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Amos 6

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Lesefassung (Amos 6)

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Anmerkungen

Studienfassung (Amos 6)

1 Weh! [Ach,] ihr ([ach,] die; Wehe den) Selbstsicheren (Sicheren) auf dem Zion (?)a
Und ihr (die, den) Selbstüberzeugten (Vertrauenden) auf dem Berg von Samaria, [die ihr sprecht:]b
[Ihr (die, den)] Auserlesenen des Erstlingsc der Völker,
Kommt doch zu ihnen, (Es kommt zu ihnen das) Haus Israel!d
2 Geht hinüber nach Kalne und seht,
Und geht von dort in die große [Stadt] Hamath (nach Groß-Hamath?)e
Und steigt hinab nach Gat, [die Stadt] der Philister!f
[Sind sie (Seid ihr)] besser als (diese=) eure Reiche,g
Oder [ist] ihr Gebiet größer als euer Gebiet (ist euer Gebiet größer als ihr Gebiet)?“h
3 Ihr den-bösen(schlimmen)-Tag-Forttreiber(-für-fern-Halter)i
Führt herbei bleibende Gewalt (den Thron der Gewalt? Ein gewaltsames Ende? Eine Woche der Gewalt? Ein Jahr der Gewalt?)! –j

4 Die-auf-Elfenbein-Divanen-Liegerk
Und auf-ihren-Liegen-Hänger
Und Lämmer-aus-der-Herde-Esser
Und Kälber-aus-dem-Maststall[-Fresser],l
5 Die-über-der-Öffnung(zum Klang?)c-der-Leierm-Singer (Plärrer? Improvisierer?),n
Wie David erfinden sie sich Instrumente (Gefäße) des Gesangsm (Worte des Gesangs?, jeglich Lied?).o
6 Die-aus-Weinkelchen(aus einer Schale/Sprengschale Wein, aus Schalen/Sprengschalen Wein)p-Trinker
Und [die, die]q sich mit (dem Erstling vom) erstklassigem Öl salbenr
Keine Schmerzen haben sie ob der Verletzung Josefs!s

7 Darum, nun [gilt:]t
„Sie werden exiliert werden als Erstling der Exilierten
Und vorbei ist das Marzeach (Festgelage) der Hängenden!“cu
 8 [So] schwört der Herr JHWH bei (seiner Seele=) sich selbst.v


Spruch JHWHS, des Gottes der Heere (des Gottes Zebaot):
„Ich verabscheue (ersehne?)w den Stolz (den Hochmut, die Hoheit) Jakobsx
Und seine Paläste hasse ich!
Ich werde preisgeben (belagern) [die] (eine) Stadt und (ihre Füllung=) was sie erfüllt!
  9 Und es wird geschehen:y Wenn übrig bleiben zehn Männerz in einem Haus (einer Familie), werden sie sterben.aa
10 Da hebt einen sein Onkel (der ihn Liebende, sein Freund) und Bestatter (Verbrenner? Mutterbruder? Balsamierer? Weihrauch-Schwenker?)ab
Um hinauszuschaffen die Gebeine aus dem Haus,
Und der wird sagen zu dem im Winkel des Hauses:ac ‚Noch wer bei dir?‘,
Und der wird sagen: ‚Keiner‘,
Und der wird sagen: ‚Stille!
Oh, nicht erwähnen den (Oh, nicht gedenken des; Denn [es bringt nichts/ziemt sich nicht,] zu erwähnen den; ‚Stille!‘, um nicht zu erwähnen den...; ‚Stille!‘, denn sie beteten nie zum) Namen JHWHs!ad
11 Denn, siehe, JHWH (gebietet=) braucht nur zu gebieten –
Da schlägt man das große Haus zu Splittern (Tropfen?)
Und das kleine Hausae zu Kratern (in Trümmer?, zu Pfützen?)!‘“af


12 Rennen denn auf dem Felsen Pferde,
Oder pflügt man [ihn] mit den Rindern? (Oder pflügt man mit Rindern das Meer?)ag
Doch ihr verwandelt (stürzt um) in Gift (Bitterkeit, in eine Giftpflanze?) das Rechtah
Und die Frucht der Gerechtigkeitai in Wermut.
13 Ihr euch-über-Nichtshausen-Freuer,
Ihr „haben wir uns nicht durch unsere Stärke Starkstadt genommen“-Sager:aj
14 {Denn} Siehe, ich lasse aufstehen gegen euch, Haus Israel –
Spruch JHWHs, des Gottes der Heere (des Gottes Zebaot) – ein Volk,
Und das wird euch bedrücken von Lebo-Hamath
Bis zum Fluss der Araba!

Anmerkungen

In Am 6 folgt eine weitere Reihe von Urteilssprüchen auf die in Am 5. Der erste Abschnitt, Vv. 1-8a, beginnt wie Am 5 mit einer hier durch „Weh!“ eingeleiteten Totenklage. Und wieder werden dabei Menschen beklagt, die tatsächlich noch am Leben sind – und die hier sogar noch „sehr am Leben sind“: In Vv. 1c-2 geben sie ihrer Selbstsicherheit Ausdruck, mit der sie glauben, vor jeglicher Gefahr gefeit zu sein, und Vv. 4-6b schildern, wie sie ob dieser Selbstsicherheit das „gute Leben leben“. Doch sie sind damit nicht mehr als „den-bösen-Tag-Forttreiber“ (3a), und tatsächlich führen sie mit ihrem Handeln in Vv. 4-6, das Ausdruck der in Vv. 1c-2 beschriebenen Selbstsicherheit ist, nur „bleibende Gewalt“ herbei (3b): Sie, die sich eben noch als „Erstling der Völker“ dünken (1c), werden zur Strafe als „Erstling der Exilierten“ ins Exil geschickt werden. V. 7.
Das Fest in Vv. 4-6 ist dabei ein ziemlich genaues Spiegelbild des Opferkultes in Am 5,21-24. Erstens dadurch, dass ganz auffällig ebenso wie dort („nicht riechen, nicht hören, nicht sehen“) mehrere Sinneseindrücke hintereinander angesprochen werden: Der Geschmackssinn in 4cd.6a („Wein“, „Kalb- und Lammfleisch“), der Hörsinn in 5ab („Singen zu Leier und Gesangs-Zeug“), der Geruchssinn in 6b („erstklassiges Öl“) und vermutlich der Gesichtssinn in 4ab.6a („Elfenbein-Divane“ + Edelmetall-Schale).
Zweitens und vor allem aber hierdurch: Was hier geschildert wird, ist ein Marzeach (V. 7). Der Marzeach war eine alte Institution, die über mehrere Jahrtausende hinweg im ganzen Mittelmeerraum bezeugt ist (einen Überblick geben z.B. schön knapp und aktuell Guzzo / Zamora 2018 und sehr umfassend McLaughlin 1998). Bezeichnet wurde mit diesem Begriff erstens eine Art „Kultverein“, also ein fester Zusammenschluss von Menschen, die meistens ausschließlich zur Oberschicht gehörten. Diese trafen sich regelmäßig an einem Ort, der entweder ebenfalls marzeaḥ oder „marzeaḥ-Haus“ (Jer 16,5) genannt wurde, um dort Feste zu feiern, die ebenfalls marzeaḥ hießen. In den ältesten Belegen ist dies noch nicht sehr deutlich, aber spätestens bei den Belegen ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. ist sehr klar, dass bezeichnend für diese marzeaḥ-Feste nicht nur war, dass dort große Mengen an Alkohol flossen, sondern auch, dass sie unter einer Art Patronat einer Gottheit standen: Ein Marzeach diente auch dazu, diese Gottheit zu feiern und mit dieser Gottheit zusammen zu feiern. Diese religiöse Dimension wird auch in Am 6,4-6 mehrfach klar angedeutet: Die Feiernden essen Lämmer und Mastkälber, die auch im Opferkult an Tempel geopfert wurden, trinken Wein, für den das Selbe gilt, trinken ihn vor allem aus mizraqim (V. 6), womit in der Bibel sonst nur Gefäße aus dem Opferkult bezeichnet werden, singen zur Leier (V. 5), die in der Bibel v.a. als kultisches Instrument der Leviten belegt ist, und zu „Gesangs-Zeug“, das David extra für den Tempelkult konstruiert hat, und schließlich „ölen“ sie sich nicht ein, sondern „salben“ sich (mašaḥ, ein Wort, das ebenfalls v.a. in religiösen Kontexten begegnet und wovon sich auch der Begriff „Messias“, „Gesalbter“, ableitet). Doch Gott – der kommt in dieser breiten Schilderung des Marzeach gar nicht vor. Dies ist das erste, was hier sicher implizit kritisiert wird: In ihrer Selbstsicherheit feiern die Kritisierten, als gäbe es weder Gott noch ein Morgen.
Das Zweite, was hier natürlich kritisiert wird, ist wieder die ungeheure Asozialität der Reichen. Nur mit dem Besten vom Besten geben sie sich zufrieden: Sie verspeisen „Herdenlämmer“ und „Mastkälber“, trinken ihren Wein aus Edelmetall-Gefäßen und nur erstklassiges Öl kommt ihnen auf die Haut. Dabei haben sie mit Wein und Öl außerdem „Medikamente“ vor sich stehen (s. zu 6c) – doch um die Verletzung Josephs, also um die desolate Lage des „gemeinen Volks“, scheren sie sich keinen Deut. Kein Wunder also, dass Gott dieses asoziale und a-religiöse Verhalten verdammt, und wieder heißt die Strafe: Exil.

Vv. 8b-11 und Vv. 12-14 gehören eng zusammen, da sie von „Spruch JHWHs, des Gottes der Heere“ gerahmt werden (8b.14). Wieder ist der Gottesname „Gott der Heere“ hier sehr passend, denn wieder wird Gott als kriegerischer und vernichtender Gott dargestellt.
Vv. 8b-11 malen dabei nach V. 7 breit aus, wie sich Gottes Strafe in der Heimat auswirken wird. Wieder wird in 8c einleitend der Hochmut der Israeliten kritisiert, der hier aber v.a. mit seinen prachvollen Bauten in Samaria verbunden wird (8cd). Für diesen „Stolz Jakobs“ – ein Begriff, der hier gleichzeitig auch die Hauptstadt selbst bezeichnet, s. zu 8c – wird Gott diese Stadt untergehen lassen, ihre Bauten dem Erdboden gleichmachen und alle Bewohner töten.

Vv. 12-14 setzen in V. 12 noch einmal neu ein mit einem Gleichnis: Die Lebensweise der Israeliten, die in Vv. 1-7 geschildert wurde, ist so absurd, als wolle man Pferde über Felsen jagen oder diese Felsen mit Rindern pflügen wollen. Und dennoch, genau so verhalten sich die Israeliten; sie sind „wie eine Art böse Magier, die die gute Schöpfung Gottes – Recht und Gerechtigkeit, hier metaphorisch als köstliche Frucht dargestellt – nehmen und in eine bittere und giftige Pflanze verwandeln“ (Garrett 2008, S. 199). Das Kapitel endet, wie es begonnen hat: Ein drittes Mal wird die Arroganz der Israeliten angesprochen, diesmal noch mehr als in Vv. 1f. als Glaube an die eigene militärische Überlegenheit, der erst kürzlich durch einige Siege in Gilead neu genährt wurde (V. 13). Wer so hoch fliegt, fällt tief: Gegen diese arroganten Israeliten wird JHWH, der „Gott der Heere“, eine Armee ins Feld schicken, gegen die sich nicht den Hauch einer Chance haben und die sie „bedrücken werden von Lebo-Hamath bis zum Fluss der Araba“ (Vv. 14).

aZion - Wechselbegriff für Jerusalem oder speziell den Tempelberg in Jerusalem. Das kommt hier sehr überraschend, da Jerusalem die Hauptstadt von Juda ist, Amos im Am 3-5 aber ausschließlich zu den Israeliten gesprochen hat. Noch erklärungsbedürftiger ist aber, dass dann V. 6 mit der Rede vom „Zusammenbruch Josefs“ und V. 7 mit der von der Exilierung nur noch das Nordreich im Blick haben. Es harmoniert auch sehr schlecht mit dem deutlichen „immer engeren Fokus“ von Amos, der in den Anmerkungen zu Amos 1 beschrieben wurde. Die einfachste Erklärung ist die, dass „Selbstsichere auf dem Zion“ hier ähnlich eine metaphorische Umschreibung der „Selbstüberzeugten auf dem Berg von Samaria“ ist, wie in Am 4,1 „die auf dem Berg Samarias“ als „Kühe des Baschangebirges“ bezeichnet werden konnten (vgl. Lang 1982, S. 53; ähnlich Fohrer in TDNT VII 295; Rosenbaum 1990, S. 33f.91 und McLaughlin 1998, S. 92, die weniger wahrscheinlich annehmen, „Zion“ könne hier buchstäblich für Samaria stehen). Die Festigkeit Zions war sprichwörtlich; s. z.B. Ps 125,1; Jes 14,32; 28,16; 29,8; 31,8f.; 33,20.
Textkritik: Viele lösen diese Schwierigkeit stattdessen entweder redaktions- oder textkritisch. Am Besten noch z.B. Fleischer 1989, S. 226; Reimer 1992, S. 137; Rottzoll 1996, S. 153f.; Hadjiev 2009, S. 173-175: V. 1a.d.2 seien später von einem Schreiber hinzugefügt worden, der Vv. 1-7 auch auf die Reichen in Juda beziehen wollte. Folgt man dem, wäre Vv. 1-3 zusammenzukürzen auf den Grundbestand: „Weh! Ach, ihr Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria, / Ihr Auserlesenen des Erstlings der Völker! // Ihr den-bösen-Tag-Forttreiber / führt herbei bleibende Gewalt!“. Daneben gibt es viele weitere Versuche, die Zion-Zeile „zu eliminieren“. Schon LXX und Syr könnten nicht hš`nnjm („Sorglose“) voraussetzen, sondern entweder (w)n`jm oder wahrscheinlicher hš`țjm, denn sie übersetzen: „Weh! Ach ihr, die ihr verachtet den Berg Zion!“ Doch nur Dathe hat dies für den ursprünglicheren Text gehalten; die meisten gehen davon aus, dass auch dies nur ein solcher „weiterer Versuch“ ist. Diverse weitere Vorschläge zur Textänderung neben dem von LXX und Syr haben jeweils wenig überraschend kaum Anklang gefunden. Die wichtigsten: Statt bşjwn („in Zion“) sei zu lesen bg`wn („in Stolz“, so Ehrlich, Budde, Maag) oder bbșrwn („in der Festung“, so Rudolph) oder aber beșion sei als beșiun zu vokalisieren, „auf einem Grabmahl“ (Rießler 1911, S. 85.87; Praetorius 1915, S. 19). Nichts davon lässt sich sonderlich ernst nehmen; die redaktionskritische Erklärung oben wäre die bei weitem wahrscheinlichste, wenn man glaubt, der Text sei nicht in Ordnung. (Zurück zu v.1)
bEs folgt der Ausdruck der Sorglosigkeit und Selbstsicherheit, wie so oft ohne eigene Redeeinleitung. V. 2 halten mehrere Exegeten für ein Zitat der Oberschicht aus V. 1 (z.B. Sellin 1929, S. 145; Maag, Mays, CTAT III 669). Ändert man wie OfBi in 1d „es kommt“ zu „kommt!“, muss dieses Zitat natürlich mindestens dort beginnen; noch besser dann aber schon in 1c, was dann auch die Großsprecherei in dieser Zeile erklärt. (Zurück zu v.1)
cAm 6,1c.5a.7b verdichten eines der komplexesten Wortspiele im ganzen AT.
1c: Die neqube re`schit in 1c sind zunächst natürlich die „Besten der Besten“. naqab („aus(er)wählen“) klingt aber sehr ähnlich wie naqap „abschlagen, ernten“ (s. Jes 17,6; 24,13) und re`schit ist häufiger „die Erstlingsfrucht“ (z.B. Num 18,12). Extrem nah ist das Bild in Jer 2,3: „Israel war Gott heilig, war die Erstlingsfrucht seiner Ernte(ähnlich Hos 9,10; Jak 1,18.). Dieses Bild soll hier sicher auch im Leser geweckt werden: Die Angesprochenen sind „von der Erstlingsfrucht der Völker, also Israel, die Gelesenen“. LXX z.B. hat die beiden Wörter auch tatsächlich so verstanden und dabei an die Traubenernte gedacht („sie lasen die Erstlinge der Völker“).
Ähnlich in V. 5a: Die poratim ´al pi hannabel sind vielleicht „die Singenden über der Öffnung der Leier“; der ganz merkwürdige Ausdruck „über der Öffnung“ und das in der Bibel nur hier verwendete Wort parat zeigt aber schon, dass die Formulierung besondere Gründe haben muss. Zur Bed. „singen“ s. zum Wort. Im Hebräischen der Mischna und der Talmudim bedeutet parat aber außerdem zweitens oft „auswählen, eigens erwähnen“ und steht drittens für „durch (absichtliches oder versehentliches) Abpflücken abgetrennte Trauben“ (m.Peah vi 5; vii 3 für bei der Ernte versehentlich gepflückte und dann fallengelassene Trauben, m.Maas ii 6 vom bewussten Pflücken: „Wenn einer sagt zu seinem Freund: Hier ist eine Münze für eine Rebe, die ich mir selbst auswähle – dann darf er prt und essen.). parat entspricht hier also gleich doppelt naqab.
Zur „Öffnung der Leier“ s. noch mal zur Stelle; hier sei nur gesagt, dass das Wort für „Leier“ auch und sogar primär die Bezeichnung eines Tongefäßes ist, in dem v.a. Wein aufbewahrt wurde, und dass das Wort für „Öffnung“ sonst nie für Musikinstrumente verwendet wird, aber für Öffnungen von Gefäßen (Bohlen 1986, S. 293 schlägt vor: „Schallloch der Harfe“. Aber weder Harfen noch Leiern haben Schalllöcher). Mindestens ist es also so, dass die „Singenden über der Öffnung der Leier“ gleichzeitig „gepflückte Trauben über der Öffnung des Gefäßes“ sind. S. aber wie gesagt näher noch einmal zur Stelle.
V. 6 spricht dann vom Weintrinken, und V. 7 spricht das Urteil: „fortgebracht werden wird der Trink-Verein / der Kult-Umtrunk der Hängenden“ mit einem weiteren Wortspiel: saraḥ „hängen“ in V. 7 ist das selbe Wort wie in V. 4 und wird eigentlich für „hängenden“ Textilien gebraucht (s. Ex 26,12f.; Ez 23,15. Tg übersetzt daher witzigerweise: „Gelage auf Decken haben ein Ende“). Auch dieser Gebrauch ist ungewöhnlich, und wieder ist der Grund für diesen Gebrauch das Wortspiel: saraḥ heißt auch häufiger „verderben, stinken“, s. vom verdorbenen Wein HldR 2,13: „der Weinstock wird Wein geben, doch der Wein wird srḥ“. In V. 4 haben einige jüd. Ausleger das Wort daher im selben Sinn genommen, z.B b.Schab 62b und b.Kid 71b: „Sie ließen ihre Betten stinken [..., d.h.] sie urinierten nackt direkt vor ihren Betten“; in b.Kid 71 wird alternativ noch vorgeschlagen, dass die Reichen hier ihre Betten mit Samenflüssigkeit beschmutzten. Tg übersetzt einfach: „und Flecken sind auf ihren Betten“.
Am 6,1-7 verdichtet also im Schnelldurchlauf den Lebenszyklus einer Traube: Als Erstlingsfrucht gepflückt werden (V. 1) – als gepflückte Traube in ein Gefäß gegeben werden (V. 5) – als Wein getrunken werden (V. 6) – verderben und dann fortgebracht werden (V. 7). Jene, die sich eben noch als „Erstlingsfrucht“ dünken, werden schon bald nicht mehr sein als stinkender Weinessig, den man nur noch wegschütten kann. (Zurück zu v.1 / zu v.5 / zu v.7)
dLies statt bɔ`u („es kommt“) besser bo`u („kommt“!).
Die Zeile ist seit jeher schwer erklärlich. Alternativ versteht Koch sie am besten als weitere Drohung: „Zu ihnen – zu den Völkern also – wird das Haus Israel kommen (nämlich als vertriebene Exulantenschaft)“. Ähnlich BB: „... doch das Haus Israel wurde unter sie zerstreut.“ Ähnlich auch Blum 1994: „ihnen“ sind die Bewohner Zions, zu denen die Samarier als Flüchtlinge kommen werden. Die meisten vermuten stattdessen, dass gemeint sei, dass „das Haus Israel“, also das gemeine Volk, regelmäßig als Bittsteller zu den „Sicheren auf dem Berg Samaria“ komme, damit diese ihnen mit Rat und Führung zur Seite stünden oder damit sie ihnen ihre Rechtssachen regeln (s. MEN, NeÜ, PAT: „an die sich das Haus Israel wendet“; ZÜR 31: „den Herren des Hauses Israel“; NL: „zu dem die Leute kommen, wenn sie Hilfe brauchen.“).
Sellin 1929, S. 55 und Rudolph wollen stattdessen statt wb`w lesen w`bw („jmdm folgen“), also: „die Auserlesenen des Erstlings der Völker, denen das gemeine Volk folgt“. Daher H-R: „auf die das Haus Israel hört“. Daneben gibt es viele Vorschläge zur Textänderung mit jeweils nur einem Vertreter; mehrere Anhänger gefunden hat sonst nur noch: Statt wb`w lhm bjt jßr`l sei zu lesen wk`lh(j)m bbjt jßr`l „und sie waren wie Götter im Haus Israels“; so z.B. Robinson, Weiser, Maag, Wolff; auch NEB. (Zurück zu v.1)
edie große [Stadt] Hamath (Groß-Hamath) - Viele Kommentatoren (z.B. Paul, Garrett, Jeremias) verstehen ḥammat rabbah wie in der Alternativübersetzung als Bezeichnung eines Großstaates, der mehrere Kleinstaaten umfasst; hauptsächlich wohl, um die Zeile ein wenig früher datieren zu können: Die Stadt Hamath fiel erst 720 v. Chr. (s. nächste FN); der Staat Hamath dagegen musste schon 18 Jahre zuvor eine schwere Niederlage von den Assyrern hinnehmen. Aber das ist sehr unwahrscheinlich; die selbe Konstruktion begegnet mit der phönizischen Hauptstadt Sidon (ṣidon rabbah, Jos 11,8; 19,28); die Hauptstadt der Ammoniter wird oft gleich nur rabbah oder „rabbat der Kinder Ammons“ genannt; verwandt ist Jon 3,2 über die Hauptstadt der Assyrer: „Ninive, ha´ir haggedolah (die große Stadt)(vgl. richtig Joüon 1912, S. 420). Der Ausdruck ḥammat rabbah soll also recht sicher gerade nicht den Staat, sondern seine Hauptstadt bezeichnen. Auch Zion, Samaria, Kalne und Gat sind sämtlich ja sicher Städte, nicht Staaten. (Zurück zu v.2)
f
Palistin und andere in Am 6 genannte Orte.
Die Grenzverläufe von Palistin und seiner späteren vier Teil-Staaten Unqi mit der Hauptstadt Kalne, Arpad mit der Hauptstadt Arpad, Hamath mit der Hauptstadt Hamath und Luhuti mit der Hauptstadt Hazrak – die letzten beiden wurden Anfang des 8. Jhd.s von König Zakkur zu einem Doppelkönigreich vereint –, ist ganz unsicher und dienen hier wieder nur der groben Veranschaulichung.
Erst seit Kurzem ist klar, dass ganz unklar ist, worauf V. 2 anspielt. Kalne, Hamath und Gat werden hier sicher nicht zufällig zusammengestellt, denn neue Forschungen haben ergeben, dass die Staaten Unqi und Hamath-Luhuti und außerdem Arpad des 10.-8. Jhd.s v. Chr. im 11-10. Jhd. noch ein gemeinsames Königreich bildeten, das sowohl als Walistin als auch als Palistin bezeichnet werden konnte (vgl. v.a. Hawkins 2009). Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Königreich Palistin irgendwie zusammenhängt mit den Philistern (im Heb. ursprünglich wohl pališt-im), die u.a. in Gat siedelten (für zwei Vorschläge vgl. z.B. Singer 2012; Emanuel 2015), und entsprechend werden diese Philister hier in V. 2c ja mit der ungewöhnlichen Formulierung „Gat der Philister“ eigens genannt. Wie genau diese „Nord-Philister“ mit den Philistern im Südwesten Judas zusammenhängen, ist heute leider nicht mehr bekannt, und auch sonst liegt der größte Teil der Geschichte Palistins vom 11. bis zum frühen 9. Jahrhundert weitgehend im Dunklen. Wahrscheinlich ist zumindest, dass mit der Nennung der nördlichen Städte Kalne und Hamath einerseits und der südlichen Stadt Gat andererseits in dieser an Samaria und Jerusalem gerichteten Doppelwarnung unterstrichen werden soll, dass ihnen ein umfassendes Unheil „vom Eingang Hamats bis zum Fluss der Wüste Araba“ (V. 14) bevorsteht (vgl. Am 3,11: „Ein Feind umzingle das Land!“).
Was sicher ist, ist dies: Unqi mit der Hauptstadt Kalne wurde 738 v. Chr. von den Assyrern erobert, ebenso Luhuti mit der Hauptstadt Hazrak als das Nordreich Hamaths. Die Stadt Hamath im Süden dieses Doppel-Königreichs fiel jedoch erst zeitgleich mit Samaria um 720 v. Chr.; von einer früheren Eroberung ist bisher nirgends etwas überliefert (der bisher wichtigste anderslautende Vorschlag ist der von Na'aman 2002, S. 211f., alle drei Städte seien im späten 9. Jhd. von den Aramäern eingenommen worden. Für Gat stimmt das vielleicht, bei Kalne wäre es dann gut möglich – aber spätestens bei Hamath muss man dafür erstens die Zakkur-Stele mehrfach sehr spekulativ auslegen und zweitens 2 Sam 8,9f. ignorieren). Gat wurde von den Assyrern gar erst um 711 v. Chr. und damit 9 Jahre nach Samaria eingenommen. Schwerlich kann Amos also auch die Bürger Samarias aus V. 1 mit Hinweis auf diese Schicksale von Hamath und Gat gewarnt haben. Viele Amos-Kommentatoren behelfen sich mit redaktionskritischen Annahmen: Entweder V. 2 oder Vv. 1-2 oder das ganze Kapitel Am 6,1-14 sei später als der Rest des Amosbuches entstanden und eigentlich an die Judäer gerichtet. Aber auch das hilft ja nicht weiter; auch dann würden hier anachronistisch zumindest auch Bürger Samarias durch Hinweis auf das Geschick von Hamath und Gat gewarnt. Es scheint also, als sei hier etwas im Blick, was sich mindestens vor 738 v. Chr. zugetragen hat; wahrscheinlich sogar spätestens 750 v. Chr., da irgendwann zwischen 760 und 750 v. Chr. Gat unter judäische Herrschaft kam. Was genau, lässt sich heute nicht mehr erkennen. Vielleicht werden künftige Ausgrabungen weitere Erkenntnisse zutage fördern.
Weitere Orte aus Am 6:
(1) Lebo Hamath ist sicher das heutige Laboue, wo eine der Quellen des Orontes entspringt. Dieser Ort liegt in einem Gebiet, das ursprünglich zum fast gänzlich unbekannten Königreich Zoba zwischen der nördlichen Grenze Israels bei Dan und der südlichen Grenze Hamaths gehörte und wohl von mit Aram verbündeten Aramäern besiedelt wurde (s. 2 Sam 10,6.8). Irgendwann scheint es von Hamath eingenommen worden zu sein; das legt jedenfalls zum Einen 2 Chr 8,3f. nahe, wonach Salomo „Hamath-Zoba“ erobern und sodann „in Hamath“, also in Zoba, Städte bauen konnte, und zum Anderen 2 Kön 14,25.28, wonach Jerobeam II. Israel bis „Lebo Hamath“ (=Laboue) wiederhergestellt und damit „Hamath“ an Israel zurückgebracht hat. 2 Sam 8,3 berichtet dann wahrscheinlich von einem Intermezzo zwischen diesen beiden Phasen: Hier wird erzählt, dass David den einstigen König Zobas geschlagen hatte, als dieser versuchte, „seine Macht am Fluss wiederherzustellen“, es also wieder von Hamath zurückzuerobern. Auch noch Anfang des 6. Jhd.s scheint Zoba zum Gebiet von Hamath gehört zu haben, s. 2 Kön 23,33; 25,21. Der Name wird nicht erst entstanden sein, als Lebo Hamath bereits zu Hamath gehörte (so z.B. Na'aman 1999, S. 429; Hasegawa 2012, S. 130): Ist der hebräische Name in der Bibel korrekt, ist Lebo Hamath w. der „Zugang zu Hamath“ und damit doch gerade passender als Name für einen Grenz-Ort, der zu einem anderen und aus israelitischer Perspektive Hamath vor-gelagerten Reich gehörte.
(2) Karnajim (dazu s. näher Karnajim (WiBiLex)) und Lo-Dabar (zu beiden Städten s. auch noch mal u.) liegen im Norden Gileads östlich des Jordan. Irgendwann scheint Israel diese Region an die Aramäer verloren zu haben (s. Am 1,3; 1 Kön 22,3. S. v.a. 2 Kön 10,32f., dazu gleich mehr).
(3) Welcher Fluss der Fluss Araba sein soll, ist nicht ganz klar. Heute wird damit das Wadi zwischen Rotem und Totem Meer bezeichnet, doch dieser Name kam erst im 19./20. Jhd. auf. Es gibt zwei ähnliche Ausdrücke, die d.Ö. zur Bezeichnung von Grenzen Israels verwendet werden: Vergleichbar ist zum Einen die Grenzbestimmung „bis zum Meer der Araba“, die sonst eine Grenze östlich des Jordan am nördlichen Ende des Toten Meeres bezeichnet (Dtn 3,17; 4,49; Jos 12,3; wahrscheinlich auch 2 Kön 14,25, vgl. V. 28: „Jerobeam hat [das aramäische] Damaskus, das Juda gehört hatte, an Israel zurückgebracht“ meint wahrscheinlich die von Aram besetzten Gebiete Gileads östlich des Jordan). (a) Rudolph, Paul u.a. denken daher, „Fluss der Araba“ sei nur eine Ausdrucksvariante und meine den Fluss im Wadi Kefren, den nördlichsten der rechts abgebildeten vier „Araba-Flüsse“. (b) Für den Fluss darunter im Wadi Zerka spricht eigentlich nur, dass auch dies ein größeres mit dem „Meer der Araba“ verbundenes Wadi ist; (c) deutlich mehr spricht wieder für den Arnon im Wadi Mujib darunter (so z.B. Halpern 2001, S. 187), da das Gebiet zwischen dem Wadi Kefren und dem Wadi Mujib laut Bibel einmal das Gebiet des Stammes Ruben gewesen sein soll, der von den Stämmen des Nordreiches am weitesten nach Süden siedelte. Dass die Israeliten auch dieses Gebiet von den Aramäern zurückerobert hätten (s. 2 Kön 10,32f. mit 2 Kön 14,25), wird in der Bibel aber nicht berichtet. (d) Mays, Soggin und Stuart schließlich optieren für den Sered im Wadi el Hesa südlich des Toten Meeres (so auch schon LXX); diese Idee hat immerhin für sich, dass der Sered in etwa auf der selben Höhe liegt wie Beerscheba, das auch sonst häufig als südlichste Stadt des vereinten Israels angegeben wird („von Dan [im Norden] bis Beerscheba [im Süden]“: Ri 20,1; 1 Sam 3,20; 2 Sam 3,10; 17,11; 24,2.15; 1 Kön 4,25). Da der Sered aber traditionell Grenzmarker zwischen Moab und Edom war und außerdem dann ein Wadi östlich des Toten Meeres als Grenzmarker für eine Grenze westlich davon dienen müsste, wäre seine Nennung hier ungewöhnlich.
(e) Vergleichbar ist zum Anderen die Grenzbestimmung „von Lebo Hamath bis zum Fluss Ägyptens“ (1 Kön 8,65; 2 Chr 7,8; Ez 47,19), womit das Wadi el-Arisch südwestlich von Gaza als die natürliche Grenze zwischen Philistäa und Ägypten gemeint ist; die genannten drei Stellen imaginieren also, Israel habe ganz Philistäa unterworfen. An dieses Wadi denken hier z.B. Wellhausen und Snaith; „Fluss der Araba“ wäre dafür als Name aber sehr fernliegend. Insgesamt spricht am meisten für (a); möglich wäre auch (c), da 2 Kön 14,25 jünger ist als Am 6 und daher Am 6 nicht ohne weiteres mit diesem Vers zusammengelesen werden kann. Nach beiden Optionen wäre gemeint, dass Israel (nicht Juda!) von Nord bis Süd bedrückt werden wird. Falls man annehmen kann, dass Amos den Ausdruck „von Lebo Hamath bis zum Fluss Ägyptens“ kannte, würde mit diesem abgewandelten Ausdruck sogar eigens hervorgehoben, dass nur Israel und nicht Juda bedrückt werden soll: „von Lebo Hamath (nicht bis zum Fluss Ägyptens, nein, nur bei euch:) bis zum Fluss der Araba.“ (Zurück zu v.2)
g(Diese=) eure Reiche müssen Juda und Israel sein, sonst müsste im Heb. ein anderen Pronomen verwendet werden (richtig Gordis 1979/80, S. 240). So legt die Stelle auch NumR 10,3 aus, wo Amos/Gott als Sprecher dieses Verses angenommen wird: „Der Erbteil, den ich euch gegeben habe, ist groß und gut; keine Nation kann es übertreffen. Warum also folgt ihr nicht meinem Willen!?“ Diese Deutung war früher weit verbreitet; so z.B. auch Hieronymus, Theodor, Theodoret und Kyrill. (Zurück zu v.2)
hSchön Sellin 1929, S. 145: „Mit feinster Ironie läßt Amos sie gerade solche Reiche auswählen, an denen gemessen Israels und Judas Territorium vereint noch als eine Großmacht erschien, und mit denen sich zu vergleichen den Dünkel, ‚Erstling der Völker‘ zu sein, nähren konnte.“
Textkritik: ihr Gebiet als euer Gebiet (euer Gebiet als ihr Gebiet) - MT und alle alten Textzeugen wie in der Primärübersetzung. Sehr viele Kommentatoren (z.B. Hammershaimb, Wolff, Rudolph, Jeremias) halten dies für ein sog. Tiqqun Sopherim, also für einen Text, bei dem alte Schreiber aus theologischen oder ideologischen Gründen bewusst den Text geändert hätten: Ursprünglich habe „ist euer Gebiet größer als ihr Gebiet?“ gestanden und alte Schreiber hätten sich darüber ennuyiert, dass Israel und Juda hier kleingeredet würden. Dem folgt z.B. MEN: „Ist euer Gebiet größer als das ihrige?“, auch EÜ 80 (nicht mehr EÜ 16), H-R, NL, PAT, TEX, ZÜR 31 (nicht mehr ZÜR 07), leider neuerdings auch wieder BB: „Habt ihr ein größeres Gebiet als sie?“. In der neueren Textkritik ist man heute aber i.d.R. der Ansicht, dass es solche Tiqqune Sopherim gar nicht gibt (s. z.B. Tov 1992, S. 65-7.). Ohnehin werden Israel und Juda hier sicher nicht kleingeredet; zu keiner Zeit waren Israel und/oder Juda kleiner als Gat. Vorausgesetzt wird hier also eine Situation, in der Israel + Juda größer waren als diese drei Staaten, und in der Tat setzen ja Vv. 13-14 voraus, dass Zoba und Gilead zur in Rede stehenden Zeit zu Israel gehörte, wonach schon Israel allein größer war als selbst Hamath. (Zurück zu v.2)
iForttreiber - Wegen der parallelen Zeile wahrscheinlich wirklich zu verstehen wie bei ibn Ezra und Kimchi: „Seine Prophezeiungen beziehen sich doch auf ferne Zukunft!“, d.h.: „In naher Zukunft droht uns gar nichts, wir haben noch massig an rosigen Zeiten vor uns – machen wir erst noch ein wenig Party!“ Alternativ: „Ihr, die ihr (schlechthin) die Augen davor verschließt, dass euch ein böses Geschick dräut!“.
Erwähnt sei noch die unwahrscheinliche, aber doch erwägenswerte und ganz zu Unrecht vergessene Idee von Michaelis 1790, S. 1600 und Dahl 1795, S. 192, das seltene Wort (nur noch Jes 66,5) sei hier zu verbinden mit arab. nada` „herbeirufen, beschwören“, also „die den Unglückstag herbeizurufen wagen“ (Dahl) / „Ihr, die ihr den Unglückstag herbeirufet“ (Michaelis); vgl. Am 5,18. Das passte hier sehr viel besser: Der „böse Tag“ sollte eigentlich der selbe wie der „Tag JHWHs“ aus Am 5 sein. Dort aber „ersehnten“ ihn sich Amos Gegner, weil sie ihn für einen „Tag des Lichts“ hielten. Warum die gleichen Menschen nun den selben Tag „verdrängen/fortdrängen“, ist bisher unerklärt. Aber arab. nada` ist ein ganz gewöhnliches Wort für „rufen“, ähnlich wie heb. qara`. Solche Worte werden nicht als Lehnworte in eine andere Sprache übernommen, wenn in der eigenen Sprache Synonyme zur Verfügung stehen. Man muss wohl annehmen, dass „böser Tag“ hier nicht den „Tag JHWHs“ meint oder dass Amos zumindest nicht als „Tag JHWHs“ von ihm spricht, sondern allgemein sagt: „Ihr, die ihr bewusst verdrängt, dass euch ein schlimmer Tag bevorsteht...!“ Der Leser dagegen soll hiernach natürlich wieder an den „Tag JHWHs“ erinnert werden. (Zurück zu v.3)
jbleibende Gewalt (den Thron der Gewalt? Ein gewaltsames Ende? Eine Woche der Gewalt? Ein Jahr der Gewalt?) - schwieriger Ausdruck. W. „(das) Sitzen von Gewalt“. I.d.R. mit VUL übersetzt als „Thron der Gewalt“, aber zu jašab („sitzen“) als „thronen“ s. zu Am 1,5. Hier wurde das Wort vermutlich gewählt, um dem dynamischen „Forttreiben“ und „Herbeiführen“ das statische „Sitzen“ gegenüberzustellen. Gut daher PAT: „Den Unglückstag wollt ihr ablehnen, aber dauerndes Verweilen des Unrechts führt ihr herbei.“
Die Alternativen sind jedenfalls kaum zufriedenstellend. Am besten noch Rudolph, Soggin und Fleischer 1989, S. 231, die nicht von jašab, sondern von šabat („aufhören“) ableiten und „das Aufhören“ dann als „Ende“ nehmen. Das aber wäre ein sehr seltsamer Ausdruck; „gewaltsames Aufhören“ wäre ja geradezu ein Oxymoron. Stuart, Blum 1994, S. 25 und Maier/Dörrfuß 1999, S. 46 vokalisieren dagegen wie LXX und Syr ebenfalls als šabat; Ersterer nimmt es aber in der Bed. „Woche“, die anderen beiden wie auch R-S als „Gewalt-Sabbat“ (was auch immer das sein soll). Daneben sind auch hier wieder diverse Vorschläge zur Änderung des Konsonantentextes verbreitet; am sinnvollsten noch šenat („Jahr“) von BHK, Greßmann und Maag. (Zurück zu v.3)
kw. die auf Divanen aus Elfenbein liegend sind; ähnlich im Folgenden. Wie oft im Amosbuch folgt hier eine lange Reihe an Partizipien, die zur Charakterisierung der Angesprochenen und so beinahe als Schimpfwörter verwendet werden. „Elfenbein-Divane“ sind Möbel, in die Elfenbein-Intarsien eingearbeitet wurden; solche wurden auch tatsächlich in Samaria ausgegraben (für einige Bspp. s. Elfenbein (WiBiLex)). (Zurück zu v.4)
lKälber aus dem Maststall sind das israelitische Pendant zum Wagyu-Rind: Der „Maststall“ ist w. der „Anbindeort“. Um besonders saftiges Kalbfleisch zu produzieren, wurden Kälber in Häusern angebunden, um so zu verhindern, dass sie sich mager liefen (vgl. Dalman, AuS VI 178f.). Dass die Kritisierten Lämmer aus der Herde essen, hat wohl den Hintergrund, dass Schlachtvieh aus der Herde in eigene Schlacht-Herden ausgesondert wurde (s. Ps 44,23; Sach 11,4). Die „Lämmer aus der Herde“ dagegen sind noch gar nicht zum Schlachten bestimmt und also besonders jung und zart. Ohnehin war im Alten Israel Fleisch eine Ausnahme-Speise. Doch nicht einmal mit gewöhnlichem Fleisch geben die Angesprochenen sich zufrieden.
NumR 10,3 erfindet hier die gar nicht unpassende Szene, dass man eine ganze Schafherde an sich vorbeiführen lasse, um sich das beste und saftigste Tier auszuwählen. (Zurück zu v.4)
mOb mit der „Öffnung der Leier“ und den „Instrumenten des Gesangs“ wirklich von Musikinstrumenten die Rede ist, wie stets angenommen wird, ist gar nicht ausgemacht. Wahrscheinlicher ist, dass hier durch weitere Wortspiele Trinkgefäße, über denen die betrunkenen Zecher grölen, nur metaphorisch als Instrumente bezeichnet werden:
Links: nebel-Gefäß. (c) Kelso 1948, S. 47. Rechts: nebel-Leier. (c) BODO 34770.
Viele weitere Leier-Abbildungen in Lawergren 1998.
Was der peh („Mund“, hier „Öffnung) einer Leier in V. 5 sein soll, ist nicht klar. Die meisten übersetzen mit „zum Klang“, weil es vom Menschen gesagt oft auch als Synekdoche für „die Rede“ steht; dass aber auch der Klang von anderen klingenden Dingen ohne Mund metaphorisch als „Mund“ dieses Dings bezeichnet werden könnte, wäre singulär und ist nicht sehr wahrscheinlich. Garrett hält es daher etwas besser für den Saitenteil der Leier innerhalb des Korpus, aber auch hierfür wäre „Mund“ kein naheliegender Begriff. Am ehesten wird man es sich so erklären müssen: Die nebel („Leier“) heißt sicher so, weil sie in der Form dem gleichnamigen Tongefäß nebel (z.B. in Jes 22,24; Klg 4,2 und oft) sehr gleicht. Als peh bezeichnet man auch Öffnungen z.B. von Brunnen (Gen 29,2f.) oder eben von Gefäßen (Sach 5,8); der „peh der nebel-Leier“ wäre also dort, wo beim ähnlich geformten nebel-Gefäß die Öffnung wäre.
Wenn das aber die beste Erklärung sein soll, ist es umso auffälliger, dass auch der nächste Instrumentenbegriff primär ein Gefäß-Begriff ist: keli (hier: „Instrument“) ist ein sehr häufiges Wort und kommt wohl von kalah „erzeugen“, daher primär: „Zeug“ i.S.v. „Haushaltsware“, genauer i.S.v. „Trinkschale“ z.B. in 1 Kön 10,21 = 2 Chr 9,20. Instrumente bezeichnet das Wort nur in den Fügungen „Leier-Zeug“ (1 Chr 16,5; Ps 71,22; Sir 39,15), „Davids-Zeug“ oder wie hier in „Gesangs-Zeug“, wobei man zu diesen Fügungen aber hinzusagen muss, dass sie sehr wahrscheinlich keine „Sammelbegriffe“ für verschiedene Instrumente sind, sondern dass alle drei entweder nur Leier und Laute bezeichnen oder der erste die Leier und die anderen beiden die Sprechtrompete (s. dazu näher unter dem Abschnitt „Genauer“). Sicher nicht möglich ist daher eine Interpretation à la „Zum Mahl erklingt Musik; dazu reicht das traditionelle Saiteninstrument der Harfe [...] nicht mehr aus, sondern es werden [...] immer aufwendigere Instrumente (Zithern? Zimbeln? Pauken?) genutzt, um den lauten Gesang zu begleiten.“ (Jeremias 2013, S. 88).
In 5a wird also mindestens mit der nebel-Leier das nebel-Gefäß eingespielt, in 5b mindestens mit keli („Instrumente“) die primäre Bed. dieses Wortes (ebenfalls „Steingut, Gefäß“); das folgende šir („Gesang“) klingt dann auch noch ähnlich wie sir („Topf, Kessel“), und im folgenden Vers ist dann ja klar von Trinkschalen die Rede. Sehr sicher ist, dass der Verfasser dieser Verse hier mit der Mehrdeutigkeit von nebel und keli spielt. Vielleicht spielt er mit dieser Mehrdeutigkeit aber nicht so, dass man sich wirklich musizierende Säufer vorstellen muss, deren Trinkfreudigkeit noch zusätzlich durch mehrere Wortspiele unterstrichen wird, sondern so, dass man an grölende Zecher über ihren Weinfässern und -bechern denken muss, die ob diesen Grölens metaphorisch als „Instrumente“ dargestellt werden: „Sie singen über ihren Flaschen/Leiern; als seien sie König David, erfinden sie sich ‚Instrumente‘ (Krüge, Kessel): Sie trinken aus Wein-Schalen...“ etc.
Diese Deutung erklärt dann auch erst das merkwürdige „Musikinstrumente erfinden“ in V. 5; s. dort.
Wandmalerei aus Gizeh: Auf dem hinteren Boot ist ein junger Mann am Rufen, auf dem vorderen ist einer am Trompeten oder Sprechtrompeten. (c) LD III, Blatt 28.
Genauer: Gegen die Deutung von keli als Sammelbegriff für verschiedenste Instrumente sprechen klar 1 Chr 16,42 (Fanfaren und Zimbeln und keli šir“); 2 Chr 5,13 (Sänger, Fanfaren, Zimbeln und keli šir“); Neh 12,35f. (Sekarja, ein Priester mit Fanfare... und davor seine Brüder mit den keli Davids“; so richtig Buttenwieser 1926, S. 156f.). keli i.S.v. „Instrumente“ bezeichnet viel wahrscheinlicher (eine) bestimmte Art(en) von Instrument(en). Wegen 2 Chr 29,25f. (Er stellte die Leviten auf mit Zimbeln, Leiern und Lauten. ... Und die Leviten standen da mit den keli Davids und die Priester mit Fanfaren) könnte man zunächst meinen, es seien „Zimbel, Leier und Laute“, aber auch die Zimbeln stehen in 1 Chr 16,42 und 2 Chr 5,13 ja neben dem „Gesangs-Zeug“. Aus jedem Rahmen fällt 11QPsa 151A,4, wo David erzählt, er habe kinnor und ´ugab, also „Leier und Flöte“, gebastelt; immerhin ist aber auch hier David noch einmal als Instrumenten-Erfinder belegt. Entweder hält man daher 11QPsa für einen „Ausreißer“ und die keli basierend nur auf den biblischen Stellen nur für Leier und Laute, oder man kann sogar noch weiter gehen und hält die keli šir für den stehenden Begriff einer bestimmten Instrumentengruppe. Wegen ihres Namens wie auch wegen 2 Chr 7,6 könnte man dann vermuten, dass sie ursprünglich gar nicht Instrumente für Instrumentalmusik, sondern für Vokalmusik waren: „Die Leviten standen auf ihren Posten mit den keli šir, die König David gemacht hatte, um JHWH zu preisen mit (den Worten) ‚Seine Huld währt ewig!‘, wenn David mit ihnen pries.“ Vgl. dann auch 2 Chr 25,13: „Die Sänger (!) (waren da) mit keli šir und priesen.“ Deswegen und weil sie so häufig zusammen mit den Fanfaren stehen, ist es vielleicht nicht zu gewagt, sie für eine Trompetenart zu halten, die sich aus der Sprechtrompete entwickelt hat (grundsätzlich dürfte sich überall die Trompete aus der Sprechtrompete entwickelt haben, vgl. Sachs 1940, S. 51.). Dass es diese gab, macht zum einen der heb. Name für „Fanfare“ sehr wahrscheinlich (ḥazozrah, wohl abzuleiten von ḥazar „schreien, heulen“, vgl. Braun 1999, S. 38), zum anderen das Ägyptische, wo eine Trompete anders als andere Instrumente nicht „gespielt“, sondern „gesprochen“ wird (ḏd m šnb, vgl. Bowyer 2016, S. 36). Eine solche könnte gut auf der Wandmalerei rechts abgebildet sein; so jedenfalls z.B. Erman 1894, S. 483. Vgl. übrigens auch Aristoteles' / Strato von Lampsacus' De Audilibus 801a re, woraus man zumindest ersieht, dass auch zu dieser Zeit durch Trompeten noch gesprochen werden konnte: „Wenn ein Mann einen Krug (?) oder eine Pfeife oder eine Trompete nimmt und sie nahe an das Ohr eines anderen Mannes bringt, um hindurchzusprechen, klingen alle Laute so, als kämen sie von sehr nahe.“ Solche Sprechtrompeten könnten dann auch noch Bildspender sein von Jes 58,1; Jer 4,5; 1 Thess 4,16; Offb 1,10; 4,1. Aber sei dem, wie dem sei; jedenfalls ist wegen 1 Chr 16,42; 2 Chr 5,13; 29,25f. und Neh 12,35f. sehr wahrscheinlich, ḥabaš keli šir nicht buchstäblich „neue Arten von Musikinstrumenten erfinden“ bedeuten kann, was ohnehin eine extrem merkwürdige Beschäftigung bei Trinkgelagen wäre. (zu v.5)
nSinger (Plärrer? Improvisierer?) - Dass dieses nur hier verwendete und daher in der Bed. unsichere Wort „singen“ bedeuten kann, macht ein samaritanischer Text sehr wahrscheinlich („lasst uns Gott prt mit allen Liedern!“, dazu Montgomery 1906, S. 52). So auch schon Sym und VUL; so auch TAF. Zum Grund, warum gerade dieses seltene Wort verwendet wird, s. FN c. Einige Kommentatoren orientieren sich alternativ an der Verwendung des selben Wortes im Mittelhebräischen („abreißen“, von Trauben), das hier aber „abgerissen singen“ und daher „grölen, plärren“ bedeuten soll (z.B. Mays, Wolff, Rudolph, auch B-R, EÜ, H-R, HER05, NeÜ, NL R-S; schon Rabbi, Kimchi, ibn Ezra). Man sieht gleich, wie weit hergeholt das ist. Vom selben Wort erklärt sich TURs „Die zupfen auf der Harfe“; „abreißen“ soll hier „an den Saiten reißen“ bedeuten. LUTs „spielen“ und BBs „klimpern“ erklärt sich entweder ebenso oder ist nur geraten; so jedenfalls bereits Tg. Wieder andere leiten ab vom arabischen farit („improvisieren“, so z.B. Ewald, Hammershaimb, Carroll, schon Abulwalid), daher z.B. SLT: „sie fantasieren auf der Harfe“; ähnlich MEN. Aber richtig Blau 2010, S. 34: „Auf das Arabische lässt sich dies nicht stützen, da die Grundbedeutung des arabischen frț ‚vorangehen‘ ist, was sich dann zu ‚etwas eilig tun‘ und erst dann zu ‚improvisieren‘ weiterentwickelt hat. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die selbe Bedeutungsentwicklung auch im Hebräischen stattgefunden hat, wo das Wort in seiner Grundbedeutung gar nicht vorkommt.“ (Zurück zu v.5)
oDavid galt nicht nur als begnadeter Sänger, sondern auch als Erfinder von Instrumenten, was allerdings außer hier nur in späten Texten belegt ist. S. z.B. 2 Chr 7,6; weitere Stellen zwei FNn zuvor.
Textkritik: Instrumente des Gesangs (Worte des Gesangs? jeglich Lied?) - Das Verb ḥabaš wird fast stets als „erfinden“ genommen (wie z.B. 2 Chr 26,15). Weil die Vorstellung, die Kritisierten konstruierten bei ihren Gelagen Musikinstrumente, aber so fernliegend ist, wird i.d.R. der Text geändert. Die meisten ändern von keli šir („Instrumente des Gesangs“) entweder zu kol šir („jeglichen Gesang“; so z.B. BHS, Stuart; auch BB, EÜ 80, NeÜ, SLT 51, ZÜR 31) oder zu mille(j) šir („Worte des Gesangs“; so Lohmann 1912, S. 275; Sellin; auch HER05, LUT, NL, SLT); als „Musikinstrumente erfinden“ belassen es aber z.B. H-R, EÜ 17, MEN, PAT, SLT 00. ZÜR 07 („die sich für David halten an den Instrumenten“) konstruiert das Verb anders: ḥašab heißt tatsächlich nicht nur „erfinden“, sondern auch „jmdn für jmdn / etw für etw halten“ (ohne Präp. auch in 4Q417 i 1,7, anders als hier mit Präp. l- z.B. in Gen 38,15; 1 Sam 1,13; Ijob 19,15 u.ö.). Mindestens müsste dann aber das k- („wie“) in kdwjd („wie David“) gestrichen werden, das l- steht beim falschen Wort und außerdem müsste das Verb im Hithpael stehen wie in Num 23,9, nicht wie hier im Qal. Wie TEX zu „sie bilden sich ein, wie David zu spielen“ kommt, verstehe ich nicht.
S. aber zur Zeile FN c und die folgende FN; wahrscheinlich ist der Text in Ordnung. (Zurück zu v.5)
p
Bronze-Trinkschale aus Kfar Vradim, 9. Jhd. Inschrift: „Trinkschale (?) von Pesah ben Schema“. (c) IMJ 375137.
Bronzener Tempel-Mizraq aus Tell Dan, 8. Jhd. (c) https://www.teldanexcavations.com/the-site-of-tel-dan
Zur Tell Dan-Schale als Mizraq vgl. v.a. Greer 2010.
Weinkelche (Sprengschalen) - Heb. mizraq; hier schwieriges Wort, obwohl es ziemlich häufig vorkommt. mizraq kommt sicher von zaraq („spritzen, sprengen, sprenkeln“) und bezeichnet sonst stets kultische Gefäße, mit denen Blut an den Altar gesprengt wird. Viele haben deshalb angenommen, dass dies hier kritisiert wird: Wie Nebukadnezzar in Dan 5,2-4 missbrauchen die Reichen kultische Gefäße, um damit Wein zu trinken. Hier steht das Wort aber in einer Genitiv-Verbindung mit „Wein“ (mizraqim des Weins“), es sind also wahrscheinlich genuine Weinschalen und damit keine missbrauchten Kultgefäße, denn Wein wird nicht gesprengt, sondern, wenn er geopfert wird, ausgegossen. Warum werden sie dann aber als mizraq bezeichnet? – Vielleicht ist dies so zu erklären: Ein kos („Trinkschale“) konnte zwar auch aus Metall sein, war aber für gewöhnlich aus Ton. Sprengschalen im Tempelkult dagegen waren immer aus Edelmetallen. Es könnte sein, dass Schalen als Edelmetall-Schalen zunächst als Kult-Gefäße Eingang in die israelitische Kultur fanden, und dass dann, als Edelmetall-Schalen auch im Privatgebrauch verwendet wurden, der Begriff mizraq „Sprengschale“ dennoch an diesem Gefäßtyp „hängen blieb“. Alternativ müsste man davon ausgehen, dass in mzrqj jjn (mizraqim des Weins“) das -j in mzrqj aus jjn dittographiert wurde oder dass -e(j) hier eine archaische St. abs.-Endung ist (dazu vgl. Rin 1961; so hier schon Kimchi, auch die Akzente wollen den Text so gelesen wissen) und ursprünglich gesagt wurde: „Sie trinken Wein aus (einer) Sprengschale(n)!“ Für Ersteres gibt es in der Textgeschichte keine Indizien, Letzteres ist in der Hebraistik nicht mehrheitsfähig.
Mit dem Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit etwa um 1000 v. Chr. wurde Bronze immer seltener nachgefragt und entwickelte sich in der Folge zum Luxusgut (vgl. Tubb 1988, S. 252-254; Weigl 1995, S. 385f.). Dies ging einher damit, dass sich im 9.-8. Jhd. in Israel nach und nach eine Oberschicht in den Städten neben einer immer weiter verarmenden Unterschicht auf dem Land herausbildete, die zum Erwerb solcher Luxusgüter überhaupt erst fähig war (zu diesem Prozess vgl. z.B. Fleischer 1989, S. 346-390). Ab dieser Zeit, bes. im 9.-7. Jhd., tauchen daher immer häufiger auch aufwendig hergestellte und verzierte Trinkschalen aus Bronze auch in reichen Privathaushalten auf (vgl. z.B. Howes Smith 1986, S. 13), die z.B. auch als besonders kostbare Grabbeigaben verwendet wurden (für ein Bsp. s. rechts). Im Zuge dessen entwickelte sich die Edelmetall-Schale zu einem der Luxusgüter schlechthin, weshalb sie z.B. wie die Schale rechts eigens beschriftet wurden („Seht her, ich besitze eine Edelmetall-Schale!“; zur Edelmetall-Trinkschale als Luxusgegenstand vgl. bes. gut Feldman 2014, S. 111-137). Tg hat das richtig erfasst und daher ergänzt: „Sie trinken Wein aus Silber-Schalen!“ (für „Schalen“ hat Tg außerdem pjjlj, die aram. Entsprechung des gr. phiale [der gr. Name des oben abgebildeten Gefäßtyps]. Klar ist also, dass zumindest Tg explizit nicht an Kultgefäße gedacht hat). Die relativ breite Verwendung von kostbaren Trinkschalen bei Gelagen von israelitischen Angehörigen der Oberschicht war zur Abfassungszeit des Amosbuches also ein neueres Phänomen. Wenn es wahr ist, dass die Instrumente in V. 4 Metaphern für deren Weingefäße sind, könnte dies die Rede vom „Erfinden“ von Instrumenten erklären: Gemeint wäre damit eben dies, dass der Usus um sich griff, dass Angehörige der Oberschicht ihren Reichtum durch Prestigekonsum von metallenen Trinkschalen zur Schau stellten. (Zurück zu v.6)
qtFN: Waw-X-Qatal wie selten, aber wie häufig im Amosbuch als Fortsetzung einer Partizipienreihe. S. den Kommentar zu Am 2,7. (Zurück zu v.6)
rmit Öl salben - Altorientalische Tischsitte: Bei Festmählern der Oberschicht salbte man sich meist mit duftendem Öl ein (s. Ps 23,5; Koh 9,8; Lk 7,38.46) oder setzte sich (v.a. in Ägypten) Salbkegel auf den Kopf (s. Ps 133,2). Hier noch weiter gesteigert durch „erstklassiges Öl“: was die Angesprochenen hier tun, ist der Gipfel der Dekadenz. (Zurück zu v.6)
sJosef war einer der Stammväter der Nordisraeliten. Genauer ist Josef der Vater von Ephraim und Manasse; „Josef“ steht daher speziell für den Rumpfstaat Ephraim, der Israel nach seiner ersten schweren Niederlage verblieben war und der hauptsächlich in den Stammesgebieten von Ephraim und Manasse lag; sein Name wird daher hier wie in Am 5,6.15 als Wechselbegriff für „Israel“ verwendet. W. „sie sind nicht krank/gram wegen seinem (Knochen-)Bruch.“ Die beiden medizinischen Begriffe sind sicher nicht zufällig gewählt: Wein und Öl wurden im Alten Orient auch verwendet, um Wunden zu behandeln (s. z.B. Lk 10,34). Die Angesprochenen haben die nötige Medizin für den „Bruch Josefs“ also direkt vor sich stehen, denken aber gar nicht daran, sie einzusetzen, um Josef zu kurieren (gut Eugene 2009).
Davon abgesehen könnten drei Dinge gemeint sein: (1) Entweder wird den Angesprochenen wieder wie in Vv. 1-2 vorgeworfen, dass sie sich wegen eines künftigen Untergangs von Samaria und seiner Umgebung gar keine Sorgen machen (vgl. Ez 13,10; 1 Thess 5,1-3), (2) oder, dass sie das gute Leben in vollen Zügen genießen ungeachtet der Tatsache, dass in ihrer direkten Nachbarschaft das gemeine Volk vor die Hunde geht (Moldenhawer: „Ihr trinket den Wein aus großen Schalen und salbet euch mit dem besten Öl; aus dem elenden Zustande aber der Nachkommen Josefs macht ihr euch nichts.“), (3) oder aber (so gut Hitzig, vgl. Jes 30,12-15) es wird vorausgesetzt, dass Amos' Gegner mit ihrem zügellosen Verhalten einen bevorstehenden Zusammenbruch Israels selbst herbeiführen werden. Nach V. 3 kann man hier sicher sowohl (1) als auch (3) hören. (Zurück zu v.6)
tEin weiteres Mal wird darum zur Einleitung eines Urteilsspruchs Gottes verwendet (s. noch Am 3,11; 4,12; 5,11.13.16; 7,17). Hier wird dies anders als bei den vorigen Stellen aber variiert durch ein zusätzliches nun; auch in Am 7,17 steht direkt davor in V. 16 ein „nun“: Die Zeit läuft spürbar ab; der Untergang rückt immer näher. (Zurück zu v.7)
uZum Marzeach s. die Anmerkungen. Hier sei nur gesagt, dass Üss. wie „Jubel“ (van Ess, TAF) oder „Gekreische, Gejauchze, Gejohle“ (B-R, ELB, H-R, NeÜ, SLT, TEX) nicht gut sind, weil sich diese Üss. von marzeaḥ nicht an der Marzeach-Institution, sondern rein etymologisch an einer gar nicht belegten Wurzel razaḥ („schreien“) orientiert. Die „Hängenden“ sind natürlich die, die in V. 4 „auf ihren Divanen hängen“; s. zum Wort aber noch mal FN c.
Starkes Klangspiel durch eine Häufung von rs und Zischlauten: wesar mirzaḥ seruim. Einige haben versucht, das auch im Dt. einzufangen: „Aus ist das Gelage der Ausgelassenen“ (Blum 1994, S. 27); „Da verlernen das Lärmen die Lümmel“ (Duhm); „Fertig ist das Fest der Fläzenden“ (Wolff); „da schwindet das Schwadronieren der Schwelger“ (Rudolph); auch EÜ + HER05 („Das Fest der Faulenzer ist vorbei“), TUR („abgetan ist der Gelagerten Gelage“). (Zurück zu v.7)
vV. 8a ziehen gut Garrett und Roberts 1975, S. 156 noch zu V. 7, da in V. 8 ja noch eine weitere ähnliche Zeile folgt, die gar nicht gut mit 8a zusammenpasst. Ähnlich wollen viele (z.B. Wellhausen, Harper, Wolff, Rudolph, Soggin) 8b ans Ende von V. 7 setzen, aber das ist sicher abzulehnen: Basis dieser Operation ist, dass 8b in den meisten LXX-Handschriften fehlt, woraus dann abgeleitet wird, dass die Zeile eine spätere Einfügung sei, die aber eigentlich für V. 7 bestimmt gewesen sein soll. (Zurück zu v.8)
wTextkritik: verabscheue (ersehne?) - Heb. meta`eb, was von ta`ab („ersehnen“) zu kommen scheint. Angezielt ist aber offensichtlich meta´eb von ta´ab („verabscheuen“). Manche halten dies für einen Schreibfehler, andere für eine Nebenform, wieder andere wie in V. 2 für einen Tiqqun Sopherim eines Schreibers, der sich daran gestört habe, dass JHWH hier seinen Abscheu über Israel erklärt. Garrett hält es für ein Wortspiel: „Gott ‚verabscheut‘ den Stolz Jakobs (ihren Wohlstand, ihre Paläste etc.), aber er ‚ersehnt‘ ihn gleichzeitig insofern, als doch Gott selbst der ‚Stolz Jakobs‘ sein sollte.“ (2008, S. 192). Aber dafür hätte sicher ta´ab stehen müssen, das dann an ta`ab erinnert hätte, nicht umgekehrt. Wahrscheinlich ist es wirklich ein Schreibfehler, entstanden in einer Zeit, als Alef und Ajin bereits ähnlich ausgesprochen wurden (zur Abfassungszeit des Amosbuches war das noch nicht der Fall; eine Nebenform wird es daher nicht sein). (Zurück zu v.8)
xJakob - Der Vater von Josef und Stammvater sowohl der Israeliten als auch der Judäer. Der Stolz Jakobs ist zunächst natürlich die Arroganz und der Hochmut, von denen auch bereits in V. 1 die Rede war. Manche (bes. Caquot 1959b, S. 319; Burnett 2004) glauben, „Stolz [eines Volkes]“ sei außerdem ein Ausdruck, mit dem häufiger speziell Hauptstädte bezeichnet würden. Wirklich gute Bspp. dafür sind nur Jes 13,19 (Babel von Babylon), Sach 9,6 (Aschdod der Philister) und Ps 47,5 und Nah 2,3 (Samaria von Israel), aber Ps 47,5 und Nah 2,3 sind tatsächlich so deutlich, dass man das auf dieser Basis wirkich auch hier mithören sollte (so hier noch Koch, Carroll; Hayes 1988, S. 1888; Reimer 1992, S. 148). Wie in V. 1 mit dem Parallelismus „Zion // Samaria“ wird dann also auch hier Samaria als die Krone Israels schlechthin dargestellt. Tg denkt noch genauer an das Stadtheiligtum: „Ich hasse das Heiligtum, den Stolz Jakobs.“; ähnlich Raschi, Kimchi. (Zurück zu v.8)
ytFN: Anakrusis: wehajah („und es wird geschehen“) steht hier wie noch häufiger in Gedichten außerhalb des Metrums. Das soll hier offenbar ermöglichen, dass V. 9 als ein Kolon genommen werden kann, denn die Kolometrie „wenn zehn Menschen übrigbleiben / in einem Haus, werden sie sterben“ ist schwerlich möglich (obwohl das „eine Haus“ gut den „zehn Menschen“ und das „Sterben“ gut dem „Übrigbleiben“ entsprechen würde).
8d und 9 sollen dann anscheinend ein Bikolon bilden; verbunden würden die beiden Zeilen durch „die Stadt und ihre Füllung (=ihre Bewohner)“ in der ersten und „die zehn Menschen im Haus“ in der zweiten Zeile; die erste wird preisgegeben / belagert, weshalb die zweiten sterben. (Zurück zu v.9)
zDie zehn Männer sollen sicher an die zehn Männer erinnern, die in Am 5,3 noch übrig geblieben sind (richtig z.B. Jeremias, Kessler). Auch der Rest des „Rests Josefs“ geht hier also zugrunde. (Zurück zu v.9)
aaTextkritik: LXX hat nach dem letzten Wort noch einen weiteren Halbsatz: „Und die Überlebenden werden übrig bleiben.“ BHQ glaubt, beide griechischen Worte seien misslungene Versuche, das schwierige heb. msrpw im nächsten Vers (s. nächste FN) zu übersetzen. Wenige nehmen stattdessen an, dem Halbsatz entspreche ein hebräisches wnš`r nš`r (w. „und ein Übrigbleibender blieb / Übrigbleibende blieben übrig“, vgl. z.B. Jes 4,3), das von Schreibern durch Augensprung vor dem graphisch sehr ähnlichen wnß`w übersehen wurde (vgl. ונשאו mit ונשאר). Dann wäre V. 9 doch ein Bikolon und in V. 10 wäre klarer, wer der in der Ecke des Hauses ist: „Wenn zehn Männer verbleiben, / werden sie sterben und (nur) ein Übrigbleibender wird übrigbleiben. // Und hebt einen dann sein Onkel und Verbrenner ..., wird er zu dem [Übrigbleibenden] in der Ecke des Hauses sagen...“ So nur wenige (z.B. Budde und Sellin), aber es ist gut möglich, dass das richtig ist: Die beiden Wörter sind sicher keine Entsprechungen von wmsprw; dafür stehen sie an der falschen Stelle und diesem Wort entspricht sicher das gr. parabiontai („sie wenden Gewalt an (um ihn aus dem Haus zu bringen)). Allenfalls könnten sie also aus ונשאו entstanden sein. Das würde ונשאר ונשאו erklären, aber wie dann sogar noch ein weiteres נשאר dazwischengeraten sein soll, wäre schwer erklärlich. Und das häufige Argument, dies widerspreche ja dem Rest von V. 9, greift schwerlich, denn dann wäre eben stattdessen gerade dies der „Witz“ von 9a* und 9b*: „Alle werden sterben, / nur einer bleibt übrig.“ Das Zeugnis mit einzig LXX als Textzeugen ist allerdings so schwach, dass man es nicht guten Gewissens für den ursprünglichen Text halten kann, wenn gleichzeitig der hebräische Text „funktioniert“. (Zurück zu v.9)
abBestatter (Verbrenner? Mutterbruder? Balsamierer? Weihrauch-Schwenker?) - Unbekanntes Wort. Klar ist eigentlich nur, dass nach den masoretischen Akzenten der „Onkel“ und der msrp die selbe Person sind, s.u. Der Rest ist unsicher. Viele Üss. greifen zur Verlegenheitsübersetzung „sein Onkel, der ihn bestattet“ o.ä. (ELB, Ewald, Justi, LUT, TEX; ähnlich EÜ, HER05, NeÜ). Das wird für die LF am meisten Sinn machen; die meisten der gleich vorgestellten Vorschläge haben gemein, dass der msrp irgendetwas mit der Bestattung zu tun hat.
Hier nur die wahrscheinlichste Erklärung: msrp ist eine Nebenform von mßrp, abzuleiten von ßrp („verbrennen“), also „Verbrenner“. Starb im alten Israel nämlich ein Angehöriger der Oberschicht, wurden dessen Bettstatt und anderes Mobiliar verbrannt (ein Brauch, den man offenbar von den „Amurritern“ übernommen hat [also den alten Kanaanäern], der aber auch bei den Assyrern belegt ist, vgl. z.B. Zwickel 1989, S. 270-272): „Wie man beim Tod von Königen verbrennt, verbrennt man auch (beim Tod) von Angehörigen des Sanhedrins. Und was verbrennt man für Könige? Ihre Betten und ihr Haushaltszeug.(b.AZ 11a). S. auch t.Schab vii 18: „So, wie man für Könige verbrennt, so verbrennt man auch für Fürsten/Prinzen, nicht aber für das gemeine Volk. Und was verbrennt man für diese? Ihr Bett und ihr Haushaltszeug“. Vermutlich ist auch in 2 Chr 16,14; 21,19; Jer 34,5 von solchen Möbel-Verbrennungen die Rede (s. Raschi, Kimchi und Metsudat David zu 2 Chr 16,14 und Jer 34,5). Dieser Brauch ist wahrscheinlich auch der Hintergrund der Bettprozessionen bei Bestattungen im Alten Israel; s. z.B. m.San ii 3; b.San 20a; b.Ber 19a; b.BB 22a u.ö., bes. b.MK 25a, wo man sieht, wie wichtig es war, dass es das eigene Bett des Toten war, auf dem er transportiert wurde: „Als Rabbi Huna starb, ... passte sein Bett nicht durch die Tür. Man erwog, es vom Dach herabzulassen. ... [Letztendlich aber] durchbrach man die Tür und brachte ihn heraus.“ Vorzustellen hätte man sich also, dass alle Angehörigen eines Hausstands gestorben sind, so dass der Onkel die Bestatterpflicht übernehmen muss, zu der auch die Verbrennung des Mobiliars von Verstorbenen gehört. Dieser „Onkel und Verbrenner“ begibt sich daher zum Haus des Verstorbenen, wo sich dann das Folgende abspielt.
Andere Wort-Deutungen: Unproblematisch ist diese Erklärung nicht. Mit ßrp („verbrennen“) haben das Wort auch Tg und VUL verbunden; Tg (dem Raschi folgt) übersetzt aber, als habe nicht wmsrpw im Text gestanden, sondern msrph/mßrph („Wenn jemandes Verwandter ihn aus dem Feuer hebt...), VUL, als habe w-srpw/w-ßrpw gestanden („Und sein Verwandter wird ihn nehmen und verbrennen.“). Ein Wort msrp/mßrp mit der Bed. „Verbrenner“ kannten also offenbar weder der Üs. des Tg noch Hieronymus. Außerdem richtig Paul: Das Verb ßrp kommt häufig vor, nie aber im Piel wie offenbar hier.
(1) Die meisten nehmen das Wort dennoch in dieser Bed., erklären dann aber anders. Entweder sei gemeint: (1a) Ein Leichenverbrenner (so LUT 12, NL, SLT, TAF, ZÜR). In der Bibel galt die Leichenverbrennung zwar als Schandtat und nur Verbrecher wurden verbrannt, (1aα) in älteren Kommentaren wurde aber häufiger nach 1 Sam 31,12 angenommen, in frühesten Zeiten sei Leichenverbrennung in Israel doch üblich gewesen. Natürlich wird hier ein Sonderfall geschildert, weshalb diese Position heute von fast allen abgelehnt wird. Tatsächlich ist sie wahrscheinlich sogar richtig, s. zu Am 2,1: Leichenverbrennung war im Alten Israel recht weit verbreitend. Das ändert aber nichts daran, dass sie in der Bibel ziemlich einheitlich abgelehnt und als besonders schändlich dargestellt wird; der Vers würde ziemlich aus dem Rahmen der Bibel fallen, wenn dem hier anders wäre. Angenommen wurde daher alternativ, (1aβ) in außerordentlichen Fällen wie einem Krieg, bei dem es sehr viele Leichen gab, seien diese aus Platzmangel oder um Seuchen vorzubeugen doch verbrannt worden (z.B. Baur, Hitzig, Keil, Carroll), (1aγ) hier sei eine Seuche vorausgesetzt und Opfer von Seuchen würden doch verbrannt (z.B. Hammershaimb, so schon Malbim), (1aδ) das Verbrennen solle gerade unterstreichen, dass die Israeliten Verbrecher waren, sie würden hier also als Strafe verbrannt (Ahlström 1981, S. 7). Oder es sei gemeint, (1b) dass bei Bestattungen Spezereien verbrannt worden seien, der msrp sei also sozusagen ein „Weihrauch-Schwenker“ (z.B. Moldenhawer, Harper, schon Eliezer von Beaugency; s. auch wieder Raschi zu 2 Chr 16,14).
Unter diesen „Verbrenner“-Alternativen lässt sich „Möbel-Verbrenner“ sicher am besten verteidigen, aber wie gesagt: „Verbrenner“ ist aus philologischen Gründen schwierig. Daher andere Deutungen:
(2) Bei den Karäern, einer alten arabischen Exegeten-Gruppe, war die Meinung verbreitet, der msrp sei neben dem dod („Vaterbruder“) der „Mutterbruder“. So dann auch ibn Ezra, Kimchi, Abravanel; so viele, z.B. Maag, Mays, Stuart, Soggin, Jeremias, CTAT III 671; auch B-R („sein Oheim“), LUT 45 („sein Ohm“), MEN + TUR („sein nächster Verwandter“), vielleicht auch R-S („sein Erbe“). Das könnte man durch Syr stützen: „sein Onkel oder sein Verwandter“. Allerdings übersetzt Syr im selben Vers auch `afes doppelt („Keiner. Denn sie sind gestorben.“) und lässt dafür die nächste Zeile ganz weg; das Selbe könnte Syr hier getan haben. Was von diesem Wort aber die Etymologie sein soll, ist unklar, und richtig zum einen Gordis 1979/80, S. 246, der warnt, die Karäer könnten diese Wortbedeutung auch nur aus dieser Stelle abgeleitet haben, zum anderen Driver 1954b, S. 314: „Verwandschaftsbegriffe sind primitiv [=Urwörter, daher einfach gebaut] und keiner wird [im Heb.] mit Präfix gebildet.“
(3) Im Mittelhebräischen gibt es ein Wort serap „Harz“, wie etwa Myrrhe als Hauptbestandteil kostbarer Öle ein Harz ist. Schon ben Qara hat an dieses Wort gedacht und unsere Stelle ganz merkwürdig mit Jer 34,5 (wo ßrp „verbrennen“ steht, nicht srp) verbunden: „Man balsamiert den Toten ein, damit er keinen üblen Geruch bekommt, siehe die Stelle kmßrpwt hmlkjm wkmßrpwt `bwtjk‘“ So dann auch Driver 1954b, S. 314; auch Paul, Garrett, Eidevall u.a. In Ägypten wurde dieses Einbalsamieren wirklich praktiziert (und dabei wurden auch wirklich Harz-Krümel verwendet, vgl. z.B. Bauman 1960), s. daher auch Gen 50,2f.26 (wie bei ben Qara mit dem Verb ḥanat „würzig machen“). Die genannten Exegeten wollen dann aber weiter aus serap ein Verb sarap „mit Öl bestreichen“ ableiten. Das ist unwahrscheinlich: Harz, mit dem sich ja nichts „einölen“ lässt, ist nun doch etwas anderes als Öl (es ist daher für unsere Stelle auch irrelevant, dass Jesus im NT „eingeölt“ wurde, s. Mt 26,6-12 parr.; Mk 16,1 par.; Joh 19,39f., und dass auch nach m.Schab xxiii 5 Tote eingeölt wurden: „Sie salben [suk] den Toten und waschen ihn“). Es ist schwer glaublich, dass im Heb. für „ölen“ ein Wort „einharzen“ gebildet wurde, wenn bereits mašaḥ „ölen“ (vgl. mit mischchah „Öl“), šaman „ölen“ (vgl. mit šemen „Öl“) und suk „ölen“ zur Verfügung stand. Am ausführlichsten will dies daher Paul plausibilisieren und verweist zum Einen auf Dtn 28,40, wo im samaritanischen Pentateuch neben suk („salben“) als Variante auch das Verb srp belegt ist, zum Anderen auf t.Mik vii 21, wo ebenfalls sowohl die Varianten ßjrph als auch sjrph belegt sind und wo dann sjrph „salben“ heißen soll. Beide Stellen sind als Indizien aber nicht so stark, wie Paul sie macht. Das Wort in der Tosefta heißt sicher nicht „salben“: Es wird dort zweimal hintereinander verwendet, und dies einmal mit „Harz“, einmal mit „Ried oder Seil“. Wahrscheinlich heißt es „[den Henkel eines Gefäßes] befestigen“, entweder nämlich, indem er an das Gefäß gebunden oder mit Harz angeklebt wird. Vielleicht stand ursprünglich nicht sjrph, sondern sjrkh? Oder man muss für srp die Bedeutungsentwicklung „einharzen = kleben“ > „kleben + befestigen“ annehmen? Die Variante im SamP ist erstens nicht hebräisch, sondern aramäisch, und hat daher auch mšḥ statt šmn (beides: „Salböl“). Zweitens bedeutet das Wort auch hier wahrscheinlich nicht „salben“: Tal 2000, S. 612 gibt als Bed. „Olivenöl pressen“ an, noch wahrscheinlicher hat es nach V. 39 aber einfach die übliche Bed. „schlucken“: „Du wirst Weingärten pflanzen, aber (ihren) Wein nicht trinken; ... du wirst Olivenbäume haben, aber (ihr) Öl nicht srp ...“ (Olivenöl wurde im Alten Israel auch pur getrunken, s. b.Ber 35b-36a, und war außerdem ein fester Bestandteil diverser Mischgetränke, z.B. von anigron [Runkelrübensaft mit Olivenöl], s. ebd., oder von hilmi [Salzwasser mit Olivenöl], s. m.Schab xiv 2. War man krank, trank man Öl mit Wein; war man heißer, Öl mit Arum [Fischsoße], s. t.Schab xii 10.12). Es ist gut, dass „einsalben“ noch keinen Eingang in dt. Üss. gefunden hat – offensichtlich hat man die Indizien für diese Bed. in Kommentaren viel stärker gemacht, als sie tatsächlich sind. Zwei weitere wichtigere Theorien noch:
(4) m- in msrp sei kein Präfix, sondern enklitisches Mem nach w- („und“; zu diesem wm- vgl. Andersen 1970b, S. 48.124; Bush 1996, S. 217; Campbell 1975, S. 146; Gordon 1983; Rendsburg 1987), so dass hier gesagt würde: „Es hebt einen sein Onkel und srp ihn.“ (Andersen, Gordon, Rendsburg). Damit wird das Problem aber ja auch nur verschoben; was srp heißt, wird auch danach nicht klar und die Existenz von wm- ist eher unwahrscheinlich. Durch VUL ließe sich dies hier aber sogar stützen, s.o.
(5) Zu lesen sei nicht wnß`w dwdw wmsrpw, sondern wnß`rw nddj mspw („und es wird nur eine Zahl von Flüchtlingen übrigbleiben“, so van Hoonacker, Deden, Osty, Amsler, ähnlich Marti; auch H-R + JB + NEB + PAT: „Nur wenige Flüchtende bleiben übrig, um die Gebeine aus dem Haus zu bringen“). Das ist aber nicht einmal graphisch besonders nahe.
Zu den Akzenten: Folgt im Heb. ein doppeltes Subjekt auf ein Verb, wird der trennende Akzent nach dem Verb gesetzt, wenn dieses im Plural steht, nach dem ersten Subjekt dagegen, wenn es im Singular steht (vgl. zum Phänomen Spanier 1927, S. 36-38; Aronoff 1985, S. 56). Vgl. z.B. Num 20,10: „Es versammelten | Mose und Aaron...“ vs. Num 14,5: „Es fiel Mose | und Aaron...“. Hier steht das Vb. im Sg., der trennende Akzent aber nach dem Vb. Der msrp ist also nach den Akzenten nicht ein weiteres Subjekt, sondern steht in Apposition zum Onkel; vgl. ähnlich 2 Sam 5,21 mit Sg.-Verb und doppeltem Subjekt: „Es hob sie David | und seine Männer...“ vs. Dtn 1,31: „Es hob dich | JHWH, dein Gott...“. (Zurück zu v.10)
acder im Winkel des Hauses - Entweder ist einer doch gerade noch am Leben oder man muss sich vorstellen, dass z.B. noch ein weiterer „Onkel“ gerade einen anderen Gestorbenen aus dem Haus bringt. S. aber noch zwei FN zuvor. (Zurück zu v.10)
adBittere Ironie: Mit „Stille!“ wird sonst offenbar im Tempelkult das Volk zum heiligen Schweigen vor dem anwesenden Gott aufgefordert. Das ist so nicht belegt; deutliche Reflexe davon sind aber Hab 2,20; Zef 1,7 und Sach 2,17; wohl auch Neh 8,11 in Neh 8,9-12. Hier dagegen soll vermutlich geschwiegen werden, damit Gott nicht noch einmal erscheint:
Alle hier aufgelisteten Üss. sind sprachlich möglich. Die zweite war v.a. in älteren Kommentaren verbreitet, heute nicht mehr. Die dritte findet sich in manchen neueren Kommentaren, fast alle neueren Üss. dagegen halten diese Zeile noch für die Rede des „Pst“-Sprechenden. Wenn das so ist, kann man auch V. 11 noch für diese Rede halten. Das wurde hier versuchsweise getan; denn recht eigentlich schließt V. 11 anders nicht sehr gut an Vv. 8-10 an (Hammershaimb: „Das denn [in V. 11] darf man nicht zu eng sehen, so dass es den Grund angeben müsste, was zuvor geschah. Es markiert hier nur den Übergang zwischen zwei Abschnitten.“). Als Rede des Sprechenden dagegen erklärt V. 11, warum der Name Gottes nicht ausgesprochen werden soll: Der Sprechende befürchtet, dass dieser auf Nennung seines Namens auch noch das Haus über ihnen zusammenstürzen lässt, um auch dem letzten Rest den Garaus zu machen. Ähnlich erklären die Zeile die meisten: Im Hintergrund stehe die abergläubische Furcht, allein die Erwähnung des Namens Gottes reiche aus, um dessen Aufmerksamkeit auf das Haus zu lenken und auch noch die letzten Überlebenden / die Bestatter zu vernichten. Alternativ z.B. Garrett: Der Onkel will nicht, dass der Name Gottes an diesem Ort des Todes entheiligt wird.
Die letzte Auflösung schließlich war im alten Judentum weit verbreitet. Sifre 112a z.B. erfindet sich zu diesem Vers eine Geschichte, die zeigt, dass ihr Verfasser unsere Stelle so verstanden hat: „Während einer Hungersnot traf der Prophet Elija einmal einen Mann mit Hungerbauch, der sich an sein Götzenbild klammerte. ‚Aus welcher Familie bist du?‘, fragte er. Er sagte es ihm. ‚Wie viele wart ihr?‘ – ‚Dreitausend.‘ – ‚Wie viele von euch sind übrig?‘ – ‚Nur noch ich.‘ – ‚Bist du willens, nur einen Vers zu zitieren und am Leben zu bleiben?‘ – ‚Ich bins!‘ – ‚Dann sprich: ‚Höre, Israel, JHWH, unser Gott, JHWH ist einzig!‘ – dann wirst du leben.‘ Da schrie der Mann ihn an: ‚Pst! Wir dürfen nicht den Namen JHWHs erwähnen; unser Vater hat mir das so nicht beigebracht!‘“ An eine ähnliche Situation denkt Tg: „Und der wird sagen: ‚Pst!‘ Denn als sie noch am Leben waren, beteten sie nicht zum Namen JHWHs.“; ähnlich Syr. (Zurück zu v.10)
aedas große Haus und das kleine Haus - Tg: „Das große Königreich und das kleine Königreich“; gemeint wäre Israel und Juda. Ebenso Hieronymus in seinem Kommentar, auch einige ältere Exegeten, zuletzt Buttenwieser 1915, S. 231. Vgl. Jes 8,14: „die beiden Häuser Israels“. Man kann das vielleicht mithören, wenn man möchte; die primäre Bed. ist es hier aber sicher nicht. (Zurück zu v.11)
aftFN: zu Splittern (Tropfen?) + zu Kratern (in Trümmer?, zu Pfützen?) - Zwei in der Bibel unbekannte Wörter. Die alten Üss. konnten damit offenbar auch nichts anfangen: LXX: „mit Prellungen und Wunden“, VUL: „Zu Ruinen und Spalten“ (aber s. gleich), Tg: „mit einem starken Schlag und einem schwachen Schlag“; Syr: „Er bringt das große Haus zum wackeln und lässt das kleine Haus herunterkommen“.
Das erste Wort, resisim (hier: „Splitter“), scheint zunächst mit rasis („Tropfen“, nur Hld 5,2, aber oft in den Targumen) und rasas („befeuchten“, nur Ez 46,14) zusammenzuhängen. Im Mittelhebräischen gibt es aber auch ein weiteres Verb resas „knacken, zermalmen“ (gesagt von Eierschalen, Nussschalen und Hoden; offenbar eine Nebenform von reşaş), daher wohl hier wirklich „Zermalmtes, Splitter“ wie in dt. Üss. üblich.
Das zweite Wort aber, beqi´im, wird dann anscheinend unausgesprochen von den selben Übersetzern mit dem mittelhebräischen beqa´at „Holzscheit“ verbunden, daher „Trümmer“ o.ä. Das Wort selbst, baqia´, steht aber auch in Jes 22,9, wo es trad. mit „Risse“ übersetzt wird, und in b.MK 8b, wo es „kleine Waschgrube“ bedeutet. Vgl. noch baqa´ „spalten“ und biq´ah „Tal“ – wahrscheinlich ist der baqia´ ein kleiner Spalt oder ein kleines Loch im Boden, das auch mit Wasser gefüllt sein kann. In Jes 22,9 wird dann gefordert, als Vorbereitung auf eine Belagerung aus dem „unteren Teich“ Wasser zu schöpfen und selbst die „kleinen Erdlöcher“ (beqi´im) Jerusalems damit zu füllen, um sich so einen Wasservorrat zuzulegen (gut Cohen 1924, S. 165). Das passt tatsächlich auch hier: In LevR 19,4, HldR 4,14 und KohR 10,18 erklärt Rabbi Huna: „Zu resisim: Es bleiben Ruinen. Zu beqi´im: Es bleiben keine Ruinen.“ Vgl. damit noch mal VUL: „Zu Ruinen und Spalten“. beqi´im sollte man auf dieser Basis sicher in der Bed. „Riss, Krater“ nehmen. (Zurück zu v.11)
agDie Logik von V. 12 ist sicher: Das in Zeile a+b ist doch absurd, ihr aber macht das in Zeile c+d [obwohl das ebenso absurd ist!].
„Der Fels“ und „die Rinder“ können hier determiniert sein, weil 12a-b eine Gleichnisrede ist; auch in Metaphern wird fast stets determiniert, was im Deutschen nicht determiniert würde.
Textkritik: Oder pflügt man mit Rindern das Meer? - Eine der wenigen Emendationen, die sich weitgehend durchgesetzt haben. Das sehr häufige beqari(j)m ist eigentlich ein Kollektivnomen, auch für mehrere Rinder wird fast stets der Sg. boqer verwendet. Michaelis hat daher vorgeschlagen, bqrjm aufzuteilen zu bqr + jm und zu vokalsieren: baboqer jam, „mit Rindvieh das Meer“. Nötig ist das nicht; Amos könnte gut wie in Am 5,25 einen unüblichen Numerus verwendet haben, um die beiden Wörter susim („Pferde“) und beqarim („Rinder“) auch lautlich aneinander (und auch an die vorangehenden resisim „Splitter“ und beqi´im „Krater“, die ebenfalls am Zeilenende stehen) anzugleichen. MT halten daher neuerdings auch wieder CTAT und BHQ für ursprünglich; auch Garrett, Kessler, Stuart (andere neuere Kommentatoren folgen fast sämtlich dem genannten Korrekturvorschlag), so z.B. auch B-R, SLT, TUR, ZÜR. Problematisch ist eher, dass der Text nur von MT, Tg und Sym gestützt wird: LXX hat dagegen „bleiben sie (die Pferde) still zwischen den Stuten?“`, VUL: „Pflügt man mit Büffeln?“, Syr: „Kann man mit ihnen (den Pferden) den Pflug ziehen?“ – an sich sollte der unerwartete Numerus nicht so schwierig sein, dass keine dieser drei Üss. den Pl. von „Rindvieh“ erkannt hätte. VUL könnte brjm („mit Wildstieren“) voraussetzen, Syr bhm (beides ist graphisch ähnlich, vgl. ברים mit בהם). Vielleicht hat ein Schreiber den Text zu bhm korrigiert, weil „auf ihm“ nicht ausgedrückt ist und man „schlechthin“ mit Rindern sehr wohl pflügt, und dies verdarb dann weiter zu brjm? Die Stuten in LXX sind dann aber endgültig unerklärlich; der übliche Vorschlag bnqbwt ist sicher graphisch zu weit entfernt. So und so; es spricht wenig dafür, sich dem klassischen Korrekturvorschlag anzuschließen. (Zurück zu v.12)
ahWortspiel: Die Konsonanten r`š stehen nicht nur für ro`šGift“, sondern auch für ra`š „Armer“ (s. Spr 10,4; Spr 13,23 für die selbe Schreibweise); mitzuhören ist also: „Doch ihr stürzt um das Recht für den Armen!“ (Zurück zu v.12)
aiDie Frucht der Gerechtigkeit ist nicht einfach ein Wechselbegriff für „Gerechtigkeit“ wie in Am 5,24, sondern das, „was dabei rauskommt“, wenn man gerecht ist (wie in Spr 11,30: ewiges Leben). (Zurück zu v.12)
ajWortspiel: Nichtshausen + Starkstadt sind w. Lo-Dabar + Karnajim. Der erste Ort (zur Lage s.o.) heißt eigentlich Lo-Debar; Amos verfälscht mit dabar zur Bed. „kein Ding, nichts“. Und Karnajim heißt w. „Doppelhorn“, das „Horn“ ist aber ein gängiges Bild für „Stärke, Kraft“ (s. Ps 75,5; Jer 48,25; Klg 2,3). Sie, die sich enorm viel auf ihre früheren Siege über ach so mächtige Gegner einbilden, haben in Wirklichkeit gar nichts gewonnen. (Zurück zu v.13)