Markus 1

Aus Die Offene Bibel

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Lesefassung (Markus 1)

1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes 2 Es steht geschrieben im Buch des Propheten Jesaja: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der dir den Weg vorbereiten wird.“ 3 „Es ruft eine Stimme in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn vor; macht seine Pfade gerade.“ 4 Johannes der Täufer trat in der Wüste auf und predigte von einer Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. 5 Menschen aus dem gesamten judäischen Gebiet und auch die Einwohner Jerusalems gingen zu ihm und ließen sich von ihm im Fluss Jordan taufen. Dabei bekannten sie ihre Sünden. 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaar und einen Ledergürtel um die Hüfte. Er aß Heuschrecken und wilden Honig. 7 Und er predigte: Nach mir kommt einer, der stärker ist, als ich. Ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen seiner Sandalen zu binden. 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er wird euch aber mit dem Heiligen Geist taufen. 9 Zu dieser Zeit geschah folgendes: Jesus kam aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10 In dem Moment, als er aus dem Wasser stieg, sah er, wie der Himmel geöffnet wurde und der Geist wie eine Taube zu ihm herab kam. 11 Und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Freude. 12 Gleich danach führte der Geist ihn in die Wüste. 13 Und er lebte vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan auf die Probe gestellt. Er lebte mitten unter den Tieren. Die Engel dienten ihm. 14 Nachdem Johannes verhaftet worden war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes 15 und sagte: Der richtige Zeitpunkt ist eingetreten und Gottes Königsherrschaft ist nah. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! 16 Während er am Meer von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, die grade Netze ins Meer auswarfen. Sie waren nämlich Fischer. 17 Und Jesus sagte zu ihnen: Kommt, folgt mir nach, dann werde ich euch zu Menschenfischern machen. 18 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. 19 Und nachdem er ein wenig weitergegangen war, sah er Jakobus, den Sohn von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Auch sie saßen im Boot und brachten ihre Netze in Ordnung. 20 Sofort rief er sie. Und sie ließen ihren Vater mit den bezahlten Arbeitern im Boot zurück und gingen ihm nach. 21 Daraufhin gingen sie nach Kafernaum. Am Sabbat begann er direkt in der Synagoge zu lehren. 22 Die Leute waren tief beeindruckt von seiner Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat und nicht wie die Schriftgelehrten. 23 Doch dann war da in ihrer Synagoge ein Mann mit einem unreinen Geist, der schrie: 24 Was willst du von uns, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: Du bist der Heilige Gottes. 25 Und Jesus befahl ihm: Sei still und komm aus ihm heraus! 26 Und nachdem der unreine Geist ihn geschüttelt und laut geschrien hatte, kam er aus ihm heraus. 27 Alle waren so erstaunt, dass sie einander fragten: Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht – sogar den unreinen Geistern befiehlt er und sie hören auf ihn. 28 Bald verbreitete sich Jesu Ruf überall in Galiläa und der ganzen Umgebung. 29 Sie verließen die Synagoge und gingen zum Haus von Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. 30 Simons Schwiegermutter lag mit Fieber im Bett und sie erzählten ihm gleich von ihr. 31 Er ging zu ihr, nahm ihre Hand und half ihr aufzustehen. Da ging das Fieber weg und sie bewirtete sie. 32 Als es Abend geworden und die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und alle Besessenen zu ihm 33 und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt. 34 Er heilte viele Kranke von verschiedenen Krankheiten und trieb viele Dämonen aus. Die Dämonen ließ er aber nicht zu Wort kommen, weil sie ihn kannten. 35 Früh morgens, als es noch ganz dunkel war, stand er auf, ging hinaus und zog sich an einen abgeschiedenen Ort zurück, wo er betete. 36 Simon und die, die bei ihm waren, eilten ihm nach. 37 Und als sie ihn gefunden hatten, sagten sie ihm: Alle fragen nach dir! 38 Er entgegnete ihnen: Lasst uns lieber anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predigen kann. Zu diesem Zweck bin ich nämlich gekommen. 39 Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus. 40 Ein Aussätziger kam zu ihm, der ihn anflehte und auf die Knie fiel. Er rief ihm zu: Wenn du willst, kannst du mich heilen! 41 Und Jesus hatte Mitleid. Darum streckte er seine Hand aus, berührte ihn und sagte zu ihm: Ich will, also sei gesund! 42 Sofort verschwand der Aussatz und er wurde geheilt. 43 Jesus schickte ihn auf der Stelle fort und befahl ihm streng: 44 Erzähle niemandem etwas hiervon, sondern geh und zeige dich dem Priester und bringe dann für deine Heilung das Opfer dar, das Mose vorgeschrieben hat. Das soll ein Zeichen für sie sein. 45 Doch der Mann ging weg und fing an, überall davon zu erzählen und die Geschichte zu verbreiten, sodass Jesus nicht länger in der Lage war, unerkannt eine Stadt zu betreten. Stattdessen hielt er sich außerhalb in unbewohnten Gegenden auf. Dennoch kamen die Leute weiterhin von überall her zu ihm.

Anmerkungen

Studienfassung (Markus 1)

1[Der] Anfang a des Evangeliums b von Jesus Christus c(Jesus Christus, [dem] Sohn Gottes) d, e2 wie es im [Buch] des Propheten Jesaja f heißt (geschrieben steht): g „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her h, der dir den Weg bereiten (alles für dich vorbereiten) wird.“ 3 „Stimme eines Rufenden in der Wüste (Wildnis): i ‚Bereitet den Weg des Herrn vor, macht seine Pfade gerade‘“, j 4 trat Johannes der Täufer in der Wüste (Wildnis) auf k(trat Johannes auf, der in der Wüste taufte) l und predigte (verkündete) eine Taufe der Umkehr (Buße; Umkehr-Taufe) m zur Vergebung der Sünden. 5 Und das gesamte judäische Gebiet n(Gegend, Land) und alle Jerusalemer begaben sich o(gingen) hinaus zu ihm und ließen sich von ihm im Fluss Jordan taufen p , wobei (und) sie ihre Sünden bekannten. q 6 Und Johannes pflegte [ein Gewand aus] Kamelhaar r und einen Ledergürtel s um seine Hüften (Taille) zu tragen t und Heuschrecken und wilden Honig zu essen u . 7 Und er predigte (verkündete) v{sagend} w: „Es kommt nach mir [einer], der mächtiger (stärker) [ist] als ich. x Ich bin es nicht wert (gut genug, würdig), mich zu bücken und (gebückt) y ihm z die Riemen seiner Sandalen aufzubinden! 8Ich habe euch [mit] Wasser aa getauft, er aber wird euch mit [dem] (im) Heiligem Geist taufen.“ 9 Und {es geschah}ab in jenen Tagen kam Jesus aus (von) Nazaret [in] Galiläaac und ließ sich von Johannes im Jordan taufen ad . 10 Und in dem Moment (gleich), als er aus dem Wasser stieg ae , sah er, wie (dass) der Himmel af geteilt (geöffnet) wurde ag und der Geist wie eine Taube in ihn (zu ihm; auf ihn) ah herabkam. 11 Und eine Stimme kam (geschah) ai aus dem Himmelaj: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude (Gefallen gefunden)ak !“ 12 Und gleich danach brachte (führte; trieb) al der Geist ihn in die Wüste (Wildnis). 13 Und er war (lebte, verbrachte) vierzig Tage in der Wüste (Wildnis) und (während, wobei) wurde vom Satan auf die Probe gestellt (versucht), am und er war (lebte) unter (mit) den Tieren, und die Engel dienten (versorgten, warteten auf) ihm. 14{Aber} Nachdem Johannes verhaftet an worden war, begab sich (kam) Jesus nach Galiläa und predigte (verkündete) ao das Evangelium Gottes ap 15 und sagte aq{dass}: ar „Die Zeit ist eingetreten (gekommen, erfüllt) as und Gottes Königsherrschaft (Königreich) at ist nahegekommen. Kehrt um (tut Buße) und glaubt an das Evangelium!“ 16 Und während (als) er am Meer von Galiläa entlangging, au sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, die gerade Wurfnetze (ein Wurfnetz) ins Meer warfen av . Sie waren nämlich Fischer. 17 Und Jesus sagte zu ihnen: „Kommt, [folgt] mir nach, dann werde ich euch [zu] Menschenfischern {werden} machen!“ aw 18 Und sofort ließen sie [ihre] Netze [liegen] (zurück) und ax folgten ihm. 19 Und nachdem (als) er ein wenig weitergegangen war, ay , sah er Jakobus, den [Sohn] von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Auch sie [saßen] im Boot [und] brachten [ihre] Netze in Ordnung (setzten instand, besserten aus, flickten),az , 20 und er rief sie auf der Stelle (sofort). Und sie ließen ihren Vater mit den bezahlten Arbeitern im Boot zurück und gingen ba ihm nach. 21 Und (daraufhin) sie begaben sich bb nach Kafarnaum {hinein}. {Und} Dann bc , [am] Sabbat bd , begann er in der Synagoge (begab er sich in die Synagoge und be begann) bf zu lehren bg. 22 Und sie waren tief beeindruckt bh von seiner Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten. 23 Und dann (plötzlich) bc war in der dortigen Synagoge ein Mann mit einem unreinen Geist bi , und er schrie: 24{sagend} w „Was willst du von uns, bj Jesus von Nazaret bk ? Bist du gekommen, [um] uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes bl!“ 25 Und Jesus wies ihn an (unterwarf ihn seiner Kontrolle) bm{sagend} w: „Sei still (Schweig, Verstumme) und komm (verlass, fahre) aus ihm heraus!“ 26 Und nachdem (während) der unreine Geist ihn geschüttelt und [mit] lauter Stimme geschrien hatte, bn kam (verließ, fuhr) er aus ihm heraus. 27 Und alle waren so entgeistert (erstaunt, erschrocken), dass sie einander fragten bo{wobei sie sagten}w: „Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht – sogar (selbst, und) den unreinen Geistern befiehlt er, und sie gehorchen ihm!“ 28 Und bald (rasch) verbreitete sich die Kunde von ihm (sein Ruf) überall in der ganzen Umgebung, [in ganz] Galiläa (im ganzen Umland von Galiläa) bp. 29 Und dann bq verließen sie {aus} die Synagoge und br gingen (begaben sich, kamen) zum (in das) Haus von Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. 30 Simons Schwiegermutter {aber} lag mit Fieber [im Bett] bs , und sie erzählten (berichteten) bt ihm gleich von ihr. 31 Da (Und) ging er zu [ihr] und bu half ihr beim Aufstehen (richtete sie auf), indem er ihre Hand nahm (ergriff)bv. Da (und) verließ das Fieber sie, und sie begann, sie zu bewirten (bedienen, dienen; bewirtete sie) bw. 32 Als es Abend geworden (wurde) und bx die Sonne untergegangen war (unterging), brachte by man alle Kranken (denen es schlecht ging) bz und [alle] Besessenen zu ihm, 33 und die ganze Stadt war vor der Tür versammeltca. 34 Und er heilte viele Kranke (denen es schlecht ging)bz von verschiedenen Krankheiten und trieb viele Dämonen aus, aber (und) die Dämonen ließby er nicht sprechen, weil sie ihn kannten. 35 Und früh morgens, [als es noch] ganz dunkel [war], cb stand er auf, cc ging hinaus (verließ [das Haus (die Stadt)]) und ging fort an einen abgeschiedenen Ort, wo er [eine Zeit lang] betete (und betete dort) cd. 36 Und Simon und [jene], die bei ihm waren, spürten (eilten) ihm nach ce37 und fanden ihn. {und} Sie teilten ihm mit (sagten) {dass}: cf „Alle fragen (suchen, forschen) nach dir!“ 38{und} Er entgegnete (sagte) cg ihnen: „Gehen wir stattdessen (lasst uns gehen) anderswohin, in die benachbarten Ortschaften (Dörfer), damit ich auch dort predigen (verkündigen) [kann]. Zu diesem Zweck (Dazu) bin ich nämlich aus [der Stadt] gekommen (bin gekommen, ausgezogen) ch.“ 39 Und er zog (kam; war) durch ganz Galiläa, predigte (verkündigte) in ihren Synagogen ci und trieb die Dämonen aus. cj 40 Und ein Aussätziger (Leprakranker) kam ck zu ihm, der ihn anflehte und auf die Knie fiel cl , wobei er ihm zurief (sagte) cm{dass}: ar „Wenn du willst, kannst du mich rein machen (heilen)!“ 41 Und [Jesus] hatte Mitleid, darum cn streckte er seine Hand aus co , berührte [ihn] und sagte zu ihm: „Ich will, sei rein (gereinigt, geheilt)!“ 42 Und sofort verschwand (ging weg) der Aussatz (die Lepra) von ihm, und er wurde rein (gereinigt, geheilt). 43 Und er ermahnte ihn streng (fuhr ihn an, wies ihn zurecht; bedeutete ihm zu schweigen) cp , schickte ihn auf der Stelle (sofort) weg (warf hinaus) 44 und sagte cq zu ihm: „Sieh, dass du niemandem etwas cr erzählst (sagst), sondern geh [und] zeige dich dem Priester und dann bringe für deine Reinigung (Heilung) [das Opfer] dar, das Mose vorgeschrieben (festgelegt) hat, als Beweis (Nachweis, Zeugnis, Beleg) [für (gegen)] sie cs!“ 45 Doch als (nachdem) der [Mann] hinausging, ct begann er eifrig (überall; viele Dinge) [davon] zu erzählen (predigen, verkündigen) cu und die Geschichte (Nachricht, das Wort) zu verbreiten, so dass [Jesus] nicht länger in der Lage war, offen (unerkannt, öffentlich, ohne Aufsehen) eine Stadt zu betreten, sondern sich außerhalb in unbewohnten (abgelegenen) Gegenden (Orten) aufhielt (blieb, war) cv . Dennoch (doch, und) kamen [die Leute] weiter (begannen zu kommen) cw von überallher (aus allen Richtungen) zu ihm.

Anmerkungen

a[Der] Anfang Der determinierende Artikel kann bei abstrakten oder eindeutigen Substantiven (Siebenthal 2011, §133a) fehlen, in der Übersetzung wurde er ergänzt. Jesus Christus, [dem] Sohn Gottes Hier zeigt der fehlende Artikel am Buchanfang, bei einem Gottestitel als Apposition, Förmlichkeit an (BDR §268.2). (Zurück zu v.1)
bEvangelium (Gr. εὐαγγέλιον) bedeutet etwa „(gute) Neuigkeit“. Hier steht es noch nicht als literarische Bezeichnung, sondern für die christliche Heilsbotschaft von Jesus. Der Begriff Evangelium kommt nicht aus dem Alten Testament, wo allerdings schon von Boten die Rede ist, die eine gute Nachricht von Gottes Eintreffen und Eingreifen bringen (beispielsweise in Jes 40,9; 52,7; 61,1). Wahrscheinlich gebraucht Markus ihn bewusst im direkten Kontext der in V. 2-3 folgenden Zitate, wo Johannes als der überbringende Bote und Jesus gewissermaßen als Inhalt der Botschaft dargestellt wird.
Zur Zeit des Neuen Testaments bedeutete jegliche Nachricht von oder über den Kaiser ein Evangelium. In der Ideologie des römischen Kaiserkults galt der Kaiser als übermenschlich, weshalb seine Verlautbarungen gute Nachrichten sein mussten, die Freude auslösten und Glück und Heil brachten. Auch Nachrichten von der Geburt oder Thronbesteigung des Kaisers waren Evangelium. Im Neuen Testament bezeichnet der Begriff im Kontrast dazu die frohe Botschaft über die angebrochene Herrschaft des einen Königs (Friedrich, εὐαγγελίζομαι, εὐαγγέλιον, προευαγγελίζομαι, εὐαγγελιστής, in: TDNT, 707-37; France 2002, 52f.). Allerdings ist unklar, wie groß der Einfluss des Kaiserkults (und damit diese bewusste Parallele) auf die Prägung des christlichen Begriffs war. Evangelium könnte einfach von den ersten christlichen Predigern als Bezeichnung für die Botschaft der Kirche benutzt worden sein (Guelich 1989, 13f.). (Zurück zu v.1)
cEvangelium von Jesus Christus Im Griechischen steht hier ein Genitiv, den man sowohl objektiv (ein Evangelium über Jesus, das von Jesus handelt) oder subjektiv (ein Evangelium von Jesus, also eines, das von Jesus stammt oder von ihm verkündet wird) verstehen kann. Inhaltlich sind beide Deutungen nicht verkehrt (Jesus verkündet es selbst in V. 14-15). Markus meint aber wohl ein Evangelium, das Christus zum Inhalt hat, da Markus Begebenheiten über Jesus festhält (France 2002, 53). Die gewählte Übersetzung mit von lässt bewusst beide Deutungsmöglichkeiten offen. (Zurück zu v.1)
dJesus Christus oder Jesus Christus, dem Sohn Gottes Der Zusatz „dem Sohn Gottes“ ist möglicherweise eine nachträgliche Einfügung. Die erhaltenen Handschriften geben kein einheitliches Bild ab. Ebenso denkbar ist, dass die beiden Wörter zum ursprünglichen Text gehören. Man kann weder plausibel erklären, warum Sohn Gottes nachträglich ergänzt noch weggelassen worden wäre. Viele Kommentare lassen die Frage offen oder tendieren eher zum kürzeren Text. Die meisten Übersetzungen entscheiden sich jedoch dafür, sie als ursprünglich anzusehen. Mit dem Vorzug der kürzeren Version in dieser Übersetzung ist keinerlei theologische Aussage beabsichtigt. Es folgt nun eine ausführlichere Besprechung:
Textkritik: Textkritisch umstritten ist die längere Variante Ἰησοῦ Χριστοῦ υἱοῦ θεοῦ „von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“. υἱοῦ θεοῦ wird bezeugt von 011 B D W Γ sowie allen lateinischen, syrischen und koptischen Zeugen. Nur Ἰησοῦ Χριστοῦ lesen 01* Θ 28 l 2211, einige sahidische Handschriften und Origines; SBLGNT, Tischendorf und WH schließen sich an. Die byzantinischen Zeugen lesen υἱοῦ τοῦ θεοῦ. Die Bezeugung bei den Kirchenvätern ist uneinheitlich, besonders da viele beide Varianten kennen (Willker 2013, 7f). Die kürzere ist bei ihnen jedoch etwas weiter verbreitet, wohingegen die längere nicht vor 400 n. Chr. bezeugt ist (Head 1991, 626). Offenbar sind beide sehr alt, wobei die längere Lesart – rechnet man die byzantinische Unterstützung mit ein – in den Handschriften etwas besser bezeugt ist. Wenn sie ursprünglich ist, hätte ein Abschreiber die beiden (damals im Text mit Anfangs- und Endbuchstaben abgekürzten) Wörter versehentlich weglassen müssen (Homoioteleuton): ...ΟΥΙ̅Υ̅Χ̅Υ̅(Υ̅Υ̅Θ̅Υ̅) (Guelich 1989, 6). Doch so ein Abschreibfehler wäre gerade am Anfang eines Buchs etwas schwerer vorstellbar. Für die kürzere Lesart sprechen einige eindeutige Beispiele, wo im Laufe der Überlieferung Gottestitel ergänzt worden sind – gerade bei Markus ist Jesu Gottessohnschaft zentrales Thema, was zu der Hinzufügung verleiten könnte (Head 1991, 627; Collins 2007, 130; s.a. Pesch 1976, 74, dagegen Wasserman 2010). Dann könnte die kürzere Variante als die schwierigere gelten! Keine der beiden internen Erklärungen ist jedoch ganz befriedigend. So erklärt Metzger sowohl die interne als auch die externe Evidenz für so ausgewogen, dass die Herausgeber von NA keine Entscheidung für oder gegen die längere Variante treffen wollten (Metzger, Textual Commentary 21994, 62; vgl. France 2002, 49). Da für die Übersetzung eine Festlegung leider unausweichlich war, haben wir die von der Mehrheit der modernen Exegeten bevorzugte kürzere Lesart vorgezogen, die längere Variante jedoch in der Klammer platziert. (Zurück zu v.1)
eDass dem einleitenden Satz eines Buchs ein Verb fehlt, ist nicht ganz ungewöhnlich, wie der Vergleich mit Mt 1,1; Offb 1,1 sowie mehreren atl. Schriften zeigt. Ganz ähnlich beginnt auch Hos 1,2 LXX, doch erst nach der Überschrift („Anfang von JHWHs Botschaft an Hosea“, Gr. ἀρχὴ λόγου κυρίου πρὸς Ωσηε)(France 2002, 51). (Zurück zu v.1)
fdes Propheten Jesaja Textkritik: τῷ Ἠσαΐᾳ τῷ προφήτῃ steht u.a. in den Zeugen א B L Δ 33. Dagegen lesen A K P W Γ, der Mehrheitstext und einige andere Zeugen τοῖς προφήταις „den Propheten“ (Plural) und lassen den Namen des Propheten weg. Dabei handelt es sich offensichtlich um eine Korrektur. Da nur ein Teil des Zitats von Jesaja stammt (s. übernächste Fußnote), empfand man diese Angabe als falsch (vgl. France 2002, 62). (Zurück zu v.2)
gWie es ... heißt Diese Wendung verbindet V. 2-3 entweder mit V. 1 („Der Anfang..., wie es heißt“) oder mit V. 4 („Wie es heißt: ..., trat Johannes auf...“). Anderswo in der Bibel steht diese Zitatformel immer hinter der zu belegenden Aussage. Auch das gr. Wort für wie, καθώς, steht sonst nie am Anfang des Vergleichs (Guelich 1989, 7). Aber in diesem Fall bildet V. 1 einen elliptischen, überschriftartigen Einleitungssatz, der sich vom Rest abhebt. Das könnte der Grund für die Ausnahme sein. Es entspricht ganz Markus' Stil, dass er nach der kurzen Einleitung rasch fortfährt, ohne noch einmal neu einzusetzen (France 2002, 51). (Zurück zu v.2)
hvor dir her Gr. πρὸ προσώπου σου, w. etwa „vor deiner Gegenwart“ (traditionell häufig: „vor deinem Angesicht“). Dabei handelt es sich um einen Hebraismus, der das Gleiche heißt wie „vor (...her)(NSS). (Zurück zu v.2)
iStimme eines Rufenden in der Wüste Dass hier kein Verb steht, liegt daran, dass der griechische AT-Text sehr wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt ist, wo solche gerafften, verblosen Formulierungen nicht ungewöhnlich sind. (Zurück zu v.3)
jMarkus schreibt zwar in V. 2, dieses Zitat aus dem AT stamme von dem Propheten Jesaja. Genau genommen stammt aber nur das Kernstück des Zitats in V. 3 von Jesaja (Jes 40,3 LXX). V. 2b zitiert stattdessen eine thematisch verwandte Prophetie aus Mal 3,1. Jesaja greift in dem zitierten Abschnitt auf die Auszugsgeschichte zurück, wenn er einen ähnlich von Gott geführten Auszug aus dem Exil in Aussicht stellt, der von einem Boten (dem „Rufenden“) angekündigt wird. Gerade die ersten Verse von Jes 40 sind dabei eine Schlüsselstelle für die Hoffnungen der Juden auf die Wiederherstellung alter Größe. In der Wüste (am Sinai) liegen die Anfänge des alten Israel, und in der Wüste verorteten Jesu Zeitgenossen (beispielsweise die Qumran-Gemeinschaft) auch die Anfänge des neuen Israel.

Markus mischt die Botschaft von Jesaja jedoch mit der von Maleachi (V. 2b). Dieser Prophet geht auf die Enttäuschung ein, die sich in Juda verbreitete, als sich Jesajas Prophetie nach dem Ende des babylonischen Exils nicht verwirklichte. Er findet die Schuld im fortgesetzten Ungehorsam des Volks, der den neuen Exodus verhindert. Dabei spielt wohl schon Mal 3,1 in seiner Ausdrucksweise auf den sehr ähnlich formulierten Vers Ex 23,20 an. Wie beim Auszug aus Ägypten ist auch nach dem Exil der Ungehorsam des Volkes dafür verantwortlich, dass JHWH nicht direkt heilbringend wirkt, sondern erst ein Bote sein Kommen ankündigen muss, damit das Volk Zeit zur Buße hat und so Gottes Gericht überleben kann. Markus hebt diesen Zusammenhang hervor, indem er in seinem sonst freien Zitat den Abschnitt „ich sende meinen Boten vor dir her“ aus Ex 23,20 LXX nimmt (Mal 3,1 LXX lautet: „Siehe, ich sende meinen Boten, und er wird vor mir den Weg überwachen, und plötzlich wird in seinen Tempel kommen der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr wollt, ja/siehe, er kommt, spricht der Herr, der Allmächtige“).

Markus sieht also den Zeitpunkt nun gekommen, an dem dieser Bote auftritt. Er identifiziert Johannes mit dem angekündigten Boten, der das Volk zur Umkehr bewegen soll. Jesus ist Gott, der in Mal 3,1 sein Kommen zum Gericht ankündigt hat. Seine Mission scheitert allerdings, was nach dem formalen Eintreffen Gottes in seinem Tempel zu Gericht führt (Mk 11). Am Ende wird Israel als Volk durch Gericht untergehen (Mk 13). Gott erfüllt seinen Plan stattdessen auf andere Weise (Mk 12,9-11), sodass die gute Nachricht von Gottes Kommen in Jesus (Mk 1,1) für die Erwählten, die auf Jesus und seinen Vorboten hören, tatsächlich eine gute ist (Watts 2007, 113-20; France 2002, 56ff.; Collins 2007, 135-38). (Zurück zu v.3)
ktrat auf Gr. ἐγένετο, Grundform γίνομαι. Das Wort heißt eigentlich eher „werden/sein, entstehen“. Es funktioniert hier aber wie ein ähnliches hebräisches Verb; man kann es nur sinngemäß übersetzen. Als erstes Wort im Satz zeigt es einen Szenenwechsel an (France 2002, 64). Zudem verknüpft Markus damit das Wirken von Johannes dem Täufer direkt mit den zitierten Versen aus dem AT (Guelich 1989, 18). Ähnliche Stelle: Joh 1,6. (Zurück zu v.4)
lJohannes der Täufer und Johannes, der in der Wüste taufte Textkritik: Es gibt hier vier relevante Lesarten: Nestle-Aland 28 entscheidet sich mit א, L, Δ und der bohairischen Tradition für βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων. B, 33 und einige bohairische Manuskripte bezeugen βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ κηρύσσων. Meist byzantinische Zeugen (A K P W Γ f1.13 565. 579. 1241. 1424. 2563. l 844) sowie die syrische Übersetzung von Thomas von Heraklea und die sahidische Übersetzung enthalten βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων. Einige westliche Handschriften weisen schließlich die glättende Variante ἐν τῇ ἐρήμῳ βαπτίζων καὶ κηρύσσων auf. Die Varianten sind offensichtlich aus Unsicherheit darüber entstanden, wie das Partizip βαπτίζων zu verstehen sei. Mit Artikel ὁ wäre das Ptz. attributiv und ein relativ ungeläufiger Titel „der Täufer“ (Johannes wird häufiger ὁ βαπτιστής genannt) (2. Lesart). Ohne Artikel wäre es eine adverbiale Näherbestimmung von Johannes' Aktivität und dann modal zu übersetzen, also mit „wobei“, „und“ oder als Relativsatz (3. Lesart).

Die 1. Lesart könnte ursprünglich sein, weil aus ihr die beiden anderen hervorgegangen sein könnten. καὶ stellt darin mit dem Artikel auch das folgende Partizip κηρύσσων als attributiv dar (Übersetzung: „der taufte und predigte“), was wenig elegant formuliert ist. Der Leser würde zunächst vermuten, dass ὁ βαπτίζων den festen Beinamen „der Täufer“ bedeutet, anstatt seine taufende Tätigkeit zu beschreiben (so Willker z. St.).
Aus internen Erwägungen bietet sich jedoch eher Variante 2 an. Erstens liegt der Fokus hier auf Johannes' Verkündigung, nicht auf seiner Tauftätigkeit (Pesch 1976, 74). Zweitens wäre es guter Stil, Johannes bei seiner ersten direkten Erwähnung mit seinem vollen Namen vorzustellen – ähnlich tut es Markus in V. 9 mit „Jesus aus Nazaret in Galiläa“. Auch später benutzt er zur Klarstellung „Johannes der Täufer“, wenn er die Figur erneut in die Handlung einführt (6,14; 8,28). Das Weglassen des Artikels sowie die Ergänzung von „und“ zeigen dann, dass Abschreiber den Titel ὁ βαπτίζων nicht kannten und den vermeintlich fehlerhaften Text korrigieren wollten (so Pesch; France 2002, 60f.64f.; Guelich 1989, 16 und SBLGNT).

Lesart 3 hat zahlenmäßig externes Gewicht und findet sich nicht nur in byzanzinischen, sondern mit 1241 auch in einer „alexandrinischen“ sowie mehreren Handschriften, die zum hypothetischen cäsaräischen Texttyp gehören. Metzger 1994, 62 und Collins 2007, 133 halten sie für ursprünglich. Mit der Einfügung des Artikels hätte ein Abschreiber aus Ἰωάννης βαπτίζων den vollen Namen „Johannes der Täufer“ machen wollen. Obwohl Markus diese Version des Titels auch in 6,14 und 6,24 benutzt, fehlt in dieser Variante ein echtes Motiv, den unmissverständlich von einem taufenden und predigenden Johannes sprechenden Text der Lesart 3 zu korrigieren (France). Hatte der Abschreiber unbewusst Mt 3,1 im Ohr? Dort wird jedoch ähnlich formuliert, aber gerade wieder der andere Johannestitel verwendet! Das führt uns schließlich wieder zu Lesart 2 zurück, die zwar nicht häufig bezeugt ist, aber die Indizien am besten erklärt auch unter den herangezogenen Forschern die meisten Fürsprecher hat. (Zurück zu v.4)
mTaufe der Umkehr Der Genitiv zeigt hier die Beschaffenheit der Taufe an (Gen. qualitätis). Die Taufe beinhaltete offensichtlich eine Umkehr. Bei Johannes gehörte beides zusammen, und die Taufe bedeutete offenbar die Anerkennung einer echten Umkehr (Guelich 1989, 19f.). (Zurück zu v.4)
ndas gesamte judäische Gebiet Hier sind zwei Stilmittel verflochten. Das judäische Gebiet steht für seine Bewohner (Metonymie des Subjekts). Und dass es alle waren, ist natürlich eine Übertreibung (Hyperbel). (Zurück zu v.5)
obegaben sich hinaus Im Griechischen im Sg., als Prädikat zur „gesamten judäischen Region“. (Zurück zu v.5)
pließen sich taufen Das gr. Passiv ist hier tolerativ (Siebenthal 2011, §191h). Die gewöhnliche Übersetzung „wurden getauft“ passt hier weniger gut. (Zurück zu v.5)
qwobei sie bekannten Ptz. coni., als modaler Nebensatz mit „wobei“ aufgelöst. Gemeinsam mit den beiden vorher benutzten Imperfekten begaben sich und wurden getauft kommt in V. 5 klar zum Ausdruck, dass Johannes über einen längeren Zeitraum hinweg Menschenmengen anzog. Aus der Formulierung lässt sich allerdings nicht schlüssig ableiten, in welcher Weise das Bekenntnis geschah oder dass es unmittelbar während der Taufe stattfand. Wie Johannes' Taufe vor sich ging, ist nicht überliefert. Die benutzten Formulierungen und zeitgenössische Beispiele lassen jedoch darauf schließen, dass die Täuflinge ganz unter Wasser getaucht wurden oder tauchten. Zudem scheint Johannes, ganz untypisch, eine sehr aktive Rolle einzunehmen, wogegen bei vergleichbaren Ritualbädern der Täufling sich selbst untertauchte (France 2002, 68; Collins 2007, 142). (Zurück zu v.5)
rW. „Haare [des] Kamels“. (Zurück zu v.6)
sW. „ledernen Gürtel“ (Zurück zu v.6)
tDurch seine Kleidung gibt sich Johannes als Prophet (Sach 13,4 LXX) und der wiedergekehrte Elia zu erkennen (2Kö 1,8 LXX). (Zurück zu v.6)
upflegte ... zu tragen … zu essen Die periphrastische („umschreibende“) Verbindung der beiden prädikativen Partizipien mit „sein“ zu ἦν ... ἐνδεδυμένος ... ἐσθίων umschreibt hier wohl nicht nur das Plusquamperfekt Passiv und Imperfekt (NSS), sondern drückt auch eine Gewohnheit aus (Guelich 1989, 16). Unsere Übersetzung verdeutlicht das. Andere Übersetzer benutzen den Indikativ, der diese Konnotation nicht so deutlich vermittelt: „trug … aß“. tragen ist die beste Übersetzung des Ptz. Pf. Med. ἐνδεδυμένος. Das Wort ἐνδύω heißt aktiv „kleiden“, medial „sich ankleiden“. Der Perfekt-Aspekt drückt im Griechischen den Zustand nach der vollzogenen Handlung aus, also heißt das Perfekt Medium „angekleidet sein“ → „(Kleidung) tragen“. (Zurück zu v.6)
vpredigte Das Imperfekt zeigt an, dass dies über einen längeren Zeitraum hinweg (bzw. immer wieder) geschah. Die in der Überlieferung zweifellos auf's Wesentliche konzentrierte Aussage stellt wohl Johannes' mehrfach oder zu denkwürdiger Gelegenheit geäußerte Position gegenüber Jesus dar. In Joh 1,27-28 macht der Täufer diese Äußerung auf Anfrage prominenter Abgesandter der religiösen Führung in Jerusalem (1,19). (Zurück zu v.7)
w{sagend} (V. 7.24.25) und {wobei sie sagten} (V. 27) Pleonastisches Partizip. (Zurück zu v.7 / zu v.24 / zu v.25 / zu v.27)
x[einer], der mächtiger [ist] als ich Gr. ὁ ἰσχυρότερός μου, W. „der Mächtigere als ich“. (Zurück zu v.7)
ymich zu bücken und Adverbiales Partizip Aorist aktiv, hier einmal gleichzeitig übersetzt (modal; vgl. NSS). In der Klammer ist das griechische mit dem deutschen Partizip 2 übersetzt. (Zurück zu v.7)
zihm Eigentlich ein Relativpronomen („dem“), das den Satz vom vorigen abhängig macht: „dem ich nicht würdig bin...“ (Zurück zu v.7)
aa[mit] Wasser Instrumentaler Dativ. (Zurück zu v.8)
abUnd {es geschah} Pleonastische (d.h. eigentlich funktionslose) Formulierung, die entweder hebräischem Erzählstil (Guelich 1989, 29f.; France 2002, 75) entspricht oder möglicherweise einfach griechischen Erzählkonventionen folgt (NSS). Auf Deutsch lässt sich dieses „zweite Prädikat“ schwer wiedergeben, ohne Verwirrung zu stiften. Luther versucht es (ähnlich Menge, Zür): „Und es begab sich zu der Zeit, dass...“ (Zurück zu v.9)
acvon (aus) Nazaret Guelich 1989 31 glaubt, die Ortsangabe beziehe sich auf den Ursprungsort von Jesu Reise („aus Nazaret“) und sei nicht hier nicht als Beiname („von Nazaret“) zu verstehen. Im letzteren Fall wäre die Verortung von Nazaret in Galiläa nicht nötig. Das ist zwar denkbar, aber die Identifikation Jesu mit seinem genauen Herkunftsort (in „Jesus von Nazaret“ wie ein Nachname gebraucht) passt dazu, wie Markus schon in in V. 4 den Täufer mit Beinamen eingeführt hat.
[in] Galiläa Genitivus partitivus, der Nazaret in Galiläa verortet. Johannes wirkte in der Provinz Judäa und erreichte vornehmlich deren Bewohner (V. 5). Als Galiläer ist Jesus aus der Provinz am See Genezaret nach Süden zu Johannes gereist. Zwischen den beiden räumlich getrennten Provinzen herrschte Misstrauen. Gerade in religiöser Hinsicht hatten die Judäer gegenüber den Galiläern Vorbehalte (Joh 1,46) und taten sich schwer, einen galiläischen Propheten zu akzeptieren. Doch nun kommt einer zu Johannes und lässt sich taufen (der Vers ist genau gleich aufgebaut wie V. 5!), und ausgerechnet diesen Galiläer identifiziert Johannes nun als den Stärkeren, der nach ihm kommen soll! Diese Abneigung ist im Markusevangelium immer wieder unterschwellig zu spüren, das Jesu Wirken nur in Galiläa beschreibt. Jerusalem in Judäa ist der Einflussbereich von Jesu Widersachern und der Ort, an dem sie ihm schließlich das Handwerk legen konnten (France 2002, 75f.). (Zurück zu v.9)
adließ sich taufen Das gr. Passiv ist hier tolerativ (Siebenthal 2011, §191h). Die gewöhnliche Übersetzung „wurde getauft“ passt hier weniger gut. (Zurück zu v.9)
aeals … stieg Partizip Präsens aktiv (temporal übersetztes Ptz. conj.). (Zurück zu v.10)
afGr. im Pl. „die Himmel“ (Zurück zu v.10)
agsah er, wie … geöffnet wurde AcP Präsens passiv, kongruent zu τοὺς οὐρανοὺς. Die meisten Bibeln übersetzen das Passiv aus stilistischen Gründen reflexiv („öffnete sich“). Σχίζω „teilen, spalten“ ist in diesem Zusammenhang ein ungewöhnliches Wort, das so nur in der jüdischen Geschichte von Josef und Asenat 14,1-3 vorkommt (Collins 2007, 148). Verbreiteter war in vergleichbaren Beschreibungen (wenn der Himmel sich in übernatürlicher Weise öffnet, so in den Parallelstellen Lk 3,21; Mt 3,16, aber auch Eze 1,1; Joh 1,51; Apg 7,56; 10,11; Offb 4,1; 19,11) das Wort ἀνοίγω „öffnen“. Vielleicht spielt Markus auf Jes 63,19 MT oder das Reißen des Tempelvorhangs in Mk 15,38 an (France 2002, 77). (Zurück zu v.10)
ahin ihn (zu ihm; auf ihn) Die korrekte Übersetzung hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst handelt es sich um eine textkritische Frage. Dann hängt die Übersetzung davon ab, wie (und vor welchem kulturellen Hintergrund) man sich das Herabkommen des Geistes in Taubengestalt vorstellen sollte. Zur Textkritik: Alle modernen Textkritiker und die herangezogenen Kommentatoren halten die Lesart εἰς αὐτόν „zu ihm/in ihn hinein“ für ursprünglich, obwohl sie nur von B, 33 und der Handschriftenfamilie 13 bekannt ist. Die Alternative ἐπʼ αὐτόν „auf ihn“ ist zwar viel breiter bezeugt, aber fast sicher eine (bewusste oder unbewusste) Angleichung an die sehr ähnlich formulierten Parallelberichte in den anderen Evangelien (Mt 3,16; Lk 3,22; Joh 1,32) oder Jes 42,1/61,1 LXX. Im Gegenzug bietet sich keine unmittelbare Erklärung für die Änderung zu εἰς αὐτόν an, sollte ἐπʼ αὐτόν ursprünglich sein. Das etwas wackelige Fundament der externen Bezeugung ist aber stabiler, als es zunächst scheint, weil B, 33 und f13 nicht miteinander verwandt sind und die Lesart also unabhängig voneinander bezeugen.

Die Frage ist nun, ob εἰς αὐτόν signalisieren soll, dass der Geist in Jesus hineinfuhr oder nur zu ihm kam. Einige Exegeten meinen, εἰς signalisiere lediglich eine Bewegung „zu“ Jesus, nicht „in ihn hinein“ (Lohmeyer 1951, 21; Mann 1986, 20). France warnt davor, εἰς zu wörtlich als „in (hinein)“ zu verstehen: „The apparent absurdity of the imagery whereby Jesus sees a bird descending into himself forms a more persuasive argument for taking εἰς here in the wider sense as roughly equivalent to ἐπί.“ Das passe zu Markus' Stil, der εἰς häufig freier benutzt als üblich (France 2002, 78). Auch Pesch sieht an dieser Stelle keinen Gebrauchsunterschied zwischen εἰς „zu/in“ und ἐπʼ, „auf“ (Pesch 1976, 91f.). Dixon 2009, 771f. belegt jedoch, dass die Bedeutung „auf“ oder „zu“ für Markus und das ganze NT unüblich wäre (weshalb in in unserem Text vor der Klammer steht).

Dixon stellt weiter deutliche Parallelen vom Vergleich des Geists mit einer Taube zur damals weithin bekannten Ilias Homers (bspw. 15.237–38) und anderen griechischen Göttersagen her. Darin reisen Götter in der Gestalt von Vögeln (auch vom Olymp herab) und nehmen auch menschliche Gestalt an. Er schlägt vor, dass in griechischer Literatur gebildete Leser in Jesus gerade in dieser Szene deutliche Parallelen gesehen und ihn als Gott in menschlicher Gestalt verstanden hätten (vgl. Collins 2007, 149). (Zurück zu v.10)
aikam (geschah) Wieder drückt sich Markus sehr semitisch aus. Im Deutschen ist wieder eine sinngemäße Formulierung nötig. Textkritik: Es gibt etliche Varianten mit unterschiedlichen Prädikaten: Θ, 28, 565 u.e.a. bezeugen ἠκούσθη „hörte“. 01*, D, ff² und ein halbes Dutzend weiterer Zeugen kennen kein Prädikat (wie Mk 1,3). Alle anderen wichtigen alexandrinischen und byzantinischen Zeugen überliefern ἐγένετο. Einzelne Handschriften kennen auch ἰδού vor Stimme, jeweils kombiniert mit einer der anderen Varianten (vgl. Mt 3,17). (Hier ein Überblick über die Bezeugung.) Es liegt nahe, dass alle Varianten als Korrekturen auf das Fehlen des Prädikats zurückzuführen sind, weshalb einzelne Ausleger die prädikatlose Lesart für die beste halten (so Güting 2005, 64). In diesem Fall ist ἐγένετο aber so gut verbreitet, dass sich eine andere Lösung anbietet. Es ist gut vorstellbar, dass ἐγένετο in einem Teil der Überlieferung früh verlorenging (durch einen Abschreibfehler, eine Textverderbnis oder eine unbewusste Anpassung an eine ähnliche Formulierung) und dann so verbreitet wurde. Die Alternativlesarten entstanden, um den Text auszubessern (so Greeven 2005, 63; Willker 2013, 24; Metzger 1994, 63; Collins 2007, 134). (Zurück zu v.11)
ajdem Himmel Gr. Pl. „den Himmeln“ (Zurück zu v.11)
akhabe ich Freude (Gefallen gefunden) Hier vielleicht auch „auf dich bin ich stolz“. Das Verb steht hier zwar im Aorist, Markus gebraucht es aber wohl zeitlos wie das hebräische gnomische Perfekt (NSS). Vermutlich lässt die Aussage atl. Texte wie Ps 2,7 und Jes 42,1 anklingen, was Jesus unterschwellig sowohl mit dem erwählten König Israels des Psalms als auch mit dem erwählten Knecht des Propheten identifizieren würde (Guelich 1989, 33). Tatsächlich ähnelt der Wortlaut am meisten Gen 22,2 LXX, wo von Abrahams Sohn Isaak die Rede ist (France 2002, 80). (Zurück zu v.11)
albrachte Historisches Präsens. Andere übersetzen ἐκβάλλω hier mit trieb, aber aus dem Kontext geht nicht hervor, dass Jesus dagegen war oder dazu gezwungen wurde (LN 15.174, vgl. Joh 10,4; Jak 2,25; auch Mt 9,38; 15,17; s.a. NIV). An anderen Stellen wird das Wort nämlich für Dämonenaustreibungen (z.B. Mk 6,13) oder das Hinauswerfen oder Vertreiben von unwillkommenen Anwesenden benutzt (z.B. Mk 12,8). Jedenfalls ist ἐκβάλλω kräftiger als Lukas' ἄγω oder Matthäus' ἀνάγω (beide „führen“). (Zurück zu v.12)
amund (während/wobei) wurde versucht Ptz. coni., temporal-modal, als Nebensatz aufgelöst. (Zurück zu v.13)
anverhaftet W. „ausgeliefert/übergeben“, was aber schlecht in den Kontext passt. Die Evangelien benutzen das Wort in verschiedenen Fällen für Jesu Verrat, Festnahme und Übergabe an die Autoritäten sowie zur Kreuzigung (zum ersten Mal in Mk 3,19). Markus wählt es hier vielleicht absichtlich, um Parallelen zu Jesu späterem Ergehen herzustellen (9:31; 10:33; 14:21, 41). (Zurück zu v.14)
aoverkündete Temporal-modales Ptz. conj. (Partizip Präsens aktiv), durch Beiordnung mit „und“ übersetzt. (Zurück zu v.14)
apEvangelium Gottes Wie in Mk 1,1 ist hier nicht klar zu trennen, ob das Evangelium von Gott initiiert ist oder von Gott handelt. Da der Begriff nicht aus dem Kontext gedeutet wird, schwingt beides mit (vgl. France 2002, 91). Textkritik: Byzantinische und westliche Zeugen erweitern εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ Evangelium Gottes zu εὐαγγέλιον τῆς βασιλείας τοῦ θεοῦ „Evangelium von der Gottesherrschaft/vom Gottesreich“ (u.a. A D K W Γ Δ pm lat syp). Die kürzere Lesart ist jedoch vortrefflich bezeugt und viel ungewöhnlicher ist als die längere Formulierung, die an das Evangelium der Herrschaft/des Reichs (εὐαγγέλιον τῆς βασιλείας) aus dem Matthäusevangelium erinnert. Die Variante ist wohl unter dem Einfluss des nächsten Verses oder auch Mt 4,23; 9,35 zustande gekommen. Für eine Auslassung gibt es dagegen keine gute Erklärung (France 2002, 89; Willker 2013, 29). (Zurück zu v.14)
aqsagte Temporal-modales Ptz. conj. (Partizip Präsens aktiv), das durch und mit dem Partizip predigte aus dem letzten Vers verbunden ist und auch so aufgelöst wurde. Die Konstruktion weist die folgende direkte Rede als die Kernbotschaft von Jesu Verkündigung aus. (Zurück zu v.15)
ar{dass}: Das ὅτι recitativum übersetzt man am besten als Doppelpunkt. (Zurück zu v.15 / zu v.40)
asDie Zeit ist eingetreten (gekommen, erfüllt) Die geläufige Übersetzung erfüllt ist etwas irreführend, weil es hier nicht um eine Vollendung, sondern um eine heilsgeschichtliche Erfüllung im Sinne des Eintretens des richtigen Zeitpunkts geht (Guelich 1989, 43; vgl. Delling, πληρόω, 294f.). Vgl. GNB „Es ist so weit“, NLB, HfA „Jetzt ist die Zeit gekommen“ (ebenso NIV). Bei den beiden Verben eingetreten und nahegekommen handelt es sich um Perfekte. Das Perfekt betont den gegenwärtigen Zustand, man könnte betonen: „Die Zeit ist da, Gottes Herrschaft ist nahe.“ Die beiden Aussagen stehen parallel zueinander und legen einander aus. (Zurück zu v.15)
atZu ergänzen (Zurück zu v.15)
auwährend … entlangging Ptz. conj. mit temporaler Sinnrichtung (Partizip Präsens aktiv), als Nebensatz mit während übersetzt (ebenfalls möglich: „als, gerade“). (Zurück zu v.16)
avsah er ..., die … warfen AcP (Partizip Präsens aktiv), hier als Relativsatz aufgelöst. Möglich wäre auch: „sah er, wie Simon und Andreas…“. Wurfnetze (ein Wurfnetz) werfen Das Verb spricht nur von der Tätigkeit, führt aber nicht aus, ob es sich um ein oder mehrere Netze handelt. Es wird auch nicht klar, ob die beiden von einem Boot aus oder im flachen Wasser fischten (allerdings deutet V. 18 auf Ersteres hin). Bei dem Wurfnetz handelte es sich um ein rundes, am Rand beschwertes Netz, das man nach Fischschwärmen warf (Guelich 1989, 50). Schöner wäre vielleicht die Übersetzung „mit Wurfnetzen fischen“, aber die Lokalangabe ins Meer erfordert ein Objekt. ins Meer Gr. ἐν τῇ θαλάσσῃ „im Meer“. Nach Guelich 1989, 49 schreibt Markus hier in hellenistischem Dialekt, in dem die Präpositionen ἐν „in“ (wie darin) und εἰς „in (hinein)/zu (hin)“ austauschbar benutzt wurden. (Zurück zu v.16)
awW. ein AcI, der sich übersetzen lässt als „dann werde ich machen, dass ihr Fischer [der] Menschen werdet“. Da die griechische Konstruktion kompliziert ist und sich ohnehin nicht direkt übersetzen lässt, haben wir die Übersetzung etwas vereinfacht. Das Griechische würde nämlich auch Sinn ergeben, wenn man γενέσθαι „werden“ weglässt (wie unsere Übersetzung). Damit folgen wir einer in deutschen Übersetzungen gängigen Praxis (auch REB). (Zurück zu v.17)
axließen sie ... und Temporal-modales Ptc. coni., mit „und“ beigeordnet. (Zurück zu v.18)
aynachdem er weitergegangen war Ptc. coni. (Partizip Aorist aktiv), temporal als Nebensatz mit nachdem übersetzt. (Zurück zu v.19)
azsah er …. Auch sie Oder: „sah er, wie auch Jakobus und Johannes im Boot ihre Netze in Ordnung brachten“, was aber irreführend formuliert ist. Es handelt sich wie schon in V. 16 um einen AcP, der ähnlich formuliert ist wie dort. Die Ergänzung von [saßen] und [und] war notwendig, um anzuzeigen, dass Markus als Gemeinsamkeit zwischen Simon und Andreas sowie Jakobus und Johannes lediglich ausmacht, dass sich beide im Boot befanden (France 2002, 98). In Ordnung bringen wird häufig mit „ausbessern“ wiedergegeben, könnte aber auch einfach „vorbereiten“ oder „zusammenlegen“ bedeuten (Guelich 1989, 52). (Zurück zu v.19)
bagingen W. „gingen weg“, doch das drückt im Deutschen schon das erste Verb aus. Es ist auf Deutsch auch nicht so leicht, die Bewegung in zwei Richtungen gleichzeitig auszudrücken. (Zurück zu v.20)
bbsie begaben sich Historisches Präsens. (Zurück zu v.21)
bcDann W. „gleich/sofort“, doch Markus benutzt das Wort nicht um Unmittelbarkeit anzuzeigen, sondern um den nächsten Handlungsschritt einzuführen und die Spannung aufrecht zu erhalten (Guelich 1989, 54; France 2002, 103). (Zurück zu v.21 / zu v.23)
bd[am] Sabbat Temporaler Dativ. (Zurück zu v.21)
bebegab er sich … und Ptz. conj. (Ptz. Aor., temporal-modal), durch Beiordnung mit „und“ aufgelöst. (Zurück zu v.21)
bfbegann er in der Synagoge (begab er sich in die Synagoge und begann) zu lehren Die Varianten sind durch eine textkritische Variation bedingt. Textkritik: NA28 liest zusammen mit den meisten Zeugen (einschließlich B, A und Mehrheitstext) εἰσελθὼν εἰς τὴν συναγωγὴν ἐδίδασκεν (die Übersetzung in der Klammer). SBLGNT liest dagegen ἐδίδασκεν εἰς τὴν συναγωγήν wie 01 C L Δ f13, einige syrische und koptische Handschriften sowie Origenes (die Übersetzung im Text). Einige weitere geringe Abweichungen in anderen Handschriften deuten daraufhin, dass die Position der beiden Verben als Problem wahrgenommen wurde. So liest bspw. C ἐδίδασκεν noch vor „am Sabbat“ (und ohne εἰσελθὼν), während 33 εἰσελθὼν ἐδίδασκεν εἰς τὴν συναγωγὴν bezeugt. Nur die zweite Lesart kann deren Entstehung erklären, gleichzeitig passt sie gut zu Markus' Stil. In dieser Variante wird εἰς nämlich wie ἐν gebraucht, was uns in Markus schon mehrmals begegnet ist (vgl. die Fußnote in V. 16, aber auch εἰς τὸν Ἰορδάνην „im Jordan“ in V. 9). Um das zu korrigieren, veränderte man im Laufe der Überlieferung die Wortstellung und fügte εἰσελθὼν hinzu, damit Jesus zunächst „in die Synagoge hinein“ gehen konnte, anstatt quasi „in die Synagoge“ zu lehren. Als attizierende, stilistisch glättere Lesart wäre die Variante aus NA28 dann sekundär (so Willker 2013, 32f.; Collins 2007, 161; France 2002, 99; Greeven (Güting 2005, 78ff.)). Von dieser markinischen Konstruktion her haben wir uns offenbar dazuzudenken, dass Jesus die Synagoge auch betrat; vgl. die ähnlichen Konstruktionen in Mk 10,10; 13,9 (France 2002, 101). (Zurück zu v.21)
bgbegann zu lehren Inchoatives Imperfekt (Siebenthal 2011, §198e). (Zurück zu v.21)
bhtief beeindruckt Dieses Wort benutzen die Evangelisten meist, um die Reaktion der Zuhörer auf Jesu Lehre und Taten zu beschreiben. Sie scheinen verblüfft, ja baff zu sein über das, was sie sehen und hören, und müssen sich an Jesu Art erst gewöhnen (z.B. Mt 19,25; Mk 6,2; 7,37; 10,26). In Lk 2,48 sind seine Eltern verblüfft, Jesus nach langer Suche im Tempel zu finden. In Lk 9,43 beschreibt das Verb die Reaktion der Menge auf eine von Jesu Dämonenaustreibungen. Mk 11,18 zeigt die Menge „fasziniert“ oder „in Bann geschlagen“ von Jesu Lehre. Zür: „überwältigt“, Menge, : „(sehr) betroffen“, Luther „sie entsetzten sich“, REB „sie erstaunten sehr“. NGÜ, GNB wie OfBi. (Zurück zu v.22)
bimit einem unreinen Geist Gr. ἐν, instr. „mit“, gibt hier, semitisch formulierend, die Präposition ב wieder (Guelich 1989, 54). Markus benützt diese Formulierung für dämonische Besessenheit, aber auch den Einfluss des Heiligen Geistes (Mk 12,36; vgl. Lk 2,27) (France 2002, 103, der „unter dem Einfluss“ als Übersetzung vorschlägt). NSS, Lut, , GNB: „besessen von“, NGÜ: „der einen bösen Geist hatte“, REB, Zür, Menge: „mit“. (Zurück zu v.23)
bjWas willst du von uns? W. „Was uns und dir?“ In Mk 5,7; Mt 8,29; Lk 8,28 greifen Besessene gegenüber Jesus zur selben Wendung. Die Frage ist häufig Ausdruck einer ablehnenden Haltung in einer für den Sprecher unangenehmen oder bedrohlichen Situation, in der er sich dennoch fügen muss. So unter dem Eindruck der Bedrohung: „Was habe ich dir angetan?“ (Ri 11,12; 1Kö 17,18; 2Chron 35,21 LXX) Sie kann auch Distanz zum Anliegen eines Bittstellers zum Ausdruck bringen: „Was soll das?“ oder „Lasst das sein!“ (2Sam 16,10; 19,23 LXX), sinngemäß: „Lass mich in Ruhe, finde einen anderen!“ (2Kö 3,13 LXX), oder gleichgültige Distanzierung (Hos 14,9 LXX). Auf der Hochzeit in Kana bittet Jesus seine Mutter Maria mit der gleichen Wendung, sich nicht in seinen messianischen Dienst einzumischen (Joh 2,4) (vgl. France 2002, 103f.; NET Mk 1,24 Fn 48; BA ἐγώ). Im Zusammenhang mit einem bösen Geist, der sich bedroht fühlt, ist (hier und 5,7; Mt 8,29; Lk 8,28) wohl auch das defensive Element vorhanden, sinngemäß könnte man also sagen: „Was haben wir dir getan? Lass uns in Ruhe!“ Zür, REB, GNB: „Was haben wir mit dir zu schaffen?“, Lut, Menge, NGÜ: „Was willst du von uns?“ (Zurück zu v.24)
bkJesus von Nazaret W. „Jesus [der] Nazarener“. Hier wurde der bekanntere deutsche Titel für die Übersetzung vorgezogen. (Zurück zu v.24)
blder Heilige Gottes ist kein Titel, der häufig für Jesus benutzt wird (nur Joh 6,69), auch keiner, den das AT dem Messias zuschreibt. Dort wird er lediglich auf Männer mit enger Gottesbeziehung angewandt (Aaron in Ps 106,16; Elisa in 2Kö 4,9; Simson in Ri 16,17). Hier stellt der Titel einen Kontrast her zwischen dem unreinen Geist und dem heiligen Jesus (France 2002, 104). An anderen Stellen nennen Dämonen Jesus den Sohn Gottes (Mk 3,11; 5,7). Möglich, dass der Dämon hier ein Wortspiel zwischen dem hebräischen Wort für Nazaret und dem Wort נזיר „heilig“ anstellt, wie es bspw. in Ri 13,7 (LXX sowohl ναζιραῖος Θεοῦ als auch ἃγιος Θεοῦ) im Zusammenhang mit Simson vorkommt. Die beiden Wörter klingen ähnlich (Guelich 1989, 57; Pesch 1976, 122). (Zurück zu v.24)
bmwies ihn an (unterwarf ihn seiner Kontrolle) Gr. ἐπιτιμάω wird häufig mit „wies ihn zurecht“ übersetzt, ist bei Markus aber ein Wort, das das Ausüben göttlicher Kontrolle, also einen unwiderstehlichen Befehl bezeichnet (France 2002, 104f.). Ähnlich macht Jesus es mit mehreren Dämonen in Mk 3,12. Guelich schlägt die Übersetzung seiner Kontrolle unterwerfen vor (engl. „subdue“; ders. 1989, 57f.). , NGÜ: „befahl“. Eher unpassend Zür: „schrie ihn an“. (Zurück zu v.25)
bnnachdem … geschüttelt … geschrien Ptz. conj. (Partizip Aorist aktiv), temporal-modal, hier vorzeitig verstanden und als Nebensatz mit nachdem aufgelöst. (Zurück zu v.26)
boeinander fragten Oder „miteinander diskutierten“ (vgl. France 2002, 105). Als elegantere deutsche Formulierung für die gesamte Reaktion der Zuhörer wäre „und sie wussten nicht, was sie davon halten sollten“ eine Möglichkeit. (Zurück zu v.27)
bpin der ganzen Umgebung, [in ganz] Galiläa (im ganzen Umland von Galiläa) Die Übersetzung hängt davon ab, wie man den Genitiv τῆς Γαλιλαίας versteht. Als epexegetischer Genitiv ist „die ganze Umgebung, also Galiläa“ gemeint (bzw. „das ganze Umland [von Kafarnaum], also Galiläa“). Ist der Genitiv attributiv gemeint, nimmt Markus das Umland von Galiläa, also die erweiterte Region in den Blick (France 2002, 106; Guelich 1989, 54). (Zurück zu v.28)
bqdann W. „gleich/sofort“, doch Markus benutzt das Wort nicht um Unmittelbarkeit anzuzeigen, sondern um den nächsten Handlungsschritt einzuführen und die Spannung aufrecht zu erhalten (Guelich 1989, 54; France 2002, 103). Hier könnte das Wort auch das aufgelöste Partizip verließen modifizieren, dann könnte die Übersetzung bspw. lauten: „Und sie verließen die Synagoge gleich darauf und...“ (Zurück zu v.29)
brverließen … und Ptz. conj. (Aorist), als temporaler Nebensatz übersetzt. Alternativ mit „als“ oder „nachdem“. (Zurück zu v.29)
bslag mit Fieber [im Bett] ist durativ (Imperfekt). Mit Fieber übersetzt das adv. Ptz. modal als Präpositionalphrase, alternativ „und hatte Fieber“ oder „fiebernd“, auch eine kausale Sinnrichtung wäre möglich: „lag im Bett, weil sie Fieber hatte“. [im Bett] wird von vielen Übersetzungen (, NGÜ, GNB) sinngemäß ergänzt, weil das Griechische ohne Lokalangabe auskommt. Das Bett könnte hier je nach Wohlstand auch aus einem Lager auf einer Binsenmatte bestanden haben (NBD, 489). (Zurück zu v.30)
bterzählten Historisches Präsens. (Zurück zu v.30)
buging zu … und Beschreibendes Partizip modal-temporaler Sinnrichtung, mit „und“ aufgelöst. (Zurück zu v.31)
bvindem er ihre Hand nahm Ptz. conj., modal als Nebensatz mit „indem“ aufgelöst. (Zurück zu v.31)
bwbegann, sie zu bedienen Vermutlich inchoatives Imperfekt. (Zurück zu v.31)
bxAls es Abend geworden war … und Temporales Gen. abs. (Aorist), temporal-vorzeitig übersetzt, wobei der Nebensatz mit „und“ an den folgenden angeschlossen sowie dessen Konjunktion (als) vorgezogen wurde. Die Leute warteten bis zum Abend, um die Sabbatruhe (vgl. V. 21) zu wahren, die bei Sonnenuntergang endete. (Zurück zu v.32)
bybrachte (V. 32) / heilte / trieb aus / ließ (V. 34) Das Imperfekt zeigt an, dass es an diesem Abend fortlaufend geschah. (Zurück zu v.32 / zu v.34)
bzalle Kranke(n) Subst. Ptz.. Oder „alle, denen es schlecht ging“. ELB: „Leidenden“. (Zurück zu v.32 / zu v.34)
cawar versammelt Periphrastisches Partizip. (Zurück zu v.33)
cbfrüh morgens … ganz dunkel Oder: „sehr früh morgens, [als es noch] dunkel [war]“. (Zurück zu v.35)
ccstand er auf Modal-temporales Ptz. conj., hier als Indikativ übersetzt und in die Satzkette eingereiht. (Zurück zu v.35)
cd[eine Zeit lang] betete Das Imperfekt zeigt an, dass er eine Weile mit Beten verbrachte – daher die eingefügte Zeitangabe. (Zurück zu v.35)
cespürten (eilten) ihm nach Das Wort heißt eigentlich meist „nachjagen, verfolgen“ und macht auch hier den Druck greifbar, den die vier Jünger ob der Menschenmenge empfanden (France 2002, 112). Sinngemäß formuliert: „versuchten hektisch/verzweifelt, ihn ausfindig zu machen“. (Zurück zu v.36)
cfund fanden ihn. {und} Sie teilten ihm mit (sagten) {dass}: Oder: „Als sie ihn fanden, teilten sie ihm mit“ (Lut, , NGÜ). teilten mit Historisches Präsens. {dass}: ὅτι recitativum. (Zurück zu v.37)
cgentgegnete Historisches Präsens. (Zurück zu v.38)
chaus [der Stadt] gekommen (bin gekommen, ausgezogen) Gr. ἐξῆλθον „(hin)ausgegangen, herausgekommen, verlassen“. Die Frage ist: Bezieht sich Jesus darauf, dass er die Stadt Kafarnaum verlassen hat (wie dasselbe Wort in V. 35 anzeigen kann – im Griechischen ist wie beim Synonym „hinausgehen“ kein Objekt nötig), oder dass er dazu vom Vater aus (bzw. aus dem Himmel) gekommen ist (wie es Lukas in der Parallelstelle Lk 4,43 meint)? Die meisten Übersetzer entscheiden sich für die zweite Option, die auch im Johannesevangelium eine große Rolle spielt (vgl. Joh 8,42; 13,3; 16,27-28). Vordergründig scheint Jesus sich auf seinen Dienst zu beziehen, der sich von hier an auf ganz Galiläa ausdehnt (so Pesch 1976, 138; Guelich 1989, 70, der die zweite Option ganz ausschließt). Eine Variante dieser Option ist, dass Jesus zu diesem Zweck ausgezogen ist, das Predigen also als seine Mission versteht, ohne mit dieser Aussage aber eine johanneische Herkunft vom Vater in den Blick zu nehmen (Option 3, so wohl Menge). Es ist jedoch durchaus vorstellbar, dass er für den kundigen christlichen Leser bewusst zweideutig formuliert, sodass die Aussageabsicht, die Lukas ganz eindeutig macht, hier mitschwingt (France 2002, 113; Blight 2012, 81). Option 1 erhält hier den Vorzug, weil es sich um die aus dem Kontext offenkundige Bedeutung handelt. Die meisten Übersetzungen entscheiden sich jedoch für die eher sinngemäße Formulierung „dazu bin ich gekommen“ (, Lut, NGÜ, GNB, Zür, vgl. REB), die auf Option 2 oder Option 3 hindeutet. (Zurück zu v.38)
cidurch ganz Galiläa … in ihren Synagogen In beiden Fällen kommt als Präposition εἰς „zu (hin), in (hinein)“ zum Einsatz. Zum flexiblen Gebrauch der Präposition bei Markus s. die Fußnoten in V. 16 und V. 21 (France 2002, 113). Wie schon in V. 21 haben Kopisten einiger Manuskripte versucht, die für fehlerhaft gehaltene Lesart zu korrigieren. (Zurück zu v.39)
cjpredigte und trieb aus Temporal-modale Ptz. conj., als Indikative in einer Satzreihe aufgelöst. (Zurück zu v.39)
ckkam Historisches Präsens. (Zurück zu v.40)
clder anflehte … auf die Knie fiel Zwei modal-temporale Ptz. conj., hier als Relativsatz aufgelöst. Textkritik: In einigen Handschriften (B, D u.a.) fehlt καὶ γονυπετῶν (καὶ) und auf die Knie fiel (und). (NA28 liest das eingeklammerte „und“, SBLGNT nicht.) Der byzantinische Text liefert die etwas längere Lesart καὶ γονυπετῶν αὐτὸν καὶ. Aus der längeren Variante (entweder von 01 oder von byz) könnten die kürzeren durch einen Auslasser wg. Homoioteleuton entstanden sein. Der doppelnde Stil wäre typisch für Markus. Wenn die Berichte in Matthäus, Markus und Lukas auf einheitlichen Informationen beruhen, dann ist die längere Variante wahrscheinlich ursprünglich – es kommt auch keine spätere Angleichung in Frage, weil die Evangelisten unterschiedlich formulieren. Diese Übersetzung folgt SBLGNT, Greeven/Güting 2005, 114ff. und Willker 2013, 50ff., indem sie das zweite καὶ als sekundär versteht. (Zurück zu v.40)
cmwobei er ihm zurief Ptz. conj., hier als modaler Nebensatz aufgelöst. Die Übersetzung hängt auch von der textkritischen Entscheidung ab, die in der vorigen Fußnote angesprochen wird. (Zurück zu v.40)
cnhatte Mitleid, darum Ptz. conj. (modal-temporal oder kausal), hier kausal als Hauptsatz formuliert, der Jesu folgende Handlung begründet. Die Auflösung als Nebensatz mit „und“, „weil“ wäre alternativ ebenso möglich wie die Präpositionalphrase „voller Mitleid“. NGÜ: „Von tiefem Mitleid ergriffen“.

Textkritik: In einigen wenigen Handschriften (D a ff2 r1, auch SBLGNT) steht nicht σπλαγχνισθεὶς hatte Mitleid (so NA28), sondern ὀργισθείς „wurde zornig“. Diese Lesart ist zwar äußerst schwach bezeugt, aber schwieriger, und plausibel. Sie passt zu Jesu emotionaler Reaktion in V. 43. Sie passt zu ähnlichen Reaktionen Jesu an anderer Stelle (Mk 3,5; 7,34; 10,14; Joh 9,19.23; 11,33.38). Die verbreitetere Lesart könnte zwar Ergebnis einer Abmilderung sein, doch an anderen Stellen hatten Kopisten offensichtlich kein Problem mit ähnlichen Formulierungen. Allerdings könnte die Änderung hier darauf zurückzuführen sein, dass eine Zornesäußerung schwer in die Geschichte passt. Mt 8,3 und Lk 5,13 drücken sich beinahe identisch aus, enthalten jedoch gar kein Partizip – was ebenfalls dafür sprechen könnte, dass das unerklärliche „wurde zornig“ in ihrer Tradition enthalten war, sie es aber wegließen. So sprechen die internen Kriterien ganz für diese Lesart. Viele Ausleger akzeptieren sie daher als die schwierigere Lesart (Guelich 1989, 72; France 2002, 116; Güting 2005, 119-22). Allerdings ist die Lesart zwar alt, aber auch hauptsächlich von westlichen Handschriften bezeugt, die gewöhnlich weniger externes Gewicht erhalten. Sie könnte zudem auch als Angleichung an V. 43 entstanden sein. Wir behalten darum wie NA28 zunächst das deutlich besser überlieferte hatte Mitleid (vgl. Metzger 1994, 65; so die allermeisten Übersetzungen außer NIV).

Akzeptiert man die schwach bezeugte Variante, ist der Grund für Jesu Zorn schwer auszumachen. Vermutlich richtet sich der Zorn nicht gegen den Mann (sonst würde Jesus anders reagieren), sondern am ehesten gegen seine Erkrankung, die die Gefallenheit der Welt und das Wirken des Bösen in ihr vor Augen führt (ebd. 117; Guelich 1989, 74). Eine ähnliche Erklärung bietet sich bspw. n Mk 7,34 oder Joh 11,33 an. (Zurück zu v.41)
costreckte aus Ptz. conj. (modal-temporal), hier als Indikativ übersetzt und beigeordnet. (Zurück zu v.41)
cpermahnte streng Ptz. conj. (modal-temporal). Das Wort drückt bei Menschen meist wütende Erregung aus (z.B. Joh 11,33.38), allerdings geht es hier um Kommunikation (es steht mit Dativ-Objekt), nicht um Gemütserregung. An anderen, vergleichbaren Stellen ist oft ein feindseliger Unterton zu spüren: In Dan 11,30 LXX scheint von überlegener oder harscher Zurechtweisung oder Bedrohung die Rede zu sein. In Mk 14,5 kommt es vielleicht im Sinn von „jemdn. scharf zurechtweisen/schimpfen“ vor. Wie in Mt 9,30 scheint daher eher etwas im Sinne einer strengen Ermahnung gemeint zu sein (vgl. LSJ ἐμβριμάομαι, weil der Kontext nicht verrät, warum Jesus plötzlich so erregt sein sollte (vgl. Collins 2007, 179). Guelich versteht das Wort daher als Beschreibung einer orientalischen Geste, die Schweigen signalisiert (Guelich 1989, 75). Mt 8,4 und Lk 5,14 schwächen die Beschreibung im Vergleich ab. Lut: „drohte“, Zür: „fuhr an“, : „schärfte ein“, NGÜ: „ermahnte“, GNB: „befahl streng“ (Zurück zu v.43)
cqsagte Historisches Präsens. (Zurück zu v.44)
crniemandem etwas Im Griechischen eine doppelte Verneinung, die Warnung noch schärfer macht. (Zurück zu v.44)
cs[für (gegen)] sie Dativus commodi (für) oder incommodi (gegen), wobei sie im Plural steht. Ein Zeugnis oder Nachweis gegen entspräche dem griechischen Sprachgebrauch und würde sich dann vielleicht gegen solche richten, die Jesu Treue zum Gesetz in Zweifel ziehen (so Guelich 1989, 77). Vgl. : „Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein.“, GNB: „Die Verantwortlichen sollen wissen, dass ich das Gesetz ernst nehme.“ Eine andere Deutung: Jesus meint den Beweis für sie, nämlich die Führer des Volkes, dass er tatsächlich Wunder vollbringen kann und somit von Gott kommt (Collins 2007, 179). Die einfachste Interpretation ist freilich, dass es sich bei dem Durchlaufen der in Lev 14,1-32 vorgeschriebenen Reinigungshandlung samt Untersuchung durch einen Priester und Dankopfer um eine „Demonstration“ der Echtheit seiner Heilung gegenüber den Priestern (Pesch 1976, 146) oder dem Volk (France 2002, 120) handelt. (Zurück zu v.44)
ctals er hinausging Ptz. conj., temporal-gleichzeitig übersetzt als Nebensatz mit „als“. Denkbar wäre auch „nachdem er hinausgegangen war“ (vorzeitig) oder „er ging hinaus und“. (Zurück zu v.45)
cu[davon] zu erzählen/verkündigen Es geht im Kontext zunächst um die Geschichte seiner Heilung. Das Wort κηρύσσειν, das vorher für die Predigten Jesu benutzt wurde, könnte jedoch auch darauf hindeuten, dass der Mann im Rahmen seiner Heilungsgeschichte auch über Jesus und dessen Evangelium predigte (Collins 2007, 179f.). So GNB: „Aber der Mann ging weg und fing überall an, von Jesus und seiner Botschaft zu erzählen und davon, wie er geheilt worden war.“ Ebenfalls möglich ist die Übersetzung „er begann, [über] vieles zu predigen“ (Guelich 1989, 77). (Zurück zu v.45)
cvsich aufhielt ist die sinngemäße Wiedergabe von war. (Zurück zu v.45)
cwkamen weiter (begannen zu kommen) Die Übersetzung gibt das Imperfekt durativ/iterativ wieder, die Klammer inchoativ. Beide Deutungen sind denkbar. (Zurück zu v.45)