Psalm 12: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|6}} „Wegen der Gewalt gegen [die] Elenden, wegen dem Ächzen [der] Armen -  
{{S|6}} „Wegen der Gewalt gegen [die] Elenden, wegen dem Ächzen [der] Armen -  
_Jetzt erhebe ich mich“, wird JHWH sprechen (spricht JHWH)?
_Jetzt werde (will) ich mich erheben“,<ref>''Ich werde ich mich erheben'', d.h. werde aktiv, anstatt, wie bisher, nichts gegen die Sünden der Glattlippigen und Doppelzüngigen zu unternehmen.</ref> wird (soll) JHWH sprechen (spricht JHWH?);<ref>''wird (soll) JHWH sprechen (spricht JHWH?)'' - Merkwürdige Stelle; leider selten kommentiert. Das Verb „sprechen“ steht in der Verbform „Yiqtol“, nicht gesagt wird also, dass JHWH etwas gesagt ''habe'' oder ''aktuell'' etwas sagt, sondern dass er etwas sagen ''wird'' (Eerdmans 1947) / ''soll'' (Alexander 1850) oder ''immer wieder'' etwas sagt (am besten Kissane 1953, S. 51: „Hier wird wahrscheinlich keine wirkliche Prophezeiung zitiert, sondern nur der traditionelle Glaube an die Rache [Gottes] in der Form einer Prophetie ausgedrückt“). S. dazu die Anmerkungen.<br />
„Ich will in Sicherheit bringen (ins Heil versetzen) [den, der] danach seufzt (gegen den man schnaubt).“
Vgl. allerdings auch Zuber 1985, S. 131-133, der mit [[Jesaja 1#s11 |Jes 1,11]].[[Jesaja 1#s18 |18]]; [[Jesaja 40#s1 |40,1]].[[Jesaja 40#s25 |25]]; [[Jesaja 41#s21 |41,21]] fünf weitere Stellen mit einem ähnlich schwer erklärbaren „sagen“ im Yiqtol sammelt (evt. auch [[Jesaja 33#s10 |Jes 33,10]], wo aber 1QJes<sup>a</sup> Qatal hat und also ein Schreibfehler im MT vorliegen könnte).</ref>
_„Ich werde (will) in Sicherheit bringen (ins Heil versetzen) [den, der] danach seufzt (gegen den man schnaubt, will seinen Zeugen in Sicherheit bringen, will ihm zum Heil einen Zeugen stellen).“<ref>''[den, der] danach seufzt (gegen den man schnaubt, will seinen Zeugen in Sicherheit bringen, will ihm zum Heil einen Zeugen stellen)'' - Die us. Alternativübersetzungen gehen alle auf Vorschläge zur Deutung derselben zwei Worte zurück. Die Primärübersetzung ist aber doch die wahrscheinlichste.<br />
Zu „gegen den man schnaubt“ s. [[Psalm 10#s5 |Ps 10,5]] und dazu [http://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Spezial:Bibelstelle&abk=ps_10#note_o FN o]; so z.B. Koenen 1996, S. 6. In [[Psalm 10#s5 |Ps 10,5]] wird aber wird eine andere Präposition verwendet. Zu „seinen Zeugen in Sicherheit bringen“ vgl. v.a. Miller 1979, zu „ihm einen Zeugen stellen“ Janzen 2004; besagter „Zeuge“ würde aber in diesem Psalm auftauchen wie ein Deus ex machina. „Der danach seufzt“ dagegen lässt sich gut aus dem „ächzenden Armen“ in V. 6a erklären; vgl. dazu v.a. [[Habakuk 2#s3 |Hab 2,3]].</ref></poem>


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{{S|7}} [Und diese] Aussagen von JHWH [werden sein (sind)] reine Aussagen,
_Silber, [das] veredelt [wurde] --- (indem man es in die Erde sickern lässt?),<ref>''--- (indem man es in die Erde sickern lässt?)'' - Heb. ''ba`alil la´arets''; Bed. ganz unklar. In die LF sollte daher eine verbreitete und unauffällige Üs. übernommen werden; am besten: „Silber, das veredelt wurde im Schmelztiegel, / das mit Erde siebenfach geläutert wurde.“ (ähnlich z.B. ZÜR).<br />
'''Genauer''': ''ba`alil'' ist wahrscheinlich zu analysieren als die Präposition ''b<sup>e</sup>'' und das Nomen ''`alil'', das sich nur hier in der Bibel findet und dessen Bed. schon den alten Üss. nicht mehr klar war. Aq und Hieronymus lasen daher ''bal'' („ohne“: „ohne [einen Rest von] Erde“); LXX, VL und VUL deuten aus dem Kontext und verstehen ''ba`alil'' neben ''t<sup>e</sup>chorot'' („veredelt“) und ''m<sup>e</sup>zuqaq'' („geläutert“) als einen dritten Begriff mit der selben Bed.: „geprüft, geläutert“. Tg. hat ''kura'' („Schmelzofen“), aber auch das ist sicher geraten: Für „Schmelzofen“ steht im Heb. das Wort ''kur'' bereit.<br />
Direkt vor und direkt nach diesen beiden Worten geht es um die Läuterung von Silber; man hat also viel Grund, davon auszugehen, dass auch mit diesem beiden Worten etwas darüber gesagt werden soll.<br />
Das meiste Silber wurde im Alten Israel aus Blei-Silbererz gewonnen (s. [[Jesaja 1#s22 |1,22.25]]). Geschmolzenes Blei oxidiert leichter als Silber und hat eine geringere Oberflächenspanne als Silber, die Trennung von Blei und Silber verlief daher wahrscheinlich wie folgt (vgl. zum Folgenden Forbes 1950, S. 211-213; Franke 2013, S. 64-66; Hemingray 2004, S. 329f.): Das Erz wurde in Schmelzöfen geschmolzen (s. [[Ezechiel 22#s18 |Ez 22,18-22]]; in [[Numeri 4#s20 |Num 4,20.24]] und [[1Könige 8#s51 |1 Kön 8,51.53]] wird Ägypten als ein solcher Schmelzofen und Gott als Feuer oder Schmied dargestellt). Führt man der geschmolzenen Blei-Silber-Mischung Luft zu (s. [[Jeremia 6#s29 |Jer 6,29f.]]), bildete sich an der Oberfläche sog. „Bleiglätte“, also Bleioxid. Diese musste man entweder abschöpfen oder abfließen lassen, so dass nach und nach die Konzentration des Silbers in der Blei-Silber-Mischung immer mehr zunahm. Dieser Arbeitsschritt wurde vermutlich mehrfach in immer kleineren Öfen wiederholt. In einem weiteren Arbeitsschritt wurde die Blei-Silbermischung in der „Kupelle“, einem kleinen, mit Lehm, Knochenasche oder anderen porösen Substanzen ausgekleideten Schmelztiegel, geschmolzen (s. [[Sprichwörter 17#s3 |Spr 17,3]]; [[Sprichwörter 27#s21 |27,21]]). Weil Bleiglätte eine geringere Oberflächenspannung hatte als Silber, wurde sie von der porösen Auskleidung der Kupelle aufgesogen, während das Silber auf dieser Auskleidung zurückblieb.<br />
Gut möglich wäre daher, dass das ''la`arets'' („in die Erde“) von diesem Einsickern des Bleis in die Erde handelt (vgl. Weber 2001, S. 84: „zur Erde geseiht siebenfach“; PAT: „zu Boden geschmolzen“; R-S: „von der Erde siebenfach gereinigt“). Problematischer ist aber das Wort ''ba`alil'': Dieses findet sich zwar nur hier in der Bibel, dafür aber mehrfach im rabbinischen Schrifttum: In m. Rosch Haschana 1,5 und b.Rosch Haschana 21b ist davon die Rede, dass der Mond „''ba`alil gesehen“ wird, in Sanhedrin 14b und t.Sotah 9,1 davon, dass eine Leiche „''ba`alil'' einer Stadt“ gefunden wird. Der Soncino Talmud übersetzt Sanh 14b mit „im Eingang einer Stadt“, leitet also ab von ''`alal'' („hineingehen, sinken“), was auch schon Bonkamp 1949, S. 85 FN 3 zu unserer Stelle vorgeschlagen hat. Das wäre vielleicht möglich: Die ersten beiden rabbinischen stellen handelten dann vom „Sinken“ des Mondes, die zweiten beiden von der Leiche im „Eingang“ der Stadt und unsere Stelle vom „Versickern“ in die Erde, also gerade dem oben beschriebenen Vorgang der Kupellation.
 
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_[Das] siebenfach geläutert wurde.


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Version vom 21. Dezember 2015, 16:13 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 12)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 12)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a
`al-hascheminit ([Vorzutragen] von Basstimmen; [Vorzutragen vom] Vorsteher über [das Ritual] „hascheminit“).b
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Hilf (Rette),c JHWH, denn [der] Fromme (Frömmigkeit) endet (ist geendet),
Denn [die] Treuen (Treue) gehen zugrunde (sind zugrunde gegangen)d unter den Menschenkindern!
3 Erlogenes sagt jeder seinem Nächsten;e
[Mit] glatter Lippe,f mit Herz und Herzg sprechen sie!


4 JHWH möge vernichten (abschneiden) alle glatten Lippen,
[Die] Zunge, die Großes (Vermessenes) spricht,
5 [Sie], sie [vorher] gesagt haben: „Mit unserer Zunge sind wir stark (unserer Zunge verschaffen wir Stärke?, über unsere Zunge herrschen wir?)
Unsere Lippen [sind] mit uns (gehören uns) - wer [also] [will da] Herr über uns [sein]?“


6 „Wegen der Gewalt gegen [die] Elenden, wegen dem Ächzen [der] Armen -
Jetzt werde (will) ich mich erheben“,h wird (soll) JHWH sprechen (spricht JHWH?);i
„Ich werde (will) in Sicherheit bringen (ins Heil versetzen) [den, der] danach seufzt (gegen den man schnaubt, will seinen Zeugen in Sicherheit bringen, will ihm zum Heil einen Zeugen stellen).“j


7 [Und diese] Aussagen von JHWH [werden sein (sind)] reine Aussagen,
Silber, [das] veredelt [wurde] --- (indem man es in die Erde sickern lässt?),k
[Das] siebenfach geläutert wurde.
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Anmerkungen

aChorleiter - Heb. menatseach; genaue Bedeutung unklar. Die Primärübersetzung „Chorleiter“ ist mehr oder weniger Konvention. S. noch nächste FN. (Zurück zu v.1)
b`al-hascheminit ([vorzutragen] von Bassstimmen; [Vorzutragen vom] Vorsteher über [das Ritual] „hascheminit“) - rätselhafter Begriff, der sich auch im Titel von Ps 6,1 findet. Wegen 1 Chr 15,20f., wo sich das Wort neben `alamot findet, was oft als „Jungfrauenweise“=„hohe Gesangsstimme“ gedeutet wird, geht man häufig davon aus, dass er etwas mit der musikalischen Begleitung oder Vortragsweise des Psalms zu tun habe und schließt davon dann z.B. auf die Bedeutungen „Für die Bassstimme“ (so z.B. Craigie 1983), „in der achten Tonart“ (so z.B. Werner 1959, S. 384-388) oder „[zu spielen] auf der achtseitigen Harfe“ (so z.B. Kraus 1961, S. XXVIII).
Dass in den sog. „Psalmenüberschriften“ Angaben zur Vortragsweise der Psalmen stehen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Einen wahrscheinlicheren Vorschlag zu ihrem Verständnis hat 1970 John Sawyer gemacht (s. Sawyer 2011b): In akkadischen Ritualtexten gibt es ähnliche Angaben wie in den Psalmüberschriften; u.a. wird dort häufig spezifiziert, wer den folgenden Text vorzutragen hat und welches Ritual Anlass des jeweiligen Ritualtextes ist. Entsprechend wäre dann in den Psalmen der menatseach nicht der „Chorleiter“ und hascheminit nicht die Melodie, sondern der menatseach wäre Vorsteher über das Ritual mit dem Namen hascheminit, bei dem der Psalm vorzuträgen wäre. Doch ist auch dies nur ein „educated guess“ und „Chorleiter“ und die Deutung von hascheminit als Angabe zur Vortragsweise des Psalms sind in dt. Üss. so etabliert, dass die LF doch besser dieser Deutung folgen sollte: „Für den Chorleiter. [Vorzutragen] von Bassstimmen“. (Zurück zu v.1)
cHilf! - Kürzestmöglicher Hilferuf; selbst der Empfänger der Rettung Gottes wird hier nicht genannt, was so ungewöhnlich ist, dass LXX ergänzt: „Hilf mir!“. Gut daher der Vorschlag einer stiltreuen Übersetzung von Ruiz 2013, S. 129 FN 13: „Hilfe!“ (Zurück zu v.2)
dTextkritik: gehen zugrunde - Heb. pasu; das Wort findet sich einzig hier in der Bibel; die Bed. ist daher unklar. Tg aber hat sapu und auch die Übersetzung von LXX legt nahe, dass in dem ihr vorliegenden Text sapu stand; ein recht häufiges Wort mit der Bed. „zugrunde gehen“. Weil außerdem einige Handschriften den Text korrigieren zu patsu, muss man davon ausgehen, dass im MT ein Schreibfehler vorliegt und der urspr. Text in der Tat sapu gelautet hat; so auch BHS; Ges18, S. 877; KBL3, S. 705. (Zurück zu v.2)
ejeder seinem Nächsten - d.h. „alle lügen einander an“; zur Konstruktion vgl. Bar-Asher Siegal 2012. Gut daher HfA, NGÜ: „Jeder belügt jeden.“ (Zurück zu v.3)
fMit glatter Lippe - stehender Ausdruck für „heuchlerisch“, s. noch Ps 5,10; 55,22; Röm 3,13 und vgl. z.B. ThWAT II, S. 1012. (Zurück zu v.3)
gmit Herz und Herz - Entweder zu erklären als „mit doppeltem Herzen, dem einen in der Brust und dem andern, davon verschiedenen und deshalb falschen, auf der Zunge“ (Olshausen 1853, S. 72) oder „mit doppelter, zweideutiger Gesinnung“ (Herkenne 1936, S. 74), also: „unaufrichtig“. Der Sinn ist also: „Jeder belügt jeden; spricht doppelzüngig, unaufrichtig!“ (Zurück zu v.3)
hIch werde ich mich erheben, d.h. werde aktiv, anstatt, wie bisher, nichts gegen die Sünden der Glattlippigen und Doppelzüngigen zu unternehmen. (Zurück zu v.6)
iwird (soll) JHWH sprechen (spricht JHWH?) - Merkwürdige Stelle; leider selten kommentiert. Das Verb „sprechen“ steht in der Verbform „Yiqtol“, nicht gesagt wird also, dass JHWH etwas gesagt habe oder aktuell etwas sagt, sondern dass er etwas sagen wird (Eerdmans 1947) / soll (Alexander 1850) oder immer wieder etwas sagt (am besten Kissane 1953, S. 51: „Hier wird wahrscheinlich keine wirkliche Prophezeiung zitiert, sondern nur der traditionelle Glaube an die Rache [Gottes] in der Form einer Prophetie ausgedrückt“). S. dazu die Anmerkungen.
Vgl. allerdings auch Zuber 1985, S. 131-133, der mit Jes 1,11.18; 40,1.25; 41,21 fünf weitere Stellen mit einem ähnlich schwer erklärbaren „sagen“ im Yiqtol sammelt (evt. auch Jes 33,10, wo aber 1QJesa Qatal hat und also ein Schreibfehler im MT vorliegen könnte). (Zurück zu v.6)
j[den, der] danach seufzt (gegen den man schnaubt, will seinen Zeugen in Sicherheit bringen, will ihm zum Heil einen Zeugen stellen) - Die us. Alternativübersetzungen gehen alle auf Vorschläge zur Deutung derselben zwei Worte zurück. Die Primärübersetzung ist aber doch die wahrscheinlichste.
Zu „gegen den man schnaubt“ s. Ps 10,5 und dazu FN o; so z.B. Koenen 1996, S. 6. In Ps 10,5 wird aber wird eine andere Präposition verwendet. Zu „seinen Zeugen in Sicherheit bringen“ vgl. v.a. Miller 1979, zu „ihm einen Zeugen stellen“ Janzen 2004; besagter „Zeuge“ würde aber in diesem Psalm auftauchen wie ein Deus ex machina. „Der danach seufzt“ dagegen lässt sich gut aus dem „ächzenden Armen“ in V. 6a erklären; vgl. dazu v.a. Hab 2,3. (Zurück zu v.6)
k--- (indem man es in die Erde sickern lässt?) - Heb. ba`alil la´arets; Bed. ganz unklar. In die LF sollte daher eine verbreitete und unauffällige Üs. übernommen werden; am besten: „Silber, das veredelt wurde im Schmelztiegel, / das mit Erde siebenfach geläutert wurde.“ (ähnlich z.B. ZÜR).

Genauer: ba`alil ist wahrscheinlich zu analysieren als die Präposition be und das Nomen `alil, das sich nur hier in der Bibel findet und dessen Bed. schon den alten Üss. nicht mehr klar war. Aq und Hieronymus lasen daher bal („ohne“: „ohne [einen Rest von] Erde“); LXX, VL und VUL deuten aus dem Kontext und verstehen ba`alil neben techorot („veredelt“) und mezuqaq („geläutert“) als einen dritten Begriff mit der selben Bed.: „geprüft, geläutert“. Tg. hat kura („Schmelzofen“), aber auch das ist sicher geraten: Für „Schmelzofen“ steht im Heb. das Wort kur bereit.
Direkt vor und direkt nach diesen beiden Worten geht es um die Läuterung von Silber; man hat also viel Grund, davon auszugehen, dass auch mit diesem beiden Worten etwas darüber gesagt werden soll.
Das meiste Silber wurde im Alten Israel aus Blei-Silbererz gewonnen (s. 1,22.25). Geschmolzenes Blei oxidiert leichter als Silber und hat eine geringere Oberflächenspanne als Silber, die Trennung von Blei und Silber verlief daher wahrscheinlich wie folgt (vgl. zum Folgenden Forbes 1950, S. 211-213; Franke 2013, S. 64-66; Hemingray 2004, S. 329f.): Das Erz wurde in Schmelzöfen geschmolzen (s. Ez 22,18-22; in Num 4,20.24 und 1 Kön 8,51.53 wird Ägypten als ein solcher Schmelzofen und Gott als Feuer oder Schmied dargestellt). Führt man der geschmolzenen Blei-Silber-Mischung Luft zu (s. Jer 6,29f.), bildete sich an der Oberfläche sog. „Bleiglätte“, also Bleioxid. Diese musste man entweder abschöpfen oder abfließen lassen, so dass nach und nach die Konzentration des Silbers in der Blei-Silber-Mischung immer mehr zunahm. Dieser Arbeitsschritt wurde vermutlich mehrfach in immer kleineren Öfen wiederholt. In einem weiteren Arbeitsschritt wurde die Blei-Silbermischung in der „Kupelle“, einem kleinen, mit Lehm, Knochenasche oder anderen porösen Substanzen ausgekleideten Schmelztiegel, geschmolzen (s. Spr 17,3; 27,21). Weil Bleiglätte eine geringere Oberflächenspannung hatte als Silber, wurde sie von der porösen Auskleidung der Kupelle aufgesogen, während das Silber auf dieser Auskleidung zurückblieb.
Gut möglich wäre daher, dass das la`arets („in die Erde“) von diesem Einsickern des Bleis in die Erde handelt (vgl. Weber 2001, S. 84: „zur Erde geseiht siebenfach“; PAT: „zu Boden geschmolzen“; R-S: „von der Erde siebenfach gereinigt“). Problematischer ist aber das Wort ba`alil: Dieses findet sich zwar nur hier in der Bibel, dafür aber mehrfach im rabbinischen Schrifttum: In m. Rosch Haschana 1,5 und b.Rosch Haschana 21b ist davon die Rede, dass der Mond „ba`alil gesehen“ wird, in Sanhedrin 14b und t.Sotah 9,1 davon, dass eine Leiche „ba`alil einer Stadt“ gefunden wird. Der Soncino Talmud übersetzt Sanh 14b mit „im Eingang einer Stadt“, leitet also ab von `alal („hineingehen, sinken“), was auch schon Bonkamp 1949, S. 85 FN 3 zu unserer Stelle vorgeschlagen hat. Das wäre vielleicht möglich: Die ersten beiden rabbinischen stellen handelten dann vom „Sinken“ des Mondes, die zweiten beiden von der Leiche im „Eingang“ der Stadt und unsere Stelle vom „Versickern“ in die Erde, also gerade dem oben beschriebenen Vorgang der Kupellation.

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