Psalm 5: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein paar FN ein bisschen ausgedünnt.
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{{Studienfassung}}
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<poem>{{S|1}} Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).<ref>''Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden)'' - Genaue Bedeutung unklar; die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt.</ref> Zu<!--<ref>Die Präposition {{hebr}}אֶל{{hebr ende}} kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. {{hebr}}עַל{{hebr ende}}; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ''ad loc.'' z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar {{hebr}}עַל{{hebr ende}} stehen.</ref>--> Flötenspiel (nach „das Erbe“).<ref>''Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“)'' - Bed. unklar. Heute wird der Begriff i.d.R. so verstanden, dass es sich sich um eine Angabe zur musikalischen Begleitung des Psalms handle („zum Flötenspiel“; vgl. z.B. Ges18, S. 800f.). Früher dagegen war die Deutung verbreitet, den Ausdruck als Angabe einer gebräuchlichen Melodie zu sehen, nach der der Psalm zu singen sei („nach ‚das Erbe‘“; so fast alle alten Üss. (LXX, VUL, Aq, Sym); auch König 1927; Schmidt 1934; LUT1912; auch zwei alte Handschriften ändern den Text nach {{hebr}}הנחלות{{hebr ende}} und deuten damit ebenso). Mit der Entscheidung für „zum Flötenspiel“ folgen wir der Mehrheitsmeinung.</ref>
<poem>{{S|1}} ''Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden). Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“).''<ref>''Für den Chorleiter'' + ''Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“)'' - Wie bei den meisten Psalmen sind auch hier die Bedeutungen der Begriffe im Titel unklar; die Primärübersetzungen sind die, die sich am häufigsten in den dt. Üss. finden.</ref>
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.</poem>
''Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.''</poem>




<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich),<ref name="Hören">''höre (erhöre mich)'' + ''achte auf (erhöre)'' + ''lausche auf (erhöre)'' - Drei Verben, die hier wie oft als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden. Gleichzeitig verdichten sie eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“.</ref> JHWH!
<poem>{{S|2}} Meine Worte höre (erhöre mich),<ref name="Hören">''höre (erhöre mich)'' + ''achte auf (erhöre)'' + ''lausche auf (erhöre)'' - Drei Verben, die zunächst schlicht für das „Hören“ stehen, hier wie oft aber als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden.<br />Trikolon mit Klimax; mit den Begriffen wird um ein immer aufmerksames Hören gebetet: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“.</ref> JHWH!
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)!<ref>''Flehen (Grübeln, Murmeln)'' - Heb. ''hagigi''; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Psalm_5#note_d Fußnote c]) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => ''hagigi'' => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also ''hagigi'' irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. Vv. 2.3a sind dann ein ''Trikolon mit Klimax'': Eine dreifach geäußerte Bitte, die immer stärker vorgebracht wird.</ref>
_ achte auf (erhöre)<ref name="Hören" /> mein Flehen (Grübeln, Murmeln)!<ref>''Flehen (Grübeln, Murmeln)'' - Heb. ''hagigi''; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. vorige FN) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => ''hagigi'' => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also ''hagigi'' irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“.</ref>
_ {{S|3}} Lausche auf (Erhöre)<ref name="Hören" /> mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
_ {{S|3}} Lausche auf (Erhöre)<ref name="Hören" /> mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
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_ [Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)<ref>''zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)'' - Heb. ''`arak'' (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
_ [Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)<ref>''zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)'' - Heb. ''`arak'' (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
# ''`arak'' ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
# ''`arak'' ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
# U.U. kann ''`arak'' nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT1912, LUT, van Ess)
# U.U. kann ''`arak'' nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT 12, LUT 84, van Ess)
# Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)
# Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.)</ref> und [auf dich]<ref>'''tFN''': ''[auf dich]'' - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck („''zu dir'' beten“).</ref> warten.</poem>
# Alternativ hat Joüon vorgeschlagen, den Text zu korrigieren nach {{hebr}}עמד לך{{hebr ende}} „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“.</ref> und [auf dich]<ref>'''tFN''': ''[auf dich]'' - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck („''zu dir'' beten“).</ref> warten.</poem>




<poem>{{S|5}} {Denn}<ref name="Strophen-kî">'''tFN''': ''{<s>denn</s>}'' - Emphatisches ''ki''; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von ''ki'' ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f.</ref> (Weil) Du [bist] kein Gott, dem Böse (Böses)<ref name="Böse">''Böse (Böses)'' + ''Schlechte (Schlechtes)'' - Rein sprachlich sind beide Üss. möglich; spätestens V. 6 wird aber klar, dass hier von ''Menschen'' die Rede ist; daher ist durchaus der Primärübersetzung der Vorzug zu geben.</ref> gefallen (der Böses will);
<poem>{{S|5}} {Oh!}<ref name="Strophen-kî">'''tFN''': ''{<s>Oh!</s>}'' - Emphatisches ''ki''; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von ''ki'' ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f.</ref> (Weil) Du [bist] kein Gott, dem Böse (Böses)<ref name="Böse">''Böse (Böses)'' + ''Schlechte (Schlechtes)'' - Rein sprachlich sind beide Üss. möglich; spätestens V. 6 wird aber klar, dass hier von ''Menschen'' die Rede ist; daher ist durchaus der Primärübersetzung der Vorzug zu geben.</ref> gefallen (der Böses will);
_ es dürfen (werden) nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes);<ref name="Böse" />
_ es dürfen (werden) nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes);<ref name="Böse" />
_ {{S|6}} es dürfen (werden) nicht stehen Frevler (Angeber, Törichte, Preisende)<ref>''Frevler (Angeber, Törichte)'' - Meist übersetzt als „Angeber, Lärmer“. Da das Wort aber hier im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als ''moralische'' Kategorie verwendet wird. Zur Üs. mit „Frevler“ vgl. ZLH, S. 193; vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.<br />
_ {{S|6}} es dürfen (werden) nicht stehen Frevler (Angeber, Törichte, Preisende)<ref>''Frevler (Angeber, Törichte)'' - Meist übersetzt als „Angeber, Lärmer“. Da das Wort aber hier im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als ''moralische'' Kategorie verwendet wird. Zur Üs. mit „Frevler“ vgl. ZLH, S. 193; vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.<!--<br />
'''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} zusammenspielt mit den {{hebr}}דּׁבְרֵי כָזָב{{hebr ende}} in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach ZLH, S. 351; syntaktisch gedeutet als ''Genitivus directionis'', vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für ''Götzenanbeter'' sein. Vgl. dann noch den Vorschlag von Dahood 1965, S. 32 zu V. 7b, „Gewaltverbrecher und Betrüger“ sei zu deuten als „Männer von Götzen und Idolen“. Folgte man Dahood, könnte man dann die ganze Stelle deuten:<br />
'''Anm. d. Üs.''' (S.W.): Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} zusammenspielt mit den {{hebr}}דּׁבְרֵי כָזָב{{hebr ende}} in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach ZLH, S. 351; syntaktisch gedeutet als ''Genitivus directionis'', vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi). Die {{hebr}}הוללים{{hebr ende}} wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für ''Götzenanbeter'' sein. Vgl. dann noch den Vorschlag von Dahood 1965, S. 32 zu V. 7b, „Gewaltverbrecher und Betrüger“ sei zu deuten als „Männer von Götzen und Idolen“. Folgte man Dahood, könnte man dann die ganze Stelle deuten:<br />
„''Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht stehen, / Du hasst alle Unholde.'' // ''Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH.''“</ref> vor deinen Augen.<ref name="Janus">''es dürfen (werden) nicht stehen Frevler vor deinen Augen'' - raffiniert gedichtete Zeile. ''jatsab'' kann bedeuten: (1) „stehen“; (2) „stehen-''bleiben''“ i.S.v. „verweilen“; (3) „''be''-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“) und ''leneged `eneka'' (W. „vor deinen Augen“) kann sowohl (1) schlicht „vor dir“ meinen als auch (2) „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).<br />
„''Vor deinen Augen dürfen Preiser (=Götzenanbeter) nicht stehen, / Du hasst alle Unholde.'' // ''Du wirst vernichten, die zu Götzen beten, / Männer von Götzen und Idolen verabscheust du, JHWH.''“--></ref> vor deinen Augen.<ref name="Janus">''es dürfen (werden) nicht stehen Frevler vor deinen Augen'' - raffiniert gedichtete Zeile. ''jatsab'' kann bedeuten: (1) „stehen“; (2) „stehen-''bleiben''“ i.S.v. „verweilen“; (3) „''be''-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“) und ''leneged `eneka'' (W. „vor deinen Augen“) kann sowohl (1) schlicht „vor dir“ meinen als auch (2) „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).<br />
Grundeinheit der heb. Poesie ist der sog. „Parallelismus“, eine Art „Gedanken-reim“: Eine Zeile geht in irgendeiner Weise parallel mit einer weitere Zeile. Ein Sonderfall hiervon ist das Stilmittel des „Janusparallelismus“: Durch die Mehrdeutigkeit eines Wortes oder einer syntaktischen Konstruktion geht eine Zeile mit mindestens ''zwei'' Zeilen parallel; je nachdem, wie das Wort oder die Konstruktion gedeutet wird. V. 6a geht sogar mit drei Zeilen parallel; vielleicht könnte man dies entsprechend als „Cerberus-Parallelismus“ bezeichnen:
Grundeinheit der heb. Poesie ist der sog. „Parallelismus“, eine Art „Gedanken-reim“: Eine Zeile geht in irgendeiner Weise parallel mit einer weitere Zeile. Ein Sonderfall hiervon ist das Stilmittel des „Janusparallelismus“: Durch die Mehrdeutigkeit eines Wortes oder einer syntaktischen Konstruktion geht eine Zeile mit mindestens ''zwei'' Zeilen parallel; je nachdem, wie das Wort oder die Konstruktion gedeutet wird. V. 6a geht sogar mit drei Zeilen parallel; vielleicht könnte man dies entsprechend als „Cerberus-Parallelismus“ bezeichnen:
* 5a + 6b: „Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht ''bleiben'' ''vor dir.''“
* 5a + 6b: „Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht ''bleiben'' ''vor dir.''“
* 6a + 6b: „Sie ''bestehen'' nicht ''vor deinem Urteil'' / Du hasst sie.“
* 6a + 6b: „Sie ''bestehen'' nicht ''vor deinem Urteil'' / Du hasst sie.“
* 6a + 7a: „Sie dürfen ''nach deinem Urteil'' nicht ''bestehen (=am Leben bleiben)'' / Du wirst vernichten Lügner.“</ref>
* 6a + 7a: „Sie dürfen ''nach deinem Urteil'' nicht ''bestehen (=am Leben bleiben)'' / Du wirst vernichten Lügner.“</ref>
Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde)<ref>''Tuer von Unheil (Unholde)'' - Häufiger Ausdruck für die Feinde eines Psalmisten. Das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, sind meist ''Wort''-Sünden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7.</ref>:<ref>''Vv. 6f'': Oder:<br />''Weil du kein Gott bist, dem Böse gefallen, / dürfen nicht wohnen bei dir Schlechte;''<br />
(Weil) Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde):<ref>''Tuer von Unheil (Unholde)'' - Häufiger Ausdruck für die Feinde eines Psalmisten. Das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, sind meist ''Wort''-Sünden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7.</ref>
''es dürfen nicht stehen Frevler vor deinen Augen, / weil du alle Unholde hasst''.</ref>
_ {{S|7}} Du wirst vernichten Sprechende von Lügen (Lügner)
_ {{S|7}} Du wirst vernichten Sprechende von Lügen (Lügner)
_ Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,)<ref>''verabscheut (verabscheust du,)'' - Ein sog. „P-Shift“: In der heb. Lyrik kann aus poetischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zu einer anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied macht - wie z.B. hier von der zweiten („''du'' wirst vernichten“) zur dritten („''er'' verabscheut“). Schon VUL übersetzt daher auch hier richtig mit 2. Pers.: „verabscheust du, JHWH“. Auch für die LF wäre das zu empfehlen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind.</ref> JHWH.</poem>
_ Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,) JHWH.<ref>''verabscheut (verabscheust du,) JHWH'' - P-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zu einer anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied macht - wie z.B. hier von der zweiten („''du'' wirst vernichten“) zur dritten („''er'' verabscheut“). Schon VUL übersetzt daher auch hier richtig mit 2. Pers.: „verabscheust du, JHWH“.</ref></poem>




<poem>{{S|8}} Ich dagegen darf in der Menge deiner Gnade<ref name="in deiner">''in deiner'' - V. 8ab.9a haben je eine mit {{hebr}}בְּ{{hebr ende}} („in“) eingeleitete und mit {{hebr}}ךָ{{hebr ende}} („deine“) zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, 9a: „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (=> grammatischer Parallelismus), in keiner der Zeilen ist aber eine wörtl. Übertragung gut möglich:
<poem>{{S|8}} Ich dagegen darf in der Menge deiner Gnade<ref name="in deiner">''in deiner'' - V. 8ab.9a haben je eine mit ''b<sup>e</sup>-'' („in“) präfigierte und mit ''-ka'' („deine“) suffigierte Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, 9a: „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (=> grammatischer Parallelismus), in keiner der Zeilen ist aber eine wörtl. Übertragung gut möglich:
* Das {{hebr}}בְּ{{hebr ende}} in „''in'' der Menge deiner Gnade“ ist ein sog. „Beth rationis impellentis“, mit dem angegeben wird, dass etwas ''dank'' etwas geschieht; hier also, dass Gottes Güte ihn zu besagter „Erlaubnis“ veranlasst; sinngemäßer also „''dank'' der Menge deiner Gnade“
* Das ''b<sup>e</sup>'' in „''in'' der Menge deiner Gnade“ ist ein sog. „Beth rationis impellentis“, mit dem angegeben wird, dass etwas ''dank'' etwas geschieht; hier also, dass Gottes Güte ihn zu besagter „Erlaubnis“ veranlasst; sinngemäßer also „''dank'' der Menge deiner Gnade“
* „In deiner Furcht“ meint „in Ehrfurcht vor dir“
* „In deiner Furcht“ meint „in Ehrfurcht vor dir“
* „In deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell; s. genauer [http://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_5#note_q FN q].</ref> (in deiner großen Gnade/Treue/Liebe) in dein Haus kommen;
* „In deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell: „du gerechter Gott“.</ref> (in deiner großen Gnade/Treue/Liebe) in dein Haus kommen;
_ ich darf [dich] in (zu)<ref>'''tFN''': ''in (zu)'' - ''´él'' hat hier wie noch häufiger nicht direktionale, sd. lokative Bed. Hier sogar recht deutlich, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998 ;TAF; van Ess: „''in'' deinem Tempel“.</ref> deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in deiner Furcht.<ref name="in deiner" />
_ ich darf [dich] in (zu)<ref>'''tFN''': ''in (zu)'' - ''´él'' (meist: „zu, nach“) hat hier wie noch häufiger nicht direktionale, sd. lokative Bed. Hier sogar recht deutlich, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998 ;TAF; van Ess: „''in'' deinem Tempel“.</ref> deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in deiner Furcht.<ref name="in deiner" />
{{S|9}} JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze) mich in deiner<ref name="in deiner" /> Gerechtigkeit (Wahrhaftigkeit, Wohlwollen, du Gerechter) um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)<ref>''um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)'' - s. hierzu die nächste FN.</ref>
{{S|9}} JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze) mich in deiner<ref name="in deiner" /> Gerechtigkeit (Wahrhaftigkeit, Wohlwollen, du Gerechter) um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)<ref>''um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)'' - s. hierzu die nächste FN.</ref>
_ ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).<ref>''V. 9'' - Etwas schwierige Stelle. Meist wird sie etwa so verstanden: Aufgrund seiner Rede von den nicht gottgemäß lebenden Feinden bricht aus Beter die Bitte hervor, Gott möge doch ihn - anders als die Feinde - auf den „rechten“ Weg leiten: Den Weg ''Gottes''. Gott möge sicherstellen, dass der Beter so lebt, wie das Gott gefällt. Davon soll dann auch das die Bitte um „Führung“ in 9a handeln; s. z.B. [[Psalm 143#s10 |Ps 143,10]]: „Führe mich auf rechter Bahn“ = „Lehre mich handeln, wie dir das gefällt“. Die „Gerechtigkeit“ in 9a wäre dann ebenfalls ein Ausdruck für die gottgemäße Lebensweise. Auch dies wäre zur Not noch eine gangbare Deutung, endgültig schwierig ist dann aber die Präzisierung „um meiner Feinde willen“: Was haben die Feinde des Psalmisten davon, wenn dieser von Gott auf dem rechten Weg gehalten wird? Und auch die Tatsache, dass in V. 8 von der Reise zu JHWHs Tempel die Rede ist, legt eher nahe, dass hier der Weg tatsächlich ein ''Weg'' ist und nicht in eine Metapher für eine Lebensweise.<br />
_ ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).<ref>''V. 9'' - Schwierige Stelle. Der „Weg“ ist im AT eine sehr häufige Metapher für die Lebensführung „''dein'' Weg“ wäre dann das gottgemäße Leben, ein Leben, wie es Gott gefällt (vgl. ähnlich z.B. [[Psalm 143#s10 |Ps 143,10]]: „Führe mich auf rechter Bahn“ = „Lehre mich handeln, wie dir das gefällt“). So wird auch dieser Vers i.d.R. verstanden, doch dann ist (wie auch bei den sehr ähnlichen Formulierungen in [[Psalm 27#s11 |27,11]] und [[Psalm 69#s9 |69,9]]) unklar, was hier die Rede von den „Feinden“ soll. Versuchsweise sei daher die alternative Deutung vorgeschlagen, dass hier nicht um Hilfe bei der Führung eines gottgemäßen Lebens gebeten wird, sondern darum, dass Gott den Beter auf einem tatsächlichen ''Weg'' behüten möge (nämlich eben dem zu Gottes Tempel, V. 8), was nötig ist, weil ihm Feinde auflauern könnten (ein häufiges Motiv in den Psalmen, zu lauernden und fallenstellenden Feinden s. z.B. [[Psalm 10#s8 |Ps 10,8]]; [[Psalm 17#s11 |17,11f.]]; [[Psalm 35#s7 |35,7f.]] u.ö., zur Bewahrung auf dem Weg z.B. [[[Psalm 23#s4 |23,4f.]]; [[Psalm 37#s23 |37,23]]; [[Psalm 91#s11 |91,11]]; [[Sprichwörter 3#s23 |Spr 3,23]] u.ö.; zu [[Psalm 27#s11 |Ps 27,11]] s. gleich).<br />'''Genauer''': '''führen''' hat hier wie öfter die Bed. „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ (vgl. ThWAT V, S. 335). '''In deiner Gerechtigkeit''' fungiert als Appell, wie sich das noch häufiger in den Psalmen findet (s. [[Psalm 31#s2 |Ps 31,2]]; [[Psalm 71#s2 |71,2]]; [[Psalm 119#s40 |119,40]]; [[Psalm 143#s1 |143,1]].[[Psalm 143#s11 |11]]), sinngemäß also eher „JHWH, du Gerechter, behüte mich“. ''lema`an'' (meist: „'''um ... willen'''“) bezeichnet hier und in [[Psalm 27#s11 |Ps 27,11]]; [[Psalm 69#s19 |69,19]] nicht, ''um wessentwillen'' etwas geschieht, sondern das, was ''Motivation'' für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) also eher „''wegen'' meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (hier und Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Und schließlich das „dein“ in „'''dein Weg'''“ ist syntaktisch zu analysieren als ein sog. Genitivus directionis, also „der Weg ''zu dir''“, nämlich zum Tempel. Zur Konstruktion vgl. z.B. [[1Samuel 6#s9 |1 Sam 6,9]]: „Der Weg ihrer Grenze“ = „Der Weg ''zu'' ihrer Grenze“; [[1Samuel 13#s17 |1 Sam 13,17f]]: „Der Weg Ophras ... Der Weg Beth-Horons“ = „Der Weg ''nach'' Ophra ... der Weg ''nach'' Beth-Horon“; [[Sprichwörter 2#s19 |Spr 2,19]]: „ihre Gehenden“ = „die ''zu ihr'' Gehenden“. Zum Sinn d. Verses s. die Anmerkungen.</ref></poem>
Versuchsweise sei daher folgende alternative Deutung vorgeschlagen: '''führen''' hat hier wie öfter die Bed. „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ (vgl. ThWAT V, S. 335). '''In deiner Gerechtigkeit''' fungiert als Appell, wie sich das noch häufiger in den Psalmen findet (s. [[Psalm 31#s2 |Ps 31,2]]; [[Psalm 71#s2 |71,2]]; [[Psalm 119#s40 |119,40]]; [[Psalm 143#s1 |143,1]].[[Psalm 143#s11 |11]]), sinngemäß also eher „JHWH, du Gerechter, behüte mich“. ''lema`an'' (meist: „'''um ... willen'''“) bezeichnet hier - wie auch in den verwandten Stellen [[Psalm 27#s11 |Ps 27,11]] und [[Psalm 69#s19 |Ps 69,19]] - nicht, ''um wessentwillen'' etwas geschieht, sondern das, was ''Motivation'' für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „''wegen'' meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (Ps 5,9 + Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Und schließlich das „dein“ in „'''dein Weg'''“ ist syntaktisch zu analysieren als ein sog. Genitivus directionis, also „der Weg ''zu dir''“, nämlich zum Tempel. Zur Konstruktion vgl. z.B. [[1Samuel 6#s9 |1 Sam 6,9]]: „Der Weg ihrer Grenze“ = „Der Weg ''zu'' ihrer Grenze“; [[1Samuel 13#s17 |1 Sam 13,17f]]: „Der Weg Ophras ... Der Weg Beth-Horons“ = „Der Weg ''nach'' Ophra ... der Weg ''nach'' Beth-Horon“; [[Sprichwörter 2#s19 |Spr 2,19]]: „ihre Gehenden“ = „die ''zu ihr'' Gehenden“. Zum Sinn d. Verses s. die Anmerkungen.</ref></poem>




<poem>{{S|10}} {Denn}<ref name="Strophen-kî" /> (Weil) Es [ist] in seinem (ihrem)<ref>''seinem (ihrem)'' - Ein sog. „N-Shift“: In der heb. Lyrik kann aus poetischen Gründen unvermittelt von einer Zeile auf die andere von einem Numerus zum anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde - hier etwa vom Plural („mein''e'' Feind''e'')“ zum Singular („in ''seinem'' Mund“). Weil im Dt. solche Shifts anders als im Heb. kein geläufiges Stilmittel sind, sollte man in der LF durchaus mit Pl. übersetzen.</ref> Reden (Mund) nichts Aufrichtiges,
<poem>{{S|10}} Weil in seinem (ihrem)<ref>''seinem (ihrem)'' - N-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen unvermittelt von einer Zeile auf die andere von einem Numerus zum anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde hier etwa vom Plural („mein''e'' Feind''e'')“ zum Singular („in ''seinem'' Mund“).</ref> Reden (Mund) nichts Aufrichtiges ist,
_ Ihr Inneres [ist] Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse).<ref>''ihr Inneres [ist] Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse)'' - „Inneres, Eingeweide, Herz“ ist im Heb. häufiger ein Wechselbegriff für die Person selbst; so auch hier. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen auch als prädikative Adjektive verwendet werden; so auch hier. Zur Bed. „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Das wörtliche „Ihr Inneres [ist] Verderben“ meint also sinngemäß: „Sie sind (durch und durch) böse“.</ref>
_ [Sei] ihr Inneres [ihr] Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse<ref>''sie sind böse'' - „Inneres, Eingeweide, Herz“ ist im Heb. häufiger ein Wechselbegriff für die Person selbst. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen auch als prädikative Adjektive verwendet werden; so auch hier. Zur Bed. „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Das wörtliche „Ihr Inneres [ist] Verderben“ kann also sinngemäß meinen: „Sie sind (durch und durch) böse“.</ref>).
Ein ([ihr]) offenes Grab (Tod)<ref>''Grab'' - Lautspiel: ''qereb'' „Inneres“ (10b) - ''qeber'' „Grab“.<br />
[Ihr] (ein) offenes Grab (Tod)<ref>''Grab'' - Lautspiel: ''qereb'' „Inneres“ (10b) - ''qeber'' „Grab“.<br />
Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350.</ref> [ist (sei)] ihre Kehle,
Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350.</ref> [sei (ist)] ihre Kehle,
_ ([weil]) ihre Zunge glätten sie<ref>''ihre Zunge glätten sie'' - Stehender Ausdruck für „sie sind Heuchler“; vgl. noch [[Psalm 12#s3 |Ps 12,3]]; [[Psalm 55#s22 | 55,22]]; auch [[Römer 3#s13 | Röm 3,13]]</ref> (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler).<ref>''V. 10'': Oder:<br />
_ [Weil] sie ihre Zunge glätten<ref>''sie glätten ihre Zunge glätten'' - Stehender Ausdruck für „sie sind Heuchler“; vgl. noch [[Psalm 12#s3 |Ps 12,3]]; [[Psalm 55#s22 | 55,22]]; auch [[Römer 3#s13 | Röm 3,13]]</ref> (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler).
„''Weil in ihrem Reden nichts Aufrichtiges [ist], / [Sei] ihr Inneres [ihr] Verderben.''<br />
''Ihre Kehle [sei] [ihr] offenes Grab (i.e. Tod) / weil sie ihre Zunge glätten (i.e. da sie ja Heuchler sind).''“<br />
Diese Interpretation ließe den Vers besser mit dem folgenden Vers zusammenstimmen; sie ist aber offenbar so noch nie vertreten worden; die LF sollte daher doch der Standardübersetzung folgen.</ref>
{{S|11}} Lass sie büßen (bestrafe sie), Gott!
{{S|11}} Lass sie büßen (bestrafe sie), Gott!
_ Lass sie untergehen (sie sollen untergehen) wegen ihrer Pläne (Ränke)!
_ Lass sie untergehen (sie sollen untergehen) wegen ihrer Pläne (Ränke)!
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_ Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}!<ref name="beschützen">'''Textkritik''': Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn.  Mit BHS; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. ist daher das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben.</ref>
_ Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}!<ref name="beschützen">'''Textkritik''': Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn.  Mit BHS; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. ist daher das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben.</ref>
_ Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)!<ref>''die deinen Namen lieben'' - Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die ''Verehrer'' Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40.</ref>
_ Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)!<ref>''die deinen Namen lieben'' - Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die ''Verehrer'' Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40.</ref>
{{S|13}} Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird),<ref name="du bist es">''du wirst segnen (bist es, der segnen wird)'' - Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen:
{{S|13}} Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird),<ref name="du bist es">'''tFN''': ''du wirst segnen (bist es, der segnen wird)'' - Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen, (1) dass das Pronomen die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren soll (vgl. BHRG §36.1.1.3i; gut dannB-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“), oder (2), dass das Pronomen lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2) dient: Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.<br />
# Das Pronomen soll die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren (vgl. BHRG §36.1.1.3i). Gut daher B-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“
Die beiden folgenden Zeilen führen den Satz fort.</ref> den Gerechten (die Gerechten)<ref>''den Gerechten (die Gerechten)'' - Ein sog. „generalisierender Singular“, der Pl.-Bed. hat, weshalb es dann auch heißen kann, dass Gott ''sie'' schützen werde.</ref> JHWH;
# Das Pronomen dient lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2): Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.<br />
Die beiden folgenden Stichen führen den Satz fort.</ref> den Gerechten (die Gerechten)<ref>''den Gerechten (die Gerechten)'' - Ein sog. „generalisierender Singular“, der Pl.-Bed. hat, weshalb es dann auch heißen kann, dass Gott ''sie'' schützen werde.</ref> JHWH;
_ [du bist es, der] [sie schützen wirst (decken wirst)]<ref name="beschützen" /> wie mit einem Schild;
_ [du bist es, der] [sie schützen wirst (decken wirst)]<ref name="beschützen" /> wie mit einem Schild;
_ [du bist es, der] sie mit Huld krönen wird (begünstigen wird).<ref>''krönen wird (begünstigen wird)'' - Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185). S. [[Psalm 8#s6 | Ps 8,6]]; [[Psalm 65#s12 | Ps 65,12]]; [[Psalm 103#s4 | Ps 103,4]].</ref></poem>
_ [du bist es, der] sie mit Huld krönen wird (begünstigen wird).<ref>''krönen wird (begünstigen wird)'' - Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185). S. [[Psalm 8#s6 | Ps 8,6]]; [[Psalm 65#s12 | Ps 65,12]]; [[Psalm 103#s4 | Ps 103,4]].</ref></poem>
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Abschnitte wie '''Vv. 5-7''' finden sich häufig in den Psalmen: Der Beter unterstützt seine (hier noch gar nicht vorgetragene) Bitte, indem er an bestimmte Wesenszüge Gottes appelliert; hier nämlich die Tatsache, dass Gott Übeltäter verabscheut.<br />
Abschnitte wie '''Vv. 5-7''' finden sich häufig in den Psalmen: Der Beter unterstützt seine (hier noch gar nicht vorgetragene) Bitte, indem er an bestimmte Wesenszüge Gottes appelliert; hier nämlich die Tatsache, dass Gott Übeltäter verabscheut.<br />
'''Vv. 8f.''' verdichten zunächst einen Kontrast zwischen diesen Übeltätern und dem Beter: Ihn verabscheut Gott nicht, sondern er ''darf'' sich ihm sogar in seinem Tempel nahen und sein Gebet vorbringen. Das ist es auch, was er vorhat, und bringt er in V. 9 den ersten Teil seiner Bitte vor: Er bittet um Gottes Schutz auf diesem Weg.<br />
'''Vv. 8f.''' verdichten zunächst einen Kontrast zwischen diesen Übeltätern und dem Beter: Ihn verabscheut Gott nicht, sondern er ''darf'' sich ihm sogar in seinem Tempel nahen und sein Gebet vorbringen. Das ist es auch, was er vorhat, und bringt er in V. 9 den ersten Teil seiner Bitte vor: Er bittet um Gottes Schutz auf diesem Weg.<br />
Dieses Schutzes bedarf er „wegen seiner Feinde“, und von diesen handeln dann noch mal '''Vv. 10f.'''. V. 10 funktioniert ganz ähnlich wie Vv. 5-7: Noch einmal wird Gott ins Gedächtnis gerufen, wie verabscheuungswürdig diese Übeltäter doch sind. Und in V. 11 folgt dann der zweite Teil der Bitte: Die Übeltäter sollen bestraft werden, sollen untergehen und fortgetrieben werden - weil sie ''Gott'' nicht gehorcht haben.<br />
Dieses Schutzes bedarf er „wegen seiner Feinde“, und von diesen handeln dann noch mal '''Vv. 10f.''': Weil ihr Inneres durch und durch verdorben ist, sollen sie bestraft werden, untergehen und fortgetrieben werden.<br />
Und ähnlich wie Vv. 5-7.10 funktionieren schließlich auch '''Vv. 12f.''': Wieder wird an Gott appelliert, indem bestimmte Charakterzüge Gottes hervorgehoben werden. Wegen dieser allseits bekannten Charakterzüge weiß der Beter sogar bereits, wie die Sache ausgehen wird: Wer bei Gott Zuflucht sucht und wer JHWH-Verehrer ist - kurz: die „Gerechten“ -, also er, wird von Gott erhört werden. Er wird sich freuen können, jubeln und jauchzen, weil Gott ihn segnen, schützen und mit Huld krönen wird. Und mit diesem den Psalm abschließenden Appell ist er bestens gerüstet für seine Wallfahrt, die auf jeden Fall gelingen und Erfolg bringen wird.
Ähnlich wie Vv. 5-7 funktionieren schließlich auch '''Vv. 12f.''': Wieder wird an Gott appelliert, indem bestimmte Charakterzüge Gottes hervorgehoben werden. Wegen dieser allseits bekannten Charakterzüge weiß der Beter sogar bereits, wie die Sache ausgehen wird: Wer bei Gott Zuflucht sucht und wer JHWH-Verehrer ist kurz: die „Gerechten“ , also er, wird von Gott erhört werden. Er wird sich freuen können, jubeln und jauchzen, weil Gott ihn segnen, schützen und mit Huld krönen wird. Und mit diesem den Psalm abschließenden Appell ist er bestens gerüstet für seine Wallfahrt, die auf jeden Fall gelingen und Erfolg bringen wird.


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Version vom 12. Juli 2018, 13:20 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Zuverlässige Studienfassung – Die Übersetzung ist vollständig, erfüllt die Übersetzungskriterien und wurde mit einigen Standards der Qualitätssicherung abgesichert. Verbesserungen sind noch zu erwarten.
Status: Lesefassung kann erstellt werden – Wer möchte, ist zum Einstellen einer ersten Übertragung in die Lesefassung eingeladen, die später als Grundlage für Verbesserungen dient (Weitere Bibelstellen zum Übertragen). Auf der Diskussionsseite ist Platz für Rückfragen und konstruktive Anmerkungen.

Lesefassung (Psalm 5)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 5)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden). Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“).a
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Meine Worte höre (erhöre mich),b JHWH!
achte auf (erhöre)b mein Flehen (Grübeln, Murmeln)!c
3 Lausche auf (Erhöre)b mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfe!
Mein König und mein Gott: {Oh,} (weil) zu dir werde ich (will ich) rufen.
4 JHWH: [Schon] am Morgen (jeden Morgen, Morgen) wirst (sollst, höre!) du meine Stimme hören,
[Schon] Am Morgen (jeden Morgen, Morgen) werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)d und [auf dich]e warten.


5 {Oh!}f (Weil) Du [bist] kein Gott, dem Böse (Böses)g gefallen (der Böses will);
es dürfen (werden) nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes);g
6 es dürfen (werden) nicht stehen Frevler (Angeber, Törichte, Preisende)h vor deinen Augen.i
(Weil) Du hasst alle Tuer von Unheil (Unholde):j
7 Du wirst vernichten Sprechende von Lügen (Lügner)
Männer der Bluttat (Gewaltverbrecher) und Männer des Betrugs (Betrüger) verabscheut (verabscheust du,) JHWH.k


8 Ich dagegen darf in der Menge deiner Gnadel (in deiner großen Gnade/Treue/Liebe) in dein Haus kommen;
ich darf [dich] in (zu)m deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in deiner Furcht.l
9 JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze) mich in deinerl Gerechtigkeit (Wahrhaftigkeit, Wohlwollen, du Gerechter) um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde)n
ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).o


10 Weil in seinem (ihrem)p Reden (Mund) nichts Aufrichtiges ist,
[Sei] ihr Inneres [ihr] Verderben (Böses, sie sind verdorben/böseq).
[Ihr] (ein) offenes Grab (Tod)r [sei (ist)] ihre Kehle,
[Weil] sie ihre Zunge glättens (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler).
11 Lass sie büßen (bestrafe sie), Gott!
Lass sie untergehen (sie sollen untergehen) wegen ihrer Pläne (Ränke)!
Wegen der Menge ihrer Sündenschuld (Sünden; wegen ihren vielen/großen Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!
Sie haben dir ja nicht gehorcht (haben gegen dich rebelliert, gehorchen dir nicht).


12 Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!
Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}!t
Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)!u
13 Denn du wirst segnen (bist es, der segnen wird),v den Gerechten (die Gerechten)w JHWH;
[du bist es, der] [sie schützen wirst (decken wirst)]t wie mit einem Schild;
[du bist es, der] sie mit Huld krönen wird (begünstigen wird).x

Anmerkungen

Psalm 5 ist ein Gebet zur Vorbereitung auf eine Wallfahrt zum Tempel, die der Psalmist aufgrund der Befeindungen vonseiten seiner Gegner unternehmen will.
V. 1 ist die „Überschrift“. Diese Psalmüberschriften wurde nachträglich hinzugefügt; über ihren Sinn weiß man immer noch nichts Genaueres und auch die Bedeutung der einzelnen Vokabeln ist hier wie oft unklar. Doch da es sich um nachträgliche Hinzufügungen handelt, wirkt sich das glücklicherweise nicht allzu nachteilig auf das Verständnis des Psalms im Ganzen aus.
Der eigentliche Psalm beginnt in Vv. 2-3a mit der „Invokation“: Gott wird angerufen, damit er dem folgenden Gebet Gehör schenken möge. Der Anlass für den Psalm wird dann in Vv. 3b-4 genannt: Der Beter will eine Wallfahrt zum Tempel unternehmen, damit Gott dort „seine Stimme und seine Gebete“ vernehmen kann.
Abschnitte wie Vv. 5-7 finden sich häufig in den Psalmen: Der Beter unterstützt seine (hier noch gar nicht vorgetragene) Bitte, indem er an bestimmte Wesenszüge Gottes appelliert; hier nämlich die Tatsache, dass Gott Übeltäter verabscheut.
Vv. 8f. verdichten zunächst einen Kontrast zwischen diesen Übeltätern und dem Beter: Ihn verabscheut Gott nicht, sondern er darf sich ihm sogar in seinem Tempel nahen und sein Gebet vorbringen. Das ist es auch, was er vorhat, und bringt er in V. 9 den ersten Teil seiner Bitte vor: Er bittet um Gottes Schutz auf diesem Weg.
Dieses Schutzes bedarf er „wegen seiner Feinde“, und von diesen handeln dann noch mal Vv. 10f.: Weil ihr Inneres durch und durch verdorben ist, sollen sie bestraft werden, untergehen und fortgetrieben werden.
Ähnlich wie Vv. 5-7 funktionieren schließlich auch Vv. 12f.: Wieder wird an Gott appelliert, indem bestimmte Charakterzüge Gottes hervorgehoben werden. Wegen dieser allseits bekannten Charakterzüge weiß der Beter sogar bereits, wie die Sache ausgehen wird: Wer bei Gott Zuflucht sucht und wer JHWH-Verehrer ist – kurz: die „Gerechten“ –, also er, wird von Gott erhört werden. Er wird sich freuen können, jubeln und jauchzen, weil Gott ihn segnen, schützen und mit Huld krönen wird. Und mit diesem den Psalm abschließenden Appell ist er bestens gerüstet für seine Wallfahrt, die auf jeden Fall gelingen und Erfolg bringen wird.

aFür den Chorleiter + Zu Flötenspiel (nach „das Erbe“) - Wie bei den meisten Psalmen sind auch hier die Bedeutungen der Begriffe im Titel unklar; die Primärübersetzungen sind die, die sich am häufigsten in den dt. Üss. finden. (Zurück zu v.1)
bhöre (erhöre mich) + achte auf (erhöre) + lausche auf (erhöre) - Drei Verben, die zunächst schlicht für das „Hören“ stehen, hier wie oft aber als Bitten um Gebetserhörungen verwendet werden.
Trikolon mit Klimax; mit den Begriffen wird um ein immer aufmerksames Hören gebetet: „höre“ => V. 2b „achte auf“ => V. 3a „lausche (aufmerksam)“. (zu v.2 / zu v.3)
cFlehen (Grübeln, Murmeln) - Heb. hagigi; Bed. unklar. Der Kontext macht aber offensichtlich, dass es sich hier um einen Ausdruck für ein flehendes Gebet handelt. Und da sich in Vv. 2ab.3a bei den Verben eine Steigerung findet (s. vorige FN) und auch bei den Substantiven „Geschrei“ in V. 3a stärker ist als „Stimme“ in V. 2a, macht es Sinn, anzunehmen, dass auch „Stimme“ => hagigi => „Geschrei“ eine Steigerung verdichten sollen und also hagigi irgendwo zwischen „Stimme“ und „Geschrei“ liegt, also etwa „Flehen“. (Zurück zu v.2)
dzu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich) - Heb. `arak (meist „bereiten“); auf den ersten Blick also: „Ich will dir bereiten.“ Weil nach dieser Bedeutung offensichtlich ein Objekt fehlt, das da „bereitet“ wird, sind folgende Deutungen vorgeschlagen worden:
  1. `arak ist hier zu verstehen als „beten“ (so Seeligmann 1967, S. 278; auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837). Dieser Deutung folgen auch wir.
  2. U.U. kann `arak nicht nur „[X] bereitmachen“, sd. auch reflexiv „sich bereitmachen“ bedeuten (vgl. CDCH, S. 344; Terrien 2003, S. 104): „Am Morgen richte (ordne) ich mich an Dich“ (TAF; so wohl auch LUT 12, LUT 84, van Ess)
  3. Das Objekt ist „ausgespart“ (Warum?) und muss ergänzt werden: „Ich will [X] bereiten“ (so die meisten Üss.) (Zurück zu v.4)
etFN: [auf dich] - Brachylogie aus dem vorigen Ausdruck (zu dir beten“). (Zurück zu v.4)
ftFN: {Oh!} - Emphatisches ki; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von ki ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. (Zurück zu v.5)
gBöse (Böses) + Schlechte (Schlechtes) - Rein sprachlich sind beide Üss. möglich; spätestens V. 6 wird aber klar, dass hier von Menschen die Rede ist; daher ist durchaus der Primärübersetzung der Vorzug zu geben. (zu v.5)
hFrevler (Angeber, Törichte) - Meist übersetzt als „Angeber, Lärmer“. Da das Wort aber hier im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als moralische Kategorie verwendet wird. Zur Üs. mit „Frevler“ vgl. ZLH, S. 193; vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; VUL: „Bösartige“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“. (Zurück zu v.6)
ies dürfen (werden) nicht stehen Frevler vor deinen Augen - raffiniert gedichtete Zeile. jatsab kann bedeuten: (1) „stehen“; (2) „stehen-bleiben“ i.S.v. „verweilen“; (3)be-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“) und leneged `eneka (W. „vor deinen Augen“) kann sowohl (1) schlicht „vor dir“ meinen als auch (2) „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).

Grundeinheit der heb. Poesie ist der sog. „Parallelismus“, eine Art „Gedanken-reim“: Eine Zeile geht in irgendeiner Weise parallel mit einer weitere Zeile. Ein Sonderfall hiervon ist das Stilmittel des „Janusparallelismus“: Durch die Mehrdeutigkeit eines Wortes oder einer syntaktischen Konstruktion geht eine Zeile mit mindestens zwei Zeilen parallel; je nachdem, wie das Wort oder die Konstruktion gedeutet wird. V. 6a geht sogar mit drei Zeilen parallel; vielleicht könnte man dies entsprechend als „Cerberus-Parallelismus“ bezeichnen:

  • 5a + 6b: „Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht bleiben vor dir.
  • 6a + 6b: „Sie bestehen nicht vor deinem Urteil / Du hasst sie.“
  • 6a + 7a: „Sie dürfen nach deinem Urteil nicht bestehen (=am Leben bleiben) / Du wirst vernichten Lügner.“ (Zurück zu v.6)
jTuer von Unheil (Unholde) - Häufiger Ausdruck für die Feinde eines Psalmisten. Das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, sind meist Wort-Sünden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7. (Zurück zu v.6)
kverabscheut (verabscheust du,) JHWH - P-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen von einer Zeile auf die nächste von einer Person zu einer anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied macht - wie z.B. hier von der zweiten (du wirst vernichten“) zur dritten (er verabscheut“). Schon VUL übersetzt daher auch hier richtig mit 2. Pers.: „verabscheust du, JHWH“. (Zurück zu v.7)
lin deiner - V. 8ab.9a haben je eine mit be- („in“) präfigierte und mit -ka („deine“) suffigierte Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, 9a: „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (=> grammatischer Parallelismus), in keiner der Zeilen ist aber eine wörtl. Übertragung gut möglich:
  • Das be in „in der Menge deiner Gnade“ ist ein sog. „Beth rationis impellentis“, mit dem angegeben wird, dass etwas dank etwas geschieht; hier also, dass Gottes Güte ihn zu besagter „Erlaubnis“ veranlasst; sinngemäßer also „dank der Menge deiner Gnade“
  • „In deiner Furcht“ meint „in Ehrfurcht vor dir“
  • „In deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell: „du gerechter Gott“. (zu v.8 / zu v.9)
  • mtFN: in (zu) - ´él (meist: „zu, nach“) hat hier wie noch häufiger nicht direktionale, sd. lokative Bed. Hier sogar recht deutlich, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998 ;TAF; van Ess: „in deinem Tempel“. (Zurück zu v.8)
    num meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde) - s. hierzu die nächste FN. (Zurück zu v.9)
    oV. 9 - Schwierige Stelle. Der „Weg“ ist im AT eine sehr häufige Metapher für die Lebensführung „dein Weg“ wäre dann das gottgemäße Leben, ein Leben, wie es Gott gefällt (vgl. ähnlich z.B. Ps 143,10: „Führe mich auf rechter Bahn“ = „Lehre mich handeln, wie dir das gefällt“). So wird auch dieser Vers i.d.R. verstanden, doch dann ist (wie auch bei den sehr ähnlichen Formulierungen in 27,11 und 69,9) unklar, was hier die Rede von den „Feinden“ soll. Versuchsweise sei daher die alternative Deutung vorgeschlagen, dass hier nicht um Hilfe bei der Führung eines gottgemäßen Lebens gebeten wird, sondern darum, dass Gott den Beter auf einem tatsächlichen Weg behüten möge (nämlich eben dem zu Gottes Tempel, V. 8), was nötig ist, weil ihm Feinde auflauern könnten (ein häufiges Motiv in den Psalmen, zu lauernden und fallenstellenden Feinden s. z.B. Ps 10,8; 17,11f.; 35,7f. u.ö., zur Bewahrung auf dem Weg z.B. [[[Psalm 23#s4 |23,4f.]]; 37,23; 91,11; Spr 3,23 u.ö.; zu Ps 27,11 s. gleich).
    Genauer: führen hat hier wie öfter die Bed. „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ (vgl. ThWAT V, S. 335). In deiner Gerechtigkeit fungiert als Appell, wie sich das noch häufiger in den Psalmen findet (s. Ps 31,2; 71,2; 119,40; 143,1.11), sinngemäß also eher „JHWH, du Gerechter, behüte mich“. lema`an (meist: „um ... willen) bezeichnet hier und in Ps 27,11; 69,19 nicht, um wessentwillen etwas geschieht, sondern das, was Motivation für Gottes Handeln sein soll (vgl. Ges18, S. 713) – also eher „wegen meiner Feinde“, d.h. „da mir auf meinem Weg Feinde auflauern“ (hier und Ps 27,11) bzw. „da ich von Feinden bedrängt werde“ (Ps 69,19). Und schließlich das „dein“ in „dein Weg“ ist syntaktisch zu analysieren als ein sog. Genitivus directionis, also „der Weg zu dir“, nämlich zum Tempel. Zur Konstruktion vgl. z.B. 1 Sam 6,9: „Der Weg ihrer Grenze“ = „Der Weg zu ihrer Grenze“; 1 Sam 13,17f: „Der Weg Ophras ... Der Weg Beth-Horons“ = „Der Weg nach Ophra ... der Weg nach Beth-Horon“; Spr 2,19: „ihre Gehenden“ = „die zu ihr Gehenden“. Zum Sinn d. Verses s. die Anmerkungen. (Zurück zu v.9)
    pseinem (ihrem) - N-Shift; unübersetzbares heb. Stilmittel: In der heb. Lyrik kann aus stilistischen Gründen unvermittelt von einer Zeile auf die andere von einem Numerus zum anderen gewechselt werden, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied machen würde – hier etwa vom Plural („meine Feinde)“ zum Singular („in seinem Mund“). (Zurück zu v.10)
    qsie sind böse - „Inneres, Eingeweide, Herz“ ist im Heb. häufiger ein Wechselbegriff für die Person selbst. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen auch als prädikative Adjektive verwendet werden; so auch hier. Zur Bed. „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Das wörtliche „Ihr Inneres [ist] Verderben“ kann also sinngemäß meinen: „Sie sind (durch und durch) böse“. (Zurück zu v.10)
    rGrab - Lautspiel: qereb „Inneres“ (10b) - qeber „Grab“.
    Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350. (Zurück zu v.10)
    ssie glätten ihre Zunge glätten - Stehender Ausdruck für „sie sind Heuchler“; vgl. noch Ps 12,3; 55,22; auch Röm 3,13 (Zurück zu v.10)
    tTextkritik: Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn. Mit BHS; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. ist daher das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben. (Zurück zu v.12 / zu v.13)
    udie deinen Namen lieben - Der „Name Gottes“ steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die Verehrer Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40. (Zurück zu v.12)
    vtFN: du wirst segnen (bist es, der segnen wird) - Hier steht ein scheinbar „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). Möglich wären die Deutungen, (1) dass das Pronomen die Exklusivität der Segner-Rolle JHWHs markieren soll (vgl. BHRG §36.1.1.3i; gut dannB-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“), oder (2), dass das Pronomen lediglich der Unterstreichung des Fokuswechsels (vgl. JM §146.a.1+2) dient: Im vorherigen Vers ging es um die bei JHWH Zuflucht Suchenden; nun dagegen geht es um JHWH selbst. In diesem Falle sollte es in der Übersetzung einfach ausgespart werden.
    Die beiden folgenden Zeilen führen den Satz fort. (Zurück zu v.13)
    wden Gerechten (die Gerechten) - Ein sog. „generalisierender Singular“, der Pl.-Bed. hat, weshalb es dann auch heißen kann, dass Gott sie schützen werde. (Zurück zu v.13)
    xkrönen wird (begünstigen wird) - Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185). S. Ps 8,6; Ps 65,12; Ps 103,4. (Zurück zu v.13)