Psalm 5

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 5)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 5)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a. Zub Flötenspiel (nach „das Erbe“)c.
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Meine Worte höre (erhöre mich)d, JHWH!

horch auf (achte auf, erhöre)d mein Flehen (Grübeln, Murmeln)e!
3 Lausched auf mein Geschrei (Rufen, Stimme) um Hilfef!

Mein König und mein Gott: {Oh}gzu dir werde ich (will ich) rufen.

4 JHWHh: (Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)i wirst (sollst, höre!j) du meine Stimme hören,
(Schon) Am Morgen (jeden Morgen, Morgen)i werde (will) ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)k und [auf dich]l wartenm.


5 {Denn}n Du [bist] kein Gott (ein Nicht-Gott?o), dem Böse (Böses)p gefallen (der Böses will);

es dürfen (werden)q nicht wohnen bei dir Schlechte (Schlechtes)p;
6 es dürfen (werden)q nicht standhaltenr Frevlers vor deinen Augenr.

Du hasstt alle Unholdeu;

7 Du wirst vernichten Lügnerv
Gewaltverbrecherw und Betrügerx verabscheut (verabscheust du,)y JHWH.


8 {Doch ich}z Ich dagegen darfq dank deiner großenaa Gnade (Treue, Liebe)ab in dein Haus kommen (Wenn ich wegen deiner großen Gnade in dein Haus komme(n will))ac;

ich darfq (um [dich] anzubeten)ad [dich]ae in (zu)af deinem heiligen Tempel (im Tempel deiner Heiligkeit) anbeten in Ehrfurchtab.

9 ([Dann])ac JHWH, führe (begleite mich schützend, schütze)ag mich in deiner Wahrhaftigkeitah (Gerechtigkeit, Wohlwollen, du Wahrhafter)ab um meiner Feinde willen (wegen meiner Feinde, zum Widerlegen/zur Widerlegung meiner Feinde?)ai

ebne vor mir (vor meinen Augen) deinen Weg (deine Weisung, den Weg zu dir).aj


10 {Denn}n (Weil)ak Es [ist] in seinem (ihrem)al Reden (Mund)am nichts Aufrichtiges

ihr Inneres [ist (sei)ak] ([ihr])ak Verderben (Böses, sie sind verdorben/böse).an
Ein (ihrak) offenes Grab (Tod)ao [ist (sei)ak] ihre Kehle,
([weil]ak) ihre Zunge glätten sie (Mit ihrer Zunge sind sie heuchlerisch, sie sind Heuchler)ap.

11 Lass sie büßen (bestrafe sie)aq, Gott!

Lass sie untergehen (sie sollen untergehen)ar wegenas ihrer Pläne (Ränke)!
Wegen ihren großen (vielen)at Sündenschuld (Sünden) treibe sie fort (verbanne sie)!

Sie haben dir ja nicht gehorcht (gegen dich rebelliert).


12 Alle werden (sollen) sich freuen, die bei dir Zuflucht suchen!

Für immer werden (sollen) sie jubeln {und du beschützt (deckst) sie}au!
Es werden (sollen) jauchzen über dich, die deinen Namen lieben (dich lieben, dich verehren)av!

13 Denn du segnest (bist es, der segnet)aw den Gerechten (die Gerechten)ax, JHWH;

[du bist es, der]aw [sie schützt (deckst)]au wie mit einem Schild;
[du bist es, der]aw mit Huld sie krönt (begünstigst)ay.


Anmerkungen

aGenaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt. (Zurück zu v.1)
bDie Präposition אֶל kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. עַל; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ad loc. z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar עַל stehen. (Zurück zu v.1)
cungeklärter Begriff. „Flöten(spiel)“ ist in der neueren Exegese m.o.w. Konvention, aber es mangelt nicht an alternativen Vorschlägen (eine gute Auflistung findet sich in Ges18, S. 800f. Ergänze noch den Vorschlag einer Ableitung vom akk. nahâlu „aushöhlen“ von Geers 1918, S. 131.). Die alten Vesionen denken durchweg nicht an Instrumente: Tg denkt an „zum Tanz“; LXX, VUL, Aq und Sym denken an „Erbschaften“ und zwei MSS haben sogar הנחלות stehen; so z.B. auch YLT, LUT12; König 1927; Schmidt 1934. „Nach „das Erbe““ scheint uns daher eigentlich sogar wahrscheinlicher, aber da auch dies nicht viel mehr als ein educated guess und zusätzlich eine wissenschaftliche Minderheitenmeinung wäre, muss man wohl bei den „Flöten“ bleiben. (Zurück zu v.1)
dDie verwendeten Verben sind interessant. I.d.R. werden diese und ähnliche Ausdrücke als termini technici für Gebetserhörungen verwendet, und dies ist auch hier ihr Sinn. Hier spielt aber ein Weiteres mit hinein: Die drei Verben verdichten eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ (אזנ „hören“), V. 2b „horch“ (בינ „achten auf“ (der Kontext schließt eine Übersetzung mit „verstehe“ oder „nimm wahr“ aus)), V. 3a „lausche (aufmerksam)(קשב „aufmerksam hinhören“, vgl. z.B. THAT II, S. 685f.).
Häufig werden solche Verwendungen in unserer Lesefassung umschrieben mit etwas wie „erhöre mich“, aber da Ps 5 noch öfter mit ähnlichen Dreierpaaren von Begriffen spielt, sollte hier auf eine solche freiere Umschreibung nur dann zurückgegriffen werden, wenn es gelingt, auch in diesen Umschreibungen auf ein sich steigerndes Dreierpaar zu kommen. (zu v.2 / zu v.3)
eDie Bedeutung dieses dis legomenon ist nicht ganz klar; vorgeschlagen wurden „Grübleln, Sinnen“, „Murmeln“, „Seufzen“, „Stöhnen“ und „flehendes Klagen“. Der hierige Parallelismus legt aber stark nahe, dass es sich auch bei der Fügung בינ הֲגִיגִי um einen Ausdruck für die Erhörung eines Gebetes handelt. Ein weiteres Indiz für die Bed. „Flehen“ sind die parallelen Nomina in 2a und 3b; vgl. Fußnote f. So schon LXX, VUL; vgl. auch Kraus 1961, S. 38. (Zurück zu v.2)
fDieser Ausdruck ist hier sehr passend. Das mit „Flehen“ übersetzte Wort in V. 2b ist leider unklar, aber es scheint, als liefe die Steigerung von JHWHs Aufmerksamkeit auf das Beten des Psalmisten (s. Fußnote d) parallel zu einer Steigerung der Lautstärke/Dringlichkeit von dessen Beten. (Zurück zu v.3)
gכִּי dient hier wie so oft bloß zur Betonung des folgenden Teilsatzes und sollte im Deutschen ausgespart werden. In der neueren Exegese wird es allerdings meist als kausales כִּי interpretiert: „erhöre mich, mein König und mein Gott, weil ich zu dir rufe“ (Zurück zu v.3)
hTextkritik: Viele Exegeten wollen nach LXX und Hier dieses JHWH metri causa ans Ende von V. 3 verschieben (vgl. Budde 1915, S. 178; Dahood 1965, S. 28; Duhm 1899, S. 17f.; Irwin 1933, S. 10; Schmidt 1934, S. 9). Das ist aber unnötig. (Zurück zu v.4)
iadverbialer Akkusativ der Zeit; vgl. ad loc. A-C 2.3.2b; Dav §68. Da Yiqtol auch iterative Bedeutung haben kann, kann man es übersetzen sowohl mit „am Morgen“ als auch mit „jeden Morgen“ (so z.B. Kissane 1953, S. 19). Warum hier aber ein solches Gewicht auf den Zeitpunkt des Betens gelegt wird, ist unklar. Vielleicht soll damit einfach betont werden, dass der Beter schon von frühester Morgenstunde an zu JHWH betet; daher die Einfügung des „schon“ (so auch einige andere Üss). Noch passender scheint mir aber die Beobachtung, dass der „Morgen“ häufig dargestellt wird als die spezifische „Zeit Gottes“ (Ryken 1998, S. 566: „God's special time“): Der Morgen ist oft die (auch häufiger scheinbar überflüssigerweise extra genannte) Zeit, in der ein Beter betete, Opfer brachte u.Ä. und entsprechend auch die Zeit, in der Gott heilsam wirksam wurde (vgl. ebd., S. 567; ad loc. z.B. auch Prinsloo 1998, S. 632). Ich bin mir allerdings unsicher, wie damit am Besten in der Lesefassung verfahren werden sollte; in „deutschen Ohren“ scheint mir die zweimalige Nennung des Morgens eher redundant zu wirken als einen bekannten Topos aufzugreifen. Vielleicht muss man hier mit einer Fußnote arbeiten.
Alternativ kann besagtes Wort auch einfach für „Morgen“ i.S.v. „am nächsten Tag“ stehen (vgl. Ges18, S. 168): „Morgen will ich zu dir kommen“. Bes. i. Zhg. mit Fußnote aj machte das Sinn; Ps 5 ließe sich dann als ein Vorbereitungsgebet für die Wallfahrt am morgigen Tag lesen. (zu v.4)
jDie imperativische Übersetzung wird empfohlen von Auffret 1995, Craigie 1983 und Dahood 1965. Aber da V. 4b deutlich parallel ist zu 4c, sollte man wohl doch in beiden Versen gleich - und das heißt: mit Futur - übersetzen. (Zurück zu v.4)
kDieses meist mit „ich werde bereiten“ übersetzte Verb ist schwer verständlich. Joüon hat vorgeschlagen, zu emendieren nach עמד לך „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“. Meist aber heißt es, es sei hier nur das Objekt ausgespart und müsse ergänzt werden - was die meisten Bibelübersetzungen auch tun.
Vermutlich ist nichts von beidem nötig: ערך heißt nicht nur „[X] bereiten“. Recht wahrscheinlich kann es z.B. auch reflexiv verwendet werden für „sich bereitmachen“ (vgl. CDCH, S. 344; ad loc. auch Terrien 2003, S. 104. So interpretieren außerdem wohl auch schon LUT12, LUT, TAF, van Ess). Seeligmann hat außerdem vorgeschlagen, dass ערך durchaus auch „beten“ meinen könne (vgl. Seeligmann 1967, S. 278; vgl. auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837. Schon wegen des Parallelismus ist dies die entschieden vorzuziehende Übersetzungsvariante. (Zurück zu v.4)
lzu ergänzen aus dem vorherigen clause (-> Brachylogie) (Zurück zu v.4)
m„warten“ meint: „hoffnungsvoll auf Gottes Erlösungstat harren“ (vgl. z.B. CDCH, S. 383). (Zurück zu v.4)
nemphatisches כִּי; im Deutschen nicht zu übersetzen. Diese Verwendung von כִּי ist recht häufig gerade am Beginn einer Strophe; vgl. z.B. Muilenburg 1961, S. 148f. (Zurück zu v.5 / zu v.10)
oso unnötigerweise Dahood 1965, S. 30: „A no-god delights in evil, / but you - no evil man can be your guest.“ Im ersten Moment könnte es übrigens sogar so scheinen, als würde diese Interpretation von der Punktation gefordert, denn „Böse“ und „du“ ist im hebräischen Text durch ein Paseq getrennt. Aber Paseq wird auch verwendet, um z.B. gegensätzliche Worte voneinander abzuheben (vgl. z.B. GKC §15.f.3b), so dass auch er nicht als Indiz für diese Interpretation des Verses gedeutet werden kann. Wegen dem Parallelismus ist daher entschieden die Standard-deutung vorzuziehen. (Zurück zu v.5)
pSpätestens V. 6 wird klar, dass hier von Menschen die Rede ist; daher ist durchaus so zu übersetzen. Dennoch werden meist beide oder mindestens das erste Substantiv als Abstrakta gedeutet („Böses“ + „Schlechtes“). (zu v.5)
qpermissives Yiqtol (Zurück zu v.5 / zu v.6 / zu v.8)
rDieser Sticho ist raffiniert gedichtet. יצב wird meist übersetzt mit (1) „stehen“; es kann aber auch meinen sowohl (2) das „Stehen-bleiben“ i.S.v. „verweilen“ als auch (3) das „Be-stehen“ (auch (4) i.S.v.: „am Leben bleiben“).

Weiterhin לְנֶגֶד עֵינֶיךָ „vor deinen Augen“ kann sowohl schlicht „vor dir“ meinen als auch „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591).
Auf diese Weise ist der Sticho parallel sowohl zu 5b („Sie dürfen nicht wohnen bei dir / Sie dürfen nicht bleiben vor dir“) als auch zu 6b („Sie bestehen nicht vor deinem Urteil / du hasst sie“); man nennt dies „Janus-parallelismus“.

Weil wie gesagt יצב auch verwendet werden kann i.S.v. „am Leben bleiben“, ist er außerdem parallel zu V. 7a („Sie dürfen nach deinem Urteil nicht bestehen bleiben, ... / Du wirst vernichten Lügner“). Vielleicht könnte man dies entsprechend bezeichnen als Cerberus-parallismus; jedenfalls ist auch hier wieder ein Spiel mit der Dreizahl zu erkennen. (zu v.6)
sAuch über die Bedeutung der הוללים ist man sich uneins in der Exegese. Das Problem ist, dass es abgeleitet werden kann von הלל I „lärmen, (sich) rühmen, preisen“ als auch von הלל III „töricht sein, (freveln (so in Lexika m.W. nur ZLH, S. 193))“. Wahlweise wird dann übersetzt: (1) „Die, die sich selbst preisen“ (2) „Angeber, Lärmer“ (dies: Mehrheitsübersetzung), (3) „Törichte, Verblendete“ oder (4) Frevler.

Da הוללים aber im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier ebenfalls als moralische Kategorie verwendet wird; man wird sich daher Zorell anschließen müssen. Vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; Hier: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HER05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“.

Anm. d. Üs.: Was mir außerdem möglich scheint - was aber m.W. noch nicht in der Sekundärliteratur vorgeschlagen worden ist und daher hier bloß als theoretische Möglichkeit verzeichnet werden soll -, ist, dass הוללים zusammenspielt mit den דּׁבְרֵי כָזָב in V. 7a. Dies wird zwar meist gedeutet als „Sprecher von Lügen“, aber es könnte auch gedeutet werden als „Betende zu Götzen“ („Götzen“ nach Kön, S. 174; ZLH, S. 351; konstruiert als Genitivus directionis (vgl. z.B. BHRG §25.4.5.vi)). Die הוללים wären dann die „Preisenden“, und auch dies könnte ein Ausdruck für Götzenanbeter sein. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil Dahood 1965, S. 32 vorgeschlagen hat, dass man „Gewaltverbrecher und Betrüger“ in 7b auch deuten könnte als „Männer von Götzen und Idolen“; er ist damit allerdings, wenn ich richtig sehe, auf recht wenig Zustimmung gestoßen. (Zurück zu v.6)
tgnomisches Qatal (Zurück zu v.6)
uwörtl.: „Tuer von Unheil“. Hierfür sollte man sich u.U. noch eine andere Übersetzung überlegen. Die Logik hinter dieser Übersetzung war: (1) „Tuer von Unheil“ ist ein Standardbegriff für die Feinde des Beters in individuellen Klagepsalmen (vgl. ThWAT I, S. 157-9) - sie sind ihm „nicht hold“ -, (2) das „Unheil“, das sie begehen, wird stets als etwas bestimmt, das dem Willen JHWHs widerspricht (gut ThWQ I, S. 95: „Unheiliges“) und (3) diese „Tuer von Unheil“ werden öfters mit derart nahezu mythischem Vokabular beschrieben, dass es seit Mowinckel zu einer Auslegungstradition gekommen ist, die diese „Tuer von Unheil“ regelmäßig als Zauberer und Dämonen identifiziert (aber dagegen vgl. TWAT I, S. 82f.). Diese drei Aspekte schienen mir am Besten zusammenzulaufen im Begriff „Unhold“, aber er wirkt vielleicht etwas altbacken...
Wichtig ist außerdem noch, dass als das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, meist Wort-Sünden geschildert werden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7. (Zurück zu v.6)
vwörtl. „Sprechende von Lügen“; parallel konstruiert zum obigen „Tuern von Unheil“ (Zurück zu v.7)
wwörtl.: „Männer des Blutes/der Bluttat“ (Zurück zu v.7)
xwörtl.: „Männer des Betrugs“ (Zurück zu v.7)
yTextkritik: Craigie 1983, Gunkel 1968 und Schmidt 1934 wollen nach Hier emendieren zu תתעב „verabscheust du, (JHWH)“. In „deutschen Augen“ würde das zwar wirklich besser in den Kontext passen; es ist aber unnötig, da es auch einfach erklärt werden kann als P-Shift. Das liegt ohnehin nahe, weil in diesem Sticho ja gleichzeitig ein T-Shift zu 6b verdichtet ist: „du hasst“ steht im Qatal, das hierige, temporalsemantisch deutlich gleichbedeutende „er verabscheut/du verabscheust“ dagegen im Yiqtol. Auch in diesem Falle sollte man aber in der Lesefassung besser mit „verabscheust du, JHWH“ übersetzen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind. (Zurück zu v.7)
zHeb. וַאֲנִי. Dieses וַאֲנִי drückt nicht Emphase aus (wie gern gesagt wird), sondern realisiert eine Topikalisierungsstrategie. Unabhängig davon sollte man ganz prinzipiell absehen von einer Übersetzung mit „Und ich, ich...“ (dies: Mehrheitsübersetzung), da dies einfach nicht dem deutschen Stil entspricht. Eine Übersetzung mit „Ich dagegen darf“ genügt völlig. (Zurück zu v.8)
aawörtl. „In der Menge deiner...“. Zu „Dank“ vgl. Lexikon/Lemma בְּ, Eintrag 4.6 („Beth rationis impellentis“ - Gottes Güte veranlasst ihn zu besagter „Erlaubnis“); zu „großen“ vgl. z.B. CDCH, S. 411. (Zurück zu v.8)
abV. 8ab.9a haben je eine mit בְּ eingeleitete und mit ךָ zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (-> grammatischer Parallelismus), aber es lässt sich dieser Parallelismus wohl leider nicht ins Deutsche übertragen: „in deiner Furcht“ heißt natürlich „ehrfürchtig“ und „in deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. Ps 21,14; Ps 25,5; Ps 68,11 u.ö.): „Bei deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“. (zu v.8 / zu v.9)
ac8a: Waw-X-Yiqtol; Es ist daher möglich, 8a als Protasis von 9ab zu lesen (Zurück zu v.8 / zu v.9)
adAuch möglich: Interpretation als Hauptsatz - Finalsatz - Gefüge; vgl. GKC §120c (Zurück zu v.8)
aeaus dem Kontext zu ergänzen (->Brachylogie) (Zurück zu v.8)
afאֶל kann auch lokative Bedeutung haben und hat es hier auch sehr sicher, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998TAF; van Ess: „in deinem Tempel“ (Zurück zu v.8)
agZu {hebr}}נחה als „jmdn schützend begleiten, jmdn sicher ans Ziel führen“ vgl. ThWAT V, S. 335 (Zurück zu v.9)
ah„Wahrhaftigkeit“ wurde deshalb als primäre Übersetzung gewählt, weil in V. 10 als Grund für die Bitte in V. 9 die Lügenhaftigkeit der Feinde des Beters angeführt werden, die ja den ganzen Psalm hindurch als Lügner und Betrüger dargestellt werden. Die Rolle JHWHs ist hier der der lügnerischen Feinde des Beters entgegengesetzt; „Wahrhaftigkeit“ scheint mir hier daher besser passend als „Gerechtigkeit“. Vielleicht noch schöner ist „Wohlwollen“, das aber nicht in vielen Lexika verzeichnet wird. (Zurück zu v.9)
aiNeben [1] Ps 5,9 habe ich zwei weitere Stellen gefunden, an denen „um meiner Feinde willen“ ähnlich merkwürdig verwendet wird: [2] Ps 27,11 („Lehre mich, JHWH, deinen Weg / und leite mich auf deinem Pfad um meiner Feinde willen.“ (OfBi)) und [3] Ps 69,19 („Sei mir nah, erlöse mich, / um meiner Feinde willen befreie mich.“ (ZÜR)). Vgl. außerdem Ps 8,3. An allen drei Stellen ist jemand in Bedrängnis und JHWH handelt gut an ihm, ohne dass dieses Heilshandeln eigentlich den Feinden zum Nachteil gereichen würde. Dennoch aber ist stets angegeben: „um der Feinde willen“. Ps 69,19 ließe sich wohl noch damit erklären, dass למען hier nicht den/die bezeichnet, du dessen/deren (Un-)Gunsten etwas geschieht, sondern jenes bezeichnet, was Motivation für Gottes Handeln ist (vgl. Ges18, S. 713) - also eher „wegen meiner Feinde“. Aber in Ps 5,9 und 27,11 passt auch dies nicht, denn warum sollten (a) des Beters Feinde JHWHs Motivation sein, den Beter zu weisen und (b) was hülfe dies dem Beter in seiner konkreten Not, nämlich gegen seine Feinde?

Vielleicht könnte man sich daher wirklich Buttenwiesers Lösungsvorschlag anschließen: B. analysiert למען als לְ plus מען, einem vom Verb ענה „antworten, Zeugnis geben, widerlegen“ abgeleiteten Infinitiv (למען selbst wird gern in Zhg gebracht mit ענה; vgl. z.B. Ges18, S. 713; HKL III, §396d; Mitchell 1915, S. 142f.; ZLH, S. 458) (vgl. Buttenwieser 1938, S. 180). Wenn diese Analyse gangbar ist, macht sie Sinn, denn sowohl in Ps 5,9 als auch Ps 27,11 ist die Bedrängnis, aus der JHWH den Beter retten soll, die durch Lügner und Betrüger - und die sollen widerlegt werden, indem JHWH dem Beter den rechten Weg weist (s.u.).
Anm. d. Üs.: Allerdings ist mir nicht völlig klar, wie מען ein Infinitiv von ענה sein soll. Mir scheint daher dieser Vorschlag so unsicher, dass ich persönlich als Deutung vorziehen würde, Vv. 8-9 zu lesen als Bitte darum, dass Gott den Beter auf seinem Weg zum Tempel vor dessen Feinden beschützen möge:
„Wenn ich wegen deiner großen Güte in dein Haus komme(n will) (vgl. Fußnote ac)

um dich in deinem heiligen Tempel anzubeten (vgl. Fußnote ad) -

Dann (vgl. Fußnote ac), JHWH, du Gerechter (vgl. Fußnote ab), schütze mich (vgl. Fußnote ag) wegen meiner Feinde

dann ebne mir den Weg zu dir (vgl. Fußnote aj).“
Beide Deutungen hätten den Vorteil, dass sie das merkwürdige „um meiner Feinde willen“ erklären würden; beide aber auch den Nachteil, dass die daraus resultierenden Deutungen stark von der Standard-Interpretation in der Sekundärliteratur abweichen würden. (Zurück zu v.9)
aj„JHWHs Weg“ ist der von JHWH gewiesene Weg; seine „Lebensweisung“ an die JHWH-Gläubigen; er bezeichnet die gerechte Lebensweise. Hier wird diese JHWHs Wille entsprechende Lebensweise kontrastiert mit der der Lügner und Betrüger, wie z.B. auch in Spr 4,26. Dass Gott dem Beter den Weg „ebnen“ soll ist die Bitte darum, dass er ihm das JHWHs-Weisung-Folgen erleichtern möge.
Auch möglich: Deutung des Verh. von Nomen und Pronomen als Genitivus directionis; „den Weg zu dir“ (Zurück zu v.9)
akDieser Vers ließe sich auf zwei Weisen lesen. Die stets Vertretene ist als Primärübersetzung angegeben; sie lautet etwa:

„Es ist in ihrem Reden nichts Aufrichtiges,

ihr Inneres ist Verderben,
ein offenes Grab ist ihre Kehle
ihre Zunge glätten sie.“

Alternativ ließe sich (a) Das כִּי in 10a kataphorisch und V. 10a als Protasis mit 10b als Apodosis lesen,(b) 10d als Protasis der Apodosis 10c (markiert durch die Wortstellung X-Yiqtol in 10d) und (c) die verblosen Sätze in 10bc konjunktivisch. In 10bc müsste je aus dem selben Sticho ein Possessivpronomen als Brachylogie ergänzt werden. V. 10 wäre dann chiastisch gebaut:

„Weil in ihrem Reden nichts Aufrichtiges ist,

Sei ihr Inneres [ihr] Verderben.

Ihre Kehle sei [ihr] offenes Grab (i.e. Tod)

weil sie ihre Zunge glätten (i.e. da sie ja Heuchler sind).“
Diese Interpretation ließe den Vers besser mit dem folgenden Vers zusammenstimmen; sie ist aber m.W. noch nie vertreten worden. (zu v.10)
alfast stets emendiert zu Plural. Dies ist unnötig; es ist erklärbar durch einen N-Shift. Weil Shifts nicht Bestandteil des deutschen Stils sind, sollte hier dennoch „in ihrem Mund“ übersetzt werden. (Zurück zu v.10)
am„Reden“: so McKay 1979, S. 238 als einziger der von mir rezipierten Exegeten. Selbst viele kommunikative Übersetzungen übersetzen mit „Mund“. Dennoch ist natürlich dies hier gemeint und „Reden“ ist eine allgemein anerkannte Bedeutung von פֶּה. (Zurück zu v.10)
anקֶרֶב „Inneres, Eingeweide, Herz“ wird, ähnlich wie נֶפֶש, häufig für die Person selbst verwendet. So auch hier. Und Nomina wie „Verderben“ können im Hebräischen genau so gut als prädikative Adjektive verwendet werden. So auch hier. Zu „böse“ vgl. CDCH, S. 87; Kön, S. 77. Dies passt besser zum Kontext als „Sie sind verdorben.“ (Zurück zu v.10)
aoIm Hebräischen Lautspiel: קֶרֶב qereb „Inneres“ (10b) - קֶבֶר qeber „Grab“.
Das „Grab“ ist im Hebräischen eine häufige Metapher für den personifizierten Tod; vgl. z.B. Ryken 1998, S. 350. (Zurück zu v.10)
apStehender Ausdruck für „Sie sind Heuchler“; vgl. noch Ps 55,22; auch Röm 3,13 (Zurück zu v.10)
aqIn der Bibel ist dies die einzige Stelle, in der אשם im Hifil steht; daher ist die Bedeutung nicht ganz klar. „Büßen lassen“ ist die Mehrheitsmeinung. (Zurück zu v.11)
arMeist: „fallen“. Zu „Untergehen“ vgl. CDCH, S. 278; Ges18, S. 831 u.ö. (Zurück zu v.11)
asmin causae. Einige übersetzen merkwürdigerweise „Lass sie aus ihren Plänen fallen“, was immer das heißen mag. (Zurück zu v.11)
atvgl. Fußnote aa (Zurück zu v.11)
auTextkritik: Die Metaphorik des hebräischen Textes von V. 13 ist sehr hart: „Du krönst sie mit Huld wie mit einem Schild“. Da man selten mit Schildern gekrönt wird, macht auch der Vergleich, mit Huld „wie mit einem Schild“ gekrönt zu werden, keinen Sinn. Kittel 1914, S. 18 will daher „wie mit einem Schild“ streichen, aber Briggs 1906, S. 45; Budde 1915, S. 178; Gunkel 1968, S. 20; Kissane 1953, S. 19f.; Kraus 1961, S. 36f. und Schmidt 1934, S. 9f. haben den besseren Vorschlag gemacht, das „du schützt sie“ aus V. 12 nach V. 13 zu verschieben; auch BHS hält dies für „wahrscheinlich“. Dem wird man sich besser anschließen müssen.
עָלֵימוֹ(du schützt) sie“ kann man weiterhin emendieren zu עָלָיו(du schützt) ihn“; allerdings ist das wohl nicht einmal nötig, da der Numeruswechsel entweder erklärbar wäre als N-Shift oder dadurch, dass „der Gerechte“ generalisierendes Singular ist. (Zurück zu v.12 / zu v.13)
avDer „Name“ Gottes steht meist für Gott selbst, aber mit Fokus darauf, dass hier vom „Gott im Menschenmund“ die Rede ist. Jene, die den „Namen Gottes lieben“ sind deshalb die Verehrer Gottes - die JHWH-Gläubigen. Vgl. z.B. Grether 1934, S. 40. (Zurück zu v.12)
awHier steht ein „überflüssiges“ Personalpronomen („Denn du, du segnest“). „Überflüssig“ in Anführungszeichen, denn existieren überhaupt keine überflüssigen Personalpronomen (IBHS §16.3.2a: „It is doubtful that any major linguistic element can truly be superfluous or redundant.“) - wo diese auf den ersten Blick überflüssigerweise gesetzt werden, dient dies einem kommunikativ-pragmatischem Grund und eine Doppelung des Pronomens in der Übersetzung sollte durchaus vermieden werden. Hier folgt der betreffende Satz direkt auf einen Vers, der aussagt, dass die JHWH-Verehrer sich über JHWH freuen werden, und angeschlossen wird mit kausalem כִּי; es wird also wohl hier die Funktion des Pronomens sein, „the exclusive role of the referent of the pronoun“ (BHRG §36.1.1.3.i) anzugeben. Gut daher B-R: „Denn du bists, der segnet den Bewährten“; Terrien 2003, S. 103: „For it is thou, Lord, who blessest...“.
Die beiden folgenden Stichen führen den Satz fort. (zu v.13)
axgeneralisierendes Singular. Mit den „Gerechten“ werden häufig die JHWH-Gläubigen bezeichnet, also besser „Fromme“. Hier aber stehen sie im Kontrast zu den Frevlern, Lügnern und Betrügern, deshalb sollte man wohl besser die Übersetzung „Gerechte“ beibehalten. (Zurück zu v.13)
ayDie Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWH jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998, S. 185: „Quite often in both the NT and OT, crowns are symbols of God's blessings on his people.“). Vgl. Ps 8,6; Ps 65,12; Ps 103,4. (Zurück zu v.13)