Syntax ungeprüft


Lesefassung (Psalm 5)
(kommt später)Studienfassung (Psalm 5)
1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).〈a〉. Zu〈b〉 Flötenspiel (nach „das Erbe“)〈c〉.
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.
2 Meine Worte höre (erhöre mich)〈d〉, JHWH!
Mein König und mein Gott: {Oh}〈f〉zu dir werde ich (will ich) rufen.
- 4 JHWH〈g〉: (Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)〈h〉 wirst (sollst, höre!〈i〉) du meine Stimme hören,
- (Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)〈h〉 werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)〈j〉 und [auf dich]〈k〉 warten.
5 {Denn}〈l〉 (Weil)〈m〉 Du [bist] kein Gott (ein Nicht-Gott?〈n〉), dem Böse (Böses)〈o〉 gefallen (der Böses will); (,)〈m〉
([Weil])〈m〉 Du hasst〈s〉 alle Unholde〈t〉:
- 7 Du wirst vernichten〈u〉 Lügner〈v〉
- Gewaltverbrecher〈w〉 und Betrüger〈x〉 wird (wirst du)〈y〉 verabscheuen JHWH.
8 {Doch ich}〈z〉 Ich dagegen darf〈p〉 dank deiner großen〈aa〉 Gnade (Treue, Liebe)〈ab〉 in dein Haus kommen (Wenn ich (dagegen) wegen deiner großen Gnade in dein Haus komme(n will))〈ac〉;
- ich darf〈p〉 (um [dich] anzubeten)〈ad〉 [dich]〈ae〉 in (zu)〈af〉 deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in Ehrfurcht〈ab〉.
9 ([Dann])〈ac〉 JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze)〈ag〉 mich in deiner Wahrhaftigkeit〈ah〉 (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)〈ab〉 um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)〈ai〉
- ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).〈aj〉
10 {Denn}〈l〉 (Weil)〈ak〉 Es [ist] in seinem (ihrem)〈al〉 Reden (Mund)〈am〉 nichts Aufrichtiges
- ihr Inneres [ist (sei)〈ak〉] ([ihr])〈ak〉 Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse).〈an〉
- Ein (ihr〈ak〉) offenes Grab (Tod)〈ao〉 [ist (sei)〈ak〉] ihre Kehle,
- ([weil]〈ak〉) ihre Zunge glätten sie (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler)〈ap〉.
11 Lass sie büßen (bestrafe sie)〈aq〉, Gott!
- Lass sie untergehen (sie sollen untergehen)〈ar〉 wegen〈as〉 ihrer Pläne (Ränke)!
- Wegen ihren großen (vielen)〈at〉 Sündenschuld (Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
Sie haben dir ja nicht gehorcht (haben gegen dich rebelliert, gehorchen dir nicht).
12 Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
- Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}〈au〉!
- Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)〈av〉!
13 Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird)〈aw〉 den Gerechten (die Gerechten)〈ax〉, JHWH;
- [du bist es, der]〈aw〉 [sie schützen wirst (decken wirst)]〈au〉 wie mit einem Schild;
- [du bist es, der]〈aw〉 mit Huld sie krönen wird (begünstigen wird)〈ay〉.
Anmerkungen
| a | Genaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt. (Zurück zu v.1) |
| b | Die Präposition אֶל kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. עַל; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ad loc. z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar עַל stehen. (Zurück zu v.1) |
| c | ungeklärter Begriff.
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| d | Die verwendeten Verben sind interessant. I.d.R. werden diese und ähnliche Ausdrücke als termini technici für Gebetserhörungen verwendet und dies ist auch hier ihr Sinn. Hier spielt aber ein Weiteres mit hinein: Die drei Verben verdichten eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“, V. 2b „horch“ (בינ „achten auf“; der Kontext schließt eine Übersetzung mit „verstehe“ oder „nimm wahr“ aus), V. 3a „lausche (aufmerksam)“ (zu v.2 / zu v.3) |
| e | Die Bedeutung dieses dis legomenon ist nicht ganz klar; vorgeschlagen wurden „Grübleln, Sinnen“, „Murmeln“, „Seufzen“, „Stöhnen“ und „flehendes Klagen“. Der hierige Parallelismus legt stark nahe, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet und bei der Fügung בינ הֲגִיגִי um einen Ausdruck für die Erhörung dieses Gebetes handelt (so auch schon LXX, VUL; vgl. auch Kraus 1961, S. 38): Es scheint, dass hier ein doppeltes Trikolon verdichtet ist und eine Steigerung der Gebets-„intensität“ („Stimme“ - „Flehen“ - „Geschrei“) parallel läuft mir der Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf den Betenden („Höre“ - „Horch“ - „Lausche aufmerksam“; vgl. Fußnote d). (Zurück zu v.2) |
| f | emphatisches כִּי; im Deutschen sollte es besser ausgespart werden. In der neueren Exegese wird es allerdings meist als kausales כִּי interpretiert: „erhöre mich, mein König und mein Gott, weil ich zu dir rufe“ (Zurück zu v.3) |
| g | Textkritik: Viele Exegeten wollen nach LXX und Hier dieses JHWH metri causa ans Ende von V. 3 verschieben (vgl. Budde 1915, S. 178; Dahood 1965, S. 28; Duhm 1899, S. 17f.; Irwin 1932, S. 10; Schmidt 1934, S. 9). Das ist aber unnötig. (Zurück zu v.4) |
| h | adverbialer Akkusativ der Zeit; vgl. ad loc. A-C 2.3.2b; Dav §68. Mögliche Deutungen:
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| i | Die imperativische Übersetzung wird empfohlen von Auffret 1995, Craigie 1983 und Dahood 1965. Aber da V. 4b deutlich parallel ist zu 4c, sollte man wohl doch in beiden Versen gleich - und das heißt: mit Futur - übersetzen. (Zurück zu v.4) |
| j | Dieses meist mit „ich werde bereiten“ übersetzte Verb ist schwer verständlich. (a) Joüon hat vorgeschlagen, zu emendieren nach עמד לך „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“. (b) Meist aber heißt es, es sei hier nur das Objekt ausgespart und müsse ergänzt werden - was die meisten Bibelübersetzungen auch tun. Vermutlich ist nichts von beidem nötig: (c) ערך heißt nicht nur „[X] bereiten“. Recht wahrscheinlich kann es z.B. auch reflexiv verwendet werden für „sich bereitmachen“ (vgl. CDCH, S. 344; ad loc. auch Terrien 2003, S. 104. So interpretieren außerdem wohl auch schon LUT12, LUT, TAF, van Ess). (d) Seeligmann hat außerdem vorgeschlagen, dass ערך durchaus auch „beten“ meinen könne (vgl. Seeligmann 1967, S. 278; vgl. auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837. Schon wegen des Parallelismus ist dies die entschieden vorzuziehende Übersetzungsvariante. (Zurück zu v.4) |
| k | zu ergänzen aus dem vorherigen clause (-> Brachylogie) (Zurück zu v.4) |
| l | emphatisches כִּי; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von כִּי ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. (Zurück zu v.5 / zu v.10) |
| m | Die Standardübersetzung wurde als die primäre angegeben; alternativ möglich - und wohl auch schöner - ist die Deutung des כִּי als kataphorisches כִּי und von 6d als Kausalsatz (entweder wg. Brachylogie des כִּי oder wg. Qatal=Hintergrundsatz), also:
Weil du kein Gott bist, dem Böse gefallen,
es dürfen nicht standhalten Frevler vor deinen Augen, |
| n | so unnötigerweise Dahood 1965, S. 30: „A no-god delights in evil, / but you - no evil man can be your guest.“ Im ersten Moment könnte es übrigens sogar so scheinen, als würde diese Interpretation von der Punktation gefordert, denn „Böse“ und „du“ ist im hebräischen Text durch ein Paseq getrennt. Aber Paseq wird auch verwendet, um z.B. gegensätzliche Worte voneinander abzuheben (vgl. z.B. GKC §15.f.3b), so dass auch er nicht als Indiz für diese Interpretation des Verses gedeutet werden kann. Wegen dem Parallelismus ist daher entschieden die Standard-deutung vorzuziehen. (Zurück zu v.5) |
| o | Spätestens V. 6 wird klar, dass hier von Menschen die Rede ist; daher ist durchaus so zu übersetzen. Dennoch werden meist beide oder mindestens das erste Substantiv als Abstrakta gedeutet („Böses“ + „Schlechtes“). (zu v.5) |
| p | permissives Yiqtol (Zurück zu v.5 / zu v.6 / zu v.8) |
| q | Dieser Sticho ist raffiniert gedichtet. יצב wird meist übersetzt mit (1) „stehen“; es kann aber auch meinen sowohl (2) das „Stehen-bleiben“ i.S.v. „verweilen“ als auch (3) das „Be-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“). Weiterhin לְנֶגֶד עֵינֶיךָ „vor deinen Augen“ kann sowohl schlicht „vor dir“ meinen als auch „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591). |
| r | Auch über die Bedeutung der הוללים ist man sich uneins in der Exegese. Das Problem ist, dass es abgeleitet werden kann von הלל I „lärmen, (sich) rühmen, preisen“ als auch von הלל III „töricht sein, (freveln (so in Lexika m.W. nur ZLH, S. 193))“. Wahlweise wird dann übersetzt: (1) „Die, die sich selbst preisen“ (2) „Angeber, Lärmer“ (dies: Mehrheitsübersetzung), (3) „Törichte, Verblendete“ oder (4) Frevler. Da הוללים aber im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als moralische Kategorie verwendet wird; man wird sich daher Zorell anschließen müssen. Vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; Hier: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“. |
| s | gnomisches Qatal (Zurück zu v.6) |
| t | wörtl.: „Tuer von Unheil“. Hierfür sollte man sich u.U. noch eine andere Übersetzung überlegen. Die Logik hinter dieser Übersetzung war: (1) „Tuer von Unheil“ ist ein Standardbegriff für die Feinde des Beters in individuellen Klagepsalmen (vgl. ThWAT I, S. 157-9) - sie sind ihm „nicht hold“ -, (2) das „Unheil“, das sie begehen, wird stets als etwas bestimmt, das dem Willen JHWHs widerspricht (gut ThWQ I, S. 95: „Unheiliges“) und (3) diese „Tuer von Unheil“ werden öfters mit derart nahezu mythischem Vokabular beschrieben, dass es seit Mowinckel zu einer Auslegungstradition gekommen ist, die diese „Tuer von Unheil“ regelmäßig als Zauberer und Dämonen identifiziert (aber dagegen vgl. TWAT I, S. 82f.). Diese drei Aspekte schienen mir am Besten zusammenzulaufen im Begriff „Unhold“, aber er wirkt vielleicht etwas altbacken... Wichtig ist außerdem noch, dass als das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, meist Wort-Sünden geschildert werden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7. (Zurück zu v.6) |
| u | Wortspiel im Hebräischen: אבד Piel heißt nicht nur zerstören, sondern auch in die Irre gehen lassen, was semantisch zusammenspielt mit dem obigen Nicht-Wohnen/nicht-Bleiben-dürfen der Frevler. (Zurück zu v.7) |
| v | wörtl. „Sprechende von Lügen“; parallel konstruiert zum obigen „Tuern von Unheil“ (Zurück zu v.7) |
| w | wörtl.: „Männer des Blutes/der Bluttat“ (Zurück zu v.7) |
| x | wörtl.: „Männer des Betrugs“ (Zurück zu v.7) |
| y | Textkritik: Craigie 1983, Gunkel 1968 und Schmidt 1934 wollen nach Hier emendieren zu תתעב „wirst du verabscheuen, (JHWH)“. In „deutschen Augen“ würde das zwar wirklich besser in den Kontext passen; es ist aber unnötig, da es auch einfach erklärt werden kann als P-Shift. Auch in diesem Falle sollte man aber in der Lesefassung besser mit „verabscheust du, JHWH“ übersetzen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind. (Zurück zu v.7) |
| z | Heb. וַאֲנִי. Dieses וַאֲנִי drückt nicht Emphase aus (wie gern gesagt wird), sondern markiert die Text-diskontinuität, die sich aus dem Kontrast der Betrüger in der vorherigen Strophe mit dem „Ich“ in dieser Strophe ergibt. Unabhängig davon sollte man ganz prinzipiell absehen von einer Übersetzung mit „Und ich, ich...“ (dies: Mehrheitsübersetzung), da dies einfach nicht dem deutschen Stil entspricht. Eine Übersetzung mit „Ich dagegen darf“ genügt völlig. (Zurück zu v.8) |
| aa | wörtl. „In der Menge deiner...“. Zu „Dank“ vgl. Lexikon/Lemma [[בְּ]], Eintrag 4.6 („Beth rationis impellentis“ - Gottes Güte veranlasst ihn zu besagter „Erlaubnis“); zu „großen“ vgl. z.B. CDCH, S. 411. (Zurück zu v.8) |
| ab | V. 8ab.9a haben je eine mit בְּ eingeleitete und mit ךָ zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (-> grammatischer Parallelismus), aber es lässt sich dieser Parallelismus wohl leider nicht ins Deutsche übertragen: „in deiner Furcht“ heißt natürlich „ehrfürchtig“ und „in deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. Ps 21,14; Ps 25,5; Ps 68,11 u.ö.): „Bei deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“. (zu v.8 / zu v.9) |
| ac | 8a: Waw-X-Yiqtol; Es ist daher möglich, 8a als Protasis von 9ab zu lesen (Zurück zu v.8 / zu v.9) |
| ad | Auch möglich: Interpretation als Hauptsatz - Finalsatz - Gefüge; vgl. GKC §120c (Zurück zu v.8) |
| ae | aus dem Kontext zu ergänzen (->Brachylogie) (Zurück zu v.8) |
| af | אֶל kann auch lokative Bedeutung haben und hat es hier auch sehr sicher, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998; TAF; van Ess: „in deinem Tempel“ (Zurück zu v.8) |
| ag | Zu נחה als „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ vgl. ThWAT V, S. 335 (Zurück zu v.9) |
| ah | „Wahrhaftigkeit“ wurde deshalb als primäre Übersetzung gewählt, weil in V. 10 als Grund für die Bitte in V. 9 die Lügenhaftigkeit der Feinde des Beters angeführt werden, die ja den ganzen Psalm hindurch als Lügner und Betrüger dargestellt werden. Die Rolle JHWHs ist hier der der lügnerischen Feinde des Beters entgegengesetzt; „Wahrhaftigkeit“ scheint mir hier daher besser passend als „Gerechtigkeit“. Vielleicht noch schöner ist „Wohlwollen“, das aber nicht in vielen Lexika verzeichnet wird. (Zurück zu v.9) |
| ai | Neben [1] Ps 5,9 habe ich zwei weitere Stellen gefunden, an denen „um meiner Feinde willen“ ähnlich merkwürdig verwendet wird: [2] Ps 27,11 („Lehre mich, JHWH, deinen Weg / und leite mich auf deinem Pfad um meiner Feinde willen.“ (OfBi)) und [3] Ps 69,19 („Sei mir nah, erlöse mich, / um meiner Feinde willen befreie mich.“ (ZÜR)). Vgl. außerdem Ps 8,3. An allen drei Stellen ist jemand in Bedrängnis und JHWH handelt gut an ihm, ohne dass dieses Heilshandeln eigentlich den Feinden zum Nachteil gereichen würde. Dennoch aber ist stets angegeben: „um der Feinde willen“. Ps 69,19 ließe sich wohl noch damit erklären, dass למען hier nicht den/die bezeichnet, du dessen/deren (Un-)Gunsten etwas geschieht, sondern jenes bezeichnet, was Motivation für Gottes Handeln ist (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „wegen meiner Feinde“. Aber in Ps 5,9 und 27,11 passt auch dies nicht, denn warum sollten (a) des Beters Feinde JHWHs Motivation sein, den Beter zu weisen und (b) was hülfe dies dem Beter in seiner konkreten Not, nämlich gegen seine Feinde? Vielleicht könnte man sich daher wirklich Buttenwiesers Lösungsvorschlag anschließen: B. analysiert למען als לְ plus מען, einem vom Verb ענה „antworten, Zeugnis geben, widerlegen“ abgeleiteten Infinitiv (למען selbst wird gern in Zhg gebracht mit ענה; vgl. z.B. Ges18, S. 713; HKL III, §396d; Mitchell 1915, S. 142f.; ZLH, S. 458) (vgl. Buttenwieser 1938, S. 180). Wenn diese Analyse gangbar ist, macht sie Sinn, denn sowohl in Ps 5,9 als auch Ps 27,11 ist die Bedrängnis, aus der JHWH den Beter retten soll, die durch Lügner und Betrüger - und die sollen widerlegt werden, indem JHWH dem Beter den rechten Weg weist (s.u.).
Dann (vgl. Fußnote ac), JHWH, du Gerechter (vgl. Fußnote ab), schütze mich (vgl. Fußnote ag) wegen meiner Feinde
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| aj | „JHWHs Weg“ ist der von JHWH gewiesene Weg; seine „Lebensweisung“ an die JHWH-Gläubigen; er bezeichnet die gerechte Lebensweise. Hier wird diese JHWHs Wille entsprechende Lebensweise kontrastiert mit der der Lügner und Betrüger, wie z.B. auch in Spr 4,26. Dass Gott dem Beter den Weg „ebnen“ soll ist die Bitte darum, dass er ihm das JHWHs-Weisung-Folgen erleichtern möge. Auch möglich: Deutung des Verh. von Nomen und Pronomen als Genitivus directionis; „den Weg zu dir“ (Zurück zu v.9) |
| ak | Dieser Vers ließe sich auf zwei Weisen lesen. Die stets Vertretene ist als Primärübersetzung angegeben; sie lautet etwa: „Es ist in ihrem Reden nichts Aufrichtiges,
Alternativ ließe sich (a) Das כִּי in 10a kataphorisch und V. 10a als Protasis mit 10b als Apodosis lesen,(b) 10d als Protasis der Apodosis 10c (markiert durch die Wortstellung X-Yiqtol in 10d) und (c) die verblosen Sätze in 10bc konjunktivisch. In 10bc müsste je aus dem selben Sticho ein Possessivpronomen als Brachylogie ergänzt werden. V. 10 wäre dann chiastisch gebaut: „Weil in ihrem Reden nichts Aufrichtiges ist,
Ihre Kehle sei [ihr] offenes Grab (i.e. Tod)
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| al | fast stets emendiert zu Plural. Dies ist unnötig; es ist erklärbar durch einen N-Shift. Weil Shifts nicht Bestandteil des deutschen Stils sind, sollte hier dennoch „in ihrem Mund“ übersetzt werden. (Zurück zu v.10) |
| am | „Reden“: so McKay 1979, S. 238 als einziger der von mir rezipierten Exegeten. Selbst viele kommunikative Übersetzungen übersetzen mit „Mund“. Dennoch ist natürlich dies hier gemeint und „Reden“ ist eine allgemein anerkannte Bedeutung von פֶּה. (Zurück zu v.10) |
| an | קֶרֶב „Inneres, Eingeweide, Herz“ wird, ähnlich wie נֶפֶש, häufig für die Person selbst verwendet. So auch hier. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen genau so gut als prädikative Adjektive verwendet werden. So auch hier. Zu „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Dies passt besser zum Kontext als „Sie sind verdorben.“ (Zurück zu v.10) |
| ao | Im Hebräischen Lautspiel: קֶרֶב qereb „Inneres“ (10b) - קֶבֶר qeber „Grab“. Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den personifizierten Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350. (Zurück zu v.10) |
| ap | Stehender Ausdruck für „Sie sind Heuchler“; vgl. noch Ps 55,22; auch Röm 3,13 (Zurück zu v.10) |
| aq | In der Bibel ist dies die einzige Stelle, in der אשם im Hifil steht; daher ist die Bedeutung nicht ganz klar. „Büßen lassen“ ist die Mehrheitsmeinung. (Zurück zu v.11) |
| ar | Meist: „fallen“. Zu „Untergehen“ vgl. CDCH, S. 278; Ges18, S. 831 u.ö. (Zurück zu v.11) |
| as | min causae. Einige übersetzen merkwürdigerweise „Lass sie aus ihren Plänen fallen“, was immer das heißen mag. (Zurück zu v.11) |
| at | vgl. Fußnote aa (Zurück zu v.11) |
| au | Textkritik: Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn. Kittel 1914, S. 18 will daher „wie mit einem Schild“ streichen, aber Briggs 1906, S. 45; Budde 1915, S. 178; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. und Schmidt 1934, S. 9f. haben den besseren Vorschlag gemacht, das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben; auch BHS hält dies für „wahrscheinlich“. Dem wird man sich besser anschließen müssen. עָלֵימוֹ „(du schützt) sie“ kann man weiterhin emendieren zu עָלָיו „(du schützt) ihn“; allerdings ist das wohl nicht einmal nötig, da der Numeruswechsel entweder erklärbar wäre als N-Shift oder dadurch, dass „der Gerechte“ generalisierendes Singular ist. (Zurück zu v.12 / zu v.13) |
| av | Der „Name“ Gottes steht meist für Gott selbst, aber mit Fokus darauf, dass hier vom „Gott im Menschenmund“ die Rede ist. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die Verehrer Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40. (Zurück zu v.12) |
| aw | Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Entweder soll hiermit (a) die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs bezeichnet werden (vgl. BHRG §36.1.1.3i) - „JHWH ist's, der segnet“ (Gut daher B-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“.) oder (b) es dient lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2): Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden. |
| ax | generalisierendes Singular. Mit den „Gerechten“ werden häufig die JHWH-Gläubigen bezeichnet, also besser „Fromme“. Hier aber stehen sie im Kontrast zu den Frevlern, Lügnern und Betrügern, deshalb sollte man wohl besser die Übersetzung „Gerechte“ beibehalten. (Zurück zu v.13) |
| ay | Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185: „Quite often in both the NT and OT, crowns are symbols of God's blessings on his people.“). Vgl. Ps 8,6; Ps 65,12; Ps 103,4. (Zurück zu v.13) |