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[Bist] der, der dort<ref>''Dort'' - nämlich im himmlischen Obergemach.</ref> Wolken [als] seinen Wagen (sein Fahrzeug) [hat],<ref>''Wolken [als] seinen Wagen'' - Eine alte Vorstellung; auch der altorientalische Gott Baal wird häufig als „Wolkenreiter“ bezeichnet (vgl. z.B. DDD, S. 704).</ref> {{par|Deuteronomium|33|26}}{{par|2 Samuel|22|12 |13}}{{par|Psalm|18|12|13}}{{par|Jesaja|19|1}} | [Bist] der, der dort<ref>''Dort'' - nämlich im himmlischen Obergemach.</ref> Wolken [als] seinen Wagen (sein Fahrzeug) [hat],<ref>''Wolken [als] seinen Wagen'' - Eine alte Vorstellung; auch der altorientalische Gott Baal wird häufig als „Wolkenreiter“ bezeichnet (vgl. z.B. DDD, S. 704).</ref> {{par|Deuteronomium|33|26}}{{par|2 Samuel|22|12 |13}}{{par|Psalm|18|12|13}}{{par|Jesaja|19|1}} | ||
_[Bist] der, der sich fortbewegt auf den Flügeln des Windes,<ref><center>[[Datei:Vier Winde.jpg|miniatur]]</center>''Flügel des Windes'' - Die Winde werden in vielen alten Kulturen als geflügelte Gestalten vorgestellt. Im babylonischen Adapa-mythos etwa bricht der Held Adapa die Flügel des Südwindes Šûtu. Zusammen mit einem ihrer drei Brüdern ist sie oben links zu sehen; auf dem ganzen Siegel (s. Wiggermann 2007, S. 142; hier auch weitere Darstellung der personifizierten vier Winde im Alten Orient) sind auch die anderen beiden Brüder abgebildet. In der ägyptischen Bilderwelt sind die personifizierten Winde mal als geflügelte Humanoide, mal als geflügelte Tierwesen dargestellt; in den beiden unteren Bildausschnitten (zu finden an der Decke des Hathor-Tempels in Dendera; Foto: Olaf Tausch) etwa ist der Südwind ein geflügelter Widder und der Westwind ein widderköpfiger Sperber. Eine schöne Rekonstruktion einer weiteren ägyptischen Darstellung mit allen vier Winden lässt sich [http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/dmg/periodical/pageview/11625 hier] betrachten. Sehr bekannt sind auch die griechischen personifizierten Winde Boreas, Apheliotes, Notos und Zephyros; oben rechts z.B. ein Bronzerelief von Boreas (Grafik aus Richter 1915, S. 30).<br />In der Bibel scheinen die Winde personifiziert durch die geflügelten ''Cheruben'' gedacht zu sein (vgl. [[Offenbarung 7#s1 |Offb 7,1]] („Danach sah ich vier Engel, die auf den vier Ecken der Erde standen und die vier Winde der Erde festhielten...“)), ''auf denen'' Gott gelegentlich auch reitet (vgl. [[Psalm 18#s11 |Ps 18,11]] („Er ritt auf einem Cherub und flog und schwebte auf den Flügeln des Windes“) und die anderen Parallelstellen). Die beiden Zeilen sprechen also von zwei unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln: JHWH ist sowohl Wolken- als auch Wind-/Cherubenreiter.</ref> {{par|2 Samuel|22|11}}{{par|Psalm|18|11}}{{par|Ezechiel|9|3}}{{par|Ezechiel|10|4}}{{par|Ezechiel|10|18}}{{par|Ezechiel|11|22}} | _[Bist] der, der sich fortbewegt auf den Flügeln des Windes,<ref><center>[[Datei:Vier Winde.jpg|miniatur]]</center>''Flügel des Windes'' - Die Winde werden in vielen alten Kulturen als geflügelte Gestalten vorgestellt. Im babylonischen Adapa-mythos etwa bricht der Held Adapa die Flügel des Südwindes Šûtu. Zusammen mit einem ihrer drei Brüdern ist sie oben links zu sehen; auf dem ganzen Siegel (s. Wiggermann 2007, S. 142; hier auch weitere Darstellung der personifizierten vier Winde im Alten Orient) sind auch die anderen beiden Brüder abgebildet. In der ägyptischen Bilderwelt sind die personifizierten Winde mal als geflügelte Humanoide, mal als geflügelte Tierwesen dargestellt; in den beiden unteren Bildausschnitten (zu finden an der Decke des Hathor-Tempels in Dendera; Foto: Olaf Tausch) etwa ist der Südwind ein geflügelter Widder und der Westwind ein widderköpfiger Sperber. Eine schöne Rekonstruktion einer weiteren ägyptischen Darstellung mit allen vier Winden lässt sich [http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/dmg/periodical/pageview/11625 hier] betrachten. Sehr bekannt sind auch die griechischen personifizierten Winde Boreas, Apheliotes, Notos und Zephyros; oben rechts z.B. ein Bronzerelief von Boreas (Grafik aus Richter 1915, S. 30).<br />In der Bibel scheinen die Winde personifiziert durch die geflügelten ''Cheruben'' gedacht zu sein (vgl. [[Offenbarung 7#s1 |Offb 7,1]] („Danach sah ich vier Engel, die auf den vier Ecken der Erde standen und die vier Winde der Erde festhielten...“)), ''auf denen'' Gott gelegentlich auch reitet (vgl. [[Psalm 18#s11 |Ps 18,11]] („Er ritt auf einem Cherub und flog und schwebte auf den Flügeln des Windes“) und die anderen Parallelstellen). Die beiden Zeilen sprechen also von zwei unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln: JHWH ist sowohl Wolken- als auch Wind-/Cherubenreiter.</ref> {{par|2 Samuel|22|11}}{{par|Psalm|18|11}}{{par|Ezechiel|9|3}}{{par|Ezechiel|10|4}}{{par|Ezechiel|10|18}}{{par|Ezechiel|11|22}} | ||
{{S|4}} [Bists], der macht zu seinen Boten Winde<ref>''Winde'' - Das selbe Wort findet sich in der Zeile zuvor im Sg., hier im Pl. Eine solche Sg-Pl-Variation ist ein häufigeres Stilmittel in der heb. Lyrik (''ad loc.'' vgl. Yona 2005, S. 157).</ref> (seine Boten zu Winden),<ref>''Zu seinen Boten Winde (seine Boten zu Winden)'' - Diese und die nächste Zeile lässt sich auf vier verschiedene Weisen verstehen | {{S|4}} [Bists], der macht zu seinen Boten Winde<ref>''Winde'' - Das selbe Wort findet sich in der Zeile zuvor im Sg., hier im Pl. Eine solche Sg-Pl-Variation ist ein häufigeres Stilmittel in der heb. Lyrik (''ad loc.'' vgl. Yona 2005, S. 157).</ref> (seine Boten zu Winden),<ref>''Zu seinen Boten Winde (seine Boten zu Winden)'' - Diese und die nächste Zeile lässt sich auf vier verschiedene Weisen verstehen; wegen V. 3 ist die wahrscheinlichste Deutung die vierte. | ||
# „Er macht seine Boten zu Winden (und Flammen)“, d.h. er lässt seine Engel unter anderem in der Gestalt dieser Elementen erscheinen. Von der Wortstellung liegt diese Auflösung am nächsten; es ist dies auch die Deutung des Verses in [[Hebräer 1#s7 |Heb 1,7]] und es finden sich dafür auch deutliche Parallelen in der frühjüdischen Literatur; s. etwa 4 Esr 8,21f.: „[...] das Heer der Engel [...], deren dienende Schar sich in Wind und Feuer wandelt [...]“. So ist unser Vers auch klar im Midrasch Exodus Rabba verstanden worden: „[JHWH heißt] ‚Der Gott der Heerschaaren,‘ denn er thut den Willen an seinen Engeln. Wenn er will, lässt er sie sitzen, s. [[Richter 7#s11 |Ri 7,11]] [...] und zuweilen lässt er sie stehen, s. [[Jesaja 6#s2 |Jes 6,2]] [...], zuweilen lässt er sie in weiblicher Gestalt erscheinen, s. [[Sacharja 5#s9 |[Sach] 5,9]] [...], zuweilen aber in männlicher Gestalt s. [[Genesis 18#s2 |Gen 18,2]] [...], zuweilen macht er sie zu Winden, wie es heisst Ps 104,4 [...], zuweilen aber auch zu Feuer, s. das. [...].“ (ExR 25,2; Üs.: Wünsche 1882, S. 188f.) | # „Er macht seine Boten zu Winden (und Flammen)“, d.h. er lässt seine Engel unter anderem in der Gestalt dieser Elementen erscheinen. Von der Wortstellung liegt diese Auflösung am nächsten; es ist dies auch die Deutung des Verses in [[Hebräer 1#s7 |Heb 1,7]] und es finden sich dafür auch deutliche Parallelen in der frühjüdischen Literatur; s. etwa 4 Esr 8,21f.: „[...] das Heer der Engel [...], deren dienende Schar sich in Wind und Feuer wandelt [...]“. So ist unser Vers auch klar im Midrasch Exodus Rabba verstanden worden: „[JHWH heißt] ‚Der Gott der Heerschaaren,‘ denn er thut den Willen an seinen Engeln. Wenn er will, lässt er sie sitzen, s. [[Richter 7#s11 |Ri 7,11]] [...] und zuweilen lässt er sie stehen, s. [[Jesaja 6#s2 |Jes 6,2]] [...], zuweilen lässt er sie in weiblicher Gestalt erscheinen, s. [[Sacharja 5#s9 |[Sach] 5,9]] [...], zuweilen aber in männlicher Gestalt s. [[Genesis 18#s2 |Gen 18,2]] [...], zuweilen macht er sie zu Winden, wie es heisst Ps 104,4 [...], zuweilen aber auch zu Feuer, s. das. [...].“ (ExR 25,2; Üs.: Wünsche 1882, S. 188f.) | ||
# „Er macht seine Boten zu Winden (und Flammen)“ als Metapher für „schnell wie Wind“ und „gefährlich (?) wie Feuer“. So übersetzt den Vers z.B. der Targum; es ist auch die Deutung des Kirchenvaters Athanasius in seinen ''Expositiones in Psalmos'' und noch Edel 1966, S. 139 schlägt diese Deutung vor. | # „Er macht seine Boten zu Winden (und Flammen)“ als Metapher für „schnell wie Wind“ und „gefährlich (?) wie Feuer“. So übersetzt den Vers z.B. der Targum; es ist auch die Deutung des Kirchenvaters Athanasius in seinen ''Expositiones in Psalmos'' und noch Edel 1966, S. 139 schlägt diese Deutung vor. | ||
# „Er macht zu seinen Boten Winde (und Flammen)“, d.h. er erschafft sie aus Wind und Feuer (entsprechend den arabischen Dschinn, die ebenfalls aus Feuer erschaffen sind). Auch hierfür gibt es Parallelen in der frühjüdischen Literatur; vgl. z.B. 2 Hen 29,3: „Aus dem Fels schnitt ich [= Gott] ein großes Feuer, und aus dem Feuer schuf ich die Reihen der Körperlosen Armeen - zehn Myriaden Engel - und ihre Waffen sind feuerig und ihre Kleider brennende Flammen.“ (Üs. nach Kaduri 2015, S. 140; ähnlich versteht unseren Vers z.B. noch Delitzsch 1894: „Machend seine Boten aus Winden...“). | # „Er macht zu seinen Boten Winde (und Flammen)“, d.h. er erschafft sie aus Wind und Feuer (entsprechend den arabischen Dschinn, die ebenfalls aus Feuer erschaffen sind). Auch hierfür gibt es Parallelen in der frühjüdischen Literatur; vgl. z.B. 2 Hen 29,3: „Aus dem Fels schnitt ich [= Gott] ein großes Feuer, und aus dem Feuer schuf ich die Reihen der Körperlosen Armeen - zehn Myriaden Engel - und ihre Waffen sind feuerig und ihre Kleider brennende Flammen.“ (Üs. nach Kaduri 2015, S. 140; ähnlich versteht unseren Vers z.B. noch Delitzsch 1894: „Machend seine Boten aus Winden...“). | ||
# „Er macht zu seinen Boten Winde (und Flammen)“, d.h.: Gott ist Herr auch über Wind und Feuer, die er daher „in seinen Dienst“ nehmen und über die er gebieten kann: Winde sind seine „Dienstboten“, Feuerflammen seine „Diener“. Das ist hier durchaus die wahrscheinlichste Deutung, denn inwiefern Gott z.B. die (Personifikationen der) Winde „in Dienst nehmen“ kann, sieht man ja exemplarisch im vorigen Vers: Als Reittiere.</ref> | # „Er macht zu seinen Boten Winde (und Flammen)“, d.h.: Gott ist Herr auch über Wind und Feuer, die er daher „in seinen Dienst“ nehmen und über die er gebieten kann: Winde sind seine „Dienstboten“, Feuerflammen seine „Diener“. Das ist hier durchaus die wahrscheinlichste Deutung, denn inwiefern Gott z.B. die (Personifikationen der) Winde „in Dienst nehmen“ kann, sieht man ja exemplarisch im vorigen Vers: Als Reittiere.</ref> | ||
_Zu seinen Dienern (Seine Diener [sind]) flammendes Feuer (Flamme [und] Feuer)<ref>'''tFN''': ''zu Dienern flammendes Feuer (Flamme [und] Feuer)'' - Etwas schwierige Stelle. Der heb. Text wirkt auf den ersten Blick so, als müsste er klar wie im Fließtext übersetzt werden. Im Heb. wäre dann aber zu erwarten, dass ''Diener'', ''flammend'' und ''Feuer'' alle im selben Numerus und Genus stünden. Hier allerdings ist „Diener“ Maskulin Plural, „Feuer“ Feminin Singular und „flammend“ Maskulin Singular (4QPs<sup>a</sup> verändert daher das letzte Wort nach Feminin). Gunkel 1926, S. 454; Herkenne 1936, S. 334 und Kraus 1966, S. 708 wollen daher korrigieren von „flammendes Feuer“ zu „Flamme und Feuer“, so dass das vorangehende Pluralpartizip „Diener“ sich auf beide beziehen würde und damit Plural und auch Maskulin sein könnte.<br />Vermutlich ist dies aber gar nicht nötig: ''´esch'' findet sich bisweilen auch als maskulines Nomen und gehört damit zu jenen, die beide Genera haben können. Es könnte also auch hier als maskulines Nomen aufgefasst werden, womit sich das „flammend“ problemlos auf es beziehen könnte. In der heb. Grammatik findet sich außerdem häufig der Fall, dass ein „kollektives“ Nomen (z.B. „Menschenmasse“, in dessen Wortsinn es liegt, dass ''mehrere'' Menschen damit bezeichnet werden) trotz grammatischem Singular ein Pluralprädikat erhält (vgl. z.B. JM §148a), was dann hier das Plural von „Diener“ erklären würde.</ref> {{par|Ezechiel|1|13}}{{par|Joel|2|3}}{{par|Hebräer|1|7}}{{par|Offenbarung|4|5}} | _Zu seinen Dienern (Seine Diener [sind]) flammendes Feuer (Flamme [und] Feuer),<ref>'''tFN''': ''zu Dienern flammendes Feuer (Flamme [und] Feuer)'' - Etwas schwierige Stelle. Der heb. Text wirkt auf den ersten Blick so, als müsste er klar wie im Fließtext übersetzt werden. Im Heb. wäre dann aber zu erwarten, dass ''Diener'', ''flammend'' und ''Feuer'' alle im selben Numerus und Genus stünden. Hier allerdings ist „Diener“ Maskulin Plural, „Feuer“ Feminin Singular und „flammend“ Maskulin Singular (4QPs<sup>a</sup> verändert daher das letzte Wort nach Feminin). Gunkel 1926, S. 454; Herkenne 1936, S. 334 und Kraus 1966, S. 708 wollen daher korrigieren von „flammendes Feuer“ zu „Flamme und Feuer“, so dass das vorangehende Pluralpartizip „Diener“ sich auf beide beziehen würde und damit Plural und auch Maskulin sein könnte.<br />Vermutlich ist dies aber gar nicht nötig: ''´esch'' findet sich bisweilen auch als maskulines Nomen und gehört damit zu jenen, die beide Genera haben können. Es könnte also auch hier als maskulines Nomen aufgefasst werden, womit sich das „flammend“ problemlos auf es beziehen könnte. In der heb. Grammatik findet sich außerdem häufig der Fall, dass ein „kollektives“ Nomen (wie z.B. „Menschenmasse“, in dessen Wortsinn es liegt, dass ''mehrere'' Menschen damit bezeichnet werden) trotz grammatischem Singular ein Pluralprädikat erhält (vgl. z.B. JM §148a), was dann hier das Plural von „Diener“ erklären würde.</ref> {{par|Ezechiel|1|13}}{{par|Joel|2|3}}{{par|Hebräer|1|7}}{{par|Offenbarung|4|5}} | ||
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Version vom 20. Juli 2017, 08:02 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (Psalm 104)
(kommt später)Studienfassung (Psalm 104)
1 ([Von (für, nach Art von) David])〈a〉
Preise, meine Seele, JHWH!〈b〉
JHWH, mein Gott,〈c〉 [du bist] ([ist]) sehr groß!
Du bist bekleidet (hast dich bekleidet) mit Majestät und Herrlichkeit (majestätischer Herrlichkeit/Pracht),〈d〉
2 _[Bist] mit Licht wie mit einem Mantel umhüllt (verhüllt, ein Eingehüllter),〈e〉〈f〉 ℘℘℘
[Bists], der den Himmel wie eine Zeltdecke ausspannte〈g〉 (bist ausspannend), 〈e〉 ℘
3 _[Bist] der, der zimmerte (bälkte) mit (im) Wasser ein Obergemach〈h〉 ℘
[Bist] der, der dort〈i〉 Wolken [als] seinen Wagen (sein Fahrzeug) [hat],〈j〉 ℘℘℘℘
[Bist] der, der sich fortbewegt auf den Flügeln des Windes,〈k〉 ℘℘℘℘℘℘
4 [Bists], der macht zu seinen Boten Winde〈l〉 (seine Boten zu Winden),〈m〉
Zu seinen Dienern (Seine Diener [sind]) flammendes Feuer (Flamme [und] Feuer),〈n〉 ℘℘℘℘
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Anmerkungen
| a | Textkritik: Die in Psalmen häufige, den angeblichen Verfasser angebende Überschrift „von David“ findet sich nicht in allen Überlieferungen des Textes – u.a. nicht Grundtext der BHS / BHQ –, dafür aber gerade in den sehr alten Textzeugen 11QPsa, LXX, Aq und evt. (vgl. Flint 1997, S. 96) in 4QPse. Das ist eine sehr starke Bezeugung; Goldingay 2008, S. 178 etwa sieht diese Überschrift daher als ursprünglich an. Die unterschiedliche Überlieferung lässt sich aber leichter erklären als Ergänzung (statt Streichung) zwecks einer Angleichung der sog. „anonymen“ Psalmen an die häufigeren Psalmen mit Autorenangabe. LXX allein hat wohl aus diesem Grund bei 13 anonymen Psalmen eine solche Angabe, wo der Codex Leningradensis sie nicht hat. (Zurück zu v.1) |
| b | Preise, meine Seele, JHWH - Eine Selbtermunterung zum Gebet; ähnliches findet sich z.B. auch in Ps 34,2; Ps 42,5.11; 43,5; 103,1.22; 116,7; 145,21. Zur wohl dahinterstehenden Vorstellung vgl. am besten Ps 77,2 („Meine Seele weigerte sich, sich trösten zu lassen“); 131,2 („Ich habe meine Seele besänftigt und beruhigt“): Wie jeder Beter weiß, hat das Herz manchmal seine eigene Dynamik und ist nicht von vornherein dazu bereit(et), beten zu können - daher muss der Beter bewusst Einfluss auf die Stimmung seines Herzens nehmen. Das selbe Motiv findet sich übrigens auch in deutschen Kirchenliedern; man vergleiche etwa Paul Gerhards Lieder „Du meine Seele, singe“ und „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden / nimm wahr, was heut geschieht“. (Zurück zu v.1) |
| c | Textkritik - Die auffällige Aneinanderreihung dreier Gottesbezeichnungen (2x JHWH, 1x mein-Gott) hat in der Textüberlieferung für etwas Verwirrung gesorgt: In einigen heb. Handschriften fehlt eines der beiden JHWH, in einer Handschrift der LXX finden sich drei davon. 11QPsa hat statt „mein Gott“ die Variante „unser Gott“, 4QPsd die Variante „Gott“. Ursprünglich ist sicher die Variante im Fließtext. (Zurück zu v.1) |
| d | Majestät und Herrlichkeit - Zwei häufigere Züge bei der Beschreibung Gottes: „Bei ihm“ ist Majestät und Herrlichkeit und er selbst ist majestätisch und herrlich (vgl. 1 Chr 16,27; 96,6; 111,3; 145,5), daher kann auch einzig er einzelnen Menschen diese Eigenschaften gewähren (vgl. Ps 21,5; 45,2f.; sarkastisch in Ijob 40,10). Das zweite Wort, hadar, kann auch konkret den Schmuck bezeichnen; entsprechend ist es auch in Ijob 40,10; Spr 31,25; Jes 63,1; Ez 16,14 (vgl. ähnlich Ps 93,1) etwas, womit man sich „kleiden“ kann. (Zurück zu v.1) |
| e | Mit Licht umhüllt + Himmel ausgespannt - Binnenreim der beiden Partizipien: `oteh-´or + noteh schamajim. (zu v.2) |
| f | mit Licht umhüllt - Ps 104 hat viele Anklänge an die Schöpfungserzählung in Genesis 1; die Rede vom „sich mit Licht umhüllen“ spielt daher wohl auf die auch dort geschilderte Schöpfung des Lichts an. (Zurück zu v.2) |
| g | Himmel wie eine Zeltdecke ausspannte - Nach biblischer Vorstellung ist der Himmel ein festes Gebilde (vgl. z.B. Ijob 37,18; Ez 1,22), das „ausgebreitet“ oder „ausgespannt“ (vgl. Ijob 9,8; 42,5; 44,24) wurde, um das die Wasser über der Erde vom Überfluten der Erde zurückzuhalten (vgl. z.B. Ijob 37,11). Sehr häufig ist er außerdem vorgestellt als die „Wohnstatt Gottes“. Beides wird hier kombiniert zur Vorstellung des Himmels als dem „Zelt Gottes“, das nach seinem ausgespannt-Werden dann in V. 3 noch weiter ausgebaut wird. (Zurück zu v.2) |
| h | mit Wasser zimmerte - D.h. JHWH hat im Himmel sein Obergemach errichtet, indem er mit oder im Wasser - nämlich dem, aus dem der Himmel besteht und das vom Firmament davon zurückgehalten wird, die Erde zu überfluten - seine Wohnung „zimmert“. Die Rede vom Himmel als „Obergemach“ ist schön und sehr treffend - impliziert es doch, dass Gott zu diesem Obergemach auch ein „Erdgeschoss“ hat, was den Rest des Psalms vorbereitet. (Zurück zu v.3) |
| i | Dort - nämlich im himmlischen Obergemach. (Zurück zu v.3) |
| j | Wolken [als] seinen Wagen - Eine alte Vorstellung; auch der altorientalische Gott Baal wird häufig als „Wolkenreiter“ bezeichnet (vgl. z.B. DDD, S. 704). (Zurück zu v.3) |
| k | In der Bibel scheinen die Winde personifiziert durch die geflügelten Cheruben gedacht zu sein (vgl. Offb 7,1 („Danach sah ich vier Engel, die auf den vier Ecken der Erde standen und die vier Winde der Erde festhielten...“)), auf denen Gott gelegentlich auch reitet (vgl. Ps 18,11 („Er ritt auf einem Cherub und flog und schwebte auf den Flügeln des Windes“) und die anderen Parallelstellen). Die beiden Zeilen sprechen also von zwei unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln: JHWH ist sowohl Wolken- als auch Wind-/Cherubenreiter. (Zurück zu v.3) |
| l | Winde - Das selbe Wort findet sich in der Zeile zuvor im Sg., hier im Pl. Eine solche Sg-Pl-Variation ist ein häufigeres Stilmittel in der heb. Lyrik (ad loc. vgl. Yona 2005, S. 157). (Zurück zu v.4) |
| m | Zu seinen Boten Winde (seine Boten zu Winden) - Diese und die nächste Zeile lässt sich auf vier verschiedene Weisen verstehen; wegen V. 3 ist die wahrscheinlichste Deutung die vierte.
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| n | tFN: zu Dienern flammendes Feuer (Flamme [und] Feuer) - Etwas schwierige Stelle. Der heb. Text wirkt auf den ersten Blick so, als müsste er klar wie im Fließtext übersetzt werden. Im Heb. wäre dann aber zu erwarten, dass Diener, flammend und Feuer alle im selben Numerus und Genus stünden. Hier allerdings ist „Diener“ Maskulin Plural, „Feuer“ Feminin Singular und „flammend“ Maskulin Singular (4QPsa verändert daher das letzte Wort nach Feminin). Gunkel 1926, S. 454; Herkenne 1936, S. 334 und Kraus 1966, S. 708 wollen daher korrigieren von „flammendes Feuer“ zu „Flamme und Feuer“, so dass das vorangehende Pluralpartizip „Diener“ sich auf beide beziehen würde und damit Plural und auch Maskulin sein könnte. Vermutlich ist dies aber gar nicht nötig: ´esch findet sich bisweilen auch als maskulines Nomen und gehört damit zu jenen, die beide Genera haben können. Es könnte also auch hier als maskulines Nomen aufgefasst werden, womit sich das „flammend“ problemlos auf es beziehen könnte. In der heb. Grammatik findet sich außerdem häufig der Fall, dass ein „kollektives“ Nomen (wie z.B. „Menschenmasse“, in dessen Wortsinn es liegt, dass mehrere Menschen damit bezeichnet werden) trotz grammatischem Singular ein Pluralprädikat erhält (vgl. z.B. JM §148a), was dann hier das Plural von „Diener“ erklären würde. (Zurück zu v.4) |
