Psalm 12: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|8}} Du, JHWH,<ref>''Du, JHWH'' findet sich häufig zur Einleitung einer Bitte, nachdem zuvor in einem anderen „Modus“ gesprochen wurde (s. [[Psalm 22#s20 |Ps 22,20]]; [[Psalm 40#s12 |40,12]]; [[Psalm 41#s11 |41,11]]; [[Psalm 59#s6 |59,6]]; [[Psalm 109#s21 |109,21]]), und ist daher wahrscheinlich eine Art „stärkerer Vokativ“, der Gott signalisieren soll, dass der Beter sich jetzt wieder mit einer Bitte an ihn richtet. Im Dt. entspräche dem eher ein „JHWH! Behüte...“</ref> mögest (wirst) sie<ref name="N-Shift">Sowohl ''sie'' als auch ''ihn'' in V. 8 bezieht sich am wahrscheinlichsten auf die Armen in V. 6. Wegen diesem Numerus-Wechsel wurde früher häufig der Text korrigiert, doch das ist unnötig: N-Shift: Aus poetischen Gründen kann in der heb. Lyrik von einer Zeile auf die andere von einem Numerus zum nächsten gewechselt werden, ohne, dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde. In Ps 12 findet sich noch häufiger: V. 2a: „der Fromme“ - 2b: „die Treuen“; V. 6a: „die Elenden und Armen“ - 6c: „der, der danach seufzt / auf den man schnaubt“ (vgl. gut Ruiz 2013, S. 129.130).</ref> behüten (sie (=die Worte) halten?),
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_Mögest (wirst) ihn<ref name="N-Shift" /> schützen vor diesem (dem) Geschlecht auf ewig (diesem Geschlecht, das ewig [währt])!
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{{S|9}} Rings (im Kreis) gehen einher die Bösen,
_Da Verachtenswertes hoch ist (wird)<ref>''hoch ist (wird)'' - d.h. „hoch im Kurs steht“ oder „immer schlimmer wird“. „Verachtenswertes“ findet sich nur hier in der Bibel; die Bed. ist also etwas unsicher, heute aber recht unumstritten.</ref> bei den Menschenkindern.<ref>''V. 9'' wird gern mit einem „auch, wenn“ an V. 8 angeschlossen: „Du, JHWH, mögest sie vor diesem Geschlecht beschützen, / auch, wenn ringsum die Bösen einherschreiten.“ Das hat keine Basis im Text und ist abzulehnen (so richtig Rong 2012, S. 158). Allenfalls vielleicht möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich: „... vor diesem Geschlecht, / [die] sich ringsum als Böse ergehen.“ (so Scoralick 2013, S. 189). Ganz untypisch kehrt also der Psalm nach seiner Bitte an Gott noch einmal zur Schilderung der schlimmen Situation zurück, was durch die Wiederholung des Begriffs „Menschenkinder“ aus dem Beginn des Psalms zusätzlich unterstrichen wird. Früher hat das viele Textkorrektur-Vorschläge veranlasst; definitiv am sinnvollsten Zorell 1929, S. 100: <s>''k<sup>e</sup>rum''</s> [''k<sup>e</sup>rom''] ''zullut'' („Schneide ab/vernichte [die] Gemeinheit!“).</ref>
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Version vom 21. Dezember 2015, 22:34 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 12)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 12)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a
`al-hascheminit ([Vorzutragen] von Basstimmen; [Vorzutragen vom] Vorsteher über [das Ritual] „hascheminit“).b
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Hilf (Rette),c JHWH, denn [der] Fromme (Frömmigkeit) endet (ist geendet),
Denn [die] Treuen (Treue) gehen zugrunde (sind zugrunde gegangen)d unter den Menschenkindern!
3 Erlogenes sagt jeder seinem Nächsten;e
[Mit] glatter Lippe,f mit Herz und Herzg sprechen sie!


4 JHWH möge vernichten (abschneiden) alle glatten Lippen,
[Die] Zunge, die Großes (Vermessenes) spricht,
5 [Sie], sie [vorher] gesagt haben: „Mit unserer Zunge sind wir stark (unserer Zunge verschaffen wir Stärke?, über unsere Zunge herrschen wir?)
Unsere Lippen [sind] mit uns (gehören uns) - wer [also] [will da] Herr über uns [sein]?“


6 „Wegen der Gewalt gegen [die] Elenden, wegen dem Ächzen [der] Armen -
Jetzt werde (will) ich mich erheben“,h wird (soll) JHWH sprechen (spricht JHWH?);i
„Ich werde (will) in Sicherheit bringen (ins Heil versetzen) [den, der] danach seufzt (gegen den man schnaubt, will seinen Zeugen in Sicherheit bringen, will ihm zum Heil einen Zeugen stellen).“j
7 [Und diese] Aussagen von JHWH [werden sein (sind)] reine Aussagen,
Silber, [das] geläutert [wurde] ???,k
[Das] siebenfach in die Erde veredelt [wurde].


8 Du, JHWH,l mögest (wirst) siem behüten (sie (=die Worte) halten?),
Mögest (wirst) ihnm schützen vor diesem (dem) Geschlecht auf ewig (diesem Geschlecht, das ewig [währt])!


9 Rings (im Kreis) gehen einher die Bösen,
Da Verachtenswertes hoch ist (wird)n bei den Menschenkindern.o

Anmerkungen

aChorleiter - Heb. menatseach; genaue Bedeutung unklar. Die Primärübersetzung „Chorleiter“ ist mehr oder weniger Konvention. S. noch nächste FN. (Zurück zu v.1)
b`al-hascheminit ([vorzutragen] von Bassstimmen; [Vorzutragen vom] Vorsteher über [das Ritual] „hascheminit“) - rätselhafter Begriff, der sich auch im Titel von Ps 6,1 findet. Wegen 1 Chr 15,20f., wo sich das Wort neben `alamot findet, was oft als „Jungfrauenweise“=„hohe Gesangsstimme“ gedeutet wird, geht man häufig davon aus, dass er etwas mit der musikalischen Begleitung oder Vortragsweise des Psalms zu tun habe und schließt davon dann z.B. auf die Bedeutungen „Für die Bassstimme“ (so z.B. Craigie 1983), „in der achten Tonart“ (so z.B. Werner 1959, S. 384-388) oder „[zu spielen] auf der achtseitigen Harfe“ (so z.B. Kraus 1961, S. XXVIII).
Dass in den sog. „Psalmenüberschriften“ Angaben zur Vortragsweise der Psalmen stehen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Einen wahrscheinlicheren Vorschlag zu ihrem Verständnis hat 1970 John Sawyer gemacht (s. Sawyer 2011b): In akkadischen Ritualtexten gibt es ähnliche Angaben wie in den Psalmüberschriften; u.a. wird dort häufig spezifiziert, wer den folgenden Text vorzutragen hat und welches Ritual Anlass des jeweiligen Ritualtextes ist. Entsprechend wäre dann in den Psalmen der menatseach nicht der „Chorleiter“ und hascheminit nicht die Melodie, sondern der menatseach wäre Vorsteher über das Ritual mit dem Namen hascheminit, bei dem der Psalm vorzuträgen wäre. Doch ist auch dies nur ein „educated guess“ und „Chorleiter“ und die Deutung von hascheminit als Angabe zur Vortragsweise des Psalms sind in dt. Üss. so etabliert, dass die LF doch besser dieser Deutung folgen sollte: „Für den Chorleiter. [Vorzutragen] von Bassstimmen“. (Zurück zu v.1)
cHilf! - Kürzestmöglicher Hilferuf; selbst der Empfänger der Rettung Gottes wird hier nicht genannt, was so ungewöhnlich ist, dass LXX ergänzt: „Hilf mir!“. Gut daher der Vorschlag einer stiltreuen Übersetzung von Ruiz 2013, S. 129 FN 13: „Hilfe!“ (Zurück zu v.2)
dTextkritik: gehen zugrunde - Heb. pasu; das Wort findet sich einzig hier in der Bibel; die Bed. ist daher unklar. Tg aber hat sapu und auch die Übersetzung von LXX legt nahe, dass in dem ihr vorliegenden Text sapu stand; ein recht häufiges Wort mit der Bed. „zugrunde gehen“. Weil außerdem einige Handschriften den Text korrigieren zu patsu, muss man davon ausgehen, dass im MT ein Schreibfehler vorliegt und der urspr. Text in der Tat sapu gelautet hat; so auch BHS; Ges18, S. 877; KBL3, S. 705. (Zurück zu v.2)
ejeder seinem Nächsten - d.h. „alle lügen einander an“; zur Konstruktion vgl. Bar-Asher Siegal 2012. Gut daher HfA, NGÜ: „Jeder belügt jeden.“ (Zurück zu v.3)
fMit glatter Lippe - stehender Ausdruck für „heuchlerisch“, s. noch Ps 5,10; 55,22; Röm 3,13 und vgl. z.B. ThWAT II, S. 1012. (Zurück zu v.3)
gmit Herz und Herz - Entweder zu erklären als „mit doppeltem Herzen, dem einen in der Brust und dem andern, davon verschiedenen und deshalb falschen, auf der Zunge“ (Olshausen 1853, S. 72) oder „mit doppelter, zweideutiger Gesinnung“ (Herkenne 1936, S. 74), also: „unaufrichtig“. Der Sinn ist also: „Jeder belügt jeden; spricht doppelzüngig, unaufrichtig!“ (Zurück zu v.3)
hIch werde ich mich erheben, d.h. werde aktiv, anstatt, wie bisher, nichts gegen die Sünden der Glattlippigen und Doppelzüngigen zu unternehmen. (Zurück zu v.6)
iwird (soll) JHWH sprechen (spricht JHWH?) - Merkwürdige Stelle; leider selten kommentiert. Das Verb „sprechen“ steht in der Verbform „Yiqtol“, nicht gesagt wird also, dass JHWH etwas gesagt habe oder aktuell etwas sagt, sondern dass er etwas sagen wird (Eerdmans 1947) / soll (Alexander 1850) oder immer wieder etwas sagt (am besten Kissane 1953, S. 51: „Hier wird wahrscheinlich keine wirkliche Prophezeiung zitiert, sondern nur der traditionelle Glaube an die Rache [Gottes] in der Form einer Prophetie ausgedrückt“). S. dazu die Anmerkungen.
Vgl. allerdings auch Zuber 1985, S. 131-133, der mit Jes 1,11.18; 40,1.25; 41,21 fünf weitere Stellen mit einem ähnlich schwer erklärbaren „sagen“ im Yiqtol sammelt (evt. auch Jes 33,10, wo aber 1QJesa Qatal hat und also ein Schreibfehler im MT vorliegen könnte). (Zurück zu v.6)
j[den, der] danach seufzt (gegen den man schnaubt, will seinen Zeugen in Sicherheit bringen, will ihm zum Heil einen Zeugen stellen) - Die us. Alternativübersetzungen gehen alle auf Vorschläge zur Deutung derselben zwei Worte zurück. Die Primärübersetzung ist aber doch die wahrscheinlichste.
Zu „gegen den man schnaubt“ s. Ps 10,5 und dazu FN o; so z.B. Koenen 1996, S. 6. In Ps 10,5 wird aber wird eine andere Präposition verwendet. Zu „seinen Zeugen in Sicherheit bringen“ vgl. v.a. Miller 1979, zu „ihm einen Zeugen stellen“ Janzen 2004; besagter „Zeuge“ würde aber in diesem Psalm auftauchen wie ein Deus ex machina. „Der danach seufzt“ dagegen lässt sich gut aus dem „ächzenden Armen“ in V. 6a erklären; vgl. dazu v.a. Hab 2,3. (Zurück zu v.6)
k??? - Heb. ba`alil; Bed. heute und schon den alten Üss. ganz unklar. In die LF sollte daher eine verbreitete und unauffällige Üs. übernommen werden; am besten: „Silber, das veredelt wurde im Schmelztiegel, / das mit Erde siebenfach geläutert wurde.“ (ähnlich z.B. ZÜR).
Gemeint ist dann Folgendes: Silber wurde im Alten Israel v.a. aus Blei-Silbererz gewonnen, indem es vom Blei getrennt wurde. Geschmolzenes Blei hat eine geringere Oberflächenspannung als Silber; schmolz man daher die Blei-Silbermischung in einer sog. „Kupelle“ - einem mit Lehm, Knochenasche oder einer anderen porösen Substanz ausgekleideten Schmelztiegel -, wurde das Blei von dieser Auskleidung aufgesogen, während das Silber als eine kleine geschmolzene Kugel am Boden der Kupelle zurückblieb. Dieser Vorgang wird in unserem Vers sieben Mal wiederholt; was übrig bleibt, ist also denkbar reines Silber. Dass Gottes „Aussagen“ mit diesem Silber verglichen werden, bringt sie in einen starken Kontrast zu den anmaßenden Lügenreden, die in Vv. 2-5 beklagt werden. (Zurück zu v.7)
lDu, JHWH findet sich häufig zur Einleitung einer Bitte, nachdem zuvor in einem anderen „Modus“ gesprochen wurde (s. Ps 22,20; 40,12; 41,11; 59,6; 109,21), und ist daher wahrscheinlich eine Art „stärkerer Vokativ“, der Gott signalisieren soll, dass der Beter sich jetzt wieder mit einer Bitte an ihn richtet. Im Dt. entspräche dem eher ein „JHWH! Behüte...“ (Zurück zu v.8)
mSowohl sie als auch ihn in V. 8 bezieht sich am wahrscheinlichsten auf die Armen in V. 6. Wegen diesem Numerus-Wechsel wurde früher häufig der Text korrigiert, doch das ist unnötig: N-Shift: Aus poetischen Gründen kann in der heb. Lyrik von einer Zeile auf die andere von einem Numerus zum nächsten gewechselt werden, ohne, dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde. In Ps 12 findet sich noch häufiger: V. 2a: „der Fromme“ - 2b: „die Treuen“; V. 6a: „die Elenden und Armen“ - 6c: „der, der danach seufzt / auf den man schnaubt“ (vgl. gut Ruiz 2013, S. 129.130). (zu v.8)
nhoch ist (wird) - d.h. „hoch im Kurs steht“ oder „immer schlimmer wird“. „Verachtenswertes“ findet sich nur hier in der Bibel; die Bed. ist also etwas unsicher, heute aber recht unumstritten. (Zurück zu v.9)
oV. 9 wird gern mit einem „auch, wenn“ an V. 8 angeschlossen: „Du, JHWH, mögest sie vor diesem Geschlecht beschützen, / auch, wenn ringsum die Bösen einherschreiten.“ Das hat keine Basis im Text und ist abzulehnen (so richtig Rong 2012, S. 158). Allenfalls vielleicht möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich: „... vor diesem Geschlecht, / [die] sich ringsum als Böse ergehen.“ (so Scoralick 2013, S. 189). Ganz untypisch kehrt also der Psalm nach seiner Bitte an Gott noch einmal zur Schilderung der schlimmen Situation zurück, was durch die Wiederholung des Begriffs „Menschenkinder“ aus dem Beginn des Psalms zusätzlich unterstrichen wird. Früher hat das viele Textkorrektur-Vorschläge veranlasst; definitiv am sinnvollsten Zorell 1929, S. 100: kerum [kerom] zullut („Schneide ab/vernichte [die] Gemeinheit!“). (Zurück zu v.9)