Psalm 5: Unterschied zwischen den Versionen

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<poem>{{S|1}} Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).<ref>Genaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt.</ref>. Zu<ref>Die Präposition {{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. {{hebr}}עַל{{hebr ende}}; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ''ad loc.'' z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar {{hebr}}עַל{{hebr ende}} stehen.</ref> Flötenspiel (nach „das Erbe“)<ref>ungeklärter Begriff.
<poem>{{S|1}} ''Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden). Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“).''<ref>''Für den Chorleiter'' + ''Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“)'' - Wie bei den meisten Psalmen sind auch hier die Bedeutungen der Begriffe im Titel unklar; die Primärübersetzungen sind die, die sich am häufigsten in den dt. Üss. finden.</ref>
# „Flöten(spiel)“ ist in der neueren Exegese m.o.w. Konvention, aber es mangelt nicht an alternativen Vorschlägen (eine gute Auflistung findet sich in Ges18, S. 800f. Ergänze noch den Vorschlag einer Ableitung vom akk. ''nahâlu'' „aushöhlen“ von [http://www.jstor.org/stable/pdfplus/528414.pdf Geers 1918], S. 131.). Die alten Versionen deuten durchweg anders:
''Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.''</poem>
# Tg denkt an „zum Tanz“;
# LXX, VUL, Aq und Sym denken an „Erbschaften“ und zwei MSS haben sogar {{hebr}}הנחלות{{hebr ende}} stehen; so z.B. auch YLT, LUT1912; König 1927; Schmidt 1934.


„Nach 'das Erbe'“ scheint uns daher eigentlich sogar wahrscheinlicher, aber da auch dies nicht viel mehr als ein ''educated guess'' und zusätzlich eine wissenschaftliche Minderheitenmeinung wäre, muss man wohl bei den „Flöten“ bleiben.</ref>.
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.</poem>


<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich),<ref name="Hören">''höre (erhöre mich)'' + ''achte auf (erhöre)'' + ''lausche auf (erhöre)'' - Drei Verben, die zunächst schlicht für das „Hören“ stehen, hier wie oft aber als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden.<br />Trikolon mit Klimax; mit den Begriffen wird um ein immer aufmerksames Hören gebetet: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“.</ref> JHWH!
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)!<ref>''Flehen (Grübeln, Murmeln)'' - Heb. ''hagigi''; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. vorige FN) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => ''hagigi'' => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also ''hagigi'' irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“.</ref>
_ {{S|3}} Lausche auf (Erhöre)<ref name="Hören" /> mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
_ {{S|4}} JHWH: [Schon] am Morgen (jeden Morgen, Morgen) wirst (sollst, höre!) du meine Stimme hören,
_ [Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)<ref>''zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)'' - Heb. ''`arak'' (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
# ''`arak'' ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
# U.U. kann ''`arak'' nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT 12, LUT 84, van Ess)
# Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)</ref> und [auf dich]<ref>'''tFN''': ''[auf dich]'' - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck („''zu dir'' beten“).</ref> warten.</poem>


<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich)<ref name="Hören">Die verwendeten Verben sind interessant. I.d.R. werden diese und ähnliche Ausdrücke als ''term. tech.'' für Gebetserhörungen verwendet und dies ist auch hier ihr Sinn. Hier spielt aber ein Weiteres mit hinein: Die drei Verben verdichten eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“, V. 2b „achte auf“ (der Kontext schließt eine Übersetzung mit „verstehe“ oder „nimm wahr“ aus), V. 3a „lausche (aufmerksam)“</ref>, JHWH!
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)<ref>Die Bedeutung dieses ''dis legomenon'' ist nicht ganz klar; vorgeschlagen wurden „Grübeln, Sinnen“, „Murmeln“, „Seufzen“, „Stöhnen“ und „flehendes Klagen“.<br />
Der hierige Parallelismus legt stark nahe, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet und bei der Fügung {{hebr}}בינ הֲגִיגִי{{hebr ende}} um einen Ausdruck für die Erhörung dieses Gebetes handelt (so auch schon LXX, VUL; vgl. auch Kraus 1961, S. 38): Es scheint, dass hier ein doppeltes Trikolon verdichtet ist und eine Steigerung der Gebets-„intensität“ („Stimme“ - „Flehen“ - „Geschrei“) parallel läuft mir der Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf den Betenden („Höre“ - „Achte auf“ - „Lausche aufmerksam“; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_d Fußnote d]).</ref>!
_ {{S|3}} Lausche<ref name="Hören" /> auf mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh}<ref>emphatisches {{hebr}}כִּי{{hebr ende}}; im Deutschen sollte es besser ausgespart werden. In der neueren Exegese wird es allerdings meist als kausales {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} interpretiert: „erhöre mich, mein König und mein Gott, weil ich zu dir rufe“</ref> zu dir werde ich (will ich) rufen.
_ {{S|4}} JHWH<ref>'''Textkritik''': Viele Exegeten wollen nach LXX und VUL dieses JHWH ''metri causa'' ans Ende von V. 3 verschieben (vgl. Budde 1915, S. 178; Dahood 1965, S. 28; Duhm 1899, S. 17f.; Irwin 1932, S. 10; Schmidt 1934, S. 9). Das ist aber unnötig.</ref>: (Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)<ref name="Morgen">adverbialer Akkusativ der Zeit; vgl. ''ad loc.'' A-C 2.3.2b; Dav §68. Mögliche Deutungen:
# ''[Schon] am Morgen'' = von frühester Morgenstunde an (so auch einige andere Üss).
# mit iterativ gedeutetem Yiqtol: ''jeden Morgen'' (so z.B. Kissane 1953). Das macht Sinn: Der „Morgen“ wird in der Bibel häufig dargestellt als die spezifische „Zeit Gottes“ (Ryken 1998, S. 566): Er ist die Zeit, in der ein Beter betete, Opfer brachte u.Ä. und entsprechend auch die Zeit, in der Gott heilsam wirksam wurde (vgl. ebd., S. 567; ''ad loc.'' z.B. auch Prinsloo 1998, S. 632).
# ''Morgen'' =am nächsten Tag (vgl. Ges18, S. 168): Bes. i. Zhg. mit [[Psalm 5#note_ad | Fußnote ad]] machte das Sinn; Ps 5 ließe sich dann als ein Vorbereitungsgebet für die Wallfahrt am morgigen Tag lesen.</ref> wirst (sollst, höre!<ref>Die imperativische Übersetzung wird empfohlen von Auffret 1995, Craigie 1983 und Dahood 1965. Aber da V. 4b deutlich parallel ist zu 4c, sollte man wohl doch in beiden Versen gleich - und das heißt: mit Futur - übersetzen.</ref>) du meine Stimme hören,
_ (Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)<ref name="Morgen" /> werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)<ref>Schwieriges Verb.


# Meist heißt es, hier sei das Objekt ausgespart und müsse ergänzt werden - was die meisten Bibelübersetzungen auch tun: „Ich will [X] bereiten“.
<poem>{{S|5}} {Oh!}<ref name="Strophen-kî">'''tFN''': ''{<s>Oh!</s>}'' - Emphatisches ''ki''; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von ''ki'' ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f.</ref> (Weil) Du [bist] kein Gott, dem Böse (Böses)<ref name="Böse">''Böse (Böses)'' + ''Schlechte (Schlechtes)'' - Rein sprachlich sind beide Üss. möglich; spätestens V. 6 wird aber klar, dass hier von ''Menschen'' die Rede ist; daher ist durchaus der Primärübersetzung der Vorzug zu geben.</ref> gefallen (der Böses will);
# Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, zu emendieren nach {{hebr}}עמד לך{{hebr ende}} „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“.  
_ es dürfen (werden) nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes);<ref name="Böse" />
# Vermutlich ist nichts von beidem nötig: {{hebr}}ערך{{hebr ende}} heißt nicht nur „[X] bereiten“. Recht wahrscheinlich kann es z.B. auch reflexiv verwendet werden für „sich bereitmachen“ (vgl. CDCH, S. 344; ''ad loc.'' auch Terrien 2003, S. 104. So interpretieren außerdem wohl auch schon LUT1912, LUT, TAF, van Ess).  
_ {{S|6}} es dürfen (werden) nicht stehen Frevler (Angeber, Törichte, Preisende)<ref>''Frevler (Angeber, Törichte)'' - Meist übersetzt als „Angeber, Lärmer“. Da das Wort aber hier im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als ''moralische'' Kategorie verwendet wird. Zur Üs. mit „Frevler“ vgl. ZLH, S. 193; vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.<!--<br />
# Seeligmann hat außerdem vorgeschlagen, dass {{hebr}}ערך{{hebr ende}} durchaus auch „beten“ meinen könne (vgl. Seeligmann 1967, S. 278; vgl. auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Schon wegen des Parallelismus ist dies die entschieden vorzuziehende Übersetzungsvariante.</ref> und [auf dich]<ref>zu ergänzen aus dem vorherigen Sticho (-> Brachylogie)</ref> warten.</poem>
'''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} zusammenspielt mit den {{hebr}}דּׁבְרֵי כָזָב{{hebr ende}} in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach ZLH, S. 351; syntaktisch gedeutet als ''Genitivus directionis'', vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für ''Götzenanbeter'' sein. Vgl. dann noch den Vorschlag von Dahood 1965, S. 32 zu V. 7b, „Gewaltverbrecher und Betrüger“ sei zu deuten als „Männer von Götzen und Idolen“. Folgte man Dahood, könnte man dann die ganze Stelle deuten:<br />
„''Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht stehen, / Du hasst alle Unholde.'' // ''Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH.''“--></ref> vor deinen Augen.<ref name="Janus">''es dürfen (werden) nicht stehen Frevler vor deinen Augen'' - raffiniert gedichtete Zeile. ''jatsab'' kann bedeuten: (1) „stehen“; (2) „stehen-''bleiben''“ i.S.v. „verweilen“; (3) „''be''-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“) und ''leneged `eneka'' (W. „vor deinen Augen“) kann sowohl (1) schlicht „vor dir“ meinen als auch (2) „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).<br />
Grundeinheit der heb. Poesie ist der sog. „Parallelismus“, eine Art „Gedanken-reim“: Eine Zeile geht in irgendeiner Weise parallel mit einer weitere Zeile. Ein Sonderfall hiervon ist das Stilmittel des „Janusparallelismus“: Durch die Mehrdeutigkeit eines Wortes oder einer syntaktischen Konstruktion geht eine Zeile mit mindestens ''zwei'' Zeilen parallel; je nachdem, wie das Wort oder die Konstruktion gedeutet wird. V. 6a geht sogar mit drei Zeilen parallel; vielleicht könnte man dies entsprechend als „Cerberus-Parallelismus“ bezeichnen:
* 5a + 6b: „Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht ''bleiben'' ''vor dir.''“
* 6a + 6b: „Sie ''bestehen'' nicht ''vor deinem Urteil'' / Du hasst sie.“
* 6a + 7a: „Sie dürfen ''nach deinem Urteil'' nicht ''bestehen (=am Leben bleiben)'' / Du wirst vernichten Lügner.“</ref>
(Weil) Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde):<ref>''Tuer von Unheil (Unholde)'' - Häufiger Ausdruck für die Feinde eines Psalmisten. Das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, sind meist ''Wort''-Sünden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7.</ref>
_ {{S|7}} Du wirst vernichten Sprechende von Lügen (Lügner)
_ Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,) JHWH.<ref>''verabscheut (verabscheust du,) JHWH'' - P-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zu einer anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied macht - wie z.B. hier von der zweiten („''du'' wirst vernichten“) zur dritten („''er'' verabscheut“). Schon VUL übersetzt daher auch hier richtig mit 2. Pers.: „verabscheust du, JHWH“.</ref></poem>




<poem>{{S|5}} {Denn}<ref name="Strophen-">emphatisches {{hebr}}כִּי{{hebr ende}}; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. Alternativ s. nächste FN.</ref> (Weil)<ref name="Alternative 2">Die Standardübersetzung wurde als die primäre angegeben; alternativ möglich - und wohl auch schöner - ist die Deutung des {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} als kataphorisches {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} und von 6b als Kausalsatz; entweder wg. Brachylogie des {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} oder wg. Qatal (-> unmarkierter Nebensatz), also:
<poem>{{S|8}} Ich dagegen darf in der Menge deiner Gnade<ref name="in deiner">''in deiner'' - V. 8ab.9a haben je eine mit ''b<sup>e</sup>-'' („in“) präfigierte und mit ''-ka'' („deine“) suffigierte Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, 9a: „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (=> grammatischer Parallelismus), in keiner der Zeilen ist aber eine wörtl. Übertragung gut möglich:
* Das ''b<sup>e</sup>'' in „''in'' der Menge deiner Gnade“ ist ein sog. „Beth rationis impellentis“, mit dem angegeben wird, dass etwas ''dank'' etwas geschieht; hier also, dass Gottes Güte ihn zu besagter „Erlaubnis“ veranlasst; sinngemäßer also „''dank'' der Menge deiner Gnade“
* „In deiner Furcht“ meint „in Ehrfurcht vor dir“
* „In deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell: „du gerechter Gott“.</ref> (in deiner großen Gnade/Treue/Liebe) in dein Haus kommen;
_ ich darf [dich] in (zu)<ref>'''tFN''': ''in (zu)'' - ''´él'' (meist: „zu, nach“) hat hier wie noch häufiger nicht direktionale, sd. lokative Bed. Hier sogar recht deutlich, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998 ;TAF; van Ess: „''in'' deinem Tempel“.</ref> deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in deiner Furcht.<ref name="in deiner" />
{{S|9}} JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze) mich in deiner<ref name="in deiner" /> Gerechtigkeit (Wahrhaftigkeit, Wohlwollen, du Gerechter) um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)<ref>''um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)'' - s. hierzu die nächste FN.</ref>
_ ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).<ref>''V. 9'' - Schwierige Stelle. Der „Weg“ ist im AT eine sehr häufige Metapher für die Lebensführung „''dein'' Weg“ wäre dann das gottgemäße Leben, ein Leben, wie es Gott gefällt (vgl. ähnlich z.B. [[Psalm 143#s10 |Ps 143,10]]: „Führe mich auf rechter Bahn“ = „Lehre mich handeln, wie dir das gefällt“). So wird auch dieser Vers i.d.R. verstanden, doch dann ist (wie auch bei den sehr ähnlichen Formulierungen in [[Psalm 27#s11 |27,11]] und [[Psalm 69#s9 |69,9]]) unklar, was hier die Rede von den „Feinden“ soll. Versuchsweise sei daher die alternative Deutung vorgeschlagen, dass hier nicht um Hilfe bei der Führung eines gottgemäßen Lebens gebeten wird, sondern darum, dass Gott den Beter auf einem tatsächlichen ''Weg'' behüten möge (nämlich eben dem zu Gottes Tempel, V. 8), was nötig ist, weil ihm Feinde auflauern könnten (ein häufiges Motiv in den Psalmen, zu lauernden und fallenstellenden Feinden s. z.B. [[Psalm 10#s8 |Ps 10,8]]; [[Psalm 17#s11 |17,11f.]]; [[Psalm 35#s7 |35,7f.]] u.ö., zur Bewahrung auf dem Weg z.B. [[Psalm 23#s4 |23,4f.]]; [[Psalm 37#s23 |37,23]]; [[Psalm 91#s11 |91,11]]; [[Sprichwörter 3#s23 |Spr 3,23]] u.ö.; zu [[Psalm 27#s11 |Ps 27,11]] s. gleich).<br />'''Genauer''': '''führen''' hat hier wie öfter die Bed. „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ (vgl. ThWAT V, S. 335). '''In deiner Gerechtigkeit''' fungiert als Appell, wie sich das noch häufiger in den Psalmen findet (s. [[Psalm 31#s2 |Ps 31,2]]; [[Psalm 71#s2 |71,2]]; [[Psalm 119#s40 |119,40]]; [[Psalm 143#s1 |143,1]].[[Psalm 143#s11 |11]]), sinngemäß also eher „JHWH, du Gerechter, behüte mich“. ''lema`an'' (meist: „'''um ... willen'''“) bezeichnet hier und in [[Psalm 27#s11 |Ps 27,11]]; [[Psalm 69#s19 |69,19]] nicht, ''um wessentwillen'' etwas geschieht, sondern das, was ''Motivation'' für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) – also eher „''wegen'' meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (hier und Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Und schließlich das „dein“ in „'''dein Weg'''“ ist syntaktisch zu analysieren als ein sog. Genitivus directionis, also „der Weg ''zu dir''“, nämlich zum Tempel. Zur Konstruktion vgl. z.B. [[1Samuel 6#s9 |1 Sam 6,9]]: „Der Weg ihrer Grenze“ = „Der Weg ''zu'' ihrer Grenze“; [[1Samuel 13#s17 |1 Sam 13,17f]]: „Der Weg Ophras ... Der Weg Beth-Horons“ = „Der Weg ''nach'' Ophra ... der Weg ''nach'' Beth-Horon“; [[Sprichwörter 2#s19 |Spr 2,19]]: „ihre Gehenden“ = „die ''zu ihr'' Gehenden“. Zum Sinn d. Verses s. die Anmerkungen.</ref></poem>


''Weil du kein Gott bist, dem Böse gefallen, / dürfen nicht wohnen bei dir Schlechte;''<br />
''es dürfen nicht standhalten Frevler vor deinen Augen, / weil du alle Unholde hasst''.</ref> Du [bist] kein Gott (ein Nicht-Gott?<ref>so unnötigerweise Dahood 1965, S. 30: „A no-god delights in evil, / but you - no evil man can be your guest.“ Im ersten Moment könnte es übrigens sogar so scheinen, als würde diese Interpretation von der Punktation gefordert, denn „Böse“ und „du“ ist im hebräischen Text durch ein ''Paseq'' getrennt. Aber ''Paseq'' wird auch verwendet, um z.B. gegensätzliche Worte voneinander abzuheben (vgl. z.B. GKC §15.f.3b), so dass auch er nicht als Indiz für diese Interpretation des Verses gedeutet werden kann. Wegen dem Parallelismus ist daher entschieden die Standard-deutung vorzuziehen.</ref>), dem Böse (Böses)<ref name="Böse">Spätestens V. 6 wird klar, dass hier von ''Menschen'' die Rede ist; daher ist durchaus so zu übersetzen. Dennoch werden meist beide oder mindestens das erste Substantiv als Abstrakta gedeutet („Böses“ + „Schlechtes“).</ref> gefallen (der Böses will);
_ es dürfen (werden)<ref name="permissives Yiqtol">permissives Yiqtol</ref> nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes)<ref name="Böse" />;
_ {{S|6}} es dürfen (werden)<ref name="permissives Yiqtol" /> nicht standhalten<ref name="Janus">Dieser Sticho ist raffiniert gedichtet. {{hebr}}יצב{{hebr ende}} wird meist übersetzt mit (1) „stehen“; es kann aber auch meinen sowohl (2) das „Stehen-''bleiben''“ i.S.v. „verweilen“ als auch (3) das „''Be''-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“).<br />
Weiterhin {{hebr}}לְנֶגֶד עֵינֶיךָ{{hebr ende}} ''vor deinen Augen'' kann sowohl schlicht „vor dir“ meinen als auch „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).<br />
Auf diese Weise ist der Sticho parallel sowohl zu 5b („Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht bleiben vor dir“) als auch zu 6b („Sie bestehen nicht vor deinem Urteil / du hasst sie“); man nennt dies „Janus-parallelismus“.<br />
Weil wie gesagt {{hebr}}יצב{{hebr ende}} auch verwendet werden kann i.S.v. „am Leben bleiben“, ist er außerdem parallel zu V. 7a („Sie dürfen nach deinem Urteil nicht bestehen bleiben, ... / Du wirst vernichten Lügner“). Vielleicht könnte man dies entsprechend bezeichnen als Cerberus-parallismus.</ref> Frevler<ref>{{hebr}}הוללים{{hebr ende}} ließe sich entweder ableiten von {{hebr}}הלל{{hebr ende}} I ''lärmen, (sich) rühmen, preisen'' oder von {{hebr}}הלל{{hebr ende}} III ''töricht sein'', was nach ZLH, S. 193 auch bedeuten kann: „freveln“. Möglich wären also die Übersetzungen:
# „Die, die sich selbst preisen“
# „Angeber, Lärmer“ (dies: Mehrheitsübersetzung),
# „Törichte, Verblendete“
# „Frevler“.<br />
Da {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} aber im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als ''moralische'' Kategorie verwendet wird; man wird sich daher Zorell anschließen müssen. Vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.<br />
'''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} zusammenspielt mit den {{hebr}}דּׁבְרֵי כָזָב{{hebr ende}} in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach Kön, S. 174; ZLH, S. 351; konstruiert als ''Genitivus directionis''; vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für ''Götzenanbeter'' sein. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil Dahood 1965, S. 32 vorgeschlagen hat, dass man „Gewaltverbrecher und Betrüger“ in 7b auch deuten könnte als „Männer von Götzen und Idolen“; er ist damit allerdings, wenn ich richtig sehe, auf recht wenig Zustimmung gestoßen. Folgte man aber Dahood, könnte man die Stelle deuten:<br />


„''Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht standhalten, / Du hasst alle Unholde.''<br />
<poem>{{S|10}} Weil in seinem (ihrem)<ref>''seinem (ihrem)'' - N-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen unvermittelt von einer Zeile auf die andere von einem Numerus zum anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde – hier etwa vom Plural („mein''e'' Feind''e'')zum Singular („in ''seinem'' Mund“).</ref> Reden (Mund) nichts Aufrichtiges ist,
''Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH.''“</ref> vor deinen Augen<ref name="Janus" />.
_ [Sei] ihr Inneres [ihr] Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse<ref>''sie sind böse'' - „Inneres, Eingeweide, Herz“ ist im Heb. häufiger ein Wechselbegriff für die Person selbst. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen auch als prädikative Adjektive verwendet werden; so auch hier. Zur Bed. „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Das wörtliche „Ihr Inneres [ist] Verderben“ kann also sinngemäß meinen: „Sie sind (durch und durch) böse“.</ref>).
([Weil])<ref name="Alternative 2" /> Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde<ref>Für die Alternative „Unholde“ sollte man sich u.U. noch eine andere Übersetzung überlegen. Die Logik hinter dieser Übersetzung war: (1) „Tuer von Unheil“ ist ein Standardbegriff für die Feinde des Beters in individuellen Klagepsalmen (vgl. ThWAT I, S. 157-9) - sie sind ihm „nicht hold“ -, (2) das „Unheil“, das sie begehen, wird stets als etwas bestimmt, das dem Willen JHWHs widerspricht (gut ThWQ I, S. 95: „Unheiliges“) und (3) diese „Tuer von Unheil“ werden öfters mit derart nahezu mythischem Vokabular beschrieben, dass es seit Mowinckel zu einer Auslegungstradition gekommen ist, die diese „Tuer von Unheil“ regelmäßig als ''Zauberer'' und ''Dämonen'' identifiziert (aber dagegen vgl. THAT I, S. 82f.). Diese drei Aspekte schienen mir am Besten zusammenzulaufen im Begriff „Unhold“, für die LF ist er aber wohl etwas zu altbacken.<br />Wichtig ist außerdem noch, dass als das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, meist ''Wort''-Sünden geschildert werden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7.</ref>):
[Ihr] (ein) offenes Grab (Tod)<ref>''Grab'' - Lautspiel: ''qereb'' „Inneres“ (10b) - ''qeber'' „Grab“.<br />
_ {{S|7}} Du wirst vernichten<ref>Wortspiel im Hebräischen: {{hebr}}אבד{{hebr ende}} Piel heißt nicht nur ''zerstören'', sondern auch ''in die Irre gehen lassen'', was semantisch zusammenspielt mit dem obigen Nicht-Wohnen/nicht-Bleiben-dürfen der Frevler.</ref> Sprechende von Lügen (Lügner)
Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350.</ref> [sei (ist)] ihre Kehle,
_ Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,)<ref>'''Textkritik''': Craigie 1983, Gunkel 1968 und Schmidt 1934 wollen nach VUL „verabscheut (JHWH)“ emendieren zu {{hebr}}תתעב{{hebr ende}} „verabscheust du, (JHWH)“. Unnötig: P-Shift. Auch dann sollte man aber in der Lesefassung besser mit „verabscheust du, JHWH“ übersetzen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind.</ref> JHWH.</poem>
_ [Weil] sie ihre Zunge glätten<ref>''sie glätten ihre Zunge glätten'' - Stehender Ausdruck für „sie sind Heuchler“; vgl. noch [[Psalm 12#s3 |Ps 12,3]]; [[Psalm 55#s22 | 55,22]]; auch [[Römer 3#s13 | Röm 3,13]]</ref> (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler).
 
{{S|11}} Lass sie büßen (bestrafe sie), Gott!
 
_ Lass sie untergehen (sie sollen untergehen) wegen ihrer Pläne (Ränke)!
<poem>{{S|8}} {Doch ich}<ref>Heb. {{hebr}}וַאֲנִי{{hebr ende}}. Dies dient hier nicht dem Ausdruck von Emphase („Und ich, ich darf...“; so die meisten - was ohnehin kein gutes Deutsch ist), sondern soll die Betrüger in der vorherigen Strophe mit dem „Ich“ in dieser Strophe kontrastieren. Übersetze: „Ich dagegen darf...“</ref> Ich dagegen darf<ref name="permissives Yiqtol" /> dank deiner großen<ref>wörtl. scheinbar „In ({{hebr}}בְּ{{hebr ende}}) der Menge deiner Gnade“ -  doch ist dies hier ein „Beth rationis impellentis“:  Gottes Güte veranlasst ihn zu besagter „Erlaubnis“; daher „dank der Menge deiner Gnade“. Zu „deine große Gnade“ statt „Menge deiner Gnade“ vgl. z.B. CDCH, S. 411.</ref> Gnade (Treue, Liebe)<ref name="in deiner">V. 8ab.9a haben je eine mit {{hebr}}בְּ{{hebr ende}} eingeleitete und mit {{hebr}}ךָ{{hebr ende}} zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (-> grammatischer Parallelismus), aber es lässt sich dieser Parallelismus wohl leider nicht ins Deutsche übertragen: „in deiner Furcht“ heißt natürlich „ehrfürchtig“ und „in deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. [[Psalm 21#s14 | Ps 21,14]]; [[Psalm 25#s5 | Ps 25,5]]; [[Psalm 68#s11 | Ps 68,11]] u.ö.): „Bei deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“.</ref> in dein Haus kommen (Wenn ich (dagegen) wegen deiner großen Gnade in dein Haus komme(n will))<ref name="Protasis-Apodosis">Die Mehrheitsdeutung der Syntax wurde als Primärübersetzung angegeben. Alternativ ließe sich 8a auch als Protasis von 9ab lesen:<br />
_ Wegen der Menge ihrer Sündenschuld (Sünden; wegen ihren vielen/großen Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
„''Wenn ich dagegen dank deiner großen Gnade in dein Haus kommen will,'' (X-Qatal -> unmarkierter Nebensatz) / ''Um dich in deinem heiligen Tempel ehrfürchtig anzubeten,'' (Yiqtol -> unmarkierter Nebensatz; vgl. auch [http://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/120#GHGpar-120-c GKC §120c])<br />
''Dann, gerechter JHWH, führe mich wegen meiner Feinde; / Ebne mir den Weg zu dir.''“</ref>;
_ ich darf<ref name="permissives Yiqtol" /> (um [dich] anzubeten)<ref name="Protasis-Apodosis" /> [dich]<ref>aus dem Kontext zu ergänzen (->Brachylogie)</ref> in (zu)<ref>{{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann auch lokative Bedeutung haben und hat es hier auch sehr sicher, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998;&nbsp;TAF; van Ess: „''in'' deinem Tempel“</ref> deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in Ehrfurcht<ref name="in deiner" />.
{{S|9}} ([Dann])<ref name="Protasis-Apodosis" /> JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze)<ref>Zu {{hebr}}נחה{{hebr ende}} als „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ vgl. ThWAT V, S. 335</ref> mich in deiner Wahrhaftigkeit<ref>„Wahrhaftigkeit“ wurde deshalb als primäre Übersetzung gewählt, weil in V. 10 als Grund für die Bitte in V. 9 die Lügenhaftigkeit der Feinde des Beters angeführt werden, die ja den ganzen Psalm hindurch als Lügner und Betrüger dargestellt werden. Die Rolle JHWHs ist hier der der lügnerischen Feinde des Beters entgegengesetzt; „Wahrhaftigkeit“ scheint mir hier daher besser passend als „Gerechtigkeit“. Vielleicht noch schöner ist „Wohlwollen“, das aber nicht in vielen Lexika verzeichnet wird.</ref> (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)<ref name="in deiner" /> um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)<ref>Meist „um meiner Feinde Willen“. Die Phrase hat enge Parallelen in [[Psalm 27#s11 | Ps 27,11]] („Lehre mich, JHWH, deinen Weg / und leite mich auf deinem Pfad um meiner Feinde willen.“ (OfBi)) und [[Psalm 69#s19 | Ps 69,19]] („Sei mir nah, erlöse mich, / um meiner Feinde willen befreie mich.“ (ZÜR)); vgl. außerdem noch [[Psalm 8#s3 | Ps 8,3]]. An allen drei Stellen ist jemand in Bedrängnis und JHWH handelt gut an ihm, ohne dass dieses Heilshandeln eigentlich den Feinden zum Nachteil gereichen würde. Dennoch aber ist stets angegeben: „um der Feinde willen“.
# Entweder bezeichnet daher hier {{hebr}}למען{{hebr ende}} jeweils nicht diejenigen, um derentwillen etwas geschieht, sondern das, was ''Motivation'' für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „wegen meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (Ps 5,9 + Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Besonders in Kombination mit der Syntaxdeutung in [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_y FN y] scheint mir das sinnvoll: Der Psalmist will sich auf den Weg zu JHWHs Tempel machen, doch da er sich vor den Feinden fürchtet, die ihm unterwegs lauern (könnten), bittet er dazu um Gottes Beistand. Noch besser, wenn in [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_h FN h] Deutung 3 und in [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_ae FN ae] Deutung 2 der Vorzug gegeben und der Psalm als Vorbereitungsgebet für eine morgige Wallfahrt gelesen wird.
# Alternativ könnte man sich evt. wirklich Buttenwiesers Lösungsvorschlag anschließen: B. analysiert {{hebr}}למען{{hebr ende}} als {{hebr}}לְ{{hebr ende}} plus {{hebr}}מען{{hebr ende}}, einem vom Verb {{hebr}}ענה{{hebr ende}} „antworten, Zeugnis geben, widerlegen“ abgeleiteten Infinitiv ({{hebr}}למען{{hebr ende}} selbst wird gern in Zhg gebracht mit {{hebr}}ענה{{hebr ende}}; vgl. z.B. Ges18, S. 713; [http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/1094779 HKL III, §396d]; [http://www.jstor.org/stable/pdfplus/3259182.pdf?acceptTC=true&acceptTC=true&jpdConfirm=true Mitchell 1915, S. 142f.]; ZLH, S. 458): „zur Widerlegung meiner Feinde“; vgl. Buttenwieser 1938, S. 180. Wenn diese Analyse wirklich gangbar wäre, machte sie Sinn, denn sowohl in Ps 5,9 als auch Ps 27,11 ist die Bedrängnis, aus der JHWH den Beter retten soll, die durch Lügner und Betrüger - und die sollen widerlegt werden, indem JHWH dem Beter den rechten Weg weist. Allerdings ist mir nicht völlig klar, wie {{hebr}}מען{{hebr ende}} ein Infinitiv von {{hebr}}ענה{{hebr ende}} sein soll, daher ist doch Deutung 1 der Vorzug zu geben.</ref>
_ ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).<ref>Mögliche Deutungen:
 
# „dein Weg“ i.S.v. der von JHWH gewiesene Weg; seine „Lebensweisung“ an die JHWH-Gläubigen; er bezeichnet die ''gerechte'' Lebensweise. Hier wird diese JHWHs Wille entsprechende Lebensweise kontrastiert mit der der Lügner und Betrüger, wie z.B. auch in [[Sprichwörter 4#s26 | Spr 4,26]]. Dass Gott dem Beter den Weg „ebnen“ soll ist die Bitte darum, dass er ihm das JHWHs-Weisung-Folgen erleichtern möge. (so die meisten)
# „den Weg zu dir“ (Genitivus directionis); vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_ad FN ad].</ref></poem>
 
 
<poem>{{S|10}} {Denn}<ref name="Strophen-kî" /> (Weil)<ref name="Alternativ">Dieser Vers ließe sich auf zwei Weisen lesen. Die stets Vertretene ist als Primärübersetzung angegeben; sie lautet etwa:
 
„''Es ist in ihrem Reden nichts Aufrichtiges, / ihr Inneres ist Verderben, / ein offenes Grab ist ihre Kehle / ihre Zunge glätten sie.''“
 
Alternativ ließe sich (a) Das {{hebr}}כִּי{{hebr ende}} in 10a kataphorisch und V. 10a als Protasis mit 10b als Apodosis lesen,(b) 10d als Protasis der Apodosis 10c ((habituelles) Yiqtol in 10d -> unmarkierter Nebensatz) und (c) die verblosen Sätze in 10bc konjunktivisch. In 10bc müsste je aus dem selben Sticho ein Possessivpronomen als Brachylogie ergänzt werden. V. 10 wäre dann chiastisch gebaut:
 
''Weil in ihrem Reden nichts Aufrichtiges [ist], / [Sei] ihr Inneres [ihr] Verderben.''<br />
''Ihre Kehle [sei] [ihr] offenes Grab (i.e. Tod) / weil sie ihre Zunge glätten (i.e. da sie ja Heuchler sind).''“
 
Diese Interpretation ließe den Vers besser mit dem folgenden Vers zusammenstimmen; sie ist aber m.W. noch nie vertreten worden.</ref> Es [ist] in seinem (ihrem)<ref>fast stets emendiert zu Plural. Unnötig: N-Shift. Weil Shifts nicht Bestandteil des deutschen Stils sind, sollte hier dennoch „in ''ihrem'' Mund“ übersetzt werden.</ref> Reden (Mund)<ref>Meist: „Mund“; so selbst viele kommunikative Üss. Zu „Reden“ vgl. McKay 1979, S. 238; natürlich ist dies hier gemeint und ist auch eine allgemein anerkannte Bedeutung von {{hebr}}פֶּה{{hebr ende}}.</ref> nichts Aufrichtiges
_ ihr Inneres [ist (sei)<ref name="Alternativ" />] ([ihr])<ref name="Alternativ" /> Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse).<ref>{{hebr}}קֶרֶב{{hebr ende}} „Inneres, Eingeweide, Herz“ wird, ähnlich wie {{hebr}}נֶפֶש{{hebr ende}}, häufig für die Person selbst verwendet. So auch hier. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen genau so gut als prädikative Adjektive verwendet werden. So auch hier. Zu „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Dies passt besser zum Kontext als „Sie sind verdorben.</ref>
_ Ein (ihr<ref name="Alternativ" />) offenes Grab (Tod)<ref>Im Hebräischen Lautspiel: {{hebr}}קֶרֶב{{hebr ende}} ''qereb'' „Inneres“ (10b) - {{hebr}}קֶבֶר{{hebr ende}} ''qeber'' „Grab“.<br />
Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den personifizierten Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350.</ref> [ist (sei)<ref name="Alternativ" />] ihre Kehle,
_ ([weil]<ref name="Alternativ" />) ihre Zunge glätten sie (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler)<ref>Stehender Ausdruck für „Sie sind Heuchler“; vgl. noch [[Psalm 55#s22 | Ps 55,22]]; auch [[Römer 3#s13 | Röm 3,13]]</ref>.
{{S|11}} Lass sie büßen (bestrafe sie)<ref>In der Bibel ist dies die einzige Stelle, in der {{hebr}}אשם{{hebr ende}} im ''Hifil'' steht; die Bedeutung ist daher nicht ganz klar. „Büßen lassen“ ist die Mehrheitsmeinung.</ref>, Gott!
_ Lass sie untergehen (sie sollen untergehen)<ref>Meist: „fallen“. Zu „Untergehen“ vgl. CDCH, S. 278; Ges18, S. 831 u.ö.</ref> wegen<ref>''min'' causae. Einige übersetzen merkwürdigerweise „Lass sie aus ihren Plänen fallen“, was immer das heißen mag.</ref> ihrer Pläne (Ränke)!
_ Wegen der Menge ihrer (ihren vielen/großen)<ref>zu „Menge von X“ als „großes X/viele X“ vgl. [[Psalm 5#note w |FN w]]</ref> Sündenschuld (Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
Sie haben dir ja nicht gehorcht (haben gegen dich rebelliert, gehorchen dir nicht).</poem>
Sie haben dir ja nicht gehorcht (haben gegen dich rebelliert, gehorchen dir nicht).</poem>




<poem>{{S|12}} Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
<poem>{{S|12}} Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
_ Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}<ref name="beschützen">'''Textkritik''': Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn.  Kittel 1914, S. 18 will daher „wie mit einem Schild“ streichen, aber Briggs 1906, S. 45; Budde 1915, S. 178; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. und Schmidt 1934, S. 9f. haben den besseren Vorschlag gemacht, das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben; auch BHS hält dies für „wahrscheinlich“. Dem wird man sich besser anschließen müssen.<br />
_ Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}!<ref name="beschützen">'''Textkritik''': Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn.  Mit BHS; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. ist daher das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben.</ref>
{{hebr}}עָלֵימוֹ{{hebr ende}} „(du schützt) ''sie''“ kann man weiterhin emendieren zu {{hebr}}עָלָיו{{hebr ende}} „(du schützt) ''ihn''“; allerdings ist das wohl nicht einmal nötig, da „der Gerechte“ hier generalisierender Singular ist.</ref>!
_ Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)!<ref>''die deinen Namen lieben'' - Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die ''Verehrer'' Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40.</ref>
_ Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)<ref>Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die ''Verehrer'' Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40.</ref>!
{{S|13}} Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird),<ref name="du bist es">'''tFN''': ''du wirst segnen (bist es, der segnen wird)'' - Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen, (1) dass das Pronomen die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren soll (vgl. BHRG §36.1.1.3i; gut dannB-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“), oder (2), dass das Pronomen lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2) dient: Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.<br />
{{S|13}} Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird)<ref name="du bist es">Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen:
Die beiden folgenden Zeilen führen den Satz fort.</ref> den Gerechten (die Gerechten)<ref>''den Gerechten (die Gerechten)'' - Ein sog. „generalisierender Singular“, der Pl.-Bed. hat, weshalb es dann auch heißen kann, dass Gott ''sie'' schützen werde.</ref> JHWH;
# Das Pronomen soll die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren (vgl. BHRG §36.1.1.3i). Gut daher B-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“
_ [du bist es, der] [sie schützen wirst (decken wirst)]<ref name="beschützen" /> wie mit einem Schild;
# Das Pronomen dient lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2): Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.<br />
_ [du bist es, der] sie mit Huld krönen wird (begünstigen wird).<ref>''krönen wird (begünstigen wird)'' - Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185). S. [[Psalm 8#s6 | Ps 8,6]]; [[Psalm 65#s12 | Ps 65,12]]; [[Psalm 103#s4 | Ps 103,4]].</ref></poem>
Die beiden folgenden Stichen führen den Satz fort.</ref> den Gerechten (die Gerechten)<ref>Generalisierender Singular. Mit den „Gerechten“ werden häufig die JHWH-Gläubigen bezeichnet, also besser „Fromme“. Hier aber stehen sie im Kontrast zu den Frevlern, Lügnern und Betrügern, deshalb sollte man wohl besser die Übersetzung „Gerechte“ beibehalten.</ref>, JHWH;
_ [du bist es, der]<ref name="du bist es" /> [sie schützen wirst (decken wirst)]<ref name="beschützen" /> wie mit einem Schild;
_ [du bist es, der]<ref name="du bist es" /> mit Huld sie krönen wird (begünstigen wird)<ref>Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185: „Quite often in both the NT and OT, crowns are symbols of God's blessings on his people.“). Vgl. [[Psalm 8#s6 | Ps 8,6]]; [[Psalm 65#s12 | Ps 65,12]]; [[Psalm 103#s4 | Ps 103,4]].</ref>.</poem>
 


{{Bemerkungen}}
{{Bemerkungen}}
Psalm 5 ist ein Gebet zur Vorbereitung auf eine Wallfahrt zum Tempel, die der Psalmist aufgrund der Befeindungen vonseiten seiner Gegner unternehmen will.<br />
'''V. 1''' ist die „Überschrift“. Diese Psalmüberschriften wurde nachträglich hinzugefügt; über ihren Sinn weiß man immer noch nichts Genaueres und auch die Bedeutung der einzelnen Vokabeln ist hier wie oft unklar. Doch da es sich um nachträgliche Hinzufügungen handelt, wirkt sich das glücklicherweise nicht allzu nachteilig auf das Verständnis des Psalms im Ganzen aus.<br />
Der eigentliche Psalm beginnt in '''Vv. 2-3a''' mit der „Invokation“: Gott wird angerufen, damit er dem folgenden Gebet Gehör schenken möge. Der Anlass für den Psalm wird dann in '''Vv. 3b-4''' genannt: Der Beter will eine Wallfahrt zum Tempel unternehmen, damit Gott dort „seine Stimme und seine Gebete“ vernehmen kann.<br />
Abschnitte wie '''Vv. 5-7''' finden sich häufig in den Psalmen: Der Beter unterstützt seine (hier noch gar nicht vorgetragene) Bitte, indem er an bestimmte Wesenszüge Gottes appelliert; hier nämlich die Tatsache, dass Gott Übeltäter verabscheut.<br />
'''Vv. 8f.''' verdichten zunächst einen Kontrast zwischen diesen Übeltätern und dem Beter: Ihn verabscheut Gott nicht, sondern er ''darf'' sich ihm sogar in seinem Tempel nahen und sein Gebet vorbringen. Das ist es auch, was er vorhat, und bringt er in V. 9 den ersten Teil seiner Bitte vor: Er bittet um Gottes Schutz auf diesem Weg.<br />
Dieses Schutzes bedarf er „wegen seiner Feinde“, und von diesen handeln dann noch mal '''Vv. 10f.''': Weil ihr Inneres durch und durch verdorben ist, sollen sie bestraft werden, untergehen und fortgetrieben werden.<br />
Ähnlich wie Vv. 5-7 funktionieren schließlich auch '''Vv. 12f.''': Wieder wird an Gott appelliert, indem bestimmte Charakterzüge Gottes hervorgehoben werden. Wegen dieser allseits bekannten Charakterzüge weiß der Beter sogar bereits, wie die Sache ausgehen wird: Wer bei Gott Zuflucht sucht und wer JHWH-Verehrer ist – kurz: die „Gerechten“ –, also er, wird von Gott erhört werden. Er wird sich freuen können, jubeln und jauchzen, weil Gott ihn segnen, schützen und mit Huld krönen wird. Und mit diesem den Psalm abschließenden Appell ist er bestens gerüstet für seine Wallfahrt, die auf jeden Fall gelingen und Erfolg bringen wird.


{{Kapitelseite Fuß}}
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Aktuelle Version vom 12. Juli 2018, 13:22 Uhr

Syntax OK

Status: Zuverlässige Studienfassung – Die Übersetzung ist vollständig, erfüllt die Übersetzungskriterien und wurde mit einigen Standards der Qualitätssicherung abgesichert. Verbesserungen sind noch zu erwarten.
Status: Lesefassung kann erstellt werden – Wer möchte, ist zum Einstellen einer ersten Übertragung in die Lesefassung eingeladen, die später als Grundlage für Verbesserungen dient (Weitere Bibelstellen zum Übertragen). Auf der Diskussionsseite ist Platz für Rückfragen und konstruktive Anmerkungen.

Lesefassung (Psalm 5)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 5)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden). Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“).a
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Meine Worte höre (erhöre mich),b JHWH!
achte auf (erhöre)b mein Flehen (Grübeln, Murmeln)!c
3 Lausche auf (Erhöre)b mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
4 JHWH: [Schon] am Morgen (jeden Morgen, Morgen) wirst (sollst, höre!) du meine Stimme hören,
[Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)d und [auf dich]e warten.


5 {Oh!}f (Weil) Du [bist] kein Gott, dem Böse (Böses)g gefallen (der Böses will);
es dürfen (werden) nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes);g
6 es dürfen (werden) nicht stehen Frevler (Angeber, Törichte, Preisende)h vor deinen Augen.i
(Weil) Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde):j
7 Du wirst vernichten Sprechende von Lügen (Lügner)
Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,) JHWH.k


8 Ich dagegen darf in der Menge deiner Gnadel (in deiner großen Gnade/Treue/Liebe) in dein Haus kommen;
ich darf [dich] in (zu)m deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in deiner Furcht.l
9 JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze) mich in deinerl Gerechtigkeit (Wahrhaftigkeit, Wohlwollen, du Gerechter) um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)n
ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).o


10 Weil in seinem (ihrem)p Reden (Mund) nichts Aufrichtiges ist,
[Sei] ihr Inneres [ihr] Verderben (Böses, sie sind verdorben/böseq).
[Ihr] (ein) offenes Grab (Tod)r [sei (ist)] ihre Kehle,
[Weil] sie ihre Zunge glättens (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler).
11 Lass sie büßen (bestrafe sie), Gott!
Lass sie untergehen (sie sollen untergehen) wegen ihrer Pläne (Ränke)!
Wegen der Menge ihrer Sündenschuld (Sünden; wegen ihren vielen/großen Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
Sie haben dir ja nicht gehorcht (haben gegen dich rebelliert, gehorchen dir nicht).


12 Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}!t
Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)!u
13 Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird),v den Gerechten (die Gerechten)w JHWH;
[du bist es, der] [sie schützen wirst (decken wirst)]t wie mit einem Schild;
[du bist es, der] sie mit Huld krönen wird (begünstigen wird).x

Anmerkungen

Psalm 5 ist ein Gebet zur Vorbereitung auf eine Wallfahrt zum Tempel, die der Psalmist aufgrund der Befeindungen vonseiten seiner Gegner unternehmen will.
V. 1 ist die „Überschrift“. Diese Psalmüberschriften wurde nachträglich hinzugefügt; über ihren Sinn weiß man immer noch nichts Genaueres und auch die Bedeutung der einzelnen Vokabeln ist hier wie oft unklar. Doch da es sich um nachträgliche Hinzufügungen handelt, wirkt sich das glücklicherweise nicht allzu nachteilig auf das Verständnis des Psalms im Ganzen aus.
Der eigentliche Psalm beginnt in Vv. 2-3a mit der „Invokation“: Gott wird angerufen, damit er dem folgenden Gebet Gehör schenken möge. Der Anlass für den Psalm wird dann in Vv. 3b-4 genannt: Der Beter will eine Wallfahrt zum Tempel unternehmen, damit Gott dort „seine Stimme und seine Gebete“ vernehmen kann.
Abschnitte wie Vv. 5-7 finden sich häufig in den Psalmen: Der Beter unterstützt seine (hier noch gar nicht vorgetragene) Bitte, indem er an bestimmte Wesenszüge Gottes appelliert; hier nämlich die Tatsache, dass Gott Übeltäter verabscheut.
Vv. 8f. verdichten zunächst einen Kontrast zwischen diesen Übeltätern und dem Beter: Ihn verabscheut Gott nicht, sondern er darf sich ihm sogar in seinem Tempel nahen und sein Gebet vorbringen. Das ist es auch, was er vorhat, und bringt er in V. 9 den ersten Teil seiner Bitte vor: Er bittet um Gottes Schutz auf diesem Weg.
Dieses Schutzes bedarf er „wegen seiner Feinde“, und von diesen handeln dann noch mal Vv. 10f.: Weil ihr Inneres durch und durch verdorben ist, sollen sie bestraft werden, untergehen und fortgetrieben werden.
Ähnlich wie Vv. 5-7 funktionieren schließlich auch Vv. 12f.: Wieder wird an Gott appelliert, indem bestimmte Charakterzüge Gottes hervorgehoben werden. Wegen dieser allseits bekannten Charakterzüge weiß der Beter sogar bereits, wie die Sache ausgehen wird: Wer bei Gott Zuflucht sucht und wer JHWH-Verehrer ist – kurz: die „Gerechten“ –, also er, wird von Gott erhört werden. Er wird sich freuen können, jubeln und jauchzen, weil Gott ihn segnen, schützen und mit Huld krönen wird. Und mit diesem den Psalm abschließenden Appell ist er bestens gerüstet für seine Wallfahrt, die auf jeden Fall gelingen und Erfolg bringen wird.

aFür den Chorleiter + Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“) - Wie bei den meisten Psalmen sind auch hier die Bedeutungen der Begriffe im Titel unklar; die Primärübersetzungen sind die, die sich am häufigsten in den dt. Üss. finden. (Zurück zu v.1)
bhöre (erhöre mich) + achte auf (erhöre) + lausche auf (erhöre) - Drei Verben, die zunächst schlicht für das „Hören“ stehen, hier wie oft aber als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden.
Trikolon mit Klimax; mit den Begriffen wird um ein immer aufmerksames Hören gebetet: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“. (zu v.2 / zu v.3)
cFlehen (Grübeln, Murmeln) - Heb. hagigi; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. vorige FN) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => hagigi => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also hagigi irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. (Zurück zu v.2)
dzu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich) - Heb. `arak (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
  1. `arak ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
  2. U.U. kann `arak nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT 12, LUT 84, van Ess)
  3. Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.) (Zurück zu v.4)
etFN: [auf dich] - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck (zu dir beten“). (Zurück zu v.4)
ftFN: {Oh!} - Emphatisches ki; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von ki ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. (Zurück zu v.5)
gBöse (Böses) + Schlechte (Schlechtes) - Rein sprachlich sind beide Üss. möglich; spätestens V. 6 wird aber klar, dass hier von Menschen die Rede ist; daher ist durchaus der Primärübersetzung der Vorzug zu geben. (zu v.5)
hFrevler (Angeber, Törichte) - Meist übersetzt als „Angeber, Lärmer“. Da das Wort aber hier im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als moralische Kategorie verwendet wird. Zur Üs. mit „Frevler“ vgl. ZLH, S. 193; vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“. (Zurück zu v.6)
ies dürfen (werden) nicht stehen Frevler vor deinen Augen - raffiniert gedichtete Zeile. jatsab kann bedeuten: (1) „stehen“; (2) „stehen-bleiben“ i.S.v. „verweilen“; (3)be-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“) und leneged `eneka (W. „vor deinen Augen“) kann sowohl (1) schlicht „vor dir“ meinen als auch (2) „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).

Grundeinheit der heb. Poesie ist der sog. „Parallelismus“, eine Art „Gedanken-reim“: Eine Zeile geht in irgendeiner Weise parallel mit einer weitere Zeile. Ein Sonderfall hiervon ist das Stilmittel des „Janusparallelismus“: Durch die Mehrdeutigkeit eines Wortes oder einer syntaktischen Konstruktion geht eine Zeile mit mindestens zwei Zeilen parallel; je nachdem, wie das Wort oder die Konstruktion gedeutet wird. V. 6a geht sogar mit drei Zeilen parallel; vielleicht könnte man dies entsprechend als „Cerberus-Parallelismus“ bezeichnen:

  • 5a + 6b: „Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht bleiben vor dir.
  • 6a + 6b: „Sie bestehen nicht vor deinem Urteil / Du hasst sie.“
  • 6a + 7a: „Sie dürfen nach deinem Urteil nicht bestehen (=am Leben bleiben) / Du wirst vernichten Lügner.“ (Zurück zu v.6)
jTuer von Unheil (Unholde) - Häufiger Ausdruck für die Feinde eines Psalmisten. Das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, sind meist Wort-Sünden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7. (Zurück zu v.6)
kverabscheut (verabscheust du,) JHWH - P-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zu einer anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied macht - wie z.B. hier von der zweiten (du wirst vernichten“) zur dritten (er verabscheut“). Schon VUL übersetzt daher auch hier richtig mit 2. Pers.: „verabscheust du, JHWH“. (Zurück zu v.7)
lin deiner - V. 8ab.9a haben je eine mit be- („in“) präfigierte und mit -ka („deine“) suffigierte Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, 9a: „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (=> grammatischer Parallelismus), in keiner der Zeilen ist aber eine wörtl. Übertragung gut möglich:
  • Das be in „in der Menge deiner Gnade“ ist ein sog. „Beth rationis impellentis“, mit dem angegeben wird, dass etwas dank etwas geschieht; hier also, dass Gottes Güte ihn zu besagter „Erlaubnis“ veranlasst; sinngemäßer also „dank der Menge deiner Gnade“
  • „In deiner Furcht“ meint „in Ehrfurcht vor dir“
  • „In deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell: „du gerechter Gott“. (zu v.8 / zu v.9)
  • mtFN: in (zu) - ´él (meist: „zu, nach“) hat hier wie noch häufiger nicht direktionale, sd. lokative Bed. Hier sogar recht deutlich, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998 ;TAF; van Ess: „in deinem Tempel“. (Zurück zu v.8)
    num meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde) - s. hierzu die nächste FN. (Zurück zu v.9)
    oV. 9 - Schwierige Stelle. Der „Weg“ ist im AT eine sehr häufige Metapher für die Lebensführung „dein Weg“ wäre dann das gottgemäße Leben, ein Leben, wie es Gott gefällt (vgl. ähnlich z.B. Ps 143,10: „Führe mich auf rechter Bahn“ = „Lehre mich handeln, wie dir das gefällt“). So wird auch dieser Vers i.d.R. verstanden, doch dann ist (wie auch bei den sehr ähnlichen Formulierungen in 27,11 und 69,9) unklar, was hier die Rede von den „Feinden“ soll. Versuchsweise sei daher die alternative Deutung vorgeschlagen, dass hier nicht um Hilfe bei der Führung eines gottgemäßen Lebens gebeten wird, sondern darum, dass Gott den Beter auf einem tatsächlichen Weg behüten möge (nämlich eben dem zu Gottes Tempel, V. 8), was nötig ist, weil ihm Feinde auflauern könnten (ein häufiges Motiv in den Psalmen, zu lauernden und fallenstellenden Feinden s. z.B. Ps 10,8; 17,11f.; 35,7f. u.ö., zur Bewahrung auf dem Weg z.B. 23,4f.; 37,23; 91,11; Spr 3,23 u.ö.; zu Ps 27,11 s. gleich).
    Genauer: führen hat hier wie öfter die Bed. „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ (vgl. ThWAT V, S. 335). In deiner Gerechtigkeit fungiert als Appell, wie sich das noch häufiger in den Psalmen findet (s. Ps 31,2; 71,2; 119,40; 143,1.11), sinngemäß also eher „JHWH, du Gerechter, behüte mich“. lema`an (meist: „um ... willen) bezeichnet hier und in Ps 27,11; 69,19 nicht, um wessentwillen etwas geschieht, sondern das, was Motivation für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) – also eher „wegen meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (hier und Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Und schließlich das „dein“ in „dein Weg“ ist syntaktisch zu analysieren als ein sog. Genitivus directionis, also „der Weg zu dir“, nämlich zum Tempel. Zur Konstruktion vgl. z.B. 1 Sam 6,9: „Der Weg ihrer Grenze“ = „Der Weg zu ihrer Grenze“; 1 Sam 13,17f: „Der Weg Ophras ... Der Weg Beth-Horons“ = „Der Weg nach Ophra ... der Weg nach Beth-Horon“; Spr 2,19: „ihre Gehenden“ = „die zu ihr Gehenden“. Zum Sinn d. Verses s. die Anmerkungen. (Zurück zu v.9)
    pseinem (ihrem) - N-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen unvermittelt von einer Zeile auf die andere von einem Numerus zum anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde – hier etwa vom Plural („meine Feinde)“ zum Singular („in seinem Mund“). (Zurück zu v.10)
    qsie sind böse - „Inneres, Eingeweide, Herz“ ist im Heb. häufiger ein Wechselbegriff für die Person selbst. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen auch als prädikative Adjektive verwendet werden; so auch hier. Zur Bed. „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Das wörtliche „Ihr Inneres [ist] Verderben“ kann also sinngemäß meinen: „Sie sind (durch und durch) böse“. (Zurück zu v.10)
    rGrab - Lautspiel: qereb „Inneres“ (10b) - qeber „Grab“.
    Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350. (Zurück zu v.10)
    ssie glätten ihre Zunge glätten - Stehender Ausdruck für „sie sind Heuchler“; vgl. noch Ps 12,3; 55,22; auch Röm 3,13 (Zurück zu v.10)
    tTextkritik: Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn. Mit BHS; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. ist daher das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben. (Zurück zu v.12 / zu v.13)
    udie deinen Namen lieben - Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die Verehrer Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40. (Zurück zu v.12)
    vtFN: du wirst segnen (bist es, der segnen wird) - Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen, (1) dass das Pronomen die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren soll (vgl. BHRG §36.1.1.3i; gut dannB-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“), oder (2), dass das Pronomen lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2) dient: Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.
    Die beiden folgenden Zeilen führen den Satz fort. (Zurück zu v.13)
    wden Gerechten (die Gerechten) - Ein sog. „generalisierender Singular“, der Pl.-Bed. hat, weshalb es dann auch heißen kann, dass Gott sie schützen werde. (Zurück zu v.13)
    xkrönen wird (begünstigen wird) - Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185). S. Ps 8,6; Ps 65,12; Ps 103,4. (Zurück zu v.13)