Vv. 8.12 verflucht sich Ijob selbst zu einem Leben in Armut und ohne Familie; darauf folgt ein längerer Abschnitt über sein Verhältnis zu Armen ohne Familie, woran sich dann in Vv. 24f. ein Abschnitt über Ijobs Verhältnis zum Reichtum anschließt.
Wegen ihrer sozialen Stellung gehörten Hilfeleistungen für Arme, Witwen und Waisen zum in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. ethisch gebotenen Verhalten (s. z.B. Dtn 15,11; Tob 4,7f.; Lk 11,41; Jak 1,27; 1 Joh 3,17). In Ijob 22,9 bekam Ijob gerade vorgeworfen, sich daran nicht gehalten zu haben; doch er hat dies eben doch getan, s. Ijob 29,12f.16. (zu v.16)
aaAugen verschmachten lassen – Die „Augen“ sind in der atl. Anthropologie eine Art „Barometer der Lebenskraft“ (Anderson 1972Anderson, A. A.: The Book of Psalms. Volume I: Introduction and Psalms 1-72. London, 1972., S. 129): ist ein Mensch alt, krank, schwach oder traurig, hören seine Augen auf, zu „leuchten“ (s. Dtn 34,7; Ijob 17,7; Ps 6,8; 38,11; Klg 5,17). Gesundet er oder erholt er sich, leuchten seine Augen dagegen wieder auf (s. 1Sam 14,27.29; Esra 9,8; Ps 19,9). Auf irgendeine Weise, so sagt es der Ausdruck, würde Ijob also negativ einwirken auf das Leben von Witwen. (Zurück zu v.16)
absie – gemeint ist die Witwe; ein weiterer G-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f.. („es“ für das Waisenkind ist im Heb. maskulin), dem hier auch noch die Geschlechter von „Vater“ und „Mutter“ entsprechen. Chiasmus: Witwe (V. 16) – Waisenkind (V. 17) – „es“ (V. 18a) – „sie“ (V. 18b).
Gemeint ist, dass Ijob so wohltätig wie ein Vater war (wie in Ijob 29,16), und – übertreibend gesprochen – dass er dies schon von frühester Kindheit, „von Mutterleib an“, war.
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Die Bilder des Verses sind nicht ganz leicht verständlich; viele Übersetzer korrigieren daher seinen Text. Häufig wird z.B. die Vokalisierung von „es wuchs mir auf“ korrigiert zu „er zog mich groß“, was nach den Konsonanten des Textes durchaus möglich ist. So z.B. schon Raschi; auch NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.: „Von Jugend an zog Gott mich wie ein Vater groß“; ähnlich B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil., Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., EÜ16, PATKurz für „Pattloch Bibel“; Bezeichnung für die Übersetzung durch Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger - drei exegetischen Schwergewichtern - von 1955. Völlig zu Unrecht so unbekannt: Gutes Gleichgewicht von Wörtlichkeit und Lesbarkeit. Hamp schreibt zum Profil: „Unsere Ausgabe bietet eine ungekürzte Übertragung aus den Grundtexten, de einerseits möglichst getreu den Sinn der Verfasser zu treffen sucht, andererseits einen verständlichen und flüssigen deutschen Stil anstrebt. Veraltete und ungebräuchlich gewordene Ausdrücke, die in den Bibelübersetzungen oft lange Zeit mitgeschleppt werden, wurden durch neue ersetzt.“, ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.. Ähnlich wird dann gelegentlich auch das „führte ich sie“ korrigiert zu „führte er mich“, was von den Konsonanten her nicht möglich ist. So z.B. Gray 2010Gray, John: The Book of Job. Sheffield, 2010., S. 381; auch wieder B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil., Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., EÜ16, PATKurz für „Pattloch Bibel“; Bezeichnung für die Übersetzung durch Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger - drei exegetischen Schwergewichtern - von 1955. Völlig zu Unrecht so unbekannt: Gutes Gleichgewicht von Wörtlichkeit und Lesbarkeit. Hamp schreibt zum Profil: „Unsere Ausgabe bietet eine ungekürzte Übertragung aus den Grundtexten, de einerseits möglichst getreu den Sinn der Verfasser zu treffen sucht, andererseits einen verständlichen und flüssigen deutschen Stil anstrebt. Veraltete und ungebräuchlich gewordene Ausdrücke, die in den Bibelübersetzungen oft lange Zeit mitgeschleppt werden, wurden durch neue ersetzt.“, ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.. Einige wollen auch nur das „sie“ korrigieren nach „es“, so dass auch das zweite Verb sich auf das Waisenkind beziehen könnte; z.B. Ball 1922Ball, Charles J.: The Book of Job. A Revised Text and Version. Oxford, 1922. online unter: https://goo.gl/YCNiHL, S. 361; auch GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen. („vom Leib meiner Mutter an habe ich es geleitet.“), MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich., merkwürdigerweise auch NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.. (Zurück zu v.18)
acNämlich dafür, dass ich sie ihm bedeckte. (Zurück zu v.20)
adWenn ich meine Hand erhob – W. „Wenn ich über ein Waisenkind meine Hand schwang“: Wenn ich eine Gewalttat gegen es beging; zum Ausdruck s. Jes 10,32; 11,5; 19,16. (Zurück zu v.21)
aeDas Tor war Gerichtsplatz in altisraelitischen Städten. Vorgestellt wird also das Szenario, dass Ijob Waisenkinder schädigte, weil er dafür ohnehin nicht gerichtlich belangt werden würde. (Zurück zu v.21)
aftFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Schrecken für mich – W. „Schrecken auf mir“; wie oft im späten bibl. Heb. ´el für `al. Letzteres ist eine gewöhnliche Präp. zur Angabe von Empfindungen, die ein Mensch empfindet; vgl. z.B. Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 963. (Zurück zu v.23)
agTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Weil der Satz nicht sehr schön ist, wird der Ausdruck „Schrecken für mich“ unter dem Einfluss von Ijob 13,11 („sein [=Gottes] Schrecken“) von vielen geändert zu „Schrecken Gottes (müsste über mich kommen)“; für die eingeklammerten Worte müsste dann vorausgesetzt werden, dass ein Schreiber das ursprüngliche Wort für „müsste kommen“ zunächst auf Aramäisch geschrieben hätte und dann einem weiteren Schreiber mehrere Fehler beim Abschreiben dieser aramäischen Worte unterlaufen wären: אל יאתה לי => אל יאתא לי => אלי איד אל. Das liegt sehr fern, wird aber häufig vertreten und findet sich auch in einigen Üss, z.B. FREE, H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“., HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen., LUT17. (Zurück zu v.23)
ahTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: ihn/es zu ertragen, würde ich dann nicht vermögen gut nach Strauß 2000Strauß, Hans: Hiob. Kapitel 19,1-42,17. Neukirchen-Vluyn, 2000., S. 173, der statt miß´eto zu mißa´to vokalisieren möchte, ohne damit den Konsonantenbestand anzutasten. Da ihm darin bisher m.W. (S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm) noch niemand gefolgt ist, bleiben wir aber bei der Standarddeutung von Zeile 2 und bieten dies nur als alternative Variante an. Zur Standarddeutung s. ähnlich Ijob 13,11. (Zurück zu v.23)
aiLicht – gemeint ist die Sonne; s. ähnlich Ijob 37,21; Jes 18,4; Hab 3,4. So übersetzen daher auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.. (Zurück zu v.26)
ajtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: leuchtet (leuchten macht)) – „leuchten macht“ nach Strauß 2000Strauß, Hans: Hiob. Kapitel 19,1-42,17. Neukirchen-Vluyn, 2000. S. 173; zur Form vgl. aber Barth 1889Barth, J.: Vergleichende Studien, in: ZDMG 43. S. 177-191. online unter: https://goo.gl/kyRiwp, S. 178; auch GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. §67p. (Zurück zu v.26)
akTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: hell (brennend, kühl) – Heb. jāqār. LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. lasen das grafisch sehr ähnliche jāqād („brennend“), so auch Houtsma 1925Houtsma, M. Th.: Textkritische Studien zum Alten Testament. 1. Das Buch Hiob. Leiden, 1925., S. 67; einige TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.-Handschriften vokalisieren die Konsonanten als jāqar („kühl seiend“), was durchaus möglich ist, so auch Gray 2010Gray, John: The Book of Job. Sheffield, 2010., S. 386. (Zurück zu v.26)
albetört worden wäre – das selbe Verb wie in V. 9, aber anders geschrieben. Dass es auch in dieser Schreibung die selbe Bed. haben kann, zeigt Dtn 11,16; es ist nicht notwendig, sie an V. 9 anzugleichen (vgl. Dhorme 1984Dhorme, Édouard: A Commentary on the Book of Job. Nashville u.a., 1984., S. 462). (Zurück zu v.27)
am
(c) Ward, William Hayes: The Seal Cylinders of Western Asia. Washington, 1910. S. 274.
V. 27 macht klar, dass mit dem „Sehen“ von Sonne und Mond Götzenverehrung der Himmelskörper gemeint ist, deren Assoziation in Ijob die Rede vom Gold geweckt hat – entweder wegen ihrer Farbe oder weil Götzenbilder häufig aus Gold gefertigt wurden. Zur Verehrung von Himmelskörpern im Alten Israel s. z.B. Dtn 4,19; 17,3; 2 Kön 17,16; 21,3.5; 23,5; Jer 8,1f.; auch in Ps 19 finden sich wohl noch Reflexe einer solchen Verehrung. Zum Kuss als Zeichen der rel. Verehrung s. 1 Kön 19,18; Hos 13,2. Der Handkuss zur Verehrung astraler Gottheiten ist für Griechenland gut bezeugt; vgl. z.B. Lukian, salt 17, wo er davon berichtet, dass die Inder für die Sonne tanzten und „sich nicht bloß, wie wir [sc. die Griechen], die Hand küssen und die Sache damit abgethan zu haben glauben.“ (Üs. nach Pauly). Eine schöne Abbildung des Handkusses als orientalischen Gebetsgestus (dazu vgl. auch Langdon 1919Langdon, S.: Gesture in Sumerian and Babylonian Prayer. A Study in Babylonian and Assyrian Archaeology, in: JRAS 4/1919. S. 531-556. online unter: https://goo.gl/Zh7XSb) findet sich auf dem rechts abgebildeten Siegel: Rechts sitzt eine Gottheit, vor ihm die Sonne, ein Stern und ein Affe; davor ein Verehrer beim Handkuss.
In der Formulierung küsst hier die Hand den Mund statt umgekehrt, „weil sie beim Handkuss aktiver ist [als der Mund]“ (Driver/Gray 1921Driver, Samuel R./George B. Gray: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Job. Together with a New Translation. Edinburgh, 1921. online unter: https://goo.gl/C6VJad, S. 269). (Zurück zu v.27)
anTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: ich wäre erregt gewesen (ich hätte gejubelt) – Das Wort für „erregen“ ist in der Bed. „sich freuen“, die der Kontext fordert und wie hier auch VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. übersetzt, nicht belegt; einige (z.B. Fohrer 1963Fohrer, Georg: Das Buch Hiob. Gütersloh, 1963, S. 426; Gray 2010Gray, John: The Book of Job. Sheffield, 2010., S. 381; Torczyner 1920Torczyner, Harry: Das Buch Hiob. Eine kritische Analyse des überlieferten Hiobtextes. Wien/Berlin, 1920., S. 226) wollen daher den Text korrigieren von wehit`orarti nach wehitro`a`ti („ich hätte gejubelt“). So oder so ist recht klar, dass auch Zeile 2 von Ijobs Schadenfreude über seine Feinde spricht. Sinnvoll daher z.B. HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln. („schadenfroh gelacht“), NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien. („schadenfroh gejubelt“); auch Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs. (nicht mehr EÜ16), H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“., MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich., PATKurz für „Pattloch Bibel“; Bezeichnung für die Übersetzung durch Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger - drei exegetischen Schwergewichtern - von 1955. Völlig zu Unrecht so unbekannt: Gutes Gleichgewicht von Wörtlichkeit und Lesbarkeit. Hamp schreibt zum Profil: „Unsere Ausgabe bietet eine ungekürzte Übertragung aus den Grundtexten, de einerseits möglichst getreu den Sinn der Verfasser zu treffen sucht, andererseits einen verständlichen und flüssigen deutschen Stil anstrebt. Veraltete und ungebräuchlich gewordene Ausdrücke, die in den Bibelübersetzungen oft lange Zeit mitgeschleppt werden, wurden durch neue ersetzt.“, R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw., TAFKurz für „Tafelbibel“, die Bibelübersetzung von Leonhard und Ludwig Tafel. Sehr wörtliche Übersetzung; laut eigener Auskunft hatte Tafel allein im Alten Testament 40.000 Verbesserungen veranstaltet. Interessant, da hier häufiger auch seltenere Übersetzungsweisen gefunden werden können., TURjüdische Übersetzung des ATs von 1935-59 durch Naftali Herz Tur-Sinai. Philologisch genaue Übersetzung eines großen Exegeten in eigenwilligem und kräftigem Sprachduktus., van EssBibelübersetzung von Leander van Eß, einem Marburger Pfarrer und Professor. 1840 das erste Mal als Vollbibel erschienen., ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.. (Zurück zu v.29)
aoerfasst hatte BösesAntanaklasisStilmittel: Wiederholung desselben Wortes in zwei unterschiedlichen Bedeutungen. In Ps 137,5 z.B. wird 2x die Wurzel schakach wiederholt; einmal in der Bedeutung „vergessen“, einmal in der Bedeutung „verdorren“: „Wenn ich dich je vergessen sollte, Jerusalem, soll meine rechte Hand verdorren“.: Vv. 25.29 sind schon durch die gleichlautenden Versanfänge aufeinander bezogen. In beiden Versen findet sich auch das Verb matsa´ („erfassen“), einmal aber in der Bed. „erlangen“, einmal in der Bedeutung „überkommen“; vgl. Ceresko 1982Ceresko, Anthony R.: The Function of Antanaclasis (mṣ´) 'to find' // (mṣ´) 'to reach, overtake, grasp' in Hebrew Poetry, especially in the Book of Qoheleth, in: CBQ 44, 1982. S. 551-569., S. 562. (Zurück zu v.29)
apVieldiskutierter VersEin Teil in einem Kapitel.. Gemeint ist wohl: Ijobs „Zeltgenossen“ – die Rede ist vermutlich im Gegensatz zu den Migranten und Wanderern im nächsten VersEin Teil in einem Kapitel. von den steten Bewohner seines Zeltes, also seinen Familienangehörigen, Knechten und Sklaven – speißen so gerne an Ijobs Tafel, dass sie bedauern, wegen Sättigung je mit dem Essen aufhören zu müssen.
Genauer: Die Funktion von „Wenn nicht“ im Kontext von Ijob 31 ist klar; eingeleitet wird damit ein Sachverhalt oder Tatbestand, der, wenn er nicht der Fall wäre, Ijobs Sündigkeit bedeuten würde; s. Vv. 5.6.9.13.16.19.20.21.24.25.26f.29. Der Ausdruck „Wer könnte geben, dass...“ findet sich 25x im AT; 23x davon sicher als Einleitung eines Wunsches („Gäbe es doch jemanden, der dafür sorgen könnte, dass...“); auch oft im Ijobbuch, s. Ijob 6,8; 11,5; 13,5; 14,13; 19,23; 23,3; 29,2; 31,35. Die einzigen beiden Stellen, für die diskutiert wird, dass dieser Ausdruck auch nicht als Einleitung einen Wunsch verwendet werden könnte, sind Ijob 14,4 und unsere Stelle; so z.B. sogar Jongeling 1974Jongeling, B.: L'expression my ytn dans l'ancient testament, in: VT 24/1, 1974. S. 32-40. online unter: https://goo.gl/1a4uq1 und Seidl 2001Seidl, Theodor: Wunschsätze mit mî yittin im Biblischen Hebräisch, in: Rüdiger Bartelmus/Norbert Nebes: Sachverhalt und Zeitbezug. Semitistische und alttestamentliche Studien. Adolf Denz zum 65. Geburtstag. Wiesbaden 2001, 129–142.. Zu Ijob 14,4 s. dort; an unserer Stelle wäre dann zu übersetzen: „Wen gibt es, der nicht satt geworden ist durch sein Fleisch!?“ Bei diesem Zahlenverhältnis von 23 von 25 Stellen bräuchte es sehr starke kontextuelle Argumente dafür, den Ausdruck nicht-idiomatisch zu deuten. Die gibt es nicht, dennoch ist dies die Mehrheitsübersetzung; so fast alle Üss (Ausnahmen: LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs. 1545 (anders als LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs. 1912, 1984 oder 2017): „O wolt Gott das wir von seinem fleisch nicht gesettiget würden.“; TURjüdische Übersetzung des ATs von 1935-59 durch Naftali Herz Tur-Sinai. Philologisch genaue Übersetzung eines großen Exegeten in eigenwilligem und kräftigem Sprachduktus.: „Ach, könnten wir von seinem Fleische nie ersatten!“). Die sprachlich sehr viel näher liegende Deutung ist also die: Ijob bezeugt seine Rechtschaffenheit damit, dass seine Zeltgenossen sich etwas wünschen („Wenn meine Zeltgenossen nicht sagen würden: ‚Wer könnte geben, dass...!?‘“). Das Verb in ihrem Wunschsatz könnte entweder ein Verb mit der Endung für 1. Pers. Pl. sein oder ein Partizip Passiv Sg. Mask., also entweder „... dass wir nicht/nie satt würden“ oder „dass es nicht-Gesättigte/nicht Sättung [gäbe/der Fall wäre].“ Und das „Fleisch“ Ijobs könnte entweder das Mahl sein, das Ijob je servierte (Fleisch war im Alten Orient eine Festtagsspeise) oder sein eigenes Fleisch.
Nimmt man dies zusammen, ergeben sich als die zwei wahrscheinlichsten Bedeutungen des Verses: (1) „[Meine Zeltgenossen wünschen sich:] ‚Ach, dass man sich doch nicht an seinem Fleisch sättigte/gesättigt habe!‘“; sie bedauern ihn also für die Anfeindungen, die er erfahren muss, die hier – wie in Ps 14,4; 27,2; Ps 53,4; Ez 22,25; Mi 3,3 und im sehr ähnlichen VersEin Teil in einem Kapitel. Ijob 19,22 – übertreibend als Kannibalismus dargestellt werden; (2) „[Meine Zeltgenossen wünschen sich:] ‚Ach, dass wir doch nie von seinem Fleisch satt würden!‘“; Ijob wäre also ein so guter Tischherr, dass sie bedauern, je von seiner Tafel aufstehen zu müssen. Direkt an diesen Wunsch schließt sich Ijobs Selbstzeugnis an, dass er auch für Migranten und Wanderer ein guter Gastgeber sei; der Kontext spricht also stark für die zweite Variante, die ja in etwa auch das selbe impliziert wie die Mehrheitsübersetzung. Ähnlich auch Lund 1903Lund, Emil: The Book of Ijjob. Translated and Commented Upon. Rock Island, 1903. online unter: https://goo.gl/94vXp2, S. 274: „O, that we never may be satisfied with his flesh!“ (Zurück zu v.31)
aqTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Die Konsonanten wurden von den mittelalterlichen Schreibern orach („Weg“) vokalisiert; gemeint war aber sicher oreach („Wanderer“); so auch die alten und fast alle neueren Üss. (Zurück zu v.32)
arin meinem Versteck (durch mich-Verstecken, in meiner Brust) – Das Wort chob findet sich nur ein Mal in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. und ist daher unsicher in seiner Bedeutung. SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. übersetzt mit „Verstecke“; entsprechend wäre es abzuleiten von chaba´ („verstecken“; so Pope 1965Pope, Marvin H.: Job. Introduction, Translation and Notes. New York, 1965., S. 208; erwogen schon von Levy, ChW, S. 233; so auch schon Raschi, Ibn Ezra). Ähnlich Wolfers 1995Wolfers, David: Deep Things Out of Darkness. The Book of Job. Essays and a New English Translation. Grand Rapids, 1995., S. 441, der das Wort als Infinitiv von chabah („verstecken“) analysiert. Gemeint wäre dann exakt das, was Adam nach dem Essen der verbotenen Frucht tat: Er versucht, seine Missetat zu verbergen, indem er sich vor Gott „versteckt“ (wajjitchabe´, von chaba´; Gen 3,8). So z.B. LUT17: „um heimlich meine Schuld zu verbergen“
TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. dagegen übersetzt das Wort gleich dreifach („in meiner Brust, in meinem Busen, im Innersten meines Herzens“), was mit VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. („in meiner Tasche“) auch als Bezeichnung für eine „Brusttasche“ gehalten werden könnte; entsprechend wäre das Wort abzuleiten von chabab („lieben“) und das abgleitete Nomen „Liebe“ würde dann metonymisch für das Herz gebraucht, in dem man seine Sünden verbirgt (?), oder für die „Brust“, was dann noch einmal metonymisch für die „Brusttasche“ stehen würde (was aber genau die Vorstellung hinter der in der Brusttasche verborgenen Sünde sein soll, ist ungewiss). So deuten und übersetzen die meisten (z.B. EÜ16: „Wenn ich meine Schuld verbarg in meiner Brust“). (Zurück zu v.33)
asLärm der Menge – also ihren Aufruhr ob seiner Missetat. Das Wort für Lärm kann selbst schon die Bedeutung „Masse, Menge“ haben; der Ausdruck „Lärm der Menge“ weckt also die Assoziation eines regelrechten Volksaufstandes. (Zurück zu v.34)
atEinzeiler wie oft zum Abschluss einer Strophe. Das „und still gewesen wäre“ steht im heb. Text im „Tempus“ Wayyiqtol, das Wort steht also nicht auf einer Ebene mit den ersten beiden Zeilen und dem Folgenden, sondern Ijob macht hier noch einen Nachtrag zu seiner Missetat-hypothese in V. 33, die ebenfalls in der Vergangenheit formuliert war: „Wenn ich meine Verfehlungen wie Adam verborgen hätte, indem ich meine Missetat in meine Versteck verdeckte ... und still gewesen wäre“. Der Rest der Zeile bringt dann die Selbstverfluchung: Ihm müsste dafür soziale Ausgrenzung zuteil werden, wie sie in Ijob 19,13-19 geschildert wird. (Zurück zu v.34)
auSchwierigster VersEin Teil in einem Kapitel. des Kapitels; was das Tau und die Schrift des Prozessgegners genau sein sollen, ist ungewiss. Bei der „Schrift des Prozessgegners“ liegt schon in der Formulierung, dass es sich wohl um ein gerichtliches Dokument handelt; vermutlich die Anklageschrift – s. dazu die Anmerkungen. Viel schwieriger ist aber das „Tau“. Gemeint ist vielleicht: „Dies ist mein letztes Wort!“.
Genauer: „Tau“ ist der Name des letzten Buchstaben des heb. Alphabets; in der althebräischen Schrift hatte es die Form eines „x“ oder eines griechischen „χ“. Die hebräischen Buchstabennamen haben aber außerdem eine Bedeutung. Der erste Buchstabe des Alphabets etwa, „Aleph“, bedeutet „Rind“; der zweite, „Beth“, bedeutet „Haus“ usw. Was aber die Bedeutung von „Tau“ ist, ist ungewiss. Das Wort findet sich nur noch in Ez 9,4.6; dort steht es aber sicher für den Buchstaben und speziell die Form dieses Buchstabens (s. dort); die Bedeutung des Wortestau“ lässt sich aus dieser Stelle nicht herauslesen.
  1. Vorsichtigere Ausleger belassen es bei der Bedeutung „mein Tau“, sehen dies als Äquivalent für „mein Kreuz“, mutmaßen, dass Analphabeten im Alten Israel wie heute unter Dokumente statt einer Unterschrift ein Kreuz gesetzt hätten und dass Ijob daher mit dem Ausdruck „mein Kreuz“ auf eine von ihm ge- und hiermit unterschriebene Verteidigungsschrift verweise. Schon für Unterschriften an sich gibt es im Alten Israel aber keine Belege, und noch weniger für stattdessen gesetzte Kreuzchen. Beides macht auch nicht viel Sinn in einer Gesellschaft, die zum größten Teil aus Analphabeten bestand und wo daher Dokumente stattdessen nachweislich mit Rollsiegeln oder Siegelringen „unterschrieben“ wurden. So dennoch die meisten Ausleger und Üss.
    Wagemutigere Ausleger halten das Wort „Tau“ wegen dieser Stelle und doch auch wg. Ez 9,4.6 für einen Ausdruck für „Zeichen“; Fohrer 1963Fohrer, Georg: Das Buch Hiob. Gütersloh, 1963 übersetzt daher mit „Handzeichen“ und will es für etwas wie die Fingerabdrücke auf babylonischen Urkunden halten; Alter 2010Alter, Robert: The Wisdom Books. Job, Proverbs, and Ecclesiastes. A Translation withCommentary. New York, 2010. gleich für ein persönliches Rollsiegel. Noch wagemutigere Ausleger leiten aus Ez 9,4.6 ab, dass es speziell Zeichen für die Zugehörigkeit zu JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. bezeichne, die man auf der Stirn trug, was daher auf eine Vorform der Phylakterien oder Tefillin anspiele (Stevenson 1951Stevenson, William B.: Critical Notes on the Hebrew Text of the Poem of Job. Aberdeen, 1951.; Wolfers 1995Wolfers, David: Deep Things Out of Darkness. The Book of Job. Essays and a New English Translation. Grand Rapids, 1995.; Witte 2004Witte, Markus: Hiobs "Zeichen" (Hiob 31,35-37), in: Ders.: Gott und Mensch im Dialog. FS Otto Kaiser, Bd. 2. Berlin/New York, 2004.). Aber zu Ez 9,4.6 s. eben dort; und auch so sind alle drei Varianten zu hypothetisch.
  2. TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. übersetzen mit „mein Begehren“; recht verbreitet ist daher auch, taui zu korrigieren oder zu lesen (gut Gordis 1978Gordis, Robert: The Book of Job. Commentary, New Translation and Special Studies. New York, 1978., S. 355) als ta´auati („mein Begehren“): „Siehe, meine Begehren [ist], dass Schaddai mir antworte!“. Doch richtig Rechenmacher 2007Rechenmacher, Hans: taw und sipr in Ijob 31,35-37, in: Theodor Seidl/Stephanie Ernst: Das Buch Ijob. Gesamtdeutungen - Einzeltexte - Zentrale Themen. Frankfurt, 2007., S. 170: Die Abfolge [Deiktikon („Siehe“) – Abstraktum („mein Begehren“) – Satz („das Schaddai mir antwortet“)] wäre im Heb. nicht idiomatisch und findet sich daher auch nirgends sonst. So aber Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs. (nicht mehr EÜ16), KJVKing James Version, LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs. 1545, PATKurz für „Pattloch Bibel“; Bezeichnung für die Übersetzung durch Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger - drei exegetischen Schwergewichtern - von 1955. Völlig zu Unrecht so unbekannt: Gutes Gleichgewicht von Wörtlichkeit und Lesbarkeit. Hamp schreibt zum Profil: „Unsere Ausgabe bietet eine ungekürzte Übertragung aus den Grundtexten, de einerseits möglichst getreu den Sinn der Verfasser zu treffen sucht, andererseits einen verständlichen und flüssigen deutschen Stil anstrebt. Veraltete und ungebräuchlich gewordene Ausdrücke, die in den Bibelübersetzungen oft lange Zeit mitgeschleppt werden, wurden durch neue ersetzt.“.
  3. Weil Tau der letzte Buchstabe im Alphabet ist, vermutet Humbert 1929Humbert, Paul: Recherches sur les sources égyptiennes de la littérature sapientiale d'Israel. Neuchâtel, 1929., S. 91, der Ausdruck „mein Tau“ bedeute etwa „mein letztes Wort“. So auch Hoffmann 1891, S. 84; Kissane 1946Kissane, Edward J.: The Book of Job. Translated from a critically revised Hebrew text with commentary. New York, 1946.; auch B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil. („da ist mein Schlussstrich“), HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen. („dies ist mein letztes Wort“), NJB („I have said my last word“), TOB („Voilà mon dernier mot“); erwogen und empfohlen auch von CTATBarthélemy, Dominique: Critique textuelle de l'Ancien Testament. Rapport final du Comité pour l'analyse textuelle de l'Ancien Testament hébreu institué par l'Alliance Biblique Universelle, établi en collaboration avec Alexander R. Hulst, Norbert Lohfink, William D. McHardy, H. Peter Rüger, coéditeur, James A. Sanders, coéditeur. Fribourg/Göttingen, 1982-2005. V, S. 303. In Ermangelung einer besseren Alternative sollte man sich für diese Lösung entscheiden; sehr befriedigend ist sie aber nicht, solange sich für diesen Gebrauch keine Parallelen finden. Am ehesten ist eine solche Offb 22,13, wo Jesus von sich sagt, er sei „das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte“, wo also der letzte Buchstabe des griech. Aphabets, Omega, für „den/das Letzte/n“ steht. Ijob hebt an zu seiner letzten Selbstverteidigung, seinem „Tau“. (zu v.35)
avDie Übersetzung wird dadurch sehr erschwert, dass die dritte Zeile verschiedentlich aufgelöst werden kann, weil sie von verschiedenen Worten und Sätzen abhängen könnte:
  • Von „Wer könnte mir geben, dass...“: „Wer könnte mir geben, dass [Gott] mich erhört ... und [dass ich] die Klageschrift [hätte], die mein Prozessgegner schrieb?!“ (Dillmann 1869Dillmann, August: Hiob. Leipzig, 1869. online unter: https://goo.gl/kSpJBX, so z.B. LUT17, ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.)
  • Von „Siehe“: „Sieh, mein Tau ... und [sieh], die Schrift...“ (Witte 2004Witte, Markus: Hiobs "Zeichen" (Hiob 31,35-37), in: Ders.: Gott und Mensch im Dialog. FS Otto Kaiser, Bd. 2. Berlin/New York, 2004., so z.B. EÜ16, HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen.)
  • Von „er möge mir antworten“: „Schaddai möge mir antworten und der Schrift [antworten]...“ (Wolfers 1995Wolfers, David: Deep Things Out of Darkness. The Book of Job. Essays and a New English Translation. Grand Rapids, 1995., so z.B. NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien., R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw.)
  • Mit V. 36: „Die Schrift, die mein Prozessgegner schrieb: Ich würde sie auf dem Nacken tragen...“ (Dhorme 1984Dhorme, Édouard: A Commentary on the Book of Job. Nashville u.a., 1984.; Strauß 2000Strauß, Hans: Hiob. Kapitel 19,1-42,17. Neukirchen-Vluyn, 2000.; Rechenmacher 2007Rechenmacher, Hans: taw und sipr in Ijob 31,35-37, in: Theodor Seidl/Stephanie Ernst: Das Buch Ijob. Gesamtdeutungen - Einzeltexte - Zentrale Themen. Frankfurt, 2007. u.a.; so schon LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.)
Indizien sind erstens, dass das „Tau“ offenbar etwas Gutes, die „Schrift des Prozessgegners“ dagegen etwas Schlechtes für Ijob ist (vgl. Rechenmacher 2007Rechenmacher, Hans: taw und sipr in Ijob 31,35-37, in: Theodor Seidl/Stephanie Ernst: Das Buch Ijob. Gesamtdeutungen - Einzeltexte - Zentrale Themen. Frankfurt, 2007., S. 178) und daher vielleicht nicht das selbe über beide ausgesagt werden soll, und v.a. zweitens, dass von der „Schrift des Prozessgegners“ die „Schrift“ ohnehin in V. 36 und der „Gegner“ in V. 37 aufgegriffen wird (vgl. ähnlich ebd., S. 175); diese Indizien sprechen etwas mehr für die vierte Auflösung. Die anderen Alternativen sind aber dennoch möglich und alle nicht unwahrscheinlich.
V. 36 beginnt mit einer neuen „Wenn“-Formulierung, die sich häufig in Ijob 31 finden. Mit V. 35c beginnt daher wohl eine neue Strophe, die bestimmt ist von Rechtsterminologie: Die Rede ist von der „Schrift“ des „Prozessgegners“ und in V. 38 von der Erde als Zeuge beim Prozess gegen Ijob (s. dort). (Zurück zu v.35)
awauf meiner Schulter tragen – wie ein Ehrenabzeichen; vgl. Jes 22,22 (vgl. auch Spr 6,21): Weil er ohne Fehl ist, ist die Anklageschrift mit den falschen Anklagen für Ijob durchaus nicht gefährlich, sondern im Gegenteil Ausweis seiner Vollkommenheit. (Zurück zu v.36)
axKrone – Im Heb. Pl. So auch in Sach 6,11.14; es gehört wohl zu den heb. Worten, die auch im Pl. Sg.-Bed. haben können. Mit Sg. übersetzen auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr.. (Zurück zu v.36)
aydie Summe meiner Schritte – all meine Schritte, die Gänze meiner Taten; Ijob ist zuversichtlich, beim Nacherzählen seines Lebens von A bis Z keiner Ungerechtigkeit bezichtigt werden zu können. (Zurück zu v.37)
azkund tun – Wortspiel: „kund tun“ ist Heb. nagad, der „Fürst“ nagid. Wie ein Fürst kann er sich ihm nahen, da er ob seiner Fehlerlosigkeit stolz und mutig auf ihn zutreten kann – und weil er eine Krone trägt, nämlich eben die Anklageschrift seines Gegners. In Ijob 19,9 beklagt sich Ijob, dass ihm mit seinem Leid die Krone genommen sei; die Widerlegung der hypothetischen Anklageschrift würde ihm diese Krone wieder geben: Er ist unschuldig; die ungerechte Anklageschrift würde auf diese Weise zum Ehrenzeichen. (Zurück zu v.37)
baV. 38 spielt das Motiv von gegen Menschen als Zeugen auftretenden Objekten ein; s. Gen 4,10; Dtn 31,28; Ps 50,4; Jes 1,2; 26,21; Mi 6,2; Hab 2,11. In Vv. 35c-36 spricht Ijob davon, dass in einer hypothetischen Anklageschrift nichts Wesentliches gegen ihn stehen könnte; in V. 38 davon, dass selbst sein Acker als möglicher Zeuge nichts gegen ihn vorbringen würde: Er hat sich ganz makellos verhalten. (Zurück zu v.38)
bbVv. 38f. verstehen viele Ausleger verblüffenderweise so, dass Ijob von sich weist, Sünden gegen die Natur begangen habe, indem er z.B. speziell Raubbau mit seinen Feldern betrieben habe (daher z.B. GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen.: „weil ich nur erntete und ihn nicht pflegte“; HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln.: „wenn ich seinen Ertrag verzehrt habe, ohne ihm zu geben, was ihm zusteht“). V. 39 spezifiziert aber, dass er von sich weist, „ohne Zahlung“ den Ertrag seines Ackers genossen zu haben und (so) „seinen Besitzer“ umgebracht habe. Hintergrund sind also wohl eher von verschuldeten Israeliten verpfändete Äcker, für die Ijob ihren eigentlichen Besitzern nichts oder zu wenig gezahlt hätte. S. zum Hintergrund z.B. Lev 27,22-25, wo sich Regelungen für den Spezialfall finden, dass ein „Käufer“ eines solchen Feldes dieses dem Tempel „heiligt“, oder Rut 4, wo NoomiDer Name heißt: lieblich. ihre Felder verpfänden möchte, vgl. auch Bodenrecht (AT) (WiBiLex). Zu unrechtlich angeeigneten Feldern s. z.B. 1 Sam 8,14f.; 1 Kön 21; Mi 2,2.
Die Üs. „Ackerleute“ in HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen. und LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs. nimmt an, dass hier ba`al („Besitzer“) als Variante von po`al („Arbeiter, Täter“) verwendet würde. Das ist sehr unwahrscheinlich; allein schon, weil sich in V. 3 die normale Form po`al findet („Täter [von Übel], [Übel-]täter“; so richtig Dick 1983Dick, Michael B.: Job 31, The Oath of Innocence, and the Sage, in: ZAW 95/1, 1983. S. 31-53., S. 36). (Zurück zu v.39)
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