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_„Es gibt keinen Gott!“<ref>''Es gibt keinen Gott'' - Gemeint ist kein theoretischer Atheismus, der im Alten Israel schwerlich vorstellbar ist. Der „Narr“ vertritt einen ''praktischen'' Atheismus: Er lebt und handelt so, als gäbe es keinen Gott, wie dann auch in den nächsten Zeilen näher ausgeführt wird.</ref> | _„Es gibt keinen Gott!“<ref>''Es gibt keinen Gott'' - Gemeint ist kein theoretischer Atheismus, der im Alten Israel schwerlich vorstellbar ist. Der „Narr“ vertritt einen ''praktischen'' Atheismus: Er lebt und handelt so, als gäbe es keinen Gott, wie dann auch in den nächsten Zeilen näher ausgeführt wird.</ref> | ||
Sie begingen, verbrachen (begehen, verbrechen) Übeltat<ref>''begingen, verbrachen Übeltat'' - Die beiden Verben benötigen eigentlich kein Objekt; das erste bedeutet schon allein „verderblich handeln“, das zweite „abscheulich handeln“. Die Aneinanderreihung der beiden fast synonymen Verben soll den Ausdruck noch intensiver machen; ebenso die eigentlich unnötige Hinzufügung des Substantivs, das zwar auch neutral als „Tat“ verwendet werden kann, oft aber speziell die Bedeutung „Übeltat“ hat. In [[Psalm 53#s2 |Ps 53,2]] ist dies noch zusätzlich vereindeutigt worden zu „Frevelei“.<br />Sinnvoll daher NL: „Sie sind durch und durch schlecht und ihre Taten sind böse“.</ref> | Sie begingen, verbrachen (begehen, verbrechen) Übeltat<ref>''begingen, verbrachen Übeltat'' - Die beiden Verben benötigen eigentlich kein Objekt; das erste bedeutet schon allein „verderblich handeln“, das zweite „abscheulich handeln“. Die Aneinanderreihung der beiden fast synonymen Verben soll den Ausdruck noch intensiver machen; ebenso die eigentlich unnötige Hinzufügung des Substantivs, das zwar auch neutral als „Tat“ verwendet werden kann, oft aber speziell die Bedeutung „Übeltat“ hat. In [[Psalm 53#s2 |Ps 53,2]] ist dies noch zusätzlich vereindeutigt worden zu „Frevelei“.<br />Sinnvoll daher NL: „Sie sind durch und durch schlecht und ihre Taten sind böse“.</ref> | ||
_[Es gab (gibt)] keinen, [der] Gutes tut. | _[Es gab (gibt)] keinen, [der] Gutes tut.</poem> | ||
{{S|2}} JHWH beugte (beugt) sich (blickt?) vom Himmel herab | <poem>{{S|2}} JHWH beugte (beugt) sich (blickt?) vom Himmel herab | ||
_Über [die] Menschenkinder, | _Über [die] Menschenkinder, | ||
Um zu sehen, [ob] es gibt einen Klugen, | Um zu sehen, [ob] es gibt einen Klugen, | ||
_Einen Gott-Sucher (einen Klugen, [der] Gott sucht):<ref>'':'' - Vv. 3-4 schildern das Ergebnis von Gottes Prüfung: Die gesamte Menschheit hat sie nicht bestanden.<br />Dass Gott in V. 4 von sich selbst in der 3. Pers. spricht, kommt häufiger vor.</ref> | _Einen Gott-Sucher (einen Klugen, [der] Gott sucht):<ref>'':'' - Vv. 3-4 schildern das Ergebnis von Gottes Prüfung: Die gesamte Menschheit hat sie nicht bestanden.<br />Dass Gott in V. 4 von sich selbst in der 3. Pers. spricht, kommt häufiger vor (vgl. dazu z.B. Malone 2009). Zu ähnlichen nicht durch ein Verb des Sagens eingeleiteten Zitaten vgl. z.B. Gordis 1949, S. 167-173.</ref> | ||
{{S|3}} „Die Gesamtheit ist (war) abgefallen, | {{S|3}} „Die Gesamtheit ist (war) abgefallen, | ||
_Sämtlich sind (waren sie verdorben. | _Sämtlich sind (waren) sie verdorben. | ||
Keinen [gibt (gab) es], [der] Gutes tut; | |||
_Keinen. Auch nicht einen [einzigen]. | _Keinen. Auch nicht einen [einzigen]. | ||
{{S|4}} Wissen [denn] nicht[s] alle Übel-Täter, | {{S|4}} Wissen [denn] nicht[s] alle Übel-Täter, | ||
_[Die] mein Volk fressen? | _[Die] mein Volk fressen? | ||
Sie fressen Brot,<ref>''[Die] mein Volk fressen? / Sie fressen Brot'' - Oft übersetzt als „Die mein Volk fressen, wie man Brot isst“, aber dann wären die beiden unterschiedlichen Verbformen (Zeile 2: Partizip, Zeile 3: Qatal) unerklärlich (richtig Eerdmans 1947, S. 135). Unsere Üs. folgt daher | Sie fressen Brot,<ref>''[Die] mein Volk fressen? / Sie fressen Brot'' - Oft übersetzt als „Die mein Volk fressen, wie man Brot isst“, aber dann wären die beiden unterschiedlichen Verbformen (Zeile 2: Partizip, Zeile 3: Qatal) unerklärlich (richtig Eerdmans 1947, S. 135). Unsere Üs. folgt daher deClaissé-Walford/Jacobson/Tanner 2014, S. 165; Eerdmans 1947, S. 134; vgl. auch schon Olshausen 1853, S. 79. Charakterisiert werden die Übeltäter hier also erstens darüber, dass sie „mein Volk fressen“ (d.h. ausbeuten, s. ähnlich [[Sprichwörter 30#s14 |Spr 30,14]]; [[Jeremia 10#s25 |Jer 10,25]]; [[Micha 3#s3 |Mi 3,3]]; [[Habakuk 3#s14 |Hab 3,14]]), obwohl sie das nicht mal nötig hätten, da sie ja Brot zu fressen haben (d.h. keine Not leiden müssen), und zweitens darüber, dass sie Brot zu essen haben - dass es ihnen also gut geht -, aber nicht einmal dafür JHWH anrufen, also danken. Sowohl in ihrem Verhalten ihren Mitmenschen als auch Gott gegenüber sind sie durch und durch schlecht.<br /> | ||
Die Üs. von EÜ („Sie verschlingen mein Volk. Sie essen das Brot JHWHs, doch seinen Namen rufen sie nicht an“) folgt einem unnötigen Textkorrekturvorschlag von Kissane 1953 (s. auch schon Duhm, Gunkel).<br /> | Die Üs. von EÜ („Sie verschlingen mein Volk. Sie essen das Brot JHWHs, doch seinen Namen rufen sie nicht an“) folgt einem unnötigen Textkorrekturvorschlag von Kissane 1953 (s. auch schon Duhm, Gunkel).<br /> | ||
'''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Übrigens noch einfacher als bei diesen drei möglich: ''schm'' ist als ''schem'' am Ende von V. 4 zu lesen, dann: „Sie fressen Brot, [doch] JHWH, nicht rufen sie an [seinen] Namen“ (ein Casus Pendens ohne enklitisches Personalpronomen), also: „Sie fressen Brot, doch den Namen JHWHs rufen sie nicht an.“</ref> | '''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Übrigens noch einfacher als bei diesen drei möglich: ''schm'' ist als ''schem'' am Ende von V. 4 zu lesen, dann: „Sie fressen Brot, [doch] JHWH, nicht rufen sie an [seinen] Namen“ (ein Casus Pendens ohne enklitisches Personalpronomen), also: „Sie fressen Brot, doch den Namen JHWHs rufen sie nicht an.“</ref> | ||
_[Doch] JHWH rufen sie nicht an.“ | _[Doch] JHWH rufen sie nicht an.“</poem> | ||
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{{S|6}} [Die] Plän[e] des Armen wollt ihr zuschanden machen, | {{S|5}} Da erschraken sie einen Schrecken,<ref>''erschraken sie einen Schrecken'' - Figura etymologica, die den ganzen Ausdruck noch intensiver macht: „Da erschraken sie sehr“.</ref> | ||
_Doch JHWH [ist] sein Schutz | _Weil Gott mit [dem] gerechten Geschlecht [war]:<ref>'':'' - Auch V. 6 ist wahrscheinlich ein Zitat JHWHs. Erst aus diesem Vers kann ja abgeleitet werden, dass Gott mit den Armen ist, wohingegen es Vv. 3-4 noch hieß, dass die gesamte Menschheit bei Gottes Prüfung durchgefallen ist.</ref> | ||
{{S|6}} „[Die] Plän[e] des Armen wollt ihr zuschanden machen, | |||
_Doch JHWH [ist] sein Schutz!“</poem> | |||
Version vom 6. Januar 2016, 17:06 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (Psalm 14)
(kommt später)Studienfassung (Psalm 14)
1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden; [Vorzutragen vom] Vorsteher [über das Ritual]).〈a〉
Von (für, über, nach Art von) David.
Es sagte (sagt) [der] Narr in seinem Herzen (es sagte sich der Narr):
„Es gibt keinen Gott!“〈b〉
Sie begingen, verbrachen (begehen, verbrechen) Übeltat〈c〉
[Es gab (gibt)] keinen, [der] Gutes tut.
2 JHWH beugte (beugt) sich (blickt?) vom Himmel herab
Über [die] Menschenkinder,
Um zu sehen, [ob] es gibt einen Klugen,
Einen Gott-Sucher (einen Klugen, [der] Gott sucht):〈d〉
3 „Die Gesamtheit ist (war) abgefallen,
Sämtlich sind (waren) sie verdorben.
Keinen [gibt (gab) es], [der] Gutes tut;
Keinen. Auch nicht einen [einzigen].
4 Wissen [denn] nicht[s] alle Übel-Täter,
[Die] mein Volk fressen?
Sie fressen Brot,〈e〉
[Doch] JHWH rufen sie nicht an.“
5 Da erschraken sie einen Schrecken,〈f〉
Weil Gott mit [dem] gerechten Geschlecht [war]:〈g〉
6 „[Die] Plän[e] des Armen wollt ihr zuschanden machen,
Doch JHWH [ist] sein Schutz!“
7 Möge es doch vom Zion〈h〉 Rettung für Israel geben!〈i〉
Wenn Israel das Geschick (die Gefangenschaft) seines Volkes wendet,
Möge Jakob〈j〉 jubeln, Israel sich freuen!
Anmerkungen
| a | Chorleiter - Heb. menatseach; genaue Bedeutung unklar. Die Primärübersetzung „Chorleiter“ ist mehr oder weniger Konvention. Für einen guten Vorschlag zur Deutung vgl. Sawyer 2011b: In akkadischen Ritualtexten gibt es ähnliche Angaben wie in den Psalmüberschriften; u.a. wird dort häufig spezifiziert, wer den folgenden Text vorzutragen hat und welches Ritual Anlass des jeweiligen Ritualtextes ist. Entsprechend wäre dann in den Psalmen der menatseach nicht der „Chorleiter“, sondern der Vorsteher über das Ritual, bei dem der Psalm vorzuträgen war. Doch ist auch dies nur ein „educated guess“ und „Chorleiter“ ist in dt. Üss. so etabliert, dass die LF doch besser dieser Konvention folgen sollte. (Zurück zu v.1) |
| b | Es gibt keinen Gott - Gemeint ist kein theoretischer Atheismus, der im Alten Israel schwerlich vorstellbar ist. Der „Narr“ vertritt einen praktischen Atheismus: Er lebt und handelt so, als gäbe es keinen Gott, wie dann auch in den nächsten Zeilen näher ausgeführt wird. (Zurück zu v.1) |
| c | begingen, verbrachen Übeltat - Die beiden Verben benötigen eigentlich kein Objekt; das erste bedeutet schon allein „verderblich handeln“, das zweite „abscheulich handeln“. Die Aneinanderreihung der beiden fast synonymen Verben soll den Ausdruck noch intensiver machen; ebenso die eigentlich unnötige Hinzufügung des Substantivs, das zwar auch neutral als „Tat“ verwendet werden kann, oft aber speziell die Bedeutung „Übeltat“ hat. In Ps 53,2 ist dies noch zusätzlich vereindeutigt worden zu „Frevelei“. Sinnvoll daher NL: „Sie sind durch und durch schlecht und ihre Taten sind böse“. (Zurück zu v.1) |
| d | : - Vv. 3-4 schildern das Ergebnis von Gottes Prüfung: Die gesamte Menschheit hat sie nicht bestanden. Dass Gott in V. 4 von sich selbst in der 3. Pers. spricht, kommt häufiger vor (vgl. dazu z.B. Malone 2009). Zu ähnlichen nicht durch ein Verb des Sagens eingeleiteten Zitaten vgl. z.B. Gordis 1949, S. 167-173. (Zurück zu v.2) |
| e | [Die] mein Volk fressen? / Sie fressen Brot - Oft übersetzt als „Die mein Volk fressen, wie man Brot isst“, aber dann wären die beiden unterschiedlichen Verbformen (Zeile 2: Partizip, Zeile 3: Qatal) unerklärlich (richtig Eerdmans 1947, S. 135). Unsere Üs. folgt daher deClaissé-Walford/Jacobson/Tanner 2014, S. 165; Eerdmans 1947, S. 134; vgl. auch schon Olshausen 1853, S. 79. Charakterisiert werden die Übeltäter hier also erstens darüber, dass sie „mein Volk fressen“ (d.h. ausbeuten, s. ähnlich Spr 30,14; Jer 10,25; Mi 3,3; Hab 3,14), obwohl sie das nicht mal nötig hätten, da sie ja Brot zu fressen haben (d.h. keine Not leiden müssen), und zweitens darüber, dass sie Brot zu essen haben - dass es ihnen also gut geht -, aber nicht einmal dafür JHWH anrufen, also danken. Sowohl in ihrem Verhalten ihren Mitmenschen als auch Gott gegenüber sind sie durch und durch schlecht. Die Üs. von EÜ („Sie verschlingen mein Volk. Sie essen das Brot JHWHs, doch seinen Namen rufen sie nicht an“) folgt einem unnötigen Textkorrekturvorschlag von Kissane 1953 (s. auch schon Duhm, Gunkel). |
| f | erschraken sie einen Schrecken - Figura etymologica, die den ganzen Ausdruck noch intensiver macht: „Da erschraken sie sehr“. (Zurück zu v.5) |
| g | : - Auch V. 6 ist wahrscheinlich ein Zitat JHWHs. Erst aus diesem Vers kann ja abgeleitet werden, dass Gott mit den Armen ist, wohingegen es Vv. 3-4 noch hieß, dass die gesamte Menschheit bei Gottes Prüfung durchgefallen ist. (Zurück zu v.5) |
| h | Zion - Der Berg in Jerusalem, auf dem Gott in seinem Tempel wohnt. Hilfe von Gott kommt daher „vom Zion“ (vgl. z.B. Zion/Zionstheologie (WiBiLex). (Zurück zu v.7) |
| i | Möge es doch vom Zion Rettung für Israel geben! - W.: „Wer wird geben vom Zion Rettung für Israel!?“, die heb. Wendung „Wer wird geben X“ ist ein Idiom für „Es möge sein, dass... X“. (Zurück zu v.7) |
| j | Jakob - Alternativer Begriff für Israel, da Jakob nach Gen 25 der Stammvater der Israeliten war. (Zurück zu v.7) |