Psalm 10

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Lesefassung (Psalm 10)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 10)

1 [L]a Warum, o JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., willst du fern stehen,b
Willst du dich verbergenb in Zeiten der Bedrängnis? -
2 In [seinem] Hochmut (Stolz) verfolgt der Schlechte den Elenden (Armen)c (im Hochmut des Schlechten verfolgt er den Elenden, durch den Stolz des Schlechten brennt der Elende)d
Sie werden gefangen durch die Ränke, die sie erdacht haben.e
3 Ach!, (Denn) der Schlechte rühmt seine Seele für [ihre] Lust,f
Und der Abschneiderg flucht,h verachteti JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH..
4 Der Schlechte, im Hochmut seiner Nase (in seiner Hochnäsigkeit), [denkt:]j „Er sucht nicht!“k
„Es [gibt] keinen Gott“l [sind] all' seine Gedanken.
5 Profan (stark?)m sind seine Wege allezeit,
Hoch [sind] deine Gesetze (Gerichte), fern von ihm;n
All' seine Gegner, die schnaubt er an.o
6 Er sagt in seinem Herzen (sagt sich): „Ich werde nicht wankenp von Geschlecht zu Geschlecht,
So dass (weil; [ich], der) [ich] nicht (nie) [sein werde] im Unglück.“q
7 [Von] Fluch ist sein Mund voll und [von] List und Gewalttätigkeit,
Unter seiner Zunger [ist] Mühsal und Unheil.
8 Er sitzt im Hinterhalt in Dörfern,s
Um insgeheim Unschuldige (Wehrlose) zu ermorden (wird ... morden).
[Q]a Seine Augen spähen nach dem Verfolgtent
9 Er lauert in [seinem] Versteck wie ein Löwe in einer Höhle -
Er lauert, um den Elenden zu fassen,
Fasst den Elenden, indem er ihn in sein (mit seinem) Netz zieht.u
10 Der bricht zusammen, sinkt niederi
Und fällt in die Klauen (durch die Macht) [der] Verfolger.tv
11 Er spricht in seinem Herzen (zu sich): „Gott vergisst,w
Verbirgt sein Gesicht,x Sieht nicht auf immer!“y


12 [S]a Steh auf, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.! Mein Gott (Gott),z heb deine Hand!
Vergissw die Elenden [doch] nicht!
13 Warum verachtet der Schlechte Gott,
sagt in seinem Herzen (sagt sich): „Er sucht nicht!“?k
14 [T]aDu siehst [doch], ach!, du!, Mühsal und Leid.
Untersuche [es], um (indem, so dass) zu geben (man gibt, gegeben wird) [es (ihn)] in deine (mit deiner, aus deiner) Hand.aa
Auf dich kann sich verlassen (wird sich verlassen, wird sich/es dir überlassen) der Verfolgtet,
[Weil] der Helfer der Waise du bist.ab
15 [U]a Zerbrich den Arm des Schlechten und des Bösen!
Sucheac seinad Böses (Unrecht), [bis (so dass)] du [ihn (es)] nicht mehr findest (Sucht man sein Böses, sei es nicht mehr zu finden! Wenn er nach seinem Bösen greift, soll er es nicht finden)!ae
16 [Weil] JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. König auf immer und [für alle] Zeit [ist],
Verderben Nationenaf aus seinem Land (seiner Erde).
17 [V]a Du hörst das Verlangen der Elenden, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH..
Auf die Ausrichtung ihres Herzens (richte ihr Herz aus, richte ihr Herz auf?)ag lass (du wirst, es soll/wird) horchen dein Ohr,
18 um Recht zu schaffen (indem du Recht schaffst) der Waise und dem Unterdrückten:
Es soll nicht weiterhin so weitergehen, dass ein Menschlein aus Erdeah Schrecken verbreitet (Menschlein aus dem Land herausgeschreckt werden).

Anmerkungen

Ps 10 ist kein eigenständiger Psalm, sondern der zweite Teil des einen Psalms Ps 9-10. Diese Anmerkungen sind daher die Fortsetzung der Anmerkungen zu Psalm 9.

Die Zerfaserung des Akrostichons, die am Ende von Psalm 9 eingesetzt hat, setzt sich in Psalm 10 fort. In Vv. 1-11, dem „Klage“-Abschnitt, in dem Gott die ganze Verderbtheit der Gegner vor Augen geführt werden soll, um ihn zum Handeln zu motivieren, finden sich von den sieben erwarteten Anfangsbuchstaben nur noch zwei; auch besteht der Abschnitt aus vier Zeilen zu wenig. „Erwähnung und Diskussion der Bösen, die den Zusammenbruch der ordentlichen göttlichen Ordnung repräsentieren, finden sich exakt an dem Punkt, an dem auch das Akrostichon zusammenbricht.“ (Benun 2006Benun, Ronald: Evil and the Disruption of Order: A Structural Analysis of the Acrostics in the First Book of Psalms, in: JHS 6, 2006. S. 2-30. online unter: http://goo.gl/CCr3wh, S. 6).
In Vv. 14-21schließlich wendet sich der Beter wieder mit seiner „Bitte“ an JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., in der immer wieder Appell an einen Wesenszug Gottes und Bitte um Gottes Handeln sich abwechseln: Vv. 14a: Du siehst doch - V. 14b: Untersuche!; V. 14cd: Auf dich kann sich der Verfolge verlassen - V. 15: Räche ihn!; V. 17a: Du hörst doch - Lass dein Ohr horchen!
Und von dem Moment an, da er sich von der Meditation seiner Not mit dem Ruf: „Steh auf, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.! ... Vergiss die Elenden doch nicht!“ wieder JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. zuwendet, setzt auch die akrostische Ordnung wieder ein. Der „ordnungslose“ Teil des Psalms fällt zusammen mit dem der Klage über die gottlosen Gegner (Vv. 3b-5b!), der „geordnete“ Teil des Psalms mit dessen Bittgebet an Gott. Es ist, als wolle der Psalm durch seine Form hindurch sagen: Auch, wenn die Welt nicht in Ordnung ist: Solange du nur betest, ist sie es doch, denn: „Auf Gott kann sich verlassen der Verfolgte, weil der der Helfer der Waise ist“ (V. 14).

aPs 10 ist nicht eigentlich ein eigenständiger Psalm, sondern bildet zusammen mit Ps 9 das erste sog. „Akrostichon“ in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott., die Anfangsbuchstaben einiger Zeilen folgen also dem heb. Alphabet (s. die Anmerkungen zu Psalm 9). Um das direkt sichtbar zu machen, haben wir die obigen Buchstaben gesetzt: Wo „A“ steht, findet sich im heb. Text der erste Buchstabe des heb. Alphabets, wo „B“ steht der zweite usw. (Zurück zu v.1 / zu v.8 / zu v.12 / zu v.14 / zu v.15 / zu v.17)
bfern stehen + dich verbergen - Zwei bib. Metaphern: Not wird erfahren als Abwesenheit Gottes; Gott hilft dem Notleidenden nicht, sondern „verbirgt sich“ und „hält sich fern“ von ihm. Zu „fern“ s. ähnlich Ps 10,1; 35,22; 38,22; 71,12; Jes 59,9.11 u.ö. und vgl. z.B. TWATJenni, Ernst/Claus Westermann: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament. München - Zürich, 1971-9. II, Sp. 770; dem entspricht die Rede vom „sich-Verbergen“ Gottes, s. noch Ps 55,2. (zu v.1)
cden Elenden (Armen) - häufiger Ausdruck für JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Verehrer qua hilfsbedürftige, weil bedrängte, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Verehrer (vgl. z.B. THATJenni, Ernst/Claus Westermann: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament. München - Zürich, 1971-9. II, Sp. 345f.). (Zurück zu v.2)
dtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: In [seinem] Hochmut (Stolz) verfolgt der Schlechte (im Hochmut des Schlechten verfolgt er, durch den Hochmut des Schlechten brennt) - Jede dieser drei Deutungen ist sprachlich gleichermaßen möglich. Die Konsonanten g´wt lassen sich entweder vokalisieren als ga´awath (wie das MT gemacht hat) oder als ge´ut; der Bedeutungsunterschied der beiden Wörter ist minimal. Und ga´awath lässt sich entweder deuten als das erste Glied in einer Genitivverbindung (also „im Hochmut des Schlechten“) oder das -at ist eine Variante der Endung -ah (so z.B. Gordis 1957Gordis, Robert: Psalm 9-10 - A Textual and Exegetical Study, in: JQR 48/2, 1957. S. 104-122., S. 112; Rendsburg 1991Rendsburg, Gary A.: The Strata of Biblical Hebrew, in: JNSL 17/1, 1991. S. 81-99. online unter: http://goo.gl/W8aXZe, S. 89) und also ist wie bei der Deutung als ge´ut aufzulösen: „Im Hochmut verfolgt der Schlechte“. Außerdem möglich ist die Deutung von jidlaq nicht als dalaq II („verfolgen“), sondern als dalaq I („brennen“), also „durch den Hochmut des Schlechten brennt der Elende“. Aber das wäre nicht idiomatisch, so daher fast kein Exeget - dafür aber einige Üss: H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“., HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen., MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich.: „Des Frevlers Frechheit ängstigt den Armen“; B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil., NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie., Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936.: „Durch den Hochmt der Gottlosen fiebert der Arme“; Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw., Alexander 1850Alexander, Joseph Addison: The Psalms. Translated and Explained, Vol. I. Philadelphia, 6 1850. online unter: http://goo.gl/HCLNKp: „Durch den Hochmut des Schlechten leidet der Arme“, dies wohl auch HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien.. (Zurück zu v.2)
eV. 2b lässt sich entweder verstehen als „die Schlechten fangen den Elenden durch die von ihnen erdachten Ränke“ oder wieder wie in Ps 9,16f. als „die Schlechten verfangen sich in den Ränken, die sie [selbst] erdacht haben“. In diesem Kontext - der Schilderung der Übeltaten schlechter Menschen - ist sicher erstere Deutung vorzuziehen.
Der Wechsel vom Sg. („der Schlechte“ + „der Elende“) zum Pl. (sie werden gefangen“, „die sie erdacht haben) ist als N-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f.. zu erklären: aus poetischen Gründen kann in bib. Lyrik von einer Zeile auf die nächste von einem Numerus zum nächsten gewechselt werden, ohne, dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde. Hier ohnehin unproblematisch, da „der Schlechte“ und „der Elende“ sicher generalisierende Singularnomina mit Pluralbedeutung sind: Gemeint sind schon in der ersten Zeile mehrere Schlechte und Elende.
(Zurück zu v.2)
ftFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: der Schlechte rühmt seine Seele für [ihre] Lust - schwieriger Satz. Das Verb halal fordert ein Objekt; auf den ersten Blick findet sich hier aber keines, denn was folgt, ist `al-ta´awath napscho. Die Präposition `al zeigt an, dass das Folgende nicht das Objekt des Rühmens ist, sondern das, wofür das Objekt gerühmt wird (so oft im Hitpael, für Piel s. Esra 3,11; Ps 119,164; so richtig schon Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 43). Wahrscheinlich muss man also den Satz analysieren wie folgt: `al-ta´awath ist das, wofür der Schlechte das Gerühmte rühmt, nämlich „für Lust“. ta´awath ist nicht das erste Glied in einer Genitivkonstruktion „die Lust seiner Seele“, sondern die Endung -at ist nur eine alternative Endung von ta´awah (dazu vgl. wieder Rendsburg 1991Rendsburg, Gary A.: The Strata of Biblical Hebrew, in: JNSL 17/1, 1991. S. 81-99. online unter: http://goo.gl/W8aXZe, S. 89f.), daher ist napscho nicht als Genitiv „seiner Seele“ zu analysieren, sondern als das gesuchte Objekt von halal: „Er rühmt für Lust seine Seele“. Alternativ sind viele verschiedene Textkorrekturvorschläge gemacht worden; am besten sicher Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 39: „Der Schlechte rühmt Bos[heit], / der Halsabschneider und segnet sein Verlangen.“ (Zurück zu v.3)
gAbschneider = Erpresser; das Verb batsa` („abschneiden“) findet sich oft in der Bed. „erpressen“ in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott.. Schön Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936.: „Halsabschneider“. (Zurück zu v.3)
hflucht - barak hier wie oft nicht in der Bed. „segnet“, sd. „flucht“; vgl. z.B. Schorch 2000Schorch, Stefan: Euphemismen in der Hebräischen Bibel. Wiesbaden, 2000., S. 101f. So fast alle Üss. (Zurück zu v.3)
iflucht, verachtet (V. 3) + bricht zusammen, sinkt nieder (V. 10) - zur Konstruktion vgl. Müller 2013bMüller, Achim: Co-Position bei Verben: Asyndetische Reihung von Verben in der AK, in: KUSATU 15, 2013. S. 49-76. online unter: https://goo.gl/1U1ggh, S. 62f.: Zwei Verben werden ohne Konjunktion aneinander angeschlossen, um den Ausdruck noch stärker zu machen (vgl. S. 68). (Zurück zu v.3 / zu v.10)
j[denkt:] - Zu Einleitungen wörtl. Rede ohne ein verbum dicendi/sentiendi wie „sagt“ oder „denkt“ vgl. z.B. Gordis 1949Gordis, Robert: Quotations as a Literary Usage in Biblical, Oriental and Rabbinic Literature, in: HUCA 22, 1949. S. 157-219., S. 174-176; zwei Bspp: Pred 8,2: „Ich [sage]:...“; Hos 14,8: „Ephraim [soll sagen:]...“ (Zurück zu v.4)
kEr sucht nicht = kurz für „Gott rächt schlechte Taten nicht“, s. Ps 9,13 und dazu FN w. Gut daher Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949.: „Er wird nicht rächen“; Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., Gordis 1957Gordis, Robert: Psalm 9-10 - A Textual and Exegetical Study, in: JQR 48/2, 1957. S. 104-122., S. 121, HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen.: „Gott straft nicht“; H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“., Weber 2001Weber, Beat: Werkbuch Psalmen I. Die Psalmen 1-72. Stuttgart, 2001.: „Er wird nicht ahnden“.
In V. 4 auch möglich: „Im Hochmut seiner Nase sucht der Frevler nicht“, nämlich Gott (zu „Gott suchen“ als Ausdruck für die Verehrung JHWHs vgl. FN t zu Ps 9,11). Das Zitat unseres Verses in 10,13 zeigt aber, dass „Er sucht nicht!“ hier die Gedanken des Schlechten sind (so richtig Gordis 1957Gordis, Robert: Psalm 9-10 - A Textual and Exegetical Study, in: JQR 48/2, 1957. S. 104-122., S. 113). (Zurück zu v.4 / zu v.13)
lEs gibt keinen Gott ist keine theoretische Leugnung der Existenz Gottes an sich, die im Alten Israel schwer vorstellbar wäre, sondern eine praktische: Der Schlechte lebt, als gäbe es keinen (rächenden!) Gott. „Für den hochnäsigen Frevler ist Gott eine quantité négligeable, dem kein Recht etwas zu ahnden zusteht.“ (Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., S. 70). (Zurück zu v.4)
mProfan - „Die Wege sind profan“ = „seine Wege sind nicht Gottes Weg“, d.h. er lebt nicht so, wie dies Gottes Weisung entsprechen würde. Sinnvoll Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953.: „His ways are impious at all times“.
tFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Für diese Deutung hat man entweder mit Goldingay 2006Goldingay, John: Psalms. Volume 1: Psalms 1-41. Grand Rapids, 2006., S. 164 davon auszugehen, dass zu chalal („profanieren“) eine Nebenform chul existierte, von der das Wort gebildet ist, oder mit Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 41 zu emendieren nach jechallu von chalal.
stark? - Sehr viele orientieren sich an TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. („seine Wege gedeihen“) und mutmaßen, TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. habe das heb. Wort auf die aram. Wurzel chjl („stärken“) zurückgeführt, die nur hier und in Ijob 20,21 auch für das Heb. anzunehmen sei. Das ist recht zweifelhaft. Erstens übersetzt auch TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. nicht mit chjl, was ein Indiz dafür ist, dass auch im Aramäischen „starke Wege“ nicht idiomatisch sind, zweitens bedeutet das aram. chajel nicht „stark sein“, sondern nur „stärken“, drittens muss das Wort in Ijob 20,21 dann auch noch in einer anderen Bed., nämlich „Bestand haben“, genommen werden, wo es sich auch dann nur schwer in den Kontext fügt (vgl. ähnlich Goldingay 2006Goldingay, John: Psalms. Volume 1: Psalms 1-41. Grand Rapids, 2006., S. 164). Auch mit den anderen alten Üss. lässt sich diese Deutung nicht stützen: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. verbinden wie wir mit chalal („entweihen“) („Profan sind seine Wege“), Hieronymus, AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., Quinta und Saadja mit chjl („kreisen, sich winden“) (H: „Seine Wege kreisen alle Zeit“, AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines.+Q: „Seine Wege schmerzen“, S: „Immer von Neuem beginnen seine Pläne“). Letzterer Deutung folgt übrigens auch Eerdmans 1947Eerdmans, B. D.: The Hebrew Book of Psalms. Leiden, 1947.: „His ways are wavering“. (Zurück zu v.5)
nHoch [sind] deine Gesetze, fern von ihm - d.h. wieder: Um Gott und seine Weisung schert sich der Schlechte nicht im Geringsten. Schön Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs.: „Hoch droben und fern von sich wähnt er deine Gerichte.“ (Zurück zu v.5)
oschnauben nur hier in dieser Bed.; gemeint ist wohl das niedergemacht-Werden Gedrückter durch ihre Unterdrücker. Vgl. das ähnliche Wort scha´ap in Ps 56,2f.; 75,4; Ez 36,3. Am besten Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.: „All seine Gegner faucht/fährt er an“; sinnvoll auch HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien., PATKurz für „Pattloch Bibel“; Bezeichnung für die Übersetzung durch Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger - drei exegetischen Schwergewichtern - von 1955. Völlig zu Unrecht so unbekannt: Gutes Gleichgewicht von Wörtlichkeit und Lesbarkeit. Hamp schreibt zum Profil: „Unsere Ausgabe bietet eine ungekürzte Übertragung aus den Grundtexten, de einerseits möglichst getreu den Sinn der Verfasser zu treffen sucht, andererseits einen verständlichen und flüssigen deutschen Stil anstrebt. Veraltete und ungebräuchlich gewordene Ausdrücke, die in den Bibelübersetzungen oft lange Zeit mitgeschleppt werden, wurden durch neue ersetzt.“: „er verspottet seine Feinde“, H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“., MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich., R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw.: „er höhnt seine Gegner aus“. (Zurück zu v.5)
pwanken - Das „Wanken“ ist in der biblischen Poesie eine häufige Metapher für eine Gefährdung, aus der direkt Vernichtung und Tod folgt. Wer dagegen „nicht wankt“ ist sicher und geschützt und wird daher ewig bestehen; s. bes. gut Spr 10,30; 12,3; auch Ps 16,8; 46,6f; 62,3.7; 112,6; 125,1. Wie an den Stellen zu sehen ist, handelt es sich bei diesem nicht-Wanken meist um eine Gnadengabe Gottes; hier dagegen wird es gerade auf die Nichtexistenz Gottes zurückgeführt. (Zurück zu v.6)
qSo dass (weil; [ich], der) [ich] nicht (nie) [sein werde] im Unglück. - die Üs. folgt im Großen und Ganzen Alexander 1850Alexander, Joseph Addison: The Psalms. Translated and Explained, Vol. I. Philadelphia, 6 1850. online unter: http://goo.gl/HCLNKp, versteht aber ´ascher als Einleitung eines adverbialen Nebensatzes (vgl. Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 111f.). Alternativ hat für diese Zeile fast jeder Exeget einen eigenen Textkorrekturvorschlag vorgelegt. (Zurück zu v.6)
runter seiner Zunge - das „unter“ ist wohl nicht bedeutsam (anders Gordis 1957Gordis, Robert: Psalm 9-10 - A Textual and Exegetical Study, in: JQR 48/2, 1957. S. 104-122., S. 115: „Not ‚on his tongue,‘ but ‚under his tongue,‘ i.e., as a delicacy“): Unter seiner Zunge liegen „Mühsal und Unheil“ also gerade die (spürbaren) Effekte seiner List und Gewalttätigkeit (gut daher NGÜNT- und Psalmenübersetzung der Genfer Bibelgesellschaft 2000-2011. Eine vorbildliche Verknüpfung von philologischer Genauigkeit und kommunikativer Flüssigkeit.: „Was sie von sich geben, bringt anderen Unheil und Schaden“). „Sein Mund ist voll von X“ und „Unter seiner Zunge ist X“ sind also wohl Synonyme: Was er auch von sich gibt, ist schlecht, gemein und schädlich. (Zurück zu v.7)
sDörfer wird gern korrigiert, zum Sinn aber gut Gordis 1957Gordis, Robert: Psalm 9-10 - A Textual and Exegetical Study, in: JQR 48/2, 1957. S. 104-122., S. 116: „chtsrjm is an unwalled settlement (defined as such in Lev 25,31), a peaceful village where violence is not normally expected and hence not guarded against. nqj is its parallel, meaning ‚innocent‘ in its etymological sense, ‚doing no harm,‘ actually ‚unarmed.‘ [...] The passage emphasizes the enormity of the crime, against which no precautions have been taken.“ (Zurück zu v.8)
ttFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Verfolgten (V. 8) + Verfolger (V. 10) + Verfolgte (V. 14) - unsicheres Wort, in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. nur in Ps 10 zu finden. Zusätzlich verkompliziert wird die Sache dadurch, dass es in zwei verschiedenen Formen vorliegt: im Sg. chelkah in Vv. 8.14 und im dann ungewöhnlichen Pl. chelka´im in V. 10. Und noch mal verkomplizierend kommt hinzu, dass sich dieser ungewöhnliche Plural mehrere Male in den Qumran-Texten findet (s. 1QH XI 25f.; XII 25.35; 4Q432 Frg 4 II,1) und dort offensichtlich eine Bezeichnung für Übeltäter ist, während hier in Vv. 8.14 offensichtlich mit dem Sg. der Elende gemeint ist.

Wir folgen der Deutung von Komlós 1957Komlós, O.: The Meaning of [[:Vorlage:Heb]]הלכאים - חלכה[[:Vorlage:Heb ende]], in: JSS 2, 1957. S. 243-246.: Weil das Wort in 1QH XI 26; hier und übrigens auch in 4Q432 Frg 4 II,1 im Zhg. mit Netzen genannt wird, leitet er ab vom heb. chkh („Haken“); die chelka´im sind dann die „Hakenden“, also die Verfolger; der chelkah dagegen der „Gehakte“, also der Verfolgte. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949., S. 76 FN 16, der das Wort vom akkadischen hallku („Flüchtling“) ableiten will.

Die übliche Deutung als „Unglücklicher“ nach einer Ableitung vom arabischen chalaka („schwarz sein“, so z.B. Wallenstein 1954Wallenstein, M.: Some Lexical Material in the Judean Scrolls, in: VT 4, 1954. S. 211-214., S. 214; Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 355) ist vor dem Hintergrund der Qumran-Stellen nicht gut möglich, weil zwar noch einzusehen wäre, wie aus „schwarz“ die Bedeutung „Unglücklicher“ oder „Böser“ entstehen soll, aber nur schwerlich, wie daraus beide Bedeutungen gleichzeitig entstanden sein sollen. Zu einem weiteren, aber unwahrscheinlichen Vorschlag vgl. Simpson 1969Simpson, W.: Some Egyptian Light on a Translation Problem in Psalm X, in: VT 19/1, 1969. S. 128-131.. (Zurück zu v.8 / zu v.10 / zu v.14)
uin sein (mit seinem) Netz zieht - ein plötzlicher Übergang von der Löwenmetapher zur Fischermetapher, nachdem von V. 8 auf V. 9 schon ebenso plötzlich von der Räubermetapher zur Löwenmetapher gewechselt wurde. Solche schnellen Metaphern-wechsel sind im Heb. normal und der Text also nicht problematisch, während sie im Dt. etwas kurios wirken - vgl. nur in Ps 9,4-13 die Darstellung Gottes als Streiter (V. 4), als königlicher Richter (Vv. 5f.), wieder als Streiter (V. 7), wieder als Richter (V. 9), als Zuflucht (Vv. 10f.) und als Bluträcher (V. 13). Auch hier wird im nächsten VersEin Teil in einem Kapitel. wieder zur Löwenmetapher und in V. 11 wieder zur Fischermetapher zurückgewechselt. Zur Fischermetapher für Vernichtung s. noch Jer 16,16; Am 4,2; Hab 1,15f.; die Fischermetapher passt in der heb. „Metaphernwelt“ besser zur Löwenmetapher als im Dt. (Zurück zu v.9)
vV. 10 - Die meisten gehen davon aus, dass die chelka´im in V. 10 die selben sind wie der „Verfolgte“ in Vv. 8.14 (vgl. dazu FN u; aus diesem Grund muss dann anders übersetzt werden. Für unsere Deutung muss mit Komlós 1957Komlós, O.: The Meaning of [[:Vorlage:Heb]]הלכאים - חלכה[[:Vorlage:Heb ende]], in: JSS 2, 1957. S. 243-246., S. 246, der ursprünglich vokallose Konsonantentext ein wenig anders vokalisiert werden.

Nach der anderen Deutung der chelka´im ist entweder zu übersetzen: „Der bricht zusammen, sinkt nieder / und es fallen die Unglücklichen/Verfolgten in seine (=des Schlechten) Klauen/durch seine Macht“, oder (schöner): „Er duckt sich und bückt sich [wie ein Löwe vor dem Sprung] / und der Unglückliche fällt in seine Klauen“ (so z.B. Olshausen 1853Olshausen, Justus: Die Psalmen. Erklärt. Leipzig, 1853. online unter: http://goo.gl/mR9E53; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003.).

Letzters auch schon bei Saadja: „Die[se] Worte [...] stellen das Verhalten des Löwen dar. Wenn sich derselbe nämlich zum Sprunge vorbereitet, so duckt er sich erst, um sich zu sammeln [...]. Ebenso der Frevler. Siehst du ihn sich vor dir erniedrigen und dich mit Sanftmuth anreden, so hüte dich vor ihm, denn dies ist Verstellung [...].“ (Üs. nach Margulies 1884Margulies, S. H.: Saadia Al-fajûmî´s arabische Psalmenübersetzung. Nach einer münchener Handschrift herausgegeben und ins Deutsche übertragen. Breslau, 1884. online unter: https://goo.gl/QBMiYF). (Zurück zu v.10)
wGott vergisst (V. 11) + Vergiss (V. 12) - Die Rede vom „Vergessen“ Gottes meint meist sein aktives sich-Abwenden von jmdn (s. z.B. 1 Sam 1,11; Ps 13,2; 42,10; 44,25; Jes 49,14; Klg 5,20). In V. 11 schert sich der Schlechte also wieder überhaupt nicht um die Existenz Gottes und seiner Weisung; er lebt, als würde Gott seine Freveltaten einfach ignorieren. Darum ruft der Elende, weil von dem Schlechten gedrückte, Psalmist in V. 12 Gott auf, doch nun endlich einzuschreiten: Steh auf!, d.h., werde aktiv! Heb deine Hand, d.h. mach' jetzt was! Vergiss nicht!, d.h. wende dich dem Elenden gnädig zu! (Zurück zu v.11 / zu v.12)
xDass Gott sein Gesicht verbirgt, ist eine häufige Metapher für den Gnadenentzug JHWHs (s. FN u zu Ps 30,8); in unserem Kontext ist es aber besser nicht als Metapher zu nehmen, sondern als alternative Formulierung für den nächsten Satz: „Gott sieht nicht“. S. zu dieser Bedeutung z.B. Ex 3,6 oder ganz ähnlich wie hier Ps 51,11. (Zurück zu v.11)
ySieht nicht auf immer - d.h., schert sich nicht um das Geschehen auf der Welt, so dass man ihn in seinem Handeln getrost ignorieren kann.
Man beachte die Häufung an Verben in Vv. 9b-11: Die Klage über das Verhalten der Schlechten kommt hier zu ihrer Klimax, die einzelnen Anklagen überstürzen sich regelrecht im Gebet des Psalmisten. (Zurück zu v.11)
zTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Mein Gott (Gott) - Der MT hat „Gott“; AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und (nach einigen Handschriften) auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. lag aber offenbar ein heb. Text vor, in dem „mein Gott“ stand. Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 4040 ist eine wichtige Zahl. Die Juden waren 40 Jahre in der Wüste. Jesus war 40 Tage in der Wüste. etwa hält das für ursprünglicher, und da MT nur von VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und Hieronymus gestützt wird, während TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. auch „Gott“ streicht, sollte man sich dem wohl besser anschließen. (Zurück zu v.12)
aaSehr schwieriger Satz. Am sinnvollsten ist der Deutungsvorschlag von von Lengerke 1847von Lengerke, Caesar: Die fünf Bücher der Psalmen. Auslegung und Verdeutschung. Erster Band. Königsberg, 1847. online unter: https://goo.gl/QAovTb, S. 48: Gott soll [es, nämlich Mühsal und Leid,] in seine Hände „geben“, d.h. sammeln. Vgl. Ps 56,9: „Sammle meine Tränen in deinem Schlauch. Stehen sie nicht in deinem Buch?“ - d.h.: Gott soll über das Leid des Elenden „Buch führen“. Und vgl. Jes 49,16: „In meine Hände habe ich dich geritzt“. Gott soll Mühsal und Leid also nicht ignorieren, sondern „untersuchen“, und dann im Kopf - oder hier: in der Hand - behalten. Zu übersetzen wäre dann: „indem du [es] in deiner Hand sammelst“ oder freier etwas wie „Schließlich beachtest du Leid und verzeichnest es gar.“
Genauer: Der Satz besteht nur aus zwei Worten: latet, dem Wort natan („geben“) in der Verbform Liqtol, und bejadecha, also „deine Hand“ plus die Präposition be („in, aus, mit, durch,...“). Ein Verb im Liqtol ist „sowohl atemporal als auch apersonal“ (A-CArnold, Bill T./John H. Choi: A Guide to Biblical Hebrew Syntax. Cambridge, 2003. §3.4.1); jeweils aus dem Kontext muss daher erschlossen werden, wer das Subjekt des Verbs ist, wann die mit dem Verb bezeichnete Handlung stattfindet und welche Art von Nebensatz mit dem Verb gebildet werden soll (hier am wahrscheinlichsten: Final („damit“), konsekutiv („so dass“) oder spezifikativ („indem“)). Möglich ist daher neben der obigen jede der folgenden Deutungen des Nebensatzes: Gott soll Mühsal und Leid „untersuchen“ - d.h., darauf reagieren -
  • „indem er [es] [dem Leidenden ab- und] in seine Hand gibt“. So z.B. NGÜNT- und Psalmenübersetzung der Genfer Bibelgesellschaft 2000-2011. Eine vorbildliche Verknüpfung von philologischer Genauigkeit und kommunikativer Flüssigkeit.: „du nimmst das Schicksal [der Leidenden] in deine Hände.“
  • „indem er [sie] (nämlich die Schlechten) in seine Hand gibt“, nämlich um sie zu bestrafen. So LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr.; heute niemand mehr.
  • „indem er mit seiner Hand gibt“, d.h. den Leidenden sozusagen als Entschädigung für die Mühsal mit Wohltaten segnet. So z.B. TAFKurz für „Tafelbibel“, die Bibelübersetzung von Leonhard und Ludwig Tafel. Sehr wörtliche Übersetzung; laut eigener Auskunft hatte Tafel allein im Alten Testament 40.000 Verbesserungen veranstaltet. Interessant, da hier häufiger auch seltenere Übersetzungsweisen gefunden werden können.: „um [besser: indem] mit Deiner Hand zu geben“; so wohl auch GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen.: „Du siehst all das Leiden und Unheil und du kannst helfen.“ So schon TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische., auch NKJVNew King James Version.
  • oder: „indem er mit seiner Hand gibt“, d.h. dem Schlechten seine Übeltaten vergilt. So wohl NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien.: „Du merkst es und du bestrafst sie.“ Beides kombiniert FREE: „Du schaust auf Mühsal und Gram, um zu vergelten durch deine Hand.“
  • sehr interessant, aber auch sehr unwahrscheinlich B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil. und R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw., die den Nebensatz nicht zum vorigen, sondern zum nächsten Satz ziehen: B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil.: „es in deine Hand zu geben [besser: indem er es in deine Hand gibt, so YLTYoung's Literal Translation] überläßts der Elende dir“; R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw.: „indem er sich in deine Hand gibt, verlässt sich auf dich der Verfolgte.“
  • auch interessant, aber nicht sehr wahrscheinlich: latet bejadeka ist gleichbedeutend mit dem dt. und engl. Idiom „etwas selbst in die Hand nehmen“: „Du schaust auf Mühsal und Leid, um [dann die Sache selbst] in die Hand zu nehmen“. So BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll., Weber 2001Weber, Beat: Werkbuch Psalmen I. Die Psalmen 1-72. Stuttgart, 2001. und einige engl. Bibeln, z.B. CEBCommon English Bible, CJBComplete Jewish Bible, HCSBHolman Christian Standard Bible, wohl auch NCVNew Century Version, NIRVNew International Reader's Version.
  • Vielleicht könnte man auch an Sir 2,22 denken: „Wir wollen lieber in die Hände des Herrn fallen als in die Hände der Menschen“ - und dann davon ausgehen, dass V. 14 im Kontrast zu V. 10 stehen soll, wo der Elende in die Klauen der Schlechten gefallen ist: „indem du [sie (=die Elenden)] [aus den Klauen der Schlechten] in deine Hand gibst“. Aber dafür wäre das Objekt - die Elenden - wohl zu weit weg; zuletzt wurden sie in V. 12 genannt. Oder das Objekt ist der Verfolgte in der nächsten Zeile; solche rückwirkenden Brachylogien finden sich häufiger im Heb. Diese Deutung hätte den schönen Nebeneffekt, dass die viermalige Rede von den „Händen“ in Vv. 10-15 über Kreuz läuft: Der Elende ist in die Klauen der Verfolger gefallen (V. 10), Gott soll ihn stattdessen in seine Hand geben (V. 14). Gott soll seine Hand heben, also aktiv werden (V. 12), aber die Arme der Schlechten zerbrechen, also ihre Aktivität unterbinden (V. 15). (Zurück zu v.14)
abtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant. - Die Verbformen in V. 14 (Qatal - Yiqtol - Yiqtol - Qatal) müssen nicht mit Zuber 1986Zuber, Beat: Die Psalmen. Eine Studienübersetzung unter besonderer Berücksichtigung des hebräischen Tempus. Heidelberg, 1986. als (bedeutungsloser) T-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f.. zu erklärt werden. V. 14a ist eine gnomische Aussage, 14b ein Wunsch. In 14c ist das Yiqtol ein abilitives Yiqtol und das Qatal in 14d mit der Wortstellung X-Qatal ist ein unmarkierter NebensatzIm Gegensatz zu den sequentiellen Verbformen Wayyiqtol und Weqatal werden die nicht-sequentiellen Verbformen Qatal und Yiqtol häufig verwendet, um sonst unmarkierte Nebensätze zu bilden. Wegen der Modalität von Qatal und Yiqtol findet sich dabei Qatal meist in vor- und gleichzeitigen Temporalsätzen, Kausal- und Konditionalsätzen; Yiqtol meist in nachzeitigen Temporalsätzen, Final-, Konsekutiv- und ebenfalls Konditionalsätzen. Doch ist dies nur eine Regelmäßigkeit, keine Regel. Oft werden diese Nebensätze zusätzlich markiert durch die sonst umotivierte Worstellung X-VERB; allerdings gibt es auch hiervon viele Ausnahmen. mit kausaler Sinnrichtung. (Zurück zu v.14)
acSuche wieder i.S.v. „räche“, vgl. wieder FN w zu Ps 9,13. Gut Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949.: „Räche sein Unrecht!“; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003.: „Pursue his crime!“, Weber 2001Weber, Beat: Werkbuch Psalmen I. Die Psalmen 1-72. Stuttgart, 2001.: „Ahnde seinen Frevel!“ (Zurück zu v.15)
adsein = „ihr“, das des Schlechten und Bösen. Theoretisch könnte man alternativ auflösen: „Zerbrich den Arm des Bösen! / Und vom Schlechten suche sein Böses (=Und suche das Böse des Schlechten), bis...“. So wollten schon die Masoreten den VersEin Teil in einem Kapitel. verstanden wissen, aber das ist von der Zahl der Worte, die dann auf die einzelnen Zeilen fallen würden, recht unwahrscheinlich. (Zurück zu v.15)
aeV. 15b ist entweder so zu verstehen, dass „finden“ der Korrespondenzbegriff von „suchen“ ist („Räche so lange, bis nichts mehr zu rächen ist (weil die Übeltaten ausgegolten sind)!“). So z.B. BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll.: „Verfolge das Unrecht, das er begangen hat, bis du nichts mehr davon findest.“ Oder - wegen V. 16 in der Tat wahrscheinlicher -: „Räche dich so lange an den Schlechten, bis sie überhaupt nicht mehr existieren!“. So z.B. H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“.: „Ahnde bis zur Vernichtung des Bösewichts Sünde!“, STADDie freie jüdische Psalmenübersetzung von Alisa Stadler, der „jüdischen Psalmsängerin unserer Tage“ (Schalom ben Chorin). Eher für Psalmenliebhaber und als Inspiration für die Übertragung der LF interessant als für Exegese und Übersetzungsvergleich; noch mehr aber für Bibliophile: Ein ganz wundervoll gestaltetes Buch.: „Strafe den Bösen, damit er verschwinde“.
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. übersetzen impersonal (=erste Übersetzungsalternative). Entweder ändern sie dafür den Text oder lesen die 2. Pers. als impersonal, wie sich das bisweilen findet (vgl. GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. §144c; so z.B. Gordis 1957Gordis, Robert: Psalm 9-10 - A Textual and Exegetical Study, in: JQR 48/2, 1957. S. 104-122., S. 118). Dem folgt auch eine ganze Reihe Üss. Die zweite Übersetzungsalternative ist als Übersetzung auch ohne Textänderungen möglich und wird so von Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. onine unter: http://goo.gl/r9Wpjj und R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw. vertreten. Beides ist ganz unwahrscheinlich; darasch ist in Ps 9-10 ein Leitwort, mit dem das Rächen Gottes bezeichnet wird. (Zurück zu v.15)
afNationen - Heb. gojim, oft verwendet für Nationen qua heidnische Nationen; sinngemäßer daher „Heidenvölker“ (ähnlich z.B. Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949.; Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. onine unter: http://goo.gl/r9Wpjj; Weber 2001Weber, Beat: Werkbuch Psalmen I. Die Psalmen 1-72. Stuttgart, 2001.: „Heiden“). (Zurück zu v.16)
agdie Bereitung ihres Herzens (bereite ihr Herz) meint wahrscheinlich das Gebet; die Zeile ist damit eine synonyme Formulierung der vorigen Zeile. S.u. So auch R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw.: „ihres Herzens Sorgen neige hin Dein Ohr“.
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Heb. takin libam. takin ist ein Verb in der 2. Pers., das neben MT auch TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische., AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. und Hieronymus vorliegen hatten („du wirst/sollst bereiten/hast bereitet ihre Herzen“); LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. übersetzen aber mit einem Nomen, nämlich entweder „die Bereitung ihres Herzens“ (LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr.), „die Aussage ihres Herzens“ (SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX.) oder „das Begehren ihres Herzens“ (VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.). Alle vier lassen sich zurückführen auf hakin libam, „das Bereiten ihres Herzens“. Dem wird man besser folgen müssen: Fast alle Kommentare und Üss. übersetzen mit „stärke ihre Herzen“ oder „richte ihre Herzen auf“. Aber die Wendung „das Herz bereiten“ findet sich in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. häufig und mit einer stabilen Bedeutung: kun meint entweder „zurichten“ oder „ausrichten“ und „das Herz zu-/ausrichten“ meint daher stets entweder, dass ein Herz zum Gebet „zugerichtet“, also vorbereitet ist (s. Ps 57,8; 108,2), oder dass ein Herz auf Gott oder seine Gebote „ausgerichtet“ ist (s. 1 Sam 7,3; 2 Chr 12,14; 19,3; 20,33; 30,19; Esra 7,10; Ps 78,8; 112,7; vom ausgerichtet-sein im Gebet: Ijob 11,13). Eine parallele Formulierung zum MT unserer Stelle findet sich in 1 Chr 29,18: „Richte ihr Herz zu dir!“. Diese Bedeutung hätte MT auch hier, es fügt sich aber in dieser Bedeutung nur schwerlich in den Kontext. Das tabin („nimm ihr Herz wahr“) in einigen Handschriften ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Schreiber das schlecht passende Wort korrigieren wollten. Besser daher als hakin: Die „Ausrichtung ihres Herzens“ meint wie in Ijob 11,13 das Gebet; „Auf die Ausrichtung ihres Herzens lass dein Ohr horchen“ und „du hörst das Verlangen der Elenden“ sind also synonyme Formulierungen. So auch der Midrasch, wo unsere Stelle kommentiert wird wie folgt: „R. Josua (Samuel) bar Nachman hat gesagt: Wenn der Mensch sein Herz auf das Gebet richtet, so kann er versichert sein, dass sein Gebet erhört wird [...].“ (Üs. nach Wünsche 1892Wünsche, August: Midrasch Tehillim oder Haggadische Erklärung der Psalmen. Erster Band. Trier, 1892. online unter: http://goo.gl/3sigsC, S. 98). Auf anderem Wege zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Gordis 1957Gordis, Robert: Psalm 9-10 - A Textual and Exegetical Study, in: JQR 48/2, 1957. S. 104-122., S. 119, der sehr unwahrscheinlich ein Substantiv takin mit der Bedeutung „Inhalt“ ansetzt („dem Inhalt ihres Herzens lausche“) und BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia und Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 41, die hegjon („Nachsinnen, Beten“) lesen wollen („dem Beten ihres Herzens lausche“), was aber die alten Übersetzungen nicht gut erklärt. (Zurück zu v.17)
ahMenschlein aus Erde - Die letzte Zeile ist sehr nahe an den den letzten beiden Zeilen von Ps 9. Wieder wählt der Dichter bewusst das Wort ´enosch, mit dem oft der Mensch qua schwaches Wesen bezeichnet wird (vgl. z.B. TWOT 136a). Das „aus der Erde“ soll dies noch zusätzlich unterstreichen. (Zurück zu v.18)
Andere Fassungen von Psalm 10
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