Psalm 14

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Lesefassung (Psalm 14)

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Anmerkungen

Studienfassung (Psalm 14)

1Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden; [Vorzutragen vom] Vorsteher [über das Ritual]).a
Von (für, über, nach Art von) David.

Es sagt (sagte) [der] Narr in seinem Herzen (es sagte sich der Narr):
„Es gibt keinen Gott!“b
Sie begehen, verbrechen (begingen, verbrachen) Übeltatc
[Es gibt (gab)] keinen, [der] Gutes tut.


2 JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. beugte (beugt) sich (blickt?) vom Himmel herab
Über [die] Menschenkinder,
Um zu sehen, [ob] es gibt einen Klugen,
Einen Gott-Sucher (einen Klugen, [der] Gott sucht):d
3 „Die Gesamtheit ist (war) abgefallen,
Sämtlich sind (waren) sie verdorben.
Keinen [gibt (gab) es], [der] Gutes tut;
Keinen. Auch nicht einen [einzigen].
4 Wissen [denn] nicht[s] alle Übel-Täter,
[Die] mein Volk fressen?
Sie fressen Brot,e
[Doch] JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. rufen sie nicht an.“

5 Da erschraken sie einen Schrecken,f
Weil Gott mit [dem] gerechten Geschlecht [war]:g
6[Die] Plän[e] des Armen wollt ihr zuschanden machen,
Doch JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. [ist] sein Schutz!“


7 Möge es doch vom Zionh Rettung für Israel geben!i
Wenn JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. das Geschick (die Gefangenschaft) seines Volkes wendet,
Möge Jakobj jubeln, Israel sich freuen!

Anmerkungen

Psalm 14 ist ein weisheitlicher Klagepsalm. In V. 1 wird die Verderbtheit der gesamten Menschheit beklagt. Dieser Zustand wird in Vv. 2-6 zum Anlass für eine Besinnung über das vergangene Handeln Gottes in ähnlicher Situation: Eine Prüfung Gottes ergab, dass die gesamte Menschheit verdorben ist und sich sowohl ihren Mitmenschen als auch Gott gegenüber unangemessen verhält. Vv. 5f. schildern das Resultat dieser Prüfung: Die Übeltäter „erschraken einen Schrecken“, weil Gott sich erzürnt auf die Seite seines von ihnen unterdrückten Volkes stellte. In V. 7 schließt an diese Besinnung der Wunsch an, dass Gott doch auch jetzt wieder ebenso handeln möge: Gott möge das Geschick der von gänzlich verderbten Feinden unterdrückten Israeliten wenden, so dass sie wieder Grund zu Jubel und Freude haben.

In Vv. 1-4 finden sich dabei einige verbreitete weisheitliche Motive (zum Folgendem s. näher z.B. Weisheit (WAM); speziell zu Ps 14 gut z.B. Caquot 1959Caquot, André: Sur une désignation vétéro-testamentaire de „l'insensé“, in: RHR 155/1, 1959. S. 1-16. online unter: http://goo.gl/DQs1dg, S. 1f.): Einander gegenübergestellt werden der „verderblich handelnde Narr“ (V. 1), der „nichts weiß“ (V. 4), und der Gott suchende Kluge (V. 2). Dahinter steht folgender Vorstellungskomplex: Gott hat die Welt wohl geordnet. Die Aufgabe des Menschen ist es daher, die „Regeln“ dieser von Gott geordneten Welt zu suchen und dann gott- und regelgemäß zu handeln. So auch hier: Der „Kluge“ wird in V. 2 gleichgesetzt mit dem „Gott-Sucher“. Sein Widerpart ist der „Narr“, der sich um die Ordnung der Welt und Gott nicht schert: der lebt, als „gäbe es Gott nicht“ (V. 1), sich daher an der kosmischen Ordnung auch nicht stört, sondern im Gegensatz zum Weisen „nichts weiß“ und daher gott- und regelvergessen Übeltat auf „Übeltat vergeht, verbricht“ - bes., indem er „JHWHs Volk frisst“ und selbst beim „Brot-fressen“ keinen Gedanken an den verschwendet, dem er dieses Brot verdankt.

Einige Worte noch zu zwei überlieferungsgeschichtlich ungemein spannenden Besonderheiten des Psalms: (1) Psalm 14 ist doppelt überliefert und findet sich noch einmal in leicht abgewandelter Form als Psalm 53 an einer anderen Stelle des Psalters. Neben einigen stilistischen Veränderungen unterscheiden sich die beiden Psalmen v.a. in den Versen Ps 14,5f. und 53,6, die so unterschiedlich sind, dass man allenfalls davon ausgehen kann, dass die eine Stelle dem Verfasser der anderen Stelle als Inspirationsquelle gedient hat. Welche von beiden Fassungen die ältere ist, ist nicht mehr zu ermitteln.
(2) Eine weitere überlieferungsgeschichtliche Besonderheit findet sich in LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und selbst einigen jüngeren heb. Handschriften: Paulus zitiert Ps 14,3 in Röm 3,12 und schließt daran in Vv. 13-18 eine Blütenlese aus anderen atl. Bibelstellen an. Ein LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.-Schreiber hat diese Blütenlese als Bestandteil von Ps 14 angesehen und sie nach V. 3 eingefügt, was von dort aus dann in VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und besagte heb. Mss übernommen worden ist.

aChorleiter - Heb. menatseach; genaue Bedeutung unklar. Die Primärübersetzung „Chorleiter“ ist mehr oder weniger Konvention.
Für einen guten Vorschlag zur Deutung vgl. Sawyer 2011bSawyer, John F. A.: The Terminology of the Psalm Headings, in: Ders.: Sacred Texts and Sacred Meanings. Studies in Biblical Language and Literature. Sheffield, 2011.: In akkadischen Ritualtexten gibt es ähnliche Angaben wie in den Psalmüberschriften; u.a. wird dort häufig spezifiziert, wer den folgenden Text vorzutragen hat und welches Ritual Anlass des jeweiligen Ritualtextes ist. Entsprechend wäre dann in den Psalmen der menatseach nicht der „Chorleiter“, sondern der Vorsteher über das Ritual, bei dem der Psalm vorzuträgen war. Doch ist auch dies nur ein „educated guess“ und „Chorleiter“ ist in dt. Üss. so etabliert, dass die LF doch besser dieser Konvention folgen sollte. (Zurück zu v.1)
bEs gibt keinen Gott - Gemeint ist kein theoretischer Atheismus, der im Alten Israel schwerlich vorstellbar ist. Der „Narr“ vertritt einen praktischen Atheismus: Er lebt und handelt so, als gäbe es keinen Gott, wie dann auch in den nächsten Zeilen näher ausgeführt wird. (Zurück zu v.1)
cbegehen, verbrechen Übeltat - Die beiden Verben benötigen eigentlich kein Objekt; das erste bedeutet schon allein „verderblich handeln“, das zweite „abscheulich handeln“. Sowohl die Aneinanderreihung der beiden fast synonymen Verben als auch die eigentlich unnötige Hinzufügung des Substantivs (das zwar auch neutral als „Tat“ verwendet werden kann, oft aber speziell die Bedeutung „Übeltat“ hat. In Ps 53,2 ist dies noch zusätzlich vereindeutigt worden zu „Untat“) sollen den Ausdruck noch intensiver machen.
Sinnvoll daher NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien.: „Sie sind durch und durch schlecht und ihre Taten sind böse“. (Zurück zu v.1)
d: - Vv. 3-4 schildern das Ergebnis von Gottes Prüfung: Die gesamte Menschheit hat sie nicht bestanden.
Dass Gott in V. 4 von sich selbst in der 3. Pers. spricht, kommt häufiger vor (vgl. dazu z.B. Malone 2009Malone, Andrew S.: God the Illeist: Third-Person Self-References and Trinitarian Hints in the Old Testament, in: JETS 52/3, 2009. S. 499-518. online unter: http://goo.gl/ua868S). Zu ähnlichen nicht durch ein Verb des Sagens eingeleiteten Zitaten vgl. z.B. Gordis 1949Gordis, Robert: Quotations as a Literary Usage in Biblical, Oriental and Rabbinic Literature, in: HUCA 22, 1949. S. 157-219., S. 167-173. (Zurück zu v.2)
e[Die] mein Volk fressen? / Sie fressen Brot - Oft übersetzt als „Die mein Volk fressen, wie man Brot isst“, aber dann wären die beiden unterschiedlichen Verbformen (Zeile 2: Partizip, Zeile 3: Qatal) unerklärlich (richtig Eerdmans 1947Eerdmans, B. D.: The Hebrew Book of Psalms. Leiden, 1947., S. 135). Unsere Üs. folgt daher deClaissé-Walford/Jacobson/Tanner 2014deClaissé-Walford, Nancy / Rolf A. Jacobson / Beth LaNeel Tanner: The Book of Psalms. Grand Rapids, 2014., S. 165; Eerdmans 1947Eerdmans, B. D.: The Hebrew Book of Psalms. Leiden, 1947., S. 134; vgl. auch schon Olshausen 1853Olshausen, Justus: Die Psalmen. Erklärt. Leipzig, 1853. online unter: http://goo.gl/mR9E53, S. 79. Charakterisiert werden die Übeltäter hier also erstens darüber, dass sie „mein Volk fressen“ (d.h. ausbeuten, s. ähnlich Spr 30,14; Jer 10,25; Mi 3,3; Hab 3,14), obwohl sie das nicht mal nötig hätten, da sie ja Brot zu fressen haben (d.h. keine Not leiden müssen), und zweitens darüber, dass sie Brot zu essen haben - dass es ihnen also gut geht -, aber nicht einmal dafür JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. anrufen, also danken. Sowohl in ihrem Verhalten ihren Mitmenschen als auch Gott gegenüber sind sie durch und durch schlecht.
Die Üs. von Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs. („Sie verschlingen mein Volk. Sie essen das Brot JHWHs, doch seinen Namen rufen sie nicht an“) folgt einem unnötigen Textkorrekturvorschlag von Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953. (s. auch schon Duhm, Gunkel). (Zurück zu v.4)
ferschraken sie einen Schrecken - Figura etymologica, die den ganzen Ausdruck noch intensiver macht: „Da erschraken sie sehr“. (Zurück zu v.5)
g: - Auch V. 6 ist wahrscheinlich ein Zitat JHWHs. Erst aus diesem VersEin Teil in einem Kapitel. kann ja abgeleitet werden, dass Gott mit den Armen ist, wohingegen es Vv. 3-4 noch hieß, dass die gesamte Menschheit bei Gottes Prüfung durchgefallen ist. (Zurück zu v.5)
hZion - Der Berg in Jerusalem, auf dem Gott in seinem Tempel wohnt. Hilfe von Gott kommt daher „vom Zion“ (vgl. z.B. Zion/Zionstheologie (WiBiLex). (Zurück zu v.7)
iMöge es doch vom Zion Rettung für Israel geben! - W.: „Wer wird geben vom Zion Rettung für Israel!?“, die heb. Wendung „Wer wird geben X“ ist ein Idiom für „Es möge sein, dass... X“, „Oh dass doch X wäre!“ (vgl. Lande 1949Lande, Irene: Formelhafte Wendungen der Umgangssprache im Alten Testament. Leiden, 1949., S. 90f.). (Zurück zu v.7)
jJakob - Alternativer Begriff für Israel, da Jakob nach Gen 25 der Stammvater der Israeliten war. (Zurück zu v.7)
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