KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 16: | Zeile 16: | ||
<poem> | <poem> | ||
{{S|4}} ['''B''']<ref name="Akrostichon" /> Als meine Feinde zurückwichen, | {{S|4}} ['''B''']<ref name="Akrostichon" /> Als meine Feinde zurückwichen, | ||
_Mussten sie stolpern<ref>''stolpern'' - häufige Metapher u.a. für das Besiegt-werden; s. z.B. [[Leviticus 26#s37 |Lev 26,37]]; [[2Chronik 25#s8 |2 Chr 25,8]]; [[Psalm 27#s2 |Ps 27,2]] (vgl. V. 3); [[Psalm 64#s8 |64,8]]; [[Jesaja 3#s8 |Jes 3,8]]; [[Jesaja 8#s15 |8,15]] u.ö.</ref> und vor dir<ref>''vor dir'' - W. „von vor deinem Angesicht“. „Vor jmds Angesicht“ darf nicht wörtlich verstanden werden, sondern wird in der Bibel in den meisten Fällen als bloße Präposition verwendet („vor“; vgl. z.B. THAT II, Sp. 443). In vielen Fällen wird aber gerade dann speziell diese Präposition verwendet, wenn von der Niederlage von Feinden ''vor/durch'' ihre Gegner die Rede ist (vgl. ebd., Sp. 444); gemeint ist also hier, was der Kontext ohnehin klar macht: Die Feinde des Beters werden bei ihrer Rückkehr stolpern - d.h. „besiegt werden“, s. vorige FN -, und der, der sie besiegt, ist Gott. Das „Preislied“ auf Gott setzt also ein mit der Beschreibung desselben als einem für den Beter kämpfenden Streiter.</ref> zugrunde gehen,<ref>'''tFN''': ''Als ... mussten'' - W. auf den ersten Blick: „Wenn meine Feinde zurückweichen, werden/sollen sie stolpern und vor dir zugrunde gehen“ (so z.B. Terrien 2003 | _Mussten sie stolpern<ref>''stolpern'' - häufige Metapher u.a. für das Besiegt-werden; s. z.B. [[Leviticus 26#s37 |Lev 26,37]]; [[2Chronik 25#s8 |2 Chr 25,8]]; [[Psalm 27#s2 |Ps 27,2]] (vgl. V. 3); [[Psalm 64#s8 |64,8]]; [[Jesaja 3#s8 |Jes 3,8]]; [[Jesaja 8#s15 |8,15]] u.ö.</ref> und vor dir<ref>''vor dir'' - W. „von vor deinem Angesicht“. „Vor jmds Angesicht“ darf nicht wörtlich verstanden werden, sondern wird in der Bibel in den meisten Fällen als bloße Präposition verwendet („vor“; vgl. z.B. THAT II, Sp. 443). In vielen Fällen wird aber gerade dann speziell diese Präposition verwendet, wenn von der Niederlage von Feinden ''vor/durch'' ihre Gegner die Rede ist (vgl. ebd., Sp. 444); gemeint ist also hier, was der Kontext ohnehin klar macht: Die Feinde des Beters werden bei ihrer Rückkehr stolpern - d.h. „besiegt werden“, s. vorige FN -, und der, der sie besiegt, ist Gott. Das „Preislied“ auf Gott setzt also ein mit der Beschreibung desselben als einem für den Beter kämpfenden Streiter.</ref> zugrunde gehen,<ref>'''tFN''': ''Als ... mussten'' - W. auf den ersten Blick: „Wenn meine Feinde zurückweichen, werden/sollen sie stolpern und vor dir zugrunde gehen“ (so z.B. Terrien 2003; Zuber 1986). Die folgenden Zeilen zeigen aber klar, dass die hier beschriebene Niederlage der Feinde in der Vergangenheit liegt. Vermutlich handelt es sich daher hier um sog. „prospektive Yiqtols“ (dazu vgl. z.B. Joosten 2012, S. 281-283): „Als meine Feinde zurückwichen“ setzt die Referenzzeit, und von dieser Referenzzeit aus gesehen liegt das „Stolpern und zugrunde gehen“ in der Zukunft; daher wird für „stolpern“ und „zugrunde gehen“ die (futurische) Verbform Yiqtol verwendet. Wir haben versucht, dies durch eine Übersetzung mit „mussten“ nachzubilden; die natürlichere dt. Übersetzung wäre aber die mit durchgehend Vergangenheit: „Als meine Feinde zurückwichen, da strauchelten sie und kamen um vor deinem Angesicht“ (SLT).</ref> | ||
{{S|5}} | {{S|5}} | ||
Version vom 6. Dezember 2015, 15:24 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (Psalm 9)
(kommt später)Studienfassung (Psalm 9)
1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).〈a〉 `almut labben ([Vorzutragen vom] Vorsteher [über das Ritual] „`almut labben“)〈b〉 Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.
2 [A]〈c〉 Ich will (werde) JHWH preisen (danken, bekennen)〈d〉 mit meinem ganzen Herzen
Ich will erzählen all' deine Wundertaten.
3 Ich will mich freuen und jubeln über dich,
Ich will deinen Namen (dich)〈e〉 besingen (bespielen), Höchster,〈f〉
4 [B]〈c〉 Als meine Feinde zurückwichen,
Mussten sie stolpern〈g〉 und vor dir〈h〉 zugrunde gehen,〈i〉
5
Anmerkungen
| a | Chorleiter - Heb. menatseach; genaue Bedeutung unklar. Die Primärübersetzung „Chorleiter“ ist mehr oder weniger Konvention. S. noch nächste FN. (Zurück zu v.1) |
| b | `almut labben ([Vorzutragen vom] Vorsteher [über das Ritual] „`almut labben“) - rätselhafter Begriff. Auch in den alten Übersetzungen und Deutungen wird unterschiedlich damit umgegangen: Viele Handschriften korrigieren zu `al-mut labben, was auch Tg und Hieronymus vorlag; dies wird dann meist als die Angabe eines bekannten Liedes gesehen, nach dessen Melodie der Psalm zu singen sei: „[zu singen] nach [der Melodie des Liedes] ‚Sterben für den Sohn/Sterben des Sohnes‘“ (so auch viele Üss.). LXX und VUL dagegen interpretieren als tha`alumot labben („[über die] Geheimnisse des Sohnes“). Einige neuere Üss. schließlich korrigieren den Text (=> Textkritik) von `almut nach `alamot, was sich auch im Titel von Ps 46,1 und auch in 1 Chr 15,20f. findet und wohl soviel wie „Jungfrauenweise“=„hohe Gesangsstimme“ bedeutet („Jungfrauenweise für den Sohn“ => GN: „für hohe Knabenstimmen“). Dass in den sog. „Psalmenüberschriften“ Angaben zur Melodie der Psalmen stehen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Einen wahrscheinlicheren Vorschlag zu ihrem Verständnis hat 1970 John Sawyer gemacht (s. Sawyer 2011b): In akkadischen Ritualtexten gibt es ähnliche Angaben wie in den Psalmüberschriften; u.a. wird dort häufig spezifiziert, wer den folgenden Text vorzutragen hat und welches Ritual Anlass des jeweiligen Ritualtextes ist. Entsprechend wäre dann in den Psalmen der menatseach nicht der „Chorleiter“ und `almut labben nicht die Melodie, sondern der menatseach wäre Vorsteher über das Ritual mit dem Namen `almut labben, bei dem der Psalm vorzuträgen wäre. Doch ist auch dies nur ein „educated guess“ und „Chorleiter“ und „[nach der Melodie]“ sind in dt. Üss. so etabliert, dass die LF doch besser dieser Deutung folgen sollte: „Für den Chorleiter. [Vorzutragen] nach [der Melodie des Liedes] ‚almut labben‘“. (Zurück zu v.1) |
| c | Ps 9-10 sind das erste der sog. „Akrosticha“ im Psalter: Mehrere aufeinanderfolgende Zeilen beginnen mit dem jeweils nächsten Buchstaben im Alphabet (s. dazu näher z.B. Akrostichon (WiBiLex)). In Ps 9-10 ist offensichtlich angezielt worden, immer die erste Zeile von zwei Doppelzeilen mit dem nächsten Buchstaben beginnen zu lassen, also etwa Alef in der ersten Zeile der ersten Doppelzeile, Bet in der ersten Zeile der dritten Doppelzeile, Gimel in der ersten Zeile der fünften Doppelzeile usw. Das besondere bei Ps 9-10 ist aber, dass dieses Muster strikt nur an acht von 22 Stellen durchgehalten ist (s. dazu näher die Anmerkungen); um dies erkennbar zu machen, haben wir an den betreffenden Stellen jeweils den entsprechenden deutschen Buchstaben eingefügt. (Zurück zu v.2 / zu v.4) |
| d | ich will JHWH preisen - Viele Üss. nach LXX, Aq und Sym: „Ich will [dich] preisen, JHWH“. Das ist richtig: Der Dichter verwendet hier ein Stilmittel, einen sog. „P-Shift“: In heb. Lyrik kann aus poetischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zur nächsten gewechselt werden (also z.B. hier: Zeile 1: Rede von Gott (3. Pers.) => Zeile 2: Rede zu Gott (2. Pers.)), ohne, dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde. Weil dieses Stilmittel im Dt. ungebräuchlich ist, sollte besser auch in der LF so übersetzt werden. (Zurück zu v.2) |
| e | deinen Namen (dich) - der „Name“ Gottes steht hier wie meist in den Pss. für Gott selbst, genauer: für „Gott im Menschenmund“. Näher am Sinn wäre daher die Üs. „will dich besingen“ (so z.B. auch EÜ, GN, NeÜ). (Zurück zu v.3) |
| f | In Vv. 2-3 beginnt nicht nur das erste Wort mit Alef, dem ersten Buchstaben des heb. Alphabets - wie es das in FN c beschriebene Muster erwarten lassen würde -, sondern jede Zeile und alle fünf verwendeten Verben beginnen mit diesem Buchstaben. (Zurück zu v.3) |
| g | stolpern - häufige Metapher u.a. für das Besiegt-werden; s. z.B. Lev 26,37; 2 Chr 25,8; Ps 27,2 (vgl. V. 3); 64,8; Jes 3,8; 8,15 u.ö. (Zurück zu v.4) |
| h | vor dir - W. „von vor deinem Angesicht“. „Vor jmds Angesicht“ darf nicht wörtlich verstanden werden, sondern wird in der Bibel in den meisten Fällen als bloße Präposition verwendet („vor“; vgl. z.B. THAT II, Sp. 443). In vielen Fällen wird aber gerade dann speziell diese Präposition verwendet, wenn von der Niederlage von Feinden vor/durch ihre Gegner die Rede ist (vgl. ebd., Sp. 444); gemeint ist also hier, was der Kontext ohnehin klar macht: Die Feinde des Beters werden bei ihrer Rückkehr stolpern - d.h. „besiegt werden“, s. vorige FN -, und der, der sie besiegt, ist Gott. Das „Preislied“ auf Gott setzt also ein mit der Beschreibung desselben als einem für den Beter kämpfenden Streiter. (Zurück zu v.4) |
| i | tFN: Als ... mussten - W. auf den ersten Blick: „Wenn meine Feinde zurückweichen, werden/sollen sie stolpern und vor dir zugrunde gehen“ (so z.B. Terrien 2003; Zuber 1986). Die folgenden Zeilen zeigen aber klar, dass die hier beschriebene Niederlage der Feinde in der Vergangenheit liegt. Vermutlich handelt es sich daher hier um sog. „prospektive Yiqtols“ (dazu vgl. z.B. Joosten 2012, S. 281-283): „Als meine Feinde zurückwichen“ setzt die Referenzzeit, und von dieser Referenzzeit aus gesehen liegt das „Stolpern und zugrunde gehen“ in der Zukunft; daher wird für „stolpern“ und „zugrunde gehen“ die (futurische) Verbform Yiqtol verwendet. Wir haben versucht, dies durch eine Übersetzung mit „mussten“ nachzubilden; die natürlichere dt. Übersetzung wäre aber die mit durchgehend Vergangenheit: „Als meine Feinde zurückwichen, da strauchelten sie und kamen um vor deinem Angesicht“ (SLT). (Zurück zu v.4) |