Syntax ungeprüft


Lesefassung (Psalm 104)
(kommt später)Studienfassung (Psalm 104)
1 ([Von (für, nach Art von) David])〈a〉
Preise, meine Seele, JHWH!〈b〉
JHWH, mein Gott,〈c〉 [du bist] ([ist]) sehr groß!
Du bist bekleidet (hast dich bekleidet) mit Majestät und Herrlichkeit (majestätischer Herrlichkeit/Pracht),〈d〉
2 _[Bist] mit Licht wie mit einem Mantel umhüllt (verhüllt, ein Eingehüllter),〈e〉〈f〉 ℘℘℘
[Bists], der den Himmel wie eine Zeltdecke ausspannte〈g〉 (bist ausspannend), 〈e〉 ℘
3 _[Bist] der, der zimmerte (bälkte) mit (im) Wasser ein Obergemach〈h〉 ℘
[Bist] der, der dort〈i〉 Wolken [als] seinen Wagen (sein Fahrzeug) [hat],〈j〉 ℘℘℘℘
[Bist] der, der sich fortbewegt auf den Flügeln des Windes,〈k〉 ℘℘℘℘℘℘
4 [Bists], der macht zu seinen Boten Winde〈l〉 (seine Boten zu Winden)〈m〉
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Anmerkungen
| a | Textkritik: Die in Psalmen häufige, den angeblichen Verfasser angebende Überschrift „von David“ findet sich nicht in allen Überlieferungen des Textes – u.a. nicht Grundtext der BHS / BHQ –, dafür aber gerade in den sehr alten Textzeugen 11QPsa, LXX, Aq und evt. (vgl. Flint 1997, S. 96) in 4QPse. Das ist eine sehr starke Bezeugung; Goldingay 2008, S. 178 etwa sieht diese Überschrift daher als ursprünglich an. Die unterschiedliche Überlieferung lässt sich aber leichter erklären als Ergänzung (statt Streichung) zwecks einer Angleichung der sog. „anonymen“ Psalmen an die häufigeren Psalmen mit Autorenangabe. LXX allein hat wohl aus diesem Grund bei 13 anonymen Psalmen eine solche Angabe, wo der Codex Leningradensis sie nicht hat. (Zurück zu v.1) |
| b | Preise, meine Seele, JHWH - Eine Selbtermunterung zum Gebet; ähnliches findet sich z.B. auch in Ps 34,2; Ps 42,5.11; 43,5; 103,1.22; 116,7; 145,21. Zur wohl dahinterstehenden Vorstellung vgl. am besten Ps 77,2 („Meine Seele weigerte sich, sich trösten zu lassen“); 131,2 („Ich habe meine Seele besänftigt und beruhigt“): Wie jeder Beter weiß, hat das Herz manchmal seine eigene Dynamik und ist nicht von vornherein dazu bereit(et), beten zu können - daher muss der Beter bewusst Einfluss auf die Stimmung seines Herzens nehmen. Das selbe Motiv findet sich übrigens auch in deutschen Kirchenliedern; man vergleiche etwa Paul Gerhards Lieder „Du meine Seele, singe“ und „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden / nimm wahr, was heut geschieht“. (Zurück zu v.1) |
| c | Textkritik - Die auffällige Aneinanderreihung dreier Gottesbezeichnungen (2x JHWH, 1x mein-Gott) hat in der Textüberlieferung für etwas Verwirrung gesorgt: In einigen heb. Handschriften fehlt eines der beiden JHWH, in einer Handschrift der LXX finden sich drei davon. 11QPsa hat statt „mein Gott“ die Variante „unser Gott“, 4QPsd die Variante „Gott“. Ursprünglich ist sicher die Variante im Fließtext. (Zurück zu v.1) |
| d | Majestät und Herrlichkeit - Zwei häufigere Züge bei der Beschreibung Gottes: „Bei ihm“ ist Majestät und Herrlichkeit und er selbst ist majestätisch und herrlich (vgl. 1 Chr 16,27; 96,6; 111,3; 145,5), daher kann auch einzig er einzelnen Menschen diese Eigenschaften gewähren (vgl. Ps 21,5; 45,2f.; sarkastisch in Ijob 40,10). Das zweite Wort, hadar, kann auch konkret den Schmuck bezeichnen; entsprechend ist es auch in Ijob 40,10; Spr 31,25; Jes 63,1; Ez 16,14 (vgl. ähnlich Ps 93,1) etwas, womit man sich „kleiden“ kann. (Zurück zu v.1) |
| e | Mit Licht umhüllt + Himmel ausgespannt - Binnenreim der beiden Partizipien: `oteh-´or + noteh schamajim. (zu v.2) |
| f | mit Licht umhüllt - Ps 104 hat viele Anklänge an die Schöpfungserzählung in Genesis 1; die Rede vom „sich mit Licht umhüllen“ spielt daher wohl auf die auch dort geschilderte Schöpfung des Lichts an. (Zurück zu v.2) |
| g | Himmel wie eine Zeltdecke ausspannte - Nach biblischer Vorstellung ist der Himmel ein festes Gebilde (vgl. z.B. Ijob 37,18; Ez 1,22), das „ausgebreitet“ oder „ausgespannt“ (vgl. Ijob 9,8; 42,5; 44,24) wurde, um das die Wasser über der Erde vom Überfluten der Erde zurückzuhalten (vgl. z.B. Ijob 37,11). Sehr häufig ist er außerdem vorgestellt als die „Wohnstatt Gottes“. Beides wird hier kombiniert zur Vorstellung des Himmels als dem „Zelt Gottes“, das nach seinem ausgespannt-Werden dann in V. 3 noch weiter ausgebaut wird. (Zurück zu v.2) |
| h | mit Wasser zimmerte - D.h. JHWH hat im Himmel sein Obergemach errichtet, indem er mit oder im Wasser - nämlich dem, aus dem der Himmel besteht und das vom Firmament davon zurückgehalten wird, die Erde zu überfluten - seine Wohnung „zimmert“. Die Rede vom Himmel als „Obergemach“ ist schön und sehr treffend - impliziert es doch, dass Gott zu diesem Obergemach auch ein „Erdgeschoss“ hat, was den Rest des Psalms vorbereitet. (Zurück zu v.3) |
| i | Dort - nämlich im himmlischen Obergemach. (Zurück zu v.3) |
| j | Wolken [als] seinen Wagen - Eine alte Vorstellung; auch der altorientalische Gott Baal wird häufig als „Wolkenreiter“ bezeichnet (vgl. z.B. DDD, S. 704). (Zurück zu v.3) |
| k | In der Bibel scheinen die Winde personifiziert durch die geflügelten Cheruben gedacht zu sein (vgl. Offb 7,1 („Danach sah ich vier Engel, die auf den vier Ecken der Erde standen und die vier Winde der Erde festhielten...“)), auf denen Gott gelegentlich auch reitet (vgl. Ps 18,11 („Er ritt auf einem Cherub und flog und schwebte auf den Flügeln des Windes“) und die anderen Parallelstellen). Die beiden Zeilen sprechen also von zwei unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln: JHWH ist sowohl Wolken- als auch Wind-/Cherubenreiter. (Zurück zu v.3) |
| l | Winde - Das selbe Wort findet sich in der Zeile zuvor im Sg., hier im Pl. Eine solche Sg-Pl-Variation ist ein häufigeres Stilmittel in der heb. Lyrik (ad loc. vgl. Yona 2005, S. 157). (Zurück zu v.4) |
| m | Zu seinen Boten Winde (seine Boten zu Winden) - Die Wortstellung im Heb. ließe eher die Alternativübersetzung vermuten; so ist der Vers z.B. auch in 4 Esra verstanden worden: „[...] das Heer der Engel [...], deren dienende Schar sich in Wind und Feuer wandelt [...]“ (4 Esr 8,21f.; ähnlich z.B. in ExRab 25,2). Auch für das wörtl. Verständnis der Primärübersetzung gibt es Parallelen in der frühjüdischen Literatur; vgl. 2 Hen 29,3 (Üs. nach Kaduri 2015, S. 140): „Aus dem Fels schnitt ich [= Gott] ein großes Feuer, und aus dem Feuer schuf ich die Reihen der Körperlosen Armeen - zehn Myriaden Engel - und ihre Waffen sind feuerig und ihre Kleider brennende Flammen.“ (ähnlich versteht unseren Vers z.B. noch Delitzsch 1894: „Machend seine Boten aus Winden...“). Wahrscheinlicher ist aber gemeint: Gott ist Herr auch über Wind und Feuer, die er daher „in seinen Dienst“ nehmen kann: Winde sind seine „Boten“, Feuerflammen seine „Diener“. (Zurück zu v.4) |
