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{{S|16}} Dann brachen sie (brach er)<ref>'''Textkritik''': MT, Sam und die Targumim haben Pl. und damit exakt die selbe Formulierung wie in V. 5. LXX, VUL und Syr dagegen haben Pl. Ball 1896, BHK und BHS gehen nicht auf diese Differenz ein; Wevers 1993, S. 583 und BHQ halten MT für ursprünglich und LXX, VUL und Syr für eine Assimilation an den Nahkontext, da zuvor ebenfalls nur von Jakob im Sg. die Rede war und V. 21 von „Israel“ im Sg. spricht. Mindestens ebensogut möglich wäre es, dass MT V. 16 an V. 5 angeglichen hat, wonach LXX, VUL und Syr den ursprünglichen Text böten. So aber m.W. (S.W.) kein:e Ausleger:in, daher sollte auch OfBi besser MT folgen. Der Rest ist textkritisch unproblematisch, aber ein sehr schönes Bsp. für einen Augensprung: Weil in der Formulierung von LXX Vv. 16 ebenso beginnt wie V. 21, hat ein Schreiber mit V. 16 begonnen, dann den Rest von V. 21 angeschlossen und dann erst V. 16 beendet: ''Dann brach er auf von Bethel.'' (V. 16a) ''Er schlug sein Zelt gegenüber von Migdal Eder auf.'' (V. 21) ''Es war noch eine Land-Chabrata zu gehen...'' (V. 16b).</ref> auf von Bethel. Es war noch (ungefähr eine Land-''berah''=) ungefähr eine Postmeile<ref>W. ''kibrah des Landes''. ''kibrah'' scheint dabei ein unbekanntes und nur noch in [[Genesis 48#s7 |Gen 48,7]] belegtes Landmaß zu sein. Das Wort war offenbar auch den Alten unbekannt; man sieht daher hier einen ganzen Blumenstrauß von Strategien der Alten, mit unbekannten Worten umzugehen: (1) LXX transkribiert schlicht als ''chabratha''. (2) TgO wählt stattdessen ein anderes Landmaß, Aq übersetzt allgemein „Wegstrecke über das Land“. (3) Weil das Wort aussieht wie die Präp. ''k-'' + das Wort ''bar'' („Getreide“), haben TgJ und TgN „zur Erntezeit“ und VUL ähnlich „zur Frühlingszeit“. (4) Syr kombiniert (2) und (3): „Zur [Zeit des] Pflügens von einer Parasange Land“ (vgl. BHQ 165*). (5) Weil es außerdem aussieht wie das heb. Wort für „Sieb“, deutet schließlich Midrasch GenR: „Als das Land löchrig war wie ein Sieb.“<br />Die beste Erklärung ist die mithilfe des akkadischen ''bēr'' („Zweistundenstrecke“; das Wort entspricht damit exakt der alten „Postmeile“ = „eine Wegstrecke von zwei Stunden“), das d.Ö. in der Fügung ''bēr qaqqari'' („Land-Zweistundenstrecke“) verwendet wird (z.B. Vogt 1975; Wenham 1994; Ritter 2003, S. 28; Steinmann 2019; ALTER; auch die „Meile“ von Boecker 1992 rechnet wohl noch mit der Postmeile – der Einwand von Ruppert 2005, außer Garbini 1977 habe sich niemand Vogt angeschlossen, stimmt also nicht). „Ungefähr (''k-'') eine Zweistundenstrecke“ sind dann, wenn wir von der Annahme in ISBE ausgehen, das Längenmaß „Tagesreise“ rechne mit acht Stunden Reise bei durchschnittlich 5km/h, also 40km, „ungefähr 10 km“.<br />Ist das richtig, hat der Autor dieses ungebräuchliche Längenmaß gewiss gewählt, um zu unterstreichen, wie bitter das Timing ist: Nur noch ''eine'' Postmeile wäre zurückzulegen gewesen, bis in Efrata Rahel eine bessere Infrastruktur zum Gebären zur Verfügung gehabt hätte!</ref> zu gehen nach Efrata (Efrat).<ref>''Efrata (Efrat)'' - Die Endung ''-ah'' ist entweder die Lokativ-endung („''bis'' Efrat“) oder gehört zum Wort („[bis] Efrata“). [[Genesis 48#s7 |Gen 48,7]] rechnet mit Option 1 und spricht von „Efrat“; die Gleichsetzung von „Efrat(a)“ mit Bethlehem in V. 19 dagegen rechnet mit Option 2. So auch die meisten dt. Üss.; „Efrat“ nur in B-R, ELB, MEN, PAT, R-S, TUR, van Ess, ZÜR. Auch LUT übersetzt neuerdings mit „Efrata“.</ref> Da gebar Rahel, und sie hatte es schwer beim Gebären. | {{S|16}} Dann brachen sie (brach er)<ref>'''Textkritik''': MT, Sam und die Targumim haben Pl. und damit exakt die selbe Formulierung wie in V. 5. LXX, VUL und Syr dagegen haben Pl. Ball 1896, BHK und BHS gehen nicht auf diese Differenz ein; Wevers 1993, S. 583 und BHQ halten MT für ursprünglich und LXX, VUL und Syr für eine Assimilation an den Nahkontext, da zuvor ebenfalls nur von Jakob im Sg. die Rede war und V. 21 von „Israel“ im Sg. spricht. Mindestens ebensogut möglich wäre es, dass MT V. 16 an V. 5 angeglichen hat, wonach LXX, VUL und Syr den ursprünglichen Text böten. So aber m.W. (S.W.) kein:e Ausleger:in, daher sollte auch OfBi besser MT folgen. Der Rest ist textkritisch unproblematisch, aber ein sehr schönes Bsp. für einen Augensprung: Weil in der Formulierung von LXX Vv. 16 ebenso beginnt wie V. 21, hat ein Schreiber mit V. 16 begonnen, dann den Rest von V. 21 angeschlossen und dann erst V. 16 beendet: ''Dann brach er auf von Bethel.'' (V. 16a) ''Er schlug sein Zelt gegenüber von Migdal Eder auf.'' (V. 21) ''Es war noch eine Land-Chabrata zu gehen...'' (V. 16b).</ref> auf von Bethel. Es war noch (ungefähr eine Land-''berah''=) ungefähr eine Postmeile<ref>W. ''kibrah des Landes''. ''kibrah'' scheint dabei ein unbekanntes und nur noch in [[Genesis 48#s7 |Gen 48,7]] belegtes Landmaß zu sein. Das Wort war offenbar auch den Alten unbekannt; man sieht daher hier einen ganzen Blumenstrauß von Strategien der Alten, mit unbekannten Worten umzugehen: (1) LXX transkribiert schlicht als ''chabratha''. (2) TgO wählt stattdessen ein anderes Landmaß, Aq übersetzt allgemein „Wegstrecke über das Land“. (3) Weil das Wort aussieht wie die Präp. ''k-'' + das Wort ''bar'' („Getreide“), haben TgJ und TgN „zur Erntezeit“ und VUL ähnlich „zur Frühlingszeit“. (4) Syr kombiniert (2) und (3): „Zur [Zeit des] Pflügens von einer Parasange Land“ (vgl. BHQ 165*). (5) Weil es außerdem aussieht wie das heb. Wort für „Sieb“, deutet schließlich Midrasch GenR: „Als das Land löchrig war wie ein Sieb.“<br />Die beste Erklärung ist die mithilfe des akkadischen ''bēr'' („Zweistundenstrecke“; das Wort entspricht damit exakt der alten „Postmeile“ = „eine Wegstrecke von zwei Stunden“), das d.Ö. in der Fügung ''bēr qaqqari'' („Land-Zweistundenstrecke“) verwendet wird (z.B. Vogt 1975; Wenham 1994; Ritter 2003, S. 28; Steinmann 2019; ALTER; auch die „Meile“ von Boecker 1992 rechnet wohl noch mit der Postmeile – der Einwand von Ruppert 2005, außer Garbini 1977 habe sich niemand Vogt angeschlossen, stimmt also nicht). „Ungefähr (''k-'') eine Zweistundenstrecke“ sind dann, wenn wir von der Annahme in ISBE ausgehen, das Längenmaß „Tagesreise“ rechne mit acht Stunden Reise bei durchschnittlich 5km/h, also 40km, „ungefähr 10 km“.<br />Ist das richtig, hat der Autor dieses ungebräuchliche Längenmaß gewiss gewählt, um zu unterstreichen, wie bitter das Timing ist: Nur noch ''eine'' Postmeile wäre zurückzulegen gewesen, bis in Efrata Rahel eine bessere Infrastruktur zum Gebären zur Verfügung gehabt hätte!</ref> zu gehen nach Efrata (Efrat).<ref name="Efrat">''Efrata (Efrat)'' - Die Endung ''-ah'' ist entweder die Lokativ-endung („''bis'' Efrat“) oder gehört zum Wort („[bis] Efrata“). [[Genesis 48#s7 |Gen 48,7]] rechnet mit Option 1 und spricht von „Efrat“; die Gleichsetzung von „Efrat(a)“ mit Bethlehem in V. 19 dagegen rechnet mit Option 2. So auch die meisten dt. Üss.; „Efrat“ nur in B-R, ELB, MEN, PAT, R-S, TUR, van Ess, ZÜR. Auch LUT übersetzt neuerdings mit „Efrata“.</ref> Da gebar Rahel, und sie hatte es schwer beim Gebären. | ||
{{S|17}} Als sie es schwer (am schwersten)<ref>'''tFN''': V. 16 hat das Wort im sog. Piel-Stamm, V. 17 im sog. Hifil-Stamm. Speiser 1964 rechnet daher mit einer „superlativischen Bedeutung des Hifil“. Angeschlossen hat sich z.B. Wenham 1994. Beide übersetzen daher hier: „When her labor was at its hardest...“. Diese Stelle ist aber die einzige mir (S.W.) bekannte Stelle, bei der diese Annahme überzeugend ist; solange keine weiteren Belegstellen beigebracht wurden, kann man Speiser und Wenham nicht guten Gewissens folgen.</ref> hatte bei ihrem Gebären, sagte zu ihr die Hebamme: „Fürchte dich nicht, denn auch dieser [wird sein (ist)] dir ein (denn auch diesmal [wirst du haben (hast du)] einen) Sohn!“<ref>Die Hebamme weiß also um Rahels in [[Genesis 30#s4 |Gen 30,24]] geäußerten Wunsch, durchaus noch einen weiteren Sohn gebären zu wollen.</ref> {{par|1Sam|4|20}} | {{S|17}} Als sie es schwer (am schwersten)<ref>'''tFN''': V. 16 hat das Wort im sog. Piel-Stamm, V. 17 im sog. Hifil-Stamm. Speiser 1964 rechnet daher mit einer „superlativischen Bedeutung des Hifil“. Angeschlossen hat sich z.B. Wenham 1994. Beide übersetzen daher hier: „When her labor was at its hardest...“. Diese Stelle ist aber die einzige mir (S.W.) bekannte Stelle, bei der diese Annahme überzeugend ist; solange keine weiteren Belegstellen beigebracht wurden, kann man Speiser und Wenham nicht guten Gewissens folgen.</ref> hatte bei ihrem Gebären, sagte zu ihr die Hebamme: „Fürchte dich nicht, denn auch dieser [wird sein (ist)] dir ein (denn auch diesmal [wirst du haben (hast du)] einen) Sohn!“<ref>Die Hebamme weiß also um Rahels in [[Genesis 30#s4 |Gen 30,24]] geäußerten Wunsch, durchaus noch einen weiteren Sohn gebären zu wollen.</ref> {{par|1Sam|4|20}} | ||
{{S|18}} Als ihre Lebenskraft [sie] verließ, weil sie starb, sagte sie: „Sein Name [sei] Ben-Oni (=Sohn meines Leids, Sohn meiner Kraft)!“<br />Aber sein Vater nannte ihn Benjamin (=Sohn der rechten Seite, Sohn des Südens, Sohn der Tage).<ref>''Ben-Oni'' ... ''Benjamin'' - Umstrittener Name. (1a) In [[Genesis 49#s3 |Gen 49,3]] sagt Jakob über Ruben, er sei „Erstgeborener seiner Stärke, Erstling seiner ''`oni'' = Kraft“. Nach dieser Parallele nennt Rahel ihren zweiten und damit Jakobs jüngsten Sohn ebenso, wie er später seinen ältesten Sohn bezeichnen wird (so z.B. [https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/download/gen-35-16-20-und-49-3-4-sohn-meiner-kraft-meines-unheils/ BigS]; Schäfer-Bossert 1994). (1b) Wegen dem Kontext wird der zweite Bestandteil von Ben-Onis Name heute allerdings fast einheitlich stattdessen abgeleitet von ''´anah'' („leiden“). Dieser unschöne Name hätte Jakob dann zur Umbenennung veranlasst. Das wirkt auf den ersten Blick näherliegend; ebenso gut kann aber Jakob „einem positiv konnotierten Namen aus der Perspektive der Mutter ein[en] zweite[n] positive[n] aus der Perspektive des Vaters hinzu[gegeben haben]“ ([https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/14972/#h3 Mulzer 2008]). Wegen der sehr nahen Parallele Gen 49,3 ist wirklich das das Wahrscheinlichere.<br />(2a) Der zweite Teil von ''Ben-jamin'' könnte sich ableiten von ''jamim'' („Tage“) mit nuniertem Mem, also „Sohn [nach vielen] Tagen“ (so TestBen 1,16; Raschbam, ähnlich Chizkuni [„Sohn von Jakobs alten Tagen“], {{hebr}}שאנן{{hebr ende}} 1978). (2b) Weit häufiger wird dieses Wort aber abgeleitet von ''jamin'' („rechts, südlich“). Darüber, dass zumindest historisch gesehen dies mit ''jamin'' gemeint war, können wir uns wegen dem biblischen Running Gag, dass aus dem Stamm Benjamin mehrere Linkshänder hervorgingen ([[Richter 3#s15 |Ri 3,15]]; [[Richter 20#s15 |20,15f.]]; [[1 Chroniken 12#s2 |1 Chr 12,2]]), fast sicher sein. Wahrscheinlich ist mit den ''mārū jamīn(a/i)'' („Rechts-Leute, Süd-Leute“) auch ein sehr ähnlicher Volksname bezeugt. (2c) Die meisten Ausleger:innen gehen denn auch hiervon aus, deuten dann aber weiter: weil im | {{S|18}} Als ihre Lebenskraft [sie] verließ, weil sie starb, sagte sie: „Sein Name [sei] Ben-Oni (=Sohn meines Leids, Sohn meiner Kraft)!“<br />Aber sein Vater nannte ihn Benjamin (=Sohn der rechten Seite, Sohn des Südens, Sohn der Tage).<ref>''Ben-Oni'' ... ''Benjamin'' - Umstrittener Name. (1a) In [[Genesis 49#s3 |Gen 49,3]] sagt Jakob über Ruben, er sei „Erstgeborener seiner Stärke, Erstling seiner ''`oni'' = Kraft“. Nach dieser Parallele nennt Rahel ihren zweiten und damit Jakobs jüngsten Sohn ebenso, wie er später seinen ältesten Sohn bezeichnen wird (so z.B. [https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/download/gen-35-16-20-und-49-3-4-sohn-meiner-kraft-meines-unheils/ BigS]; Schäfer-Bossert 1994). (1b) Wegen dem Kontext wird der zweite Bestandteil von Ben-Onis Name heute allerdings fast einheitlich stattdessen abgeleitet von ''´anah'' („leiden“). Dieser unschöne Name hätte Jakob dann zur Umbenennung veranlasst. Das wirkt auf den ersten Blick näherliegend; ebenso gut kann aber Jakob „einem positiv konnotierten Namen aus der Perspektive der Mutter ein[en] zweite[n] positive[n] aus der Perspektive des Vaters hinzu[gegeben haben]“ ([https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/14972/#h3 Mulzer 2008]). Wegen der sehr nahen Parallele Gen 49,3 ist wirklich das das Wahrscheinlichere.<br />(2a) Der zweite Teil von ''Ben-jamin'' könnte sich ableiten von ''jamim'' („Tage“) mit nuniertem Mem, also „Sohn [nach vielen] Tagen“ (so TestBen 1,16; Raschbam, ähnlich Chizkuni [„Sohn von Jakobs alten Tagen“], {{hebr}}שאנן{{hebr ende}} 1978). (2b) Weit häufiger wird dieses Wort aber abgeleitet von ''jamin'' („rechts, südlich“). Darüber, dass zumindest historisch gesehen dies mit ''jamin'' gemeint war, können wir uns wegen dem biblischen Running Gag, dass aus dem Stamm Benjamin mehrere Linkshänder hervorgingen ([[Richter 3#s15 |Ri 3,15]]; [[Richter 20#s15 |20,15f.]]; [[1 Chroniken 12#s2 |1 Chr 12,2]]), fast sicher sein. Wahrscheinlich ist mit den ''mārū jamīn(a/i)'' („Rechts-Leute, Süd-Leute“) auch ein sehr ähnlicher Volksname bezeugt. (2c) Die meisten Ausleger:innen gehen denn auch hiervon aus, deuten dann aber weiter: weil im arabischen Sprachgebrauch die „rechte Seite“ die „Glücksseite“ ist, wäre danach Benjamin nicht das „Leidkind“, sondern das „Glückskind“. Im Hebräischen ist dieser Sprachgebrauch aber nicht belegt. (2d) Alternativ wird Benjamin gelegentlich als „Kind des Südens“ erklärt – entweder deshalb, weil Benjamin als einziges Kind Jakobs in Kanaan und damit südlich von Aram geboren war (z.B. Raschi, Ramban) oder weil das Stammesgebiet der Benjaminiter das südlichste von Nordisrael war (z.B. Klein 2019, S. 167). (2e) Tur schließlich nimmt ein Wortspiel an: Rahel habe das missverständliche „Sohn von ''Oni''“ gewählt und dabei nicht „Sohn meines Leids“ gemeint, sondern eben „Sohn meiner Kraft“, und Jakob hätte dies nur präzisiert, indem er seinen Sohn umbenannte zu „Sohn der rechten = kräftigen Hand.“ (2f) Mir (S.W.) ist die Deutung von Radak am sympathischsten, weil nach ihr der Name „Benjamin“ auch im Buch Genesis Sinn macht – und das sollten wir erwarten, da nur bei ihm unter Jakobs Kindern eine Geschichte zu seinem Namen erzählt wird. Radak geht aus von [[Psalm 80#s18 |Ps 80,18]], wonach „jemand ist zu jemandes rechter Hand“ ein Ausdruck für einen besonders geliebten Menschen ist, den man nicht von seiner Seite weichen lässt. Danach wäre „Benjamin“ hier der „Sohn [''meiner'' = Jakobs] rechter Hand“. Das würde dann weiter in der Josefserzählung erklären, warum Jakob nur Benjamin nicht mit seinen Brüdern nach Ägypten ziehen lassen hat (s. [[Genesis 42#s13 |Gen 42,13]].[[Genesis 42#s38 |38]]; ähnlich [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/14972/#h3 Mulzer 2008]).</ref> | ||
{{S|19}} Dann starb Rahel und wurde begraben am Weg nach Efrat (Efrata)<ref name="Efrat" /> – das ist Bethlehem.<ref>Das ist außerordentlich. Israeliten wollten durchaus bei ihrer Familie begraben werden. In der Ferne Gestorbene wurden daher sogar exhumiert, um sie dann zum Grab „ihrer Vorfahren“ bringen zu können (vgl. [[Genesis 50#s7 |Gen 50,7-14]]; [[Exodus 13#s19 |Ex 13,19]]; [[Richter 16#s31 |Ri 16,31]]; [[2 Samuel 2#s32 |2 Sam 2,32]]; [[2 Samuel 21#s12 |21,12]]; [[2 Könige 9#s28 |2 Kön 9,28]]; [[2 Könige 23#s30 |23,30]]). Dass Rahel in nur (wahrscheinlich) 10km Entfernung vom Familiengrab Jakobs am Weg verscharrt wird, anstatt sie auch noch die letzten Schritte zu transportieren, und damit auch noch mit den „verborgenen Götzen“ von V. 4 parallelisiert wird (s.o.), muss einen Hintergrund haben. Cox / Ackermann 2009 raten wegen den Bräuchen anderer Kulturen (Philippinen, Nigeria, Benin, frühmodernes England) darauf, dass der Tod im Kindsbett ein solches Begräbnis im „ordentlichen Grab“ verunmöglicht hätte, weil es sich dabei um einen „schlimmen Tod“ handle. Aber davon verlauten jedenfalls die Bibel und rabbinische Texte nichts. Rabbenu Bahja leitet aus unserer Stelle, [[Genesis 23#s19 |Gen 23,19]] und [[Numeri 20#s1 |Num 20,1]] ab, dass der Usus des Totentransports nur für Männer gebräuchlich gewesen sei, und erklärt dies mit einem Ausspruch im Midrasch, der das mit der „größeren Würde von Frauen“ begründet: Wegen dieser hätten Frauen dort begraben werden müssen, wo sie gestorben waren. Dieser Ausspruch ist allerdings im Midrasch nicht bezeugt; von welcher Stelle Bahja spricht, ist ungewiss. Der Midrasch, dem Jakobs Handeln offenbar selbst erklärungsbedürftig schien, fabuliert stattdessen, Jakob habe vorausgesehen, dass dereinst die Exulanten an dieser Stelle vorbeiziehen sollten, und habe daher Rahel hier begraben, damit sie ihnen Trost spende (ähnlich im Midrasch Lekach Tov).</ref> | |||
{{S|19}} | {{S|20}} Und Jakob errichtete eine Mazzebe über ihrem Grab. Dies [ist] bis zum heutigen Tag die Mazzebe des Rahel-Grabs.<ref> | ||
[[Datei:Rahelgrab 1.jpg|mini|Rahels Grab. Gravur, 17. Jhd. CC0 via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rachel%27s_tomb,_17th-century_engraving.tif Wikimedia Commons]]]<div class="tright" style="clear:none"> | |||
{{S|20}} | [[Datei:Rahelgrab 2.jpg|mini|Das ausgebaute Rahelgrab auf Banknote und Briefmarke, 20. Jhd. CC0 via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rachel%27s_tomb_and_the_British_Mandate.JPG#/media/File:Rachel's_tomb_and_the_British_Mandate.JPG Wikimedia Commons]]]</div>Das ''Rahel-Grab'' hat eine solch tragische Geschichte, dass sie hier kurz nacherzählt sei, obwohl sie für das Verständnis des Bibeltexts nicht relevant ist. In nachbiblischer Zeit wird das erste Mal wieder von Eusebius (4. Jhd.) vom Rahel-Grab berichtet; er kennt es entsprechend den Genesis-Stellen als altehrwürdiges Monument in der Nähe von Bethlehem. Zwei Jahrhunderte später berichtet ähnlich der Pilger von Piacenza: „An der Straße nach Bethlehem, beim dritten Meilenstein von Jerusalem aus, liegt der Leichnam der Rahel, am Rande des Ortes, der Rama heißt.“ (nach Drbal 2018, S. 186). Wegen [[Jeremia 31#s15 |Jer 31,15]] denken einige Ausleger, die Verortung des Rahelgrabs in die Nähe von Bethlehem sei falsch und gemeint sein müsse [https://goo.gl/maps/8orbF9k8QossE4zt6 etwa 40km entfernt] ein unbekannter Ort Efrat nahe Rama, dem heutigen al-Ram. Darf man dem Pilger von Piacenza glauben, gab es aber in der Nähe von Bethlehem einen Weiler, der ebenfalls „Rama“ hieß, wonach sich Gen 35 und Jer 31,15 gar nicht widersprächen. Jedenfalls hielt man später allgemein den Ort nahe Bethlehem für das Rahelgrab, der sich bald zu einer interreligiösen Grabstätte entwickelte: Im 11. Jhd. wird von einem christlichen Friedhof um das Grab berichtet, im 15. Jhd. von muslimischen Gräbern, im 19. Jhd. auch noch von jüdischen Gräbern (vgl. Bowman 2014, S. 33f.).<br />Was genau weiter im 19. Jhd. geschah, ist nicht sicher zu rekonstruieren, da Berichte schon hier stark von interreligiösen Konflikten gefärbt sind; in jedem Fall wird auf eine Klage, Beduinen hätten Juden das Grab nur gegen Bezahlung betreten lassen, vom Gouverneur von Damaskus ein Erlass veröffentlicht, dass auch Juden Zutritt zum Grab haben müssten. Danach entwickelte es sich zum Symbol des interreligiösen Konflikts und prunkte daher z.B. auf Banknoten und Briefmarken. Wohl auch in der Folge davon wurde von muslimischer Seite aus zunehmend propagiert, hier sei nicht nur die auch Muslimen wichtige Rahel begraben, sondern auch die muslimische Sufi-Heilige Rabia von Basra (deren Grab früher und auch heute noch von den meisten auf den Ölberg verortet wird), und der Rahel-Schrein sei außerdem lange Zeit eine Bilal ibn Rabah gewidmete Moschee gewesen. Letzteres hat [https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000187356 1996 die UNESCO auch offiziell anerkannt], wird dagegen [https://jcpa.org/article/rachel%E2%80%99s-tomb-a-jewish-holy-place-was-never-a-mosque/ von jüdischer Seite bestritten] – wenn ich (S.W.) richtig sehe, zu Recht. Gleichzeitig stieg der Schrein auf israelischer Seite immer stärker in der Importanz und entwickelte sich von einem selbst noch für die frühen Zionisten unbedeutenden Ort zu einem der drei heiligsten Stätten überhaupt in Israel: Rahel ist die „Mutter des Volkes Israel“, die sich vor allem von „im Exil“ lebenden Jüd:innen anrufen lässt (vgl. Sered 1995; s. auch oben die aus dem Midrasch zitierte Tradition zum Rahelgrab). Jüngste Folge dieser Entwicklungen ist, dass das Rahel-Grab daher von Israelis zur Festung ausgebaut und hinter der Stadtmauer bei Bethlehem abgesperrt wurde, wie sich gut in [https://youtu.be/-CL_cMmEovc?t=92 diesem YouTube-Film] sehen lässt (Trigger-Warnung). Damit ist endgültig die einstige interreligiöse Pilgerstätte zum Symbol für den Nahostkonflikt geworden.</ref> | ||
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Version vom 9. Juli 2023, 17:45 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (Genesis 35)
(kommt später)Studienfassung (Genesis 35)
1 {Und} Gott sagte zu Jakob: „Mach dich auf! Zieh hinauf〈a〉 nach Bethel und bleib dort! Mach dort einen Altar〈b〉 für El, der dir erschienen ist, als du (vor dem Gesicht von=) vor deinem Bruder Esau geflohen bist!“ 2 Da sagte Jakob zu seinem Hausstand und zu allen, die mit ihm [waren]: „Schafft die Götter des Auslands〈c〉 fort, die in eurer Mitte [sind]! Reinigt euch und wechselt eure Obergewänder!〈d〉 3 Wir wollen uns aufmachen und hinaufziehen nach Bethel! Dort will ich (wollen wir)〈e〉 einen Altar machen für El, der (mir geantwortet=) mich erhört hat (am Tag=) zur Zeit meiner Bedrängnis, und der mit mir war auf dem Weg, den ich gegangen bin. 4 Da gaben sie Jakob alle Götter des Auslands, die in ihren Händen [waren], und die Ringe, die in ihren (deren) Ohren [waren].〈f〉 Und Jakob verbarg sie unter der Terebinthe,〈g〉 die bei (mit)〈h〉 Sichem [war].
5 Dann brachen sie auf. Und ein Schrecken vor Gott (ein Gottes-Schrecken, ein riesiger Schrecken)〈i〉 (wurde=) kam über die Städte, die um sie herum [lagen], sodass sie die (Söhne=) Mannen Jakobs〈j〉 nicht verfolgten.
6 So kam Jakob nach Luz, das im Land Kanaan [liegt] – (das [ist]=) also nach Bethel – er und das ganze Volk, das mit ihm [war].
7 Er baute dort einen Altar und nannte den Ort „El Bethel“ („Gott von/in Bethel“; er nannte den Ort Gottes Bethel),〈k〉 weil sich Gott ihm dort offenbart hatte, als er vor (dem Gesicht seines=) seinem Bruder geflohen war.
8 Und Debora, die Amme Rebekkas, starb und wurde begraben unterhalb von Bethel unter der Eiche.〈g〉 Da[her] nannte er (man) (ihren Namen=) sie „Eiche der Klage“.
9 Gott erschien (war erschienen) Jakob noch einmal, ℘ als er von Paddan Aram kam (gekommen war), und segnete ihn (und hatte ihn gesegnet).〈l〉 ℘
10 Und Gott sagte ihm (hatte ihm gesagt):〈m〉
„Dein Name [ist] Jakob.
Man soll deinen Namen nicht mehr ‚Jakob‘ nennen,
sondern ‚Israel‘ (=‚Gottes-Bezwinger‘)〈n〉 soll dein Name sein!“ ℘
So benannte (hatte benannt) er (seinen Namen=) ihn mit dem Namen „Israel“. 11 [Weiter]〈o〉 sprach (hatte gesprochen) Gott zu ihm:
„Ich bin El Schaddaj.〈p〉 ℘
Sei fruchtbar und vermehre dich! ℘
Ein Volk – ja, eine Versammlung von Völkern!〈q〉 – wird von dir (werden=) abstammen ℘
und Könige werden deinen Lenden entspringen! ℘
12 Das Land, das ich Abraham und Isaak gab –
ich will es [auch] dir geben ℘
und [auch] deinen Nachkommen nach dir will ich das Land geben.“ ℘
13 Dann fuhr Gott von ihm auf vom Ort, an dem er mit ihm gesprochen hatte. ℘ 14 Und Jakob errichtete einen Altar am Ort, an dem er mit ihm gesprochen hatte, eine Stein-Mazzebe,〈r〉 und er opferte auf ihm ein Trankopfer und ließ Öl auf ihn rinnen. 15 Und Jakob nannte den Namen des Ortes, an dem die Gottheit mit ihm gesprochen hatte, Bethel (an dem er mit ihm gesprochen hatte, Gottheit [in] Bethel).
16 Dann brachen sie (brach er)〈s〉 auf von Bethel. Es war noch (ungefähr eine Land-berah=) ungefähr eine Postmeile〈t〉 zu gehen nach Efrata (Efrat).〈u〉 Da gebar Rahel, und sie hatte es schwer beim Gebären.
17 Als sie es schwer (am schwersten)〈v〉 hatte bei ihrem Gebären, sagte zu ihr die Hebamme: „Fürchte dich nicht, denn auch dieser [wird sein (ist)] dir ein (denn auch diesmal [wirst du haben (hast du)] einen) Sohn!“〈w〉 ℘
18 Als ihre Lebenskraft [sie] verließ, weil sie starb, sagte sie: „Sein Name [sei] Ben-Oni (=Sohn meines Leids, Sohn meiner Kraft)!“
Aber sein Vater nannte ihn Benjamin (=Sohn der rechten Seite, Sohn des Südens, Sohn der Tage).〈x〉
19 Dann starb Rahel und wurde begraben am Weg nach Efrat (Efrata)〈u〉 – das ist Bethlehem.〈y〉
20 Und Jakob errichtete eine Mazzebe über ihrem Grab. Dies [ist] bis zum heutigen Tag die Mazzebe des Rahel-Grabs.〈z〉
Anmerkungen
| a | hinauf, weil Bethel höher liegt als Sichem. Hinaufziehen ist allerdings gelegentlich auch ein terminus technicus für Wallfahrten, und weil Alt 1959 wirkmächtig angenommen hatte, hier würde eine Ätiologie einer im Alten Israel üblichen Wallfahrt von Sichem nach Bethel geboten, verstehen viele Ausleger auch heute noch den Ausdruck so: Gott forderte Jakob mit diesem Satz zu einer Wallfahrt auf (z.B. Westermann 1981, Seebass 1999; Dörpinghaus 2022, S. 149). Das könnte ursprünglich wirklich die angezielte Bedeutung gewesen sein; im Endtext der Jakoberzählung fordert Gott Jakob aber jedenfalls nicht nur zu einer Wallfahrt auf, sondern mindestes auch dazu, vor den Sichemitern nach Bethel zu fliehen, wie er einst vor seinem Bruder Esau dorthin geflohen ist (s. V. 5; Gen 34,30; so z.B. Turner 2000b; Steinmann 2019). (Zurück zu v.1) |
| b | Textkritik: Statt Zaqef lies Rebia wie z.B. in den Handschriften G11, TI6, TA18. Akzentuiert ist dann wie üblich in Hauptsatz-Nebensatz-Gefügen: [[HS: Mach dort einen Altar |Rebia für El, |Paschta der dir erschienen ist,]Zaqef [NS: als du flohst |Zaqef vor dem Gesicht |Tifcha deines Bruders Esau.]]Silluq (Zurück zu v.1) |
| c | die Götter des Auslands sind fast sicher nicht Götzen aus Sichem, das ja nicht im „Ausland“ liegt, sondern Götzen, die Jakobs Hausstand aus Aram mitbegracht haben. Vgl. JosAnt 18.9.5 „Da sie nach dem Tod ihres ersten Mannes in Gefangenschaft geriet, verbarg sie die Bildnisse der Götter, die sie mit jenem Manne verehrt hatte, und nahm sie nach dem Brauch ihres Landes mit sich. In jenen Gegenden ist es nämlich allgemein Sitte, Götterbilder zu Hause zu haben und dieselben auf Reisen mitzunehmen.“ (Üs. nach Clementz). Dazu gehören dann gewiss auch die Terafim, die Rahel in Gen 31,19 mitgehen lassen hat. (Zurück zu v.2) |
| d | Wechselt eure Obergewänder, also „zieht eure Sonntagskleidung an!“. Mit dem Fortschaffen der Götzen, der Reinigung und dem Abtun der Alltagskleidung kann Jakobs Hausstand dann als Gott bereitetes Volk zu dessen Wohnort Bethel ziehen. Vgl. ähnlich Ex 19,10f.. Eher nicht sind die drei Handlungen dazu gedacht, sich vom Blutvergießen in Gen 34 zu reinigen (so z.B. Wenham 1994; Vrolijk 2011, S. 284); hierzu passt das Abtun der Götzen nur schlecht. (Zurück zu v.2) |
| e | Textkritik: Die Alternative nur nach LXX, VUL, gewiss als Angleichung an die vorangehenden Verben (richtig BHQ, Ruppert 2005). (Zurück zu v.3) |
| f | Gemeint sein könnten außerdem Ohrringe in den Ohren von Götzenstatuen. Dass auch Statuen solche Ohrringe trugen, ist in mehreren altorientalischen Texten bezeugt (vgl. Hallo 1983, S. 16f.; Hurowitz 2000, S. 30). Entsprechend sind auch Götterwesen auf Reliefs u.ä. d.Ö. geschmückt, s. Bild 3. Ex 32,3f. und Ri 8,24-28 machen die erste Option wahrscheinlicher. Dass dort aus solchen Ohrringen das goldene Kalb und ein Ephod gegossen werden, sind dann symbolische Handlungen: In Ex 32,3f. schwören die Israeliten damit ähnlich den Göttern des Auslands ab, wenden sich damit aber nicht JHWH zu, sondern leider eben dem goldenen Kalb. (Zurück zu v.4) |
| g | Der Baum in V. 4 heißt ha`Elah, der in V. 8 ha`Alon. Beides heißt wahrscheinlich nur „hoher Baum“, an Jes 6,13 und Hos 4,13, wo beide Wörter zusammen verwendet werden, erkennt man aber klar, dass die zwei Wörter unterschiedliche Baumarten bezeichnen. In beiden Worten stecken außerdem die Konsonanten `l („Gott“); was die Bezeichnungen in unseren Versen besonders passend macht, weil es sich um heilige Bäume handelt. Welche Bäume die Worte allerdings genau bezeichnen ist unklar; Terebinthe und Eiche sind nur Traditionsübersetzungen. Dass so die „unter dem Hochbaum verborgenen“ Götzen und die „unter dem Großbaum begrabene“ Amme und in V. 19 auch noch die „am Weg begrabene“ Rahel parallelisiert werden sollen, ist danach überdeutlich; was genau mit dieser Parallelisierung zum Ausdruck gebracht werden soll, ist aber rätselhaft. S. die Anmerkungen. (Zurück zu v.4 / zu v.8) |
| h | bei (mit) - Heb. ´im heißt noch häufiger „bei“. Häufiger steht die Präp. aber dann, wenn eine Person mit einer anderen Person ist. Die Präp. ist hier auffällig, weil so die Eiche „mit“ Sichem ist, wie Gott „mit“ Jakob war. Treibt Jakob hier also den Teufel mit dem Beelzebub aus, indem er die „Götter des Auslands“ unter der heiligen Eiche Sichems vergräbt und so beide unbrauchbar macht (so sehr gut Sarna 2001)? Nach dieser Tat ist dann der Nabel der Erde Sichem nur noch „Götzen-Müllhalde“; nun kann endgültig Bethel mit der Errichtung des Altars als neuer und allein Gott geweihter Nabel der Erde etabliert werden (Becker 2009, S. 173). (Zurück zu v.4) |
| i | Gemeint ist entweder, dass Gott auf irgendeine hier nicht präzisierte Weise an den Städten seine Macht demonstrierte (wie in Jos 24,12 durch Hornissen oder in 1 Sam 7,10 ein Gewitter; vgl. noch Ex 15,14; 23,27), weshalb sie zu verängstigt waren, um Jakobs Mannen zu verfolgen (so z.B. Boecker 1992), oder gemeint ist nur, dass man an den in Vv. 2-4 beschriebenen Handlungen ablesen kann, dass Jakobs Hausstand auf Pilgerfahrt ist, wonach deshalb die umliegenden Städte es nicht wagen, über sie herzufallen. Die Üs. riesiger Schrecken (so Soggin 1997; Goldingay 2020) ist möglich, macht in diesem Kontext aber wenig Sinn. (Zurück zu v.5) |
| j | Gemeint sind nicht speziell die zwölf leiblichen Söhne Jakobs, sondern sein ganzer Hausstand. LXX hat das präzisiert, indem sie frei mit „Söhne Israels“ übersetzt. (Zurück zu v.5) |
| k | In Gen 28 hatte Jakob den Ort „Beth-El“ („Haus Gottes“) genannt, weil Gott ihm dort erschienen war. Nun, nachdem er einen Altar errichtet hat, der Gott repräsentiert und in dem Gott wie in einem Tabernakel je und je anwesend ist (zur Vorstellung vgl. Keel 1997, S. 145), kann er den Ort noch einmal umbenennen und ihm den merkwürdigen Namen „El Beth-El“ geben, „Gott im/vom Haus Gottes“. Nun nämlich ist der Ort ein „Gottes-Ort“. Vgl. theologisch ähnlich in Ri 6,24 den Altar mit dem Namen „JHWH Schalom“. Textkritik: Die Theologie hinter dem Namen lässt sich also gut erklären. Der Name ist dennoch so merkwürdig, dass LXX, VUL und Syr das erste „Gott“ streichen, wonach Jakob den Ort hier ein zweites Mal „Bethel“ nennen würde (Otto 1979, S. 72; Westermann 1981; Blum 1984, S. 37 halten das sogar für den ursprünglichen Wortlaut). Den selben Effekt hat die Üs. „Er nannte den Ort Gottes Bethel“, ein kluger Übersetzungsvorschlag von Krüger 2016b, S. 8, der dafür nur von der masoretischen Akzentuierung absehen muss. Zumindest im Endtext der Jakoberzählung heißt der Ort aber ja bereits „Bethel“. (Zurück zu v.7) |
| l | Entweder Plusquamperfekt; die Rede wäre dann in V. 9 von dem, was Gen 32 berichtet. Oder vorausgesetzt wird hier, dass Jakobs Heimkehr aus Paddan Aram erst mit seiner Reise nach Bethel wirklich beendet ist (gut Baumgarten 1843, S. 296); mit seiner Ansiedlung in Sichem wäre er also noch nicht richtig „aus Paddan Aram zurückgekehrt“. Nur so fügen sich Vv. 9-15 einigermaßen in den Rest der Jakoberzählung. Tatsächlich ist es aber fast sicher so, dass ein späterer Autor mit diesen Versen eine entmythisierte Variante zu den Erzählungen von Gen 28; 32; 35,5-7 verfasst hat, die hier unpassend neben diese eingefügt wurde (richtig z.B. Blum 1984, S. 268f.; Krüger 2016b, S. 11; Schmid 2017, S. 61; Klein 2019, S. 162f.). (Zurück zu v.9) |
| m | Die folgenden Zeilen werden z.B. von BHK und Hamilton 1995 nicht wie üblich als Prosa analysiert, sondern als Poesie; V. 11 zusätzlich z.B. von Krauss / Küchler 2004 und ALTER. Es ist gut möglich, dass das richtig ist; als Prosa-Äußerung wäre V. 10 jedenfalls arg umständlich formuliert. (Zurück zu v.10) |
| n | Zum Namen Israel s. zu Gen 32. (Zurück zu v.10) |
| o | Die überflüssige zusätzliche Redeeinleitung signalisiert, dass das Folgende, obwohl es von der selben Person gesprochen wird, ein neuer Rede-Abschnitt mit einer anderen Sprechhandlung ist: Benennung in V. 10, Verheißung in V. 11. S. zu dieser Konstruktion näher zu Gen 30,28. (Zurück zu v.11) |
| p | El Schaddaj - Verhältnismäßig seltene Gottesbezeichnung. Bed. w. wohl „Gott vom Berge“ oder „Gott der Wildnis“; vgl. DDD, S. 749f. Die Seite Gottesnamen schlägt für die LF die Üs. „Gott Schaddai“ vor. Wichtig für die LF ist aber v.a., dass erkennbar wird, dass hier fast wortwörtlich Gen 17,3-6.16 wiederholt werden: Gottes Verheißung für Abraham wird nun übertragen auf dessen Enkel Jakob. (Zurück zu v.11) |
| q | Gemeint sind nicht die zwölf Stämme Israels (so z.B. Hamilton 1995; Ruppert 2005). Diese heißen nicht goj („Volk“); dies ist stattdessen ein stehender Begriff für Fremdvölker. In der Logik der Bibel passt diese Verheißung daher sehr gut zu Abraham, der z.B. auch Stammvater der arabischen Völkern war – zu Jakob aber nicht. Die Interpretation von Lee 2009, gemeint sei jene Zeit am Ende der Zeiten, da auch Fremdvölker sich als JHWH-Verehrer um Israel scharen werden (z.B. Jes 19,24f.; 56,3-7; Sach 2,15), ist schön für die geistliche Schriftlesung, aber kaum die angezielte Bedeutung auch unseres Verses, da diese Völker ja nicht auf Jakob zurückgehen. Man muss sich die Verheißung wohl so erklären, dass ein Autor es in Kauf nahm, dass die Verheißung gar nicht zu Jakob passt, um damit umso deutlicher zu machen, dass es exakt die selbe Verheißung ist, die auch schon Abraham verheißen wurde, die nun an Jakob weitergegeben wird. (Zurück zu v.11) |
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| s | Textkritik: MT, Sam und die Targumim haben Pl. und damit exakt die selbe Formulierung wie in V. 5. LXX, VUL und Syr dagegen haben Pl. Ball 1896, BHK und BHS gehen nicht auf diese Differenz ein; Wevers 1993, S. 583 und BHQ halten MT für ursprünglich und LXX, VUL und Syr für eine Assimilation an den Nahkontext, da zuvor ebenfalls nur von Jakob im Sg. die Rede war und V. 21 von „Israel“ im Sg. spricht. Mindestens ebensogut möglich wäre es, dass MT V. 16 an V. 5 angeglichen hat, wonach LXX, VUL und Syr den ursprünglichen Text böten. So aber m.W. (S.W.) kein:e Ausleger:in, daher sollte auch OfBi besser MT folgen. Der Rest ist textkritisch unproblematisch, aber ein sehr schönes Bsp. für einen Augensprung: Weil in der Formulierung von LXX Vv. 16 ebenso beginnt wie V. 21, hat ein Schreiber mit V. 16 begonnen, dann den Rest von V. 21 angeschlossen und dann erst V. 16 beendet: Dann brach er auf von Bethel. (V. 16a) Er schlug sein Zelt gegenüber von Migdal Eder auf. (V. 21) Es war noch eine Land-Chabrata zu gehen... (V. 16b). (Zurück zu v.16) |
| t | W. kibrah des Landes. kibrah scheint dabei ein unbekanntes und nur noch in Gen 48,7 belegtes Landmaß zu sein. Das Wort war offenbar auch den Alten unbekannt; man sieht daher hier einen ganzen Blumenstrauß von Strategien der Alten, mit unbekannten Worten umzugehen: (1) LXX transkribiert schlicht als chabratha. (2) TgO wählt stattdessen ein anderes Landmaß, Aq übersetzt allgemein „Wegstrecke über das Land“. (3) Weil das Wort aussieht wie die Präp. k- + das Wort bar („Getreide“), haben TgJ und TgN „zur Erntezeit“ und VUL ähnlich „zur Frühlingszeit“. (4) Syr kombiniert (2) und (3): „Zur [Zeit des] Pflügens von einer Parasange Land“ (vgl. BHQ 165*). (5) Weil es außerdem aussieht wie das heb. Wort für „Sieb“, deutet schließlich Midrasch GenR: „Als das Land löchrig war wie ein Sieb.“ Die beste Erklärung ist die mithilfe des akkadischen bēr („Zweistundenstrecke“; das Wort entspricht damit exakt der alten „Postmeile“ = „eine Wegstrecke von zwei Stunden“), das d.Ö. in der Fügung bēr qaqqari („Land-Zweistundenstrecke“) verwendet wird (z.B. Vogt 1975; Wenham 1994; Ritter 2003, S. 28; Steinmann 2019; ALTER; auch die „Meile“ von Boecker 1992 rechnet wohl noch mit der Postmeile – der Einwand von Ruppert 2005, außer Garbini 1977 habe sich niemand Vogt angeschlossen, stimmt also nicht). „Ungefähr (k-) eine Zweistundenstrecke“ sind dann, wenn wir von der Annahme in ISBE ausgehen, das Längenmaß „Tagesreise“ rechne mit acht Stunden Reise bei durchschnittlich 5km/h, also 40km, „ungefähr 10 km“. Ist das richtig, hat der Autor dieses ungebräuchliche Längenmaß gewiss gewählt, um zu unterstreichen, wie bitter das Timing ist: Nur noch eine Postmeile wäre zurückzulegen gewesen, bis in Efrata Rahel eine bessere Infrastruktur zum Gebären zur Verfügung gehabt hätte! (Zurück zu v.16) |
| u | Efrata (Efrat) - Die Endung -ah ist entweder die Lokativ-endung („bis Efrat“) oder gehört zum Wort („[bis] Efrata“). Gen 48,7 rechnet mit Option 1 und spricht von „Efrat“; die Gleichsetzung von „Efrat(a)“ mit Bethlehem in V. 19 dagegen rechnet mit Option 2. So auch die meisten dt. Üss.; „Efrat“ nur in B-R, ELB, MEN, PAT, R-S, TUR, van Ess, ZÜR. Auch LUT übersetzt neuerdings mit „Efrata“. (Zurück zu v.16 / zu v.19) |
| v | tFN: V. 16 hat das Wort im sog. Piel-Stamm, V. 17 im sog. Hifil-Stamm. Speiser 1964 rechnet daher mit einer „superlativischen Bedeutung des Hifil“. Angeschlossen hat sich z.B. Wenham 1994. Beide übersetzen daher hier: „When her labor was at its hardest...“. Diese Stelle ist aber die einzige mir (S.W.) bekannte Stelle, bei der diese Annahme überzeugend ist; solange keine weiteren Belegstellen beigebracht wurden, kann man Speiser und Wenham nicht guten Gewissens folgen. (Zurück zu v.17) |
| w | Die Hebamme weiß also um Rahels in Gen 30,24 geäußerten Wunsch, durchaus noch einen weiteren Sohn gebären zu wollen. (Zurück zu v.17) |
| x | Ben-Oni ... Benjamin - Umstrittener Name. (1a) In Gen 49,3 sagt Jakob über Ruben, er sei „Erstgeborener seiner Stärke, Erstling seiner `oni = Kraft“. Nach dieser Parallele nennt Rahel ihren zweiten und damit Jakobs jüngsten Sohn ebenso, wie er später seinen ältesten Sohn bezeichnen wird (so z.B. BigS; Schäfer-Bossert 1994). (1b) Wegen dem Kontext wird der zweite Bestandteil von Ben-Onis Name heute allerdings fast einheitlich stattdessen abgeleitet von ´anah („leiden“). Dieser unschöne Name hätte Jakob dann zur Umbenennung veranlasst. Das wirkt auf den ersten Blick näherliegend; ebenso gut kann aber Jakob „einem positiv konnotierten Namen aus der Perspektive der Mutter ein[en] zweite[n] positive[n] aus der Perspektive des Vaters hinzu[gegeben haben]“ (Mulzer 2008). Wegen der sehr nahen Parallele Gen 49,3 ist wirklich das das Wahrscheinlichere. (2a) Der zweite Teil von Ben-jamin könnte sich ableiten von jamim („Tage“) mit nuniertem Mem, also „Sohn [nach vielen] Tagen“ (so TestBen 1,16; Raschbam, ähnlich Chizkuni [„Sohn von Jakobs alten Tagen“], שאנן 1978). (2b) Weit häufiger wird dieses Wort aber abgeleitet von jamin („rechts, südlich“). Darüber, dass zumindest historisch gesehen dies mit jamin gemeint war, können wir uns wegen dem biblischen Running Gag, dass aus dem Stamm Benjamin mehrere Linkshänder hervorgingen (Ri 3,15; 20,15f.; 1 Chr 12,2), fast sicher sein. Wahrscheinlich ist mit den mārū jamīn(a/i) („Rechts-Leute, Süd-Leute“) auch ein sehr ähnlicher Volksname bezeugt. (2c) Die meisten Ausleger:innen gehen denn auch hiervon aus, deuten dann aber weiter: weil im arabischen Sprachgebrauch die „rechte Seite“ die „Glücksseite“ ist, wäre danach Benjamin nicht das „Leidkind“, sondern das „Glückskind“. Im Hebräischen ist dieser Sprachgebrauch aber nicht belegt. (2d) Alternativ wird Benjamin gelegentlich als „Kind des Südens“ erklärt – entweder deshalb, weil Benjamin als einziges Kind Jakobs in Kanaan und damit südlich von Aram geboren war (z.B. Raschi, Ramban) oder weil das Stammesgebiet der Benjaminiter das südlichste von Nordisrael war (z.B. Klein 2019, S. 167). (2e) Tur schließlich nimmt ein Wortspiel an: Rahel habe das missverständliche „Sohn von Oni“ gewählt und dabei nicht „Sohn meines Leids“ gemeint, sondern eben „Sohn meiner Kraft“, und Jakob hätte dies nur präzisiert, indem er seinen Sohn umbenannte zu „Sohn der rechten = kräftigen Hand.“ (2f) Mir (S.W.) ist die Deutung von Radak am sympathischsten, weil nach ihr der Name „Benjamin“ auch im Buch Genesis Sinn macht – und das sollten wir erwarten, da nur bei ihm unter Jakobs Kindern eine Geschichte zu seinem Namen erzählt wird. Radak geht aus von Ps 80,18, wonach „jemand ist zu jemandes rechter Hand“ ein Ausdruck für einen besonders geliebten Menschen ist, den man nicht von seiner Seite weichen lässt. Danach wäre „Benjamin“ hier der „Sohn [meiner = Jakobs] rechter Hand“. Das würde dann weiter in der Josefserzählung erklären, warum Jakob nur Benjamin nicht mit seinen Brüdern nach Ägypten ziehen lassen hat (s. Gen 42,13.38; ähnlich Mulzer 2008). (Zurück zu v.18) |
| y | Das ist außerordentlich. Israeliten wollten durchaus bei ihrer Familie begraben werden. In der Ferne Gestorbene wurden daher sogar exhumiert, um sie dann zum Grab „ihrer Vorfahren“ bringen zu können (vgl. Gen 50,7-14; Ex 13,19; Ri 16,31; 2 Sam 2,32; 21,12; 2 Kön 9,28; 23,30). Dass Rahel in nur (wahrscheinlich) 10km Entfernung vom Familiengrab Jakobs am Weg verscharrt wird, anstatt sie auch noch die letzten Schritte zu transportieren, und damit auch noch mit den „verborgenen Götzen“ von V. 4 parallelisiert wird (s.o.), muss einen Hintergrund haben. Cox / Ackermann 2009 raten wegen den Bräuchen anderer Kulturen (Philippinen, Nigeria, Benin, frühmodernes England) darauf, dass der Tod im Kindsbett ein solches Begräbnis im „ordentlichen Grab“ verunmöglicht hätte, weil es sich dabei um einen „schlimmen Tod“ handle. Aber davon verlauten jedenfalls die Bibel und rabbinische Texte nichts. Rabbenu Bahja leitet aus unserer Stelle, Gen 23,19 und Num 20,1 ab, dass der Usus des Totentransports nur für Männer gebräuchlich gewesen sei, und erklärt dies mit einem Ausspruch im Midrasch, der das mit der „größeren Würde von Frauen“ begründet: Wegen dieser hätten Frauen dort begraben werden müssen, wo sie gestorben waren. Dieser Ausspruch ist allerdings im Midrasch nicht bezeugt; von welcher Stelle Bahja spricht, ist ungewiss. Der Midrasch, dem Jakobs Handeln offenbar selbst erklärungsbedürftig schien, fabuliert stattdessen, Jakob habe vorausgesehen, dass dereinst die Exulanten an dieser Stelle vorbeiziehen sollten, und habe daher Rahel hier begraben, damit sie ihnen Trost spende (ähnlich im Midrasch Lekach Tov). (Zurück zu v.19) |
| z |
Was genau weiter im 19. Jhd. geschah, ist nicht sicher zu rekonstruieren, da Berichte schon hier stark von interreligiösen Konflikten gefärbt sind; in jedem Fall wird auf eine Klage, Beduinen hätten Juden das Grab nur gegen Bezahlung betreten lassen, vom Gouverneur von Damaskus ein Erlass veröffentlicht, dass auch Juden Zutritt zum Grab haben müssten. Danach entwickelte es sich zum Symbol des interreligiösen Konflikts und prunkte daher z.B. auf Banknoten und Briefmarken. Wohl auch in der Folge davon wurde von muslimischer Seite aus zunehmend propagiert, hier sei nicht nur die auch Muslimen wichtige Rahel begraben, sondern auch die muslimische Sufi-Heilige Rabia von Basra (deren Grab früher und auch heute noch von den meisten auf den Ölberg verortet wird), und der Rahel-Schrein sei außerdem lange Zeit eine Bilal ibn Rabah gewidmete Moschee gewesen. Letzteres hat 1996 die UNESCO auch offiziell anerkannt, wird dagegen von jüdischer Seite bestritten – wenn ich (S.W.) richtig sehe, zu Recht. Gleichzeitig stieg der Schrein auf israelischer Seite immer stärker in der Importanz und entwickelte sich von einem selbst noch für die frühen Zionisten unbedeutenden Ort zu einem der drei heiligsten Stätten überhaupt in Israel: Rahel ist die „Mutter des Volkes Israel“, die sich vor allem von „im Exil“ lebenden Jüd:innen anrufen lässt (vgl. Sered 1995; s. auch oben die aus dem Midrasch zitierte Tradition zum Rahelgrab). Jüngste Folge dieser Entwicklungen ist, dass das Rahel-Grab daher von Israelis zur Festung ausgebaut und hinter der Stadtmauer bei Bethlehem abgesperrt wurde, wie sich gut in diesem YouTube-Film sehen lässt (Trigger-Warnung). Damit ist endgültig die einstige interreligiöse Pilgerstätte zum Symbol für den Nahostkonflikt geworden. (Zurück zu v.20) |





