Psalm 149: Unterschied zwischen den Versionen

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:: ''ein zweischneidiges Schwert'' sei '''in ihrer Hand'''.
:: ''ein zweischneidiges Schwert'' sei '''in ihrer Hand'''.


Die Parallelität wird noch deutlicher, wenn man darauf achtet, dass in V. 6b ein Wortspiel versteckt ist: Das Hapax {{hebr}}פִיפִיוֹת{{hebr ende}} („zweischneidig“) nämlich ist vermutlich abzuleiten entweder von ''rômah'' („preisen“) (vgl. Gerstenberger 2001, S. 454) oder (häufiger) von {{hebr}}פֶה{{hebr ende}} („Mund“) (so z.B. Ges18, S. 1050; HALOT); Ges18 gibt außerdem spannenderweise die zweifelhafte Übersetzungsmöglichkeit „Klänge, Töne“ für Sir 9,4. Und {{hebr}}חֶרֶב{{hebr ende}} (hebr. für „Schwert“) wird häufig auch metaphorisch für die Zunge verwendet; vgl. Ps 57,5; 59,8; Gen 27,40; Spr 5,4.<br />
Die Parallelität wird noch deutlicher, wenn man darauf achtet, dass in V. 6b ein Wortspiel versteckt ist: Das Hapax {{hebr}}פִיפִיוֹת{{hebr ende}} („zweischneidig“) nämlich ist vermutlich abzuleiten entweder von ''rômah'' („preisen“) (vgl. Gerstenberger 2001, S. 454) oder (häufiger) von {{hebr}}פֶה{{hebr ende}} („Mund“) (so z.B. Ges18, S. 1050; HALOT); Ges18 gibt zu diesem Wort außerdem spannenderweise die zweifelhafte Übersetzungsmöglichkeit „Klänge, Töne“ für Sir 9,4. Und {{hebr}}חֶרֶב{{hebr ende}} (hebr. für „Schwert“) wird häufig auch metaphorisch für die Zunge verwendet; vgl. Ps 57,5; 59,8; Gen 27,40; Spr 5,4.<br />
Das „zweischneidige Schwert“ ist gleichzeitig eine „klingende Zunge“ oder „Preise-Zunge“.<br />
Das „zweischneidige Schwert“ ist gleichzeitig eine „klingende Zunge“ oder „Preise-Zunge“ und wird so, sozusagen „unter der Hand“, zum vierten Glied im Preislied-parallelismus.<br />
Mir ist daher der Vorschlag Königs, den er später in seinem Psalmenkommentar gemacht hat, recht sympathisch: ''kabod'' nämlich deutet er dort als „Seele“ (was in den Lexika gemeinhin als Übersetzungsmöglichkeit gerade in poetischen Texten anerkannt ist) und übersetzt mit „Mögen Fromme aufjauchzen in der [d.h. mit Dahood: ihrer] Seele.“ (König , S. 244f.). Auf diese Weise ergäbe sich - wie gesagt, das rätselhafte „Lager“ einmal außer acht gelassen - die sinnvolle Übersetzung:
Was man an diesen derart syntaktisch-strukturell und sematisch parallelen Versen weiterhin feststellen kann, ist, dass in den letzten beiden Versen die mit {{hebr}}בְ{{hebr ende}} bezeichnete „Ortsangabe“ jeweils einen „Teil“ des Menschen bezeichnet: 6a ist das der „Mund“, 6b die „Hand“. Mir ist daher der Vorschlag Königs, den er später in seinem Psalmenkommentar gemacht hat, recht sympathisch: ''kabod'' nämlich deutet er dort nicht mehr wie im oben zitierten Aufsatz als „Herrlichkeit“, sondern als „Seele“ (was in den Lexika gemeinhin als Übersetzungsmöglichkeit gerade in poetischen Texten anerkannt ist) und übersetzt mit „Mögen Fromme aufjauchzen in der [d.h. mit Dahood: ihrer] Seele.“ (König , S. 244f.). Auf diese Weise ergäbe sich - wie gesagt, das rätselhafte „Lager“ einmal außer acht gelassen - die sinnvolle Übersetzung:
: „'''Jauchzen''' sollen die Getreuen '''in ihrer Seele''',  
: „'''Jauchzen''' sollen die Getreuen '''in ihrer Seele''',  
:: '''jubeln''' sollen sie '''in ihrem''' ?,
:: '''jubeln''' sollen sie '''in ihrem''' ?,
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Aus diesem Grund haben wir V. 6 durch Gedankenstriche ausgezeichnet als Einschub.</ref>
Aus diesem Grund haben wir V. 6 durch Gedankenstriche ausgezeichnet als Einschub.</ref>
{{S|6}}Loblieder (-preisungen, Rühmungen, Lobeserhebungen)<ref>Primärentscheidung einzig wg. obiger „Musikalität“ des Preises.<br />
{{S|6}}Loblieder (-preisungen, Rühmungen, Lobeserhebungen)<ref>Primärentscheidung einzig wg. obiger „Musikalität“ des Preises.<br />
„Lobeserhebungen“: Streng etymologisch gesehen heißt {{hebr}}רוֹמַם{{hebr ende}} eigtl. „Erhebung“ (vgl. Kön S. 436: „''Erhebung'', Rühmen, meton. [...] st. Vermittlung: ''Lobpreis''“). Etymologie hin oder her ist aber „Lobpreis“, „Loblied“ einfach das deutsche funktionale Äquivalent zu {{hebr}}רוֹמַם{{hebr ende}} und „Lobeserhebung“ ein sehr grausliches Wort, so dass man von einer solchen „wörtlichen“ Übersetzung (s. z.B. Bernfeld; Buber; HfA (mit der fuchtbaren Übersetzung „Sie sollen ihre Stimme erheben und Gott loben“); LUT84 (ebenfalls furchtbar: „Ihr Mund soll Gott erheben“); Menge; Tafel; van Ess; Zunz; Zuber 1986) durchaus Abstand nehmen sollte; daher ist dies unsere letzte Sekundärentscheidung. Tur-Sinai hat das unsrer Meinung nach gute „Hochruhm“, das aber im Gegensatz zu seiner englischen Entsprechung „High praises“ (Dahood 1970, Goulder 1998) in der Zielsprache nicht natürlich klingt (Auch die Übersetzungsentscheidung Dahood´s und Goulder´s können wir aber nicht ganz nachvollziehen, da ja das Englische das noch sehr viel passendere „exaltations“ kennt (so z.B. Alter 2007; Christensen 2005; ähnlich Terrien 2003)).</ref> Gottes (auf Gott) in ihrer Kehle (ihrem Mund, singend)
„Lobeserhebungen“: Streng etymologisch gesehen heißt {{hebr}}רוֹמַם{{hebr ende}} eigtl. „Erhebung“ (vgl. Kön S. 436: „''Erhebung'', Rühmen, meton. [...] st. Vermittlung: ''Lobpreis''“). Etymologie hin oder her ist aber „Lobpreis“, „Loblied“ einfach das deutsche funktionale Äquivalent zu {{hebr}}רוֹמַם{{hebr ende}} und „Lobeserhebung“ ein sehr grausliches Wort, so dass man von einer solchen „wörtlichen“ Übersetzung (s. z.B. Bernfeld; Buber; HfA (mit der fuchtbaren, weil den Sinn gänzlich verfälschenden Übersetzung „Sie sollen ihre Stimme erheben und Gott loben“); LUT84; Menge; Tafel; van Ess; Zunz; Zuber 1986) durchaus Abstand nehmen sollte; daher ist dies unsere letzte Sekundärentscheidung. Tur-Sinai hat das unsrer Meinung nach gute „Hochruhm“, das aber im Gegensatz zu seiner englischen Entsprechung „High praises“ (Dahood 1970, Goulder 1998) in der Zielsprache nicht natürlich klingt (Auch die Übersetzungsentscheidung Dahood´s und Goulder´s können wir aber nicht ganz nachvollziehen, da ja das Englische das noch sehr viel passendere „exaltations“ kennt (so z.B. Alter 2007; Christensen 2005; ähnlich Terrien 2003)).</ref> Gottes (auf Gott) in ihrer Kehle (ihrem Mund, singend)
: und (gleich einem, (und) das ist)<ref>das ''waw'' wurde auch schon als ''Waw adaequationis'' oder ''Waw explicativum'' gedeutet. Unter Anderem haben Hossfeld / Zenger 2008, S. 856 diese Vorschläge verworfen, was insbesondere deshalb für sich spricht, da Zenger 1987, S. 54 noch selbst (dem Targum folgend) die Interpretation mit ''Waw explicativum'' vertreten hat.</ref> ein zweischneidiges Schwert (eine Doppelaxt?<ref>so Kraus 1966, S. 965</ref>) in ihrer Hand -
: und (gleich einem, (und) das ist)<ref>das ''waw'' wurde auch schon als ''Waw adaequationis'' oder ''Waw explicativum'' gedeutet. Unter Anderem haben Hossfeld / Zenger 2008, S. 856 diese Vorschläge verworfen, was insbesondere deshalb für sich spricht, da Zenger 1987, S. 54 noch selbst (dem Targum folgend) die Interpretation mit ''Waw explicativum'' vertreten hat.</ref> ein zweischneidiges Schwert (eine Doppelaxt?<ref>so Kraus 1966, S. 965</ref>) in ihrer Hand -
{{S|7}} zum Ausüben von Rache (um Rache zu üben) an den Völkern (Nationen)<ref name=Nation-Volk>Ähnlich wie bei {{hebr}}גִיל{{hebr ende}} (V. 2), {{hebr}}עָלַז{{hebr ende}} (V. 5a) und {{hebr}}רָנַנ{{hebr ende}} (V. 5b) scheinen die Übersetzungen und Kommentare auch {{hebr}}גוֹי{{hebr ende}} und {{hebr}}לְאֹם{{hebr ende}} als austauschbare Synonyme wahrzunehmen; auch in den Lexika wird hier nicht wirklich geschieden.</ref>,
: [und von] Züchtigung<ref>nicht: „Strafgericht“ o.Ä. - „„Züchtigungen“: Begriff aus der Erziehung [...]“ (Hossfeld / Zenger 2008, S. 868</ref> (Züchtigungen) an den Nationen (Völkern)<ref name=Nation-Volk />


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Version vom 16. Januar 2013, 23:24 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 149)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 149)

1Halleluja (Preist Jah, Preist JHWH)!
Singt JHWH ein neues Lied,a

[singt]b seinen Lob(-preis, Ruhm) in der Gemeinde (Truppe)c der Getreuen (Frommen, Heiligen (?))c

2Israel soll sich seines Schöpfersd (Formers)e freuen,

ob ihres Königs sollen Zion´s Söhne (Kinder) frohlocken(jubeln, jauchzen)f.

3Sie sollen seinen Namen preisen mit (img) Tanz (Reigen)h,

mit Tamburin und Zither sollen sie ihm spielen.

4 Denn (Ja!,)i JHWH hat Wohlgefallen an seinem Volk,

die Unterdrückten (Gebeugten, Niedrigen, Demütigen, Armen, Hilflosen, Duldern) glorifiziert (verherrlicht,j schmückt, krönt?k, hat verherrlicht) er mit Rettung (Sieg, Heil).


5Jauchzenf sollen die Getreuen (Frommen, Heiligen (?))c ob [ihrer]l Herrlichkeit,

jubelnf sollen sie auf ihren Lagernm -n

6Loblieder (-preisungen, Rühmungen, Lobeserhebungen)o Gottes (auf Gott) in ihrer Kehle (ihrem Mund, singend)

und (gleich einem, (und) das ist)p ein zweischneidiges Schwert (eine Doppelaxt?q) in ihrer Hand -

7 zum Ausüben von Rache (um Rache zu üben) an den Völkern (Nationen)r,

[und von] Züchtigungs (Züchtigungen) an den Nationen (Völkern)r


8

9

Anmerkungen

aidiom. Ausdruck; vgl. z.B. auch Jes 42,10; Ps 33,3; Ps 40,3; Ps 96,1; Ps 98,1; Ps 144,9. In Psalmenkommentaren wird es üblicherweise dahingehend verstanden, dass Jahwe etwas „Neues“ getan habe und so nun auch ein „neues Lied“ erforderlich würde (so z.B. Gunkel 1911, S. 277; Hossfeld / Zenger 2008, S. 861; Waltner 2006, S. 709; Zenger 1987, S. 53). Anders Terrien, der entsprechend der üblichen Deutung des Psalms als „eschatologischen Hymnus“ auch den Ausdruck „ein neues Lied“ dahingehend versteht, dass er von der Zukunft handle (vgl. Terrien 2003, S. 924; ähnlich auch Tomes 2007, S. 247, obwohl nicht ganz klar ist, wie Tomes den Ausdruck nun eigentlich deutet - er beschränkt sich darauf, einige Aspekte herauszustellen, die andeuten könnten, „why the psalmists may have been convinced that they were composing or singing 'a new song'.“). Wieder anders und wohl am sinnvollsten Gerstenberger 2001, S. 452, der den Ausdruck bezieht auf „a characteristic kind of hymnic presentation“, was sich allein schon deshalb nahelegt, weil der Ausdruck „ein neues Lied singen“ überdurchschnittlich häufig, nämlich in vier der obigen sechs Stellen (Ps 33,3; Ps 98,1; Ps 144,9; Ps 149,3), kommt im Zhg. mit expliziten Anweisungen zum musikalischen Vortrag (vgl. Tomes 2007, S. 238f.). (Zurück zu v.1)
bתְהִלָתוֹ gelesen als zweites Objekt von שִירוּ; so schon Ewald; vgl. auch Ehrlich 1905, S. 391; Gerstenberg 2001, S. 452. Eine Ergänzung von „erschalle“ o.Ä. (so ; Herder; Kraus 1966, S. 965; Nötscher 1953, S. 290) ist ganz unnötig. (Zurück zu v.1)
cvgl. Hossfeld / Zenger 2008, S. 855: „Das Wort קהל „Versammlung“ hat von seiner Verwendung her sowohl militärische (der Heerbann, das Aufgebot) wie kultische (Gemeinde) Konnotationen.“; daher der sekundäre Übersetzungsvorschlag „Truppe“.
Entsprechend wird dann auch das „Chasidim(meist: „fromm“, auch: „loyal“) mit einem „militärischeren“ Begriff übertragen; meist eben „Getreue“ (so NeÜ, SLT2000, ZÜR, Deissler 1989, Hossfeld / Zenger 2008, Zenger 1987), obwohl es auch von diesen dann i.d.R. als Ausdruck für die versammelte Kultusgemeinde verstanden wird. LUT84, Tafel und Goulder 1998 haben „Heilige“, warum auch immer. Im Englischen wird es gerne mit „faithful“ wiedergegeben, was ebenso wie das Hebräische beide Sinnebenen umfasst (so z.B. Alter 2007, Christensen 2005, Terrien 2003). (zu v.1 / zu v.5)
dPlural; vermutl. Hoheitsplural (vgl. Dahood 1970, S. 356; Hossfeld / Zenger 2008, S. 855; Kraus 1966, S. 965; ähnlich auch schon Paulus 1815, S. 594) (Zurück zu v.2)
eעשה steht hier im Partizip, womit angedeutet wird, dass JHWH Israel nicht nur einst geschaffen hat, sondern „dass Israel auch danach und weiterhin von JHWH „gemacht“ wird.“ (Hossfeld / Zenger, S. 861. Ehrlich 1905 kommentiert daher mit „Der Ausdruck bezeichnet hier nicht JHVH als den Schöpfer Israels, sondern als den, der es dazu gemacht, was es ist.“ Wir haben versucht, diesen Bedeutungsaspekt mit „Former“ wiederzugeben, obwohl zugegebenermaßen diese Lösung eher suboptimal ist. Zudem muss allein schon aufgrund der überwältigenden Mehrheit der Übertragungen mit „Schöpfer“ diese Übersetzungsalternative hier bei OfBi die primäre sein. (Zurück zu v.2)
fגִיל (V. 2), עָלַז (V. 5a) und רָנַנ (V. 5b) haben alle mehr oder weniger die selbe Bedeutung, nämlich stehen die Ausdrücke für einen lauten Ausdruck der Freude. Wie man die verfügbaren deutschen Entsprechungen verteilt, ist damit mehr oder weniger dem Belieben des jeweiligen Übersetzers anheim gestellt und entsprechend differieren die verschiedenen Übersetzungsversionen hier auch stark (z.B.:

MENGE: V. 2: jubeln - V. 5a: frohlocken - V. 5b: jauchzen vs.
TAFEL: V. 2: frohlocken - V. 5a: jauchzen - V. 5b: jubeln).

Allein, um die deutlich parallele Konstruktion in V. 5 auch auf phonetischer Ebene abzubilden, haben wir uns entschieden, „jubeln“ und „jauchzen“ dort und „frohlocken“ in V. 2 zu verwenden. (Zurück zu v.2 / zu v.5)
ghäufig wiedergegeben als beth locale - „im Tanz“ (Bernfeld, Buber, LUT84, MEN, SLT2000, Tafel, Zunz, Alter 2007, Christensen 2005, Deissler 1989, Goulder 1998, Gunkel 1911, Hengstenberg 1852, Nötscher 1953, Zorell 1928; ähnlich ELB, , NeÜ, NLB, Zür, Kraus 1966 („beim Tanz“); Schmidt 1934, Weiser 1966 („zum Reigen“)). Allerdings ist das direkt darauf folgende בְתׁף וְכִנוֹר, ebenfalls mit der Präposition Beth, zu auffällig und signifikant, als dass es hier je unterschiedlich gelesen und übersetzt werden dürfte. „Der Reigen war, wie die Musik dazu, Gottesdienst und gehörte somit zum Lobe JHVHes.“ (Ehrlich 1905, S. 392) Noch signifikanter ist es, wenn man die nächste Fußnote mit-einbezieht. (Zurück zu v.3)
hTur-Sinai übersetzt hier mit „Schalmei“, was auf den ersten Blick merkwürdig ist. Es findet sich eine ähnliche Deutung aber auch bei Zorell 1928, S. 259f., der sich durch Syr. und Tg. (der Tg. allerdings, wenn ich das richtig sehe, hat hier ebenfalls nur „Tanz“, vgl. den Text und die dazugehörige (englische) Übersetzung) dazu veranlasst fühlt, glauben zu müssen, es handle sich hier u.U. nicht um eine Bezeichnung für „Tanzen“, sondern für ein weiteres Musikinstrument: „[...] videatur esse non chorea (LXX. Hier.), sed (Syr. Targ.) aliquod instrumentum musicum, a mulieribus quoque tractabile (Ex 15,20; Ri 111,34), fortasse sistrum [„Isisklapper“].“; ähnlich auch Greswell 1873, S. 267. („Pfeife“). (Zurück zu v.3)
ifür gewöhnlich wird V. 4 gelesen als „gattungstypische hymnische Begründung“ (so etwa Hossfeld / Zenger 2008, S. 864; Kraus 1966, S. 965), mit der der Grund für ein Lob- oder Dankgebet angegeben wird (in der Tat ist dies eine Recht häufige Konstruktion, allerdings wird sie eher zur Danksagung als zum Hymnischen Lobpreis verwendet, vgl. z.B. Lande 1949, S. 106f.). Gerstenberger deutet den Vers denn auch stattdessen als „hymnic affirmation“ (vgl. Gerstenberger 2001, S. 454). Hiervon geleitet könnte man das כִי lesen als emphatisch-affirmatives כִי, das bei Voranstellung in etwa die Bedeutung „ja!...“, „wirklich!...“ hat (vgl. Blommerde 1969, S. 30; Ges 18, S. 539; Gordis 1943, S. 176; Gordon §19:1184; HALOT; Sabottka 1972, S. 70; auch schon König 1922, S. 175). Soweit wir sehen, ist das noch nie vorgeschlagen worden, weshalb wir dies (einzig aus Ängstlichkeit) zur Sekundärentscheidung gemacht haben. (Zurück zu v.4)
jSekundärentscheidung nach Ehrlich 1905, S. 392; Gerstenberger 2001, S. 454; Hossfeld / Zenger 2008, S. 865. Die Mehrheitsübersetzung hier ist „schmücken“, was aber z.B. im HALOT schon gar nicht mehr neben „to glorify“ erwähnt wird. Ehrlich: „פאר von einem Volk als Objekt gebraucht heisst ihm hohes Ansehen geben, sodass andere Völker sich eine Ehre daraus machen, zu ihm in Beziehungen zu treten.“
Eigentlich wäre dies unsere Primärentscheidung; es tut aber Not, hier anders denn mit „verherrlicht“ zu übersetzen. In V. 5 nämlich ist die Rede von „ihrer כָבוֹד“; und die einzige wirklich sinnvolle Übersetzungsmöglichkeit ist auch hier „Herrlichkeit“, obwohl es sich im Hebräischen hier um zwei unterschiedliche Wörter handelt. Beides gleich zu übersetzen kann leicht zum Missverständnis führen, dass es sich bei „ihrer כָבוֹד“ notwendig um das „Produkt, Ergebnis“ der פָאַר-Tätigkeit Gottes in V. 4 handle. (Zurück zu v.4)
kso , Herder, Menge, NL, Christensen 2005, Gunkel 1911, Kraus 1966, Terrien 2003; Henne-Rösch + Schmidt 1934: „kränzt“. Ich vermute, sie kommen hierauf durch Zusammenlesung von פאר II und פְאֵר, was aber zweifelhaft ist (vgl. z.B. Ges18, S. 1035). (Zurück zu v.4)
lDas „Herrlichkeit“ hat den Kommentatoren seit jeher einiges an Kopfzerbrechen bereitet.

Seit Baethgen ist man darauf aufmerksam geworden, dass, stünde hinter כָבוֹד nur ein Suffix wie hinter מִשְכְבוֹתָם (ihren Lagern“), die Problematik beseitigt wäre (vgl. Boehmer 1903, S. 335; Gunkel 1911 ergänzt daher einfach ein solches Suffix; vgl. Gunkel 1911, S. 338: „„über ihre Herrlichkeit“, bikebodam; Text: „über Herrlichkeit““). Dahood indes hat einen wesentlich simpleren Vorschlag gemacht, um diese crux interpretum aufzulösen: Er liest das Suffix von מִשְכְבוֹתָם einfach als ein auf כָבוֹד zurückwirkendes double duty-Suffix; vgl. Dahood 1970, S. 356 (Zum double duty-Suffix vergleiche Blommerde 1969, S. 10: „In a verse of two stichs a suffix, used with a word in one of the stichs, may at the same time do duty for - and consequently be omittet from - a word of the other stich [...].“).
Nach dieser Lesart wäre „(ihrer) Herrlichkeit“ ein Appellativ für Gott (vgl. Dahood 1970, S. 356; so auch schon Boehmer 1903, S. 335; vgl. z.B. auch Ps 106,20 („Sie vertauschten ihre Herrlichkeit mit dem Bild eines Stieres“)). Das ist insbesondere schon deshalb eine naheliegende Lösung, da ansonsten V. 5a im ganzen Psalm das erste Colon wäre, in dem kein irgendwie gearteter Ausdruck für „Gott“ käme; und: V. 5a ließe sich so lesen als Reiteration der Aufforderung von V. 2, was besonders von daher Sinn macht, dass häufig (und auch bei uns) in V. 5 ein Neueinsatz, eine neue Strophe, gelesen wird (so etwa Gerstenberger 2001, S. 454; Hossfeld / Zenger 2008, S. 858.861; Waltner 2006, S. 710; Zenger 1987, S. 54-56) (eine weitere Aufteilung des Psalms nach V. 5 macht allein von der Syntax her gesehen nicht viel Sinn, vgl. Gerstenberger 2001, S. 454; gegen Christensen 2005, S. 1-2; Terrien 2003, S. 924). Ohnehin wäre ein Appellativ כָבוֹד für JHWH nicht wirklich überraschend, da die kabod JHWH ja in der ganzen Bibel eine der Selbst-darbietungsweisen Gottes ist; JHWH erscheint als kabod (vgl. z.B. Gierlich 1940, bes. S. 124ff.).
Boehmer´s (und damit mow. auch Dahood´s) Vorschlag fand Zustimmung bei Taylor 1903 und prinzipiell auch König 1903, wobei letzterer allerdings einen weiteren ähnlichen und ebenfalls sinnvollen Lösungsvorschlag macht. Nämlich deutet er den ersten Buchstaben - das Jod - des auf כָבוֹד folgenden יְרַנְנוּ als Haplographie der Abkürzung 'י für den Gottesnamen JHWH und liest dann als „let them exult in the glory of Jahweh“ (König 1903, S. 383), was sinngemäß ja auf das selbe hinausläuft.

Anm. v. Sebastian Walter: Eine Beobachtung möchte ich dem Leser nicht vorenthalten: Akzeptiert man Dahood´s double duty-Vorschlag, hat man in den Versen 5-6 vier Cola mit Substantiven mit der Präposition „in“ (בְ) und dem Possessivpronomen „ihre“ (׳ָם), von denen die ersten drei im Zusammenhang mit einem Wort des „Preisens“ oder Rufens „genannt“ werden.
Lassen wir das ominöse „Lager“ einmal außer Acht (Emendationsversuche sind hier häufig, was zeigt, dass hier in den Augen diverser Exegeten offenbar etwas nicht zu „stimmen“ scheint), müsste man die beiden Verse eigentlich beinahe besser als ein Quadricolon auffassen. Noch mehr, wenn man die beiden Cola in V. 6 nicht auffasst als Umstandssätze, sondern schlechthin als Nominalsätze, bei denen man sich im Deutschen die Kopula „sein, seien“ hinzudenken muss:

Jauchzen sollen die Getreuen in ihrer kabod,
jubeln sollen sie in ihren [Lagern?],
Loblieder auf Gott seien in ihrem Mund,
ein zweischneidiges Schwert sei in ihrer Hand.

Die Parallelität wird noch deutlicher, wenn man darauf achtet, dass in V. 6b ein Wortspiel versteckt ist: Das Hapax פִיפִיוֹת („zweischneidig“) nämlich ist vermutlich abzuleiten entweder von rômah („preisen“) (vgl. Gerstenberger 2001, S. 454) oder (häufiger) von פֶה („Mund“) (so z.B. Ges18, S. 1050; HALOT); Ges18 gibt zu diesem Wort außerdem spannenderweise die zweifelhafte Übersetzungsmöglichkeit „Klänge, Töne“ für Sir 9,4. Und חֶרֶב (hebr. für „Schwert“) wird häufig auch metaphorisch für die Zunge verwendet; vgl. Ps 57,5; 59,8; Gen 27,40; Spr 5,4.
Das „zweischneidige Schwert“ ist gleichzeitig eine „klingende Zunge“ oder „Preise-Zunge“ und wird so, sozusagen „unter der Hand“, zum vierten Glied im Preislied-parallelismus.
Was man an diesen derart syntaktisch-strukturell und sematisch parallelen Versen weiterhin feststellen kann, ist, dass in den letzten beiden Versen die mit בְ bezeichnete „Ortsangabe“ jeweils einen „Teil“ des Menschen bezeichnet: 6a ist das der „Mund“, 6b die „Hand“. Mir ist daher der Vorschlag Königs, den er später in seinem Psalmenkommentar gemacht hat, recht sympathisch: kabod nämlich deutet er dort nicht mehr wie im oben zitierten Aufsatz als „Herrlichkeit“, sondern als „Seele“ (was in den Lexika gemeinhin als Übersetzungsmöglichkeit gerade in poetischen Texten anerkannt ist) und übersetzt mit „Mögen Fromme aufjauchzen in der [d.h. mit Dahood: ihrer] Seele.“ (König , S. 244f.). Auf diese Weise ergäbe sich - wie gesagt, das rätselhafte „Lager“ einmal außer acht gelassen - die sinnvolle Übersetzung:

Jauchzen sollen die Getreuen in ihrer Seele,
jubeln sollen sie in ihrem ?,
Loblieder auf Gott seien in ihrem Mund,
ein zweischneidiges Schwert (eine „Preise-Zunge) sei in ihrer Hand.“

Es ist dies aber eine so ungewöhnliche Übersetzung (und es ist auch recht gut möglich, dass meine prinzipielle Sympathie für König mich hier voreingenommen macht), dass ich mich nicht einmal traue, diese Übersetzungsmöglichkeit als sekundäre Variante in den Text selbst zu übernehmen; sie gänzlich unerwähnt zu lassen, brachte ich dennoch nicht über mich.

(Zurück zu v.5)
mAuch über die ominösen „Lager“ ist schon viel Tinte vergossen worden. Hossfeld / Zenger 2008, S. 855 listen als diverse, allesamt schon vertretene Interpretationen, die „Lager“ bezeichneten
  • Privat-Ruhelager und stehe so für den Ort, da man seinen intimsten Gefühlen Ausdruck gibt (so z.B. Dahood 1970, S. 357; Gerstenberger 2001, S. 455; Waltner 2006, S. 711)
  • Ruhelager von Kriegern (die sich des Nachts von ihrem Kampf erholen) (so z.B. Nötscher 1953, S. 291; auch BasisBibel („Feldbetten“))
  • Gebetsteppiche oder den „Ort, wo man sich niederwirft“ (so z.B. Deissler 1989, S. 569; Zenger 1987, S. 53)
  • Gräbern.

Ebenfalls häufig vertreten wurde die Meinung, die „Lager“ stünden schlicht dafür, das etwas bis spät in die Nacht hinein / sehr lange / ohne Unterlass getan würde (so z.B. Alter 2007, S. 513; Ehrlich 1905, S. 78.392; Greswell 1873, S. 299; Hossfeld / Zenger 2008, S. 856; auch BasisBibel; GN; Grünewalder; HfA; NET; NL)

Wir haben für dieses Rätsel auch keine letztgültige Antwort, möchten aber zumindest, da es doch für einige Leser von Interesse sein könnte, darauf hinweisen, dass die katholische Kirche hier eine Art Rezeptionsanleitung gegeben hat: Im Stundenbuch wird Ps 149 in der Weihnachtszeit gelesen zusammen mit Ps 63, wo es unter Anderem heißt: „Ich denke an dich auf nächtlichem Lager * und sinne über dich nach, wenn ich wache.“ Auch, wenn hier im MT ein anderes Wort gebraucht wird als in Ps 149, so ist doch offensichtlich, in welche Richtung diese Zusammenlesung den Leser lenkt (lenken soll?), nämlich dahin, das „Lager“ als Ausdruck für „Nacht“ und „Schlaf“ zu lesen - was in etwa der letzten und am häufigsten Interpretation entspricht. (Zurück zu v.5)
nGerstenberger hat die grammatische Struktur der Verse 5-9 folgendermaßen nachgezeichnet:
„The term „loyal ones“ ([...] v. 5a) is the only grammatical subject for all the lines down to v. 9a. The closing affirmation v. 9b repeats the term („his loyal ones“), making the whole passage a heroic poem dedicated to the chasîdîm. [...] In terms of grammatical structure, v. 5 is an apposition to the subject chasîdîm (v. 5a), expanded into v. 6, and the follwoing three lines (vv. 7-9), all beginning with an infinitive construct prefixed by the particle le expressing the purpose or mode of an action.“
Aus diesem Grund haben wir V. 6 durch Gedankenstriche ausgezeichnet als Einschub. (Zurück zu v.5)
oPrimärentscheidung einzig wg. obiger „Musikalität“ des Preises.
„Lobeserhebungen“: Streng etymologisch gesehen heißt רוֹמַם eigtl. „Erhebung“ (vgl. Kön S. 436: „Erhebung, Rühmen, meton. [...] st. Vermittlung: Lobpreis). Etymologie hin oder her ist aber „Lobpreis“, „Loblied“ einfach das deutsche funktionale Äquivalent zu רוֹמַם und „Lobeserhebung“ ein sehr grausliches Wort, so dass man von einer solchen „wörtlichen“ Übersetzung (s. z.B. Bernfeld; Buber; HfA (mit der fuchtbaren, weil den Sinn gänzlich verfälschenden Übersetzung „Sie sollen ihre Stimme erheben und Gott loben“); LUT84; Menge; Tafel; van Ess; Zunz; Zuber 1986) durchaus Abstand nehmen sollte; daher ist dies unsere letzte Sekundärentscheidung. Tur-Sinai hat das unsrer Meinung nach gute „Hochruhm“, das aber im Gegensatz zu seiner englischen Entsprechung „High praises“ (Dahood 1970, Goulder 1998) in der Zielsprache nicht natürlich klingt (Auch die Übersetzungsentscheidung Dahood´s und Goulder´s können wir aber nicht ganz nachvollziehen, da ja das Englische das noch sehr viel passendere „exaltations“ kennt (so z.B. Alter 2007; Christensen 2005; ähnlich Terrien 2003)). (Zurück zu v.6)
pdas waw wurde auch schon als Waw adaequationis oder Waw explicativum gedeutet. Unter Anderem haben Hossfeld / Zenger 2008, S. 856 diese Vorschläge verworfen, was insbesondere deshalb für sich spricht, da Zenger 1987, S. 54 noch selbst (dem Targum folgend) die Interpretation mit Waw explicativum vertreten hat. (Zurück zu v.6)
qso Kraus 1966, S. 965 (Zurück zu v.6)
rÄhnlich wie bei גִיל (V. 2), עָלַז (V. 5a) und רָנַנ (V. 5b) scheinen die Übersetzungen und Kommentare auch גוֹי und לְאֹם als austauschbare Synonyme wahrzunehmen; auch in den Lexika wird hier nicht wirklich geschieden. (zu v.7)
snicht: „Strafgericht“ o.Ä. - „„Züchtigungen“: Begriff aus der Erziehung [...](Hossfeld / Zenger 2008, S. 868 (Zurück zu v.7)